Tag-Archiv | SchwesterClementine

Circus HalliGalli…

„Mom? Mom! MOM!?“

„Hmmmmmm…..?“

Schlaftrunken öffne ich mein rechtes Auge und erblicke mein völlig derangiertes Spiegelbild in den Augen meines drittgeborenen Kindes.

„Mom!“ wiederholt es erfreut und lässt seine Zähne vor meiner Nasenspitze blitzen. „Was tust du?“

„Rückenschwimmen“ murmel ich ungnädig und schließe das Auge wieder. Viel zu hell, viel zu müde.

„MOM!“

Kind drei männlich ist nicht das, was man allgemeinhin als „geduldig“ bezeichnet. Ich öffne also mein Auge erneut, wohl wissend, das Junior erst dann das Feld räumen und mich in Frieden weiter schlafen lassen würde, wenn er befriedigende Antwort auf das aktuelle Verlangen bekommen hätte.

„Was.Ist?“

„Warum schläfst du?“

Juniors Gesicht befindet sich immer noch nur Millimeter von meinem entfernt, was mich ein wenig irritiert.

„Sohn – sei doch so nett und gib mir wenigstens so viel Platz, dass ich mein zweites Auge auch noch auf bekomme.

Ich bekomme den Platz. Wenn auch widerwillig, denn Kind Nummer 3 ist ein Kontakttierchen. Je näher, je besser. Muss in seinem früheren Leben ein Känguru gewesen sein.

„Warum schläfst du?“

„Weil ich müde bin?“ Gibt es noch andere Alternativen? Ich überlege, aber mir fällt nicht wirklich eine ein.

„Warum bist du müde? Es ist Viertel nach Zwei?“

Der Nachwuchs ist ein recht hartnäckiges Känguru, soviel ist mal klar.

„Weil ich vielleicht Dienst hatte? Und nicht wirklich zum Schlafen gekommen bin?“

„Ah. Okay…!“ Immerhin – verständnisvoll ist er ja, der Kleine. Streichelt mir jetzt mitfühlend über den Arm, während er angstrengt durch mich hindurch stiert. Da kommt noch was – ich merk das schon…

„Aber – warum hast du denn nicht im Dienst geschlafen?“

Verdammt gute Frage. Die Antwort: Man hat mich schlicht nicht schlafen lassen…

Sonntag, 8:00 AM

Knackige Übergabe im Kreißsaalstützpunkt. Das Bambi, diensthabende Ärztin des Vortages, hat tiefe, dunkle Ringe unter den Augen – zwei schwangere Aufnahmen mitten in der Nacht, dreimal Ambulanz (Harnwegsinfekt, Harnwegsinfekt und Frau mit Langeweile auf der Suche nach Zerstreuung) dazwischen, eine Geburt und kein bisschen Schlaf – die kleine Assistenzärztin ist augenscheinlich mit den Nerven am Ende. Im Orbit kreissen derweil insgesamt noch 5 weitere Schwangere – it´s Showtime!

8:15 AM

Visite mit Schwester Elvira, die schlecht gelaunt und mit mürrischem Blick hinter mir her von Zimmer zu Zimmer trottet. 25 Patientinnen warten hier auf Trost und Ansprache, Verbandswechsel und Drainagen-Entfernung. Witwe Bolte aus Zimmer 0815 diskutiert 10 Minuten lang ausführlich ihr gesamtes Verdauungssystem sowie jeden einzelnen Stuhlgang der letzten drei Wochen mit mir, während Chantalle-Schakkeline Jung aus dem Nachbarraum über Schwindel und Unwohlsein klagt.

„Schwindel und Unwohlsein BEVOR oder NACHDEM sie heute morgen geraucht haben?“

Die kleine Frau errötet hold bis unter die Haarwurzeln – hatte mich gar nicht gesehen, als ich vorhin an ihr vorbei zur Arbeit lief. Ich sie schon – gemütlich rauchend und kein bisschen leidend. Unverblümt teile ich dem Chantalle mit, dass ich sie heute, an Tag 5 nach absolut unauffälliger Bauchspiegelung nach Hause zu schicken gedächte, und nein, krank schreiben ist nur bis zum kommenden Tag möglich und keinesfalls bis August 2013, hörmma, JETZT ABBA!

Chantalle-Schakkeline versucht es noch mit der Tränendrüsen-Nummer, da sind wir auch schon weiter gezogen. Leben ist kein Ponyschlecken, soviel ist mal klar.

9:00 AM

Pünktlich zum Ende der Visiten-Nummer rappelt das Diensttelefon und ruft zur Geburt – im meerblauen Kreißsaal Nummer I liegt Frau Müller-Lüdenscheidt in der himmelblauen Gebärbadewanne und stöhnt laut und anhaltend vor sich hin, während O-Helga, die Oberhebamme, beruhigend auf sie einredet.

„Schön. Ja. Weiter. So ist es gut. So. Ja. JA. JAAAA!“

Geburtshelfer sind so verschieden wie Sommerblumen auf einer Bergwiese. Es gibt die

– Cheerleader – „Yeah! Baby – Yeah. Super-Schön Machst-Du-Das – YeahYeahYeah!“ *PomPomsSchwing* ,

– die Mutterflüsterer – „Du, das ist gaaaanz schön, was du da machst, Sonja-Beate. Das fühlt sich so ganz und gar richtig an und kraftvoll und stark, ich fühl das ganz arg deutlich. Und wenn du jetzt magst, Sonja-Beate, dann atme doch mal ganz arg doll zu Marvin-Tscheremeier hin, du, ja?“. Es gibt

– die Schreier – „Ja. Jaaa. Jaaaaaaa. JAAAAAA. JAAAAAAAAAAAAAAAAA!!!!! und dann auch noch

– die leisen Menschen – „Schön. Ja. Kleiner Schubs noch. ……. Prima. Ist da.“.

Ich persönlich bin eine gute fifty-fifty-Mischung aus Cheerleader und Schreier

„Ja! JA! SUPER! Das ist TOLL! Sie machen das GROSSARTIG! Ich sehe Haare! Schwarze, blonde, rote, gelockte, keine Haare! Es kommt! Es ist fast da! JA! Oh mein Gott! JA! HURRAAAA. ES KOMMT. ES KOOOHOOOOMT. ES.KOOOOMT. JEEEEHEEETZT!!! *räusper* – was soll ich machen – ich kann nicht anders :)

O-Helga hingegen ist das genaue Gegenteil von mir. Kann mit drei Worten ein Kind rausreden, auf das ich zuvor zwei Stunden lang eingebrüllt habe. Okay – kann man irgendwie verstehen. In jedem Fall ist ein Doppeleinsatz von mir und der alten Oberhebamme extrem unterhaltsam.

Ich: „Super! SUPER! Das machen sie SUPER!“

O-Helga *streng*: „Josephine – Klappe!“

Ich *kleinlaut*: „Mönsch, O-Helga! Bisschen anfeuern?“

Unerbittlich schüttelt die kleine Hebamme den graubehaarten Kopf und so klappe ich meinen Mund wie geheißen zu. Dann kommt die nächste Wehe, Frau Müller-Lüdenscheidt presst…

O-Helga *ruhig*: „Jaaa…….!“

Ich *hibbel*: „Hmpffffff….“

Und dann ist es da! Rausgeploppt. Unkompliziert. Und schwimmt verträumt in der Wanne umher. Während O-Helga es mit fachmännischem Griff einfängt und der erschöpften Mutter an die nasse Brust drückt, verabschiede ich mich zügig in Richtung Ambulanz, wo um…

9:15 AM

…15 Patientinnen sitzen. Fünfzehn. In Worten: FÜNFZEHN!!! Sind die alle bescheuert, oder was?

Ich *schockiert*: „(Schwester)Notfall – sind die alle bescheuert?“

Notfall schlürft ungerührt an ihrem Kaffee, während sie mir mit links einen Stapel Akten entgegenhält „Mehr oder weniger“ brummt sie schlecht gelaunt und schiebt mich ins nächstgelegene Untersuchungszimmer, zu einer Blutung in der Frühschwangerschaft.

Dann zu Schmerzen in der Frühschwangerschaft, einem Scheidenpilz, einem Harnwegsinfekt, Schmerzen im Unterbauch ohne Schwangerschaft, Pille danach, Angst vor Krebs, einem verlorenen Tampon, einer akuten Kinderlosigkeit, einem (negativen) Schwangerschaftstest, noch einem Harnwegsinfekt, einer stationären Aufnahme bei großer Eierstockszyste, einer Frau mit Magenschmerzen (Note to self: Internisten umbringen wegen gemeiner Patientenannahmeverweigerung) und einer Spätschwangeren mit fraglicher Wehentätigkeit. Um

1:00 PM

sitze ich gerade mit Luigi und Anästhesist Sandmann beim Mittagessen, als das Handy bimmelt und „schlechtes CTG“ vermeldet – 33jährige Erstgebärende, laaaaaaanger kindlicher Herztonabfall ohne Erholung. Ich heisse Hebamme Ludmilla den Notfallknopf betätigen und hetze zum Kreißsaal, Luigi und den Sandmann einvernehmlich im Schlepptau.

Im Kreißsaal angekommen ist bereits alles vorbereitet: Ludmilla und O-Helga haben die Frau schon im Not-OP auf den Tisch gepackt, sodass Sandmann direkt seine Anästhesie vorbereiten kann, während Luigi und ich uns in die sterilen Handschuhe schmeissen.

„Luigi, Junge – ich bin froh, dass du da bist!“ flüster ich noch, bevor der Anästhesist mit erhobenem Daumen das OK zum Schnitt gibt. Alleine notsectionieren ist immer doof, und da der Oberarzt von ausserhalb kommt, ist die Nummer bei seinem Auftritt meist gelaufen. So auch heute – routiniert assistiert der kleine Chirurg meine Sectio und in nicht einmal einer Minute haben wir einen kleinen, mässig schluffigen Jungen aus der warmen Körperhöhle seiner Mutter gepuhlt. Als Oberarzt Napoli mit rotem Gesicht und schwer atmend schließlich doch noch im Kreißsaal aufschlägt, sind der Aufschneider-Kollege und ich bereits am Zunähen, während der Kinderarzt Entwarnung von der Babyfront erteilt.

2:00 PM

Auf Station steppt der Bär. Und Frau Wuschig. Die siebenundneunzigjährige, demente aber unglaublich mobile Brustkrebspatientin hat sich unerlaubt vom Acker gemacht und besucht die Nachbarinnen der Nebenzimmer, während Schwester Clementine verzweifelt versucht, sie ins eigene Zimmerchen zurück zu bugsieren, was Frau Wuschig wiederum nur mit erneutem Fluchtversuch quittiert. Frau Kaiser-Beulenstein, Zustand nach Ausschabung vor zwei Tagen möchte wissen, ob sie nicht vielleicht noch die Blase gehoben bekommen könnte (Jetzt. Heute. Hier – wenn sie denn schon mal da sei…?!), während Frau Haubentaucher, 45 Jahre, Privatpatientin, nach dem Chefarzt der Inneren Medizin verlangt, um sich mit ihm ausführlich über ihr seit mehreren Jahren bestehendes Sodbrennen auseinander setzen zu können.

Ich hänge drei Blutkonserven an, verteile Medikamente, Verbände, Portnadeln und Viggos, ich unterschreibe gefühlt 1000 Laborzettel, Röntgen- und sonstige Befunde, schreibe Konsilanforderungen und Apothekenlisten, drei Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen, ein Attest, fünf Briefe und einen OP-Bericht.

Ich sehe noch fünf Schwangere in der Ambulanz, nehme zwei davon auf. Beide entbinde ich im weiteren Verlauf des Tages. Ich mache ein Konsil für den Kollegen Luigi (eine Hand wäscht schließlich die Andere), zwei für den Internisten (der im Gegenzug Frau Haubentaucher besucht und sich geschlagene 40 Minuten lang die unglaubliche Geschichte ihres Sodbrennens anhört. Ohne weitere Konsequenz, versteht sich!). Ich esse drei Stück Streuselkuchen, ein Snickers, trinke eine Vanillemilch und einen Liter Kaffee. Bereue nach wie vor, Nichtraucher zu sein, sonst könnte ich immer mal wieder für zwei Minuten zum Quatschen auf den Personal-Raucher-Balkon flüchten, und falle um…

11:00 PM

…totmüde ins Dienstbett. Komplett mit Kittel, Telefon, Kugelschreiber und anderem Schnick-Schnack. Um…

11:20 PM

…eiere ich völlig benebelt zu einer weiteren Geburt nach Kreißsaal II, fliederfarben, nähe eine Dreiviertelstunde lang an dem riesen Riss herum, den das 4600 g-Baby seiner Mutter verpasst hat, gehe dann, ohne über Los zu gehen oder nur annähernd 400 Euro zu ziehen Richtung Ambulanz, wo weitere 7 Patientinnen freundlich lächelnd und mit mehr oder minder ausgeprägten Beschwerden auf mich warten. Die da wären:

– Brennen in der Scheide.

– Herpes in der Scheide.

– Spermien in der Scheide. Verzeihung: Pille danach!

– Bauchschmerzen. Überall. Eigentlich Ganzkörperschmerzen. Aber besonders Bauchschmerzen.

– Brennen beim Wasser lassen.

– Frühschwanger. FrühESTschwanger. Erster Tag oder so. Im Ultraschall noch nichts zu sehen. Stationäre Aufnahme zur weiteren Überwachung abgelehnt. ICH hab es abgelehnt!

– Rechtsseitiger Unterbauchschmerz mit dringendem Verdacht auf Eileiterschwangerschaft. Eileiterschwangerschaft im Ultraschall bestätigt. Oberarzt Napoli angerufen und mitgeteilt, dass wir operieren müssen. Stat! Mörder-Anschiss von Oberarzt eingefangen, der „mitten in der Nacht! Wissen Sie, wie spät es ist? MITTEN IN DER NACHT! Da hab ich einfach KEINE LUST ZUM OPERIEREN!“ hat, aber nichts desto Trotz natürlich doch kommen muss und das auch tut.

Eine Stunde lang mit einem nölenden, maulenden, motzenden Mini-Italo-Oberarzt am Tisch gestanden und zugesehen, wie meine Lieblings-OP-Schwester Goldi genervt Augen rollt, als wären sie Roulette-Scheiben. Um…

3:00 AM

…erneuter Schlafversuch, welcher von Hebamme Gloria-Victoria mit einer neuerlichen Geburt zunichte gemacht wird. Nach 2 Stunden vergeblichen Entbindungsversuches ist klar: Dieses Kind kommt da nur per Kaiserschnitt raus.

Also erneut Oberarzt Napoli angerufen, der mich extra über Handy zurück ruft, um während seiner Fahrt vom Napolitanischen Zuhause in den Kreißsaal-OP weiter herumbrüllen zu können „Mitten in der Nacht! Hallo??? MITTEN IN DER NACHT…!“ Ihr wisst schon.

Am OP-Tisch jetzt OP-Oberschwester Ottilie, dienstälteste Schwester überhaupt, die nach 3 Minuten genug von Napolis Gemaule hat und das auch genau so weiter gibt: „Francesco? Halt jetzt VERDAMMT NOCH MAL die Klappe – das ist ja nicht zum aushalten mit dir!“

YEEEEES – gib es ihm! Ottie vor!!!

Napoli holt noch einmal tief Luft, errötet sichtbar unter seiner OP-Haube – und schweigt. Gegen Schwester Ottilie ist selbst er machtlos – diese Frau hat locker 30 Jahre Berufserfahrung Vorsprung, kannte den cholerischen Italiener noch zu Zeiten, als er medizinisch ein völlig unbeschriebenes Blatt und nicht immer die hellste Kerze auf dem Kuchen der Gynäkologie war. Napoli weiss das. Und Ottie weiss, das er weiss, das sie weiss. Und so beenden wir in himmlischer Stille und seltener Eintracht diese Entbindung. Um…

7:30 AM

…übergebe ich Chefarzt Böhnlein und den müde dreinschauenden Kollegen meinen Dienst und mache mich erschlagen und matt vom Acker, mümmel Zuhause noch ein Brötchen und zwei Tassen Kaffee in mich hinein, wasche ein bisschen Wäsche, kaufe schnell frisches Brot und bring noch schnell den Hund vor die Tür, bevor ich um …

11:30 AM

…völlig erschlagen auf meiner Couch lande.

Der Rest – siehe oben – ist Geschichte… :)

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Zurück im Irrenhaus…

Nee, so schlimm ist es ja gar nicht – nur unterbesetzt, wie eigentlich immer, aber die Stimmung ist prächtig, und das hat ja auch nicht jeder, oder? Bitte – danke!

Begonnen hat der Tag gleich mit den Dienstplänen der nächsten zwei Monate, welche (wir erinnern uns) durch genau 5,5 Männeken zu besetzen sind – und das, wo die Hälfte von uns (also – Quasi alle) in Monat 1 von 2 nochmal schön Urlaub eingereicht haben. Oder hatten. Schulferien eben… . Nach stundenlanger Hin- und Herdiskussion haben wir festgestellt, daß es eigentlich egal ist, WIE wir arbeiten – es wird so oder so ein englischer Monat dabei herauskommen, sprich: jeden 2. – 3. Tag Dienst. Wer wollte nochmal schnell Arzt werden? Ruhm, Ehre, Doktortitel? Gibt es bei uns gerade zu Hauf günstig abzugeben. Wir verzichten alle dankend…

Im Anschluß geht der Diensthabende nach Hause, Dr. Klitschko, Dienst des heutigen Tages, darf noch bis 14 Uhr Freiheit und Sonnenschein genießen, so daß ich mit meiner Famula, 6 Aufnahmen und 5 OPs allein, allein bleibe. Okay, ran an den Feind. Im Grunde genommen wäre alles gar nicht so übel (denn die Studentin ist fleißig, willig und obendrein echt fit), wenn meine Lieblingskatastrophenschwester Clementine nicht Frühdienst hätte, und die Leitung meines ohnehin schon schwer gestressten Handies im Minutentakt mit unsäglich lapidaren Anfragen blockieren würde. Beispiel erwünscht:

Clementine: „Frau Doktor, die Frau N. soll doch zum urologischen Dienst – zu Dr. H oder Dr. D.?“

Ich: „Clementine – ist mir so hoch wie breit. Bring sie dort unter, wo sie zuerst dran kommt, die Gute geht mir sonst vor Schmerzen gleich die glatte Wand hoch!“

Clementine: „Gut, dann zu Dr. H.“

Ich verschwinde zur Untersuchung, keine 5 Minuten später – Handyrasseln, Clementine-Terror:

Clementine: „Frau Doktor, der Dr. H. hat erst ab 10 Uhr Sprechstunde – soll ich dann jetzt bei Dr. D. anrufen?“

Kopf -> Tischkante

Ich (röchel): „Sicher, Clementine, rufen sie meinetwegen auch den Papst an, wenn der nur der Frau einen Termin besorgen kann!!!“

Fünf Minuten später – Telefonklingeln, Clementine-Terror die zweihundertdrölfzigste

Clementine: „Frau Doktor, bei Dr. D. hab ich jetzt einen Termin – wollen SIE den Transportschein unterschreiben, oder kann das auch die Oberärztin machen…?!“

Ächt jetzt – NOCH FRAGEN??? Ich bin geneigt, das Telefon in hohem Bogen aus dem weit geöffneten Patientenzimmer zu schmeißen, sehe dann aber binnen kürzester Zeit ein, daß das Teilchen ja auch nichts dafür kann, und Clementine zum Schweigen brächte ich höchstens durch orales einführen des Mobilfunkes IN die Schwester. Was ich nicht darf. Wie schade…

Gegen 11 Uhr entläßt mich der Herrgott aus den Fängen der Terrorschwester in die heiligen OP-Hallen, doch irgendwie ist heute der Wurm drin: Auf dem Plan steht eine vaginale Hysterektomie – Operateur ist meine geliebte Anti-Magengeschwür-Oberärztin, die zwar sehr erfolgreich, dafür aber auch seeeeeehr langsam arbeitet. Will sagen: die hat auch noch den lausigsten Uterus vaginal ausgebaut bekommen – aber manchmal geht dann eben ein halber Tag dafür drauf. So auch heute. Die Gebärmutter der Mittfünzigerin ist gut kindskopf groß und bewegt sich genau keinen Millimeter mehr, als unbedingt nötig. Und während die warme OP-Luft sich unter meinem Überkittel langsam aber sicher auf klimakterische 45 bis 60°C staut, meine Rückenmuskulatur zu harter, steifer Masse erstarrt und meine Oberarme das Zittern anfangen, setzt Dr. Omeprazol millimeterweise Uterus ab. Kugelzange links, Seitenblatt rechts, hier ziehen, da betonen, noch höher, bisschen tupfen, Klemme drauf, Klemme ab – ich überlege ernsthaft, ob ich mich erstmalig in meinem weit gereisten Leben einer Ohnmacht hingeben soll, und verzichte nur ganz knapp. Das ist mir dann doch zu doof.

Nach zwei Stunden zähen Ringens gibt der Riesenuterus sich knapp geschlagen, und Ommi tritt schritt(chen)weise den Rückzug an. Um gefühlte 30 Jahre gealtert trete ich um 13 Uhr vom Tisch dieser fuck vag HE ab – und weiß gleich schon wieder, warum ich TROTZ ALLEM so gerne hier arbeite: mein wunderbarer Chef wartet – glänzend gelaunt wie immer – mit einer doppelten Portion Kuchen für jeden auf uns! Hurra! Kalorien satt für alle. Nachdem ich einmal Schokoladentorte und ein fettes Stück Obstkuchen (Vitamine und so…) vernichtet habe, verlasse ich die heiligen Hallen und freu mich schon auf morgen – da ist OP-Tag mit dem Chef, und wenn der Herr morgen nicht schon wieder gegen mich ist, werd ich wohl hoffentlich auch mal wieder ans Messer dürfen.

Bis dahin – Aloha!

Wednesday Morning, 3 A.M. …

…ist gerade erst vorüber (dem geneigten Simon & Garfunkel-Kenner wird diese Überschrift etwas sagen, der Rest muß es leider einfach mal so hinnehmen… *ggg*),  als erneut  Zweifel an der aktuellen Berufswahl in mir aufkeimen: Das Diensthandy scheppert mich gnadenlos aus meinem eben erst begonnenen Nachtschlaf – OsoleMia berichtet zerknirscht, das unsere eingeleitete Erstgebärende kein wirklich schönes CTG darbietet, ob ich mal schauen könnte…?!

Unsere erstgebärende Einleitung, Frau G., zarte 22 Jahre jung, erstes Kind, 14 Tage über Termin, ömmelt seit gestern morgen über Station, der Befund bis zum Abend immer unreif, weit sakral, bei hoch stehendem Köpfchen und unkoordinierter Wehentätigkeit. Gegen 20 Uhr läßt Soli die letzte CTG-Kontrolle laufen, verfrachtet Frau G. anschließend wohl versorgt ins Heiabett, um für ein paar Stunden Schlaf nach Hause zu fahren. Keine 20 Minuten später berichtet Clementine (*aaaaaaaaarghl-CLEMENTINE*) über ihre höchsteigene Standleitung aufgeregt „Schmerzen und Wehentätigkeit“ (also – bei Frau G. natürlich… *ggg*), und das ich schnell mal kommen solle. Okay, wie schon erwähnt darf man Clementine nicht für ganz voll nehmen, also schau ich schnell noch bei zwei stationären Patientinnen vorbei, hänge ein Ery-Konzentrat an und diktiere zwei Briefe, bevor ich den Weg nach dem Kreißsaal einschlage. Dort angekommen sitzt ein (ziemlich großes – 107 kg!!!…) Häschen vor mir, schwer gebeutelt und stark schnaufend. Mir schwant übles, dennoch schließe ich tapfer das CTG an und fische nach dem Untersuchungshandschuh – HAA!!! Wunderschöne, regelmäßige Wehenberge auf grünkariertem Papier, Muttermund 6-7 cm, aber der Kopf hängt noch meilenweit über Beckeneingang. Nicht gut. Gar nicht gut…

Betrübt wähl ich Solis Nummer, um ihr das vorzeitige Ende ihres freien Abends mitzuteilen – meine Lieblingshebamme nimmt es mit der ihr eigenen Gelassenheit und verspricht, mir in Kürze Gesellschaft zu leisten. Wohl an. Keine 20 Minuten später steht die kleine, graugelockte Italienerin vor mir, die obligatorische Monster-Tasche in der rechten und eine H.aribo 1kg-Colorado-Dose in der linken Hand. Der Herr ist mein Zeuge – ich liebe diese Frau!!! Nach ausgiebiger Zuckerzufuhr verschwinde ich im Übergangsdienstzimmer (andere Baustelle – vielleicht demnächst neuer Blogeintrag…) und überlass OsoleMia den Kreißsaal mitsamt TocToc und schwergewichtiger Erstgebärender.

Gerade will ich den Schlüssel von innen ins Übernachtungszimmerschloss stecken, als das Telefon hektisch einen Anruf meiner *achtungironie* Lieblings-Clementine ankündigt: Frau Z., die Sectio vom Morgen hätte solche Schmerzen, ob ich nicht mal…?! – Klar, ich kann. Die Medikamentenliste von Frau Z. ist so lang wie beeindruckend: Diclac 100 supp., Perfalgan i.v., Novaminsulfat i.v. sowie Dipi und Doli subcutan. Und nichts aber auch gar nichts hat geholfen… – also zurück auf Station, Post-OP-Bogen geprüft, festgestellt, daß die letzte Dolanthin-Gabe gerade mal 2 Stunden her ist (50mg s.c.), also zur Zeit kein Nachschub möglich. Ich verspreche, mir die Frau gleich mal anzusehen. Frau Z. liegt relativ enstpannt und freundlich lächelnd in ihrem Bett, ich schau mir den maximal geblähten, sonst aber unauffälligen Post-Sectio-Bauch an, verordne Sab-Simplex und eier zurück auf mein Zimmerchen.

Dieses Mal schaff ich es in der Tat bis kurz vors Bett, als der Clementine-Alarm erneut erschallt: Frau I., zwei Zimmer weiter hat Fieber (39,0°C), ob sie wohl Paracetamol haben dürfte…?! Kaum aufgelegt, erneutes Klingeln: Frau A., zweite Sectio von heute morgen klage jetzt auch über Schmerzen, ob sie denn zusätzlich Novalgin i.v. zur Nacht haben dürfe? Sie darf. Ich hab den Hintern gerade ins Bett gehievt – man wird es sich denken können: CLEMENTINE!!! Frau Z., die Frau mit den Sab-Tropfen, hat jetzt einen „Knubbel im Bauch“, ob ich denn mal…?!

Ich bin eine nette Person, ich achte das Gesetz, ich besitze keine Waffen, hab noch niemanden tätlich angegriffen, ich schlage weder Mann noch Kinder oder Tiere – aber JETZT, JETZT bin ich gerade in Amokstimmung. Ich schwöre!!! Ihr meint, ich solle Clementine mal kräftig anschnauzen? Auskunft verweigern? Nicht mehr auf Station gehen? Alles schon versucht. Diese Frau ist absolut erziehungsresistent. Die ruft dich solange an, bis du da bist. Und gegen Rumgemotze oder gar -geschreie ist sie völlig abgestumpft. Macht nämlich jeder Neue, bis er merkt: klappt nicht! Coole Masche, eigentlich…

Der Knubbel ist geblähte Darmschlinge, und erst als ich Frau Z. ein Phil-Collins-würdiges Trommelsolo auf die Bauchdecke klopfe, ist sie von der Luft in ihrem Bauch überzeugt und verspricht, die Nacht ohne weitere Panikattacken zu überstehen. Wir werden sehen. Es ist kurz nach 1 Uhr morgens, als Clementine von Terror- auf Gnade-Modus umsteigt, und ich in mein Bett komme.

5.15 Uhr – wir steigen wieder in unsere Einleitung ein: Soli am Telefon, das CTG nicht schön! Okay, die Nacht ist gelaufen, ein letztes, schnelles Kissenkuscheln, dann fall ich in meine Kleider und aus der Tür gen Kreißsaal. Das CTG ist – UNSCHÖN! Aber zumindest nicht so schlimm, wie bei unserem letzten Mal… – über die Nacht verteilt war es immer mal wieder stark eingeschränkt, hat sich dann – nach Gabe einer Glucose-i.v. kurzfristig berappelt, und wird gerade wieder – unschön… – die vaginale Untersuchung ergibt einen vollständig geöffneten Muttermund bei Köpfchen weeeeeeeeeeiiiiiiiiiiit über Beckeneingang – klassische Sectio-Indikation, und so, wie die Herztöne aussehen, bleibt leider keine Zeit mehr, auf eine humanere Uhrzeit zu warten… :(

Also fang ich an, mich unbeliebt zu machen: informiere den OP (eine meiner *achtungKEINEironie*) Lieblingsschwestern hat Dienst und nimmt es gelassen, der Anästhesist ist tief verschlafen und kann noch nicht wirklich rumnöhlen (was er sonst sehr gerne tut) und meine geliebte Oberärztin will erst mal wissen, warum ich keine MBU gemacht  hab. Äh – HÄÄÄ? Was bitte würde das bringen, wenn die geschätzte Entbindungszeit noch mehrere Stunden umfassen kann? Ich weiß, eigentlich will sie nur ein wenig diskutieren, weil sie das immer gerne macht, aber dafür ist es mir jetzt einfach zu früh (und das CTG zu pathologisch), also verabschiede ich mich höflich – und lege auf. Keine 10 Minuten später stehen wir im OP, nach weiteren 5 Minuten ist das Kindlein geboren, herausgefischt aus ritzegrünem Fruchtwasser, und ich fühle mich wie zum St. Patrick´s Day. Gottlob, das Kind ist wohlauf, schreit auch brav durch, und ich muß mir für die Dauer des Nähens die immer selbe Litanei meiner Oberärztin anhören: hätte ich mal bloß eine MBU gemacht, dann wär das Kindelein vielleicht sogar spontan entbunden worden…?! DAS ICH NICHT LACHE!!!! Ich wäre vielleicht von oral (will sagen – durch den Mund der Mutter) leichter an die MBU-Stelle gekommen, als von vaginal! Denn das kindliche Köpfchen war noch meilenweit entfernt, und wer schonmal eine Mikroblutuntersuchung gemacht, oder zumindest gesehen hat, weiß, die ist auch nicht wirklich einfach durchzuführen, wenn der vorangehende Teil quasi schon auf Beckenausgang ist! Aber da ich ausgesprochener Morgenmuffel, und um 6 Uhr in der Früh noch nicht wirklich gesprächig bin, spar ich mir eine Antwort, nähe brav meinen Bauch wieder zu, und trotte dann müde gen Kaffeemaschine, in der Hoffnung, irgendwann irgendwie wieder wach zu werden. Gottlob ist morgen Feiertag – ich bin einfach zu alt für den Schei**… ;)

Same shit – different day….

Donnerstag. Vollmond. Alles irre…

Der Tag beginnt mit einem laut weinenden Kind männlich (MEINEM laut weinenden Kind männlich), der mich kurzfristig darüber nachdenken läßt, ihn mit in die Klinik zu schleifen um ihn dort dem chirurgischen Chefarzt vorzustellen. Grund: der Kerl  hat Bauchweh, linksseitig, punktuell, und Übelkeit, „daaaaaaaa“ *wildüberdenhalswedel* und blass ist er auch. So. Mein Problem: bei meinen Notfallpatientinnen dauert es mittlerweile geschätze 30 Sekunden, bis ich einigermaßen zuverlässig beurteilen kann, ob sie ein akutes Abdomen, eine Magen-Darm-Grippe, Mittelschmerz oder einfach nicht mehr alle Latten am Zaun haben. Mein Mittelkind ist aber erstens männlich (wie war das nochmal bei denen so unterhalb der Gürtellinie?!…), zweitens auch jetzt schon ein echter Kerl (Stichwort: gemeingefährlicher Männerschnupfen… !) und drittens mein Kind, will sagen – auch nach einer halben Stunde Untersuchung, drücken hier und palpieren da, hab ich nicht die leiseste Ahnung, was Sache ist. Und das, obwohl ich HIER die komplette Anamnese schon intus habe. Es könnte alles so einfach sein…

Und wie immer, wenn es sich um ein pädiatrisches Konsil für meinen Nachwuchs handelt, frage ich den einzigen Menschen, dessen Urteil ich ungesehen und uneingeschränkt vertraue: MEINEN MANN. Den IT-MANAGER…*hust*!!! Mädels, ich sag euch, wenn ihr Mutter seid könnt ihr euer medizinisches Wissen jeden Tag getrost in der Klinik lassen, packt es hübsch zu euren Kitteln und Fachbüchern, ihr werdet es Zuhause nicht brauchen, denn ihr könnt es an eurer eigenen Brut ja sowieso nicht anwenden!!! Ätschibätsch! Und wenn es ganz dumm läuft, auch nicht an euren Männern, Geschwistern, besten Freunden, Eltern, Großeltern. Ist so. Plöde Geschichte.

Aber zurück zum Thema: nachdem der Vater das Kind als nicht lebensgefährlich erkrankt eingestuft und  mich sanft aber energisch vor die eigene Haustür gesetzt hat, setz ich mich tapfer ins Auto und fahre zur Arbeit. Hätt ich nicht machen sollen. Ist nicht gut für die Nerven…

Es beginnt mit unserem Dienstzimmer, welches schon seit Wochen renoviert werden soll, zu diesem Zweck schon vergangene Woche von uns leer geräumt wurde, und seitdem in trostlosem Stillstand vor sich hin dämmert. Der Chef will neues Mobiliar für uns, wir wollen neue Farbe an den Wänden, aber beides ist noch nicht genehmigt. Da aber die Genehmigung erst eingeholt werden konnte, nachdem das Zimmer leer geräumt war, sitzen wir jetzt wie die Nonnen im Kloster mit Bett, Stuhl und Tisch auf kargen 15 qm Abstellraum. Und weil das so gehörig auf die Stimmung schlägt, trägt jeder klammheimlich sein Lieblingsstück zurück ins Zimmerchen, mit dem Ergebnis, das es hier jetzt aussieht, wie auf der Baustelle: Mikrowelle, Fernseher, und Computer geben sich ein Stelldichein mit Kaffeemaschine, zwei paar Schuhen (getragen), einem Spekulum (UNBENUTZT) und einem angebissenen Stück Kuchen (unbekannter Herkunft). Und das alles auf zwei Quadratmetern Schreibtisch. Das Bett steht quer in der Zimmermitte, HINTER dem Schreibtisch, sodaß man Nachts schon arg aufpassen muß, im Tran nicht gegen das Tischchaos oder alternativ: den Schrank zu rennen.

Und weil es ja sowieso so übel aussieht, hält es auch keiner mehr für nötig, seinen Kram noch irgendwo hin  zu räumen – und lädt weiter fleißig alles auf dem sich biegenden Schreibtisch ab. Somit hängt mein Arm gerade in Schnegges Krümelteller, während ich mit der Maus Kreise um Mallucis Bananenschale ziehe. Eklisch…

Aber das war erst der Anfang – auf der Entbindungsstation hat meine *achtungironie* Lieblingsschwester Clementine Dienst – 63 Jahre geballtes Kinderkrankenschwesterwissen, und immer noch von Tuten und Blasen keine Ahnung! Clementinen eine Lieblingsbeschäftigung ist Essen, die Zweite: Telefonieren. Und so bringt sie einen jeden diensthabenden Arzt mit zweiminütigen, unverständlichen (weil mit vollem Mund vorgebrachten) Lapidaranrufen zur Strecke. SO zum Beispiel:

„Frau Doktor, Patientin XY kommt jetzt bald in den OP – geben sie ihr den Aufklärungsbogen, oder ich????“

„Frau Doktor, Patientin AB soll nach dem Frühstück in die Ambulanz kommen – sie hat jetzt gefrühstückt – soll sie jetzt kommen????“

auch gerne genommen – Nachts um halb drei:

„Frau Doktor, Frau CD kann nicht schlafen, kann ich ihr eine halbe Schlaftablette geben?“ – „Clementine, das steht doch schon in der Kurve, daß sie die haben darf!!!“ – „Nee, da steht, sie darf eine GANZE haben, sie will aber nur eine halbe….?!“ *indietischkantebeiss*

Echt wahr – die Frau macht mich fertig. Klassisch ergänzt wird sie heute von Frau Planlos, einer sehr netten, aber leider völlig kopflos arbeitenden Ambulanzschwester, die vor allem Angst hat, was medizinisch ist: Spritzen, Blutentnahmen, Wundspülungen, Verbandswechseln. Und so greift sie jederzeit sofort zum Telefon, wenn eine drohende Konfrontation mit einem der o.g. Dinge am Horizont erscheint. Mit dem Ergebnis, das wir Ärzte zum Stationsalltag auch noch die Ambulanzroutine übernehmen dürfen. Ich möchte bitte-danke ein bisschen weinen.

Nach einem halben Tag proppevoller Ambulanz, 6 stationären Aufnahmen, einer Entbindung, einem gynäkologischen Konsil um 18.15 (Blutung aus der Scheide bei Frau ohne Gebärmutter – und die Internisten haben sich ernsthaft gewundert, daß es eben KEINE Blutung aus der Scheide war… *seufz*) sitz ich nun hier in meiner kleinen, trostlosen Ramschkammer, muß noch mindestens 20 Bürokratiebögen (von Hand!!!!!) ausfüllen, zwei OP-Berichte und 5 Entlassungen diktieren, hab immer noch nichts gegessen – und bin EXTREM SCHLECHT GELAUNT!!! Und was passiert? Das Telefon klingelt! Und nein, es sind weder Frau Planlos noch Schwester Clementine, es ist der Nicht-Medizinergatte, das Kind hätte jetzt, nach einem Tag voller Zwieback, Tee und Harry-Potter-Hörbuch, wieder vermehrt Bauchweh, er gibt es jetzt auf, und bringt die Primadonna vorbei.

Darf ich bitte, bitte einen neuen Tag haben????….

Nachtrag 20.30: der Gatte und Kind Männlich sind wieder wohl behalten Zuhause – mein Lieblingschirurg hat zweimal den Bauch abgetastet, mir einen wissenden „Mütter-ich-versteh-schon-Blick“ zugeworfen, und meine Männer mit Schmerzmitteln sowie Anweisung für Bananenzwieback und Wärmflasche nach Hause geschickt. Hatte Dr. IT heute morgen auch schon so ähnlich ordiniert… – naja, Hauptsache alles gut… *ggg*

Nachtrag Freitag, 2.35 morgens: Das Telefon klingelt und reißt mich unsanft aus meinem Nachtschlaf: Clementines „kleine Schwester“ (will heißen: selber Typ aber 20 Jahre jünger), heute im Nachtdienst, gibt mir weiter, „Frau H., die Frau mit Kaiserschnitt von vor-vorgestern hat gaaaaaaanz schlimme Schmerzen an der Naht“ – ob ich mal dringend schauen kommen könnte?!… Also schäl ich mich aus meinem warmen Bettchen und trabe los zur Entbindungsstation, wo in Zimmer 4, munter und gesprächig, eine junge Frau das komplette Bett ausfüllt, mich freundlich begrüßt, und mir ihren (immer noch) riesigen Bauch schonmal ausgepackt hat. Ich begutachte die Narbe – und die sieht gut aus! Ich taste –  und es tastet sich gut.  Ich frage die Frau, wo genau sie Schmerzen habe – und was bekomme ich zu hören?! – Schmerzen seien es eigentlich keine, es sei nur UNANGENEHM beim Aufstehen…

Mit der strikten Anweisung, heute Nacht NICHT MEHR aufzustehen, verlasse ich Frau H.s Zimmer und begebe mich ohne Umwege zurück in mein Dienstzimmer. Denn wenn ich jetzt Klein-Clementine über den Weg laufe, dann kann ich wirklich für nichts mehr garantieren….