Der Mörder war immer der Gynäkologe…

Im Gefolge meines letzten Posts (I. Teil) entspann sich ein reger Schlagabtausch zum Thema „Einleitung vs. Abwarten“ und alles, was zur selbstbestimmten Schwangerschaft gehört.

Ich wiederhole es gerne immer und immer wieder, ich gehöre unbedingt zur Anhängerschaft natürlicher Spontanentbindung, gerne homöopathisch/alternativmedizinisch unterstützt, von mir aus auch im Geburtshaus oder ganz daheim. Ich bin der Überzeugung, daß 30% aller PDAs und mindestens 50% aller Sectiones völlig unnötig sind, außerdem wird bei mir weder routinemäßig geschnitten noch kristellert, noch via Zange oder Glocke entbunden.

Schwangerschaft ist ein Zustand und keine Krankheit, meine Frauen dürfen – solange alles in Ordnung ist – arbeiten, Sport treiben, ihre „großen“ Kinder heben und auch sonst machen, was sie möchten. Die Tendenz in Deutschland (und bei vielen Frauen), Schwangere am besten ab Woche 5 nach Empfängnis in Watte, bzw. ins Bett zu packen ist mir extrem fremd, aber gut, so wird es hier nun einmal gehandhabt.

Ich hatte kürzlich eine Frau, die im Rahmen ihrer Schwangerschaft fast alles abgelehnt hat – keine Ultraschalluntersuchungen, Vorsorge bis auf wenige Ausnahmen ausschließlich über die Hebamme, keine Routine-Antibiose bei ß-hämolysierenden Streptokokken der Mutter und auf gar keinem Fall PDA oder DauerRoutineCTG-Überwachung unter der Geburt. Die Gute war tough, super informiert und stand einfach hinter dem, was sie wollte. Das war keine „ich mach das abba wie ich will“-Einstellung, sondern Überzeugung. Und von vorne herein war klar, wenn irgendetwas schädlich fürs Kind sein würde, hätte sie interveniert.

Alle Hebammen, Schwestern und Kollegen sind Amok gelaufen und ich hab mir wirklich heftig Gegenwind abgeholt, aber ich fand, die Frau hatte ein Recht auf ihr Vorgehen.

Aaaaaaaaaaaaber es geht auch anders – da gab es z.B. diese fanatische 6.-Gebärende, die per se zu GAR KEINER Vorsorge ging, alles ablehnte, was nur annähernd medizinisch angehaucht war und sich noch nicht einmal von der Hebamme irgendwo reinreden ließ. Ihr Totschlagargument: „Ich hab schon 5 Kinder bekommen, ich kann das und brauch euch nicht!“

Am 18. Tag nach errechnetem Entbindungstermin kam sie – widerwillig und in höchster Abwehrhaltung – dennoch bei uns an, denn die Hebamme hatte ihr eine Woche zuvor erklärt, sie lehnte alle weitere Verantwortung ab, wenn die Frau sich nicht umgehend in der Klinik vorzustellen gedächte. Als die Gute sich nach einer Woche ohne Wehentätigkeit dann doch dazu durchringen konnte, bei uns aufzulaufen war das Kind – man ahnt es schon – TOT! Und DANN war das Geschrei plötzlich groß! KEINER hatte ihr gesagt, daß das gefährlich sei mit der Terminüberschreitung und WENN sie das gewußt hätte WÄRE sie auf alle Fälle – Rhabarber, blabla. Bringt dem Kind im Nachhinein leider auch nichts mehr.

Oder wie viele Frauen erzählen „die wollten unbedingt, daß ich einen Kaiserschnitt machen lasse, weil mein Kind so groß ist – und dann kam es doch so, ätschibätschi!“

Das ist ja toll, wenn es so kommt, aber rein rechtlich sind wir ab 4500g-Schätzungen VERPFLICHTET, die Frau über die Möglichkeit der Schulterdystokie (=Schulter bleibt im Geburtskanal stecken) aufzuklären. UND ich muß ihr sagen, daß die Entbindung durch Kaiserschnitt in solch einem Fall durchaus angebracht sein kann. Ja, etliche Kinder kommen zur Welt und sind deutlich kleiner (manchmal auch größer) als geschätzt – aber viele Mütter hören auch gar nicht zu, wenn wir ihnen sagen „Das Ultraschallgerät ist keine Waage – wir können das Gewicht ihres Kindes nur SCHÄTZEN, und den Messungen sind nunmal Grenzen gesetzt – gerade in der Endphase der Schwangerschaft!“

Ich kann nicht 4500 g messen und dann denken „wird schon nicht so schwer sein“ – also NICHT aufklären. Steckt die Schulter, bin ich dran!

Wenn eine Frau ihre Vorstellungen hat, WIE eine Geburt ablaufen soll, das sie so und so entbinden möchte, außerdem 15 Tage nach Termin und am Ende geht alles gut, DANN kann sie schön erzählen „ICH hab gleich gewußt, daß alles gut geht und ICH hab die richtige Wahl getroffen“

Geht es schief, heißt es „Der Gyn hat Mist gebaut, DER ist doch der Fachmann, DER hätte es besser wissen müssen!!!“

Geburtshilfe ist Risikogeschäft, unberechenbarer als Roulette und nervenaufreibender als Bomben entschärfen. Denn wenn es EINMAL schief geht, hast du ein Kind auf dem Gewissen. Und das Schicksal einer ganzen Familie. Glaubt ihr wirklich, wir tun uns leicht damit??? NICHT_WIRKLICH!!!

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40 Kommentare zu “Der Mörder war immer der Gynäkologe…

  1. Liebe Josephine,

    vielen lieben Dank für Deine klaren Worte! Du sprichst mir, wie schon so oft, einfach aus der Seele!

  2. Die letzten drei Absätze sind doch ein gutes Fazit. Man kann es eben grundsätzlich vielen nicht recht machen, und am Ende ist man sowieso immer schuld… (schreckliche Geschichte mit dem übertragenen, tot Geborenen… das arme Kind). ;-P

    Ich glaube, Gynäkologen sind eine der Untergruppen, die es am schwierigsten haben, eine günstige Versicherung zu bekommen, oder? Besonders wenn’s um Freiberuflichkeit gehen würde. Die Geburtshilfe ist aber ein tolles Fach, so oder so (der Rest der Gyn hat es mir zugegebenermaßen nicht wirklich angetan).

    • Dankeschön!
      Puh, na wenig ist das nicht (aber teilweise verständlich… bei einem unter der Geburt geschädigten Kind z.B. kommen wahrscheinlich beträchtliche Kosten auf den Schadensverursacher zu… außerdem betrifft alles, was das Kind und die Mutter betrifft in der Regel ja die ganze Familie). Natürlich wird das – hoffe ich zumindest – niemanden von seinem „Lieblingsfach“ abhalten. Wer gut und anständig nach bestem Wissen und Gewissen arbeitet, wird ja i.d.R. auch nicht mit Klagen überhäuft werden können. Unvermeidbare „Schadensereignisse“ (also Outcome schlecht unabhängig von der Güte der ärztl. Leistungen) sind eben genau das – unvermeidbar – und enden hoffentlich ohne Ahndung. (Wir sind ja *noch* nicht bei amerikanischen Verhältnissen angelangt.)

      • Hallo, ja i.d.R. wird man nicht mit Klagen überhäuft. Die Schäden an Kindern sind in den letzten Jahren auch nicht gestiegen…nur die Kosten. Die Kläger sind auch meistens nicht die Eltern selber, sondern die Krankenkassen. „Warum braucht ihr Kind Physiotherapie/Ostheopathie/etc.?“ „Warum sind sie mit ihrem kind so oft beim arzt? War da vielleicht was bei der Geburt???!“ Und zack: Klage! Betrifft ja nicht nur die Gyns, auch die Haftpflichtversicherung der Hebammen ist um über 200% gestiegen! Sind zwar noch lange nicht bei solchen Summen, wie die armen Beleger zahlen müssen, aber wir verdienen ja auch nicht so viel.
        Die amerikanischen Verhältnisse werden kommen, schneller als wir denken. Leider. Womit wir wieder bei den neuen Leitlinien wären… klar hat jeder geburtshelfer angst, dass was sein kann und versucht das Risiko immer mehr zu minimieren. Es funktioniert nur nicht immer.
        Vielen Dank für diesen echt tollen Blog
        liebe grüße

    • wo habe ich etwas von homöopathisch unterstützer EINLEITUNG geschrieben? homöopathisch unterstützte SPONTANENTBINDUNG, und ja, da gibt es jede menge zeug… – erst lesen, dann meckern. und wann warum wie und wo eingeleitet werden muss, haben wir jetzt doch wirklich schon bis zum erbrechen durchgenudelt…

      • Naja, aber ich frag mich immer, wieso man das dann „homöopatisch“ nennen muss – letztlich kann man dann ja auch ein Placebo geben.

    • @martin
      dann frag ich mich warum homöopathie bei meinem hund funktioniert und das nicht zum ersten mal

  3. Vielen Dank für die klaren Worte.

    Trotz meiner durchaus vorhandenen Vorbehalte gegenüber mancher schulmedizinischer Methoden und Vorgehensweisen, finde ich es extrem interessant, mal die andere Seite zu hören und ich finde, das ist in diesem Beitrag sehr gut gelungen und lässt mich so manches anders sehen.

    Ok, ich bin jetzt mit der Geburtskiste soweit durch *g*, aber ich finde den Beitrag trotzdem klasse und das wollte ich mal gesagt haben…

  4. Danke !!
    Und ich hab mich wohl bei meinem Kommentar etwas unklar ausgedrückt… wollte auf keinen Fall den Eindruck erwecken, dass mir was aufgezwungen wurde was ich nicht wollte – es ist mir nach 2 Geburten nur inzwischen klar, dass ich nicht mehr zu allem ja und amen sagen würde was mir so „angeboten“ wird.
    Zum Beispiel würde ich niemals eine Hausgeburt in Betracht ziehen – ich brauch die Sicherheit einer Neonatologie und eines guten Teams im Hintergrund :-) (dazu hab ich einfach zu oft in den Pschyrembel etc. reingelesen..)

  5. Ist denn nicht immer der Fachmann der schuldige?
    Ich glaube, dass ist irgendwo auch ‚typisch Deutsch‘ erstmal ‚Ätschi, ich mach alles so, wie ich will!‘ und dann ‚Aber du bist das Schuld!‘ ;)
    Das machen wir ja schon im Sandkasten so?
    Trotzdem haben Sie wohl recht, – die A-Karte wird einem dann unfair untergejubelt.

  6. Ja, es gibt ja leider immer wieder Leute, die viel besser wissen, wie man seinen eigenen Job machen müsste, auch wenn die überhaupt keinen Plan von der Materie haben.

    Nervig. Und in deinem Berufsfeld lebensgefährlich!

  7. Ährlisch?? Ich möchte kein Geburtshelfer sein. Das Pflaster ist mir zu heiß. Da steht man doch mit einem Bein immer vor dem Richter…

    Wobei wir Allgemeinmediziner -was die Haftpflichtvesicherung betrifft- die zweithöchsten Beiträge haben. Bei uns geht es vorwiegend um Unterlassung und damit evtl. Nichterkennung einer Krankheit und mgl. Folgen, während bei den Gynäkophagen die Art des Schadens (kindliche Hirnschädigung -schwerwiegende Auswirkung auf das gesamte weitere Leben) für die hohen Beiträge verantwortlich ist.

  8. Hallloo :)
    Ich liebe deinen Blog :) Ich bin Gesundheits- und Krankenepflegerschülerin (Krankenschwester-Schülerin) im Mittelkurs (2. Ausbildungsjahr) und ich finde es extrem cool was du hier schreibst :) Zur Zeit bin ich auf Gyn und finde deinen Blog höchst interessant :)
    Lg
    Miriam

  9. Hallo Josephine, Entschuldigung für meine ungenauigkeit Spontanentbindung vs. Einleitung.

    Aber auch die homöopathisch unterstützte Spontanentbindung hat nichts mit „natürlichkeit“ zu tun. Denn Homöopathie selbst ist nicht „natürlich“ neben Natursubstanzen wird dort alles verwendet, was man irgendwie verarbeiten kann.

    So finden sich in Gängigen Homöopathielisten Medikamente wie Exkrementum Kanium, Nix, Sol Brittanica, Ignis aber auch Arsenicum, Mercurium etc. Oftmals (eigentlich meistens) in einer Potenzierung (oder vulgo „Verdünnung“), daß in dem ganzen Medikament kein einziges Molekül des Wirkstoffes mehr enthalten ist.

    Da kann man jetzt vielleicht sagen (und das tut man in der Homöopathie), daß sich das Wasser daran erinnert. Wobei Unjklar ist, wie das Wasser die Erinnerungen an die Stoffe vergisst, mit denen es vorher in Kontakt gekommen ist, oder die Erinnerungen an die Verunreinigungen, mit denen es während der Produktion in Kontakt kommt.

    Ebenso widerspricht ein Medikament eigentlich der Homöopathischen Philosophie, da eine Schwangerschaft per se keine Krankheit ist. Von daher fehlt es schon einer entsprechenden Arzneimittelprüfung, bei denen eine Arznei bei einem „gesunden“ (=nicht schwangerem) Menschen entsprechende Symptome auslöst, die sich auf eine Schwangere bei der Entbindung übertragen lassen.

    Ich bezweifle nicht, daß es viele homöopathische Medikamente gibt, die für diesen Zweck angeboten werden, ich bezweifle aber ganz klar, daß diese sowohl aus der Sicht der EBM nocht im System der Homöopathie selbst Sinnvoll sind, abgesehen für eine beruhigende Wirkung für die Gebährende.

  10. Hach ja. Die Geburt meines zweiten Kindes war eingeleitet am ET wegen beharrlich steigenden Blutdrucks etc meinerseits zum Ende der Schwangerschaft hin. Gynäkologe ratlos („Sieht aus wie Gestose, aber die fängt nie so spät an“), Ärztin im Krankenhaus ärgerlich auf Gyn („Ja, super, die niedergelassenen Ärzte – wenn’s problematisch wird, schicken sie uns die Patienten und sind aus dem Schneider!“) wollte lieber kein Risiko eingehen und bot Einleitung an. Hebamme fand das übertrieben. Ich hatte ein dringliches bitte-sofort-raus-mit-dem-Kind-Gefühl, das ich in der ersten Schwangerschaft trotz deutlichen Überziehens nicht hatte… also Einleitung und das Kind purzelte dann, etwas dünn für seine Länge mit dickem Knoten in der Nabelschnur hinaus. Da war ich doch froh über die nicht besonders risikobereite Ärztin…

  11. Ich verstehe auch vielfach so eigensinnige Pat. nicht. Ich laber dem Handwerksmeister doch auch nicht rein wie er seine Mauer hochzieht und ob er dabei eine Wasserwaage benutzt oder nicht.

    OK, Vergleich Kind = Wasserwaage hinkt, weiss ich. :D

  12. Sehr schöner Beitrag. Ich hab vier Kinder geboren und wünsche mir ein weiteres. Aber schon jetzt weiß ich genau, die Geburt wird ein hartes Thema.
    Mein drittes Kind wog 4510g und das war vorher nicht so eingeschätzt worden, groß ja, aber so groß? K1 3820 und K2 3920g, Alles ging gut, die Geburt war ein Traum bei ET+9, kurz vor der Einleitung, dauerte keine 4 Stunden (das war übrigens neu). Dann kam der Tag in der 40. SSW beim vierten Spross der durch „ausgeleierte Gebärmutter“ herumwuselte, mal lag er quer, dann wieder BEL, man leitete ein, er kam dann aber erst als wir wieder auf dem Weg nach Hause waren und der Versuch gescheitert war. Nachts wieder in der Klinik unter der Geburt blieb er stecken und mit einem Manöver war er rasch draußen, alles gut gegangen, trotz bloß 4220g. Aber was ich mich frage (ich habe einen Geburtshilfespleen und meine Schwiegermutter ist Hebamme), wie wahrscheinlich es wohl ist bei einem fünften Kind, dass sich die Nabelschnur bei all dem Gewusel gefährlich verwickelt und abgeknickt wird und wie hoch ist die Gefahr, dass ein Kind wieder stecken bleibt? Ich fänd eine Hausgeburt toll, aber die Realität sieht wohl so aus, dass ich erst nach Absprache mit Ärzten und Hebammen entscheiden werde könne wann und wie das Kind komme könnte. Nie käme ich auf die Idee etwas leichtfertig zu entscheiden. Es ist ein ganz heißes Pflaster. Es geht um zwei (oder mehr) Menschenleben. Ich mache es mir als Mutter nicht leicht und denke nicht, dass Ärzte und Geburtshelfer das tun.

  13. Wer auf „Teufel komm raus“ nicht will, dem ist nicht mehr zu helfen. Anderswo ist es ähnlich:
    Wenns mit dem Abnehmen, oder Blutzuckereinstellung usw. nicht klappt, ist ja auch die Methode, der Schokoriegelhersteller, der Arzt und die Ernährungsberaterin schuld, aber nie der Patient selber….
    Wird Zeit, dass sich dies in der Gesellschaft ändert!

  14. Toll wie du es schaffst ein Thema so deutlich von zwei Seiten zu beleuchten und damit deutlich zu machen, dass es keine „Persil“-Aussagen dazu gibt was das Richtige ist.

    Ich bin eine Frau ohne Prinzipien, da ich der Meinung bin, jedes Problem verdient seine eigene Betrachtung und Entscheidung.

    Ich finde du gehst mit deiner Verantwortung als Ärztin wirklich verantwortungsvoll um und ich glaube dass ist heute seltener geworden, denn oft haben Ärzte glaube ich gar nicht mehr die Zeit sich allem mit dieser Intensität zu widmen…

    Weiter so!!

  15. Kein Antibiotikum bei positivem Streptokokken B-Test ist aber sehr heikel oder? Ich war bei Geburt Nr. 2 froh, dass ich gerade noch rechtzeitig im Kreißsaal war, damit das noch durchlaufen konnte (45 Minuten vom CTG-Anlegen bis Kind da). Hätte ich mir da gar nicht solche Sorgen machen müssen, dass sie es nicht mehr schaffen, mir das zu verabreichen?

  16. Zum Thema „Ultraschall ist keine Waage“ … einen Artikel zum Thema Ultraschall fände ich mal sehr schön. Ich hatte nämlich die schlimmsten 4 Tage meines Lebens wegen einem Vollhorst in der Klinik, der mich nach einer völlig unauffälligen Bilderbuchschwangerschaft in Woche 34 geschallt hat und fand, der Femur sei ja etwas sehr kurz, ob ich denn Pränataldiagnostik gemacht hätte. Ich in Gedanken „Hä?“ geantwortet „Nö, nur 12.-Woche-Screening“. Wo ich das denn gemacht hätte? Da und da. „Aha, mhm, soso“. Hab mir erst nichts dabei gedacht, zuhause aber dann Google angeschmissen und festgestellt, dass das Verhältnis Kopfumfang zu Oberschenkellänge ein Softmarker für allerlei katastrophale Behinderungen ist, von denen Trisomie21 noch die harmloseste gewesen wäre. Und der Kopfumfang war ab dem 2. Trimester immer so am 95er Perzentil gewesen. Hab mich dann über das Wochenende so reingesteigert in die ganze Sache dass ich überzeugt war, ein schwer behindertes Kind zu bekommen und froh sein könnte, wenn es nur das Down-Syndrom hätte. Bis ich dann am Montag zum regulären Termin zu meiner Gyn bin, die mir erstmal den Kopf gewaschen hat warum ich sie nicht gleich angerufen hätte. Die hat mich dann auch erstmal aufgeklärt wie schwierig es eigentlich ist, solche Dinge zu messen, und was für unterschiedliche Qualifikationen man auf dem Gebiet Ultraschall erwerben kann. Da hab ich dann erst rausgefunden was Degum ist, dass den 22. Woche Ultraschall bei mir ein Degum-III-Schaller gemacht hat und dass es deswegen ein bisschen bekloppt ist, sich davon verunsichern zu lassen, was ein Wald-und-Wiesen-Schaller in der 34. Woche meint.

    Bogen zurück zum Thema … wegen des großen Kopfumfangs wurde mein Kind ja auch auf weit über 4 Kilo geschätzt, raus kam es dann mit ~3500g, also ganz normal, und auch die Kurzbeinigkeit hält sich im Rahmen. Mittlerweile ist sie 18 Monate und ich muss die Hosen in ihrer Größe nicht mal mehr umkrempeln …

    Ich denke ich bin da nicht die einzige die nicht so wirklich im Bilde drüber ist, was man mit Ultraschall alles machen kann … und was nicht.

  17. Thihi da hatte ich ja Glück, weil bei meinem Kind Kopf und Femur immer groß waren. Aber Bauchumfang usw. immer eher mittelmäßig. Es sah am Ende aber ganz normal aus und die Hosen haben wir meist ne Nummer kleiner als die Hemden, weil sonst 1) zu weit und 2) ein Tick zu lang.

  18. Das Thema beschäftigt mich auch sehr.
    Mein erster Sohn kam 10 Tage nach ET und nach Blasensprung spontan auf die Welt (war 2007) – da redete keiner von Einleitung und das obwohl (wer kanns erraten ;-) ) er dann letztendlich am 24.12. zur Welt kam – nun haben wir ein kleines Christkind zu Hause.
    Wieviele Christkinder hast Du denn schon entbunden liebe Heldin?

    Und der zweite Sohn kam nach Einleitung drei Tage nach ET (2009) – leider ahnte keiner wie groß und schwer er war – 4320g und 57 cm und er hat sich bei der Geburt das Schlüsselbein gebrochen. Ich wusste bis dahin gar nicht, dass es soetwas gibt.

    Deswegen auch mal von mir DANKE, denn hier erfährt man viel neues und manchmal ist es ganz gut, seine Meinung zu ändern ;-)

  19. @ Anka: ich hatte 4.580 gr /58 cm beim 2. Kind. Geschätzt war er laut US ein Kilo leichter. Soviel zu „der US ist keine Waage“.. ;-) Möchte nicht wissen, wie unangenehm die Geburt geworden wäre!

  20. Ich hab ja Verständnis dafür, möglichst alles so natürlich, wie möglich ablaufen zu lassen. Aber ich erwarte von einem erfahrenen Geburtshelfer, daß er nicht nur der Natur vertraut -so nach dem Motto: „dringeblieben ist noch kein Kind…“.

    Mein 4.Kind hat sich Ende der 36.SSW mit einem hohen Blasensprung auf den Weg gemacht. Routine ist wohl, 24 Std. in der Klinik abzuwarten, ob die tats. Geburt einsetzt.
    Da ich an einer Wehenschwäche leide und alle Kids (inzwischen 6) mittels Wehentropf bekommen habe, bekam ich bereits nach 12 Stunden eine Tablette gelegt. Am nächsten Tag (= +24 Std) kam ich an den Tropf. Gut, Wehen kamen, aber sonst tat sich nix… also nach 24 Std wieder Tablette legen und am 4. Tag wieder Tropf… Motto des Artzes: „das ist schliesslich das 4. Kind; das kriegen wir auch ohne KS!“
    Nur, daß man am Morgen des 4. Tages schon wusste, daß eine Infektion vorliegt!
    Der Krümel hat es sich schließlich doch noch überlegt und tatsächlich den „Ausgang“ gefunden, aber musste dann natürlich gleich mit Antibiotika behandelt werden.

    Mit 3 Jahren konnte er noch immer nicht sprechen, seine ganze Entwicklung war/ist verzögert. Mit 7 Jahren trug er nachts noch Windel… Heute mit knapp 10 Jahren hat er die emotionale Reife eines Kindergartenkindes, in der Schule bereits eine „Ehrenrunde“ gedreht und steht auf der Kippe, eine Förderschule besuchen zu müssen.

    Für mich steht fest, daß es etwas mit der langen Gebutsdauer + anschließender Infektion zu tun hat. Und ja, bei allem Verständnis mache ich insgeheim dem Doc auch Vorwürfe -weil er eben nicht alles in seiner Macht stehende getan hat.

    Zwar habe habe ich Verständnis für die Einstellung des Doktors, aber nicht für seine fachliche Entscheidung. Anders ausgedrückt: manchmal muss man halt entgegen seiner Wünsche entscheiden. Wenn mir nur ein Antibiotikum helfen kann, muss ich es nehmen, auch wenn ich mich normalerweise lieber mit Kräutertee und Umschlägen kuriere.

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