„Bloss kein Kreißsaal“ oder: die Alleingeburt

Der im folgenden verlinkte Artikel enthält weder Gruselgeschichten noch schreckliche Bilder und kann jederzeit auch von schwangeren Frauen gelesen werden!

*KLICK* hier!

Ich glaube – nein: ich WEISS, dass ich für eine Medizinerin ein extrem entspanntes Verhältnis zur Geburtsmedizin habe. Spontane Beckenendlagengeburten beim ersten Kind – nach sorgfältiger Voruntersuchung und mit Hilfe eines erfahrenen Geburtshelferteams (Hebamme UND Arzt), obendrein einer motivierten Mutter – warum nicht? Entbindungen im Vierfüsslerstand, in der Badewanne, im Stehen und meinetwegen auch daheim: Na klar! Frauen gebären seit Jahrtausenden. Und ja, prinzipiell können sie das auch völlig auf sich selbst gestellt. Im Wald, einem Tipi und der Regentonne (ernsthaft? REGENTONNE?) – die Frage allein: MUSS DAS SEIN? Ich meine, warum gibt es Hebammen? Oder Ärzte? Wieso ist Semmelweiss als Retter der Wöchnerinnen in die Geschichte eingegangen, ist die Mütter- und Säuglingssterblichkeit heute – in Deutschland – niedriger denn je? Weil wir es können! Weil es aparative Untersuchungen, Operationssäle und Perinatalzentren gibt. Muss ich das alles in Anspruch nehmen? NEIN! Muss ich mein Kind der Gefahr einer Höhlengeburt aussetzen, um mich und mein inneres Verlangen zu befriedigen? Ich meine AUF GAR KEINEM FALL!

Natürlich ist es eine tolle Geschichte, wenn man eine schöne Frau mit ihren süssen Kindern und dem attraktiven Mann vor geschmackvollem Understatement-Interieur ablichten kann, wie sie da beinah angriffslustig in die Kamera blickt. „Ich habe es Euch gezeigt! Allein geboren, das Kind! Aus Beckenendlage! DAHEIM!“ Ällebätsch!

Und ich ärgere mich. Nicht, weil sie es geschafft hat, oder weil sie schön ist, einen attraktiven Mann und süsse Kinder hat – ich ärger mich ob der Nachricht, die sie transportiert: „Ihr könnt das – wenn Ihr nur an Euch glaubt! Wenn Ihr auf Euren Bauch hört, Euch Eurer mächtigen Urinstinkte und inneren Werte besinnt. Ihr könnt Großartiges erreichen!“

Jede Person, die sich mit solch einer Einstellung, aber sonst völlig unbedarft, an das Steuer einer voll besetzten Boeing 747 setzen würde, mit der Absicht, diese auf dem Frankfurter Flughafen wohlbehalten zu landen, würde man in der Jacke mit den zusammengebundenen Ärmeln in die Zelle mit den gummierten Wänden befördern. Umgehend und ohne wenn und aber. Eine Frau, die ihr Kind gerne im heimischen Planschbecken entbinden möchte, allein und aus Beckenendlage, darf das. Klar – was gehen mich anderer Leute Kinder an? Und landen Katzen, Hunde, Kühe – ja selbst dumme Stallhasen und tröge Faultiere nicht Tag für Tag ihre Boeings und Jumbos auf den Flughäfen dieser Welt? Vielleicht.

Ich frage mich, ob es diesen Artikel so auch gegeben hätte, wenn dieses Kind nicht so locker-fluffig aus seinem Geburtskanal geplumpst, sondern statt dessen in selbigem stecken geblieben wäre? Wie geht man mit der Situation um, eine schwer geschädigtes oder gar totes Kind zur Welt zu bringen, weil man das getan hat, was für einen selbst der vermeintlich beste Weg war? Darf man einem Kind eine gleichberechtigte Ausgangssituation aus egoistischen Wünschen vorenthalten? Oder zumindest streitig machen?

Die immer währenden Berichte über heimlich auf Toiletten oder im stillen Kämmerlein vollzogenen Geburten verzweifelter Frauen lässt sicherlich vermuten, dass eine hoch gebildete Frau so etwas ja wohl ebenfalls schaffen kann. Noch dazu in einem eigens angeschafften Geburts(Plansch)Becken und einem fürsorglichen Ehemann, der auch noch Obstteller für die Geschwisterkinder richten kann. Aber wer spricht darüber, wie es diesen heimlich geborenen Kindern später ergeht? Ich höre jetzt schon die Empörungswellen hochschlagen – IQ-Debatten sind doch nur etwas für arrogante Akademiker, man kann schließlich auch mit weniger als Abitur und Studium glücklich werden. Klar – kann man. Aber muss ich als Eltern nicht alles dafür tun, meinem Kind den bestmöglichen Start zu ermöglichen? Würde ich es denn später einmal, nach der Geburt, mit einem absoluten Fahranfänger im Smart auf die Autobahn schicken? Oder auf der ICE-Trasse Blindekuh spielen lassen? Ich hoffe nicht!

Fazit: Jeder Jeck ist anders. Und auch in der Geburtshilfe läuft – wie überall dort, wo Menschen im Spiel sind – nicht immer alles glatt oder für alle Beteiligten optimal ab. Ich verstehe den Wunsch nach mehr Selbstbestimmung, Zuwendung und Unterstützung – und bin mir auch heute noch sicher, dass die Mehrheit der Geburtshelfer, egal ob Hebammen oder Ärzte – tagtäglich ihr Bestes geben. Und weil ich glaube, dass alle Eltern im Gegenzug das Beste für IHR KIND geben wollen, finde ich diesen Artikel und die darin transportierte Botschaft mehr als fragwürdig.

In diesem Sinne – ein schönes Wochenende und allzeit frohes Gebären!

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86 Kommentare zu “„Bloss kein Kreißsaal“ oder: die Alleingeburt

  1. Die Arroganz derer, die Glück hatten! Vesteh mich nicht falsch: Ich bin froh, dass es Mutter und Kindern gut geht. Aber: Wie lange hat die Gebirt gedauert? 1 Stunde nochwas? Die hätte ich mal gerne nach ein paar Stunden gesehen.
    Weiter steht im Artikel, die Frau hätte darauf vertraut, dass sich ihr Becken im entscheidenen Moment weit genug dehnen würde. Himmel, ich hoffe wirklich, sie hat vorher abklären lassen, ob in ihrem Fall das Köpfchen des Babys überhaupt da durchpassen KANN! Ansonsten kann es passieren, dass das arme Ding mit den Schultern draußen ist und mit dem Kopf stecken bleibt. Und elendig erstickt.
    Weiter besteht bei einer Beckenendlage unter den Geburtswehen auch ein mehrfach erhöhtes Risiko, dass sich das Ungeborene mit der Nabelschnur stranguliert.
    Ich finde den Artikel und das, was er aussagt, auch nicht gut. Und die Kritik kam in meinen Augen viel zu zahm rüber.
    Das ist doch nichts anderes, als ein Pokerspiel. Um ihr Leben und das ihres Kindes. Klar kann es gut gehen und klar ging es schon unzählige Male gut. Aber die Sterblichkeitsrate unter der Geburt ist weltweit betrachtet immer noch zu hoch – bei Kindern und Müttern. Und das liegt nicht allein an mangelnder Hygiene in 3.Weltländern. Sondern auch daran, das verflixt noch Eins auch eine Menge schief gehen kann. Es können Komplikationen auftreten, die im KKH so gut wie kein Problem sind; ohne fachliche Hilfe aber katastrophal enden können.
    Die Frau hat Glück gehabt, großes Glück!
    Für mich ist das einfach nur Dummrederei gegen „das Etablishment“; die gute Dame scheint ja auch ansonsten alles zu tun, Hauptsache anders!
    Die Löwin in sich entdecken, ja? Wenn Löwen Hunger leiden, fressen sie ihre Jungen. Ein Schelm, wer das jetzt auf Dinge wie Geltungsdrang, „Selbstverwirklichung“ und Egoismus überträgt!

    • Da schließe ich mich an. Das war hoch gepokert von der Frau Bruns. Gut, dass es gut ausgegangen ist.

      Unsere zweite Tochter ist – nachdem die Krankenhausgeburt der Ersten aus einer Reihe von Gründen eher unangenehm gewesen war – in einer geplanten, von der Gynäkologin befürworteten, sorgfältig vorbereiteten, hebammenassistierten Hausgeuburt zur Welt gekommen, mit einem Krankenhaus mit Kreißsaal ein paar Rettungswagenminuten entfernt. Drunter hätte ich es ehrlich gesagt auch nicht machen mögen. Wozu lebt man schließlich in einem der medizinisch am besten versorgten Länder der Welt? Man wäre ja blöd, das nicht zu nutzen.

      Klar, Kinder kommen unter den abgefahrensten Bedingungen zur Welt, in der Bekanntschaft habe ich etwa eine Taxi-Geburt, und selbst im Busch ohne alles und ganz allein kann es gutgehen (es soll sich sogar mal ein russischer Arzt in einer Polarstation den Blinddarm selbst operiert haben). Aber das muss man sich echt nicht antun, wenn man nicht muss.

      Wer sich was beweisen will, kann sicher bessere Wege finden, als das Wohl eines Babys aufs Spiel zu setzen.

      Umso tragischer, dass das Hebammenwesen derzeit immer mehr unter die Räder kommt, mit versicherungstechnischen Problemen, Kontrollwahn der Krankenkassen usw.

    • Moin aus dem Norden,
      Baby ganz alleine bekommen ist auch nicht so unheimlich witzig….!
      Ich hatte 1988 beim ersten Kind eine Sturzgeburt tatsächlich zu Hause auf der Toilette. Es ging relativ schnell von den ersten morgenlichen Wehen, über vorbildlich wegatmen wie in der Geburtsvorbereitung gelernt, im Krankenhaus anrufen und sich von der Hebamme sagen lassen „dass das beim ersten Kind länger dauert!“ (aha!) oder auch eher nicht….; Männe in der Firma anrufen, nicht wissen wohin um sich dann auf die Toilette zu verdrücken. Männe kommt – schaut – kriegt nen Schreck – brummelt in den Bart: ich hole die Tasche aus dem Auto – rennt weg – und Baby hat nichts eiligeres zu tun als sich auf die Welt zu drängeln…. zum Glück ohne Komplikationen und gesund! Nie wieder!!!!
      Der Sohn heißt übrigens Christoph (6) wie der Hubschrauber, der ihn ins Krankenhaus geflogen hat, zur Freude sämtlicher Nachbarn, den Sanitätern und der Polizei, die alle vor dem Hochhaus gestanden haben…..

      Ich finde es unverantwortlich es auf eine Geburt zu Hause und allein ankommen zu lassen! Gibt es übrigens schon die vegane und laktosefreie Geburt?

  2. Ach du je….
    Ich weiß ja nicht….
    Ich das nun die Steigerung der Globuli-Impfgegner-Antibiotikaverweigerer?
    Hoffentlich macht DAS keine Schule.
    Wenigstens ne Hebamme sollte man seinem Kind doch gönnen….

    • Das Problem ist aber, dass es immer weniger Hebammen gibt, sowohl in der klinischen als auch in der außerklinischen Geburtshilfe…Und bevor man als Nr. 47 des Tages in einem „Zentrum“ sein Kind bekommt (wo die Hebamme auch oft erst die letzten 5 Minuten kommt), wagen halt manche das andere Extrem…
      P.s.: Was genau ist eigentlich an Antibiotikaverweigerer so schlimm?

      • Wir könnten jetzt über so „einzelne Dinge“ wie Antibiotika, Impfen oder andere Dinge der modernen Medizin sprechen, aber im allgemeinen finde ich eine „absolute Verweigerungshaltung“ unverantwortlich.
        Wir sollten dankbar sein, ob unserer Möglichkeiten zur Heilung und Linderung.

      • In einer Zeit, wo nur noch wenige Geburtszentren mit einem Anfahrtsweg > 1 Stunde und kaum noch freie Hebammen zur Verfügung stehen, wird leider die Wahl, wie man gebären möchte, immer mehr eingeschränkt…

  3. vor ein paar Wochen hatte ich ein Klassentreffen und eine Freundin hat mir dabei erzählt, dass das Thema Geburten zurzeit ein großes Thema in ihrem Büro sei. Dabei waren auch Geburten allein im Wald und Lotusgeburten. Was Lotusgeburten sind, musste ich erst googlen.

    Als ich den Artikel las, musste ich auch spontan an Impfgegner denken.

    • Das mit dem „selbst aus dem Bauch ziehen“ finde ich nett gemeint aber nix weltbewegendes.
      Man sieht im Video das der Arzt das Kind herausgeholt hat bis nur noch die Beinchen im Mutterleib waren und die Mutter dann nur die Hände angelegt hat und somit auf den letzten cm „mitgeholfen“ hat.
      Finde ich jetzt nicht so wahnsinnig neu und innovativ ?!? Und soll zur besseren Bindung beitragen?
      Ich selbst habe eine normale Geburt und eine Kaiserschnittgeburt hinter mir. Bei beiden habe ich nicht selbst Hand angelegt und hätte es vermutlich auch gar nicht gekonnt.
      Aber bei beiden Geburten lag mein Kind wenige Sekunden nachdem es auf der Welt war in meinen Armen. Sehe da keinen Unterschied zu der Zeitspanne im Video.

      • Ich denke, daß es nur Werbung für die Klinik sein soll, für diejenigen, denen es eben auf jeden cm ankommt. Ich finde es gut, ohne Vorhang etwas sehen zu können, das will aber auch nicht jeder. Ob man selbst mit reingreift oder nicht finde ich auch nicht so relevant, Hauptsache das Kleine wird danach zügig herübergereicht (oder bei Narkose dem Vater/der Begleitung in den Arm gedrückt) soweit es medizinisch grünes Licht fürs Neugeborene gibt
        .

  4. Klar, frau KANN vieles. Back to the roods und so natürlich wie möglich – wems gefällt.SOLL ich mein Kind allerdings auf Deibel komm raus irgendwo in der Holledei zur Welt bringen, nur damit es so natürlich wie möglich ist? „Mama, wie war das damals, als ich zur Welt gekommen bin? Also ich habs leider nicht mehr in meine Regentonne geschafft, deshalb hab ich dich auf dem Rasen fallen lassen.“
    Ich bin auf Knien dankbar, dass es die Möglichkeit gibt, mein Kind nicht alleine auf die Welt zu bringen, sondern mithilfe moderner Technik für den Notfall und einer Hebamme, die mir sagt, was ich machen soll.

  5. Ich sitze auf meiner Couch und mir ist total schlecht! Ich konnte den Artikel nicht zu Ende lesen. Ich hab vor drei Monaten mein Kind in einem Krankenhaus zur Welt gebracht und da is leider gar nichts geflutscht. Das Gefühl der Saugglocke werde ich nie vergessen aber mein Kind lebt und ist fit und Gesund. Ich lebe doch nicht im Jahr 2015 und entbinde dann wie in der Steinzeit! Die Medizin hat sich so toll weiterentwickelt das will ich doch nutzen! Fakt ist doch dass früher viel mehr Kinder und die Mütter dazu gestorben sind. Das gehört nämlich zur natürlichen Auslese. Ich geh das Risiko nicht ein, wenn ich eine andere Wahl habe. Und gerade wenn es nicht mein erstes Kind ist, hab ich auch eine Verantwortung zu tragen. Oder sollen die dann ohne Mama aber mit einem beeinträchtigtem Geschwisterkind aufwachsen. Ich bin jetzt platt!

  6. Ich konnte den Artikeln nicht zu Ende lesen! Mir ist jetzt ganz schlecht! Ich musste an meine eigene Entbindung meines ersten Kindes vor drei Monaten denken. Da dachte ich auch erst „du machst das ganz locker! Ist doch ganz natürlich!“ Aber dann flutschte da leider gar nix und es musste mit der Saugglocke nachgeholfen werden. Mein einziger Gedanke: Holt einfach nur das Kind da raus! Ich ALLEINE – ZU HAUSE?! No way! Ich leb doch nicht im Jahr 2015 damit ich entbinde wie in der Steinzeit! Wollen solche Leute dann auch lieber zu Fuß gehen als mit dem Auto fahren weils natürlich ist? Oder erlegen die ihr Essen noch selbst? Jeder wie er meint, aber gerade wenn schon Kinder da sind hat man doch auch denen gegenüber eine Verantwortung. Sollen die im schlimmsten Fall ohne Mutter und mit einem beeinträchtigtem Geschwisterkind aufwachsen? Da halte ich doch das Risiko lieber gering. So seh ich das! Gott, mir is immer noch ganz schlecht!

  7. Ich bin so froh bei den Geburten meiner beiden Kindern im einem Krankenhaus gewesen zu sein! Wäre ich nicht dort gewesen, hätte ich jetzt wahrscheinlich kein Kind. Keines von beiden wollte von alleine kommen, beiden musste nachgeholfen werden. Die Tochter kam nach nach 12 Stunden Wehen mit der Saugglocke. Der Sohn war in Steiss-Fuss-Lage, wurde auf ca. 3800 kd geschätzt, aber ich wollte (warum auch immer, das waren bestimmt die Hormone) UNBEDINGT spontan gebären. Er war 4 Tage überfällig, ein Kaiserschnitt vereinbart und doch spontan (mit Einleitung) geboren. Ich hatte Glück mit dem Arzt, der an dem Tag Zeit hatte, ich hatte Glück mit dem ganzem Krankenhauspersonal. Auch wenn sehr für natürliche Sachen bin, würde dennoch niemals ein Krankenhaus dem Zuhause vorziehen, denn das wäre bei Uns nicht gut ausgegangen. Bei beiden Kindern…

  8. Ich wollte bei meiner kleinen Tochter (2. Schwangerschaft) gerne eine Hausgeburt oder in der Praxis meiner Hebamme.
    Von meinem Mann habe ich mich überreden lassen mir ein kleines aber sehr feines Krankenhaus anzusehen in das ich in Begleitung meiner Hebi gehen konnte.
    Mein Sohn (1. Schwangerschaft) dauerte sehr lange so das ich 3 verschiedene Damen anmeldet Seite hatte und der Wechsel und das neu drauf einstellen hat mir unter den Wehen nicht so sehr gefallen.
    Zurück zur zweiten Geburt, ich bin heilfroh eine gute Hebi an meiner Seite gehabt zu haben und ins Krankenhaus gegangen zu sein. Denn aus einer völlig unauffällig Schwangerschaft wurde ein Notkaiserschnitt. Grünes Fruchtwasser und miese Herztöne ein Muttermund der nicht schnell genug aufgehen wollte, führten zu dem was ich nie wollte.

    Die kleine Maus ist Kern gesund aber ich möchte mir nicht ausmalen was ich mir für Vorwürfe bei einer Hausgeburt selbst mit Hebamme gemachte hätte wenn ich auf meinen Willen gepocht hätte!!!!

    Für mich ist dieser Artikel ein absolutes no go. Ich hoffe nur das es nicht mehrfach Frauen dazu verführt es mal selbst daheim zu versuchen.
    Ich fand es auch super was unter der Geburt für Kräfte freigesetzt werden aber man muss dieses Glück nicht mit Füßen treten und es darauf anlegen das etwas passiert.
    Dies hat für mich fast den selben Egoismus wie Damen die sich mit über 60 Jahren nochmal künstlich befruchten lassen!

  9. Die medizinische Unwissenheit vieler Menschen läßt mich häufig erschauern… Bloß weils mal bei einer Frau zweimal gutgegangen ist, ist das noch nicht einmal ein Informatikerbeweis! Solche Geschichten find ich einfach nur haarsträubend, als Zugabe noch dieses Natürlich-ist-am-besten Dumpfreden und dann in eine Plastikschale gebären… Wer sieht hier ebenfalls ein Paradox?

  10. Ja, wie sagte mal eine weise Frau im breitesten Badisch zu mir (passt auf alles im Leben und hier auch ganz speziell): S‘ isch Gnaad! (Es ist Gnade) …, dass nix Schlimmeres passiert ist!

  11. Tja, ne frühere Klassenkameradin hat eben genau das erlebt, was hier auch hätte passieren können: Hausgeburt – auch noch direkt beim ersten Kind – und es GING halt was schief. Das Kind ist schwerstbehindert.
    Von solchen Fällen liest man aber selten was. Klar: „Ich habe mich gegen die bööösen Mediziner zur Wehr gesetzt und es ging alles gut“ klingt viel besser als: „Ich habe nicht auf die Ärtze gehört und jetzt hab ich – und vor allem mein Kind – den Salat“. Kommt aber eben auch vor, vermutlich gar nicht so selten…

    • Das schlimmste ist ja dann, dass Frauen wie Frau Bruns dazu wohl sagen würden, sie hätte halt nicht richtig auf ihre innere Stimme gehört, nicht alle ihre Kräfte mobiliisiert, wäre nicht genug mit sich im Einklang gewesen oder so ein Schwachsinn. So etwas wie „dumm gelaufen“ gibt es bei solchen Leuten nicht. Krankheiten sind auch nur Einbildung. Und mit diesen Schuldgefühlen lassen sie dann die Leute allein und gebären das nächste Kind in der Regentonne.

  12. Ach so, was die restliche Einstellung dieser Familie betrifft: eigentlich sollte man denen mal das Jugendamt auf den Hals hetzen. Hier würden die vermutlich sowieso schon auf der Matte stehen, wenn das Kind auch nur eine U nicht wahrnimmt. Deshalb kriegt man ja so nette Erinnerungszettelchen, die der Kinderarzt dann abstempeln und zurückschicken muss. Frage mich wirklich, wie diese Familie das bisher durchgekriegt hat!
    Naja, und bzgl. „selbst entscheiden“: Klar MUSS ein Kind nicht in den KiGa gehen, ist ja freiwillig. Aber so wie das hier klingt vermute ich stark, dass das Kind später auch selbst entscheiden darf ob es Hausaufgaben macht, im Unterricht einigermaßen aufpasst (oder auch nur wenigstens ruhig ist) etc. Antiautoritäre Erziehung ist ja soooo toll! So Schülerchen sind dann ein ganz großer Genuss für alle Lehrer und Mitschüler…

    • Thema U-Zettel: Die vergessen immer, dass (zumindest in Niedersachsen) eine Mitwirkungspflicht im Gesetz nicht vorgesehen ist. Ich habe denen auf ihrem Schnipselchen selbst – ohne Angabe von genauem Datum und Arzt – versichert, dass die U stattgefunden hat, und in den letzten 4 Monaten war ruhe. Nur den nächsten habe ich wieder zugeschickt bekommen :)

  13. Fast meint man, dass es sich um einen satirischen Artikel handelt, aber leider ist das Wort für Wort ernst gemeint. Obstteller für die Kinder. Ja, klar. Ich kann josephine nur beipflichten: was wird da unterschwellig für eine Botschaft an all die Frauen gesendet, die ihr Baby im Krankenhaus bekommen?
    Boah, wie mich solch Frauen nerven!

  14. Schwer einen an der Selbstverwirklichungs-Waffel, habe ich den Eindruck.

    „Natürlich“ ist großartig, aber völlig allein ist eben nicht natürlich. Hebammen oder „weise Frauen“, die wussten, was zu tun ist, gibt es seit Jahrhunderten und es ist ganz natürlich das Beste für sein Kind zu wollen. Ich las vor Jahren mal kopfschüttelnd einen Artikel über eine Frau, die zur Geburt allein in den Wald hinterm Haus ging. Damals war ich ähnlich schockiert wie diesmal und fragte mich wie viele andere: Und was, wenn nicht alles perfekt gelaufen wäre?

    Dass sie auswandert, wundert mich bei der Einstellung übrigens nicht sonderlich, denn auf ein Kind, das mit anderthalb noch nie beim Arzt war (also weder Vorsorgeuntersuchungen erlebt, noch irgendeine Impfung bekommen hat) wird vermutlich irgendwann ein Amt aufmerksam.

  15. Schade, ich lese hier sonst gern und hab auch schon oft herzhaft gelacht, aber dieser Artikel macht mich ein bisschen traurig.
    Um es vorweg zu schicken, ich bin kein Alleingeburtsbefürworter, allerdings sehr wohl der Meinung, Frauen sollten reflektiert entscheiden, wo und mit wem sie ihr Kind bekommen…
    Was mir in diesem Artikel fehlt, ist die Tatsache, das es in Zukunft zwangsläufig mehr Alleingeburten geben wird, egal ob freiwillig oder unfreiwillig – weil es kaum noch Hebammen gibt und viele kleine Kliniken die Geburtshilfe abschaffen, weite Wege sind nun mal bei schnellen Kindern oft zu weit. Oder Frau macht sich rechtzeitig auf den Weg, um dann, wie neulich in einer Großstadt in D, dreimal wegen Überlastung weggeschickt zu werden ins nächste Krankenhaus. Das kann nicht die Lösung sein und da fehlen mir in Ihrem Artikel einfach auch die Fakten dazu – schade….

    • Ich bezweifle, dass die Alleingeburt die Antwort auf den Hebammenschwund sein wird, und falls doch, werde ich sie auch dann nicht gut finden. Und ein Kind allein daheim bekommen erscheint mir nicht reflektiert.

      • Es werden Alleingeburten die „Antwort“ sein, schon alleine zwangsläufig, weil es eben oftmals „flutscht“. Und das in Zukunft immer öfter am Straßenrand, im Bus, vor der Notaufnahme, im Taxi, zuhause, unterwegs zur nächsten Klinik…
        Da dann doch lieber eine vorbereitete Alleingeburt als ein „Hallo Baby“ im Bus zur Klinik…

    • Klingt erstmal ganz toll, aber eigentlich hat Josephine schon alles gesagt. Da gibt es einfach nur eine reflektierte Entscheidung: Man reflektiert ja auch nicht mit offenem Ergebnis, ob man mit einer Boeing durch die Gegend fliegt.
      Was die Betreuung angeht: Das sind ausreden. Ich bin vor 10 Monaten Vater geworden. Wir hatten, vermutlich ortsbedingt, kein Problem, eine Hebamme zu finden. Ihr Nutzen war aber, obwohl sie die Beste von Dreien war, die wir uns angesehen haben, zweifelhaft. Die meisten Antworten hätte auch eine erfahrene Mutter geben können (die wir nicht zur Verfügung hatten) und mussten sowieso alle kritisch gesehen werden, weil soviel unwissenschaftlicher Schwachsinn dabei war. (Nein, ich gebe keine Zuckerkügelchen gegen neurotoxische Bilirubinansammlungen im Gewebe!)

      Geboren haben wir dann in einem kleinen Krankenhaus, als einzige und erste Geburt seit 3 Tagen. Per Kaiserschnitt nach 30h übrigens, weil der Kleine überraschend einfach nicht durch das Becken wollte.
      So ein Krankenhaus gibt’s bei Euch nicht? Na und? Bevor ich so einen Hausgeburtsstunt hinlege, mache ich lieber die letzten 2-3 Wochen Urlaub an einem Ort, an dem es so etwas gibt.

  16. Semmelweiss als „Retter“ hinzustellen find ich sehr fragwürdig ..

    Ja Semmelweiss hat die Frauen gerettet .. und zwar nicht vor den Frauen selbst, oder gar vor den Hebammen – sondern vor der schrecklichen Unwissenheit der Ärzte in den sog *Höllen*-Kranken/geburtseinrichtungen. Die Ärzte, oft auch noch die Studenten, gingen zB von der Pathologie dann zu den Wöchenerinnen oder Gebärenden – ohne ihre Hände zu waschen und zu desinfizieren.

    zu der Zeit war die normale Geburtshilfe mittels Hebamme nicht mehr im Mittelalter .. also wussten schon der Grossteil der Hebammen , wie wichtig Sauberkeit ist ..

    Das Wissen der Hebammen wurde aber zur Zeit Semmelweiss in Frage gestellt.

    Bis dato habe ich aus meinem Familien/Bekanntenkreis in den letzten 25 jahren nur von schrecklichen Geburtszwischenfällen gehört, die alle im KH geschahen .. keines war dabei, einschliesslich meines Neffen (ohne Hilfe v Arzt und Hebamme) und meiner Nichte, das zuHause
    oder im Geburtshaus zur Welt kam ..

    es sollte nach wie vor im Entscheid der Mutter liegen, wie und wo sie entbindet – leider wird es ab 2017 wohl nur noch im KH sein ..

    Tja und wenn nun eine Frau entscheidet alleine zu entbinden, dann ist es ebenso ..

    aber diese Frauen hinzustellen, als ob diese auch so „doof und irre“ wären eine Boing zu landen
    finde ich sehr respektlos – und stellt mir die Frage, ob sie wirklich so denken!! Frauen brauchen Hilfe bei einer Geburt -unbedingt und alles andere wäre megabescheuert, und reif f die Zwangsjacke !!

    Ich selbst habe 7 Kinder, eines war eine Sectio – zwei der Geburten waren schrecklich und so garnicht selbstbestimmt – obgleich damit in den Kliniken geworben wurde. So ging ich bei der letzten Geburt in ein Geburtshaus ..

    Jetzt erwarte ich Zwillinge, und ü-lege mir allen Ernstes eine Sectio, denn eine KH-Geburt – wieder nicht selbstbestimmt möchte ich nicht noch einmal erleben .. dann lieber kurz und „schmerzlos“ ..

    • Na, dass ist jetzt aber ein bisschen kurzsichtig argumentiert – warum hört man wohl von so vielen fehl geschlagenen Krankenhausgeburten? Weil die meisten Frauen ihre Kinder heutzutage eben im Krankenhaus bekommen. Und die wenigen Geburten, die Zuhause stattfinden, sind in der Regel gut ausgelesen – Hausgeburtshebammen sind ja auch nicht lebensmüde, keine vernünftige Geburtshelferin würde z.B. eine erstgebärende Beckenendlage in den heimischen vier Wänden entbinden. Oder ein 5000g-Kind. Oder eine Frau mit vaginaler Blutung, vorzeitiger Lösung, Wehenschwäche, Schwangerschaftsvergiftung, und, und, und. Die Krankenhäuser schon. Müssen sie nämlich.
      Und doch, ich finde es verantwortungslos, das Leben seines Kindes aufs Spiel zu setzen. Woher willst Du wissen, dass es wirklich gut geht, allein daheim? Natürlich kann es auch im Krankenhaus schief gehen, aber die Zahlen sind ganz andere. Das kann man allein anhand der Mütter-Säuglingssterblichkeit der letzten Jahre ablesen.

      Selbstbestimmt für die Mutter heisst leider manchmal fremdbestimmt für das Kind. Ich nehme mir heraus, dem Kind eine Lobby zu geben.
      Was würde die Gesellschaft sagen, wenn ich versuche, ein Kind vom Balkon in den Swimmingpool zu werfen? Richtig geworfen passiert dem Kind gar nichts – falsch geworfen schlägt es mit dem Kopf irgendwo auf und stirbt. An den Haaren herbei gezogen? Ich weiss nicht. Beides Beispiele für „kann gut gehen – muss aber nicht“

  17. Eins vorneweg: Ich würde niemals freiwillig das Risiko eingehen, dass meinem Kind etwas passiert. Daher bin ich ein 100%-Kandidat für das Krankenhaus.
    Ich heiße das nicht gut, wenn jemand – nur weil er Glück gehabt hat – anderen das als Können / Intuition oder sonstwas verkauft. Das wäre ja so, als ob man zum ersten Mal mit 180 auf Glatteis herumrast, das Auto unbeschadet zum Stehen bringt und dann behauptet, man wäre ein super Rennfahrer.
    Ich glaube außerdem, dass die Hebammen und Ärzte jeden Tag ihr Bestes geben.
    Jetzt kommt das große Aber: Aber ich kann verstehen, dass man Krankenhäuser total blöd findet. Es sind ja nicht die Menschen im Krankenhaus das Problem, sondern das System. Ein Krankenhaus ist nun mal ein Massenabfertigungskonstrukt mit Buchhaltung, Essensverwaltung, Personalverwaltung und Patienten. Da hat man die türkische / Italienische / spanische Nachbarin mit tausend Angehörigen, die jeden Tag auf der Station ne Party feiern. Da hat man Suppen, die jeden Tag anders aussehen, aber gleich schmecken. Den Geruch von Desinfektionsmitteln, Raucherbalkonen oder Kohlgemüse, der über die ganze Station oder durchs Fenster reinzieht. Man hat schlechtgelaunte und überarbeitete ruppige Schwestern, denen man niemals anvertrauen würde, dass man gerade Schmerzen hat. Ärzte, die ignorant durch die Gegend laufen, sich keine Namen, Gesichter oder sonstwas merken. Man hat Kreissäle, die so viel Charme versprühen wie ein 70er-Jahre-Badezimmer.
    Im Krankenhaus geht es zu wie im Bienenstock, man hat keine Ruhe und keine Gelassenheit. Es ist alles vorgeschrieben, wann wer wen zu rufen hat, wann wird eingeleitet, wann wird welches Medikament verabreicht, wann muss wer konsultiert werden usw.
    Ich persönlich glaube, dass die meisten Frauen in einer Ausnahmesituation wie der Geburt nicht damit anfangen wollen, sich gegen Ärzte und Hebammen und deren Abläufe zur Wehr zu setzen. Ich wollte das alles möglichst schnell und sicher hinter mich bringen. Dafür ist ein Krankenhaus gut. Und ich bereue es auch nicht.
    Ich glaube aber dennoch, dass in einer anderen Atmosphäre mit einer Hebamme und einer Mutter, die gut auf sich hört, ein einmalig schönes Erlebnis entstehen kann, das keine Klinik der Welt jemals erzeugen kann.
    Mir wäre dennoch dieses Risiko viel zu hoch. Ich trage schließlich die Verantwortung.

    • Wenn man Krankenhäuser so fürchterlich findet, gäbe es ja noch Geburtshäuser oder eben die „klassische“ Hausgeburt. Aber eben in Anwesenheit einer Hebamme, die notfalls eingreifen oder entscheiden kann, wann es sinnvoller ist, vielleicht doch noch ins Krankenhaus einzurücken. Aber dieses „mutterseelenallein“ finde ich tatsächlich sinnlos gefährlich.

      • Abre die gibt es doch leider kaum noch! Und ab 2016 wird es , nach jetzigem Stand, gar keine Chance mehr geben, außerklinisch mit Hilfe der Hebamme zu gebären.

      • Das ist das Problem: Warum stärkt man nicht die außerklinische Geburtshilfe für alle normalen Schwangerschaften – für die Frauen, die das wollen?

  18. Hier umfangend zu kommentieren halte ich -leider- für völlig überflüssig.

    Nur eines ging mir dermaßen gegen den Strich, der Vergleich mit den Piloten: diese absolvieren eine mehrjährige Ausbildung…….Frauen ist das Gebären „gegeben“, da gibt es nichts zu lernen, wir „können“ das einfach. Wenn man uns lässt. So manche KH Geburt endet durch Druck/Zeitnot/Panikmache im KS oder es wird auf Deibelkommraus kristellert, dass dir Sternchen vor Augen tanzen. Eine Risikogeburt würde ich auch nicht unbegleitet „hinlegen“ wollen. Wenn aber keine Komplikationen zu erwarten sind, dann kann es kein besseres Ankommen auf dieser unserer schönen bunten Welt geben. Kein sofortiges heftiges abgerubble, womöglich noch baden, keine fremden Hände, die als erstes MEIN Kind berühren, es auf der Welt willkommen heissen. Kein gleissendes Licht, das dem Wurm unweigerlich in den Augen wehtut. Friede, Geborgenheit und (menschliche) Wärme. Kann es etwas schöneres geben?

    • Ui, das hab ich aber alles im Krankenhaus gehabt. Ja, das war eine Frauenklinik mit einer großen Geburtstation, sowas gibt es nämlich auch: Die Annehmlichkeiten einer ruhigen, entspannten Geburt, mit einem kompletten OP und Ärzteteam eine Tür weiter falls was schiefgeht. Vielleicht sollte man sich mal darauf konzentrieren, diese Möglichekeit der Entbindung in die Diskussion zu bringen, anstatt immer nur die Extreme „Ärzte schneiden Kind aus dem Bauch ohne mit der Mutter auch nur ein Wort zu wechseln“ und „Mutter bringt Kind ganz allein im Wald zur Welt“ zur Wahl zu stellen.

      Ich verstehe, dass Geburten mitunter nicht schön verlaufen, und dass Frauen nach einer traumatischen Erfahrung gern alles anders hätten. Aber „dann geh ich eben in kein Krankenhaus, und hinterher darf auch kein Arzt mein Kind angucken“ kann nun nicht wirklich die Lösung sein. Wenn diese Frauen ihr Selbstbewusstsein dafür verwenden würden, vor der Geburt mit Arzt und Hebamme zu sprechen und abzuklären, was in welchem Fall getan oder gelassen wird wäre das für alle Beteiligten inklusive des Kindes die sicherste Lösung. Nur, sowas gibt es zu oft, da ist man dann halt keine Löwin und es gibt keinen Artikel in der Welt …

    • Die Säuglingssterblichkeit in Ländern, in denen nicht praktisch jede Risikoschwangerschaft gut betreut im Krankenhaus landet, zeigt allerdings, dass Ihr das vielleicht doch nicht so gut könnt. Sicher, Ihr könnt das biologisch für den Erhalt der Spezies. Da ist es sogar vorteilhaft, wenn die schwächsten Glieder es nicht schaffen. Es ist aber völlig ausreichend, wenn jedes 3. Kind es bis zum eigenen Nachwuchs schafft. Sechs Schwangerschaften kriegt Frau schon ihrem Leben hin, um die Population aufrechtzuerhalten. Das ist allerdings ne Quote, die ich nciht unbedingt anstreben wollte.

      • Die Säuglingssterblichkeit in armen Ländern beruht nur eben halt nicht auf zu wenig Geburtshilfe, sondern auf den verheerenden Lebensumständen, haarsträubenden Wohnverhältnissen, schlechter Hygiene, Hunger, dreckiges Wasser etc. etc. Was dem Gros der Leute verborgen bleibt ist die Tatsache, dass es klinikgemachte Komplikationen gibt, die zuhause gar nicht erst aufgetreten wären. Das ist mit einer ganzen Reihe von Studien nachgewiesen worden. Es ist erstaunlich, wie faktenresistent gerade die Leute sind, die sich über die ach so irrationalen Impfgegner so schön künstlich aufregen können. Im Übrigen haben auch deutsche Ärzte so ziemlich überhaupt keine Ahnung, was Sache ist, ich empfehle gegen die ärztliche Patientenverblödung die Bücher von Gigerenzer, auch mal ein toller „Geheimtipp“ für die hier Bloggende, die ziemlich viel Ärztestuss unter die Leute bringt. Gibt’s den #Patientenverblödung schon auf Twitter? Werde demnächst mal damit beginnen, denke ich….

      • …beruht NICHT NUR auf zu wenig Geburtshilfe! Die geburtshilfliche Situation in manchen Gebieten dieser Welt ist desaströs, und wenn Hausgeburt die Lösung alles Elends bedeutete, frage ich mich, warum so viele Kinder in Drittweltländern unter (Haus-)Geburt versterben…

      • Ich wollte nur kurz anmerken, dass ich keineswegs gewillt bin, Leser hier ungezielt herumpöbeln zu lassen. Beginne gerne, auf Twitter Deine Meinung zu verbreiten, hier in meinem Blog bin ich durchaus in der Lage, unsachliche Beleidigen unkommentiert zu löschen.

    • Nein, sorry, wir „können“ es nicht einfach, Friedhöfe sind voll von Müttern und Kindern, die bei Geburten starben; quer durch alle Zeitalter! Wir sind so ideal nicht gebaut für eine Geburt, hab ich mal gelesen, aufrechter Gang und großer Kopf und so.
      Aber was mich supernervt ist der Druck, der aufgebaut wird – meist von Frauen selbst, die in der Geburt das megasinnstiftende transzendente Event suchen und sich gegenseitig die Hölle heiß machen, wenn’s dann doch nicht so sinnstiftend und transzendent ist/war. Es ist eine Geburt! Vom Komfortfaktor ungefähr so geil wie eine Wurzelbehandlung, obwohl ich zugeben muss, dass meine erste Geburt ein Ereignis von elementarer Wucht war etc. etc. Aber das Wichtigste ist ja nicht der Prozess, sondern das Ergebnis, und das Ergebnis ist ein gesundes Baby. Ich riskiere doch nicht das Leben des Babies, um möglicherweise ein dolles „Geburtserlebnis“ zu haben!

      NB: Und man erzähle mir nichts über die edlen, weisen Hebammen von Früher, die so gnadenlos von den Ärzten unterdrückt wurden. Aus den Stories in meiner Familie waren da auch ganz schöne Schlächterinnen am Werk.

      • Volle Zustimmung. Ich warte auch noch drauf, dass die nächste Triene ankommt, die behauptet, Schwangerschaft sei so ein fantastisches Erlebnis, man leuchte von innen und der ganze Quatsch. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die sich von meiner Lebensgefährtin eine fängt :D Aber die hat halt im Leben auch schon andere Dinge erreicht das das, was buchstäblich jede andere Frau in ihrer Ahnenreihe und der jedes anderen schon hinbekommen hat, um das mal böse auszudrücken.

      • Ja, Caron, das ist mir tatsächlich zu böse ausgedrückt. Egal, was man in seinem „Zivilleben“ geschafft hat, eine Schwangerschaft und eine Geburt ist noch mal eine ganz andere Leistung. Ich habe die Geburt meines Kindes als völlig außerirdische Extremsituation erfahren, und ich bin keine von der Eso-Bachblüten-„innere Löwin“-Fraktion. Und die Schwangerschaften sind auch was anderes als andere Leistungen, die man kraft seiner rationalen Fähigkeiten usw. vollbringt. Allerdings habe ich nicht von innen geleuchtet, sondern höchstens von innen gekotzt, was das Zeug hält, und das je 6 Monate lang.
        Ich würde Schwangerschaft und Geburt nie mit anderen Lebensleistungen vergleichen, das spielt einfach in einem Raum außerhalb der Alltagserfahrung (war übrigens früher auch so, man hat nicht umsonst vorher sein Testament gemacht)…es ist halt noch mal eine andere Facette der Erfahrungswelt.

  19. Meines Wissens gab es doch vor nicht allzu langer Zeit den Fall einer Gynäkologin, frühere Hebamme, die eine Frau aus dem Ausland auf eigenen Wunsch im Hotelzimmer entbunden hat, geplante Hausgeburt sozusagen. Es ging schief, Rettungsdienst wurde zu spät gerufen (glaube ich, vielleicht durch eine Fehleinschätzung), die Ärztin wurde glaube ich verurteilt. Der Grund, warum eine erfahrene Hebamme normalerweise Gold wert ist, ist eben, weil sie es einschätzen kann, wann der Schritt zum KH notwendig ist. Beide Kinder wurden hier im Geburtshaus entbunden, Notfallkoffer war dabei und beim kleinsten Zweifel wäre es in die 6 Min. entfernte Klinik gegangen. Das war auch schön und entspannt, aber eben nicht fahrlässig. Das Beste aus beiden Welten.

  20. „Stefanie Bruns erlebte ihre erste Geburt im anthroposophischen Krankenhaus als traumatische Erfahrung (…) „So wurde ich radikal!““
    Für eine „studierte Psychologin“ klingt das meiner Meinung nach aber nach einer seltsamen Bewältigungs-/Vermeidungsstrategie eines Traumas… Anscheinend impfen sie ja auch nicht (die Richtung scheint man ja schon daraus zu erkennen, daß sie in einer Anthro-Klinik waren), denn die U-Us haben sie sich beim jüngsten Kind anscheinend alle geschenkt. Das finde ich eigentlich viel schlimmer.

    Im Übrigen möchte ich auch nicht im KH entbinden, sondern bevorzugt mit der Hebamme meines Vertrauens im Geburtshaus, das würde ich auch privat bezahlen. Dieses „brüllende Löwin entdecken“ Gerede geht mir allerdings echt auf den Geist. Ich habe auch ohne alles entbunden und sehe nicht, warum es schändlich gewesen wäre, zur Not auf Medikamente zurückzugreifen, oder warum die geburt aufgewertet geworden wäre, wenn sie in freier Flur stattgefunden hätte. Das ist doch alles Quark. Wer seinen inneren Löwen entdecken will, kann das sicherlich fast überall.

    • Ich war auch in einer Antro-Klinik – von Impfgegnerschaft war nichts zu hören. Ich bin dort bei der Entlassung nach der Geburt über die „notwendigen Kinderimpfungen im ersten Lebensjahr“ aufgeklärt worden – im städtischen Klinikum war davon übrigens nicht die Rede. Die brauchten mein Bett. Fertig – raus!

  21. Tut mir leid, aber eine Geburt in einer Regentonne?! *Kopf->Tischkante* Wieviel Grad hat denn das Wasser? Von 38 Grad bei Mama in 20 Grad kaltes Wasser plumpsen? Das soll nicht traumatisch sein?
    Meine erste Schwangerschaft war bis auf Vorwehen in der 30. SSW super unauffällig. Geburt nach 23 Minuten im Kreißsaal – alles super. Nach 3 Stunden war dann leider der Blutzucker meines Kleinen dermaßen im Keller, dass es für 1 Woche auf die Intensiv ging. Zu Hause entbunden hätte das anschließende Procedere (Rettungswagen, allein verlegt werden in die 20 Minuten entfernte Klinik) wahrscheinlich mehr traumatisiert als gleich dort zu entbinden.
    Beim 2. haben wir es gerade noch in die Klinik geschafft (mit dem Rettungswagen). 1 Minute Kreißsaal, noch auf der Trage entbunden. Aber eben mit Hebammen und Ärzten im Hintergrund.

  22. Was mich am meisten ankekst ist dieses Getue, als ob sie nach drei Kindern die Göttin der Gebärenden wäre. Nach dem Motto: „Ich hab drei Kinder geboren, ich weiß, wie es geht.“ Pustekuchen. Ich kenne eine Frau, die hat nach dem 6. problemlos geborenen Kind eine Komplikation beim 7. gehabt. Das hat nichts mit Erfahrung zu tun. Manchmal geht es eben schief, und dann kann man nur dankbar sein, dass man eben nicht in einem dritte Welt-Land im Busch hockt sondern in einem Land mit phantastischer medizinischer Versorgung ins nächste Krankenhaus gehen kann. Ja, Frauen haben das über Jahrtausende allein hinbekommen (abgesehen davon, dass zumindest Hebammen eine verdammt alte Idee sind). Außer die, die dabei gestorben sind. Aber über die redet irgendwie keine von diesen Damen. Hatten wohl einfach zu wenig Löwin in sich entdeckt, oder so.

    Sorry, aber diese Masche, alles für „natürlich“ zu erklären was denen grad in den Kram passt regt mich auf. Meine Schwester arbeitet für eine Hilfsorganisation in Drittweltländern, und wenn ich drüber nachdenke, was die Frauen dort alles geben würden um die selbe Versorgung zu haben wie wir hier, dann wird mir ganz kalt im Bauch. Die leben nämlich dort noch viel natürlicher als Frau Bruns, und würden sich nur an die Stirn tippen, wenn sie das hier wüssten.

    • Zustimmung!
      Jedes Kind ist einzigartig und jede Geburt eben auch. Die erste – alles ganz neu und ungewohnt, die 2. ganz anders als die erste, aber eben nicht neu, die 3. – da dachte ich alles zu wissen und lernte noch dazu, bei der 4. glaubte ich, nun wirklich gaaaaanz erfahren zu sein, aber das Kind lag quer und ein Ärmchen steckte bereits im Geburtskanal … rettender Kaiserschnitt.

      Niemals, niemals aber wäre ich auf die Idee gekommen, zu Hause und alleine nur mit der Assistenz meines Mannes zu gebären. Das wusste auch mein Gynäkologe, der damals vor 31 Jahren bei einem Gespräch in meiner 4. Schwangerschaft meinte, dass ich nicht zu den Frauen gehörte, die hinter einem Brombeerbusch ihr Kind zur Welt bringen wollten.

  23. Ich hab selbst meine drei Kinder zu Hause geboren – mit einer erfahrenem Hebamme und einem Erfahrenen Gynäkologen. Die Entscheidung für eine Alleingeburt kann ich nicht nachvollziehen.
    Aber eine Anmerkung noch: Der Herr Dr. Semmelweiss hat die Wöchnerinnen vor einem hausgemachten Problem bei der Krankenhausgeburt gerettet, nämlich der Infektion durch medizinische Interventionen. Damals war die Sterblichkeit unter Frauen, die zu Hause entbunden haben bedeutend niedriger als die bei Krankenhausgeburten. Auch heute gibt es keinen Beweis dafür, dass bei gesunden motivierten Schwangeren unter kompetenter Begleitung eine Hausgeburt ein größeres Risiko darstellt.

    • Natürlich werden auch ohne kompetente Begleitung die meisten Geburten gesunder Frauen ohne Begleitung gutgehen. Die meisten heißt, dass es eben nur in 10-40% der Fälle Tote gibt. Die Spezies kommt damit gut klar.
      Unter kompetenter Begleitung wird sich das deutlich bessern. Da ist es dann vielleicht nur noch 1% das sofortigen Einsatz von Notfallequipment im Krankenhaus benötigt hätte. Auf 99 Frauen, die rumblöken, wie toll ihre Hausgeburt war, kommt dann eine, die – wenn sie nicht tot ist, meistens die Klappe hält, weil sie nicht an die große Glocke hängen will, dass ihre Fehlentscheidung ihr Kind getötet oder lebenslang behindert gemacht hat.
      Es bleibt aber nun einmal eine Quote, mit der ICH nicht zufrieden bin. Erst recht nicht, wenn ein Großteil (in unserem Fall: ALLE verfügbaren, wir haben das kleinste Übel gewählt)der „kompetenten Begleitungen“, an ganz offensichtlichen, pseudomedizinischen Unsinn glaubt.

      • „Auf 99 Frauen, die rumblöken, wie toll ihre Hausgeburt war, kommt dann eine, die – wenn sie nicht tot ist, meistens die Klappe hält, weil sie nicht an die große Glocke hängen will, dass ihre Fehlentscheidung ihr Kind getötet oder lebenslang behindert gemacht hat.
        Es bleibt aber nun einmal eine Quote, mit der ICH nicht zufrieden bin.“

        Hast du da mal ne Quelle dazu oder behauptest du das einfach mal ins Blaue raus? Möchte nur mal drauf hinweisen, dass es im Krankenhaus auch „hausgemachte“ Komplikationen gibt und es nicht unbedingt der sicherste Ort ist, um ein Kind zu gebären. Trotz allem Equipement.

        Denn was es im Krankenhaus zu wenig gibt (und was es bei einer Geburt AUCH braucht) ist: 1:1 Betreuung, viel Ruhe, viel Geduld, wenig bis keine Intervention, wenn nicht notwendig. Das kann oder darf das Krankenhaus gar nicht leisten.

      • @Sascha, „Denn was es im Krankenhaus zu wenig gibt (und was es bei einer Geburt AUCH braucht) ist: 1:1 Betreuung, viel Ruhe, viel Geduld, wenig bis keine Intervention, wenn nicht notwendig. Das kann oder darf das Krankenhaus gar nicht leisten.“ – Die ideale Kombination, wenn das Geburtshaus nicht zur Verfügung stünde, wäre doch eine Beleghebamme, die man selbst mitbringt. Die wird dann auch nicht durch Krankenhausschichten ausgetauscht. Selbstverständlich muß man dennoch immer mit der Station und dem Stammpersonal Glück haben.

  24. Ich lese hier meist nur ohne groß zu kommentieren, diesmal möchte ich aber doch mal ein wenig positives über so eine (langweilige, ganz normale) Krankenhausgeburt berichten. Ja, man kann da Pech haben, ein riesiges Krankenhaus, man kommt sich verloren vor (und das in einer Situation in der man gerade als Erstgebärende sich eh schon so fühlt). Nur: das alles isst kein wirklich lebensbedrohendes Risiko für Mutter und Kind. Wenn etwas bei einer Alleingeburt schief geht, dann kann es das aber ganz schnell werden!
    Und nicht jede Krankenhausgeburt ist automatisch auch traumatisch. Ich habe in unserem Krankenhaus (Kreisstadt, aber kein Perinatalzentrum) zwei Kinder entbunden. Beide mit netter Hebammenbegleitung, ohne Wechsel (bei der ersten Geburt blieb die Hebamme, weil ihre Schicht eigentlich während der Presswehen geendet hätte, sie zu einem solchen Zeitpunkt aber nicht wechselt, die zweite Geburt ging so schnell, da wäre kaum Zeit dafür gewesen). Eine Ärztin habe ich nur bei der ersten Geburt kurz gesehen, bei der zweiten kam ein Arzt, lange nachdem der Kleine schon bei mir friedlich an der Brust lag. Zumindest die zweite Geburt hätte ich locker auch mit meinem Mann alleine geschafft. Habe ich auch mehr oder minder, die Hebamme kam nur völlig entspannt und ruhig zu den Presswehen dazu und hat mir verbal das letzte bisschen Kraft und Ruhe gegeben, was ich brauchte. Aber weder mir noch meinem Kind hat es irgendwie geschadet, dass ein OP und ein Ärzte-Team nur wenige Meter von uns entfernt zur Verfügung gestanden hätten. Und unter der (gerade schiefgehenden) Geburt noch per Rettungswagen verlegt werden müssen, mit all der Angst und all den Schmerzen… nee, darauf wollte ich gerne verzichten.
    Also bevor hier jemand schwanger mitliest und Angst vor all den schrecklichen Geschichten hat: es gibt sie auch, die völlig normalen, undramatischen Krankenhausgeburten.

    • +1
      Wir waren im städtischen Klinikum, Teil eines Level-1-Zentrums.
      OK, während der Geburt war nicht viel mit „ich entscheide X“ und „man erklärt mir Y“, dafür war aber auch schlicht keine Zeit. Es dauerte ungefähr eine Stunde vom Eintreffen in der Klinik, bis der Kleine auf meinem Bauch lag. In den Tagen danach habe ich bei Bedarf immer wieder 1:1-Betreuung durch die Schwestern bekommen, die immer freundlich und hilfsbereit an die dümmsten Fragen herangegangen sind und mir geholfen haben. Selbst das Essen war erträglich ;-)
      Es war ganz anders als ich es mir vorgestellt hatte, aber das lag sicher nicht an den Defiziten des Klinikums und dass dort grundsätzlich alles böse und schlecht wäre.

  25. Ich kriege langsam Hautausschläge, wenn ich von der angeblichen Empfehlung der WHO lese, dass die Kaiserschnittrate bei maximal 15% liegen sollte (in diesem Artikel auch wieder zitiert).

    Ja, diese Empfehlung gab es mal – sie wurde aber schon vor Jahren zurückgezogen, nachdem die WHO kleinlaut zugeben musste, dass diese Zahl komplett aus der Luft gegriffen war und NULL wissenschaftliche Grundlage hatte. Aber wahrscheinlich wird diese unsinnige Zahl noch die nächsten hundert Jahre durch die Medien geistern.

    • Ist nicht aus der Luft gegriffen. Bei 15% Kaiserschnittrate konnte die Zahl der Gehirnschäden signifikant gesenkt werden. Kaiserschnitte sind ja häufig das Ergebnis der Interventionskaskade in Kliniken.
      Amiel-Tison C et al., Cerebral handicap in full-term neonates related to the mechanical forces of labour. Baillieres Clin Obstet Gynaecol. 1988 Mar; 2(1):145-65.

  26. Sooooo, ich hab mir den Artikel, den Blogeintrag und die Kommentare zweimal durchgelesen und 48h darüber nachgedacht (neben Arbeit, Kind, Haushalt etc.) und fühl mich irgendwie immer noch mega unwohl in meiner Haut. Das mit dem schlecht sein kann ich super verstehen. Was ich aber nicht verstehe sind diese Extreme die bei Themen Mutter, Kind und Geburt immer wieder auftauchen. Sei es wo, wie, man (Frau) gebähren, stillen, impfen, erziehen soll. 1,2,3,4, viele, keine Kinder hat, mit 20 oder doch erst 60 Jahren Mutter werden. Arbeiten gehen oder nicht. Krippe ja, nein, vielleicht…die Themen sind endlos. Ich denke der Großteil der Menschheit stimmt darüber ein dass jeder glaubt das beste für seine Kinder zu wollen und zu tun. Jedoch unterscheiden sich die Meinungen enorm wie das am besten Gehen soll. Selbst eine Frau Bruns (oder Brun?) ist garantiert überzeugt nur das Beste für sich und ihre Kinder getan zu haben. Und ich erinnere mich an einen Blogeintrag vor nicht all zu langer Zeit über eine Zwillings Hausgeburt mit doppelter BEL. Dagegen gibt es massige Einträge und Kommentare über Krankenhaus Geburten die hoch technisiert sind und wo Frau sich eher wie am Fließband vorkommt. (Selbst erlebt mit 24 h Saugglockengeburt und 3 Schichten Personal die alle überlastet waren)
    Also meine Frage was soll Frau den machen wenn sie sich unverstanden, allein gelassen und verunsichert fühlt? Alles selbst in die Hand nehmen um die Kontrolle nicht zu verlieren? Ins KH gehen und sich von allen durchchecken lassen und vielleicht Glück haben dass jemand da ist der einem Halt gibt? Geburtshaus? Zuhause (oh mist geht ja nicht mehr weil keine Hebamme das noch macht)
    ……Ich oute mich hier mal und sage es muss einen Mittelweg geben. Ich hoffe es zumindest. Weil kein Extrem gut ist!

  27. Mit einer „Alleingebärerin“ in der eigenen Familie habe ich mir ähnliche Fragen auch schon gestellt. Ich meine, es muss (und sollte?) so nicht sein. Geburtshilfe in verschiedener Form hat sicher aus gutem Grund eine lange Tradition. Auch gibt es wohl genauso gute Gründe dafür, dass mit der Weiterentwicklung der Geburtsmedizin die Sterblichkeit von Mutter und Kind unter der Geburt drastisch abgenommen hat. Man muss sein Glück, und vor allem das des Kindes nicht auf so leichtsinnige Art herausfordern.
    Und das sage ich als auch nicht ganz konventionelle Gebärerin. :-) Immerhin sind zwei meiner drei Kinder zu Hause geboren. Allerdings mit jeweils 2 erfahrenen Hebammen und Krankenhaus für den Notfall um die Ecke.
    Nach meiner Erfahrung gibt es also durchaus den guten Mittelweg. Dazu gehörte für uns auch, während der Schwangerschaft Hebammenbetreuung und Frauenärztin in Anspruch zu nehmen und ein Mindestmaß an Untersuchungen durchführen zu lassen, so dass Risiken für die Geburt zumindest so weit das technisch möglich ist, ausgeschlossen werden können.
    Die Hausgeburten waren kein Spaziergang, genauso wenig, wie sie das im Krankenhaus gewesen wären. Mit mal eben schnell ne Stunde gebären geht’s halt nicht für jede ab … Trotz allem, ja, sie waren eine schöne Erfahrung, irgendwie runder als im Krankenhaus und wesentlich entspannter für mich.
    Nichtsdestotrotz will ich auch mal eine Lanze fürs Krankenhaus brechen. Erstens gibt es natürlich die Fälle, in denen die schnelle Verfügbarkeit aller medizinischen Mittel wirklich lebensrettend ist und ihr Vorhandensein ein wahrer Segen. Zweitens gibt es Frauen, die sich viel besser entspannen können, wenn sie diese Sicherheit hinter sich wissen. Für diese ist das der optimale Geburtsort. Und drittens muss eine Krankenhausgeburt nicht automatisch traumatisch ablaufen, wie man es nach Lektüre einschlägiger Foren vermuten könnte. ;-)
    Ich habe den Vergleich und würde mich, wenn nichts dagegen spräche, jederzeit wieder für eine kompetent begleitete Hausgeburt entscheiden. Allerdings wäre es auch absolut keine Katastrophe, würde mir geraten, aus guten Gründen lieber ins Krankenhaus zu gehen. Die Krankenhausgeburt unseres Ältesten war völlig in Ordnung für mich, (wenn auch nicht in jeder Hinsicht optimal ;-) ). Er ist da, er ist gesund, ich auch, niemand hat mich traumatisiert und ich hatte durchaus den Eindruck, dass alle ihr Bestes geben, damit es uns gut geht. Der Rahmen ist halt einfach ein anderer als daheim.
    Ich wünsche jedenfalls jeder Frau, dass sie die Möglichkeit bekommt, wo auch immer sie sich wohlfühlt zu gebären, und zwar mit gut ausgebildeter Unterstützung zum eigenen Wohl und dem des Kindes.

  28. „Meine“ Hebamme habe ich übrigens deshalb ausgesucht, weil sie auf gut fundiertem Wissens- UND Erfahrungs-Boden steht, schon der Geburtsvorbereitungskurs sehr „normal“ und gar nicht peinlich lief, sie entspannt auch von nötigen und rechtzeitigen! Verlegungen ins Krankenhaus berichtet, sie mir nicht mit esoterischem Quatsch kommt, mir keine alternativen Methoden aufdrängt und mir unter der Geburt auch nicht mit „Auuuuf!“, „Weeeiiit!“ und schlimmerem Gelaber auf die Nerven geht. :-D Doch, es gibt sie, die brauchbaren Hausgeburtshebammen. Und nicht jede Frau, die sich nach sorgfältigem Abwägen für eine Hausgeburt entscheidet, ist eine unverantwortliche alternative Ökotussi. :-D Nur mal so am Rande …
    Wobei ich Josephine diesen Vorwurf keinesfalls unterstellen möchte. Ich finde, dieser Artikel differenziert durchaus angemessen.

  29. Ich finde Alleingeburten komplett verantwortungslos. Und das, obwohl ich meine beiden Kinder daheim geboren habe, allerdings mit zweien, bzw einer erfahrenen Hebamme. (Ohne Räucherstäbchen, im Geburtspool. Und ja, meine Kinder sind geimpft.)

    ABER, ich befürchte, bei euch in Deutschland (ich lebe in der Schweiz) wird die Entwicklung in die Richtung gehen, dass sich immer mehr Frauen zu diesem gewagten Schritt entscheiden, da sich bei euch ja kaum mehr eine freischaffende Hebamme das Praktizieren leisten kann.

    Wie könnt ihr das nur zulassen??!

    …. Und dann noch: Auch ich glaube, dass sich im Krankenhaus gut entbinden lässt. Warum nicht… Aber eine gesunde Frau mit gesundem Kind mit einem guten Befund kann eben auch unkompliziert daheim oder im Geburtshaus gebären. Die Statistik dazu ist sehr gut.

    Zurück zum Artikel: Diese Alleingebärerinnen-Arroganz find ich persönlich zum Kotzen. Da denk ich auch immer nur: „Glück gehabt!!“.

    • Es gibt in Deutschland eine kleine „Gegenbewegung“, nämlich Krankenhäuser mit sog. Hebammengeführten Kreißsälen. Das ganze findet zwar unter dem Dach des Krankenhauses statt und damit in der Nähe von Hilfe, sollte diese tatsächlich notwendig werden. Aber (wenn eben nicht der Fall des Falles eintritt) nur mit Hebammen, ohne Ärzte. Eine Alternative zum Geburtshaus also und ein Mittelweg zwischen „Alleingeburt“ und „Geburt mit Ärzten“, bei denen einige sich wohl unwohl fühlen. Allerdings gibt es das noch in wenigen Krankenhäusern. Und wie bei Geburtshäusern wird sehr wohl eine Risiko-Abwägung getroffen, die Hebammen dort können eine Geburt auch ablehnen, wenn das Risiko ihnen zu hoch erscheint und sie die Anwesenheit eines Arztes für notwendig oder auch sehr wahrscheinlich notwendig halten.

      • Ich dachte, es wäre der Normalfall, dass die Geburt im Wesentlichen von einer Hebamme begleitet wird, im Krankenhaus. Irgendwo (hier?) habe ich sogar mal gelesen, die Hebamme sei Vorschrift und könnte regulär gar nicht durch einen Arzt ersetzt werden.
        Ich kann mir nicht vorstellen, ob es nun einen so großen Unterschied macht, ob der Chef des Ladens nur eine Oberhebamme oder der Chefarzt der Gyn ist. Nach den Hebammen, die wir kennengelernt haben, zumindest nicht zum guten. _Gute_ Hebammen haben sich bei uns in erster Linie dadurch ausgezeichnet, dass sie ihren Esoterikkram auf deutlichen Hinweis ohne große Diskussion wieder weggepackt haben und auch nicht wieder vorgeholt.

      • @Caron: bei mir war das im normalen Krankenhaus auch so, dass ich praktisch die Kinder nur mit Hebammenbegleitung bekommen habe. Das ist aber scheinbar nicht in jedem Krankenhaus so. Von dem in meiner Nähe weiß ich, dass da durchaus auch mal eine erfahrene Hebamme die unerfahrenen Ärzte zusammen staucht. Aber es gibt wohl Krankenhäuser, wo eher Ärzte den Ton angeben, ab wann nun Hilfe benötigt wird oder wie damit verfahren wird. Beim Hebammengeführten Kreissaal entscheidet die Hebamme im besten Fall mit den Eltern zusammen ob und wann ein Arzt dazu kommt. Ich fürchte, viele werdende Eltern haben einfach Angst vor den Horrorgeschichten, die im www so im Umlauf sind. Angeblich ist so eine Geburt doch solo toll und dann kommen ach so böse Ärzte mit einer Saugglocke.
        Ich finde, eine Geburt ist etwas tolles, aber schlicht so angenehm, wie hier bereits jemand geschrieben hat, wie eine Wurzelbehandlung. So wie eine Schwangerschaft ein echter Grund zur Freude ist… auch wenn man gerade nicht „von innen leuchtet“, sondern nur ständig über der Kloschüssel hängt. Ein bisschen mehr Realität statt Glorifizierung würde allen werdenden Eltern gut tun! Und beim Kinderaufziehen dann auch, aber das ist ein anderes Thema…

  30. Ein sehr gutes Thema und die ganzen Kommentare zeigen, dass hier (von politischer oder organisatorischer Seite) viel Handlungs- und Verbesserungsbedarf besteht.
    In der Nähe meiner Eltern gibt es ein wunderschönes Geburtshaus … 20 Meter vom Eingang der Frauenklinik entfernt. Perfekt in meinen Augen.
    Das dürfte so ähnlich sein wie der „hebammengeführte Kreißsaal“ von aucheinemama.
    Eine Aufwertung des Hebammenberufes (mit finanzieller Aufwertung) und gleichberechtigter Arbeit mit den studierten Geburtshelfern, ein Hand in Hand ist wohl erstrebenswert und es gibt sicher viele Kliniken, in denen es wunderbar funktioniert.
    Ich selber war zum Glück in so einer (Uniklinik), da bei uns die BEL irgendwie zementiert war. Ich wollte es trotzdem spontan versuchen und als die Hebammen hörten, dass ich alleine kommen würde, haben sie mir von sich aus versprochen, dass sich immer jemand um mich kümmern würde.
    Und so war es auch – ich wurde sehr fürsorglich betreut (Hebamme und Mediziner) und als es dann doch noch zum KS ging, war die ganze Mannschaft im OP freundlich, heiter, freudig, fürsorglich. Und ich nur noch glücklich *TränchenderRührungausdemAugewischt*. Das ganze Team war glücklich (und hat sich auch Tränchen aus den Augen gewischt)!
    Naja, zurück zum Thema: jeder kann für sich selbst die seltsamsten und ungewöhnlichsten Entscheidungen treffen – bei einem Baby hört in meinen Augen der Spaß auf.
    Trotzdem zeigt uns dieser Artikel, dass man die Geburt an sich weder sterilisieren darf noch zu sehr in die andere Richtung schwenken sollte und dass die Voraussetzungen leider nicht überall geben sind, sicher für Mutter und Kind die Löwin in sich zu entdecken … oder das Kätzchen, die Kuh, den Wal … öhm … tbc

  31. Ich hatte eine super Geburt im Krankenhaus. TROTZ Schichtwechsel. Von Einleitung bei ET+10 bis zur Geburt hat es nämlich etwa 34h gedauert.
    Die Hebammen waren ein Traum und die, die das Bröckchen dann auf die Welt geholt hat war ein wares Muster an Kompetenz. Ganz entspannt, obwohl das Kind zwischendrin noch hängen geblieben ist … was bei 4,7 kilo auf 57cm auch keinen gewundert hat.

  32. Ich schicke voraus, ich habe nicht alle Kommentare vor mir gelesen…

    Josephine, du sprichst mir mal wieder aus der Seele! Ich verstehe, dass eine Geburt im KH nicht der Traum aller Schwangeren ist und dass es vielleicht toll ist, wenn man sagen kann, man hat ganz alleine daheim entbunden. Das kann ein tolles Erlebnis sein. KANN! Muss aber nicht.
    Denn eine komplikationslose Schwangerschaft garantiert leider ja nicht das gleiche für die Geburt. Und ich kann mir nichts schlimmeres vorstellen, als alleine daheim im Plantsch äh Geburtspool zu sitzen und ein blaues Kind aus mir zu ziehen, das auch nach mehreren Minuten noch keine Anstalten macht, zu atmen oder sich zu bewegen. Dann den Vater des toten Kindes vom Obstteller wegzurufen… Uah!
    Und was mir beim Lesen auch aufgefallen ist, das Baby war nicht blau nur etwas blass? Die weiße Asphyxie ist schlimmer als die blaue!!! Aber das nur am Rande….

  33. desolate hebammensituation, der hype um natürlichkeit, es war klar dass irgendwann irgendwer den weg in ein großes medium findet.

    bereits vor jahren hörte ich von dem trend und schüttelte stets mit dem kopf. abgesehen davon, dass mir gerade unklar ist, wie eine alleingeburt mit der gesetzlichen situation vereinbar ist dass eine hebamme zwingend bei einer geburt zugegen sein muss und ich mich in dem zuge frage, ob das irgendeine konsequenz hat für die dame, folgendes:

    Dieser irre trend wird zu nehmen. und ich finde es alarmierend dass sich eine frau in umständen so schlecht betreut fühlt dass sie den betreuungslosen weg wählt. ich glaube durchaus, dass wir nicht ein symptom verurteilen (ja, scheisse,blabla, ist es, ohne frage) sondern die situation in sich verbessern müssen… in der tat sind kliniken oftmals nicht der ort in dem sich eine frau wohlfühlt, sich alleine oder fremd bestimmt fühlt. es manifestieren sich traumata, die wie hier zu solch fragwürdigen handlungen führen.

  34. Wer weiß was wir in Zukunft noch für „Allein(gelassen)geburtsberichte“ aus maßlos unterbesetzten Kreißsälen zu hören/lesen bekommen.
    Wenn immer mehr kleine Geburtsabteilungen geschlossen werden und es bald keine Beleghebammen mehr gibt, wo soll denn da eine gute fachliche 1:1-Betreuung im Krankenhaus stattfinden?
    In den zukünftigen Geburtszentrum wo eine Hebamme + FA für 6 CTGs (mit dem daran hängenden Bauch-Baby) zuständig sind?
    Da kommt mir eine gut vorbereitete Alleingeburt zuhause nicht mehr so abwegig vor…

    • Wie kann man eine alleingeburt „gut vorbereiten „? Den mann zum hebammencrashkurs schicken? „Kaiserschnitt für Anfänger – operieren leicht gemacht?“ Oder „wie reanimiere ich mein Kind richtig?“ / dann doch lieber die Variante eine hebamme & fa für 6 ctgs…

      • Ja, das die Kernfrage, wie man eine Alleingeburt gut vorbereiten kann. Sich dazu nur Artikel durchzulesen in denen Alleingeburt als „toll“ beschrieben wird und darauf zuverlassen, dass schon alles gut geht, ohne sich Notfallpläne zu überlegen, reicht sicher nicht.
        Welches Risiko ist mit einer Alleingeburt zuhause für die Einzelnen verbunden und welches Risiko ist die Familie bereit dabei einzugehen, verglichen mit diesem hoffentlich nie Wirklichkeit werdenden Fall, dass für 6 volle Kreißsälen nur 2 Fachpersonen vor Ort sind?
        Denn was sollen die denn machen, wenn dann 2 oder mehr Notfälle gleichzeitig auftreten? Sich mal eben klonen?
        In der Zeit bis weitere Hilfe da ist, wäre die Familie vielleicht auch von zuhause aus im Krankenhaus.

        Ich möchte damit NICHT Alleingeburten hoch loben! Wenn sich aber in nächster Zeit die Situation in der Geburthilfe nicht verbessert, wird deren Anzahl sicher zunehmen. Was werden all die jenigen tun, die Angst vor unnötigen Interventionen im KKH oder vor Verlust der Selbstbestimmung haben und den damit verbundenen Folgen?
        Normale Geburten im KKH ohne jegliche Intervention sind ja jetzt schon im einstelligen Prozentbereich angekommen. Es gibt auch genug Belege dafür, dass jeder unnötige Eingriff in den Geburtsverlauf die Wahrscheinlichkeit für weitere Interventionen bis hin zum hausgemachten Kaiserschnitt erhöht.

        Ich wäre sehr foh, wenn Alleingeburt nur eine absolute Randerscheinug bleibt, weil es noch genügend gut besetzte Kreißsäle und Hausgeburtshebammen gibt!!!

      • Ich arbeite jetzt schon sehr lange in der Geburtshilfe, in einem Haus der Maximalversorgung mit vielen Geburten (4stellig). Und wir sind hier im Dienst zu zweit (Hebamme + Arzt) plus ein Arzt im Hintergrund. Und sicher sind manchmal alle Kreißsäle voll. ABER: dann rufe ich auch rechtzeitig meinen Hintergrund zu Hilfe, auch wenn es nicht „brennt“. Und die Hebammen haben auch immer einen Zusatzdienst. UND tatsächlich entbinden ganz selten mal zwei, drei Frauen parallel, da ist immer noch Zeit zu wechseln. Sicher, es gibt Notfälle – aber ich kann auch morgen vom Bus überfahren werden – was auch extrem selten und wirklich schade ist.
        Die Wahrscheinlichkeit, Zuhause allein in eine Notfallsituation zu kommen ist hingegen ungleich größer. Und wenn man nicht unmittelbar neben einem Krankenhaus wohnt, halte ich die Vorstellung, notfallmässig unter Geburt in eine Klinik zu kommen für – ähm, sagen wir es einmal so: Verwegen!
        Vielleicht liest Du hierzu einfach mal den Artikel, den WitweBolte weiter oben in ihrem Kommentar verlinkt hat. Der bringt es ganz schön auf den Punkt: Frau läuft nicht mal eben geschmeidig in der Klinik auf, während der Kopf irgendwo hängt, oder die Schulter, oder keine-Ahnung-was. Es ist manchmal schon ein Problem, die werdende Mutter aus ihrem Bett auf den OP-Tisch zu bekommen. Und selbst wenn ein Krankenwagen in – sagen wir einmal 5 Minuten da ist, braucht es weitere 10 Minuten, die Patientin einzuladen, vielleicht 10, sie ins KRankenhaus zu bringen, 5 weitere Minuten, bis sie in die Gyn verfrachtet ist, im Idealfall hat der Sani sie dann schon angekündigt, weshalb Ärzte, Hebamme und OP-Team schon bereitstehen, aber zum Ausziehen, Auf-den-Tisch-legen und narkotisieren kommen locker 10-15 weitere Minuten dazu. Ein geschickter Operateur schafft es dann in der Regel unter zwei Minuten beim Kind zu sein. Macht läppische 45 Minuten (Pi-mal-Daumen). Die vorgeschriebene Zeit für eine Notsectio liegt bei unter 20 Minuten (Entscheidung-Entbindungszeit), wenn alles gut läuft haben wir es tatsächlich schon in 8 Minuten geschafft. 8 Minuten ohne Sauerstoff sind eine verdammt lange Zeit…
        Tatsächlich würde ICH jederzeit eine marode Geburtshilfe der Alleingeburt vorziehen. Aber jeder Jeck ist bekanntlich anders.

      • Im übrigen frage ich mich immer noch, wo solche vorgefertigten Meinungen zur deutschen Geburtshilfe herkommen? Wir haben eine der besten Versorgungen weltweit, und die Höhe der Kaiserschnittrate ist tatsächlich in der Hälfte der Fälle dem mütterlichen Wunsch geschuldet. Ich habe etliche Geburten erlebt, bei der Hebammen und Ärzte sich quasi ein Bein ausgerissen haben, um das Kind auf normalem Wege zur Welt zu bringen, die jeweiligen Mütter aber UN_BE_DINGT operativ entbinden wollten….

      • Mir ist bewusst, dass wir aktuell auf sehr hohem Niveau jammern, dass ist hier wohl falsch rüber gekommen.
        Ich habe Sorge, wie sich die Sicherheit in KKHs ändert, wenn es tatsächlich dazu kommt, dass es nur noch wenige große Geburtszentren gäbe und dann noch viel weniger Hebammen. In manchen Gegendend ist es ja jetzt schon extrem schwierig bis utopisch eine Beleghebamme für die Geburt zu finden und was ich fast noch schlimmer finde, auch für die Nachsorge im Wochenbett. (https://www.unsere-hebammen.de/mitmachen/unterversorgung-melden/)

        Wenn 6:2 schon der Realität entspricht (?), hätte ich mein Beispiel (für eine schwarze Zukunft) lieber auf 10:2 erhöhen sollen. Denn dann bleibt ja wirklich kaum noch Zeit für menschlichen Kontakt zu den Gebärenden, wenn alle Säle besetzt sind. Und die Technik soll alles ausgleichen?
        Wenn eine Frau, die unter solchen Umständen nicht ins KKH will, keine Hausgeburtshebamme mehr findet (wo möglich ist es auch nicht ihre erste Geburt und sie hat Vertrauen in ihren Körper), dann kann ich verstehen, wenn sie eine Alleingeburt anstrebt.

        Mit dem Satz „Wenn sich aber in nächster Zeit die Situation in der Geburthilfe nicht verbessert“, meine ich vor allem das Missverhältnis von Hebammenverdienst zur Höhe der Berufshaftplicht, wenn selbige Geburtshilfe leistet.
        Aber wie ist das bei den Ärzten in der Geburtshilfe? Stehen die bezüglich der Versicherungsprämien so viel besser dar oder macht es nicht so viel aus weil, das Gehalt höher ist? Bitte nicht falsch verstehen, ich frage das aus Interesse, nicht um anzuprangern.
        Viele Grüße und danke für die ausführlichen Antworten!

      • Im übrigen auch noch ein großes Danke an alle, die sich die „Haxn ausreißen“ um eine normale Geburt im KKH zu ermöglichen!!! :-)

  35. Der Artikel macht mich sprachlos. Das ist weder mutig, noch besonders emanzipiert, sondern einfach nur unfassbar egoistisch und verantwortungslos. Obendrein ein echtes „First World Problem“. Frauen in Enwicklungsländern würden was drum geben, so entbinden zu können und eine solche Versorgung für Mutter und Kind zur Verfügung zu haben, wie es uns in Kliniken & Co. zur Verfügung steht. Das Kind hat seit seiner Geburt auch noch keinen Arzt gesehen, weil die Mama ja selber beurteilen kann, ob das Kind was hat. Unglaublich.
    Hier gibt’s im Übrigen einen der seltenen Artikel, über einen Fall, in dem es nicht gut ausging. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/hausgeburt-eine-mutter-verliert-ihr-kind-a-889615.html

    • „Das Kind hat seit seiner Geburt auch noch keinen Arzt gesehen, weil die Mama ja selber beurteilen kann, ob das Kind was hat. Unglaublich.“
      Die Kinderuntersuchungen sind ein Angebot und eine Empfehlung. Wenn sie zu bestimmten Zeiten im Leben des Kindes statt finden, werden sie auch von der Krankenkasse übernommen.
      Trotzdem liegt es IMMER in der Verantwortung der Eltern, wann sie warum mit dem Kind zum Arzt gehen. Oder werden Kinder zwischen den Standarduntersuchunge per definition nicht krank?
      Zum Gück haben wir die Möglichkeit und die Freiheit selbst zu entscheiden, wann wir zum Arzt gehen.

      • Das ist falsch – die Kinderuntersuchungen sind – zumindest in einigen Bundesländern – tatsächlich verpflichtend, und wenn man dieser Pflicht nicht nachkommt, steht einem schnell mal das Jugendamt ins Haus…

    • Wobei ich mich bei diesem Artikel auch frage, ob es gerechtfertigt ist, der unerfahrenen und in diesem Bereich ungebildeten Gebärenden alle Schuld aufzuhalsen… Hätte nicht die Hebamme hier früher eingreifen müssen? Ich bin auch deshalb so skeptisch, weil ich auch einmal zu einer Hausgeburt gerufen wurde. Geburt super, Kind lag schmatzend an der Brust einer somnolenten, schockigen Mutter. Gebärmutterriss. Die Hebamme hatte sich die letzte halbe Stunde „über das viele Blut“ gewundert…

  36. Mmmmh – Alleingeburt nein, niemmals. Ich wollte meine Kinder auch möglichst sicher auf die Welt verfrachten. Aber nachdem ich zwei Geburten im Geburtshaus selbst erlebt habe und bei einer Geburt im KH bei einer Freundin dabei war, würde ich sagen, dass mal wieder der Mittelweg nicht normal zu sein scheint:

    Ich fühlte mich sicher, weil mich die Hebamme einschätzen konnte, die mich vorher kannte und sie dauernd in Hörweite war und alles von mir mitbekommen hat. Jeder noch so leise Zweifel oder Anflug von Panik, den ich spürte, konnte ich durch einen Blick auf meine entspannte Hebamme beiseite schieben – denn wenn die noch keine Panik bekommt, angesichts meiner Laute und der Werte, dann scheint das hier doch wohl normal zu sein. – Zudem war die Hebamme entspannt, denn die arbeiteten auch in Schichten, aber man kannte eben alle Hebammen im Team schon vorher.

    Während bei der Geburt meiner Freundin hat die Hebamme mehrere Frauen gleichzeitig betreut, hat mal reingeschaut und ist wieder weg. Die hat am Stöhnen nicht gehört, ob die Frau gerade anfing in den Panik-Modus zu gehen, der dann den Geburtsverlauf zum Stillstand brachte.

    Was ich garnicht verstehen konnte, waren die Frauen, die unbedingt bei einem Belegarzt entbinden wollten. Denn die Belegärzte sind die meiste Zeit in der Praxis, haben viel weniger Erfahrung in Geburten und werden nur kurz vor dem Ende geholt. Ein Arzt in der Geburtsklinik sollte m.E. schon unglaublich viele Geburten erlebt haben und einfach viel Routine z.B. beim Schneiden haben. Ob ich den bereits kenne, ist mir da herzlich egal.

    Aber hebammengeleitete Geburtskliniken mit Hebammenteams, die vorher schon die Frauen begleiten, hielte ich für die sicherste Alternative. Gute kompetente Begleitung, die es ermöglicht, dass ich mich „entspannt“ konzentrieren kann auf die Geburt, aber großartige Mediziner, die bei den Komplikationen einfach schnell da sind. – Nur sowas gibt es leider sehlten, selbst in Großstädten.

    Nur leider rückt das ja in unerreichbare Entfernung….

  37. Alleingeburt?! Warum denn freiwillig das Risiko eingehen?
    Ja, alle Geburten, die ich während meiner Zeit im Rettungsdienst „mitgemacht“ habe, waren Alleingeburten – weil es eben schneller ging, als gedacht. Das geht dann überall – in der Fußgängerzone, in der Küche, im heimischen Bad…Dann geht es ja auch fast immer (eines wollte nicht gleich atmen, aber nach einem Klaps kam auch da der erste Schrei) gut. Aber was wenn nicht? Und was, wenn auch bei der assistierten Hausgeburt der Hebamme irgendwie nicht klar ist, dass die Frau nach der (gut gelaufenen) Entbindung gerade an einem Gebärmutterriss verblutet (Hatten wir auch mal.)?
    Mein erstes Kind und ich hätten nicht ohne medizinische Hilfe überlebt – mein Frauenarzt hat die Präeklampsie ignoriert, ich bin dann (kannte ja die Symptome) – auf eigene Faust ins KH. Einleitung, Kind blieb im Geburtskanal stecken, Saugglockengeburt. Danke an dieser Stelle an das engagierteTeam, das meinen Wunsch respektiert hat, einen Kaiserschnitt wenn irgend möglich zu verhindern! Dass die Wöchnerinnenstation alles andere als kompetent war (3Min. Bewusstlosigkeit mit HF unter 30 bei dokumentierter Herzvorschädigung – „Ach, die wacht schon wieder auf…“) – hat mich beim zweiten ein anderes KH aussuchen lassen.
    Da allerdings waren der Respekt vor der Selbstbestimmung der Schwangeren schon fast zu groß für meinen Geschmack: Kurzes CTG und Herztöne zu Beginn um Mitternacht. Nächstes Mal erst in der Austreibungsphase um 8.45 Uhr – die Hebamme lies mich und meinen Mann die meiste Zeit allein – „Sie klingeln, wenn was ist, gell?!“ Was soll denn sein? Ich gebäre?! Um 9 Uhr war Nr.2 auf der Welt – mit der Nabelschnur um den Hals, PH-Wert 7,0 aber Apgar 9/10/10. Hätte auch so richtig schief gehen können. Alles, was die Hebamme getan hat, war ihn aufzufangen, als er aus mir herausglitt. Einerseits fand ich es ja schön, in Ruhe gelassen zu werden. Andererseits hinterließ dieses Geburtserlebnis auch einen schalen Geschmack und den Gedanken „das hättest du alleine zu Hause auch genauso gut/schlecht hinbekommen.“ Aber das weiß man vorher nie, deshalb geht es zur jetzt anstehenden Geburt von Nr. 3 natürlich wieder ins KH (nur in welches??!).

  38. Ich habe den Geburtsartikel noch nicht gelesen. Aber, was ich mich frage, warum müssen Frauen denn alleine gebären?
    Vielleicht, weil sie im Krankenhaus, beseonders bei BEL, nicht gebären dürfen, sondern entbunden werden.
    Dauer-CTG, keine Beleghebamme, überfüllte Kreissäle, so sieht es hier im einzigen Krankenhaus aus, das BEL-Geburten überhaupt anbietet. Und Zugang legen ist ja sowieso Pflicht.

    ICH, ich betone ICH, weiß nach unserer Hausgeburt, dass ICH so nicht gebären kann. Sollte eines unserer nächsten Kinder eine BEL-Lage haben, werde ich in diesem Krankenhaus abklären, ob ich nach meinen Wünschen gebären kann oder nach ihren Vorschriften entbinden müsste. Und eine Alleingeburt wäre hier definitiv eine Alternative!

    Und ich trage auch die alleinige Verantwortung bei einer Alleingeburt, so etwas schief läuft. Aber was ist, wenn ich im Krankenhaus einen Kaiserschnitt bekomme und daran sterbe? Wenn mein Kind Anpassungsprobleme hat oder sich an einem Krankehnauskeim ansteckt? Dann würde ich mir ebenso Vorwürfe machen. Auch Krankenhaus ist nicht risikolos!

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