Die 10 größten Irrtümer über Kliniken im Allgemeinen und gynäkologische Abteilungen im Speziellen

1. Der Chef ist immer der Beste der Besten 

Ähm – jein! Im Idealfall ist der Chef der Abteilung tatsächlich der erfahrenste, fähigste und bestausgebildete Mediziner. Aber gerade in operativen Fächern können die Oberärzte manchmal mehr, als ihre Vorgesetzten. Das ist auch ganz normal – der Chef muss ja schließlich ganz viele organisatorische Sachen am Laufen halten – Chefarztbesprechungen, Vorträge bei Kongressen, Treffen mit der Verwaltung, und natürlich die Privatsprechstunde. Darunter leidet dann die Zeit, die er am OP-Tisch verbringen könnte. Und Übung macht den Meister, da bildet die Medizin keine Ausnahme. Oberärzte machen einige dieser organisatorischen (und oft gleichbedeutend mit „lästigen“) Dinge hin und wieder auch, aber generell operieren sie erstmal. Viel. Sehr viel. Und da sie ja irgendwann selbst gerne Chef werden wollen, und man in „jungen“ Jahren auch noch entsprechend wissensdurstig ist, bilden die Jungs und Mädels sich regelmässig fort. Oder gehen auch mal zum Hospitieren an ein anderes Haus, wo sie von Chefs lernen können, die vielleicht noch erfahrener, fähiger und bestausgebildeter sind, als die eigenen Häuptlinge.

2. Wenn mein Haus-/Frauen-/Sonstiger Arzt etwas auffälliges gefunden hat, muss das SOFORT abgeklärt werden. 

Ähm – nein! Es gibt in der Tat so etwas, wie eine Prioriäteten-Anwärterliste auf die Klinikbetten einer Fachabteilung. Der Herzinfarkt ist zum Beispiel die Greencard für den direkten Zugang zu einem weiss-bezogenen und frisch hergerichteten Klinikbett. Wobei die Herzinfarktler ja in der Regel auch nicht über den niedergelassenen Kollegen, sondern mit dem Rettungswagen kommen. Dann ist es eh klar. Ein sogenannter Uterus myomatosus (also viele gutartige Muskelknoten in der Gebärmutter) hingegen kann schon einmal 4-8 Wochen Vorlauf mit sich bringen. Und nein, die Tatsache, dass die Periode jetzt schon seit einem Jahr immer stärker und schmerzhafter wird, katapultiert einen nicht automatisch in die Liga der Erstanwärter auf den begehrten OP-Plan-Platz. Dieser Platz muss frei gehalten werden für Eileiterschwangerschaften, gedrehte Eierstockzysten und (ver-)blutende Schwangere, sowie für geplante Operationen, die dort schon seit Wochen stehen. Und selbst ein schlechtes Abstrichergebnis muss nicht wirklich gestern operiert werden – auch wenn man den Verlauf der Entstehung nicht nachvollziehen kann, weil Frau vor 10 Jahren zuletzt beim Frauenarzt war („Aber es war immer so schwierig die Vorsorge mit meinen übrigen Terminen unter einen Hut zu bringen…). Was 10 Jahre gewachsen ist, kann tatsächlich noch zwei Wochen weiter wachsen, OHNE dass es irgendeine Konsequenz hätte. Und viele Dinge haben nun einmal den ihnen vorgeschriebenen Weg: zuerst zum Ultraschall, Mammographie, ins CT, Blutentnahmen, etc. pp. Was nützt es, wenn der Tumor oder was-auch-immer herausgeschnitten wird, und hinterher stellt sich heraus, dass man die Sache eigentlich hätte ganz anders angehen müssen?

3. „Routine-Eingriffe“ sind völlig ungefährlich

Ähm – nein! Haben wir heute wieder (auf die tragische Art) lernen müssen: Wie die Presse gerade berichtet, liegt eine 21jährige Frau in einer deutschen Klinik im Sterben, nachdem wohl während einer Bauchspiegelung (unbemerkt ) eine Vene durchtrennt wurde. Und nein, dass ist ganz sicher nicht nur bei der 21jährigen tragisch, sondern auch bei der 72jährigen Urgroßmutter und Ehefrau, der eigentlich nur die Galle entfernt werden sollte. Oder die Mandel-OP der 4-jährigen. Operieren IST ein Risiko. Immer. Und egal, wie gesund man davon abgesehen ist, wie toll der Operateur, oder wie gut der Ruf der Klinik – es wird auch immer riskikoreich bleiben. Da beisst die Maus keinen Faden ab. Am meisten beeindruckt mich die Sorglosigkeit der Menschen immer im Hinblick auf Kaiserschnittgeburten: „Ich möchte lieber nicht normal entbinden – ich kann nämlich nicht so lange still liegen/ich habe Angst vor der normalen Geburt/ ich möchte mir nicht den Beckenboden zermetzeln/ mein Optiker sagt, ich darf nicht pressen“ – Ja, IST KLAR!

Ich will tatsächlich niemandem Angst machen, der demnächst vor der Entscheidung Kaiserschnitt ja oder nein steht – es ist ohne Frage eine der am häufigsten durchgeführten Operationen überhaupt. Aber ich verwahre mich einfach gegen die Sorglosigkeit, mir der diese OP so schnell in Erwägung gezogen wird. Weil man den Termin schöner planen kann. Oder die Oma dann noch nicht im Urlaub ist. Weil sich dann auch Opa Herbert den Geburtstag des Nachwuchses merken kann. Oder weil Frau schlicht keine Lust auf spontanes Entbinden hat. Alles schon da gewesen

Hier dann das andere Extrem:

4. Jede Operation bringt mich um

NEIN! So einfach ist da die Antwort. Es gibt Operationen, die müssen einfach gemacht werden. Eileiterschwangerschaften, abgestorbene Darmteile, durch die Haut brechende Tumoren. Oder ganz simpel: Der Blinddarm. Da muss man dann als Patient auch nicht laut heulend und sich windend auf dem Boden liegen – hier „ja“ zu sagen, gebietet einfach der gesunde Menschenverstand. Wer würde denn schon mit verbundenen Augen mitten in der Nacht über die A8 laufen? Oder zum Spaß aus dem 25. Stock springen. Richtig – KEINER! Jedenfalls keiner, der klar bei Verstand ist. Aber drei Tage und fünf verschiedene Ärzte lang herumdiskutieren, warum die angegammelte Eileiterschwangerschaft sich nicht von ein paar homöopathischen Globuli wird überzeugen lassen, ohne operatives Vorgehen zu verschwinden. Wo bitte ist meine portable Tischkante?

5. Die Gebärmutter/Eierstöcke sind immer und in jedem Fall der Grund allen Übels

Ich gestehe – diese Denkweise tragen die Frauen nicht aus eigenen Stücken in die Ambulanzen dieser Welt – gepflanzt wird diese – teils doch sehr absurde Ansicht – auch gerne mal von fachfremden, niedergelassenen Kollegen. Wie die Frau, die ganz offensichtlich ritzegelb und im Zustand nach jahrelangem Alkoholkonsum bei uns aufgeschlagen ist, schwallartig aus dem Mund blutend und eigentlich ganz eindeutig internistisch einzuordnen war. Aber was stand auf der Einweisung des Kollegen? V.a. Postmenopausenblutung. Also Blutung aus der Scheide bei einer Frau, die schon in den Wechseljahren ist. Der Mensch, welcher die Einweisung ausgestellt hatte, war selbst Hausarzt, und als Hausarzt KANN man wissen, dass eine Frau mit dieser (oben beschriebenen) Befundkonstellation ganz andere Probleme hat, als eine vaginale Blutung. Denn lange, lange bevor sie von einem eventuellen Gebärmutterkrebs hinweggerafft worden wäre, hatte die im Sterben befindliche Leber, das Aussetzen jeglicher Blutgerinnungskaskaden UND die blutenden Speiseröhren-Varizen sie bereits umgebracht. Der Kollege sah das anders. Frei nach Motto: Männer zum Facharzt, Frauen zur Frauenärztin.

6. Die Hebammen sind immer die Guten

Okay – ich MAG Hebammen. Wirklich. Ehrlich! Nicht alle – aber die Meisten. Und es geht auch gar nicht darum, dass die Hebamme selbst denkt, sie sei Gottes größtes Geschenk an die Menschheit. Aber wenn man sich mal ein wenig in den großen Babyforen des WWW umschaut, dann kommen alle Empfehlung bezüglich Geburt (Wo? Wie? Welche Klinik? Stehend, liegend, sitzend?) immer zum selben Schluss: die Hebamme wird es schon richten. HÄ? Ernsthaft jetzt?

Zum Rekapitulieren: Hebammen durchlaufen eine dreijährige Ausbildung. In dieser Zeit lernen sie alles, was Frau gemeinhin zum Entbinden wissen muss. Wie ein KFZ-Mechaniker (Mechatroniker? Autotroniker? Who cares… ;)), der nach drei Jahren auch die Grundzüge der Motorentechnik beherrscht. Vergaser ein- und ausbauen, Ölwechsel, Getriebe reparieren. So etwas eben. Und genau, wie der KFZ-Mensch die alltäglichen Sachen bestimmt aus dem FF beherrscht, kann die Hebamme an Tag eins nach drei Jahren Ausbildung, alles, was es zu einer NORMALEN Geburt braucht. Doch merke: nicht alle Geburten sind normal. Genauso, wie nicht alle Autos Opel Astra sind. Da gibt es die Nabelschnurvorfälle, die Querlagen, Beckenendlagen, es gibt die leichten und schweren Herztonabfälle, Blutungen, steckende Schultern und krampfende Mütter. Das alles sind NOTFÄLLE, und was passiert im Notfall? Die Hebamme, welche in Deutschland durchaus das Recht hat, Frauen auch in Abwesenheit eines Arztes zu entbinden (umgekehrt geht indessen NICHT! Also keine Geburt ohne Hebamme), schreit nach dem Arzt.

Glaubt mir – die machen das auch! Die MÜSSEN das sogar machen! Denn wenn nicht, können sie – für den Fall, das alles richtig blöd läuft – ganz schön Ärger bekommen.

Der Arzt kommt also, bis zur Halskrause vollgepumpt mit Adrenalin, und soll jetzt das schön machen, was die Hebamme nicht mehr machen darf. Oder kann. Oder was auch immer. Die Schulter freilegen, per Notsectio das Kind entbinden, herausfinden, wo die Blutung her kommt und die Frau aus dem Status epilepticus zurückbeordern, während er ZEITGLEICH versucht, das Kind nicht aus den Augen zu verlieren. Und das, im schlimmsten Fall, an Tag eins nach Beendigung seiner eigenen Ausbildung. Hebammen können meist NICHT sectionieren – d.h., wenn die Kacke richtig am dampfen ist, ist immer der Arzt in der Pflicht. Ob der es dann richten kann, steht auf einem anderen Blatt – doch per Gesetzt ist ganz klar definiert, wer am Zug ist (der Arzt) und wer am Ende den Kopf hinhalten muss (der Arzt). Für diese Ungerechtigkeit könnte es wenigstens ein bisschen Mitleid geben. Auch im WWW!

7. Ein Husten/ Harnwegsinfekt/ seit drei Wochen verstauchter Fuss/ Pickel am Gesäss kann auch Samstag-Nacht in der Notfall-Ambulanz behandelt werden. 

NEIN! NEIN! NEIN! Der Großzehnagel ist seit 5 Wochen eingewachsen, aber JETZT, nach 4 Stunden in der Disco und in den neuen, absolut unbequemen 25-Euro-Kunstleder-High-Heels tut er so weh, dass ich auf dem Heimweg noch einen kurzen Abstecher über die Klinik mache… – No Go! Aber schon tausend Mal da gewesen. Oder – mit den Kumpels auf Sauftour, und um 2 Uhr morgens fällt dem Jung ein, dass er keinen Bock hat, sich am kommenden Morgen um 6 aus dem Bett zu schälen – also nichts wie ab in die Ambulanz mit – Bauchschmerzen. Oder Übelkeit und Durchfall. Und solche Geschichten sind keine Frage des Alters oder gar sittlicher Reife: es gilt genauso für den Fünfzigjährigen mit Rückenschmerzen seit der Terrassenrenovierung vor dreieinhalb Monaten, der (JETZT, Sonntagmorgen, 6.15 Uhr) denkt, da müsse doch mal nachgeschaut werden…

Es ist ja nicht so, dass wir (Ärzte) in der Klinik schlafen, weil wir Zuhause kein Bett hätten. Oder es in der Klinik so schöne Betten hat. Auch nicht, weil wir dann GANZ, GANZ VIEL Geld verdienen, welches wir am nächsten Morgen in unseren schicken, weissen Schubkarren nach Hause fahren. Wir sind auch nicht in der Klinik, um die Aufgabe der Niedergelassenen ins Wochenende hinein zu verlängern – wir haben EIGENE Arbeit. Geburten, frisch operierte Patienten, Menschen mit echten Problemen (Herzinfarkt? Ihr erinnert euch vielleicht?). Es gibt Menschen im Z.n. Unfall, mit Schlaganfällen, Blutungen und allem möglichen anderen Zeug. Und die Zeit, welche eigentlich für solche Patientin nötig ist, geht flöten, weil der diensthabende Arzt sich ganz dringend einem hochgefährlichen Männerschnupfen widmen muss. Es ist ja auch nicht so, dass der Typ (mit dem Männerschnupfen) kommt, man einen Blick drauf wirft, und dann geht er einfach wieder. NEIN!

Die Aufnahmefrau muss den Menschen aufnehmen, er bekommt eine Nummer und einen Fall, dann kommt die Schwester und misst Blutdruck, checkt den Urin, fragt einen Haufen Fragen und füllt eine Menge Papierkram aus. Anschließend kommt der Arzt, fragt seine eigenen Fragen, untersucht den Mensch und schreibt dann alles in seinen eigenen Papierkram. Wartet auf Laborwerte, gibt Diagnosen und Prozeduren in den Computer ein – und der ganze Aufriss für was? Richtig! Für nichts! Denn tut man sich mal den Spaß, den Zeh, die Sauftour oder den Rücken einweisen zu wollen, ist das Geschrei groß. „EINWEISEN? Ins KRANKENHAUS? Wegen eines MÄNNERSCHNUPFENS??? Och nööööööö! Aber wenn ´se mal zwei Wochen Krankenschein…?“ – danke, nein, auf Wiedersehen!

8. Krankenhäuser sind Hotels für Kranke

Man möchte meinen, JA! Verblüfft habe ich in den vergangenen Jahren festgestellt, dass Service am Kunden in manchen Kliniken tatsächlich höher im Kurs steht, als in so manchem Nobelhotel. „Bitte – bringen sie meine Koffer doch schon einmal aufs Zimmer!“ spricht die Dame mit dem fliederfarbenen Haarschopf und drückt der verdutzten Schwester ihr Louis Vuitton-Rollköfferchen in die Hand. Kein Spass. Das ist so. Neulich Nacht hat mich die Schwester aus tiefstem Dienstschlaf geklingelt – Frau Nielsson aus Zimmer elf-achtzehn hätte heute noch gar keinen Arzt zu Gesicht bekommen – das wünsche sie jetzt umgehend nachzuholen, wofür sie schließlich in die private Krankenkasse einzahle? Tja – leider war Frau Nielsson, prophylaktische Ausschabung der Gebärmutter, stationär nicht ambulant, weil allein Zuhause lebend – während der Visite mit der Freundin beim Kaffee trinken. Und nachmittags bei der Physiotherpie. UND anschließend zur Anwendung. Danach noch ein kleiner Spaziergang durch den Klinikgarten und schwupp-di-wupp ist der Tag auch schon vorbei. Aber jetzt, nach dem Abendessen und vor dem Gute-Nacht-Tee hatte sie dann doch dringendes Verlangen nach der diensthabenden Ärztin. Das sei schließlich ihr gutes Recht, so als zahlender Patient!

9. Ein Krankenhaus hat 24/7 geöffnet

Jein! Selbstverständlich sind wir jederzeit für jedermann da, aber Besuche, welche nach 23 Uhr mit Sack und Pack, laut schreiend und Party machend über die Stationen ziehen, um Melanie-Kimberly ein bisschen aufzumuntern, die mit ihrer Eierstockentzündung leider, leider hier festhängt, da hört der Spaß dann auf. Oder Wöchnerinnenzimmer, in denen zu jeder Tages und Nachtzeit so viele Menschen unterwegs sind, als hätte man bei Facebook versehentlich das Häkchen bei „öffentlich“ statt „privat“ gesetzt, wo man um einen frühkindlichen Hirnschaden fürchten muss, weil der Sauerstoff im Zimmer langsam ausgeschöpft ist – das muss einem doch der gesunde Menschenverstand sagen: DAS GEHT NICHT!

10. Alle Mediziner sind gute Menschen

HAHAHAAAAAA – HAHAHA – HAHAHAAAAHAAAAA….

Dachte ich früher auch :)

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19 Kommentare zu “Die 10 größten Irrtümer über Kliniken im Allgemeinen und gynäkologische Abteilungen im Speziellen

  1. Eine Runde Mitleid – ganz allein, nur für dich :)

    Und selbst als völlig Artfremde sind mir _alle_ genannten Punkte schon selber über den Weg gelaufen, sei es, weil ich selber mit einem pseudokruppschen Kind in der Notaufnahme auf Behandlung wartete oder wegen des anderen Kindes und normal geplanter OPs zwangsweise mehrere Tage im KH verbingen durfte und den ganz alltäglichen Wahnsinn mitgemacht habe.

  2. Ich war echt platt als ich in deinem Blog gelesen habe für welchen SCHWACHSINN manche Leute in die Notaufnahme kommen!
    Das sind dann die gleichen die um halb drei Uhr nachts bei uns in der Notdienstapotheke klingeln weil sie seit 3 Wochen Rückenschmerzen haben.
    Oder seit neustem wegen der Pille danach – 10min mach dem ungeschützten Verkehr. Dafür muss man dann zu nachtschlafender Zeit den Apotheker wecken weil man ja keine 72 Stunden danach Zeit hätte, nicht wahr?

  3. Haaahaaahaaaa! Ich hab mich köstlich amüsiert. GENAU SO IST ES. Wobei die Dringlichkeit der Terminvergabe auch bei den Sekretärinnen nicht immer korrekt eingeschätz wird(„Hilfe, Frau mit Pap 4 hat angerufen und er Oberart ist ja dann zwei Wochen im Urlaub, kann sie heute noch kommen, auch wenn ihr schon 2 Stunden mit der Sprechstunde zwei Stunden zu spät dran seid ?????“ — In solchen Momenten möchte ich ganz laut schreien…..)

  4. Am Besten gefällt mir das mit der „…angegammelten Eileiterschwangerschaft…“ und der Globuli-überzeugung. :-) Globuli hatte ich auch damals bei der Entbindung. (Lang, lang isses her.) Man gab mir Kamillenglobuli, weil ich, Originalzitat/Hebamme: „Zu verkopft sei, um das Kind loszulassen!“ Irgendwann, nach Dauer der Wehen von Mi-Freitag. (Ja der Schmerz bleibt einem unauslöschlich im Gedächtnis, auch die Zeitdauer!) wollte ich nur noch die harten Sachen, damit ich endlich mal das Kind herausbekomme. Kommentar darauf: Sie sind doch Krankenschwester! (Damals noch) Sie wissen doch, dass diese Medikamente alle aufs Kind gehen!“ Kommt gar nicht gut, wenn man gerade Schmerz höher als 10 auf der Skala hat. Kurzum: Kamille hat überhaupt nix (!!!!) genutzt! Dann kam doch die PDA, schlafen und erholen und dann ging alles ruck-zuck!

    Liebe Josephine: Wie immer: Erfrischend ehrlich und mit viel Herz! Danke!

  5. Ich bin da eher von der anderen Fraktion. Auch nicht immer gut.

    Einmal habe ich mir an einem Samstag einen Finger (am Gelenk) gebrochen. War ja nur ein Finger, der da so komisch runter hing. Am Montag nach der Arbeit bin ich dann notgedrungen zum Hausarzt und durfte mir was anhören in der Richtung, damit hätte ich sofort in die Notaufnahme gemusst.

    Ein anderes mal habe ich mir an einem Samstag Morgen (Samstage sind bei mir irgendwie gefährlich) zwei schwere Bandscheibenvorfälle in der Halswirbelsäule geholt. Ich habe das Wochenende irgendwie überstanden (fragt nicht wie) um am Montag beim Hausarzt aufzuschlagen. Der hat mich dann umgehend für verrückt erklärt.

    Wie man es macht ist es verkehrt.

  6. Liebe Josephine!

    1. Der Chef ist immer der Beste der Besten
    Gut zu wissen! ;-) Vor Allem, da ich keine Chefarztbehandlungsdingensaversicherung habe, :-D

    2. Wenn mein Haus-/Frauen-/Sonstiger Arzt etwas auffälliges gefunden hat, muss das SOFORT abgeklärt werden.
    Kommt darauf an, was der Arzt gesagt hat, oder? Ich HASSE es, wenn Arzt A mich zu Arzt B schickt und betont, das sollte „schnellstmöglich“ nachgeguckt/behandelt werden, und mir Arzt B dann den Kopf abreißt, wenn ich ihm das so „ausrichte“. Bin schließlich Laie, oder?

    3. “Routine-Eingriffe” sind völlig ungefährlich
    Ja, das mit den Kaiserschnitten … Ich kenne Frauen, die sogar ihre Schwangerschaft so planen: „Ja, ich wollte ja immer schon soooo gerne ein Frühlingskind haben, am liebsten ein Aprilkind! Aber hm, dann müsste ich ja dann und dann schwanger werden, aber ach nee, dann kann ich ja auf unserer Weihnachtsfeier gar nichts trinken, hm, und im März will der und der heiraten, dann müsste ich mir ja extra ein Kleid kaufen und …“ -> Tischkante

    4. Jede Operation bringt mich um
    Ha: Immer wenn ich Ängste/Zweifel geäußert habe, wurde ich dann vom Schnibbler oder Gasmann mit Argument Nr. 3 abgefertigt, :-D

    5. Die Gebärmutter/Eierstöcke sind immer und in jedem Fall der Grund allen Übels
    „Männer zum Facharzt, Frauen zur Frauenärztin“ – Klasse! :-D

    6. Die Hebammen sind immer die Guten
    Ich LIEBE meine Hebammen. Aber Ärzte sind Ärzte sind Ärzte.

    7. Ein Husten/ Harnwegsinfekt/ seit drei Wochen verstauchter Fuss/ Pickel am Gesäss kann auch Samstag-Nacht in der Notfall-Ambulanz behandelt werden.
    Nicht? Ach Josephine, Mönsch! Wie viele tolle Blogbeiträge wären uns denn dann schon entgangen, wenn sich da jeder dran halten würde? ;-)

    8. Krankenhäuser sind Hotels für Kranke
    Nicht? Menno. Mal ernsthaft: Man ist da, weil man krank ist und nicht im Urlaub. Dennoch finde ich, dass das Pflegepersonal in Sachen Höflichkeit und Freundlichkeit oft noch mal gerne eine Schippe drauflegen könnte. Und viele Patienten sowieso.

    9. Ein Krankenhaus hat 24/7 geöffnet
    Hihihi. So weit die Theorie. Grüße aus der Pampa! :-D

    10. Alle Mediziner sind gute Menschen
    Überwiegend schon, da glaube ich fest dran! :-)

  7. Wieso darf frau mit einem Harnwegsinfekt nicht am Wochenende zum Doc? Das sind absolut fiese Schmerzen, je schneller Antibiotika, desto besser!

    • Damit geht man zum hausärztlichen Notdienst, nachzulesen in jeder Tageszeitung oder nachzufragen bei jedem Hausarzt. Das gehört in keine Notaufnahme

      • Naja, wenn der diensthabende Hausarzt aber ne 30km-fahrt bedeutet und die Notaufnahme nur 3km weg ist? 😜

      • Wenn Frau mit Harnwegsinfekt zu „normalen“ Zeiten am Wochenende in die (nähergelegene) Notaufnahme kommt, dann ist dagegen nicht viel einzuwenden. Ist für den Dienstarzt als eher leichte Erkrankung fix „abgearbeitet“ – kann aber je nach Füllstand der Ambulanz das ein oder andere Stündchen dauern. ;-)
        Was gar nicht geht – den ganzen Tag zu Hause rumdoktorn / Party machen und mitten in der Nacht als „absoluter Notfall“ im Krankenhaus aufzuschlagen!

  8. Liebe Josephine,

    wie immer ein gelungener Text voller Wahrheiten (vor allem Punkt 1 ;-))

    zu 6. muss ich allerdings schon sagen, dass der wohl stark vom Haus abhängig ist. Ja ich bin von der „anderen“ Seite und auch ich mag Gynäkolog/Innen (zumindest die meisten :-)). Bei uns entwickeln zB in 80 % der Fälle wir Hebammen die Schulter bei einer Dystokie, weil sich vor allem die Assistentinnen mal schön hinten anstellen, und bis der diensthabende OA im Haus ist schon mal locker 10 min. vergehen können. (mir so passiert, grad ein paar Tage nach der Ausbildung, obwohl ich noch nie eine erlebt hatte).

    Sectionieren können wir nicht, das stimmt. Aber wer bereitet die Frau vor? Strümpfe, Hemd, Schmuck, Piercings weg, KG, Aufklärungsbögen, 2. Leitung, Infusion, Kinderarzt verständingen, Reanimationseinheit herrichten, Frau in OP schieben, DK legen… und das innerhalb der E-E Zeit von 10 min? Wir.

    Anruf beim Diensthabenden wegen größeren oder kleineren Bradykardien… oftmals die Antwort: ja und was soll ich jetzt machen? Toller Ratschlag, dafür hab ich ja jetzt angerufen. Oder: ah ja, da machen wir Sectio, hab keine Lust um 03:00 nochmal aufzustehen.

    Bei uns ist es tatsächlich umgekehrt, man betreut die Frauen oft 10 Stunden lang und reißt sich einen Haxen aus damit die guten Damen doch noch spontan entbinden können, und dann kommt zur Geburt der Arzt in weiß dazu und alles ist gerettet. Vielen vielen Dank Herr Doktor. Das emfpinde ich als ungerecht. Ist vielleicht auch anders in Ö bei den 7 Zwergen hinter den 7 Bergen :-).

    Bezüglich der Haftungsansprüche wird bei uns tatsächlich eher versucht der Hebamme die Schuld zu zuschieben, da die Entschädigungszahlungen bei Hebammenversagen wesentlich geringer ausfallen als beim ärztlichen Kunstfehler.

    Schade finde ich vor allem dass es wirklich immer noch dieses Konkurrenzdenken Hebamme – Arzt gibt. Mit guter Zusammenarbeit würden wir alle viel besser leben.

  9. Ich muss auch sagen das ich meiner Hebamme mehr „jubiliere“ wegen der Geburt. So wie die Ärztin geguckt hat, hatte die mehr Schiss als ich. ^^ Aber ich vermute eh das es ihre erste Schicht war .. oder so … ein Bambi ^^

  10. Ich muss zu Punkt 6 kurz etwas intervenieren: Hat die Hebamme mehr Erfahrung als der anwesende Gynäkologe, dann trägt sie, im Falle eines Falles, die Hauptschuld. Denn sie hätte ja was dagegen tun können. Zwar nicht dürfen (wegen Krankenhaushierarchie und so), aber sollen.
    Ansonsten stimme ich Snusnu zu und versuche gerade nicht an die Gynäkologin zu denken, die mir im Nachtdienst sagte (wir hatten ein pathologisches CTG): Wenn ich müde bin kann ich nicht denken. Rufen Sie den Chefarzt an! Aber sicher war das ein Bambi! ;)

  11. Passt zu dem, was ein Kita-Kind letzte Woche erzählt hat: „Ich war am Wochenende im Krankenhaus, weil ich sooo dolle Ohrenschmerzen hatte. Und weiß Du was, ich durfte mit dem Krankenwagen hinfahren….!“ Zum Glück war das Kind am Montag morgen schon wieder so fit, dass es in die Kita konnte.

  12. „Pickel am Gesäss kann auch Samstag-Nacht in der Notfall-Ambulanz behandelt werden“
    Tja, hätte ich wohl machen sollen mit dem schmerzhaften Pickel an unangenehmer Stelle statt mannhaft (!) noch Tage durchzuhalten und sich dann der Pickel als Abszeß nebst Analfistel herausstellte.

  13. Halllo, ich bin (fast fertige) Hebamme und kann den Abschnitt 6 nur unterschreiben. War selbst schon häufig unglaublich froh, wenn dann ein Arzt oder eine Ärztin da war und geholfen hat das Kind oder die Blutung zu schaukeln. Habe aber auch schon einige Male erlebt, dass die Hebamme aufgrund ihrer grösseren Erfahrung verglichen mit derjenigen des Arztes die Situation geleitet und kompetent gemanaget hat. Hier ist von beiden Seiten gegenseitiges Vertrauen und Wertschätzung gefragt! Hebammen LERNEN und KÖNNEN auch in Notfallsituationen (zu) reagieren, sonst wären Hausgeburten ja gar nicht denkbar! (Natürlich gibt es Manöver, die ich als Hebamme nicht kann, weil sie nur im klinischen Setting zur Anwendung kommen und ich sie dann GERNE dem Arzt überlasse, gleiches gilt für die Sectio) Ein McRoberts Manöver kann ich aber durchführen und tue es auch, dafür brache ich keine Ärzte. Aber nichts desto trotz, liebe Gyns, es ist schön, dass es euch gibt!

  14. Die Sectio als praktische Methode, den Geburtstag zu planen finde ich ABARTIG. Hoffentlich haben wir nicht bald amerikanische Verhältnisse hier. Das geht mir besonders auf die Nerven!

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