Wie basteln wir uns einen Dienstplan?

Wer noch nie an einer medizinischen Dienstplanung teilgenommen hat, weiß nicht, wie gut das Leben es eigentlich mit ihm meint. Denn das ist tatsächlich eines der wenigen Dinge, die ich an meinem Job abgrundtief hasse.

Es beginnt damit, das der Dienstplan-Assi an einem beliebigen Morgen zwischen dem 1. und 31. des jeweiligen Monats mit dem völlig jungfräulichen Plan des Folgemonats in der Frühbesprechung aufschlägt, woraufhin erst einmal allgemeines, hektisches Suchen nach dem Kalender los geht. Wann hatte nochmal Tante Erna Geburtstag? Findet der Elternabend für Kind klein am 3. oder 4. Mittwoch statt? Und wann ist der Mann auf Geschäftsreise?

Mittlerweile gibt es ja gottlob das iPhone, welches den aktuellen Kalender bis einschließlich 2087, alle Schul- und Gattenkorrespondenzen sowie die jeweiligen Feiertage bereit hält.

Feiertage kennen ist nämlich essentiell wichtig, denn hastu-nicht-gesehen schiebst du zu Christi-Himmelfahrt Dienst, obwohl du doch eigentlich mit diesem Donnerstag-Dienst ein langes Wochenende kaufen wolltest. Und alle grillen ohne dich! Dumm gelaufen!

Aber zurück auf Anfang – Wilma, die Frau mit dem Dienstplan – kommt also wild mit dem leeren Papier wedelnd herein geschneit und Hektik bricht aus, bis die Übergabe vorüber und der Chef verschwunden ist. Anschließend wird oben beschriebene Erst-Hektik augenblicklich durch Chaos abgelöst, den jeder Assi versucht lautstark mitzuteilen, an welchen Tagen er auf gar keinen Fall Dienst zu  machen gedenkt. .

Blondie hat mal wieder ihre Kunstgriffel generalüberholen lassen und da diese keinerlei Kontakt mit Sterilium vertragen, sind die ersten drei Wochen des kommenden Monats völlig Dienst-Indiskutabel. Sagt sie und schlägt unschuldig ihre 15mm-Kunst-Wimpern nieder.

„Vergiss es, Blondie!“ raunze ich genervt „Der Monat hat 31 Tage, du zwei gesunde Hände und wenn du mit denen keine Dienste machen willst, musst du Harz IV beantragen, sorry!“

Ich bin es nämlich ein ganz klein wenig leid, mir dieses ewige „Ich kann hier aber nicht – ich will da gerne nicht – und überhaupt in keinem Fall mehr als einen Dienst“ anzuhören. Früher gab es solche Mätzchen nicht, da hat der Dienst-Assi die Tage mit dem Würfel vergeben und alles was übrig war, durfte er selbst machen. SO war das, als Medizin noch Ehrenvoll war. Jawoll!

Also quälen wir uns erst einmal durch die 5 Wochenenden, die der kommende Monat zu bieten hat. Und das ist wirklich harte Arbeit. Ein, zwei, drei Frei- und Sonntage gehen gerade so weg. Blondie nimmt den erstbesten Samstag, in der Hoffnung, zwei Dienste weniger als Bonus zu kassieren. Pah, kannste vergessen, Tussi!

Bambi schaut immer wieder betrübt von ihrem Blümchen-Kalender auf den noch leeren Plan und murmelt wirres Zeug. „Zumba“ und „Yoga“ höre ich sie sagen. Aber immerhin sind nach drei verdrückten Tränchen und zwei Dutzend Stoßseufzern schon mal 6 Dienste weniger zu besetzen.

Wilma ist ein kleines Miststück – man kann es leider nicht anders sagen – und versucht immer noch, sich nebenbei alle Donnerstage unter den Nagel zu reißen.

„Oh – ich kann diesen Mittwoch nehmen! Und diesen Freitag. Den Freitag auch!“ Sagt sie – und trägt statt der besagten Tage dreimal Donnerstag ein. Schwupp-di-wupp, keiner hat´s gemerkt. Denn Donnerstage bedeuten lange Wochenenden. Freitag frei – alles prima.

Aber Wilma hat die Rechnung ohne Blondie gemacht, die zwar faul, dafür aber ähnlich bösartig veranlagt ist. Somit bekommt Wilma auf ihre drei langen Wochenenden noch einen Sonntag und zwei Freitage. Ällebätsch, verarschen ist hier nicht.

Oleg, mein schüchterner, polnischer Kollege übernimmt weitere 7 Dienste, ich habe mich – Teilzeit sei dank – an 4 Tagen eingeschrieben – bleibt Rest 3.

Hm – irgendetwas stimmt hier nicht, denke ich, während ich den Kollegen dabei zuschaue, wie sie versuchen, sich unsichtbar zu machen. Wieso sind das diesen Monat so elend viele Dienste – wo wir doch gar nicht so übel besetzt sind?!

„HAAAAAH!!!!“ Ein lauter Schrei durchdringt die Stille – und verdattert schauen wir Wilma hinterher, die wie von der Tarantel gestochen durch den Übergaberaum flitzt und dann in der hintersten Ecke stehen bleibt – den Dienstplanbleistift anklagend in die Dunkelheit gestreckt. „Komm raus da! Du hast noch keinen einzigen Dienst im nächsten Monat!“

Und aus der Ecke gekrochen kommt – Fred Vom Jupiter! Und sieht kein bisschen schuldbewusst aus. Höchstens ziemlich enttäuscht.

„Aber ich weiss doch gar nicht, ob ich schon für Dienste zuständig bin!“ mault er. Und muss dann tatenlos mit ansehen, wie insgesamt 7 ungeliebte Dienste auf ihn verteilt werden. Denn immerhin das ist so, wie es schon immer war – wer versucht sich zu drücken, bekommt das, was vom (Dienst)Tage übrig bleibt…

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38 Kommentare zu “Wie basteln wir uns einen Dienstplan?

  1. Uffz, klingt strapaziös und die schwere Arbeit bei Geburten dagegen richtig relaxed.
    Schmunzeln musste ich allerdings schon ein wenig – der gute Fred vom Jupiter… Blondie… :-)

    Gut, dass das erstmal erledigt ist. Aber wäre ein regelmäßiges Rotationssystem dagegen nicht einfacher oder gerechter?

    Liebe Grüße,
    Conny

      • hmm, sowas kenn ich aus der freien Wirtschaft, wo es 6 Arbeitstage hat.. Man hat in der einen Woche den Di frei, in der folgenden Woche den Mi, dann drauf den Do usw.usf. Und alle 6 Wochen ein langes Wochenende mit Sa, So+Mo frei. Aber ob sich das mit euren Dienstplänen realisieren lässt, keine Ahnung. Eure Dienstplangestaltung ist ja echt kriminell…
        LG Elawen

      • Hm, also vergleichbar mit dem Wechselschicht-Modell der Polizei beispielsweise. Dass also per „Gesamt-Plan“ feststeht, dass jeder mal jede Schicht übernehmen muss und sich niemand vor unschönen Diensten dauerhaft drücken kann. Wenn jemand also beispielsweise zweimal am Wochenende gearbeitet hat, hat er definitiv die nächsten beiden Wochenenden frei.
        Ich mein damit so eine Art „Miniatur-Dienstgruppen“ mit Kleingruppen der Gesamtbelegschaft der Station. Dieser „große Plan“ hätte den Vorteil, dass jeder auf das gesamte Jahr absehen kann, wann er Dienst haben wird.
        Wechsel wären ja einplanbar – A, B und C arbeiten drei Tage Früh, danach drei Tage Nacht, danach zwei bzw. drei Tage frei (wenn man den Tag nach der Nachtschicht als vollen freien Tag zählen möchte).
        Und die Personen D, E und F arbeiten eben gegenläufig.
        Dabei würden dann die jeweiligen Personengruppen gewissermaßen als Gruppe/ Team eingeplant – das würde solche Einzelentscheidungen ersparen wie du sie beschrieben hast.

        Verstehst du, wie ich das meine? Hatte nen langen Tag und bin mir nicht sicher, ob das noch klar formuliert ist ;-)

        Vielleicht ist die Idee auch blöd oder nicht umsetzbar oder scheitert an Personalmangel, keine Ahnung. War ja nur ne Idee :-)

        Liebe Grüße,
        Conny

  2. Also Fred is schon echt ein ausgewachsenes Kollegenschwein, oder?
    Und schön, dass Blondie hier sogar zu was gut war und wenn es Wilma-Überwachung war :)

  3. Was mich immer wieder verblüfft, ist das geniale Langzeitgedächtnis mancher Assistenten, die noch genau wissen, dass sie es waren, die an diesem oder jenem Feiertag Dienst geschoben haben. Vor drei Jahren! Nee, nee …. Dienstplan ist Krieg!

    • Glaub mir, ich weiss JEDEN VERDAMMTEN Feiertag, den ich in der Klinik verbracht habe, ich schwöre!

  4. Um welche Dienste geht es denn?? Geht ihr denn nicht normalerweise auch 5 oder 6 Tage die Woche??

    • Wie meinst du das mit den 5 oder 6 Tagen? Wir arbeiten 5 Tage die Woche und am Wochenende gibt es 2×24 Stunden Dienste.

      • na weil das so klingt das einer 7 Dienste übernimmt- der Monat hat aber viel mehr Arbeitstage?

  5. Was mich immer am meisten genervt hat, waren die Kollegen, die unbedingt nur an bestimmten Tagen konnten und alle mussten Rücksicht nehmen – und dann das lamentieren anfingen, wenn man an seinem eigenen Geburtstag eventuell keine Nacht machen wollte. Grumpf. Egoistenpack. Dienstpläne machen ist die Hölle – kaum etwas vermisse ich so wenig!

  6. bei uns gabs eine die statistik geführt hat wer wieviele donnerstage, freitage etc hat…damit die mittwochsdienst-Klopperei ein ende hatte (mittwoche waren immer die ruhigsten dienste*g*) und am stadtfest wollte nie einer, weil da die ganzen besoffenen reinkamen und einem die Bude vollk***.

    Daher hieß es dann zu Dienstplanbeginn immer: du hast zuwenig freitage und schwupps hatte man die nächsten 3 an der Backe*g*

  7. Ja, Dienstpläne schreiben ist eine undankbare Aufgabe. Wir mussten in unserer Heim-Einrichtung jedes zweite Wochenende arbeiten und bekamen dafür in der Woche frei. An den Feiertagen wechselten wir uns ab. Eigentlich hatten wir weniger Probleme mit unseren Plänen, weil es immer jemanden gab, der mit dem Früh-, Spät-, oder Bereitschaftnachtdienst zufrieden war.
    Meine Lieblingskombination war Spätschicht, Nachbereitschaft m. Ü. und dann den Frühdienst.

    ~Anja~

  8. …ihre Kunstgriffel generalüberholen lassen Herrlich ;-D

    Aber mal ernsthaft. Unter Kunstgriffel stelle ich mir gerade irgendetwas zwischen künstlichem French-Look und überdimensionalen Krallen mit bunten Abziehbildchen vor. Sollte so etwas in der Geburtshife per se nicht verboten sein???

    • sowas ist theoretisch (jedenfalls bei uns, wo ich praktikum mache) im ganzen krankenhaus verboten, weils ein riesen infektionsrisiko darstellt.

      • Okay… meine Jahre in Kliniken sind längst Vergangenheit – ergo kann ich da nicht wirklich mitreden.

        Mal schauen… vielleicht kommt ja noch etwas von Dr. Josefine bezügl. der Kunstgriffel…

    • Kommt vermutlich auf die Länge an, also die der Fingernägel.
      Schwägerin lässt ihre auch alle 4 Wochen neu machen, recht kurz aber alles künstlich.
      Meist zartrosa lackiert, aber inklusive 2 Glitzersteinchen…

      • kommt wahrscheinlich auch immer drauf an, was fuer nen rang man in der klinik hat. mir wurde gesagt ich soll meine fingernaegel komplett kurz haben und darf keinen nagellack (also auch keinen durchsichtigen) verwenden. und der hygieneprofessor hat uns das so erklaert, dass die keime halt haengenbleiben (weil man sich die haende ja auch nicht gezielt unter den fingernaegeln desinfiziert, vor allem nicht jedes mal) und damit steigt das infektionsrisiko.

  9. Achja…. *seufz*.

    Wenn es um den Dienstplan geht, können auch gestandene, erwachsene Leute wieder mit einem Mal auf Kindergartenniveau herab sinken.

    • Da zeigt sich die Qualität des Chefs. Man kann so ein Kindergarten-Rumgezicke auch in 10 Sekunden unterbinden. Dann werden die Dienste ohne Diskussion reihum vergeben und fertig. Alle sind gleichmäßig angefressen, alle haben mal die A*-Karte gezogen. Wer will kann zusätzlich Statistiken führen lassen und bei Härtefällen für Ausgleich sorgen. So ein Krankenhaus ist doch kein Waldorfkindergarten.

  10. Tja dumm gelaufen, Blondie, Bambie und Fred. ;) ;) ;)

    SSKM = selbst schuld, kein Mitleid. ;)

    Josephine, bei dir passt der Dienstplan, trotz Haushalt, trotz Kinder, trotz Chaos soweit.

    VhG

    Andrea

  11. Klingt echt übel und es beruhigt nicht wirklich, dass es solche Leute überall gibt. Manchmal findet man sie im Arbeitsalltag gar nicht (z.B. beim Küchendienst oder anderen unangenehmen Dingen, die halt so anfallen), manchmal sind sie ganz vorne dran, z.B. bei Brückentagen… Aber es sind seltsamerweise immer die selben „Kollegen“.
    Echt anstrengend und man braucht viel innere Ausgeglichenheit oder große Hosentaschen (für die geballten Fäuste ;-) ) um im Arbeitsalltag seine Mitte zu behalten.
    Ich geh dann meine mal suchen…
    LG em

  12. Merkwürdig, bei uns fragt keiner nach ob, wann und wie wir Dienst machen wollen. Der Dienstplan wird fertiggemacht und ausgehangen und bei wirklich wichtigen Terminen kann man ihn dann – nach Absprache – ändern.

    • …so war es bei uns auch. Und bei wem ein wichtiger Termin anstand, durfte im Vorfeld auch schon mal verkünden, dass er an diesem Tag bitte -danke- möglichst nicht eingetragen werden soll.

  13. ha ha ha, absolut klasse *lach*

    das mit den diensten scheint echt ein elend zu sein. meine gute freundin, die oberärzten in der inneren ist (oder heißt das AUF der innern, grübel?), brabbelt auch ganz viel von diensten hier und diensten dort, wenn man sich mit ihr verabreden will. ich bin immer ganz verdattert, wie diese dienste ihr leben dominieren. hartes brot, ehrlich, man muss GERNE arzt sein, oder?

    liebe grüße, katerwolf

  14. hallo josephine,
    ich hätte so gern das passwort, damit ich die netten stories aus dem krs lesen kann… ich werde dann immer zurückversetzt in meine klinikzeit (bin hebamme in elternzeit und sonst freiberuflich unterwegs) und ich hab schon so gelacht!
    lieben gruß
    anna

  15. Du hast echt meinen vollsten Respekt, wie du alles unter einen Hut bringst!
    Fred hätte ich aber mal ganz spontan doch die ekeligsten Dienst abgedrückt wo gibt! Drum drücken geht ja mal gar net – dass hab ich im RD schon gehasst. Klar – keiner mag die Hassdienste gern machen, aber „bluten“ muss doch mal jeder.

    Grüße, die Jette :)

  16. Das kenne ich leider nur allzu gut. Und die jüngsten Kollegen haben meist immer die größten Ansprüche.
    Schön war bei unserer letzten Dienstplanbesprechung auch: Nach einer Stunde hauen und stechen atmen wir alle erleichtert auf, weil Dienstplan ist endlich fertig und sogar alle Wünsche berücksichtigt! Da fällt der neuesten Kollegin ein, daß sie ja an dem WE gar nicht arbeiten kann, weil Urlaub eingereicht. Himmel Arsch und Zwirn, alles von vorne :(

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