Hier bin ich und hier will ich sein!

Es gibt Situationen, Momente, Augenblicke, die sind einzigartig! Großartig! Wunderbar mitzuerleben. Sicher – Hochzeiten, Taufen, Geburten, Liebe auf den ersten Blick… – doch das mein ich noch nicht einmal. Es geht um die kleinen Momente des Alltags, wenn alles um einen herum so absolut stimmig ist, das man vor Freude fast geneigt ist, ein wenig herumzujauchzen.

Der perfekte OP-Tag zum Beispiel, wenn frühmorgens schon dein Lieblingsteam die erste Laola gibt, weil du den iPod mit der richtigen Mukke dabei hast, vorher noch schnell die Prä-OP-Tasse Kaffee mit dem anästhesistischen Oberarzt, der noch persönlich miterlebt hat, wie Scarlett O´Hara in wagenradgroßen Taftröcken anno 1860 über die Kriegsschauplätze von Atlanta watete, und anschließend: entspanntes operieren mit dem Lieblingschef. Wenn letzterer dann mal wieder völlig entfesselt und absolut bewegungsletharg zu einem alten Abba-Song abhottet, während du liebevoll die letzte Hautnaht setzt – und anschließend brüderlich seine Schokoladenration unter allen mitwirkenden verteilt – DANN ist alles klar, DANN war das ein schöner Tag!

Auch immer wieder gern genommen – Dienstnächte. Die unruhigen mag ich tatsächlich am liebsten, gerne zwei oder mehr-Gebärende hintereinander weg, dazwischen ein bisschen Ambulanz, kurzer Tratsch mit der Nachtschwester von Station 8B und die obligatorische Gute-Nacht-Cola mit Dr. Gammel (Chirurg. Nette Sorte). Wenn es im Kreißsaalstützpunkt richtig gemütlich, weil brechend voll wird, denn jede Hebamme hat mindestens ein Laptop dabei, außerdem Essen in rauhen Mengen, Kissen Keks und Klatsch-Journale. Und all das untermalt von monotonem CTG-TockTock in Stereo-Dolby-Sourround – mal ernsthaft, wer will da schon zuhause schlafen? ICH NICHT!!!

Ich liebe Feiertage in der Klinik, hauptsächlich die großen Geschichten: Weihnachten, Silvester, sowas eben. Mag es an den bunten Lichtern, den KitschEngeln am KitschKunstWeihnachtsbaum oder Wham´s in die Jahre gekommenen „Last Christmas“ liegen – in diesen Tagen sind durch die Bank weg alle ein bisschen weich gespült. Runter reguliert. Und so gibt es morgens statt des täglichen Einheits-Gemotzes vom OberDrachen erstmal Semmeln mit Wurst und Käse, Ei und SchokoWeihnachtsmänner. Anschließend rollt der VisiteKonvoi schwerfällig und glänzend gelaunt über die wenigen Patienten hinweg, die entweder zu krank oder zu frisch entbunden zum heimgehen sind. Und danach trifft man sich in froher Runde zum zweiten Gang. Ach, könnte es doch immer so sein…

Das schöne an diesen besonderen Tagen: man kann sie nicht vorbestellen. Unverhofft fliegen sie dich an, und häufig gerade dann, wenn du sie am wenigsten erwartest, aber am nötigsten hast. Und dann sitz ich da und denke: „Niemals und auf gar keinen Fall im Leben nicht möchte ich irgendwo anders arbeiten als genau an dieser Stelle hier. Und wenn ich noch bis zur Rente Feiertage und Wochenenden opfern muß, dann sei es drum. Hier bin ich und hier will ich sein.

Mei, ist DAS schön… :)

Advertisements

30 Kommentare zu “Hier bin ich und hier will ich sein!

  1. Schön, daß Dein Tag schön war. Ich hoffe, er war heute auch schön Freut mich wirklich. Haben alle in der KLinik verdient.

    Ich hoffe, daß wir die nächste OP an einem solch schönen Tag haben werden und mir alle Ärzte entspannt erzählen, wie gut alles verlaufen ist, sich keine Schrauben durch Geisterhand lösen, sich Knochen nicht verschieben und mein Kind vielleicht das linke Bein doch noch wieder gebrauchen kann.

    Ist viel schöner zu hören als nur: Normalerweise passiert sowas nicht.

    Ich kann mir unseren Neuroorthopäden zwar beim besten Willen nicht nach Abba abhottend vorstellen, aber alles was den Ärzten an diesem Tag gut tut werden ich unseren Ärzten und allen Ärzten wünschen.

    Liebe Grüße

  2. Du hast Recht, so richtig schön-knackige Dienste, in denen in der Ambulanz der Bär tobt, die sind was Feines. Vor allem, wenn man nachher die eine oder andere Geschichte brühwarm weitererzählen oder bloggen kann.
    Und wenn man nach so einem Dienst schlaflos-euphorisiert nach Hause gehen und in sein Bettchen fallen kann.
    Denn ein Arbeitstag nach so einem Dienst – das ist die echte Hölle, und das kann einem auch den Spaß am Dienst verleiden.

  3. ich will auch wieder Gyn-Dienste mit richtig viel Kreißsaal! *sehnsüchtig guck*

    (bei uns im Haus machen die „Großen“ den Gyn-Dienst allein als Ruf-Bereitschaft – und wir Kleinen helfen den Chirurgen, indem wir chirurgische Hausdienste schieben…auch manchmal lustig, aber Kreißsaal ist um Welten besser!)

  4. hach, das hört sich nach zufrieden und glücklich an. und vorallem ist es schön, dass du auch an den stressigen tagen deine freude haben kannst.
    danke für den kurzen – und soifzigen – blick hinter die kulissen ;)
    alles liebe und einen schöntag dir

  5. Mögen die Umstände/Kollegen/Bezahlung/Globalstimmung sich noch recht lange halten! Wir genießen mit :-)

  6. Danke liebe Chaosheldin für diesen schönen Beitrag.. habe es meinem „kranken Radiologen-Mann“ kurz vorgelesen und wir haben beide sehr geschmunzelt.. wir finden das auch schön und sind genau so gerne Ärzte wie Du! Mei, haben wirs schön! DANKE an dieser Stelle mal wieder, wir haben nen riesen Spass mit Deinem Blog! ;-)

  7. Du sprichst mir aus der Seele :) :)
    Genau so gehts mir auch!!!!!!!!
    Und mit keinem möchte ich tauschen.
    Ich liebe deinen Blog!!!

  8. So sollte es immer sein.

    Aber wahrscheinlich sind das die Leckerli, die dann immer kommen, wenn man schon wieder die Nase voll hat. Aber schön mitzulesen ;)

  9. haaaach… ja ich liebe solche dienste auch. und genau deshalb arbeite ich auch gern an großen feiertagen. da sind irgendwie alle so… zufrieden.

    mit dem vorletzten absatz hast mich jetzt richtig in weihnachtsstimmung versetzt… hihi. etwas früh, aber was solls, bald kann man eh schon die nikolos im supermarkt kaufen.

  10. Jaaaa….Krankenhaus kann so schön sein. Ich war da auch immer gern -wenn nicht diese blöden Dienste…wobei ich eben nicht den Status erreicht hatte, wo die wirklich anfangen, Spaß machen, weil man fachlich fest im Sattel sitzt. Als „Aushilfspädiater“ zum Beispiel grauste es mir immer fürchterlich, wenn der Piper ging und ich die Nummer des Kreißsaal erblickte („wir machen jetzt ’ne Notsectio, 26. SSW“)…und mein Hintergrund (natürlich sofort alarmiert) kam und kam nicht…das Kind hatte es trotz meiner Wenigkeit ohne Hirnschaden überlebt. Das war mein Ritterschlag in der Pädiatrie! Aber mir grauste weiter vor jedem Dienst.

  11. Ich liebe auch die Großen Feiertage speziell in der Psychiatrie. Bemerkenswert ist, daß die Patienten an solchen Tagen so normal sind….-bis auf die Neuankömmlinge. Es liegt dann so eine Ruhe im Haus und mit meinem viel zu langen Kittel fühle ich mich wie ein Friedensengel ;-)

  12. Ja, ja, ja, solche Dienste sind super und am Ende steht man noch mit einem leicht debielem grinsen da und denkt sich toll, dafür werde ich auch noch bezahlt.

  13. Oh, wie viel zu schön du das geschrieben hast! Ab jetzt lese ich mit, du bist vielleicht der erste deutsche Blog, den ich gefunden habe und lesen will! Herzlichen Glückwunsch! :)

  14. ich wollte „nur“ mitteilen, daß ich auf umwegen auch hier im tb gelandet bin und seit einigen tagen sehr amüsiert mitlese!

  15. Mein erster Feiertagsdienst wird dieses Jahr Silvester sein… und ich bin schon sehr gespannt. Immerhin kann man dann das Feuerwerk aus dem obersten Stock begucken und mit den Schwestern anstoßen :) .

    Andersrum argwöhne ich, dass mindenstens drei Alkoholintoxikationen kommen… oder noch mehr. Das schmälert meine Freude ein wenig… aber mal schauen, wir sind ja optimistisch.

  16. *gg* die vorstellung von einem chirurgen, der bei der op zu abba abhottet *gg*.

    hey, hätt ich das nicht VOR meiner op wissen können?

    liebe grüße und schön, dass du deinen job so magst :lol:
    katerwolf

    • …GENAU!!!! Is nämlich auch ’ne Variante! Wollt ich bloß mal unterstrichen haben. Nicht dass man aufgrund von Josephines Artikel meint, so richtig schön wär’s nur auf Arbeit!!!! (*fg*)

  17. Pingback: glückliche Ärzte « Medizynicus Arzt Blog

  18. Pingback: Freelancer « Hammer oder Spritze?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s