Tag-Archiv | Nutella

Was wir besser vorher wissen sollten. Oder: NutellaGate

„Johanna wachsen Haare am Po – ICH will KEINE Haare am Po!“ stellte Louisa zwischen zwei Löffeln Frühstückskost zufrieden fest.

Dann, völlig unbeeindruckt von den hohen, spitzen Schreie der großen Schwester, löffelte sie weiter stoisch ihre zwölfeinhalbtausend Frühstückskalorien in sich hinein. Kleine, goldgelb und absolut harmlos aussehende Cerealienpakete, gefüllt mit nichts geringerem als feinstem, fetten Nougat. Britta war es völlig schleierhaft, wer genau bei Kellogs auf die Idee gekommen war, dass man Nougat unbedingt schon zum Frühstück haben musste. Warum sie das Zeug überhaupt gekauft hatte, konnte sie allerdings ebenfalls nicht beantworten. Nicht jetzt, nicht um 7 Uhr morgens, mit einer hysterischen, frühpupertierenden Achtjährigen. Hochbegabt getestet, nur, damit daraus ein ganzer Schuh wird.

„Das sind keine Haare am Po, dass sind Haare an der Scheide!“ korrigierte sie knapp, und versuchte, Louise die Frühstücksflockenpackung zu entreissen.

„Sag nicht dieses eklige Wort!“ Johanna hatte sich jetzt endgültig in Rage geschrien – die Hände gegen die Ohren gepresst, mit rotzverschmiertem Gesicht und wilden Blick, während Louise – immer noch beidhändig an den Nougatklumpen festkrallend – ekstatisch skandierte: „SCHEI_DE! SCHEI_DE! SCHEIIIII_DEEEEEEEE!!!!“

Und wie durch Zauberhand begann jetzt auch das Babyphon zu leuchten – erst grün, für zartes Gekruschtel, dann gelb für tiefes Luft holen und noch bevor Louises Gebrüll auf dem letzten „E“ abgeebbt war, kreischt es in schönstem Stereo aus dem weissen Plastikkasten: „WUUÄÄÄÄÄÄÄÄH“ – das Baby war wach.

7 Uhr 15 – Britta am Ende ihrer Nerven, lange, bevor der Tag überhaupt begonnen hatte. Zu allem Überfluss war das Baby auch noch bis zur Halskrause vollgeschissen, und leider hatte die Windelmarke mit den ewig froh gelaunten Kindern und allzeit vor Glück weinenden Müttern ihren Dienst versagt und Klein-Ingas Ausscheidungen beim Übertreten der Zellstoffgrenze keinerlei Widerstand geboten. Keine Frage, dass auch der weisse Strampelanzug mit den Häschen drauf dem grün-gelben Endprodukt ökologisch wertvoller Möhren-Pastinake-Gläschen nichts entgegen zu halten hatte. Weswegen Brittas vormals weisse Edelbettwäsche nun grüngelb gefleckt war. Wer hätte vor 11 Jahren, beim Aussuchen eben jener Edelbettwäsche für den Hochzeits-Gaben-Tisch, denn auch ahnen sollen, dass weisses Satin und im Familienbett schlafende Babys auf Folgekost nicht zusammen passten? Konnte darüber nicht mal ein Buch geschrieben werden? „Was wir besser vorher wissen sollten“ müsste es heissen. Und darin würde dann alles stehen, was einem die Realität sonst völlig unverhofft um die Ohren schlug: Hamorrhoiden im Wochenbett, hängende Brüste und Inkontinenz. Und das war tatsächlich noch nicht mal ein Bruchteil der ganzen, großen Wahrheit.

Definitiv auch mit aufgenommen in die Reihe unliebsamer Realitäts-Tatsachen: MÄNNER WACHEN NIEMALS AUF! Es kann der dritte Weltkrieg vom Zaun oder ein Erdbeben herein-brechen, der Hund auf den Bettvorleger kotzen oder eben das Baby die Bettwäsche einkoten – MAN(N) schläft!

„Tom!“

Schläft

„TOM!“

Schläft

Schnuller an Kopf geworfen

Schläft weiter

Mit halbvoller Babyflasche leider daneben gezielt. Mordlust aktuell bei 98%. Tendenz steigend.

In der Küche versuchte Louise gerade noch, das XXL-Nutellaglas hinter ihrem Rücken zu verstecken. Schade nur, dass die Hand, welche sich gerade noch bis zum Anschlag in Nougatcreme befunden hatte, nun unschöne Flecken auf zartgeblümten Baumwollkleid hinterliess.

„LOUISE!“

Wie kann ein einzelnes Kind nur IMMER hunger haben?

„ICH HAB GAR NIX GEMACHT!“ brüllte der Lockenkopf kämpferisch zurück und hielt ihr die saubere Linke entgegen.

„Louise wischt sich gerade die Nutella an der Gardine ab!“ gab Johanna mit bebender Stimme weiter – das Thema mit den Haaren im Genitalbereich war noch lange nicht durch, doch im Moment lag Nutellagate ganz klar vorne.

„Louise…“ das vollgeschissene Kind auf dem Arm, welches sich drehte und wand um ebenfalls an das Glas mit der cremigen Kalorienbombe zu gelangen, liess sie sich erschöpft auf den nächstbesten Stuhl fallen „Louise…“

„Mehr hast du dazu nicht zu sagen? Zweimal „Louise“? Ehrlich nicht?“

Beschämt sass sie vor ihrer ältesten Tochter, acht Jahre, getestet hoch begabt, tätschelte dem stinkenden Baby auf ihrem Arm halbherzig den matschig-braunen Häschen-Pyjama-Rücken, während Louise genüsslich die Nutella erst von der linken Hand und dann – ganz zaghaft – von der Gardine lutschte.

Nein – mehr gab es dazu nicht zu sagen. Nicht hier. Nicht jetzt. Nicht um 7 Uhr 23 in der Früh.

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Nachts in den Schweizer Alpen – oder: warum man auf gar keinem Fall Nutella kaufen darf!

*CHHHHHRRRRRRRRRR-PFFFFFFFFFFFFFF-CHHHHHHHRRRRRRR-PFFFFFFFF*

Tiefes Donnergrollen reisst sie aus unruhigem Schlaf. Als sie die Augen öffnet, steht für den Bruchteil einer Sekunde noch das Relief der Schweizer Berge vor ihrem inneren Auge, die tiefschwarzen Wolken, welche sich hinter dem Matterhorn in irrwitzigen Stapeln gen Erdatmosphäre zu stapeln scheinen, durchzuckt von grellweissen Blitzen des herannahenden Gewitters. Atemberaubend schön. Und unfassbar laut.

*CHHHHHRRRRRRRRRR-PFFFFFFFFFFFFFF-CHHHHHHHRRRRRRR-PFFFFFFFF*

Als sie den Babykopf neben sich auftauchen sieht, schwarz im Gegenlicht der 100Watt-Flurlampe, dämmert es ihr langsam – dass das kein Gewitter ist, was da neben ihr im Bett wütet, sondern…

„Tom!“ zischt sie böse, während sie mit der linken Hand hektisch den schlafwarmen Rücken des Babies tätschelt „TOM! Halt die Klappe, hörst Du?!“

*CHHHHHRRRRRRRRRR-PFFFFFFFFFFFFFF-CHHHHHHHRRRRRRR-PFFFFFFFF*

Einen Schei** tut Tom! War klar.

„TOM!!!“

Verschlafen reibt das Baby sich jetzt mit kleinen, speckigen Fäusten die müden Augen, und es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis kommt, was kommen muss

„uuuuuuUUUUAAAAAAAAHHHHHH….!“

Das dunkel grollende Papa-Gewitter hat einen wehleidig jaulenden Babysturm zur Seite bekommen. Britta schließt verzweifelt die Augen und betet stumm das 3Uhr-Morgen-Gebet:

„Bitte. BITTE, HERRGOTTNOCHMAL! Lass beide endlich die Klappe halten!“

„Mama?“

Die Augenlider klappen quasi von selbst über trocken-müde Augäpfel nach oben – seit wann kann das Baby sprechen? Doch – mitnichten, es spricht nicht, jault unbeeindruckt weiter die erste Stimme im Vater-Tochter-Gewitter-Kanon. Und vor dem Elternbett steht Louise – den Kopf voller wirr abstehender Minilöckchen. Im bodenlangen Nachthemd, weisse Spitze, Marke „Unsere kleine Farm“ und drei Kuscheltiere undefinierbarer Spezies im Arm.

„Mama – ich kann nicht schlafen!“

Spricht´s und schlägt – wie ein gefällter Baum – in der Besucherritze zwischen Tom und Britta ein. Und noch während die abermillionen goldblonder Löckchen sachte auf ihre makellose Kleinmädchenwange herniedersegeln, schnarcht Louise selig das althergebrachte Lied ihrer Ahnen:

*CHHHHHRRRRRRRRRR-PFFFFFFFFFFFFFF-CHHHHHHHRRRRRRR-PFFFFFFFF*

Unfassbar, was so ein paar geschwollener Rachenmandeln aus einer engelsgleichen 5jährigen hervorbringen können…

Während das Baby sich fit für die nächst höhere Oktave macht und auch die Reste des idyllischen Matterhorns vor Brittas innerem Auge verschwinden, huscht bereits der nächste Schatten zur Tür des elterlichen Schlafzimmer herein.

„Wir können auf gar keinem Fall mehr Nutella kaufen!“

DAS hat das Baby verstanden – kein Nutella ist gleich bedeutend mit „morgen wird die Welt nicht mehr dieselbe sein“ – auch ein Baby im Halbschlaf mit warmgeschwitztem Pyjamarücken kann solch eine Ansage, morgens, um 3 Uhr, verstehen. Und weil es das kann, hangelt Klein-Inga sich jetzt auch völlig mühelos die übernächste Oktave zum zweigestrichenen C nach oben. Kein Nutella! Ich glaub es ja nicht!

„Schatz – jetzt nicht!“ wispert sie angestrengt und klopft fester den verschwitzten Rücken, was lediglich zur Folge hat, dass das Baby schreien UND husten muss.

„Palmöl – in Nutella ist Palmöl drin!“ setzt Johanna – 8 Jahre, getestet hochbegabt – nach, quetscht sich zwischen den schnarchenden Vater und die gelockte Schwester – und ist zwei Sekunden später eingeschlafen.

Durch dieses Schauspiel vom eigentlichen Theater abgelenkt fällt nun auch dem Baby wieder ein, wie spät es eigentlich ist (3:09!!!) und was man um diese Uhrzeit tut (schlafen!) – stopft den vollgerotzten Schnuller zurück in den Mund, um sich gleich darauf in Embryonalstellung auf dem Kopfkissen zusammen zu rollen und mit zartem *chrrr-püüh* dem Vorbild der Herde zu folgen.

Zehn Minuten später hat auch Britta endlich wieder in den Schlaf gefunden – eingezwängt zwischen Kuscheltieren und Malbüchern, im unteren Teil des Doppelstockbettes und umgeben von soviel Ruhe, wie es sie nachts nur im Kinderzimmer geben kann….

Von Messern und Elternabenden

Ja, ich weiss, ich werde es mir jetzt mit einem nicht unerheblichen Teil meiner Leserschaft verscherzen, aber bitte – es MUSS einfach mal raus, sonst lauf ich demnächst schreiend im Kreis.

Sohn klein, drittgeborenes Kind, kommt heute Mittag mit folgendem Satz aus der Schule: „Ich brauche ein Messer!“

Irritiert starre ich ihn an – ist es JETZT soweit? Pubertät auch bei Kind drei? Wie soll das nun weiter gehen? Heute Messer, morgen Ganzkörper-Piercing, oder schlimmer noch: Dermal Anchors? Skindiver?

„Sohn – ich verbiete Dir ein Messer mit in die Schule zu nehmen!“ proklamiere ich streng „oder überhaupt irgendwo hin. Und gepierct wird auch nicht, verstanden?“

Jetzt ist es an dem Knaben, irritiert zu schauen „Häh? Piercing? Ich bin doch nicht blöd! Aber das Messer, das BRAUCH ich!“

Ja, nee, is´ klar – so wie er iPod braucht. Und das neue Spiderman-Heft. Den Schalke-Schlüsselanhänger. Alles brauchbares Zeug.

„Keiner braucht ein Messer“ wische ich den Einwand resolut vom Tisch und schmeiss ihm stattdessen ein Schnitzel auf den Teller „hier – iss das. Dafür kannst Du gerne ein Messer haben!“

„AAAaaber…“ die Augen des zweitjüngsten Kindes füllen sich auf Befehl mit Wasser, während er gekonnt die Unterlippe nach vorne schiebt. Sehr niedlich – funktioniert fast immer

„Aber Frau Haber-Eiermann hat gesagt…“

„Quatsch“ fahre ich unwirsch dazwischen „Frau Haber-Eiermann hat bestimmt nicht gesagt, ihr sollt ein Messer mit zur Schule bringen. Ein Messer!“ Hah – das wäre ja noch schöner!

„Die machen Seifenschnitzen. Und wenn er sein Motiv nicht rausbeissen soll, wirst du ihm wohl oder übel ein Messer mitgeben müssen!“ schaltet sich jetzt das Mädel mit ein, und der Sohn schnaubt rechthaberisch auf.

„Ihr macht bitte was?“ 

„SEIFENSCHNITZEN“ tönt es wie aus einem Mund, als wäre es das selbstverständlichste der Welt. Klar, Seifenschnitzen. Hätte ich auch selbst drauf kommen können.

„Okay – nur einmal theoretisch angenommen, es handelt sich hierbei um ein tatsächliches Schulfach…“

„Kunst, Mom!“ jault der Kleine jetzt entnervt „das Fach nennt sich Ku-hunst!“

„…WAS für ein Messer muss es denn bitte sein? Und was hat das ganze überhaupt für einen tieferen Zweck?“

Das Mädel zuckt nur desinteressiert die Schultern, während Sohn Chaos an seinem Schnitzel herumsäbelt, als bestünde es aus frischer Schuhsohle, und ununterbrochen „ich hab es ja gesagt“ vor sich hin mault.

Da sind wir auch schon beim Thema: Früher (als es noch mehr Lametta hatte), da musste Muttern sich keinen Kopf darum machen, ob das Kind zum Seifenschnitzen ein Butterbrot- oder doch lieber das scharfe Obstmesser mitnehmen sollte. Da wurde nämlich, wenn überhaupt, in Linol geritzt, und das Werkzeug, mit dem man völlig problemlos durch weichen Handballen bis zum Mittelhandknochen bohren konnte, wurde von der Lehrerin gestellt. Natürlich nach vorheriger Sammlung des dafür benötigten Geldes. Denn mal ehrlich: ICH kann mich nicht um alles kümmern, oder?

Aber heute ist es mit dem Messer ja nicht getan – für Chemie braucht es ebenfalls Seife, und ein Stück Rhabarber (im November!), im Sportunterricht bringt bitte jeder eine funktionstüchtige Hürde mit und an jedem dritten Mittwoch im Juli das Lieblingshaustier.

Nein, mal ehrlich – früher hat man seine Kinder eingeschult, ist zweimal im Jahr zum Elternabend gekommen, hat Bücher-, Material- und Kopiergeld bezahlt, und das wars.

HEUTE muss ich einen Kuchen backen – für jede vergessene Hausaufgabe, Kaugummikauen während des Religionsunterrichts und vor allen zweigestrichenen Feiertagen. Ich muss Kuchen backen, wenn die eigenen Kinder eingeschult werden und für den Folgejahrgang gleich auch. Außerdem Dienst leisten: Getränke verkaufen am Tag der offenen Tür, Auf- und Abbau beim Schulfest, Würstchen drehen zum Sommerabendbeisammensein und selbstverständlich Plätzchen backen am Weihnachtsbasar. Zum Ausgleich für diese geleistete Arbeit an Samstagen und in den eigentlich unterrichtsfreien Abendstunden erhalten Lehrer und Schüler Ausgleichs-Freitage, während kein Hahn danach kräht, ob ich nach fünf Stunden Dienst am Pizzaofen und 24h-Klinik-Dienst am Folgetag nicht auch gerne ausgleichend frei gestellt würde.

Als MEINE Eltern noch Kinder in der Schule hatten, kam man zum Essen, Kaffeetrinken und Erfahrungsaustausch in die Schule, freie Tage gab es nur zur Ferienzeit und eben an Feiertagen und Kuchen wurde noch nicht einmal zum Geburtstag gereicht – den gab es zur Feier Zuhause, wieso sollte man auch noch 25 unbekannte Fremdkinder bebacken?

Ebenfalls ein Quell nie versiegenden Vergnügens: Elternabende! Früher hatte es einen Einladungszettel für alle Klassen der Jahrgangsstufe, der wurde halbjährlich mittels Deckweiss auf den aktuellen Terminstand gebracht und dann achtzig mal kopiert an die Kinder weitergegeben, ungeachtet der Tatsache, dass man die Schrift kaum noch entziffern konnte. Irgendwie würde es sich schon herumsprechen, wann das ganze stattfinden sollte.

HEUTE ist der entsprechende Klassenelternsprecher für die Veranstaltung verantwortlich, und Veranstaltung trifft es tatsächlich vollumfänglich: Es muss ein Schriftstück erstellt werden, um den Elternabend – nachfolgend EA abgekürzt – anzukündigen, danach über Doodle nach einem adäquaten Termin gesucht und der wiederum mittels Twitter, Facebook, Instagram und iMessage weiter geleitet werden. Der Rektor wird informiert, der Hausmeister, zwecks Reservierung des Saales und aufsperrens der Toilettenräume und SELBSTVERSTÄNDLICH wird ein Kuchen gebacken. Oder Häppchen gereicht. Der Klassenelternsprecher begrüsst dann auch die Gäste, hält die Antrittsrede, verteilt in iPage erstellte Jahresübersichtsprotokolle, schlichtet Streithähne und sorgt obendrein dafür, dass sich die Kosten der anstehenden Klassenfahrt in Grenzen halten, auch wenn es sich bitte um einen 14-Tage-Trip in die Schweizer-Alpen mit Aufenthalt im 4 1/2-Sterne-Hotel und kostenfreier WLAN-Nutzung handelt.

Der Lehrer bekommt dafür die ersten zwei Stunden des folgenden Tages frei gestellt, der Klassenelternsprecher ein Magengeschwür.

Kürzlich erzählte mir eine befreundete Mutter, dass sie die Fünf-Tage-Klassenfahrt ihres Sohnes als Aufsichtsperson begleitet hatte – nicht, weil der Sohn das so gerne wollte, Gott bewahre, sondern weil sich aufgrund der prikären Personalsituation leider kein Lehrer auftreiben liess, der diesen Job hätte übernehmen können. Keine Frage, dass diese 5 Tage gnadenlos vom Jahresurlaubskonto der Freundin abgezogen wurden…

„Mom? Geht es dir gut? Dein Kopf ist so rot?“

„Nein Schatz“ presse ich gequetscht hervor „alles gut!“

„Bekomme ich denn nun ein Messer?“ Zwischen den tief gezogenen Augenbrauen des Kleinen befindet sich immer noch eine steile Zornesfalte.

„Jaaaa…!“ seufze ich ergeben und sehe es bildlich vor  mir – 25 Drittklässler, jeder mit einem hübschen, kleinen Messer in der Nutella-verschmierten Faust, wie sie in der Pause die reale Version von „Indiana Jones“ nachspielen….

How To Talk To Human Beings…

Diesen Blogeintrag *KLICK* habe ich gerade bei der Veterinär-Kollegin gefunden und ich gestehe – ich musste ein wenig schmunzeln…

Es geht darin um den richtigen Umgangs-Ton mit Kindern und wie man so unnötige Diskussionen und Trotz-Reaktionen vermeiden kann. Ich gestehe – bei uns hat das nicht wirklich funktioniert…

——————-SCHNIPP———————

Long-Long-Time-Ago, 7.30 Uhr, Frühstück an einem ganz normalen Morgen:

Kind 1 – 6 Jahre : „Ich will Nutella auf Brot!“

Kind 2 – 3 Jahre: „Isch auch Nutella!!!“

Kind 3 – 2 Jahre: „Jaaa! Tella!!!“

Ich: „Nee, es ist Mittwoch, Nutella erst wieder Samstag!“ – Ist schon klar, kapiert keiner. Kommt gleich

Kind 1 (muffelt) – „Abba der Luka-Sergè darf IMMER Nutella. Auch mittags. UND abends!“

Kind 2 (muffelt mit) – „Ja! Nutella abends!“

Kind 3 (immer noch froh gelaunt – hat es noch nicht kapiert): „Jaaaa! Tella!“

Ich: „Kinder, wir müssen los. Esst eure Cornflakes. JETZT!“

Kind 1 (mault offensiv): „Menno, IMMER muss ich Cornflakes!“

Kind 2 (echot…): „…IMMER Cornflakes…!“

Kind 3 (hat es immer noch nicht geblickt): „JAAAA! Tella!“

Ich: „Oh ja, ihr wollt Nutella. Ich verstehe das. Ich will auch gerne Nutella haben!“

Kind 1 (empört): „Siehste – DU darfst immer Nutella. Ich MUSS immer Cornflakes!“

Kind 2 (entrüstet): „Wieso darf MAMA Nutella???“

Kind 3 (möchte jetzt doch mal auf den Punkt kommen): „Tella???….“

Ich: „Wir müssen jetzt gehen. ICH muss arbeiten. IHR müsst in den Kindergarten. MORGEN dann Nutella!“

Kind 1 (echt angefressen): „IMMER musst du arbeiten und ich darf NIE Nutella! Der Luka-Sergè darf IMMER…“

Kind 2 (ECHO): „…IMMER…“

Kind 3 (jetzt langsam böse werdend): „TELLA?!“

Ich (minimal genervt und schon 5 Minuten über die Zeit): „Wir gehen jetzt!“

Kind 1: „…und Leonie-Mareike darf sogar Nutella UND Fruchtzwerge!“

Kind 2 (aufschreiend): „…UND Fruchtzwerge? UND Nutella? UND ICH?!“

Kind 3 (brüllt): „TELLA UN´ TWERGE!!! JAAAA!!!“

45 Minuten und einen Kampf mit einem brüllenden, sich windenden Zweijährigen später lade ich zwei muffelnde, schlecht gelaunte Kindergartenkindern in der Dinosauriergruppe ab. Wo Luka-Sergè  gerade sein liebevoll geschmiertes Nutella-Brot auspackt.

Kind Nummer 3 holt schon mal tief Luft, während ich, nass geschwitzt und schwer entnervt, durch den Notausgang verschwinde.

Irgendwie hatte ich das mit dem Human-Being-Talk damals noch nicht so verinnerlicht… ;)