Come to the dark side…

…die gibt es auch. Soll ich ausrichten :)

Denn Cristina meinte in ihrer Antwort auf „Eine Frage der Ehre“ *KLICK*:

Du könntest ja auch mal die trübe Seite des Arzt daseins aufschreiben damit es nicht immer klingt wie “alles prima und lustig” und bitte die Geschichte mit der Badewanne…

Gruss
Müsli

Okay – dann wollen wir mal!

In den Jahren meiner ärztlichen Tätigkeit wurde ich:

– gebissen,

– getreten,

– geschlagen,

– geschubst,

– gekniffen,

– beschimpft,

– bespuckt (!)

– bedroht,

– angekotzt

– angeka**t

– angepubst UND

– angemault!

Man hat mich im Operationssaal ankoaguliert (= mit dem Elektrokauter angekogelt!), mit der Pinzette gehauen (auf die Finger!), gezwickt (in den Finger) und ebenselbe nach mir geworfen (absichtlich!). Ich wurde gestochen und geschnitten, bekam Fruchtwasser, Blut, Eiter, Bauchwasser, Zystenflüssigkeit, den Inhalt einer Gebärmutter, den Inhalt eines Atheroms (bäh! BÄH! BÄÄÄÄÄÄÄH!!!) und Fett in allen Aggregatszuständen in die Hose, auf die Hose, die Haare, das Gesicht, die Augen und manchmal sogar in den Mund. Über letzteres hüllen wir das Mäntelchen des Schweigens, darüber will kein Mensch wirklich nachdenken…

Ich habe schon 8 Stunden lang ohne Essen, Trinken und Pinkeln an OP-Tischen gestanden und Haken gehalten, mich dabei wahlweise anschreien oder anmaulen lassen, gerne auch von mehreren Personen gleichzeitige und das in ganz blöden Zeiten sogar für KEIN GELD!

Ich habe mal eine Woche lang nicht mehr als 15 Stunden Schlaf bekommen, dafür 13 Kinder, eines davon fast tot, eines verkehrt herum und einmal Zwillinge (was sehr schön war!).

Ich habe Frauen sterben sehen und Männer. UND Kinder. Was kein Mensch braucht. Ich habe so viel Krebszellen gesehen wie Sterne am Himmel stehen und Menschen zum Weinen gebracht.

Das ist die dunkle Seite. Gehört zum Business dazu, und „alles prima, alles lustig“ ist irgendwie anders.

Und trotzdem habe ich den schönsten Job der Welt!

Come to the dark side – we have Cookies!!!

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59 Kommentare zu “Come to the dark side…

  1. oh man. Das bestätigt das „Zum Arzt muss man geboren sein“ Ich fange schon an mich zu übergeben wenn man kater k*tzt, als Ärztin würde ich wohl nicht überleben. Ausserdem werd ich ohnmächtig wenn ich Blut sehe.

    Und trotzdem will ich, wenn ich deine Geschichten lese, sofort ein Medizin Studium beginnen. ..aber das wohl dann im nächsten Leben.

    liebe grüße

    angi ♥

    • Ja, mach das mal mit dem Medizinstudium um nächsten Leben – es hat durchaus seine schöne Seiten *ggg*

  2. Josephine, you are a hero! (nein, nicht ironisch gemeint, deshalb ohne Smilie)
    Dieser Beitrag ist eine Liebeserklärung an einen anstrengenden Beruf, der aber als Allererstes den Menschen im Vordergrund hat/haben sollte.
    Lieben Dank!
    Grüße
    Hajo

  3. Du sprichst mir wie schon so oft vorher aus der tiefsten Seele! Du hast noch gekniffen, bedroht und angepupst vergessen ;)

    Eine treue Kollegin – bitte mach weiter so!

  4. Danke Dir ganz herzlich. Ich finde unseren Beruf wirklich einer der Besten, trotz der dunklen Seite.

    Ich bin seit 7 Jahren draussen weil ich die Kinderbetreung nicht meinen Beruf und Ehemanns vielen Dienstreisen vereinbaren kann. Ich freue mich wirklich wenn ich irgendwann wieder einsteigen kann, falls ich da nicht schon zu lange weg war.

    Im Moment sind wir bei: wieder arbeiten gehen oder doch noch ein viertes Kind?
    Dein tolles Buch hat wieder die Sehnsucht nach der Klinik geweckt. Danke Dir!

  5. Und ich hoffe schwer für Dich dass Du cookies hast.
    Wenn nicht sag an, ich back und schick Dir welche.

    Danke für alle Einblicke in Deine Arbeit!

  6. Merke: Heldin-Blogposts erst NACH dem Abendessen lesen. Oder lange vorher.
    Trotzdem danke für den Eintrag ;-)

  7. Liebe Doktor Josephine,
    ja, sterben sehen will man sie nicht, schon gar nicht die Kinder. Und manchmal geht alles gut, weil der Plan es anders vorsieht, ganz so, wie Du es gesagt hast.
    Wenn Du so bist, wie die eine Ärztin auf der Intensiv, wenn Du so bist, wie ich Dich mir vorstelle, dann bist Du die Heldin im Chaos.
    Gut, dass es so ´ne Heldinnen gibt.

  8. “ und bitte die Geschichte mit der Badewanne…

    Gruss
    Müsli

    Okay – dann wollen wir mal!“

    Oh ja, bitte noch die Badewannengeschichte :-)

  9. Herrlich wie und was du schreibst :) Aber warum steht gerade hinter Atherom bäh? Das kann doch nicht schlimmer sein als der Rest deiner Auflistung?

    Liebe Grüsse :)

      • Wo kann ich unterschreiben???
        Ein einziges Mal ist mir bisher einer untergekommen. (Männe mit den Worten: „Guck mal was da ist, das ist irgendwie komisch und glibberig da.)
        Und ich schwöre: Wenn er das noch EINMAL macht, hat er es hinter sich!!! *schüttel* *Josephine hinterherrenn*

  10. Grundehrlich und ohne jede Übertreibung oder Beschönigung…
    Danke Josephine, es musste mal gesagt werden und beschreibt so gut was in Menschen vorgeht die sich zur Medizin Berufen fühlen…

    Unser Job ist Hart, sehr Hart… aber es gibt nichts anderes was wir lieber machen wollen würden!

  11. Warum beschwerst Du dich eigentlich das Du den Inhalt einer Gebärmutter abbekommst????? Ist das nicht eigentlich normal bzw sogar gewollt bei einem Kaiserschnitt? ;)

  12. Seltsam, so sehr ich Ihre Geschichten liebe, habe ich sie nie als idealisierend empfunden. Wie anstrengend die Umstände und die Patientinnen und Bambis und Co. sein müssen, konnte ich immer gut nachempfinden.

    Und nach diesem Beitrag haben Sie, wenn das noch möglich wäre, noch mehr Respekt von mir.

  13. ich hätte es nicht besser sagen können!!! (komme grade von einer wunderbaren kitschigen, ganz einfachen, normal, instinktiven wassergeburt; und die frau war jederzeit einfach nur wunderschön und toll) :-)))) haaach…..

  14. Sagte ein befreundeter Oberarzt auch letztens: wenn dir morgens um 5 nach einer anstrengenden Nacht jemand auf die Füße kotzt, ist das nicht schön. Aber trotzdem ist es der schönste Job der Welt…

    Ihr Glücklichen!!

  15. Aus gänzlich unschwangerer und noch-nie-entbunden-habender Sicht einer Nicht-Medizinerin: einfach mal meinen Dank und meinen tiefsten Respekt für Mediziner wie du einer bist (und andere mitlesende Kollegen von dir hier auch)!

    Ich hab lange an anderer Front gekämpft, viel mit unterschiedlichsten Menschen gearbeitet, wurde ebenfalls bedroht, bespuckt, angekotzt, geschlagen, geschubst und getreten, angeschrieen und durchbeleidigt. Und es war der schönste Beruf der Welt (für mich), trotz allem Schlechten, Anstrengendem, Fiesem, Ekligem.
    Allerdings „passte“ es zu meinem Berufsbild und irgendwie… nun, vielleicht gehe ich zu sehr von meinem Verhalten Ärzten gegenüber aus, aber irgendwie liest es sich erschreckend, was du beschrieben hast. Obwohl ich dachte, den Teil deines Berufs vielleicht lieber nicht lesen zu wollen: danke fürs Vorhang-lüften.

    Bleib wie du bist.

    Conny

      • Wobei- es entscheide immer noch ich selbst, wer mich überhaupt beleidigen kann ;-)

        Manche Kreativität ist allerdings schon sehr bewundernswert :-P

  16. …kommentieren hier nur Mediziner…?
    Ich trau mich trotzdem.
    och Möööönsch, jetzt dachte ich, ich hätte ne Ärztin gefunden, bei der alles lustig und positiv aufregend ist……
    wieder nüscht, menno ;-)))

    • Ich als ebenfalls Nicht-Mediziner musste gerade meine Neugier stillen und habe „Atherom“ gegoogelt. Leider wurden mir direkt die herrlichsten Bilder präsentiert und ja, ich finde jetzt auch, es ist BÄH! Hoffentlich kann ich heute nacht schlafen ;-)

  17. Lange schon lese ich deinen Blog und dein Buch ist auch schon gelesen! Und ich finde man liest aus jeder Story deine Liebe zum Beruf. Und es ist eben so die netten, lustigen, tränenrührenden und/ oder dramatischen Stories sind beliebter als Geschichten die vor langweiligen Stationsalltag strotzen….und das ist genau das was ich an deinem Schreibstil schätze, er ist nicht langweilig! Mach weiter so Frau Chaos…..

  18. was soll ich noch schreiben, was mir meine vorschreiber nicht schon vorweggenommen haben…! ;-))

    danke für deine geschichten – ob erheiternd, eklig oder auch einfach nur gänsehautig (ui…neues wort!) man merkt, dass du für deinen beruf und auch deine patienten etwas übrig hast. und mit einer großen portion humor und menschlichkeit ausgestattet bist.

    danke für die aberwitzigen ausflüge in die mediziner welt. ich reise immer sehr gerne mit!

    wobei ich bei der hälfte deiner aufgelisteten punkte sagen muss: das ist mir hier zuhause mit meinen 5 kids auch schon hin und wieder angetan worden…und ich mach den job auch noch begeistert… :-))
    kann man aber natürlich nicht mit deinem knochenjob vergleichen! ich wollt nur sagen: du bist NICHT allein!!

    liebe grüße, heike

  19. Nicht Mediziner, jedoch jahrelang nur Nachtdienste ( Wachdienste ) bei U18 Schwangeren
    ( Häschen & Co, mit allen bekannten dazugehörigen Personen und Geschichten ).
    Ich kann einige Sachen wieder erkennen, die ich da erlebt und gesehen, gehört und gespürt habe.
    Viele neue , junge, moderne Schimpfworte für Frauen wie mich und meines Alters kennen gelernt (das hält jung ;-) ) und trotzdem, als ich dann da aufgehört habe zu arbeiten , lagen diese allwissenden, perfekten, schon entbundenen oder noch hochschwangeren, hormonüberschüssigen U18 mir in den Armen und haben geheult, wieso ich sie verlasse. “ wie süss“
    So Schwangere und Neumuttis und ihre Babys, sind einfach etwas Besonderes ,
    und wie irgendwo schon mal erwähnt, hast du mich durch deine Geschichten, aufgemuntert, zum lachen gebracht, mich manches gelernt und mir gezeigt, dass es noch Menschen gibt, die ihren Beruf , wie ich , mit Leib und Seele lieben und auch, wenn nicht immer alles so läuft wie es soll, man geht trotzdem wieder gerne zum nexten Dienst.
    Bleib bitte weiter so schreibfreudig, denn ich werde mich auch weiterhin auf dich und deine Geschichten verlassen, auch wenn ich den Ort gewechselt habe.

    LG

  20. Ich als Nichtmediziner musste es natürlich auch googeln …. und da gibt es Leute, die sich beim öffnen auch noch filmen… oh nein…..hätte ich nur nicht gegucktgeguckt , manchmal ist es besser ein bisschen dummi von der Welt zu gehen. *schauder* Ich glaube, da träume ich von. Ansonsten lese ich sehr gerne hier mit und das Buch habe ich auch schon durch. … also liebe Frau Dr. Chaos. .. Bitte schön weiterschreiben

  21. Ja, die Liebe zum Beruf macht es die schlechten Seiten zu ertragen, die viel zu jungen Palliativpatienten, die schwerst behinderten Kinder, die missbrauchten Kinder, die plötzlich auf den Kopf gestellte Welt der Menschen, das getreten, angespuckt, angerotzt, beschimpft und sonst was werden.
    Denn das lächeln, das herzhafte Lachen, die Luft- oder manchmal auch echten und sehr sabbrigen Küsschen, die dankbaren Augen, die stillen Umarmungen, die ehrliche Freude…. das entschädigt doch einfach für alles.

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