Oh mein Gott – wir werden Eltern!!!

Es ist um mich geschehen, seit ich zum ersten Mal selbst ein Kind zur Welt gebracht habe.

Nein, eigentlich fängt es schon viel früher an – der Moment, wenn du dieses Monitorbild in grau und schwarz zu sehen bekommst und der Gynäkologe deines Vertrauens euphorisch ruft: „Da. DA! Das Herz!“

In der Tat – ein Herz. Da schlägt es. Und wenn du kein Arzt bist, der selbst stundenlang 6-Wochen-Herzen schallt, kannst du dem Mann, respektive der Frau im weissen Kittel nur kopfnickend Glauben schenken. „Das Herz!“ Wird wohl so sein. Gesehen hab ich nicht wirklich etwas…

Doch das kommt alles noch. In Woche 12 ist frau dann beinah ein wenig geschockt – gestern noch ein weisses Irgendwas mit fraglichem Herzschlag („Wo denn nur…?!“) kann heute selbst der letzte Mensch erkennen: DAS IST EIN KIND! Kopf, Arme, Beine, winken, Purzelbaum schlagen – alles gut! Und wenn es bis jetzt noch nicht glasklar und irgendwie schön war – JETZT ist es schön. Ein Baby. Unser Baby.

Mütter heulen dann oft zum ersten Mal. Das ist okay. Hab ich auch. Bei jeder Schwangerschaft. Und ab jetzt wird es mal richtig emotional – sollen wir Nackenfalte? Und dann? Fruchtwasseruntersuchung? Ohne Grund? Will ich nicht. Oder doch…?

Unfassbar – da ist dieses Ding in dir noch nicht mal halb so alt, wie das Auto vor der Tür und schon bereitet es einem schlaflose Nächte. Amnizontesen und Feinultraschall. FEINultraschall! Da sitzt so ein Kerl mit Brille und wichtigem Gesicht und SAGT EINFACH NICHTS. Geschlagene zwanzig Minuten lässt er diesen Ultraschallkopf über den wachsenden Bauch wandern und: KEINE INFO! Undefinierbares Gegrunze hier und da – wenn überhaupt! Frau bekommt schweissnasse Hände, während das Herz bis zum Hals schlägt. Das Eigene, wohl gemerkt! Der Mann drückt einem derweil die Finger platt und tut dabei ganz lässig. „Alles gut Schatz – guck mal – es winkt!“

Gestern war nur wichtig, wo die nächste Party statt findet, ob es Schnitzel oder Schupfnudeln zum Mittag gibt und wer die Herrschaft über die Wochenendfernbedienung hat – jetzt müssen wir entscheiden, ob wir eine Chorionzottenbiopsie wollen, FISH-Test oder allein sonographische Pränataldiagnostik – bitte, danke, gern geschehen.

Wir waren auch mal nur Eltern und sonst nichts gewesen, der Herr Chaos und ich. Eltern und Angst, Eltern und keine Ahnung. Eltern und total überfordert. Wir kamen auch zum ersten Mal mit Wehen in einen Kreißsaal und wussten vom Kinder kriegen nichts, ausser das es schon Milliarden von Frauen vor uns gemacht haben. Mit mehr oder minder positivem Ausgang. Also haben wir uns hinein gestürzt, in dieses Abenteuer – mit Socken und bequemen T-Shirts, Snickers für den Mann und Joghurt für die Frau. Sind Myriaden von Treppen gelaufen, haben geschnauft und gehechelt, geheult und gestöhnt. Wir wollten PDAs und Kaiserschnitten – und hatten schlussendlich das Gefühl, das alle Eltern früher oder später haben: WIR BEKOMMEN DAS ALLERERSTE KIND – EVER!!!

Tatsächlich bekamen wir das milliardste Kind-irgendwas. Völlig unspektakulär. Aber für uns – den Mann und mich, war es selbstverständlich das grösste, das ALLERGRÖSSTE Erlebnis überhaupt. Der schönste Tag unseres Lebens, immer und immer wieder, egal welche Geburt – ALLE waren einzigartig.

Und DAS ist genau der Grund, warum ich diesen Beruf SO SEHR liebe – es gibt auf dieser Welt nichts schöneres, nichts einschneidenderes, nichts nachhaltigeres, nichts, was einen Menschen so sehr prägt und sich so tief in die Erinnerung brennt wie dieser einzigartige Moment, wenn ein Kind geboren wird.

Und falls ich es bis jetzt noch nie gesagt habe, dann heute: Ich LIEBE diesen Job!

Euch allen da draußen – frohes Gebären! Wir denken an Euch und wissen, Ihr schafft es. So, wie Milliarden von Eltern vor Euch es auch schon geschafft haben… :)

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40 Kommentare zu “Oh mein Gott – wir werden Eltern!!!

  1. Das hast du sehr schön geschrieben! Eltern werden ist wirklich etwas ganz Tolles und Besonderes. Und was ich doch schon seit ein paar Tagen loswerden wollte……dein Buch ist echt klasse – ich habs endlich durch und besonders zum Schluss soooo mitgefiebert ;).

    Liebe Grüße,
    Jessica

  2. Oh, wie lange ist das bei mir her — über 18 Jahre. Wenn das Kind aus dem Haus geht, beginnt ein neuer Lebensabschnitt, wieder ein anderer noch nie da gewesener. Danke für die Aktivierung der Erinnerung ans Kinder bekommen!
    Einen schönen Tag wünscht Susanne

  3. Vielen lieben Dank für diesen Beitrag, Josefine. Das ist genau die Aufmunterung, die ich nach einer Nacht voll fieser Senkwehen brauche. Da bekommen wir unser erstes Baby und irgendjemand hat die Gebrauchsanweisung vergessen ;-)
    Hoffentlich treffen wir dann die Tage im Kreißsaal auf lauter Menschen, die ihren Beruf so lieben, wie Du. Mach weiter so!

  4. *schnüff* so schön geschrieben…danke…!

    die geburten unserer kinder waren einschneidende erlebnisse in unserem leben – jede war anders – genauso wie jetzt jedes kind anders ist…

    huch, jetzt bin ich voll sentimental…ich geh mal die frisch-geschlüpft-fotos von meinen klitzekleinen bäbies anschauen… :-))

    lieben gruß,
    heike

  5. Schön geschrieben und so treffend formuliert. (So weit ich das bis heute beurteilen kann…;-) )
    Liebe Grüße
    Sabs (24SSW.)

  6. Schön geschrieben! Selbst als Ärztin hat mich die Pränataldiagnostikmöglichkeit so sehr verunsichert, dass ich viele viele schlaflose Nächte hatte…nur wegen irgendeiner Kleinigkeit, die nicht genau auf der 50ten Perzentile lag…das eigene Kind ist halt doch was anderes ;-) Und ich beneide meine Mutter, die durfte „froher Hoffnung“ sein und hatte nicht das Gefühl aufgedrückt bekommen, dass SIE letztlich dafür verantwortlich wäre, ein genetisch gesundes Kind zu bekommen…so wie jetzt…einiges ist besser, aber nicht alles ist schöner geworden!

    Viel Spaß noch im trotz allem schönsten Beruf der Welt! Und vorsicht mit den Schwangeren, die legen alles auf die Goldwaage (;-) )
    Lee, 26te SSW

  7. Was für ein WUNDERVOLLER! Text! Ich möchte es hinausschreien.
    Am liebsten möchte ich diesen deinen geschriebenen Liebesbeweis an deine Kinder, deinen Mann, deinen Beruf und die ganze Menschheit umarmen und umsorgen.

    Tut mir leid, aber so einen wunderschönen Text kriegt man nur einmal hin. Das wars dann wohl. Was besseres kommt nicht mehr.

    Oder? ;)

  8. manchmal bedaure ich, „nur“ ein Mann zu sein :-(
    aber dann holt mich die Realität schnell wieder ein! (und ich muss sagen, ich habe mich damit abgefunden ;-) )
    liebe Grüße
    Hajo

  9. Ja. Genau so. 2 Kinder. 2 Wunder. 2 Geburten. 2 Mal so unendlich stolz auf das, was ich da geschafft habe – da kann alles andere (Abi, Examen, Joberfolge,…) abstinken. …Leute, kriegt Kinder … und ihr seht die Welt mit anderen Augen!

  10. Ich habe das Gefühl, die Menschen sind psychisch den Möglichkeiten der ausgeklügelten Pränataldiagnostik gar nicht gewachsen. Da wird munter drauf los geschallt, gemessen (Nackenfalte), Fruchtwasser untersucht und was weiß ich noch alles. Aber macht sich irgendjemand v o r h e r Gedanken darüber, was passieren soll, wenn das Ergebnis nicht den Erwartungen entspricht? Was ist mit Fehldiagnosen? Werden da nicht Mütter verrückt gemacht, weil irgendein Wert nicht ganz in der Norm liegt? Kann es nicht sogar passieren, dass ein gesundes Kind spätabgetrieben wird, obwohl sich im Nachhinein herausstellt, dass es normal entwickelt war? Werden künftig Eltern eines Trisomie 21-Kindes als rückständig oder sogar als sozialschädlich angesehen? Wie passt das zu immer unreiferen Frühchen, die unter Einsatz allen medizinischen Know-hows aufgepäppelt werden, mit ungewisser Perspektive? Fragen über Fragen… Würde mich interessieren, wie ihr dazu steht.

  11. schnüff…

    Ich kann dank durch ELSS kaputten Eileitern und schlussendlich beginnende Wechseljahren mit Anfang 30 keine Kinder bekommen. Ich hab die Medizin ausgeschöpft, habe (fast) alles versucht, war immer von Grund auf überzeugt, Mama zu werden und bin in tiefe Depressionen gestürzt, als ich feststellen musste, dass das in diesem Leben nichts mehr wird. Mittlerweile bin ich einigermaßen darüber hinweg, mit neuem Ziel vor Augen ausgestattet. Trotzdem werde ich tieftraurig, wenn ich Beiträge wie Deinen lese; dann weiß ich wieder, was ich aus tiefstem Herzen vermisse.

    • Auch ich werde dieses Wunder wohl nie erleben dürfen. Aber es kommt der Punkt an dem man sich trotz allem für die anderen und ihr Glück freuen kann ohne selber arg traurig zu werden. Das Leben hat halt etwas anderes mit uns vor.

    • Ich reihe mich ein : Jahrgang 1978, kinderlos, Langzeitsingle und emotional so weit wie noch nie von der Partnersuche entfernt. *seufz*
      Da gab’s mal diesen Plan, erst dann ein Nest zu bauen, wenn die finanzielle Unabhängigkeit da ist. Und dann war da noch das spät begonnene Studium …

  12. DANKE für diesen wunderschönen Beitrag *Schnieeef*

    Aber es ist ganz genau SO! Ich durfte dieses Wunder dreimal erleben und es gibt wirklich nichts Schöneres auf der Welt, als sein Baby im Bauch spüren und dann diesen „Flutsch“, wenn es dann geboren wird. Jedesmal anders und jedesmal einfach unbeschreiblich! Einfach nur das größte Glück der Welt! Und da bin ich dann doch SEHR dankbar, daß ich eine Frau bin und sowas erleben durfte!!

  13. Hallo Josephine,
    Ja, es scheint wohl Einigkeit zu herrschen: Ein Kind zu kriegen ist ein einmalig einschneidendes Erlebnis, und das nicht nur fuer die Frauen. Ich hatte das unverschaemte Glueck, bei unseren dreien anwesend zu sein, meiner Frau helfen und nach dem obligatorischen Durchtrennen der Nabelschnur eine Runde mit dem neuen Wunder namens Mensch kuscheln zu duerfen – APGAR war immer prima, ganz entspannt. Das praegt, das traegt, und das ist eine Erfahrung, die nie vergeht. Und das ist sicher auch ein Grund fuer mich, in Deinem Blog zu stoebern – da werden Erinnerungen wach an drei sehr verschiedene, aber allesamt unendlich schoene Geburten. Dir mal wieder einen herzlichen Dank dafuer!

    Liebe Gruesse,
    Dirk

  14. Hach ja, ziemlich genau JETZT vor sieben Jahren ist mir zum ersten Mal eine Fruchtblase geplatzt und seitdem ist nichts mehr, wie es war! Oh Mann, ich werde wirklich noch melancholisch… *seufzeinmalvonganztiefdrinnen*
    Sag es ruhig noch Hunderttausendmal!

  15. Hallo Josephine. Bin gerade krank und habe somit Zeit, deinen Blog und dein Buch gleichzeitig zu lesen. Also vollumfaenglicher Input ! Mit dem Artikel hier hast du mich wieder unter Tränen zurückgelassen… Ich habe auch – ein Glück! – zwei Kinder und ja, ich muss sogar heulen, wenn ich sowas lese, meine Freundin mir von ihrem Ultraschall erzählt oder eine andere Freundin mir vom Baby einer wiederum anderen Bekannten erzählt, die vielleicht gerade keine so glückliche Geburt hatten… Ja, ich bin eine schreckliche Heulsuse – seit genau diesem ersten grau- schwarzem Irgendwas . Ich kann es soo gut verstehen…
    Vielen Dank dir, ich warte immer sehnsüchtig auf neues – weinen befreit irgendwie auch ganz wunderbar! :)

  16. Tja, leider kann es eben auch anders gehen – endlich Schwanger, erster Ultraschall, sowas von aufgeregt – und dann ist eben KEIN Herzschlag da! Nichts zu sehen, auch nicht ne Woche später! Und dann ist die einzige Frage, wie das kleine Sternchen da jetzt nun wieder rausgeht… Das gehört weil bei mir beim Zum-ersten-Mal Eltern-werden mit dazu… Hätte drauf verzichten können!! Wollte ich nur mal gesagt haben 😏

  17. Das war schön *seufz* Noch rund 12-16 Wochen bis unser Zwerg #1 sich an die Luft getraut und ich freu mich drauf. Ich hoffe nur, die Ärzte im KH hier sind dann genauso gut drauf, lustig und amüsant wie du!

  18. Entschuldigt, liebe Frauen, die ihr zwangsläufig mit dem Gebähren betraut sind, aber es gibt auch noch eine „weitere Seite“, den männlichen Teil, der an der „Produktion“ des neuen Lebens beteililgt iat, aber auch diese „Beteiligten“ gehören zum Leben.
    Gleichgültig, ob wir die Geburt ‚ohne „Macht“‚ überstehen oder nicht: sie sind „Teil des Ganzen“!!!
    Josephine, das muss auch mal geschrieben werden!!! (von einem „Teilnehmer der dritten Generation“)
    Liebe Grüße
    Hajo

  19. Sorry für meine Korrektur, aber ich war wohl zu schnell.
    Korrekt müsste es heissen:
    Entschuldigt, liebe Frauen, die ihr zwangsläufig mit dem Gebähren betraut sind, aber es gibt auch noch eine “weitere Seite”, den männlichen Teil, der an der “Produktion” des neuen Lebens beteililgt ist, aber auch diese “Beteiligtung” gehören zum Leben.
    Gleichgültig, ob wir die Geburt ‘ohne “Macht”‘ überstehen oder nicht: wir sind “Teil des Ganzen”!!!
    Josephine, das muss auch mal geschrieben werden!!! (von einem “Teilnehmer der dritten Generation” = Enkel)
    Liebe Grüße
    Hajo

  20. Sohn ist vor ein paar Tagen 12 geworden. In der Nacht saß ich an seinem Bett und hab diesen großen Jungen angesehen, der doch vor garnicht so langer Zeit aus mir hervorkam.
    Kann es denn wirklich so lange her sein das er mein Baby war?
    Und ja, diesen Tag vergisst man nicht. Dieses Wunder, ein Kind zu gebären. Man glaubt ja nicht das in den Wehenpausen wirklich alle Schmerzen weg sind, aber ja, es stimmt. Nur werden die Pausen kürzer und das, zumindest in meinem Fall, innerhalb echt kurzer Zeit. Und dann macht es „plop“ und das schlimmste ist geschafft, das Köpfchen ist endlich da, der Rest flutscht dann fast von selbst. Da ist es dann, dieses kleine Bündel Mensch…
    Dieses unglaubliche Wunder durfte ich nur einmal erleben, aber Sohn hat das schon immer wettgemacht mit Lebhaftigkeit für 3.

    Danke liebe Heldin für das immer wieder Erinnern durch deine Geschichten.

  21. ach du meine…
    und ich muss jetzt knatschen und muss sonst selten, aber so kurz vor schluß und auch kurz vor dem neuanfang sei es mir verziehen.
    zu schön geschrieben.
    am liebsten würde ich dich einfliegen lassen, für so in etwa 3-4 wochen.
    kriegst auch snickers und sekt und überhaupt.
    aber deine berufsgenossen werden es schon richten und hoffentlich auch mit mehr und nicht minder gutem ausgang.
    alles liebe von der hormonfront,
    dani

  22. Und wenn nur Eine, aufgrund dieses schönen Plädoyers in ihrem Entschluss gestärkt wird, ihr Kind zur Welt zu bringen, oder das bereits Geborene wieder mit den Augen der „ersten Liebe“ zu betrachten, hat Ihr Text mit dazu beigetragen dass aus schönen Worten schöne Wirklichkeit wird. Auch das ist Hebammendienst vom Feinsten. :-)

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