Frau Müller-Bärenhubers Brut…

Frau Müller-Bärenhuber ist 34 Jahre alt, Managerin in Elternzeit und wohnt mir schräg gegenüber. Müller-Bärenhuber hat zwei Kinder, 3 und 5 Jahre alt, unsägliche Terrorknirpse, die sowohl Muttern als auch das gesamte Wohnviertel regelmäßig in schiere Verzweiflung treiben. Kind groß – Balthasar-Milo-Alexander ist ein rotznäsiger, selbstredend hochbegabter und deswegen auch sozial völlig inkompatibler Kinder-Kotzbrocken, der mir abends zur Begrüßung schonmal gerne eine Ladung Schimpfwörter an den Kopf schmeißt, die mir die schiere Schamröte ins Gesicht treiben.

„Balthasar-Milo-Alexander ist ja ein so aufgewecktes Kind“ säuselt Frau M-B dann, währen das aufgeweckte Kind mir völlig ungeniert den erhobenen, dreckverschmierten Mittelfinger unter die Nase hält „ich weiß gar nicht, wie ich ihn NOCH MEHR fördern könnte?!“ Abschätzend schaut sie mich kurz von oben bis unten an, als frage sie sich, ob von mir eine suffiziente Antwort auf ihre Frage zu erhalten sei, um dann achselzuckend einzuwenden: „Na, DAS Problem haben sie mit ihren Kindern ja nicht, gell?!“

Meine Kinder sind der Nachbarin nämlich hochgradig suspekt, weil gut erzogen, seltenst am rumbrüllen und wirklich nie – ich schwöre – Wörter wie Fo**e oder Fi**en in den Mund nehmend. Klar, das die weder hochbegabt noch sozial inkompatibel sein können. Frau Müller-Bärenhuber wird nicht müd, ihr Bedauern über die Belanglosigkeit meines Nachwuchses mit mir zu teilen, während ich eigentlich ganz dringend weg müsste. Aber das versteht Frau M-B schon dreimal nicht, denn ihr Tag ist einzig und allein auf die Sorge um die Brut ausgerichtet. Ihren hochdekorierten Job in einem namhaften Unternehmen hat sie in Monat drei der Schwangerschaft mit Balthasar-Milo-Alexander aufgegeben, um sich fortan seiner und der Zunkunft seiner Schwester (Johanna-Greta-Mirabella) in aller Ruhe widmen zu können.

„Hm – sie gehen also schon wieder zur Arbeit? Vielleicht sollten sie mit ihrem Kind klein auch mal zum Power-Yoga gehen? Ausgezeichneter Kurs in der Bömmelmann-Strasse! Hochdekorierter Lehrer, privat, aus New York, versteht sich!“ – Nee, ist klar. Aus New York. Power Yoga! Kind klein-mein würde wohl erstmals im Leben böse Worte sagen und Mittelfinger gegen mich erheben, käme ich auf die Idee, ihn zum Power-Yoga wohin auch immer zu schleifen!

„Ähm, ja, sehr schön, Frau Müller-Bärenhuber. Ich denke dann nochmal drüber nach, wenn ich bei der Arbeit sitze und mich langweile. Aber ich denke, Power-Yoga ist dann doch nicht so unseres…!“ sprachs und wollt im Auto verschwinden, aber so einfach läßt eine Frau M-B sich nun doch nicht abschütteln:

„Johanna-Greta-Mirabella hab ich neulich erst zum Web-Design für Kinder angemeldet. Blumenweg. Gaaaaanz toller Lehrer. Soll ja noch unter Steve Jobs gearbeitet haben!“ Den Nachsatz wispert sie mir verschwörerisch zwischen zwei Fliederbüschen hindurch, während Johanna-Greta-Mirabella mit völlig sinnentleertem Gesicht und offenem Mund bis zum Anschlag mit dem ebenfalls dreckverkrusteten Zeigefinger in der Nase herumwühlt. DAS will ich sehen, wie dieses Kind via html eine Apple-Konforme Website online stellt…!

Als ich mich endlich losgeeist habe, sehe ich Frau Müller-Bärenhuber ihre Brut zusammentreiben und ins Auto scheuchen – wie sie mir eben noch schnell berichten konnte, ist es jetzt Zeit für die morgendliche Runde über den 18-Loch-Golf-Parcour.

„DAS sollten sie unbedingt auch machen, liebe Josephine. Das ist UNGEMEIN entspannend! Wir praktizieren das 5 Mal die Woche!“

Nee, ist klar. Ich verklicker meinem Chef dann mal, dass ich ab morgen immer erst gegen Mittag zur Arbeit komme – vorher muß ich nämlich mit Kind und Kegel über den Golfkurs pilgern. Hat meine Nachbarin empfohlen…

Advertisements

55 Kommentare zu “Frau Müller-Bärenhubers Brut…

  1. Tja, so wächst die neue Elite dieses Landes heran. Da freue ich mich schon so richtig auf mein Rentnerleben, das mir von solchen Kids finanziert wird.
    Danke , lieber Gott!!

  2. Hab ich herrlich gelacht, als ich mir die Brut in Bildform vorgestellt habe. Mit sinnentleertem Gesicht, nasebohrend auf dem Golfplatz.

    Doppelt Daumen hoch!

  3. Solch eine Brut wohnt auch bei mir im Haus. Leider nicht hochbegabt, sondern zu sozial völlig inkompatibel auch noch strunzenblöd. Unglücklicherweise, hat es sich eben diese Brut zum Ziel erklärt, ihr ganzes geballtes Wissen (selbstredend nur jenes, das Schimpfwörter und andere Unverschämtheiten beinhaltet) an meine Geschwister (5 und 2 Jahre) weiter zu geben, welche das Pech haben, den gleichen Kindergarten zu besuchen. *Narf*

  4. Ja, die herzerfrischende Fehleinschätzung des eigenen Nachwuchses kann man auch bei diversen Herrschaften hier in Mainhattan bewundern :D
    Und manchmal weiss man nicht, ob man weinen oder lachen soll.

  5. Ohja… Frau Müller-Bärenhuber und ihre Kinder kenne ich auch…
    Da erheben sich totgeglaubte Erinnerungen an viele Nachmittage auf dem Spielplatz, an „Jonas-Malte, mach dich bitte nicht dreckig!“ und an „Liana-Mariella, sei bitte bitte vorsichtig! Oh Gott, halt dich fest!!!“ während Frau Mama mit ausgebreiteten Armen unterm Klettergerüst eierte, immer in perfekter Auffangposition.
    „Mein Klaus-Jonathan-Alois ist ja ein Naturtalent im Malen, sagt sein Lehrer.“ Wissendes Nicken der anderen Mütter. „Und meine Amalia-Sophia ist so eine Bereicherung ihrer Ballettklasse. Und ihr Englischkurs macht ihr soviel Spaß!“ (alle Kinder waren zwischen 2 und 5 Jahre alt)
    Das Gespräch brach leider urplötzlich ab, da eines der liebreizenden Kinder zu brüllen begann und die Mutter ebenfalls schrie „Was machen Sie denn da mit meinem Tobias-Lasse-Alexander?“
    Ich stand nämlich, genannten T-L-A am Arm festhaltend in der Sandkiste, mein weinendes Kind mit Sand und einem wunderhübschen Abdruck einer Sandschaufel im Gesicht, hinter mir. „Leinen sie ihr Kind an, oder passen sie auf. Wenn meiner zurückschlägt hat ihrer ein paare Zähne weniger.“ Mit den Worten stellte ich ihr den immer noch Schimpfwörter brüllenden T-L-A vor die Füße. (Ich hatte nicht übel Lust T-L-A für so Dinge wie „dämliche Vot**, riesen Arschl**, elende Schla*pe“ 1 bis 8 Ohrfeigen zu geben…)
    Einige Monate später hat er sich übrigens wirklich gewehrt. T-L-A wurde mit wehenden Fahnen in die Kinderklinik gebracht, nicht ohne Drohungen das Jugendamt und die Polizei einzuschalten… (1 Frontzahn weg und dicke Wange. Die Mutter hat noch monatelang einen Aufriss veranstaltet wenn wir auf dem Spielplatz kamen.)

    Ja ja, leider gehörte ich nie dem elitären Kreis an. Mein Kind war nur auf dem Spielplatz und im Kindergarten. Fiel vom Klettergerüst und sah nach einem Tag auf dem Spielplatz aus wie Sau. Das arme Kind…

  6. Super Geschichte!!!!!! Habe mich herrlich amüsiert :D Ach ja…die AKs und die dazugehörigen beknackten Eltern….eine Geschichte für sich. Ich würde beim nächsten Mal, wenn AK Nummer 1 den Mittelfinger herausstreckt und AK Nummer 2 in der Nase bohrt, der Nachbarin sagen, daß sie auch eine tolle Schule kennen für gutes Benehmen….Kinder Knigge 2000….und sie fragen, ob Sie ihr die Nummer geben sollen.

  7. Ich LIEBE deine Geschichten :-))

    Und über solche hochbegabten Kinder werden sich künftig Lehrer und Arbeitgeber uuungemein freuen… wenn sie wieder gehen ;-)

    • @ Conny Ich kenne so ein hochbegabtes Kind, welches jetzt mit 21 Jahren sozial total inkompatibel ist (man nennt es psychische Störung) und immer noch keine Ausbildung oder Studium begonnen hat.

      • @Schnettel

        Uffz, das ist echt mal hart. Vor allem, weil die Eltern (vermutlich) vor lauter Stolz ob der Hochbegabung des Zöglings selbigem die Kohle in den Allerwertesten pusten, damit sich keine finanziellen Nöte einstellen. Also stellen wir fest: solche Hochbegabten erfreuen nicht unbedingt die künftigen Arbeitgeber, sondern die Allgemeinheit… nicht.

      • Bisschen daneben, dein Kommentar. Für psychische Störungen kann der Mensch nichts, und dir steht es absolut nicht zu, zu bezweifeln, dass es sich um eine solche handelt.

      • Find ich jetzt auch ein bisschen daneben. Hochbegabung ist oft tatschlich eine Behinderung und nicht so toll, wie man sich das oft vorstellt.

  8. Ich liebe diese Geschichte. Ist als hätte ich sie selber erlebt. Ich HASSE solche Kinder. Und Mütter. Meine ältere Tochter hat dummerweise eine Freundin in ihrer Schule gefunden, die den Bruder aus der Hölle hat – natürlich ist der auch hochbegabt und seine unglaubliche soziale Kompetenz wird von Mutti bei jeder Gelegenheit gefördert. Diese soziale Kompetenz hat er neulich gezeigt als er meinen beiden Töchtern beim gemeinsamen Essen ständig Pommes Frites (natürlich ist er so etwas schreckliches nur, weil wir es essen) ins Gesicht geworfen hat. Irgendwann ist meine ältere Tochter – und ich bin jetzt noch stolz auf sie – aufgestanden und hat gesagt, ich gehe lieber spielen. Kommentar der Übermutti zu mir: Machst du dir nicht Sorgen um dein Kind, wenn es einfach weggeht, wenn andere mit ihm kommunizieren wollen….aaaaaaahhhhhhh…..

  9. Rumdrehen, gehen und Leute mit solchem dummen Gelaber einfach stehen lassen, empfinde ich ja persönlich als sehr befriedigend. Keine Diskussionen, keine Streiterei, keine Schlägerei, perfekt.

    • Finde ich auch. Diskutieren hilft sowieso nicht, und die MEinung kann man den Leuten eh nicht geigen – beratungsresistent.

  10. liebe josephine, du solltest deiner nachbarin eine herausforderung geben. wie wärs mit vorschwärmen vom neuen kurs „kinder analysieren ihre kackhaufen“ bei der urenkelin von freud? oder „24-stunden-rennen für vorschulkinder“ bei mika häkkinen? mir fiele da noch mehr ein…

    liebe grüße, katerwolf

  11. waaah… ich habs ja erst für einen Aprilscherz gehalten aber dafür wars dann doch zu spät. Mein Beileid zu diesen Nachbarn. Ich bin auch schwer dafür, dass sie mal einen Kurs bei einem Nachfahren des Herrn Knigge machen, das ließe sich sicherlich auch prima im Golfclubhaus umsetzen.

  12. Autsch. Über solche Mütter hat sich auch immer meine aufgeregt.
    Das beste ist ja wirklich, dass heutzutage einfach schlecht erzogene Kids aus Prinzip hochbegabt sind. *kopfschüttel*
    Aber wie du die Story erzählst ist einfach göttlich! Schreib ein Buch in dem Stil und ich bin die erste, die’s kauft! ;)

  13. Stellst du dir nicht automatisch deine holde Nachbarin im Kreißsaal liegend vor wie sie ihre Brut auf die Welt befördert? Aber wahrscheinlich gab’s eh nen Wunschkaiserschnitt nach Mondphase und vorheriger Absprache mit der Astrologin.

  14. Genau, und wenn dann die M-B-Kinder ihre Schulkarriere starten, dann verkennen erst alle Lehrkräfte ihre Genialität, die sich darin äussert, dass sie jede Form von Unterricht torpedieren, die Klasse zerlegen und ihre sozialen Fähigkeiten bei anderen in blauen Flecken enden. Dann darf die Schublade ADS herhalten – weil – die können ja nix dafür, oder?
    ;-)

    Herzliche Grüsse

  15. da kann ich nur sagen, die armen Kinder, die später durch ihr Umfeld erfahren, dass sich nicht jeder auf der Nase rumturnen lässt und dass Grenzen der Anderen zu respektieren sind. Dann ist der Frust groß und die Eltern verstehen die Welt nicht mehr, was man denn gegen ihre wunderbaren Kinder haben könnte. Das wurde doch schon mal vorgelebt – auch bei den 68ern war das weit verbreitet – viele Ergebnisse laufen längst vom Leben enttäuscht durch die Gegend. Da hatte man zwar nicht diesen „Hochbegabte-Förderungs-Wahn“ jedoch durften diese Kinder kein „nein“ hören, das hätte ihnen geschadet – sie durften einfach alles – auch anderen vors Schiedenbein treten.
    Es macht großen Spaß diesen Artikel zu lesen – auch wenn es eigentlich eine traurige Geschichte ist – nicht nur für die Nachbarn.

  16. meine tochter ist ein ehemaliges Frühgeborenes und gilt als leicht geistig behindert… wir können damit gut um. sie ist glücklich, ich bin es auch und sie entwickelt sich prächtig auch zu dem Erstauenen ihrer Lehrer.

    nun ist sie in einer integrativen Klasse. Am ersten Elternabend stellten sich ein elternpaar hin, wo man schon von Aussehen her sah, die hielten sich für was besseres und gaben sinngemäß folgendes von sich
    „also wir sind die Eltern von Jaqueline-Schantalle-Marie und tun uns ja mit so einer integrativen Klasse ja ein wenig schwer. Man weiß ja nicht so genau was auf die Kinder da so zu kommt. Also am liebsten wäre uns J-S-M würde mit anderen Kindern spielen und nicht mit den I-Kindern aber man ja nicht früh genug dafür sorgen dass die Kinder soft skills sich erarbeiten“.
    entsetztes schauen bei allen anderen Eltern, okay fast allen. Ein Vater sagte auch er sei bei den Gedanken an eine I-Klasse eicht überfordert aber seine Frau sei von dem Prinzip total begeistert… aber das ist ne andere Ebene.
    Meine Tochter kann J-S-M nicht leiden… die sei immer so gemein im sport und würd sie auslachen weil meine Tochter halt nicht so schnell ist wie die anderen…

  17. Mann oh Mann, was hab‘ ich gelacht. Ich glaube, dass ich mich wohl ganz glücklich schätzen kann, dass mein Nachbarsjunge Ingo-Richard-Siegfrid ganz normal aufwächst und eigentlich supper knuffig ist. Toll, dass es solche Kinder noch gibt.
    Tolle Geschichte!!

    ~Anja~

  18. Was genau hat eigentlich Hochbegabung, daß sie hier so als Begriff benutzt wird? Ich bitte um eine Erklärung, weil ich den Witz daran nicht verstehe.

  19. Na, also bitte! Zieht doch nicht so über die Hochbegabten her! Längst nicht alle sind Einzelgänger mit schlechten Manieren! Und mal im Ernst: Sagt nicht, dass es mehr intelligente und gebildete Rüpel gibt, als dumme UND ungebildete!

    • Das Problem ist, dass die Kinder, von denen die Eltern immer wieder auf die Hochbegabung hinweisen, in der Regel nur unerzogene Rotzlöffel mit Eltern mit zu großem Ego sind.
      „Normale“ Hochbegabte kommen in der Regel doch mit sich und der Welt klar. Die sind meistens doch eher unauffällig, auch wenn einige vielleicht lieber Bücher als Menschen mögen, können sie sich doch einpassen. Aber diese armen Kinder, deren Eltern in ihnen nur das allerbeste sehen und sie von Beginn an mit Unwichtigem überfordern und dabei die normale Erziehung vernachlässigen, die sind eben die Auffälligen und mit Sicherheit auch die Verlierer. Denn wenn diese armen Kinder sich in der Schule plötzlich mal unterordnen müssen und doch nicht so toll sind, wie Mami immer sagt und Mami und Papi dann richtig Druck ausüben… Da kann man als Kind doch nur durchdrehen und für das Umfeld total ätzend werden. Denn die Kinder kennen ja keine Grenzen und wollen ja irgendwie auffallen, weil es ihnen ja eingetrichtert wird, dass sie ja sowas besonderes sind…

      • Yeah, „einpassen“ ist total gut. Lern z.B. doch einfach selbstständig im Kindergartenalter Lesen… und dann, wenn du von praktisch allen anderen („normalen Erwachsenen“ und deren Kindern) nur noch fertiggemacht wirst, dann… ja, paß dich ein. Das ist schön, das macht Spaß. Weil du dir nur noch wie der letzte Dreck vorkommst, weil du nicht so sein darfst, wie du bist. Denn wer gerne lernt, schnell begreift, neugierig ist, der muß irgendwie komisch sein. Und komisch sein… nee, lieber „einpassen“.
        Aber mal von meinem persönlichen Haß allein auf diese Vokabel abgesehen: Was soll mir der Blogeintrag nun sagen? Daß die Mutter dieser Kinder einen Knall hat? Kann sein. Daß die Kinder nicht hochbegabt sein können? Das kann niemand wissen.
        Nun wissen wir auch noch, daß Eltern manchmal mit ihren Kindern angeben, und sei es nur damit, daß sie „ganz normal“ sind, und „gut erzogen“. Ist doch schön beruhigend, das reicht allemal, um sich selbst mal so richtig auf die Schulter zu klopfen.
        Vor allem der Punkt mit der guten Erziehung ist so schön naiv. Was glauben manche Leute, wie sich Kinder benehmen, wenn ihre Eltern nicht dabei sind?

      • Sorry, aber die ewige Leier der armen, hochbegabten Kinder, die nur deswegen sozial inkompatibel wurden, weil Sascha-Franz-Johann sie im Kindergarten verdroschen hat, wenn sie ihm „Pippin langstrumpf“ vorlesen wollten ist auch sowas von abgenudelt…

      • flipflop, ich weiß nicht, aus welchem Umfeld du kommst, aber in meiner Schulklasse gab es gleich zwei sehr übermäßig begabte Schülerinnen, die in die Kategorie hochbegabt fallen. Mit beiden war und bin ich gut befreundet… Ich kann eindeutig feststellen, dass es da keine soziale Probleme gibt, die wir anderen Jugendlichen und jungen Erwachsenen nicht auch haben. Wieso sollte man diejenigen fertig machen, von denen man profitieren kann? Da mussten unsere Lehrer auch nichts machen, die beiden waren wunderbar integriert und nicht nur in schulischen Fragen beliebte Ansprechpartner. Einpassen bedeutet für mich also, das es vollkommen problemlos funktioniert, sich in eine Gruppe zu integrieren. Schließlich sind wir doch alle kleine Freaks und diejenigen, die wir als unsere Freunde wählen, sollten unsere freakigen Seiten akzeptieren. Warum sollten die Mädels dann nicht so sein können, wie sie sind? Nur weil sie Bücher lasen, die wir erst Jahre später verstanden? Weil sie die Nachmittage vor einer Klassenarbeit, die wir mit Lernen und Panik verbrachten, frei hatten? Ich verstehe es einfach nicht…
        Aber beide haben eben auch das von zu Hause mitbekommen, was man eine gute (eventuell auch strenge und konservative) Erziehung nennt. Sie begrüßen artig, sagen bitte und danke, können ihre Bedürfnisse auch mal denen ihrer Mitmenschen unterordnen, schlagen nicht, beleidigen nicht usw. Das war in meiner Generation (Abi vor 10 Jahren auf dem Land) aber auch noch normal. Wir haben fast alle gelernt, dass ein Nein von Erwachsenen zu akzeptieren ist. Unsere Eltern fanden nicht sofort alles super, weil es von uns kam. Wir haben noch gelernt Privatsphäre, Leib und Eigentum von Mitmenschen zu respektieren. Das heißt, für Kleinkinder, dass wir nicht die Einrichtung anderer Menschen zerlegt haben und überall Kindersicherungen brauchten und später auch, dass man sich nicht in jedes Gespräch der Erwachsenen einmischen durfte und auch mal aus dem Zimmer musste. Natürlich testeten wir grenzen aus, diskutierten vieles mit unseren Eltern aus, doch akzeptierten wir auch Grenzen, da wir sie von Kleinauf kannten.
        Schaue ich mir Kindergartenkinder und Schüler heute an – das mache ich beruflich jeden Tag – so stelle ich fest, das Kinder nie diese Grenzen gelernt haben. Die armen Kinder kennen einfach keine Grenzen. Stoßen sie plötzlich in Bildungseinrichtungen auf welche, ist es total neu für sie und sie kommen nicht damit zurecht. Die Eltern verstehen nicht, warum gerade ihr Wunderkind, nun Probleme hat und machen dafür Gott und die Welt – liebend gern natürlich Diagnosen wie ADS, Hochbegabung usw. – verantwortlich. Dabei sind sie blind dafür, dass sie selbst auch ein wenig Verantwortung haben. Ihnen die Augen zu öffnen und einen vernünftigen Weg in Zusammenarbeit von Schule und Eltern zu finden, der dem Kind hilft seinen Platz in der Gemeinschaft zu finden ist dann alles andere als leicht…
        Und besonders schlimm ist dies für die Kinder, die echte psychische Probleme haben, die nicht nur eine hübsche Umschreibung für „Unerzogen“/“Schlecht erzogen“ sind.
        Aber natürlich ist es böse, wenn man so etwas heute so sagt…

  20. Uff, jetzt bin ich aber erschrocken. War grade bissle bei Neonathalie am Lesen und da hatte die Heldin einen Link hinterlassen zu Monitorgeschichten.
    *Klick* —-> „… no langer available“

    Hab dann schnell bei meinen Favoriten geklickt und siehe da: sie ist noch da.
    Bloß wie finde ich jetzt die Monitorstory???

  21. Schade, dass niemand den Kindern die Grenzen aufzeigt: Bis hierhin und nicht weiter.

    Eigentlich ist es traurig.

    Solche Kinder von diesem Typ „hochbegabt“ gibt es ja zu hauf.

    Wobei halt: Nicht jedes Kind, dass sich in jungen Jahren total danebenbenimmt , Grenzen austestet etc. muss später gleich „hochbegabt“ sein oder ADS oder was auch immer in der Richtung haben.

    VhG

    Andrea

  22. ich verstehe diese wundervoll geschriebene Geschichte nicht gegen Hochbegabte sondern sie amüsiert sich über eine Mutter, die nicht begreift, dass zum erfolgreichen Leben auch andere Werte zählen.
    Mir fällt eine Begegnung ein; Tochter machte vor Jahren Hamburgs bestes Abitur und wollte Diplomat werden. Alle Prüfungen dafür super bestanden – nur dann kam das abschließende Gespräch bei einem Mittagessen und da fiel sie durch – kein Benehmen. Die Mutter hatte aus Ehrfurcht vor der Hochbegabung alles andere zurück gestellt – so erzählte mir die Mutter selbst.

    • Wir hatten mal eine Mitarbeiterin, der alle Kollegen zu Füßen lagen – bis … ja bis sie mit ihr essen waren und sich mit ihren „Bauarbeitermanieren“ dann doch nicht so recht anfreunden wollten.

  23. Wie Cerise es schon andeutet, würde ich der Mutter mit den 3fach benamsten Kindern erst einmal die Adresse einer Hundeschule in die Hand drücken, denn wer kleine Hunde gut erziehen kann, kann das vielleicht auch mit weniger gut geratenen Kleinkindern – vorausgesetzt, die Erzieherin spielt mit und hält die Regeln ein, die im menschlichen Umgang nötig sind und auch von aufsässigen Kindern gelernt werden müssen oder sollten – sie haben es später weniger schwer.
    Mit Gruß von Clara

    • Himmelhoch, ich werd ja immer schief angeguckt, aber es stimmt: Kinder und junge Hunde sind gleich! Beide brauchen: Liebe, Konsequenz, Fürsorge und klare Regeln. (Und Dreck)
      Und natürlich auch mal zwei geschlossene Augen, damit sie Quatsch machen können ;)

      • Danke, danke – mit den Kindern versuche ich es ja als ehrenamtliche Großmutter auf die verschiedensten Arten – und mit einem Hund seit zwei Wochen, Mein Sohn hat sich einen Zweijährigen aus dem Tierheim geholt – und meine Standardredewendung ist: „Heute geht der Hund wieder mit mir spazieren“.
        Der braucht auch noch ein wenig Erziehung und bessere Ohren – aber ansonsten ist er zum Fressen süß: Hier ist Lennox bei der Übung: „Lenni sitz und bleib“ http://clarahimmelhoch.wordpress.com/2012/03/30/ehre-wem-ehre-gebuhrt/

  24. Jetzt muss ich doch nochmal etwas hier schreiben.

    Ich kenne mehrere getestete, hochbegabte Kinder. Kinder mit sehr guten Manieren (auch beim Essen) und Kinder, die förmlich nach Grenzen schreien. Und ich kenne die Elternhäuser dieser Kinder. Und da gibt es deutliche Unterschiede.

    Wenn einem Kind (egal ob hochbegabt oder nicht) zu Hause alles (!!!) erlaubt wird, muss man sich nicht wundern, wenn es im Kindergarten und in der Schule an Grenzen stößt. Und wenn das Kind nicht bereit ist diese Grenzen zu akzeptieren, dann knallt es halt. Da hilft es auch nicht, wenn das Kind Stühle durch die Gegend schmeißt.

    Und wenn ein Kind im Kindergarten Probleme hat, weil es z.B. schon lesen kann, kann es auch an mangelnden sozialen Fähigkeiten liegen. Ein Buch auf den Kopf hauen, ist kein Zeichen inniger Freundschaft.

  25. Mich erinnert die Geschichte ganz doll an Kerstin Giers „Die Mütter Mafia“ mit eben genau diesen Protagonisten… Sollte es etwa tatsächlich solche Mütter- und Kinder-Freaks geben?

    • Mammut: Kurz und schmerzlos: Ja. Es soll ja auch Mütter geben, die das Gymnasium, das ihre Kinder besuchen werden, schon vor Kindergarteneintritt festlegen ;-)

  26. Ich selbst kenne einige Mütter, bei denen es umgekehrt heißt: „Wenn du willst, kannst du natürlich aufs Gymnasium, aber eins sage ich dir gleich, ICH werde BESTIMMT NICHT mit dir pauken!“
    Und das finde ich dann wesentlich schlimmer als übereifrige MÜtter!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s