Eine Frage Der Ehre

„Ey, nee, Alda, dass ist mal echt krass! Napoli voll auf dich drauf. Und wie weiter?“

Mit Augen, groß wie Untertassen, starrt Luigi mich über die Reste meiner Pizza hinweg atemlos an.

„Luigi!“ ermahne ich automatisch „Man sagt nicht Alda! Schon gar nicht, wenn man selbst locker als ‚Alda‘ durch geht. Capice?“
Ich komm mir vor, wie am heimatlichen Mittagstisch, nur das ich hier statt meiner Jungs diesen italienischen Knaben erziehen muss.

„Aber mein Sohn sagt das auch immer!“ quengelt es postwendend zurück „Und der sagt, ‚Alda‘ ist immer noch voll hipp! Ich schwöre!“

Nur italienische Männer, mit ihren treuen, braunen Augen und Mamas, die sie mehr lieben als alles andere auf der Welt, können so treuherzig drein schauen. Ächt jetzt!

„Luigi – Leonardo ist 7 Jahre alt und geht in die zweite Grundschulklasse. Du willst mir nicht ernsthaft verklickern das er dein Mass für Hipp oder nicht Hipp ist?“

Trotz dieses desaströsen Tages bin ich fast geneigt ein wenig zu grinsen, als ich mir vorstelle, wie Luigi seinen kleinem Sohn heimlich für ein hippes ‚Alda‘ High Five abklatscht.

„Was sagt Nora denn zu eurer Wortwahl?“

„Eh, Nora!“ mit einer lässigen Handbewegung schiebt Luigi die Erinnerung an seine toughe und – typisch Italienerin – bildschöne Frau beiseite.
„Weißt du – Leonardo darf sowieso schon immer alles. Erster Sohn und so weiter. Und mir wirft sie vor, Mama hätte mich total verzogen. Da könne sie jetzt auch nichts mehr machen!“
Glücklich grinst der kleine Chirurg mich an, mit einer Mama, die ihn ewig lieben wird, einer schönen Frau und dem voll hippen Sohn. Dann ist er jedoch augenblicklich wieder total bei mir:
„Also – wie war das jetzt mit Kollege Napoli und all den Oberen?“

Um es kurz zu machen: es war grausam! Katastrophal! Desaströs! Ich hatte jeden nur möglichen Bock geschossen, alle Kompetenzen überschritten und die Hälfte der Obrigkeit vollends gegen mich aufgebracht.

„Es ist mitnichten so, dass ich ihre Beweggründe nicht verstünde, Frau Doktor!“ Mit der seiner Stellung als Klinikdirektor geschuldeten Autorität hielt Justus, der Gerechte, sein Abschlussplädoyer, während PE-Punkt das bösartige Grinsen im Gesicht fest zementiert schien.
„Aber bei allem gebotenen Verständnis für ihre hehren Absichten war es schlicht nicht ihre Aufgabe, Frau Blümel-Wonnes Verlegung ohne oberärztliche Rücksprache in die Wege zu leiten. Vernunft hin und Privatpatientin her, dass ist schlicht der Grund, warum Oberarzt Napoli ein höheres Gehalt bezahlt bekommt: mehr Erfahrung, mehr Verantwortung, mehr Entscheidungsbefugnis. Er oder am besten noch Dr. Böhnlein selbst hätten diese prikäre Situation lösen müssen. Sie haben sich somit ganz unnötig mächtig viel Ärger eingehandelt!“

Und doch schien es mir, als habe da ein Funke Verständnis in den Augen des Klinikdirektors geblitzt…

„Scheisse – die haben dich gefeuert!“ Atemlos starrt Luigi mich an, während Schokocreme ungerührt von seinem Löffel auf das verwaschene Grün seines OP-Hemdes tropft.

Nein, hatten sie nicht.

Als alles vorbei war, Napoli wie von der Terantel gestochen und immer noch vor Wut grollend davon gestürmt und selbst PE-Punkt sich süffisant grinsend getrollt hatte, nahm der Chef mich noch kurz beiseite.
Vor der Tür zu Frau Spechts Reich, in einer ruhigen Nische des sonnendurchfluteten weil halbseitig verglasten Flures. Dort setzte er seine Goldrandbrille ab und putzte sie lange und umständlich mit einem Zipfel seiner Krawatte, bevor er sie erneut aufsetzte und tief, sehr tief seufzte, als hätte er gerade eine schwere Arbeit verrichtet. Nachdenklich sah er mich an.
„Es war ihnen schon klar, dass Napoli die Frau baldmöglich auf den Tisch gelegt und sectioniert hätte?“
„Sir, yes, Sir! Glasklar!“
„Glasklar, ja…“ Wiederholte er nachdenklich „Ist das nicht ein Zitat aus – welchem Film doch gleich…?!“
„Eine Frage der Ehre!“
„Aah – Jack Nicholson und Tom Cruise! Großartiger Film! Tolle Schauspieler! So etwas wird heute gar nicht mehr gedreht in Hollywood…!“
Versonnen grinste er vor sich hin und blinzelte durch die jetzt blitzsauberen Gläser in die Ferne des Klinikgartens!
„Professor Zeuss musste diese Sanktionen verhängen…“
„Ich weiß!“
„Napoli hätte informiert werden müssen!“
„Ich weiß!“
„Würden sie es das nächste Mal wieder so machen?“
„Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit – ja…!“
„Das hatte ich befürchtet.“ der Chef seufzte erneut ein klein wenig, so wie ich immer seufze, wenn ich meinen Kopf gerne ein bisschen gegen die Tischkante schlagen möchte.
„Wann immer sie erneut die Lust verspüren, am Westtor festgenagelt zu werden, schauen sie doch bitte vorher kurz bei mir vorbei. Ich werde dann zusehen, wie sich das Schlimmste verhindern lässt!“
„Danke Chef – das ist aber schon sehr nett von Ihnen!“
Scherzhaft drohend fuchtelte er mir ein bisschen mit dem Zeigefinger vorm Gesicht herum, während seine Augen gutmütig funkelten:
„Reiner Selbstschutz, Frau Doktor! Oberarzt Napoli wird jetzt wegen ihnen wochenlang schlecht gelaunt sein. Das dürfen sie uns nicht noch einmal antuen!“
„Geht klar Chef. Kein weiterer Ärger!“
Ich salutierte ein bisschen, wie Jack Nicholson es mich gelehrt hat.
Formvollendet und mit toternster Miene salutierte der Chef zurück und verschwand dann mit langen Schritten und wehenden Kitteln in Richtung OP.

„Jetzt sag doch endlich – was haben sie dir aufgebrummt?“

Luigis Schokocreme tropft immer noch ungebremst auf sein Oberteil, wo sich schon ein beachtlicher Fleck ausgebreitet hat und ich will ihn gerade darauf aufmerksam machen, als in einer Wolke aus Wohlgeruch und Luxus Nancy The Fancy, wunderschön wie der junge Morgen, auftaucht, ihr Tablett ungefragt neben mich stellt und Platz nimmt.

„Verdammt – hat der Regisseur doch tatsächlich schon wieder verpennt, rechtzeitig Slow-Mo und Wind-Maschine anzuschmeißen!“ murmel ich übellaunig vor mich hin.
Doch schlimmer geht immer:
„Josephine bekommt eine Abmahnung, das nächste Gehalt wird ihr gekürzt – verloren gegangene Leistungen und so – und vier Wochen kein OP! Mahlzeit, Leute!“

Ungerührt beginnt Nancy damit, den Berg Schinkennudeln in sich hinein zu schaufeln, der beinahe über die Ränder ihres Tellers quillt, während Luigi ganz offensichtlich einen imaginären Kampf ficht: Mich ausführlich und uneingeschränkt weiter bedauern oder Nancys Astralkörpe ausgiebig von nahem bewundern? Ihr Prädikatshintern befindet sich zwar aktuell außerhalb seines direkten Blickfeldes, dafür hat die chirurgische Schönheit ihren Prachtbusen heute in sonnigem Mohair angerichtet. Bei Luigi geht auch gerade schon gedanklich die Sonne auf, doch dann – Wunder geschehen immer wieder – siegt das Mitleid über uralten Instinkt:

„SCHEISSE! Kein Geld UND kein OP? Das ist aber echt hart, Alda!“

Nancy hält kurz in der Nahrungsaufnahme inne und zieht irritiert ihre perfekt getrimmte, rechte Augenbraue hoch. „‚Alda‘, Luigi? Ernsthaft jetzt? Das ist ja lächerlich!“
Doch Luigi – liebende, italienische Mama sei dank – hat ein Fell so dick wie Elefantenhaut. Gönnerhaft schickt er der unnahbaren Rothaarigen einen Luftkuss über den Tisch, der geflissentlich ignoriert wird.

„Wo hast du denn die ganze Info her?“ schalte ich mich interessiert ein. Das hat ja mal verdammt schnell die Runde gemacht, selbst für solch einen Gerüchtesumpf wie unsere Klinik es ist.

„Übi. Und der von Napoli. Und Napoli tobt.“ Völlig wertfrei quetscht Nancy diese Info zwischen zwei gehäuften Gabeln Essen heraus und spuckt dabei unbeeindruckt winzige Käsestückchen über den Tisch.
„Diese Frau ist ein Alien!“ denke ich bei mir „So kalt wie eine Seehundschnautze und nicht ein Funke Gefühl im Leib.“

„Nancy – bist du ein Alien?“ interessiert schaue ich zu diesem Mensch gewordenen Traum aller Männer hinüber, mit ihrem perfekten Körper, dem rotgoldglänzenden Haar, das ihre fein geschnittenen Gesichtszüge malerisch umspielt.

Für einen Moment hält Nancy The Fancy inne und starrt mich aus eiskalten Augen undurchschaubar an.
„Sag mal – spinnst du jetzt, Josephine?“

Dann wendet sie sich erneut den Resten ihres Mittagessens zu.

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43 Kommentare zu “Eine Frage Der Ehre

  1. Mh, Abmahnung => geht. Chef kann ja für alles (un)mögliche eine Aussprechen.
    4 Wochen Sperrzone OP => Für geplante Sachen machbar, was ist dann aber mit Notsectio & Co?
    Gehaltkürzen => Wie geht das? Oder ist da eine Leistungskomponente eigentlich fest einkalkuliert die nun weg fällt?

  2. Das ist ja wohl mal der Hammer, keinen OP!?! Wie gemein ist das denn!
    Aber immerhin, Justus und dein Chef sind doch irgendwie klasse, besonders dein Chef, den hätte ich auch gerne. Obwohl ein bischen ist meiner auch so. Trägt der Chef eigentlich Kittel mit goldenen Knöpfen (so was hat meiner an)?
    Also: Napoli angefressen weil er dich nicht am Tor festnageln durfte, Luigi schwer beeindruckt, Pe-Punkt hat nicht verstanden, daß er auch irgendwie verloren hat, dein Chef klar auf deiner Seite – das ist ja doch „fast“ ein Happy End. Das Geld und die Op-Pause schmerzen bestimmt hart, aber irgendwie bin ich echt stolz auf dich, daß du deinen Standpunkt weiter vertreten hast und nicht vor der höheren Gehaltsklasse eingebrochen bist.
    Und Fr. Blümel-Wonne hat bestimmt ein total nerviges, viel zu kleines Kind bekommen, das in den Inkubator muß, nicht trinkt und auch sonst zickt. Dafür hätte sie bestimmt dich verantwortlich gemacht, wenn die Sectio bei euch gelaufen wäre.
    Und ohne Op hast du doch nun Zeit der Sache mit Malucci und G-V auf den Grund zu gehen, ich freu mich!

  3. Ich würde evtl. in Erwägung ziehen, einen schnuckeligen Rechtsanwalt mit einem lustigen Getränkenamen zu nehmen und gegen Gehaltskürzung und die völlig unnötige Abmahnung zu klagen. Ich liebe Deine Stories. Bitte fleissig weiterschreiben!

  4. uff keine schönen Sanktionen, aber naja, schlimmer ist wohl weiterhin mit Napoli aus zu kommen und trotzdem die Linie zu behalten.

  5. Mein Beileid! Das ist trotzdem eine verflucht harte Strafe. Aber der Chef war wieder einmal verdammt nett, nächstes Mal immer erst zu ihm, er holt dir schon die heissen Kohlen aus dem Feuer *hach* solche Chefs sollte es viel mehr geben :-)

  6. Oh Frau Chaos, das ging ja noch Mal leidlich glimpflich ab…
    Dieses Auftreten „ICH! BIN! PRIVAT(!!!!Einself111!!!)PATIENT!“ habe ich auch am Rande kennengelernt (was mir vollkommen gereicht hat. Es gibt aber auch ganz entzückende Privatversicherte, genauso wie es hochnotarschige GKVler gibt).
    *ähm* magst Du Nancy mal fragen, wie „mit ihrem perfekten Körper“ und „Berg Schinkennudeln in sich hinein zu schaufeln“ zusammenpassen? DAS würde mich mal richtig interessieren *schäm*

  7. Ächt jetzt???

    Du liebe Zeit, dass Organe gegen Geld verschoben werden, hat mich nicht großartig gewundert. Aber dass jemand abgestraft wird, der sich aus medizinischer Sicht völlig korrekt verhalten hat, nur weil die Patientin privat versicher ist???

    Mannomann, das ist echt harter Tobak. Vielleicht sollte ich morgen auch mal auf einem Kaiserschnitt bestehen. Nicht, dass ich etwa schwanger wäre. Aber privat versichert!

    liebe Grüße!

  8. Das ist dann wohl das berühmte blaue Auge, mit dem du davon gekommen bist, oder?
    Wie war das mit dem Ortswechsel?
    Auch ein Klinikwechsel wegen dieser Sache?

  9. Trotz dieses desaströsen Tages bin ich fast geneigt ein wenig zu grinsen, als ich mir vorstelle, wie Luigi seinen kleinem Sohn heimlich für ein hippes ‘Alda’ High Five abklatscht.

    Josephine, man macht kein High-Five mehr – man macht nun Bro-Fists :P

    Und bei diesem Satz war es mir klar:
    “Josephine bekommt eine Abmahnung, das nächste Gehalt wird ihr gekürzt – verloren gegangene Leistungen und so – und vier Wochen kein OP! Mahlzeit, Leute!”

    Sie haben dich eindeutig bei den Drehbuchschreibern von Grey’s Anatomy rausgeschmisse :o! (… schon einmal überlegt die Branche zu wechseln? Ich wäre mal für eine gute deutsche Arztserie *hihi*)

    Aber freut mich, das alles glimpflich ausgegangen ist :))!! Aber ich bin jetzt schon fast traurig, dass wir jetzt wieder ein paar Tage auf den nächsten Artikel warten dürfen :((

  10. Das fasse ich jetzt nicht! Gehaltskürzung????? Keine OP? Sorry, aber zweiteres hört sich für mich arg nach KiGa an. Und Gehaltskürzung? Wenn Sie nun alleinerziehend wären?

  11. Meine ehrliche Meinung? Das hast du nicht verdient!
    Mal davon ausgegangen, dass so etwas hypothetischer Weise in der Realität durchaus vorkommt: Geht denn nicht das Kindeswohl vor? Sind die Befindlichkeiten (und Versicherungen) der Mutter nicht erstmal grundsätzlich zweitrangig?

    Aber ich finde es gut, dass du deinem Chef auf den Kopf zu sagst, dass du es das nächste Mal genauso wieder machen würdest! Das zeugt von Charakter! ;-)

  12. ai, aufgelöst … puh – kann ich dann ja beruhigt in mein WE –

    übrigens, als Mutti, die einen Not – Kaiserschnitt hatte und gerne spontan entbunden hätte, kann ich Frauen, die ohne medizinischen Grund einen Kaiserschnitt wollen, nicht verstehen …

    (jetzt, wo die Story – ob fiktional oder nicht- zu Ende ist darf ich das bestimmt mal erzählen ;-) )

    lg. und weiter so,
    Trude

    • Als jemand, der berufsbedingt öfter mal bei Kaiserschnitten dabei ist, kann ich überhaupt nicht verstehen, wie man einen Wunsch-Kaiserschnitt haben will…

  13. *seufz*
    falls das so stimmen sollte: Pfui über Napoli. Solche Chefärzte sind der Grund, warum ich als Privatpatientin froh bin, wenn ich nen Oberarzt vor der Nase habe.

    Seit ich mehfach das Privileg hatte, mit Privatpatientinnen, die alle Schwestern und Doktoren wie ein Stück Dreck behandelt haben, auf einem Zimmer zu liegen, habe ich mich entschieden nur noch Normalbetten zu belegen, wenns mich mal wieder ins Krankenhaus legt.

    Amen.

    • Als Kassenpatientin kann ich die Fixierung der Privatpatienten auf Chefarztbehandlung sowieso nicht nachvollziehen.
      Wenn bei mir zur Behandlung zufällig mal der Chefarzt aufschlug wäre ich am liebsten weggelaufen. Der huddelte schnell, unmotiviert, um nicht zu sagen genervt und verächtlich. Der Rest der Mediziner mutierte zu Zombi-Jasagern. Ich war dankbar, wenn nicht mehr Schaden als eh schon vorhanden angerichtet wurde. Sowas hat dann noch einen Professorentitel und darf junge Mediziner, die nächste Jasager-Generation, ausbilden.

  14. Ach schade, nicht das Ende, welches ich erwartete. Ich vergaß bei dem Drama den Oberarzt.
    Jaja, die sind tödlich beleidigt, wenn Ihnen die schöne Kohle flöten geht.
    Tut mir leid, Josephine, ächt jätzt! Aber ich kann dein Handeln wirklich wirklich nachvollziehen und ich hoffe, dass alle Hebammen im Kreißsaal Beifall klatschen.

  15. Io capisco, tu capisci, lui capisce…..
    Das Tier heißt Tarantel…
    Hast du nicht mal erwähnt, dass du stolz bist auf deine fehlende Bildung? Aber auf das Prahlen mit gutem alten Bildungsgut möchtest du dann doch nicht verzichten, von wegen Olymp und so….?

    • Hihihi..! Josephine, bist Du das? Gewissermaßen Dein zynisches Ich, das sich hier jetzt ungestraft in Deinem Blog austoben darf? Was Du für schräge Ideen hast…cool.

  16. Ich finde das mit der Gehaltskürzung echt grenzwertig .. und bezweifle arg, dass das erlaubt ist? Überall wird sich wegen überflüssigen Operationen beschwert, und hier soll der Arzt dann dafür gestraft werden, dass er eine zunächst überflüssige OP einfach nicht durchführt?
    Seeeehr bedenklich ..

  17. Uaaaah, ey – kaum kann ich aus dienstlichen Gründen mal zwei, drei Tage hier nicht vorbeischauen und schon hab ich die Spannungskurve verpasst…

    Och Mann, das ist doch nicht wahr mit der Abmahnung, dem OP-Verbot und dem Geld.
    Halte ich für zu hoch gegriffen. Vor allem die Gehaltskürzung kann ich nicht ganz nachvollziehen, das OP-Verbot erst recht nicht. Abmahnung… naja, das muss doch dann auch reichen.

    Echt jetzt mal – was fürn Affenzirkus für ne Sache, die jeder vernünftige Mensch so entschieden hätte?! Keine überflüssige OP in diesem Hause und gut ist. Sollte doch eigentlich auch im Sinne deiner Vorgesetzten sein. Aber gut, Hierarchien eben… da machste nix, leider.
    Frage mich aber ernsthaft, ob die Maßnahmen gegen dich rechtlich haltbar ist?!

    Kopf hoch!!!

  18. Okay, selbst wenn man mal versucht, jegliche Emotionalität da raus zu nehmen und zugrunde legt, dass Kompetenzen überschritten wurden – entschuldigung, bei solchen Geschichten bekomme ich das kotzen. Wird mich immer daran erinnern, das ein Patient (hochprivat) mit multiresistentem Keim zu seiner OP eingeschleust wurde und dann wirklich in genau diesem Moment ein rupturiertes BAA (für alle Nichtmediziner: schwerste innere Blutung aus der Hauptschlagader, die unbehandelt innerhalb kürzester Zeit unweigerlich zum Versterben führt) kam und in „seinen“ Saal geschoben wurde, weil der grade frei war. Da das Unmengen an Personal bindet, musste dieser isolationspflichtige Patient halt mal in der Schleuse warten, was sicher weniger komfortabel ist, als ein Einbettzimmer. Durch einiges organisatorisches Chaos konnte er dann auch nicht sofort in den nächsten freien OP und hatte dann eine Stunde Wartezeit, in der man retrospektiv betrachtet ihn natürlich nochmal hätte hochfahren können, das war in der Situation aber nicht absehbar. Sein Kommentar war „ist der Notfall denn nicht mal langsam fertig verblutet?“. Und was passiert? Es gibt, einige Wochen später, als ein erneuter Eingriff notwendig ist, eine dringende Ermahnung aus Leitungsebenen, diesen Patienten doch bitte ausgesucht höflich zu behandeln, da er sich das letzte Mal zu Recht sehr beschwert habe.
    Entschuldigung, da muss ich leider brechen.

  19. Was wäre denn passiert, wenn Du (oder irgendein hypothetischer Arzt) die Frau Wanne-Eickel sectioniert hättest, und DANN was schief gegangen wäre? Der Wunschkaiserschnitt wäre vergessen gewesen, Du Deine Approbation los, das Kind schwerst behindert oder tot, von der Mutter gar nicht zu reden. Menschen sind…ich spare mir den Kraftausdruck und sage…hrmpf.

  20. Hm, nicht schön, aber immerhin noch im Job. Ich frage mich die ganze Zeit, wie die Strafe ins Verhältnis gesetzt wird mit dem hypokratischen Eid/Gedanken: Mediziner verpflichten sich, keinem Patienten schaden zu wollen. Eine vorgezogene Sectio stellt in meinem (nicht-Mediziner-)Verständnis aber ein Risiko für das Kind dar. Scheinbar aber ist manchen Mediziner bei der Klinik das Geld mehr wert als die Moral… oder eben der gesunde Menschenverstand. Schade.
    Ich frage mich, was sie gemacht hätten, wenn du eine medizinische Heldentat vollbracht hättest…ob das dann mehr Gehalt und mehr OP gebracht hätte? Wohl eher aber nur ein „Gut gemacht“ mit Schulterklopfer und dann (bitte-danke) wieder zurück ans Behandlungsfließband. Die Quote muss ja stimmen.

  21. Komisch, als ich vor der ersten Entbindung stand und Krankenhaeuser besichtigen durfte, war man überall sehr stolz auf die niedrigen Kaiserschnittsraten. Irgendwie passt das mit der Geschichte hier so gar nicht zusammen…

    • Naja, es fehlt halt nun in der Statistik die Entbindung einer Privatpatienten.
      -1 Entbindung in der Statistik ist doof für Chef, weil u.U. die am Jahresende für die nächste Bonusstufe fehlt. Der wird nämlich tlw nach Erfolg bezahlt und mehr Entbindungen = mehr Erfolg.
      Und -1 Privatpatinet heißt für OA weniger Geld, weil er jedes „Guten Tag, wie geht’s ihnen“ einzeln Abrechnen kann und einen Teil von auch ausbezahlt bekommt.
      Medizinisch war die Entscheidung vollkommen okay, muss ja auch Chef zugeben. Aber bei den Finanzen fluchen (jetzt wirklich) alle beteiligten.

  22. Traurige Geschichte, traurige Bürokratie, trauriges Krankenhausgeschehen.
    Ich möchte mir gar nicht ausmalen, wie man im KH behandelt wird. Es zeigt doch nur, dass bei PV-Patienten alles getan wird, um möglichst viel Geld herauszuschlagen. Ob das alles so medizinisch notwendig ist? Ich will es nicht wissen und will auch nicht PV-versichert sein, auch wenn es sich u. U. nicht vermeiden lässt…

  23. Ahh, wer im Urlaub war, darf dann alle Folgen auf einmal lesen. Yiha!

    Hoffentlich ist hier ganz viel literarische Freiheit dabei und der Rest einer deiner Kolleginnen passiert.

  24. “Würden sie es das nächste Mal wieder so machen?”
    “Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit – ja…!”
    “Das hatte ich befürchtet.” der Chef seufzte erneut ein klein wenig, so wie ich immer seufze, wenn ich meinen Kopf gerne ein bisschen gegen die Tischkante schlagen möchte.

    Das war mein Lieblingsstück.
    Und normalerweise kommentiere ich Blogs gar nicht so viel, aber nachdem ich jetzt eben den Chaosmann so fies betitelt habe, wollte ich noch ein bisschen Goodwill verbreiten. Ähem. Verlegen Hüstel.
    Zum Rest fällt mir gar nix mehr ein.
    Höchstens ein beeindrucktes 👍für die Entscheidung, Frau Gaga Müller Lüdenscheid Privatpatientin NICHT stante pede zu entbinden

  25. Ich denke mal fast, das Hauptproblem hier ist das wegschicken einer- noch dazu privaten- Patientin ohne sich vorher eine Dienstebene höher zu vergewissern… Und ehrlich- ein bisschen kann ich das sogar verstehen. Das heißt ja nun noch nicht, dass man dem Wunsch(kaiserschnitt) Folge leisten muss… Aber Hey, wenn der OA das machen will- bitte.

  26. Eieiei… das ist ja nochmal „gut“ gegangen…
    Bin mir gar nicht sicher was schlimmer ist, der Lohn Abzug oder die OP-Sperre. Aber im Endeffekt ist in 4 Wochen beides abgehandelt, der OA Napoli wird dir jetzt zwar bei jeder gelegenheit ans Bein pinkel aber auch das geht vorbei. Und allem anschein nach zeigt ja die Oberste Etage Zeuss wie Böhnlein zumindest Verständniss für die Entscheidung. Also besteht noch Hoffnung für die lieben oberen :-)

    Toitoitoi und nochmal Respekt für die Entscheidung! Schön zu lesen das auch mal privat Patienten ihre Grenzen aufgezeigt bekommen.

  27. “Würden sie es das nächste Mal wieder so machen?”
    “Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit – ja…!”
    Danke, dass du ein Mensch bist!
    Auch wenn ich im Lotto gewinnen würde, PV möchte ich ich trotzdem niemals sein!

    ~Anja~

  28. Liebe Josephine,
    die Pädiatrie dankt Dir auf jeden Fall für Deine Standfestigkeit, mit der Du das Wohl des Kindes verteidigt hast!

  29. Arme Josephine. – Schade um das OP Verbot. – Leider glauben manchen Menschen sie könnten sich – so wie die Privatpatientin – alles erlauben. *piep* *schlimmes wort einsetzen* –

    Kopf hoch, liebe Josephine.

    VhG

    Andrea

  30. Vielleicht hättest Du sagen sollen, dass Du dachtest, dass die Patientin eine Reporterin ist, die bestimmt einen Artikel über Geldverschwendung durch überflüssige OPs schreiben will und daher ganz sicherstellen wolltest, dass sie über das Konkurenzkrankenhaus schreibt.
    Ein nicht notwendiger Kaiserschnitt ist doch Geldverschwendung, oder?
    Eventuell kannst Du ja auch noch selbst schnell einen Artikel über den Fall schreiben, in der örtlichen Zeitung unterbringen und Dich dann als Retterin des guten Rufes Deines Hauses feiern lassen :-)
    Lohnabzug weil Du Dich medizinisch korrekt verhalten hast? Was da die Gewerkschaft wohl zu sagen würde…

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