Tag-Archiv | Baby

Nachts in den Schweizer Alpen – oder: warum man auf gar keinem Fall Nutella kaufen darf!

*CHHHHHRRRRRRRRRR-PFFFFFFFFFFFFFF-CHHHHHHHRRRRRRR-PFFFFFFFF*

Tiefes Donnergrollen reisst sie aus unruhigem Schlaf. Als sie die Augen öffnet, steht für den Bruchteil einer Sekunde noch das Relief der Schweizer Berge vor ihrem inneren Auge, die tiefschwarzen Wolken, welche sich hinter dem Matterhorn in irrwitzigen Stapeln gen Erdatmosphäre zu stapeln scheinen, durchzuckt von grellweissen Blitzen des herannahenden Gewitters. Atemberaubend schön. Und unfassbar laut.

*CHHHHHRRRRRRRRRR-PFFFFFFFFFFFFFF-CHHHHHHHRRRRRRR-PFFFFFFFF*

Als sie den Babykopf neben sich auftauchen sieht, schwarz im Gegenlicht der 100Watt-Flurlampe, dämmert es ihr langsam – dass das kein Gewitter ist, was da neben ihr im Bett wütet, sondern…

“Tom!” zischt sie böse, während sie mit der linken Hand hektisch den schlafwarmen Rücken des Babies tätschelt “TOM! Halt die Klappe, hörst Du?!”

*CHHHHHRRRRRRRRRR-PFFFFFFFFFFFFFF-CHHHHHHHRRRRRRR-PFFFFFFFF*

Einen Schei** tut Tom! War klar.

“TOM!!!”

Verschlafen reibt das Baby sich jetzt mit kleinen, speckigen Fäusten die müden Augen, und es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis kommt, was kommen muss

“uuuuuuUUUUAAAAAAAAHHHHHH….!”

Das dunkel grollende Papa-Gewitter hat einen wehleidig jaulenden Babysturm zur Seite bekommen. Britta schließt verzweifelt die Augen und betet stumm das 3Uhr-Morgen-Gebet:

“Bitte. BITTE, HERRGOTTNOCHMAL! Lass beide endlich die Klappe halten!”

“Mama?”

Die Augenlider klappen quasi von selbst über trocken-müde Augäpfel nach oben – seit wann kann das Baby sprechen? Doch – mitnichten, es spricht nicht, jault unbeeindruckt weiter die erste Stimme im Vater-Tochter-Gewitter-Kanon. Und vor dem Elternbett steht Louise – den Kopf voller wirr abstehender Minilöckchen. Im bodenlangen Nachthemd, weisse Spitze, Marke “Unsere kleine Farm” und drei Kuscheltiere undefinierbarer Spezies im Arm.

“Mama – ich kann nicht schlafen!”

Spricht´s und schlägt – wie ein gefällter Baum – in der Besucherritze zwischen Tom und Britta ein. Und noch während die abermillionen goldblonder Löckchen sachte auf ihre makellose Kleinmädchenwange herniedersegeln, schnarcht Louise selig das althergebrachte Lied ihrer Ahnen:

*CHHHHHRRRRRRRRRR-PFFFFFFFFFFFFFF-CHHHHHHHRRRRRRR-PFFFFFFFF*

Unfassbar, was so ein paar geschwollener Rachenmandeln aus einer engelsgleichen 5jährigen hervorbringen können…

Während das Baby sich fit für die nächst höhere Oktave macht und auch die Reste des idyllischen Matterhorns vor Brittas innerem Auge verschwinden, huscht bereits der nächste Schatten zur Tür des elterlichen Schlafzimmer herein.

“Wir können auf gar keinem Fall mehr Nutella kaufen!”

DAS hat das Baby verstanden – kein Nutella ist gleich bedeutend mit “morgen wird die Welt nicht mehr dieselbe sein” – auch ein Baby im Halbschlaf mit warmgeschwitztem Pyjamarücken kann solch eine Ansage, morgens, um 3 Uhr, verstehen. Und weil es das kann, hangelt Klein-Inga sich jetzt auch völlig mühelos die übernächste Oktave zum zweigestrichenen C nach oben. Kein Nutella! Ich glaub es ja nicht!

“Schatz – jetzt nicht!” wispert sie angestrengt und klopft fester den verschwitzten Rücken, was lediglich zur Folge hat, dass das Baby schreien UND husten muss.

“Palmöl – in Nutella ist Palmöl drin!” setzt Johanna – 8 Jahre, getestet hochbegabt – nach, quetscht sich zwischen den schnarchenden Vater und die gelockte Schwester – und ist zwei Sekunden später eingeschlafen.

Durch dieses Schauspiel vom eigentlichen Theater abgelenkt fällt nun auch dem Baby wieder ein, wie spät es eigentlich ist (3:09!!!) und was man um diese Uhrzeit tut (schlafen!) – stopft den vollgerotzten Schnuller zurück in den Mund, um sich gleich darauf in Embryonalstellung auf dem Kopfkissen zusammen zu rollen und mit zartem *chrrr-püüh* dem Vorbild der Herde zu folgen.

Zehn Minuten später hat auch Britta endlich wieder in den Schlaf gefunden – eingezwängt zwischen Kuscheltieren und Malbüchern, im unteren Teil des Doppelstockbettes und umgeben von soviel Ruhe, wie es sie nachts nur im Kinderzimmer geben kann….

Here´s To Future Days (Auf Die Zukunft)

Ein gemütlicher Wochenend-Abend, Josephine und Herr Chaos gemeinsam auf der Couch vor´m Fernseher…

Herr Chaos: “Josie…!”

Ich: “Hm…?”

Die Kiste flimmert….

Herr Chaos (wenig lauter): “Josie!”

Ich (angestrengt): “HM-HM?”

Herr Chaos (bisschen genervt): “Josephine – heulst du???”

Ich (schniefend): “Ja! Der Film ist so traurig!”

HC (irritiert): “Das ist Leathal Weapon! Ausserdem läuft gerade Werbung. WAS ist los?”

Ich schneuze mir lang und ausgiebig die Nase, seufze lang und ausgiebig vor mich hin – was soll ich sagen…

Ich: “Es ist – weil…Also, wegen… – du weisst schon! Mein BABY!!!”

Jetzt ist es an Herrn Chaos, lang und ausgiebig zu seufzen. Ich wusste schon, dass das kommt.

Ich *FlunschZiehend*: “Waaaaaaaaas???”

HC: “Was ist denn mit dem Baby?”

Als ich darüber nachdenke, was mit dem Baby ist, schiessen mir schon wieder die Tränen in die Augen. Dankbar nehm ich das dargebotene Taschentuch entgegen und schneuze kräftig hinein.

Ich: “Weil – es doch bald weg geht….” *HEUL*

HC (zärtlich bemüht): “Josephine – das Baby ist jetzt VOLLJÄHRIG, hat sein Abitur in der Tasche, muss sich regelmässig rasieren – was willst du? Es war klar, dass das eines Tages kommt!”

Ich (aufheulend): “Aber er ist doch noch SO KLEIN!…”

HC (hustend): “Er ist einen Meter siebenundachtzig gross…!!!”

Ich (völlig unbeeindruckt): “…und weiss noch gar nichts von der Welt! Er war da noch nie alleine!”

HC (wo nimmt der Kerl nur die Geduld her???): “Ja – und deshalb muss er da jetzt mal raus. In die Welt. Allein. Ohne Mama!”

Ich (völlig hinüber): “Aber er war NOCH NIE ohne Mama… – Siehst du, der Hund versteht mich!”

Mit tränenverschleiertem Blick beobachte ich gerührt, wie Shepherd mir tröstend die Hand abschlabbert.

HC (trocken): “Von wegen! Der riecht nur die Lyoner-Stulle, die du vorhin gegessen hast.”

PFFF – Männer…!

Ich (erneut ansetzend): “Aber – Amerika ist SO WEIT WEG!”

HC (frech grinsend): “Sei froh, dass er nicht Australien genommen hat! Oder den Dschungel von Borneo…”

Ich (aufheulend): “Bring ihn ja nicht auf dumme Gedanken, du! Ich warn dich!”

Dann wein ich noch ein bisschen an Herrn Chaos starker Schulter.

Wenn sie flügge sind, muss man sie ziehen lassen, ist schon klar. Aber keiner sagt, dass das leicht wird…

Ich bin geschüttelt UND gerührt…

Ihr Lieben,

viele haben ja schon ihre Kommentare beim Artikel “Ihr dürft das nicht…” hinterlassen und das wollte ich jetzt nicht alles so unkommentiert stehen lassen.

Ich FREUE mich! Ganz schrecklich! Über das Buch und das es Euch gefällt und überhaupt. Und selbstverständlich freue ich mich über Rückmeldung, gleich ob positiv oder negativ

(okay, wer will schon wirklich negative Rückmeldung hören… – NEEE! Spass! *ggg*).

Ohne EUCH wäre das alles gar nicht möglich gewesen, denn IHR wart es, die diesen Blog zu dem gemacht haben, was er heute ist, die dafür gesorgt haben,

dass die Fischerleute auf mich aufmerksam wurden und den ganzen Stein erst los getreten haben.

 

Und wer mein Baby gelesen hat weiss, dass IHR ALLE in der Danksagung erwähnt seid. Und das habt Ihr Euch verdient – wirklich!

Eure

Josephine (mit einem Tränchen der Freude im Knopfloch…)

Danke*ThankYou*Merci*Gracias*Obrigado*Takk*Kiitos*TerimaKasih*Dziekujemy*Bedankt*

Liebe Chaos-Freunde!

UNFASSBAR wieviele Menschen mir auf meinen letzten Eintrag geantwortet haben – ich bin ehrlich gerührt und ganz mächtig geschüttelt!

Einige ganz gewitzte unter Euch hatten die Nummer mit dem Buch schon vor WOCHEN heraus gefunden. Laaaaange bevor die betreffende Seite des Fischer-Verlages über die gängigen Suchmaschinen zu finden war. Dafür hätte es beinahe einen internen Spürnasen-Preis gegeben! *ggg*

Die Nummer mit dem Baby hingegen hatten tatsächlich etliche auf ihrem Schirm – ich frage mich gelegentlich, ob dem auch so gewesen wäre, wenn ich statt Gynäkologie Dermatologie genommen hätte. Pfffff – immer diese Vorurteile…

Geplant – ich schwöre! – war beides nicht. Der Gatte und ich verbuchen 2012 somit unter “Jahr der absolut unvorhergesehenen, gänzlich ungeplanten, letztlich aber gern genommenen Ereignisse”! Oder kurz: JdaugulaggE 2012″ – Is’ klar, oder?

Kurz noch zu den “Eckdaten” beider “B.”:
– das Buch ist noch nicht, aber bestimmt bald vorbestellbar. Ich halte Euch auf dem Laufenden!
– das Baby hingegen ist schon sicher gelandet (okay – tatsächlich schon was länger – in der ersten Jahreshälfte, um genau zu sein…) – aber mehr darf ich aktuell nicht sagen, sonst wäre die ganze Spannung des Buches dahin. Ich hoffe, Ihr versteht!

Hier geht erstmal alles weiter wie gehabt – sofern das alltägliche Chaos es zulässt, werde ich mich nun hoffentlich wieder regelmässig(er) mit Geschichten aus dem Klinikalltag des Krankenhauses am Rande des Nervenzusammenbruchs melden.

Abschließend möchte ich eine Sache noch ganz dringend los werden:

Euch allen, die ihr hier lest und schreibt, mich mit Euren Kommentaren und guten Wünsche nun schon durch etliche Monate meines Bloggerlebens gelotst habt, möchte ich gerne sagen

Das es DIESES Buch überhaupt gibt, ist ausschliesslich und ganz alleine EUCH zu verdanken!!! Ohne Euch wäre das alles im Leben nicht zustande gekommen! IHR seid die Besten!!!

Was das Baby anbetrifft… – nun, da hab ich mich schon bei jemand anderem bedankt… :-D

Don’t Stop Believin’…

Manche Dinge wünscht man sich sein Leben lang, aber egal wie lange und egal wie innig – du kriegst sie nicht. Das Bonanza-Fahrrad, ein Haus am See, schönes Haar – whatever.
Andere Sachen hingegen sind so völlig abwegig, dass man über den Wunsch an sich erst gar nicht nachdenkt. Wird sowieso nie etwas draus.

Mit Tom Hanks in einem StevenSpielberg-Film spielen z.B.! Einen perfekten, silbernen 65er Porsche Speedster besitzen. Weltfrieden.

Somit habe ich über die Optionen “ein Buch schreiben” oder “ein viertes Kind bekommen” erst gar nicht nachgedacht. AB_SO_LUT unmöglich! Dachte ich so. War ja auch okay – irgendwie. Leben ist schliesslich kein Wunschkonzert.

Und dann, eines Tages – quasi aus dem Nichts heraus – stellte man mich urplötzlich vor die Entscheidung: Buch schreiben. Und Kind kriegen. Whow! Also, ich meine: WHOW-WHOW! (um es mal mit Markus Lanz zu sagen….) Und nachdem ich also mehrere Tage sowohl über das eine (Buch) als auch das andere (Baby) nachgedacht habe, kam ich irgendwann zu dem Entschluss, dass das Leben zu kurz für verpasste Chancen ist.

Und somit gebe ich mit großer Freude bekannt, dass es ein Buch wird! Und ein Baby ist! Und beides zusammen der Grund für meine lediglich sporadische Blog-Anwesenheit in den vergangenen Monaten. UNFASSBAR, wieviel Zeit diese beiden B’s Verschlungen haben!

Okay, bis zur Erscheinung des Buches dauert es noch ein bisschen: 21. März 2013. aber geschrieben ist es immerhin schon. Und drin stehen wird dann natürlich ganz viel zum 2. B! Und anderes Neues. Chaos halt! Versprochen :)

Bis dahin hoffe ich mich auch wieder ein bisschen zurück ins Leben gebloggt zu haben. Denn es gibt jede Menge zu berichten – über alte und neue Bekannte!

Also bleibt auf alle Fälle dran!!!

Eure Josephine :)

Stay By My Side…

“Vielleicht heute, Frau Dokta? Vielleicht heute Schall ist gutt? Dann Ich gehen noch bisschen Hause, ja?”

Tascha trägt weiße Häschen-Flanell-Pyjama-Hosen, rosa Flausch-Karnickel-Schlappen und blinzelt hoffnungsvoll durch ihre Nickelbrille zu mir hoch. Tascha ist 18 Jahre jung, winzig klein und nun schon seit über zwei Wochen stationär, weil ihre 36. SSW-Plazenta vorzeitig den Geist aufzugeben gedenkt.

“Nee, HäsSchen, heute ist noch nicht so weit. Wir müssen schon noch ein paar Tage auf dich und den Mops aufpassen!”

Tascha schluckt und ich seh den Pegelstand in ihren BabyBlauAugen gefährlich steigen. Aber der kleine Hase ist tapfer – und trotz des zarten Alters eine echte Mama. Ihre Plazentainsuffizienz kommt weder vom Rauchen (“Ich rauchen niiiieeee, Frau Dokta, rauchen ist nix gut für Mama UND Baby! *augenaufreiss*) noch vom Lotterlebenswandel – sie hat einfach Pech gehabt. Und badet es jetzt mit einer Geduld aus, die selbst manch gereifter 40jähriger abgeht.

Aber traurig ist sie doch. So gerne würde sie heim zum ihrem Mann, der – selbst kaum dem Kindergarten entwachsen – jeden Abend nach der Schicht mit einem großen Korb unfassbar lecker riechenden Essens in die Klinik gelaufen kommt. Spät immer erst, der Chef ist streng und das Zuhause weit. Aber wenn er endlich-endlich da ist, leuchten Taschas Augen wie zwei 10 Millionen-Volt-Birnen. Und Vladimir breitet sorgfältig alles, was er mitgebracht hat, auf ihrem Krankenhauszimmertisch aus – Dampfende Suppe, Brot und russische Kekse, Nüsse und zuckersüße, klebrige Früchte. Und wer auch immer das Zimmer betritt, muß hinsitzen und zugreifen “Bittä – Essen, Frau Dokta – ist sooo viel für alle!”

Und während Tascha-Hase am Brot pickt, die Suppe löffelt, russisch Kekse knabbert und Nüsse mümmelt, streichelt Vladimir ihre Hand. Und ihr Haar. Und heimlich, wenn keiner hinschaut, den eiförmigen, kleinen Babybauch.

Herzerwärmend ist diese Minifamilie. Wie MallorcaSonne im KrankenhausWinter.

Wenn er dann geht – spät, obwohl der Weg nach Hause weit ist und der Wecker in der Früh erbarmungslos klingelt, dann schleicht Häschen noch eine ganze Weile wie Falschgeld über den Flur, und die Flausch-Karnickel-Schlappen lassen traurig die Öhrchen hängen. Mein Mutterherz schmerzt, wenn ich sie sehe, als wär es mein Kind, dass da leidet…

“Bald, Häschen – bald habt ihr es geschafft. Dann nimmt er dich und den kleinen Hasen mit nach Hause und ihr könnt jeden Tag zusammen sein und jede Nacht und überhaupt!”

Der Pegelstand in ihren Augen liegt weit über normal-Null, aber sie schluckt und grinst ein kleines bisschen zu mir rüber.

“Vielleicht morgen, Frau Dokta! Vielleicht morgen Schall ist gutt? Dann Ich gehen noch bisschen Hause, ja?”