It´s SHOWTIME!!!

Nachdem ich mich vorschrifts- und OP-mässig angekleidet und meine Siebensachen im Spind verstaut habe, schleiche ich – misstrauisch nach rechts und links schauend – hinter OP-Schwester Darling her in Richtung gynäkologischer OP-Saal. Misstrauisch wegen des FreakyFriday *KLICK*, von dem ich gerade eben erst erfahren habe, und der mir aktuell mehr Respekt einflösst, als ich zugeben will.

Doch erst ist einmal alles wie immer – die Patientin wird auf ihrer Liege herein gefahren und freundlich begrüsst, der Name auf ihrem Plastik-Armband mit dem Namen der Patienten-Akte verglichen. Anschließend die Diagnose in der Patienten-Akte mit der Diagnose auf dem OP-Programm gegengecheckt. Es folgt: Auftritt Anästhesie-Edda, Vollnarkose für die Frau und Auftritt Chef.

SO sollte es jedenfalls sein…

„Josephine? Wo ist er?“

Frau Müller-Husemann, Patientin Nummer Eins mit großer Zyste am Eierstock, träumt bereits den Schlaf der Gerechten, ist verkabelt, gelagert, katheterisiert und gewaschen – somit eigentlich bereit für den ersten Eingriff des Tages, doch: es fehlt der Chef!“

„Josephine!“ Ungeduldig trommelt Ottilie mit der steril behandschuhten Rechten auf ihren sauber gedeckten Instrumententisch ein „Josephiiiene – der Chef fehlt!“

„Und ich hab mich schon gewundert, warum mir keiner die Kamera hält“ murmel ich böse vor mich hin – mal ehrlich: was kann ICH dafür? Der Chef hat einen OP-Plan. Und kann ihn lesen. Und wenn da steht: 8 Uhr, OP 5, dann IST ER da. Immer. Also – immer ausser heute…

„Was soll ich denn bitteschön machen?“ Anklagend strecke ich meine ebenfalls steril verpackten Hände in die Luft und wedel ein bisschen darin herum. „Wenn vielleicht der Springer so nett wäre…?!“

Klären wir doch erst einmal den medizinischen Fachjargon: In einem OP gibt es gemeinhin den Anästhesisten. Gasmann, Sandmann, whatever. Der macht – wie es der Name schon nahe legt – Anästhesie. Narkose. Schlaf. Dem Gasmann beigestellt ist in der Regel eine anästhesistische Fachkraft, die beim anästhesieren und intubieren assistiert, ausserdem die Zeitung holt, das Brötchen schmiert, Kaffee umrührt. Nee, Spass.

Das Anästhesisten-Team knippst dem Patienten vor jeder OP temporär das Licht aus, sieht dann zu, dass dies unterwegs (= für die Dauer des Eingriffes) so bleibt, und macht eben jenes Licht nach Beendigung der Operation wieder an. So Gott und der Operateur es zulassen… *ggg*

Dann gibt es das OP-Pflegepersonal, bestehend aus einer (steril gewaschenen) Instrumenten-Pflegefachkraft und einem (unsterilen) Springer. Die Instrumenten-Tante (Respektive: -Onkel. Ich bleibe der Einfachheit halber mal bei der gynäkologischen Variante) hat ein bis viele (sterile) Tische, auf denen die jeweiligen Instrumente liegen, die für die gerade durchgeführt Operation gebraucht werden. Sie ist dafür zuständig, dass der Operateur genau das bekommt, was er gerade braucht. Oder will. Oder glaubt zu brauchen! Letzteres kann dann auch gerne mal in längere Diskussionen ausarten, dazu jedoch später sicher mehr.

Der Springer seinerseits sorgt für Nachschub am Tisch, stellt ausserdem das Licht ein, wechselt die CDs, sagt den Leuten im Nachbar-OP, dass sie leiser (oder lauter) singen/streiten/lachen/fluchen sollen, klärt wichtige Fragen, wie z.B. die Wettervorhersage fürs Wochenende (gerne kooperativ mit der Anästhesie, die fast immer ein iPhone oder iPad dabei hat) und lässt bei längeren Eingriffen das Mittagessen beiseite stellen.

Springer des heutigen Tages ist – *Tataaaaa* – Schwester Darling, die nun mit vergrämtem Blick des Chefs Nummer ins OP-Telefon hämmert und dabei fortlaufend „Ich sag´s ja – Freaky Friday!“ murmelt. Dann

„Chef? CHEF? OP Fünf, Darling… – WAS? NEIN! Ich habe nicht sie gemeint! Darling! OP-Schwester Dar…? BITTE? Ja. JA! Daria! Is´ gut. Kein Problem…“ Die Gesichtsfarbe der Schwester wechselt gerade in rasender Geschwindigkeit alle Rottöne der Farbskala durch, während der Rest des Saales gemeinschaftlich Schnappatmung zelebriert.

„Wie lange? Wie lange? WO?!?! Okay – ja, ist gut, ich gebe es weiter…!“

Kaum hat sie aufgelegt, herrscht schallendes Gelächter im Saal

„Muaahahaha – Kindchen, du hättest dein Gesicht sehen sollen!!!“

Ottilie ist gerade dabei, über ihrem sterilen Tisch zusammen zu brechen, während auch ich mich nur schwer auf den Beinen halten kann. „Darling“ zum Chef-Gynäkologen zu sagen ist aber auch wirklich grossartig.

„Ihr seid soooo dooof!“

Darlings Gesicht glüht wie ein Hochofen – fast meint man, seichten Rauch aus den Öhrchen aufsteigen zu sehen.

Auch Anästhesie-Edda wiehert lustig amüsiert, während sich OP-Pfleger Igor mit einem Taschentuch, groß wie eine Picknickdecke, die Lachtränen aus dem Gesicht wischt.

„Pfffft“ macht das beleidigte Schwesterchen „dafür kommt jetzt Napoli. Der Chef steckt auf dem Klo fest!“

„WAAAAAS?!“

Für einen kurzen Moment herrscht Stille in OP-Saal Fünf, dann bricht das totale Chaos los.

„Auf_der_Toilette?!“ grunzt Igor, während er sich japsend am Laparoskopie-Turm abstütztwährend. Die Lachtränen schiessen ihm nur so aus den Augen und Edda muss sich gar setzten vor Lachen.
Im Nachbarsaal werden die neugierigen Rufe lauter – die dort operierenden Chirurgen möchten – samt Anästhesie- und Pflege-Team – ganz dringend wissen, was bei uns los ist und verlangen Aufklärung.

„Darling – ich glaube, ich werde gerade Fan von deinem verrückten Freitag…!“

Doch da war es noch lange nicht aller Tage Abend…

———————————to be continued——————————-

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16 Kommentare zu “It´s SHOWTIME!!!

  1. …und dabei ist heute doch gar nicht Freitag :-) Naja, gut, ein kleiner Freitag…
    Aber sowas möchte ich auch gelegentlich bei der Arbeit haben…ich krieg grad das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht :-)

  2. …also hier dürfte es gerne noch ein bisschen mehr sein…ich bin gespannt, wo das noch so hinführt!
    :-))

  3. Hat Darling jetzt überhaupt noch genügend Finger um sie vor Dir hochschnippen zu lassen?
    Napoli kommt (bestimmt gut gelaut *hüstel*) UND Cheffe hat entweder Diarrhoe oder das Kloschloss ist kaputt.

  4. Herrlich!

    Allerdings hast du da einen winzigen Fehler gemacht: anstatt „So Gott und der Operateur es zulassen…“ müsste es richtiger heißen: „So Gott, der Operateur, es zulässt…“

  5. ooooooooooooch.. schon wieder ein Cliffhanger! Josephine, so geht das nicht! Wie soll ich jetzt weitermachen, hä? *lechznachendofstory* Und für ein zweites Buch bin ich auch, aber sowas von! :D

  6. Lachweg…. ich will die Fortsetzung!!
    Die Beschreibung des Anästhesistenjobs ist auch super. g*
    Kannte bisher nur die Variante eines Anästhesisten aus meinem Freundeskreis. Der sagt immer (sehr Makaber) Mein Job ist es die Leute so weit zu vergiften, das sie graaade noch so überleben. ;)

  7. jetzt bin ich verwirrt: ist nicht der Artikel vom 29. die Fortsetzung von dem vom 30. (also diesem)? Reihenfolge von mir gedacht wäre „freaky freitag, its showtime, Duck“ und nicht anderrum. Vllt versteh ichs aber auch nicht :)

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