An jedem verdammten Sonntag…

Es gibt Dinge, die machen mich wahnsinnig:

„Der Turnverein Hoppsassa veranstaltet am 3. des nächsten Monats einen Tag der offenen Tür – um zahlreiches Erscheinen wird gebeten. Kuchenspenden bitte rechtzeitig bei Frau Müller-Lüdenscheid abgeben. Und nicht immer Käsekuchen.

Danke, Janina-Caroline Möppel-Wohlfahrt“

Genau genommen sind es gleich eine ganze Armada Dinge, die mir in diesem überschaubaren Vierzeiler gegen den Strich gehen:

Erstens: (Turn)Vereine und ihre Veranstaltungen. Keine Woche vergeht, in der nicht irgendein Turnier des Fußballvereins stattfindet, eine Ballettaufführung im Altersheim, eine Klavierkonzert im Gemeindehaus oder eben Tage der offenen Tür. Und diese „Events“ laufen immer gleich ab:

a. wir kommen zu spät, da das Baby um kurz vor knapp noch gestillt werden will, der lecker selbst gemachte (Käse)Kuchen auf dem Weg zum Auto runter gefallen ist, und nun noch rasch in der Konditorei um die Ecke Ersatz geholt werden muss (für 38 Euro fünfzig das Stück Kunst-Torte, denn den Trockenkuchenvorrat haben die vorbildlich zur rechten Zeit kommenden Mamas schon leer gekauft), endlich angekommen alle anderen schon da sind und somit kein Parkplatz mehr frei ist, Kind Nummer drei sich beim Coladosenkicken den Fuss verdreht und hinfällt und der Gatte erst noch ein dringendes Kundengespräch führen muss. Zwanzig Minuten lang. Mit einem sabbernden, greinenden Baby auf dem Arm.

b. die Turnierhalle/das Altersheim/Gemeindehaus/Ort der offenen Tür sind heillos überfüllt mit Müttern, die nach ihren Kindern schreien, Kindern, die nach anderen Kindern schreien, Männern, die genervt für Getränke anstehen und sich insgeheim fragen, warum sie nicht Zuhause auf der Couch liegen und Bundesliga schauen können. Es ist warm, muffig und klaustrophobisch veranlagte Menschen möchten umgehend davon laufen. Ich auch. Dabei ist mit meiner klaustro alles in Ordnung.

c. es gibt nie freie Sitzplätze. D.h. – es gibt schon welche, aber da sitzen bereits Menschen – sehr alte Menschen zumeist – (Ur-)Großmütter und -väter, die aussehen, als gäben sie ihre Romika-Gesundheitsschuhe, sowie Haus und Leben sofort jedem, der sie im Gegenzug ganz weit weg von diesem Turnier/der Aufführung/dem Konzert bringt. Tut aber keiner. Weshalb sie also hier sitzen und Plätze frei halten müssen, für Mütter, die nach ihren Kindern schreien und um Getränke-anstehende Väter, sie wissen schon. Und darum steht Familie Chaos also immer in der letzten Reihe, mit unzufriedenen, sabbernden und Milch koztenden Kleinkindern auf dem Arm, greinenden halbwüchsigen und gelangweilt drein schauenden Teenagern, während Muttern verzweifelt versucht, sechs Stück (Käse)Kuchen auf drei Papp-Tellern zu balancieren.

Soviel zu meiner Veranstaltungsphobie. Was mich weiter nervt an Mails o.g. Art: der Druck dahinter. „Um zahlreiches Erscheinen wird gebeten“ – heisst: raus reden ist nicht. Alle kommen – DU kommst auch! Wir erwarten das. Dein Kind erwartet das. Und bring gefälligst Kuchen mit! Ma´m, yes, Ma´m! Klar, dass Frau Müller-Lüdenscheid und Janina-Caroline Möppel-Wohlfahrt an jedem verdammten Sonntag von Veranstaltung zu Veranstaltung ziehen, um vegane aber dennoch unfassbar leckere Mehrstocktorten aus selbst geschrotetem Vollkornmehl und mit biologisch unbedenklicher Fondant-Verzierung in Form originalgetreu nachempfundener Faberge-Eier zu verteilen. Ehrenamtlich, versteht sich.  Und Nele-Johanna sowie Simeon-Marvin Möppel-Wohlfahrt sind auch weder genervt, noch gelangweilt und spucken schon gar nicht angedaute Muttermilch auf Turnhallen-PVC, Gott bewahre.

Doch jetzt zum absoluten i-Tüpfelchen, sozusagen dem Ober-Aufreger dieser eMail-Tirade: Dem MASSENVERTEILER!

Ganz ehrlich – ist es wirklich SO SCHWER, die fünftausend Mail-Adressen sämtlicher Turnhasen, Ballettmäuse, Klavierschätzchen und Fußballkerle in die verdammte Blind-Copy zu klöppeln? MUSS jetzt jeder Hinz und Heinz meine eMail-Adresse in seinem Adressbuch haben (und bei Facebook, WhatsApp, Schlagmichtot)? Ist es so schwer zu verstehen, dass nicht jeder das will? Mal ganz davon abgesehen, dass meine eMail-Adresse auch im Zeitalter globaler Vernetzung ein Stück Privatsphäre ist – MEIN Stück Privatsphäre, wohl gemerkt! Und letztlich gibt es da noch so unbedeutende Kollateralschäden wie eingeschleppte Trojaner, SpamWare und weiss ich was noch alles! Also BITTE – können wir das in Zukunft nicht einfach mal so machen, mit der Blind-Copy? Ja? Danke!

Und jetzt muss ich dringend los – Fußballturnier! Der Käsekuchen steht auch schon bereit…

 

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19 Kommentare zu “An jedem verdammten Sonntag…

  1. Oh Backe…
    Ich hab mich so gefreut wieder etwas von dir zu lesen, aber oh Backe…
    Ein Drama in mehreren Akten sozusagen, aber ich kann jeden einzelnen Punkt verstehen. Solche Einladungen die sich eher wie Einzugsbefehle lesen erwecken bei mir immer den Wiederstand da mitzuspielen.
    Vielleicht kann man das mit der E-Mailadresse zumindest mal anmerken und an Datenschutz erinnern?

    Lg, Sarah

  2. Austreten! Nicht nur kurzfristig, zwecks Blasenleerung – aus den Vereinen. Die lieben Kinderchen werden es auch anders schaffen, die so wichtigen sozialen Kontakte zu Möppel-Wohlfahrts und Müller-Lüdenscheids zu finden und zu erhalten, die elterlichen Geschäftsumsätze werden auch nach Austritt ausreichen (zumal die Tortenkäufe wegfallen) und es ist besser das gleich zu tun, ehe den Möppel-Wohlfahrts und Müller-Lüdenscheids die nächste Generation entstammt – die Möppel-Müller-Wohlscheid-Lüdenfahrts.

  3. Was bin ich froh, dass meine Kids keine Vereinsmeier waren. Nur die Tochter CVJM, aber das war ok, da gab es nicht ständig solche Dinge. Und im Ballett bei ihr auch nur einmal im Jahr eine Aufführung, das freute uns und war ok.
    Und habe ich da etwas verpasst? Gab es bei dir noch einen Nachzügler? Süss,Neid etwas, aber ach, nein froh dass es bei mir keinen gab. 3 Kinder zwischen 20 und 24 Jahre alt reichen ;-)

  4. Du glaubst gar nicht WIE sehr du mir aus dem Herzen sprichst, gerade heute! Der Gatte hat heute Nachmittag (ja, Sonntag) auf dem Schulgelände „Freiwilligendienst“ geleistet, um die morgen beginnende Projektwoche vorzubereiten, die JEDEN Tag Sondereinsätze von mir verlangt. Das Kind beginnt morgen um 10 Uhr (keine Ahnung, wie das ohne Oma gehen sollte, ich muss arbeiten), dann jeden Tag zu einem anderen Zeitpunkt, immer spät, endet auch zu unterschiedlichsten Zeitpunkten, präsentiert den ganzen nächsten Samstag bis einschließlich 17 Uhr die Früchte der Projektarbeit, selbstverständlich bringe ich auch noch die Kuchenspende zu einem Zeitpunkt vorbei, zu dem das Kind gerade zufällig NICHT projektet, geht laut Frau Möppel-Wohlfahrt nicht anders. Ich könnte…..Und das ist Schule, Pflicht, keine freiwillige Veranstaltung.

  5. Was bin ich froh, dass meine Kids aus diesem Veranstaltungs-Alter raus sind! Und haben diese Vereinsmeier mal was von Datenschutz gehört?????? Das ist dreist!
    Und, hat der Nachwuchs für ein Tor gesorgt? ;-)

  6. Falls es Dich aufbaut, liebe Josephiine: Du bist nicht allein!
    Werde demnächst üüüürgendwann einen Beitrag dazu schreiben und Dir und allen Müttern/Vätern da Draußen widmen! :-)

  7. Amen!

    Sohn (9jahre) ist zwar noch im Sportverein angemeldet aber nur auf dem Papier 😁
    Fußball ist Gott sein Dank ( nicht falsch verstehen, ich schaue gern Fußball wenn ich Lust habe, Betonung liegt auf Lust) Geschichte!!! Er ist dafür jetzt im DLRG was hier zu Lande sehr angenehm ist.

    Training 1x in der Woche=Kind abladen und fahren weil zuschauen nicht erlaubt!
    Nachtwache am Fluss = Kind abladen, für Getränke und Verpflegung wurde vom Verein aus gesorgt!👍🏻
    Basteln für Ostern,Muttertag, Weihnachten usw. = bitte Kind vorbei bringen und wie abhauen, weil das schaffen die lieben kleinen auch ganz allein. 👍👍
    Und mit dem Kuchen haben dies so im Schwimmbad auch nicht so mit😜👍👍👍

    Da aber lange genug Fußball angesagt war, ich nun erst seid Nachwuchs (4 Monate) Nummer zwei zumindest im Moment nicht arbeiten gehe, kann ich das voll und ganz nachvollziehen!!!!
    Von den ganzen schulischen Pflichtprogrammen mal angesehen.
    (Bitte nur noch ganz durchgebackene Kuchen)
    Komisch ist nur das die netten Damen die einem immer da schreiben Frau Bindestrich sind. Das Ganze wird nur noch von einem von oder van so und so mit natürlich Bindestrich im Voraus-und Nachnamen getoppt!!!🙈

  8. Oh weh, was kommt da auf mich zu???
    Immerhin … Bindestrich-Namen gibbet hier nicht. Hier im (durchaus *hust* unfeinen) Stadtteil hat die Frau wie der Mann zu heißen. Punkt. Und dass ich arbeiten gehe wird immer wieder mit Verwunderung bemerkt.
    Als mir dann nahegelegt wurde, an dem 14-tägig statt findenden Familiennachmittag immer zu erscheinen, da Mini sonst nicht daran teilnehmen könne, habe ich ihnen den Zahn gezogen. Ich habe mit Freuden zugestimmt und gefragt, wohin ich die Gehaltsnachforderung wegen ausgefallener Arbeitszeit senden könne … nur so als Warnung: meine Anwesenheit sei nicht billig zu haben.
    Zack, konnte Mini sich der Familie seiner Wahl anschließen.
    Ich benutze gerne mal Überstunden für Mini, aber nicht alle 14 Tage einen halben Tag! Das kann ich nicht!!! (Und Urlaub nehmen geht dank der 25 Schließtag auch nicht).
    Grrrrrrrrrrr

  9. Also bezüglich des Kuchens und der Kuchenspende könnte man ja mal zuviel Zitronensäure in den Kuchen machen. Mag bestimmt nie wieder jemand nach einer Kuchenspende fragen (Blechkuchen verbrennt bei mir sowieso immer zu Koks). Und solltest du aus irgendeinem Grunde mal zuviel Kuchen haben, also ich wüßte schon, wer …

    Freiwillig ist das ja gut und schön, Freiwilligen-Pflicht eher nervend. Da würde ich mir auch Wege raus suchen und das auf lediglich die mir angenehmen/passenden Termine beschränken. Geht eben nicht anders. Punkt.

    Und bzgl. BCC – ab.so.lu.te Zustimmung. Ich weise dann immer ganz freundlich drauf hin, genau einmal.
    Bei zweiten Mal drohe ich dann mit einer Kostennote. Alternativ bekommen die dann eine explizite, nicht-merkbare Email-Kombination und dürfen mir schriftlich bestätigen, dass die andere Email-Adresse samt der Mails, die diese enthalten, gelöscht ist. Aber vielleicht sollte ich mir für solche Töffel mal eine eigene Domain und Emailadresse anlegen à la „mail-von-janine-moeppel@ich-bin-zu-dumm-*rest–zensiert–von–ednong*.de“. Muß ich wirklich mal drüber nachdenken …

  10. Danke, Danke, DAAANKE! Nach der letzten Erpressungmailwelle, natürlich auch mit öffentlichem Verteiler( ich. verstehe. es .einfach. nicht! und werde da jetzt auch mal ungemütlich werden) sprichst du mir sowas von aus der Seele. Ich dachte, nur ich habe damit ein Problem und bin so froh, dass ich doch wohl nicht so falsch ticke…So, ich gehe jetzt Buttercremetorten backen, Termine koordinieren und übe das freudig erregte Lächeln vorm Spiegel weil ich das alles sooo toll finde.. NICHT!

  11. Nein sagen. Wir haben das bei 5 Kindern und zeitweilig 2 Pflegekindern locker geschafft. 3/4 der vielen Auftritte hat unser musikalischer Nachwuchs locker ohne uns absolviert. Die ganz ganz guten Konzerte kurz vorm Schulabschluss haben wir uns dann doch gegönnt.
    Beschlossen und durchgezogen wurde es vor dem denkwürdigen Konzert des Zweitältesten in der mus. Früherziehung (6 Jahre alt), zu dem ich mit Nummer 1 (ein Jahr älter), Nummer 3 an der Hand (1 Jahr jünger), Nummer vier im Kinderwagen (knapp 2) und Nummer 5 in der Bauchtrage anrückte und von der einfühlsamen Dame der Musikschule gebeten wurde, doch bitte etwas Geld ins Körbchen zu geben, ich hätte ja schließlich keinen Kuchen dabei….
    „Ich habe schon mein Kind und die Zeit für die Proben (plus Kostüm als Hase!!!) gespendet. Auf Wiedersehen.“
    Umgedreht, gegangen, den Kindern erklärt, dass ich sie zu Hause viel besser bewundern kann und fertig. Klappt seit 17 Jahren. Hat nie ein Kind gestört. Obwohl – nächstens hat der Cellostudent einen Soloauftritt. Da gehe ich doch mal wieder hin. Kuchen wurde auch keiner bestellt :-)

  12. Große Klasse das! Auch als Nicht-Mutter hab ich jeden Punkt total „mitgefühlt“. Die Email-Adressen-Verbrecher bräuchten meiner Meinung nach einen Zwangs-BCC-Button :-).

  13. Immerhin gibt es bei euch Mailverteiler! Ich wäre glücklich, wenn die Moderne bei uns auch einziehen würde….diese Zettelchen (über die bei uns Infos vom Kindergarten etc.nach hause gelangen sollen) werden nämlich regelmäßig verschlampt und Aushänge übersehen.

  14. DAS ist mir aus der Seele geschrieben! Ab und an bringen wir mal Kuchen mit, aber meistens sind wir entweder verhindert oder schaffen es nur unser Kind vor der Veranstaltung rauszuschmeißen und danach wieder einzusammeln. Einmal (vielleicht auch dreimal) im Jahr (pro Kind versteht sich, die armen traumatisierten Kleinen) schauen wir uns dann evtl. so eine tolle Aufführung/Turnier etc. an.
    Die Mailverteiler sind auch ein wahrer Klassiker. Die schau ich mir dann auch immer genau an und freue mich über meine anonyme Mailadresse.
    Der einfachste Weg: Das Kind backt den Kuchen und läuft anschließend selbständig zur fraglichen Veranstaltung. Klappt aber erst ab Klassenstufe 4 bis 5… Trifft also bei uns leider nur auf 25 % des Nachwuchses zu. Aber bald!

  15. So geht es wohl uns allen! ;-(
    Und das mit dem Em-Mail Verteil im AN statt im BCC ist eine so weit verbreitetete Dummheit! So manche Firma verteilt so die Adressen ihrer Kunden und Geschäftspartner. Da ist dann Wurscht, dass WhatsApp oder Facebook die kompletten Kontakte aus dem Handy ausliest und verwendet, um neue Kinden zu funden. Der Große Bruder lässt grüßen!

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