Männer in der Badewanne

„Josephine?“

„Hm?“

Ich liege, die Augen geschlossen, im warmen, nach Kokosöl duftenden Wasser, und wäre um ein Haar eingenickt, wenn nicht…

„Josephine?“

„Was IST denn?“ widerwillig öffne ich ein Auge, dann zwei und blicke genau in Bambis rehbraune Augen. Verkehrt herum. Also  – die Augen des Bambi. Denn die kleine Assistenzärztin liegt rittlings auf dem ausladenden Bett, den Kopf über die Matrazenkante gebeugt, sodass sich ihr langes, feines Babyhaar wie ein schimmernd, brauner Vorhang darüber ergiesst, und wedelt mit Händen und Füßen gleichzeitig in der Luft.

„Bambi – du siehst aus wie mein Goldi, wenn die Kinder „Peng, du bist ein toter Hund“ mit ihm spielen. Was TUST du da?“

„Der Nagellack muss trocknen. Weisst du waaahaas?“

Kaugummigleich zieht die Kollegin das unschuldige „was“ in die Länge und strahlt mich – unvermindert wedelnd – glücklich an.

„Nein, ich habe mal wieder keinen Schimmer“ brumme ich träge, während ich irgendwie Halt in der riesigen Wanne suche. Warum sind solche Dinger auch nie für kleine Menschen gemacht? Man könnte sich glatt verschwimmen. Oder schlicht ertrinken.

„Ich gehe aus heute Abend!“

„Neeeeeee – is´ nich´wahr?“ Interessiert kralle ich mich jetzt am Duschschlauch fest, um auch das zweite Ohr über Wasser zu bekommen – diese Geschichte muss in Stereo gehört werden. Das Bambi – ein Date!

„Doch“ nickt sie mit rot werdenden Ohren und Wellengang im Haarvorhang „ins Kino….“

Der Rest des Satzes ist lediglich atemloses Flüstern. Heureka – blast Fanfaren, wir bringen das Bambi unter die Haube!

„Und – wer ist der Glückliche?“

„Nun…, ja – äh, also… *räusper* … weist du…“

Die Ohrröte hat sich jetzt systematisch ausgebreitet, den Hals hinunter, und nach vorne über Wangen und Stirn. Ja selbst die Nase leuchtet in bekanntem Bambi-Rot. Ich bin gespannt.

„Los, Bambi!“ Energisch setze ich mich in meinem Zuber auf und wäre um ein Haar nach hinten weg gerutscht. So eine Mistwanne aber auch „WER ist der Glückliche?“

„´Nabend, Mädels! Na, alles geschmeidig? Los, Josie, rutsch mal rüber!“

Und bevor ich auch nur den Mund zum Protest geöffnet habe, hat Luigi sich auch schon den Chirurgen-Dress vom Astralleib gerissen und steht jetzt in all seiner italienischen Pracht und der wahrscheinlich knappsten Badehose, die es an der Riviera zu erstehen gab, im Raum, bevor er mit Anlauf in mein Wannenbad hüpft.

„Hey!“ brülle ich empört und wäre um ein Haar in seiner Bugwelle untergegangen, „Was soll das – wir waren zuerst hier!“

„Mensch, Josephine, jetzt hab dich nicht so. Wir Assistenten müssen zusammenhalten, das weisst du doch!“

„Von mir aus können wir den ganzen, langen Tag zusammen halten. Haken zum Beispiel. Aber baden möchte ich dann doch lieber alleine. Und ausserdem ist das UNSER Kreißsaal!“

„Aber ihr dürft auch immer mit unserer X-Box spielen!“ gibt Luigi ungerührt zurück und schraubt euphorisch an den Whirlpool-Knöpfen, bis es nach unheilvollen Rülps- und Gurgelgeräuschen tatsächlich zu sprudeln beginnt. Dann legt er gemütlich den Kopf auf den Rand der Wanne und schnaubt zufrieden aus.

„Herrlich habt ihr es hier“ brummelt er mit geschlossenen Augen vor sich hin.

„LUIGI! Nimm deinen Fuss von meiner Hüfte!“ Das wird ja immer schöner hier.

„Aber die Wanne ist einfach zu groß für mich! Was kann ich denn dafür, dass der liebe Gott uns Italienern zwar innere Größe, Intelligenz und sagenhafte Schönheit mitgegeben hat, aber leider zu wenig Körpermass? Schicker Bikini übrigens. Ist der neu?“

„Herumschleimen bringt überhaupt nichts!“ fauche ich böse und zupfe mein Oberteil zurecht. „Und jetzt rutsch mal rüber, ich habe überhaupt keinen Platz mehr!“

Ich sehe, wie der chirurgische Kollege zum verbalen Gegenschlag ansetzt, doch da öffnet sich auch schon die Tür, und Frau Von Sinnen steckt ihren Kopf herein, blinzelt einmal böse in die Runde und bellt dann: „Los – alle Mann raus hier! Ich hab gleich eine Wasserentbindung!“

Na super – das war es dann mit Entspannung und Rückenschwimmen.

„Menno!“ jault jetzt auch Luigi „ich war noch nicht mal richtig nass. Warum müsst ihr auch ewig Schwangere hier drin entbinden?“ Dann klettert er folgsam aus der Wanne und trocknet sich mit einer Mullwindel ab.

„Weil wir vielleicht der Kreißsaal sind?“ gebe ich beleidigt zurück. Pff, das hat man nun davon, wenn man Fremdfachrichtungen zum gemeinsamen baden einlädt. Undank ist der Welten Lohn.

Nur das Bambi hat völlig klaglos seine Siebensachen zusammengepackt, noch schnell das Kreißbett frisch bezogen und will gerade zur Tür hinaus verschwinden.

„BAMBI! Wer ist denn jetzt der große Unbekannte?“ rufe ich hinter meinem Paravent hervor, während ich mir den nassen Bikini ausziehe und mich anschließend, halbnass, in meine Heimgeh-Klamotten quäle.

„Erzähl ich dir morgen!“ ist alles, was ich noch zu hören bekomme – dann ist sie weg.

„Super! Das war ja ein voller Erfolg. Dann kann ich nächstens auch Zuhause baden!“ maule ich wütend, bevor ich mich daran mache, die leer gelaufene Badewanne auszuspülen und mit Sterilium einzuseifen. Alleine! Denn selbstverständlich hat Luigi sich klammheimlich verdrückt…

 

 

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14 Kommentare zu “Männer in der Badewanne

  1. Oh, ja Sterilium, ich weiss noch wie schön klinisch das duftet. Den Schwangerenwhirlpool den habt ihr euch ab und an verdient! Echt! Bei all der Maloche, die ihr habt. Am besten gefiel mir, was Italiener so mitbekommen haben: Intelligenz, sagenhafte Schönheit und (vor allem) innere Größe
    Ja, die italienischen Männer :-) Das sind die pragmatischsten Romantiker, die man sich vorstellen kann. Die wissen Romantik genau und gezielt einzusetzen. Doch sie verehren und lieben die Frau und das Weibliche an sich. Da fühlt sich jede Frau wie eine GÖTTIN. Man muss nur mit umzugehen wissen. Also: ich mag Luigi! Besonders seit Pachelbel :-) Bitte nicht zu lange mit Auflösung von das Geheimis-Date von Bambi warten lassen. ISCH BIN SCHON SO GESPANNT!!!!
    Es grüßt als kleine Halb-Italienerin
    Luigia

  2. … Bin aber mit Deutschem verheiratet (!) , der eine it. Seele hat :-) Und auch dt. Männer können sehr romantisch sein. So richtig von Herzensgrund! Hatte halt it. Papa …

  3. :-D :-D :-D
    Na, so lange Ihr in der Wanne nur badet…
    Hm, ob da wohl die Bambi ein Rehäuglein auf den Luigi geworfen hat und andersherum? Bin gepannt, wie es weitergeht!

  4. Oh, was für ein toller Blog ist das! Hab es grad zufällig (?) gefunden und bin eingetaucht… Hab noch nicht vollständig entziffert, wer Bambi und wer Lugi ist… aber es kommt. Gratulationen zu Deiner Idee und liebste Grüße
    Pia

  5. Hallo,

    Ich bin total gespannt, wie es weitergeht. Spann uns doch nicht so auf die Folter, wenn Du noch länger wartest, ist Bambi schon schwanger – ohne uns. …

    LG von einer begeisterten Leserin!

  6. Verdammt, nun rück doch wenigstens mal raus, mit wem sich Bambi getroffen hat. Brauchst ja keinen langen Text zu schreiben. Bütte, bütte.

    MfG

    rookie 2007

  7. Mensch Josephine, du kannst uns doch nicht verschweigen, mit wem das Bambi sich nun getroffen hat! :) Ich bin ja SO neugierig.
    Hab deinen Blog neulich erst entdeckt, ihn aber trotzdem schon ganz durchgelesen. Suchtfaktor ähnlich wie Chips! Kann ich vielleicht das Passwort bekommen, damit ich die restlichen Beiträge auch noch lesen kann? :)

    Liebe Grüße vom Kolibrikind, die jetzt auch mit Geburtshilfe liebäugelt.

  8. Liebe Frau Doktor Chaos, seit 12.000.000 Sekunden, 139 Tagen oder 3336 Stunden warten wir, mit wem Frau Doktor Bambi ausgegangen ist. Bitte, bitte fortsetzen. Liebe Grüße vom Buxinchen

  9. Hallöchen!
    Ich habe den Blog erst vor kurzem entdeckt, finde ihn aber super amüsant und toll zu lesen, vor allem weil ich vieles von meiner Arbeit auf der Fauenstation kenne :)
    Ich schau bestimmt nochmal vorbei

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