Tag-Archiv | Pferd

Gottes Geschenk an die Menschheit: der MANN!

Ganz im Ernst – ich mag Männer! Noch nie, solange ich denken kann, habe ich versucht, sie in irgendwelche Schubladen zu packen. Nicht in die „Macho“-Schublade, nicht unter „Selbstherrlich“ und gleich gar nicht unter „borniert und eingebildet“. Nein, Zeit meines Lebens bin ich mit der anderen Spezies Mensch hervorragend klar gekommen, ganz im Gegenteil würde ich an manchen Tagen noch heute gerne alle gerade greifbaren Frauen gegen einen Mann eintauschen. IRGENDEINEN!

Aber je älter ich werde, desto mehr nervt mich eine ganz besondere, typisch männliche Angewohnheit: „Sehet her – ich habe den größten-dicksten-schönsten-stärksten“.

Mein Haus, mein Schiff, die Frau und das Pferd. Mein Studienabschluss, meine Gehaltsabrechnung, das Golfzertifikat. Man kann Frauen ja wirklich viel nachsagen, aber dieser Zug geht uns dann doch gänzlich ab. Oder wir fröhnen ihm einfach im Stillen, wer weiss.

Unlängst zum Beispiel, da sass ich auf einer lustigen Fortbildung, während derer ein referierender Kollege aus dem niedergelassenen Bereich nicht müde wurde, uns über die Vorzüge seiner Praxis auf dem Laufenden zu halten. Und das Gehalt seines Innenarchitekten, welcher sonst nur die Reichen und ganz schön Reichen auszustatten bereit wäre. Und während er seine goldenen Manschettenknöpfe am 5.000 Euro-Zwirn blitzen liess, bleckte er die blütenweiss-gebleichten Zähne.

Klar kaufen auch Frauen sich schweineteure Klamotten, sitzen wochenlang beim Friseur, fahren gerne schicke Autos und wohnen in tollen Häusern. Aber in all den Jahren in der wundersamen Welt der Medizin habe ich es noch nie erlebt, dass eine Kollegin ihren Konsumwahn zwischen Hormon-Updates und onkologische Therapieansätze packt. Männer machen das. Und finden es völlig okay.

Und Männer finden dieses Verhalten auch bei anderen Männern kein bisschen albern – ganz im Gegenteil, am Ende der Veranstaltung klopft man sich gönnerhaft die Schulter, vergleicht sein Boot, das Haus und den Gaul, bevor man weiter zieht. Zu einem anderen Menschen, dem man die Bildchen hinlegen oder vom tollen Abschlusszeugnis erzählen kann…

 

Wie man sich KEINE Freunde macht….

Gestern Abend – Sattelplatz meines Reithofes. Ich bin gerade dabei meinen Dicken zu satteln und trensen, als eine (mir persönlich nicht bekannte) Frau ihren kleinen, hübschen Haflinger neben uns befestigt und ebenfalls zu putzen anfängt. Wir kommen ins Gespräch: übers reiten, Pferde, Kinder, all sowas. Und das sie meint, mich von irgendwo her zu kennen. Ich frage nach ihrem Nachnamen (Reitervolk dutzt sich in der Regel unkomplizierterweise) – nee, kenn ich nicht!
„Eventuell noch aus Schulzeiten?!“ meint sie dann überlegend, und ich stutze – selbst im schlechten Licht des dämmrigen Sattelplatzes ist klar, das die Gute DEUTLICH älter sein muss, als ich…?!
„Wie alt bist du denn?“ frag ich also todesmutig nach, und bete innerlich, das sie nur einfach schnell vorgealtert ist…
„46!“
„…..?!?!?!?…….“
*GesichtszügeEntgleis*
Wenn mir nicht just in diesem Moment eingefallen wäre, das meine Freundin mir zwei Wochen zuvor von einem fast identischen Erlebnis berichtet hatte (und I. ist 4 Jahre jünger als ich und sieht aus wie Mitte 20!!!) – ich hätte mich wohl noch vor Ort an meiner Trense erhängt.
So habe ich lediglich wortkarg mein Pferd fertig gemacht und bin grußlos von dannen gezogen!
Bin eben eine Frau – und die verstehen keinen Spass, wenn es ums Alter geht. Echt nicht!

Ich bin übrigens 34 Jahre alt……

Von Nikoläusen und Freizeitstress…

es ist Sonntag und ich habe Dienst. Soweit so untragisch – schließlich hat Frau von Sinnen zwei wundervolle Wochen lang Urlaub, was also soll bitteschön geschehen? Ja – was eigentlich? Alles mögliche. Angefangen damit, daß mir diverseste Frauen die Ambulanz einrennen, mit Situationen wie folgt: Junges Mädel, Anfang zwanzig, aufgehutzt und nicht ganz helle, am späten Sonntag-Vormittag, mit diesem Problem:

„I hoab mei Tag fei net b´kommen“

„Okay – könnten sie den Schwanger sein?“

„Jo – scho!“

„Gut, haben sie denn mal einen Test gemacht!?“

„Naa – wieso???“ (Wo ist bitte meine portable Tischkante – by the way, sehr feine Idee das, liebe Sonja, jeder sollte jederzeit eine Tischkante dabei haben, um im Zweifel hineinbeißen zu können!) …

„Ja, WOLLEN sie denn schwanger werden?“

*entsetzterblick“ „NAAAAA! Auf koanen Fall!!!“

„Haben sie denn dann irgendwie verhütet???“

„Naaaaa…..- warum?!?!“ *kopf->tischkante* (wozu so eine Tischkante doch immer gut ist…)

Im Kreißsaal werkelt derweil meine absolute Ober-Lieblingshebamme (=Goldstück oder GS) mit einer Schwangeren der Frau von Sinnen herum. Goldstück ist von Sinnens offizielle Vertretung, was geradezu einer göttlichen Offenbarung gleich kommt, denn GS kann so schön entbinden, daß es einem ganz warm ums Herz wird. Und Frau T., Zweitgebärende am Termin, macht gerade alles richtig: weht richtig, eröffnet richtig, atmet richtig – und, am allerbesten: dezelleriert KEIN STÜCK! Alles könnte gut sein… – wenn nicht um 13.30 Uhr Frau R. im Kreißsaal aufgeschlagen wäre, 26jährige Erstgebärende mit Blasensprung und Wehentätigkeit, 8 Tage über Termin und eigentlich ganz nett. Was sie von vorneherein suspekt macht, ist ihr CTG: kurz zu beschreiben mit drei kleinen Wörtern: nicht wirklich schön!

Die Herztonkurve krakelt zwar vorschriftsmäßig bei 140 Schlägen pro Minute herum, aber da hört es dann auch schon direkt wieder auf, mit den guten Vorgaben: die Herztöne variieren nicht anständig, steigen niemals nicht an, und die Bandbreite macht mich auch nicht froh. Doch richtig garstig wird es erst, als sie um Schlag 14.15 Uhr ohne jegliche Vorwarnung WEG_SIND! Die Herztöne. Also – so richtig weg. Als Goldstück mich mit leicht gepresster Stimme anruft, bin ich schon am losspurten, denn das macht sie sonst nie – gepresst sprechen. GS ist IMMER gut drauf, immer locker, nie angespannt – aber WENN dann doch, ist rennen angesagt. Holland in Not! Als ich im Kreißsaal eintreffe, hat sie gerade einen Bolus Partusisten (Wehenhemmung) gespritzt, und die Herztöne klettern zögerlich von 95 über 110 auf 140 Schläge, wo sie die nächsten Minuten ,gebannt verfolgt, vor sich hin eiern. Wir schauen uns an, und runzeln die Stirn. NICHT SCHÖN! „Basistokolyse?!“ schlage ich vor, und GS nickt. Seichte Wehenhemmung, um die Kontraktionen, die jetzt Schlag auf Schlag folgen, ein wenig abzubremsen und zu koordinieren. Goldstück will sich gerade zum Infusionsschrank herumdrehen, als Frau T., einen Kreißsaal weiter, laut und deutlich zu pressen anfängt. Großartiges Timing! Zum Glück ist der Hintergrund an diesem Wochenende im Haus – den lass ich jetzt mal eben schnell im Kreißsaal antreten, denn zu zweit kommen wir hier nicht wirklich weiter.

Noch während ich die Wehenhemmung vorbereite, entbindet die erste Frau wunderschön und bei intaktem Damm einen kleinen Nikolaus. Am Sonntag. Bilderbuchmäßig.

Kein bisschen bilderbuchmäßig ist dagegen immer noch das CTG von Frau R., und so fällt – just nach Vollendung von Geburt Nummero 1 – die Entscheidung zur Sectio bei Frau Nummer 2. Kurze Zeit später ist uns dann allen klar, warum dieses CTG gar nicht besser aussehen konnte: die kleine Nikoläusin hat ihre Nabelschnur zweimal feste um den Hals gewickelt, einmal um den Bauch und zum guten Abschluß noch rucksackartig über beide Schultern geschlungen. Ich komme mir vor, wie die große Hudini, als ich sie geschenkemäßig aus dem Gefäße-Wirr-Warr puhle. Aber – Mutter und Kind wohl auf! Strike!

Der Rest des Dienstes vergeht dann mit jeder Menge Klein- und Großkram: ein krampfendes Kind (chirurgisch, aber ich stand durch Zufall gerade daneben, als sie wie ein Stein mittig aufs Gesicht fiel… :(), mein inoperables Ovarial-Ca mit den katastrophalen Laborwerten und beginnender Subileus-Symptomatik, Fieber im Wochenbett und fraglich vaginale Blutung einer über 70-jährigen… – es ist 23.30 Uhr, als ich totmüde ins Bett falle und 23.45 Uhr, als mich Goldstück wieder aus selbigem heraus klingelt: Zwei (!!!!!) Schwangere mit Blasensprung… – na dann, gute Nacht!

Aber der Gott der Nachtruhe ist mir gnädig gestimmt –  erst um Punkt 6 Uhr früh weckt mich das stupide BUMM-BUMM-BUMM des gegen die Fußleisten knallenden Wischmops aus unruhigem Schlaf. Nur – ausgeschlafen ist irgendwie anders…

Auf dem Weg aus der Klinik läuft mir noch der Chef-OP-Pfleger über die Füße und grinst mir ein süffisantes „Na, dann ruhen sie sich mal schön aus“ hinterher. Dieser Kerl denkt allen Ernstes, alle halbtags arbeitenden Frauen brächten die andere Hälfte der Woche damit zu, daß Geld ihrer Männer beim Dauer-Shopping auszugeben und gingen sowieso nur deshalb arbeiten, weil sie sich sonst JEDEN TAG langweilen müssten…

Nee, ist klar. Und SO langweile ICH mich heute:

Nach Chefvisite, Anordnungen und einer ambulanten Patientin verlasse ich die Klinik gegen 8.45 Uhr Richtung Stall, damit ich dort um 9.30 Uhr unser Pferd bewegen kann. Nachdem ich dieses 1 1/2 Stunden lang bearbeitet, geputzt und anschließend vorgeschriebenermaßen verpackt wieder in seinen Stall geparkt habe, verlasse ich gegen 11 Uhr den Schauplatz gen Heimat, wo ich mich in windeseile dusche und umziehe, um dann um 12.30 Uhr Kind ganz klein nebst bester Freundin von der Schule abzuholen. Von dort aus geht es schnurstracks weiter zum Gymnasium, altsprachlich, wo um 12.50 Uhr 2x Kind groß eingesammelt werden möchte. Um 13 Uhr habe ich dann die Freundin des kleinen Kindes bei sich Zuhause abgeladen und kann mich nun auf den Rückweg in unser trautes Heim begeben, wo ich die Kinder abfüttere, damit ich rechtzeitig um 14.30 Uhr mit Kind ganz klein beim Kinderarzt lande (welcher sich – selbstverständlich – am anderen Ende der Stadt befindet… *seufz*). Anschließend muß ich mich sputen, damit Kind mittel um 16 Uhr rechtzeitig zum Karatetraining kommt, und wenn ich selbiges eine Stunde später wieder dort abhole, kann ich gleichzeitig Kind groß zum Schwimmtraining fahren – welches um 17 Uhr beginnt. Dieser Nachkomme möchte dann bitte-danke um 18 Uhr wieder eingesammelt und heim gekarrt werden – wie gut, daß ich einen selbtändig arbeitenden  Mann habe, der zwischenzeitlich eingekauft und gekocht hat – sonst könnte ich mich damit auch noch lanweilen….

So viel zum Thema Freizeitstress – und schalten sie auch nächste Woche wieder ein, wenn sie Doc Josephine sagen hören wollen: „Ich bin zu alt für diesen Schei**….!!!“ *seufz*

ISCH KOMM NISCH MEHR HINTERHER…

Okay, aufgepaßt  – akutes, absolut medizinfremdes Herumgejammere (wer diesen Teil gerne überspringen möchte, steige ein paar Absätze weiter unten wieder ein… :)): ich komm gerade zu gar nichts mehr! Ernsthaft!

Die Kinder hatten zwei Wochen Ferien, und ich eine davon mit ihnen. Will heißen: wir tauschen die Schulzeitfahrerei (Klavier, Karate, Ballett, Schwimmen, Tennis, Reiten…) gegen die Freizeitfahrerei (Freunde besuchen, Schwimmbad, Reithof, immer noch Tennis) sowie diverseste andere „Kleinigkeiten“ (Fenster putzen, Garten sommerfein machen, Terrasse schrubben, Gartenmöbel schrubben, Liste-beliebig-erweiterbar) und ein bißchen Freizeitstress. Die gesamte letzte Woche ging eigentlich für Zeit am und ums Pferd herum drauf (was ja super ist, weil ich es gerne mache und gerne dort bin) – aber es zwackt halt empfindlich viel zusätzliche Zeit meiner sonst schon so kostbaren 15 Stunden Tagesablauf ab. Und das nervt.

Chef meinte am Montag: „Sie sehen irgendwie erholt aber gehetzt aus…?!“ Und so fühl ich mich gerade auch. Gehetzt. Verfolgt. Pistole auf der Brust.

Sommer ist toll, es gibt nichts schöneres, als nach Monaten tristem Einheitsgrau das Leben plötzlich aus jedem Strauch explodieren zu sehen, wenn der Kaffee plötzlich wieder am allerbesten in der Morgensonne schmeckt und das Bier in der lauen Abendluft. Aber wer bitteschön erledigt all den zeitraubenden, ungeliebten aber absolut notwendigen Mist drumherum? Wer mäht mein Gras, jätet mein Unkraut, räumt Winterklamotten aus und Sommerklamotten in die Schränke? Wer besorgt Rasendünger und Rasennachsaat und düngt und sät mir dann auch? Und warum muß so ein Frühjahrseinbruch eigentlich so brutal TEUER sein? Nehmen wir die Kinder: ich war letzte Woche Kinderschuhe kaufen – 6 Paar Sommerschlappen für läppische (haltet euch fest): 300 Öcken. Und das war mitnichten weder Gucci noch Chanel, noch nicht mal Naturino (für die Eltern unter den Mitlesern ;)) – aber die Brut wächst stetig weiter, und zwar in rasender Geschwindigkeit, was bei den Jungs jeweils eine, beim Mädel sogar zwei Nummern pro Fuß ausmacht :-0. Da kannste die Schuhe vom Vorjahr komplett in die Tonne kloppen. So. Und von kurzen Hosen, Shirts und haste-nicht-gesehen will ich erst gar nicht anfangen – da ist leider auch schon wieder alles viel zu klein…

Und damit nun die Überleitung zum eigentlichen Blogthema: MEDIZIN!!! (hier kann nun gerne jeder einsteigen, der mit Haus, Hof und Nachfahren nicht allzuviel am Hut hat… ):

Um den familiären Wahnsinn zumindest in Ansätzen mitzufinanzieren, geh ich ja nun nebenbei noch arbeiten (mein ehemaliger Oberarzt hat mich immer „Hobby-Gynäkologin“ genannt – auch sehr charmant… *grmpf*). Und da Dienste ja bekanntermaßen das Budget zumindest ein bißchen anheben, verbringe ich diese Woche quasi komplett in der Klinik: den ersten Dienst hab ich bereits hinter mir, zwei weitere folgen Freitag und Sonntag (erwähnte ich es bereits – ich HASSE Wochenenddienste…). Und gestern morgen haben wir es doch tatsächlich fertig gebracht, LANGE, LANGE  vor dem nächsten Ersten des Monats den Dienstplan auf die Beine zu stellen (also – zumindest für unsere Verhältnisse lange – normalerweise zimmern wir das Teil am morgen vorher notdürftig zusammen, um es dann bis zur Monatsmitte noch drölfzig Mal willenlos zu revidieren). Und es war gestern SO einfach, daß es schon fast unheimlich war: Ruck-Zuck hatten wir die 30 Tage unter Dach und Fach, und das, obwohl sich die zweite neue Kollegin irgendwie alle Wochenenden und Feiertage unter den Nagel gerissen hat…

Nächstes Stichwort: neue Kollegin. Nach Dr. Multisozialversagens Weggang (ich berichtete mehrfach *ggg*) hat Cheffe in wahrhaftiger Rekordzeit einen neuen Mann und eine Frau eingestellt – beide mit längerer bis langjähriger Berufserfahrung, beide somit schon was älter *hust* und mit Kindern mittleren Alters wahrscheinlich auch außerhalb der Fortpflanzungsphase. So weit, so gut. Kollege eins ist fleißig, seeeeeehr gesprächig, ein wenig sehr von sich überzeugt, aber erträglich. Und macht Dienste.

Die Kollegin – heimlich „Schnegge“ getauft – hat bereits nach einer Woche gezeigt, wo ihre ganz große Stärke liegt: im Arbeit-aus-dem-Weg gehen. Sieht aus wie folgt: 4-6 Dienste pro Monat (mehr geht nicht, wegen der (15 und 17 jährigen) Kinder), keine Feiertagsarbeit (Ostern – jaja, die Kinder halt, Christi Himmelfahrt wegen ihres Mannes, weil der ja schließlich Vater ist, Pfingsten sowieso nicht, da ist das Wetter immer so toll) – und überhaupt hat sie für Juli/August drei Wochen Urlaub eingetragen, ungeachtet der Tatsache, daß dort bereits drei (von sieben) Kollegen im Urlaub sind. Wir hatten uns vor Schnegges Eintritt ein wenig gewundert, warum sie in 2 Jahren insgesamt 6 Mal das Haus gewechselt hat – jetzt wundern wir uns nicht mehr.

Nun denn – diesen Monat hat sie noch Schonfrist, ab dem nächsten Dienstplan wird dann aber zurück geschossen :)

Ich genieße jetzt noch ein wenig das schöne Wetter – bevor morgen wieder die Kaltfront zuschlägt. Freitag dann mehr – aus dem hoffentlich ruhigen Dienst…!

Ausflug in die Veterinärmedizin…

Mittwochmittag, 14 Uhr, Sonnenschein und Osterurlaub – was genau möchte Frau da am allerliebsten machen? RICHTIG! Blutegel anhängen.

äh – HÄÄÄÄÄH….?!?!?!

Okay, der geneigte Leser mag sich fragen, ob Frau tatsächlich noch alle Latten am Zaun hat – hat sie nicht. Dafür aber eine kleines Kind mit den größten, treuesten Augen der Welt, und ein Pflegepferd, dessen Guckerchen denen des Kindes in nichts nachstehen. Und eben jenes Pferd hat Hufgelenksentzündung (das ist quasi das Sprunggelenk der Vierbeiner…) – und weil eben jenes Kind (und Muttern auch…) auf eben jenem Pferd erst dann wieder reiten kann, wenn die Entzündung behandelt und geheilt ist, mußte ich gestern veterinärmedizinisch tätig werden. Im doppelten Sinn quasi: das Tier kriegt Tierchen angesetzt.

Nachdem wir (= Besitzerin und ich) uns ausführlich im Netz über die alternativen Zusatztherapien der fiesen Gelenksentzündung kundig gemacht haben, sind wir mehrfach auf optimistisch stimmende Berichte übers Blutegeln gestoßen. Und da meine Lieblingsfreundin, Hebamme von Beruf (macht nichts – ich mag sie trotzdem… *ggg*) die Egel gerne mal zur Haemorrhoidal-Therapie nutzt, hab ich mir kurzerhand eine Einführung geben lassen, und das ganze für nicht allzuschwierig durchführbar erachtet.

Nachdem D. (= Besitzerin) nun eben jene Egel (in der Apotheke erhältlich – man sollte sich allerdings nicht wundern, wenn man bei der Erstbestellung ein wenig dämlich angeschaut wird) besorgt hatte, schritten wir – mehr oder weniger begeistert –  zur Tat. Bewaffnet mit den Egeln im Glas, zwei extralangen anatomischen Pinzetten, einem Schnapsglas, einem einmal-Rasierer und jeder Menge warmen Wasser (die Viechter sind wie ich – die schaffen nur, wenn sie schön warm geduscht haben…) verzogen wir uns samt Pferd an eine ruhige, sonnige Ecke des Hofes, und legten los: Zuvor ausgesuchte Stelle vorsichtig kahl rasieren, Glas öffnen – und sich einen von drei am Deckel hängenden Egeln mit der Pinzette schnappen. Ziehen. Egel wird laaaaaaaaaaaaang und läääääääääänger. Fester ziehen. Zwei von drei am Deckel hängenden Egel lassen urplötzlich ebenselbigen los, und fallen auf mein Hosenbein. Egel Nummer drei denkt gar nicht daran, Deckel loszulassen und ploppt in Nanosekunden auf Anfangsgröße zurück, während ich – Schreikrampf unterdrückend – die Egelfreunde von Anna, der Anhänglichen von meinem Hosenbein picke. Während ich die Kumpels zurück ins Glas stopfe, hat Anna den Kampf aufgegeben, und läßt sich bereitwillig zum Huf tragen.

Kaum an rasierter Stelle angekommen, holt Anna einmal tief Luft – und dockt am Pferd an. Wie schön! Zwei Millisekunden später stellt das Pferd fest, daß es Blutegel nicht leiden kann, und reißt den Huf hoch, um das lästige Tier abzuschütteln. Schade nur, daß mein Kopf sich genau innerhalb der Flugbahn befand – ich arbeite mit Brummschädel weiter, nachdem ich Anna von der gegenüberliegenden Stallwand gekratzt hab. Doch Anna-Egel hat jetzt keinen Bock mehr auf Flugstunden, und muß nach mehrfach erfolglosen Andockversuchen zurück ins Glas – Eddy-Egel ist der nächste Kandidat, und sollte eigentlich leichtes Spiel haben, wo es jetzt ja schon ein bißchen blutet, und er nur noch reinhauen muß… – müßte, will aber nicht. Nach minutenlangem ausprobieren (mit einer Pinzette, mit zweien, mit Handschuh…) funzt dann der Schnapsglastrick: Eddy rein, Glas auf Huf, Eddy beißt.

Da D. wohlweislich den anderen Vorderhuf hoch hält, um das Pferd am erneuten Austreten zu hindern, kann Egel-Eddy ungestört seiner Mahlzeit nachgehen – bis Island (das Pferd) so unruhig wird, daß D. den Huf loslassen muß – und mit einem beherzten Sprung in die Stallgasse entgehe ich knapp einem Zusammenstoß mit Eddy dem E(a)gel, der verstört dreinschauend in seinem Glasflugkörper an mir vorbei schießt.

Wir verbringen insgesamt noch eine halbe Stunde mit mehr oder weniger kläglichen Egel-Andock-Versuchen, bevor wir die weitere Therapie auf das kommende Wochenende verschieben. Eddy, Anna und Freunde sind nach diversesten Flugstunden auch nicht mehr wirklich fit und freuen sich garantiert auf ein paar Tage gemütliches Abhängen im Gurkenglas…