Geburtseinleitung zum ersten, zweiten – UUUUUND dritten!!! – Teil I

Gestern hatte ich einen klassischen Hattrick-Dienst. Dreimal Einleitung, dreimal miese CTGs, dreimal doch noch gut gegangen.

Es ist 10 Uhr als die ersten beiden Mädels den Kreißsaal betreten. „Datt HäsSchen“ ist unglaubliche 16 Jahre alt (okay – jung!), sieht aus wie Mitte dreißig und hat ein schlecht erzogenes Großmaul in fleckiger Ballonseide im Schlepptau, mit dem sie erstmal eine Rauchen gehen will. Es kostet mich eine halbe Stunde Zeit und jede Menge Überredungskunst, datt HäsSchen von seinem Vorhaben abzubringen, aber schlußendlich zieht meine autoritäre Muttervorstellung ganz gut, und Ballonseiden-Proll schlurft allein mit seiner Schachtel Marlboro in den Raucherhof davon. Mal schauen, ob wir den heute noch einmal zu Gesicht bekommen…

HäsSchen ist ein ziemlich großes, ganz schön überproportioniertes Mädchen, hat die Vorsorgen beim Frauenarzt eher sportlich locker genommen und ist infolgedessen spärlich bis garnicht dort aufgetaucht, was heißt, daß ich jetzt erstmal den kompletten Rundumschlag machen darf – Ultraschall, Anamnese, Aufklärung, etc. pp. Die kleine Wuchtbrumme treibt mich dabei fast in den Wahnsinn – mit gelangweiltem, völlig ausdruckslosen Gesicht flätzt sie auf ihrem Bett herum, kaut gelangweilt an ihren 4cm-grellpinken-Kunstfingernägeln und meint auf mein abschließendes „hast du denn noch irgendwelche Fragen?!“ nur lapidar „Ich muss pissen!“

Oooooookayyyyy – DAS wird garantiert lustig!

Nachdem HäsSchen ihrem Grundbedürfnis nachgekommen und von OsoleMia ans CTG gepackt worden ist („sonne Schei**e – jetzt kannisch garnisch zu meine Alde rauchen gehn, Schei**e, ey…!“) werf ich ihr die erste Dosis Einleitung für Einsteiger ein und wander erleichtert ins nächste Zimmer, wo Olga O., still und schüchtern, schon auf mich wartet.

Olga O. bekommt das dritte Kind mit FrauVonSinnen, ist bis jetzt noch immer über Termin gegangen und wird deshalb – heute genau eine Woche drüber – standesgemäß eingeleitet. Ich bin mir sicher, daß sie die wenigsten Probleme bieten wird – sie ist typisch russisch: ruhig (fast stoisch), geduldig und willig. Nach dem üblichen Aufklärungs-Blabla und Tablette legen kommen wir dann auch schon zu Nummer 3 – IchWillEigentlichEineSectioUndBinNurZufälligHierGelandet – kurz: SectioSuse.

SectioSuse ist eine 25jährige Erstgebärende, die eigentlich gerne spontan entbinden möchte, aber schon jetzt mehr Angst als Vaterlandsliebe hat. Infolgedessen liegt sie nun mit weit aufgerissenen, tränengefüllten Augen vor mir und ich habe ernsthaft Sorge, sie könnte schon dekompensieren, BEVOR ich überhaupt zur Tat geschritten bin. Also setz ich mich ein bisschen zu ihr, tätschel die eiskalte, angstschweißige Hand, laß sie eine Runde weinen, klär stundenlang hin und her und hoch und runter auf, und erst, als ich das Gefühl habe, SectioSuse ist EINIGERMASSEN rekompensiert, werf ich die Einleitungstablette ein.

Leider wird Suse auch die erste sein, die mir quasi um die Ohren fliegt, aber davon später!

Erste Einleitung um 10 Uhr – alles gut, zweite Runde um 14 Uhr – Olga O. weiterhin stoisch, datt HäsSchen hatte Zeit, zwei bis zwanzig Kippen weg zu ziehen und gibt sich vorerst zurückhaltend bis geduldig und selbst SectioSuse hält sich erstaunlich tapfer. Alle Frauen sind noch weitgehend wehenfrei, aber das ist nach der ersten Gabe nicht wirklich außergewöhnlich.

18 Uhr – das dritte Priming muß leider ausfallen, HäsSchen liegt – fluchend wie ein Kanalarbeiter – am CTG und schreit bei jeder (nun doch recht zahlreich auf grün-kariertem Papier erscheinenden) Wehe ihren BallonseideMacker voll:

HäsSchen *schnaufend*: „Du Ar***Gesicht, dämmlackisches, isch heb solsche Schmerze, du kanscht dich die näxte Male voll selber fi**en, datt schwör isch dir!“… *schnauf*

Doch Ar***Gesicht wendet den Blick noch nicht einmal für den Bruchteil einer Sekunde vom Fernseher, sondern grunzt nur unmotiviert irgendetwas unverständliches und präsentiert seiner Liebsten dafür einen nikotingelben, hoch erhobenen Mittelfinger. Es geht doch nichts über eine harmonische Beziehung… *Headshot*

Dagegen das komplette Kontrastprogramm in Olga O.s Zimmer – die junge Frau schaut mich mit den Augen eines angeschossenen Rehs hoffnungslos an. Auf dem CTG-Streifen eine Wehe nach der anderen, bei relativ unverändertem Muttermundsbefund.

Und SectioSuse? Die schreit. Das hohe C im Dauerton. Wahnsinn!!! Sie schreit nach ihrer Mutter, dem lieben Gott, einem Kaiserschnitt und außerdem 1000 anderen Dingen, an die ich mich schon nicht mehr erinnern kann. SectioSuse außer Rand und Band. Ein kurzer Blick zu Soli und die Richtung ist klar – 3 x PDA, bitte, danke – HEUTE ist kein Tag für langes Warten, heute gibt es Anästhesie mit Mengenrabatt.

Keine 10 Minuten später taucht Dr. AnästhesieÖhi auf, ein ewig verschwitzt riechender Öko-Arzt, der rein äußerlich viel besser in einen alten, österreichischen Naturfilm gepasst hätte, jedoch vor ewiger Zeit auf wundersame Weise als Gasmann in unserer Klinik aufgetaucht ist. AnästhesieÖhi ist berüchtigt für sein sonniges Gemüt und die HauWeg-PDAs, welche er den Frauen verpaßt und nach denen sie nichts mehr tun können, als – zugegebenermaßen schmerzfrei – Platsch auf dem Rücken zu liegen. DAS kann ja noch heiter werden…!

Gegen 19 Uhr ist endlich Ruhe eingekehrt, alle Frauen liegen, rhythmisch untermalt vom ständigen „TockTock“ der kindlichen Herztöne, in ihren Zimmern und tun, was man so tut, wenn man auf die Geburt seines Kindes wartet: Datt HäsSchen beschimpft via Handy unflätig irgendeine arme Person, Olga O. betrachtet mit traurigem Blick das Bild an der Wand vor ihrem Bett und SectioSuse spielt frohgelaunt „4 gewinnt“ mit ihrem Mann. Von Sectio keine Rede mehr – alles ist gut!

Bis gegen 20 Uhr das erste CTG schlecht wird. Also – nicht richtig schlecht, aber schon nicht wirklich schön. Irgendwie komisch. Irgendwie riecht das nach Eintritts-CTG. Zur Erklärung an alle nicht-Gynäkologen: Wenn das Köpfchen sich ins Becken einstellt und langsam tiefer rutscht, verändert sich die Herztonfrequenz auf eine ganz bestimmte Art und Weise. Man kann es noch nichtmal wirklich immer beschreiben, d.h. die CTGs sehen jetzt nicht bei allen Frauen GENAU_GLEICH aus, aber wenn man schon ein paar von den Teilen befundet hat, bekommt man den Dreh irgendwann raus. Als auch das zweite und dritte CTG komisch werden, schreite ich zum äußersten – und untersuche einfach mal todesmutig alle Frauen durch. Und sieh an – es ist fast wie im Märchen – ALLE DREI haben exakt denselben Befund: Muttermund 6-7cm, Cervix dickwulstig, vorangehender Teil tief auf Beckeneingang. Whow – DAS ging jetzt ja zackig :) Hat die frühe PDA also doch mal etwas gebracht.

Das Problem ist nur – so richtig schöööön sind die CTGs auch mit diesem Befund nicht. Zumindest kontrollbedürftig. Und was DAS heißt, dürfte mittlerweile auch der letzte Dermatologe wissen: MBU!!! Mikroblutuntersuchung. Man sollte wirklich meinen, ich werde dafür bezahlt, diese Untersuchung permanent anzupreisen. Und vielleicht sollte ich dem alten Saling ja mal die URL zu meinem Blog schicken? Jedenfalls ließ ich alle Mädels in den Kreißsaal umziehen, und begann das Spiel um den richtigen Tropfen kindlichen Blutes. Beim HäsSchen alles prima – komplikationslose Durchführung (trotz unterirdischen Gemeckers seitens der Mutter) und auch Olga O.s ungeborenes Kind konnte problemlos mit dem Siegel „besonders guter pH-Wert“ versehen werden.

Doch dann kam SectioSuse….

——————- To Be Continued ———————–

Advertisements

58 Kommentare zu “Geburtseinleitung zum ersten, zweiten – UUUUUND dritten!!! – Teil I

  1. Ja, echt fies. Nummer 1 und 3 erinnert mich immer daran, was meine Mama (2 Kinder) gesagt hat, wenn Gebärende im Fernsehen rumschreien: Die soll’n sich nicht so haben, das tut zwar weh, aber so schlimm ist es nun auch nicht. Wenn es bei mir mal so weit ist, bin ich gespannt, ob sie recht hatte.

    Liebe Heldin, ich hätte da mal noch eine Frage. Warum werden so viele Geburten standardmäßig eingeleitet, nur weil die Frauen ein paar Tage über Termin sind? Der Termin ist doch nur eine grobe Schätzung anhand der letzten Blutung, oder? Ich kenne genug Frauen, die zwei Wochen eher entbunden haben, dann muß es doch auch welche geben, die zwei Wochen später kommen? Versteh mich nicht falsch, ich weiß, daß es Fälle gibt, wo man einleiten muß. Ich versteh nur nicht, warum man so stur auf dem Termin pocht? Man kann doch nicht alle Schwangeren in einen Topf schmeissen?

    • Das Problem mit der Einleitung ist, das es jetzt eine neue Leitlinie gibt die besagt, das man Frauen ab 7 Tage über Termin über ein deutlich höheres & außerdem täglich steigendes Risiko kindlicher Sterblichkeit aufklären MUSS! Und jetzt rate mal,wieviele Frauen SO freiwillig länger über Termin gehen…?! Wir finden das auch nicht lustig, aber rein rechtlich sind wir zu diesem Vorgehen verpflichtet. 3 Geburten parallel sind jetzt aber nicht so das Problem, das haben wir öfter :)

      • Echt jetzt?
        Seit wann gibt es denn diese Leitlinie? Ist die neuer als, sagen wir mal, 10 Jahre, 4 Monate und 8 Tage?

        Mich hat man nämlich – zwar mit engmaschiger CTG-Kontrolle beim Frauenarzt – volle 14 Tage über den Termin gehen lassen, bis die Geburt eingeleitet wurde (und das Kind dann 2,5 Tage später völlig spontan *hust* geboren wurde…)! Und das, obwohl ich den Empfängnistermin definitiv wusste und einen vorbildlichen 28-Tage-Zyklus habe.

        Von höherer Sterblichkeit hat mir kein Schwein was erzählt…!

      • Also im Mai 2010 hat die dann noch nicht gegolten, kenn nämlich eine Person, die es extakt 2 wochen nach Termin geschafft hat. Da hieß es, alles was über 2 Wochen ist wird eingeleitet, davor nicht.

    • Nummer 1 und 3 erinnert mich immer daran, was meine Mama (2 Kinder) gesagt hat, wenn Gebärende im Fernsehen rumschreien: Die soll’n sich nicht so haben, das tut zwar weh, aber so schlimm ist es nun auch nicht.

      Also ich fand’s mindestens so schlimm. Ich habe mir vorher nicht vorstellen können dass irgendwas so wehtun kann.

      • Wie gesagt, O-Ton Mutti. Auf Nachfrage, WIE weh es denn eigentlich tut, hat sie aber auch gesagt: Stell dir vor, du mußt einen Backstein quer scheißen (sorry). Sie meinte aber auch, daß man sofort die Schmerzen vergißt, wenn der kleine Krümel dann an der Brust liegt.

        Naja, ich werd’s ja hoffentlich irgendwann erfahren.

  2. Herrlich, ich konnte teilweise nicht mehr vor Lachen.

    Du schreibst wirklich genial, mag garnicht glauben, dass Du aus dem medizinischen Bereich kommst.

    Will unbedingt die Fortsetzung…

  3. Au weia, HäsSchens Kind tut mir jetzt schon leid. Kannst du dem Mädel mal erklären, dass die Zigarette danach KEIN zuverlässiges Verhütungsmittel ist?
    Da kann man ja schon mal durcheinander kommen…

  4. „… Und was DAS heißt, dürfte mittlerweile auch der letzte Dermatologe wissen…“

    Dermatologist is Greek for „fake doctor“! (Perry Cox)

  5. Hmm… Kind eins wurde nach 11 Tagen eingeleitet, wurde dann auch leider eine Sectio.. Kind 2 nach 17 Tagen (und nach äußeren Anzeichen nicht über“reif“.. Käseschmiere satt und klares Fruchtwasser). Ich habe mir jedenfalls damals geschworen, dass, wenn ich jemals wieder schwanger werden sollte, dieses Kind kommen kann wann es WILL (solange alles in Ordnung ist, natürlich) und nicht grade weil die Hembamme grade Zeit hat :-)
    Liegt bei uns in der Familie – später hab ich gehört, dass sowohl mein Bruder als auch ich deutlich über dem Termin zur Welt kamen..

    • Hier genauso! Alle Frauen in meiner Familie gehen über Termin, alle Kinder haben über 4000g und alle sind gesund.
      Ich sollte bei beiden Kindern einen KS kriegen, gaaaaanz notwendig, ging nicht anders.
      Hm, komisch das ich zwei absolut komplikationslose Geburten erlebt habe, die zweite Zuhause.
      Ich springe freiwillig in die Schublade mit den völlig überinformierten Frauen die genau wissen was sie wollen und was nicht :-) .

      • klar kann das gutgehen, und wenn frau für alle risiken offen ist, auch super. aber wir sehen nun einmal auch die fälle, in denen es NICHT gut gegangen ist. und dann kommen auch die überinformierten patientinnen mit dem anwalt im schlepptau, sind dann plötzlich nur noch laien und haben das risiko nicht richtig eingeschätzt, bzw. wurden nicht gescheit aufgeklärt. sorry, alles schon erlebt…!

      • Nun, es kommt ja immer auf die Gründe an. Bei meinem ersten Kind:
        – Angst vor der Geburt (die ganz normale Angst einer Erstgebärenden, ein KS macht mir deutlich mehr Angst!)
        – BEL (durch eine äußere Wendung in anderer Klinik ganz schnell geändert – was war mein FA sauer!)
        – Schätzgewicht über 3500g
        – Übertragung (ET war nicht sicher)

        Ich wechselte dann die Klinik, dort sah man keinen Grund für einen KS. Die Geburt war nicht schön, aber meine Wünsche (KS nur im wirklichen Notfall, kein Dammschnitt) wurden respektiert.

        Kind 2:
        – erstes Kind über 4000g, da geht nur KS. Punkt.

        Allerdings muss ich dazu sagen, das ich inzwischen in Spanien lebe. Wie Geburten hier ablaufen glaubt mir kein Mensch.
        Selbstverständlich würde ich in einer Klinik entbinden wenn Probleme absehbar wären, und ich sehe auch ein das der KS eine lebenrettende Massnahme ist. Aber ich sehe nicht ein warum ich mich aufschneiden lassen soll, wenn kein Grund dafür besteht.

      • WANN hast du denn deine kinder bekommen???? das hört sich alles nach frühen 80er jahren an….

      • :-) Siehste. 1999 in Deutschland und 2009 in tiefster spanischer Provinz. Hier wurden Frauen noch vor wenigen Jahren auf ihrer Pritsche fixiert. Heute muss man nur noch in Steinschnittlage liegen. Anders geht nicht. PDA und Wehentropf voll aufgedreht ist Pflicht, ohne kristellern ist noch kein Kind gekommen und jede Geburt dauert 90 Minuten.
        Mutter und Kind sehen sich nach einer Stunde, schliesslich muss das Kind erst gebadet, angezogen, geimpft und vitamingespritzt werden. Mädchen kriegen gleich Ohrringe geschossen, die spüren ja noch nichts.
        Vom stillen hält man auch nichts, da weiss man ja nicht was so drin ist in der Milch.
        Ich habe die Geburt einer fremden Frau live mitbekommen, ich lag am CTG und man schloss nicht mal die Tür. Kein schöner Anblick… Mein Freund war fix und fertig und fand eine Hausgeburt plötzlich ganz toll ;-) .
        Die KS-Rate ist horrend und ich kenne eine Frau die einen vertikalen KS bekommen hat. Gibt es dafür einen nachvollziehbaren Grund? Extrem ungünstige Lage des Kinds, oder so?

      • Sorry, ich bekenne mich ja zu vielem schuldig, aber UNSERE Geburtshilfe mit der spanischen über einen Kamm zu scheren ist schon reichlich – äh, sagen wir mal: unprofessionell…! *hust*
        soll ich dir mal erzählen wie in Afrika entbunden wird?!…

    • also – diese leitlinie ist 2010 erst geändert worden. davor wurde bei uns et+12 eingeleitet. „kind kann kommen wann es will“ hat jetzt leider doch etwas von 3-jährigem-trotz „isch mach was isch will“. denn mal ehrlich – die olle mähr von „wir leiten mal ein weil die hebamme wann anders keinen bock hat – SORRY, aber dann habt ihr die falsche hebamme oder entbindet im falschen haus. denn eine zuverlässige dame dieser gilde würde so etwas NICHT machen!
      fakt ist außerdem: die säuglingssterblichkeit STEIGT bei terminüberschreitung an. kann man gerne in studien nachlesen. und die kinder melden das dann auch nicht vorher an, die sind irgendwann einfach tot. klammheimlich (hatte ich mal bei einer schwangeren 6. gebärenden, et+ 18….)
      klar haben omma trine und tante gerda anno 1850 ihre kinder auch schonmal 4 wochen nach termin bekommen. allerdings gab es damals keine frühultraschalls (anhand derer man den termin doch in etwa einkreisen kann) und die SÄUGLINGSSTERBLICHKEIT war obendrein jenseits von gut und böse!!

      die geburtshelfer bekommen immer für alles mögliche die mütze voll – kind zu früh geholt, kind zu spät geholt, eingeleitet, nicht eingeleitet, sectio gemacht, spontan entbunden. ich bin mir sicher, für keine fachrichtung gibt es mehr fachlaien. und das ist manchmal EXTREM ermüdend…

      wir wollen gerne GESUNDE kinder bekommen, denn zum einen sind wir keine monster, zum anderen ist so eine klage nicht wirklich lustig. warum also sollten wir mutwillig irgendwelchen mist produzieren wollen?!?!

      sorry, aber das thema macht mich echt ein bisschen wild

      • Oh, da hab ich ja was angerichtet.
        Also erstmal, danke für die ausführliche Antwort. Daß die Säuglingssterblichkeit steigt, wußte ich nicht, daher meine Frage. Unter dieser Vorraussetzung verstehe ich die neue Richtlinie, die ja auch mit dem Einverständnis der Patientin umgangen werden kann. Im Zweifelsfall würde ich dann aber auch auf den Arzt oder die Hebamme hören, die haben einfach mehr Erfahrung.

        Was du über die Säuglingssterblichkeit sagst, vergessen in der Tat viele. Jeder, der seine Oma noch erlebt hat, kann viel erzählen, von wegen „damals ging es ja auch“. Die Frauen, die im Kindbett starben oder denen die Säuglinge bei der Geburt starben haben ja nunmal keine Nachkommen, die jetzt ihre Meinung kundtun können.
        Ich finde, die Reduzierung der Kindersterblichkeit ist einer der größten Verdienste der modernen Medizin. Hoffentlich spielt es bald keine Rolle mehr, in welchem Land der Welt eine Frau entbindet.

        So, also, danke an alle, die helfen, gesunde Kinder auf die Welt zu bringen! Und jetzt bin ich auch gespannt auf die Fortsetzung :-)

      • Sicher…. aber wie ich meine beiden Geburten erlebt habe.. ich möchte da gar nicht ins Detail gehen! Und ich hatte beim zweiten Mal eine klasse Hebamme, die immerhin dafür gesorgt hat, dass ich keinen routinemäßigen Kaiserschnitt bekomme sondern spontan gebären konnte.
        Schief gelaufen ist trotzdem einiges, wie schon gesagt, Details lasse ich hier gerne aus, aber nach meinem Gefühl lief die Geburt nur so schrecklich ab, weil ich eigentlich noch gar nicht so weit war (und meine Tochter wohl auch nicht..).
        Und ich komme aus der absoluten Schulmedizin und finde es schrecklich, wenn Patienten ohne Vorbildung irgendwelche Tatsachen aus dem medizinischen Ratgeber der Frauenzeitschrift mitbringen und daher ja auch alles wissen :-)

    • Das habe ich auch gerade gedacht….ich finde es schlimm, das Cliffhanger anscheinend Mode werden…find ich jetzt so gar nicht gut….*g*

  6. Hallo da draussen,

    @FrauVivaldi: Eben, eben :-) das sind ja uebelste
    Bestatterweblog Methoden hier! Ich bin entsetzt!

    Gruss Woody

  7. Super geschrieben! Aber kann man sich daran gewöhnen, solchen Leuten wie Häs’chen&Proll ein armes, unschuldiges Baby mitzugeben oder tut einem das noch in der Seele weh? Das arme Würmchen :(

    Und: 100%- Zustimmung zu Deinen Ausführungen zum Thema Geburt! Was mich super nervt, sind die Frauen, deren Baby durch sectio gerettet wurde und die dennoch ewig dem esoterischen Räucherkerzen–Geburtserlebnis hinterhertrauern! Da brauche ich eine Tischkante (halloo, Dein Baby LEBT! Denk mal über die mögliche Alternative nach..) Da sind aber auch die Hebammen ein Stück weit dran schuld. Das böse Kaiserschnittwort ist ja quasi verbannt aus den Vorbereitungskursen.

    Ich hatte nur sectios (BEL, Gestose, Abbruch eines Einleitungsversuchs wegen beginnender UR), aber ich muss meine kids jetzt keine Knetmännchen durchschneiden lassen (so Sachen werden von Hebammen angeboten, zur Verarbeitung!!), die sind absolut in Ordnung.

    • ach, was ich vorher vergessen habe: viele frauen sind einfach traumatisiert nach kaiserschnitt! Die heulen nicht dem räucherstäbchen nach, sondern der normalen geburt. Nur dürfen die sich eben oft nicht äußern, weil dann eben kommentare kommen, wie: sei doch froh, dein kind lebt! Natürlich sind sie froh, aber trotzdem haben auch diese frauen ein recht darauf, ihre geburt (die für sie eben nicht optimal bzw. normal gelaufen ist) aufzuarbeiten.
      Das mit den knetmännchen erscheint mir jetzt allerdings sehr abstrus, noch nie gehört, find ich persönlich auch übertrieben. Bei guter Betreuung (eben vor allem durch eine hebamme) kann eine mutter eine genauso gute bindung zu ihrem kind aufbauen. Das liegt nicht allein am kaiserschnitt.
      liebe grüße

  8. Heisst HäsSchen’s und Proll’s Kind nu Schakkeline oder Kevin? *ggg*

    Manno, ich hätte jetzt nüscht gegen die Fortsetzung, lieg doch gefangen mit operiertem Kind hier rum.

    Grüsskes

  9. Sehr schöner Schreibstil, bin als frischgebackener Papa förmlich am Text kleben geblieben. Interessant, der Hebamme mal über die Schulter zu schauen.

    In der Fortsetzung bitte noch mehr von dem Ballonseiden-Hannes… :-)

    Hatten bei unserem Krankenhaus in der Babygalerie ein großes dickes Baby mit Namen Ronny-Marvin gesehen, welches auch noch in Deutschland Klamotten und Deutschland-Schnuller gezwängt wurde. Das war unser persönlicher *Head-Shot*

  10. ich lese ja schon ganz lange still mit, und ich muss dir jetzt auch mal ein ganz großes Lob aussprechen.

    Deine Geschichten sind immer so herzerfrischend, und doch informativ, und ich hoffe, wenn ich mal selber „werfe“, dann kann ich mich an deine Beiträge erinnern und bin eine duldsame werdende Mutter und kein HäSchen ;)

  11. Wer entscheidet eigentlich wie eingeleitet wird? Also per Gel oder Tabletten etc? Die Klinik oder der diensthabende Arzt? Bei mir wurde 10 Tage vor ET per Gel eingeleitet und damals dachte ich alle Geburten würden auf diese Art eingeleitet. Anscheinend nicht…

    • es gibt verschiedene faktoren, die letztendlich entscheiden, WIE eingeleitet wird: ist der muttermund schon geburtsreif oder noch bombenfest zu, vor termin, nach termin, wievieltes kind, etc. pp. schlußendlich entscheidet der arzt.

      • Bei meinem Großen musste/sollte auch eingeleitet werden. Damals hat man mir die Wahl gelassen, ob mit Gel oder per Infusion. Letztlich hat es aber nichts gebracht und er kam ET+16 von alleine.

  12. Von Leitlinien abgesehen – ab wann würdest du persönlich denn für eine Einleitung plädieren?
    (Unter der Annahme, dass es dem Kind, so weit von außen zu sagen, gut geht.)

    Ich war damals fast drei Wochen über Termin, als eingeleitet wurde.

    • wenn der termin nachvollziehbar ist, alle sonstigen parameter (ctg, ultraschall, labor, vorgeschichte) in ordnung, kann man unter engmaschiger kontrolle durchaus 12-14 tage über termin gehen. bei mehr als 2 wochen hätte ICH dann allerdings aber auch langsam ein mulmiges gefühl…

      • Gibts eigentlich eine plausible Erklärung, warum so oft Einleitungen nötig sind? Ich meine, von Mutter Natur aus kann ja eigentlich nicht „gewollt“ sein, daß ein hoher Satz eigentlich gesunder Kinder in utero krepiert, nur weil die Geburt einfach nicht losgeht, oder – schlimmer – die Kinder irgendwann nicht mehr durch den Geburtskanal passen. Und bei anderen Säugetierarten ist mir nicht bekannt, daß die Geburt künstlich angeschoben werden müßte – jedenfalls nicht, wenn es sich nicht um ziemlich überzüchtete Haustierrassen handelt, bei denen Größe der Mutter und Größe der Nachkommen im Mißverhältnis stehen.

      • Wenn ich da was fände… die einzige Antwort, die ich in drei Sprachen Wiki gefunden habe, ist hohles Schweigen.
        Und deshalb habe ich mir an jemanden gewandt, der – nein, die kompetent ist in der Thematik.
        Ich kann natürlich auch versuchen, die Chefin der hiesigen Gynäkologie zu interviewen, aber wenn ich die nächstes Mal treffe, ist es ein großes (Geschäfts-)Diner, und da weiß ich nicht, ob sich die Möglichkeit ergibt.

  13. Ich bin eher zufällig hierüber gestolpert , hab überlegt selbst mal mit dem bloggen anzufangen und wollte mir ein paar Anregungen holen. Also das Thema is absolut nicht mein Fall aber das ist ja eher Geschmackssache ansonsten schon ganz gut. Aber ich muss mal eine doofe Frage stellen. Wird nicht immer behauptet Ärzte hätten einen 36 Std Tag und wären im Dauerstress. Wann hast du Zeit all das hier zu schreiben???

    • Ich hab auch drei Kinder. Und einen Mann, Hund, Katze, Pferd. Alles eine Frage der Organisation. Und außerdem schreib ich SUPERschnell! Was machst DU so den ganzen Tag…?!

      • Oh sehr krass, dann musst du ja ein wahres Organitions-Genie sein!
        nein nein, ich merke schon, dass mit dem bloggen ist doch nichts für mich, um gut zu sein muss man quasi schon ne halbe Journalistin sein. Ich treff mich lieber mit meinen Mädels im Café um stundenlang zu quatschen ohne auf die Uhr schauen zu müssen…

  14. @nina:
    jaja, die bösen hebammen. Wir reden sehr wohl im Geb.vorb.kurs über kaiserschnitt, pda, etc! Quasi auch über alle sachen, die eben nicht so schön sind, aber immer und jedem passieren können! Find es echt langsam nervig, dass wir alle über den räucherstäbchenökokamm geschert werden! man kann alternativ sein (und als hebamme sollte man das auch, eben weil wir fürs „normale“ zuständig sind. wird eine schwangerschaft zur krankheit, dann is der arzt dran.
    Der neuen leitlinie stehe ich mit sehr gemischten gefühlen gegenüber. Wie siehts in ein paar jahren aus? Dann wird standardmäßig bei et+5 eingeleitet, dann bei et+3, dann am et und irgendwann werden alle, die nicht mind. eine woche vorher entbunden haben, entweder eingeleitet oder doch besser noch gute zwei wochen vor et sectioniert! Prima! Bin sehr froh, dass es bei uns (in einem randgebiet deutschland, das von anderen auch gerne als hinterland bezeichnet wird) noch nicht so weit gekommen ist. Hier dürfen die Frauen, solang alles in ordnung ist und sie auch geduld haben, noch 14 tage drüber gehn. Allerdings natürlich bei engmaschiger kontrolle. Wenn fw schon deutlich weniger, plazenta auffällig verkalkt dann wird selbstverständlich auch bei uns früher eingeleitet.
    Mein persönlicher rekord als hebamme liegt bei et+18! Kind hatte noch reichlich käseschmiere, fw reichlich und klar.
    Und kinder können, leider Gottes, auch 1 oder 2 wochen vor et sterben. Auch schon alles erlebt, Frau hatte termin zur geplanten Sectio wg. BEL, ein tag vorher noch ctg-kontrolle und AN-Gespräch am nächsten morgen keine herztöne mehr, kind tot. Ursache weiß keiner.
    Liebe grüße
    P.S. wieso hat eigentlich olga o. auch eine pda gekriegt? bei den andern beiden is ja offensichtlich, denen hätt ich die auch verpassen lassen, aber ne drittpara??

    • weil olga o. so verkrampft auf ihr bild an der wand gestarrt hat, daß nix mehr drin war mit entspannung. und die ersten beiden 8pfünder hat sie in russland ohne alles aus sich rausquetschen lassen, die war so starr vor „ich erinner mich noch an jede sekunde“, der muttermund war wie stahlbeton!

    • So ganz ist mir auch nicht klar, warum Hebammen immer alle ueber den Raeucherstaebchenoekokamm geschoren werden. Ein paar ganz „Alternative“ wirds wohl geben, aber das ist ja nicht auf Hebammen beschraenkt. Abgesehen davon: Ich persoenlich kann mit Raeucherstaebchen, Globuli oder sonstwas so gar nichts anfangen. Aber wenn es Schwangere gibt, denen das Sicherheit und Entspannung gibt, warum nicht. Solange klar ist, dass es im Zweifelsfall eben nicht damit getan ist.

  15. Hallo

    ich lese hier heute zum ersten Man und deine Schreibeweise begeistert mich. Ich bin gespannt auf die Fortsetzung. Ich habe meine Hebammen bestimmt auch genervt. Ich habe geflucht, geschrien und meinen Mann beschimpft *g*
    So Schmerzen wie in den Wehen hatte ich niemals zuvor oder danach.
    Allerdings vergisst man ja gemeinerweise so schnell. Als ich mit dem zweiten Kind schwanger war, wußte ich, daß ich beim letzten Mal schlimme Schmerzen hatte, aber war dest davon überzeugt, daß sie soooooo schlimm ja nun auch nicht waren. Als dann die Entbindung am Laufen war, fand ich die Schmerzen irklich nicht so schlimm. Bis……ja bis die Presswehen einsetzten. Ich stand gerade vorm Bett und ließ meinen Kopf aufs Bett krachen und stöhnte nur „Scheiße, nun fällt mir wieder ein, WIE schmerzhaft es ist“ ;)

    Wegen den Hebammen,…es gibt gute und schlechte. Faule und Fleißige, wie in jedem Beruf. Ich bin leider beide Male an eine Hebamme geraten, die meinten, daß man das Kind platsch auf dem Rücken bekommt. Bei Weigerung verließen sie das Zimmer und so mußte ich beide Male auf den Rücken. Das wa sehr schlimm für mich, da ich auf dem Rücken liegend keine Wehen veratmen kann. Die Schmerzen überrollen mich einfach. Schade, daß sie nicht offener waren, für andere Geburtsstellungen. Nächstes Mal wird eben zuhause entbunden ;)

  16. ach ja, was ich noch sagen wollte.

    Auch wenn es für euch Profis manchmal mühsam ist, schon wieder bei Adam und Eva beim Erklären anfangen zu müssen, kann ich euch doch bestätigen, dass es hier auf der anderen seite des Bettes gut ankommt.

    Ich liege grad mit Lungenembolie im Krankenhaus und die einzige Aufklärung die ich im Kopf behalten habe war tatsächlich die von der Ärztin die sich 5 Minuten zu mir gesetzt hat, LANGSAM gesprochen hat, und mir sogar kurz mal über die Hand gestreichelt hat.

    Die 1,5 minuten aufklärung über mein Bluttverdünnungsmittel plus die Thrombose und Thrombosenachsorge ist irgendwie spurlos an mir vorbei gegangen, auch wenn sie der Herr Chefarzt persönlich gemacht hat.

    De facto dauert es vielleicht eine Minute länger, dafür erspart ihr euch vieeellee langweilige und unnötige fragen ;)

  17. @binE: Hach ich wäre gerne bei Deiner ersten Geburt dabei *hämischgrins*…

    Ich habe 3 Kinder und bei allen gebrüllt wie ein Tier (selbst MIT PDA hatte ich noch sa*ische Schmerzen)!!!!

    Also viel Vergnügen.

    • Hach schnuppe, du bist ja gemein ;-)

      Falls ich dran denke, lad ich dich ein und zeig dir, wie sich ein Indianer beherrscht ;-)

      Dann will ich aber ’ne Ärztin wie Heldin im Chaos dabei haben!

  18. Pingback: Der Mörder war immer der Gynäkologe… « Heldin im Chaos

  19. Pingback: Heldin im Chaos « Geologenkinder

  20. Pingback: Neue Assoziationskette

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s