Ich bin gehandicapt – bitte helfen sie mir NICHT…

Per Zufall bin ich gestern über dieses Post gestolpert, und konnte nach durchsicht aller Kommentare nur schwerlich an mich halten. Okay – ich konnte GAR NICHT an mich halten, hab ja auch zweimal geantwortet, aber eigentlich hätte ich gerne noch viel mehr gesagt… *schnaub*

Geärgert hat mich die Auffassung der „Die nette alte Dame wollte doch nur helfen“-Fraktion, Ursprung dieser aufgedrängten Unterstützung sei eine massive Verunsicherung im Umgang mit, bzw. eigene Angst vor Behinderung. Und das doch bitteschön ein paar erklärende Worte seitens des Autors angebracht gewesen wären – WIE er mit seinem Handicap umgeht, WELCHE Möglichkeiten es dafür gibt und überhaupt. Damit der armen Frau ein bisschen die Angst genommen wird. Ich mein – BITTÄ???? Ernsthaft jetzt? Ich schlage freundlich ein Hilfsangebot aus, und wenn der Gegenüber das einfach nicht verstehen will, soll ich zum großen Sermon ansetzen?

„Passen sie mal auf, ich war in der Früh- und Spätreha und da lernt man Bus und Bahn fahren, das geht so und so, und überhaupt kann ich dies und jenes mithilfe dieser und seller Vorrichtungen machen – ach, wollen sie nicht noch eine Runde über ihre persönlichen Ängste und Phobien reden, ich hab gerade ein bisschen Zeit…?!“

Ich muß ja schon berufsbedingt relativ viel zuhören, er- und aufklären. Allein die Vorstellung, auch noch in meiner Freizeit damit weitermachen zu müssen, Aufklärungsarbeit für verschreckte Mitbürger betreiben – nee, kann ich mir nicht wirklich vorstellen. Ich rede SO schon nicht gerne.

Die Frage ist doch auch, ob es nicht tausendundelf andere Möglichkeiten gibt, sich mit seinen persönlichen „blinden Flecken“ zu beschäftigen? Und – wenn es bei einer älteren Dame noch auf diese Art und Weise kompensiert werden muß, ob es dann nicht sowieso schon zu spät ist? Würde ich denn missionieren wollen? Als Rollstuhlfahrer, Blinder, Gehörloser, whatever? NEIN!

Warum ich mich überhaupt als nicht-Betroffene so aufrege? Weil ich mit diesem Thema tagtäglich konfrontiert bin: Krankheit, Tod, Handicap, Leid – alles Dinge, die immer und überall jedem passieren. Und dennoch scheint in den meisten Fällen kein „normaler“ Umgang damit möglich, weil viele Menschen sich gar nicht damit auseinandersetzen WOLLEN. Und wenn diese Leute dann – meist unverhofft – doch mit „so etwas“ konfrontiert werden, weichen sie augenblicklich auf die komischsten Übersprungshandlungen aus.

Waaaah – sowas macht mich echt horstig….

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30 Kommentare zu “Ich bin gehandicapt – bitte helfen sie mir NICHT…

  1. SEHR geiler Post! Ja du hast recht, auch in Sachen Trauer, Tod und Sterben findet man die absurdesten dinge, auf einmal werden angehörige nur noch zweckmäßig berührt oder gar nicht mehr besucht, kinde schieben „schlechte Nachrichten sagen“ auf Ärzte und schwestern, damit sie nicht „ddie Bösen“ sind… vielleicht liegt es daran, dass Menschen generell absurd sind manchmal…

  2. Sehe ich genauso…ab dem Zeitpunkt wo ein klares „nein danke“ ignoriert wird hat das nichts mehr mit Hilfsbereitschaft zu tun…und der alten Damen irgendeine wie auch immer geartete Motivation zu unterstellen ist auch sinnbefreit…
    Fakt ist das es sich einfach nicht gehört sich aufzudrängen, gut gemeint hin oder her.
    Musste selber beim durchlesen einiger Kommentare etwas schlucken..manche Leute sind doch etwas weltfremd…
    Dieses Phänomen ist aber leider nicht nur im Umgang mit Menschen die Handicaps haben zu beobachten.
    Kann ich Dir helfen? Nein,danke!Nun lass mich Dir doch helfen.Nein.Ich will aber…Seufz?!?! Wenn man dann deutlich wird sind die Leute meist noch beleidigt.
    Es gibt Situationen im Leben die man alleine „bewältigen“ möchte…man möchte etwas alleine erledigen…was ist daran so schwer zu verstehen?

  3. Hallo,
    ich habe das alles nur quergelesen.

    Ich bin viel mit meinem Sohn im Rolli unterwegs. Geht das wieder weg, ist der Wunsch nach einer Geschichte mit happy end. Den hat wohl jeder. Aber ein happy end kann das Leben nunmal nicht immer bieten. Das heißt aber nicht, daß „wenn es nicht wieder weg geht“ man nur noch ein Trauerkloßdasein führen kann.

    Das kann man sich als Außenstehender aber selten vorstellen. Ich dachte auch, Eltern von behinderten Kindern können nie wieder glücklich sein. Auch ich mußte nach der Diagnose das erst wieder lernen und es erschien mir unvorstellbar, daß die Sonne mal wieder für meinen Sohn und mich scheint.

    Ich selber gehe offensiv mit der Behinderung um und mach selten schlechte Erfahrungen. Eigentlich nie wirklich.

    Die in dem Post auch zitierte Frau Link ist mir ein paar mal aufgefallen in ihrem Blog, daß sie recht agressiv verlangt und einfordert, wie man mit Behinderten umzugehen habe. Manchmal ist da auch erforderlich, damit diese Belange durchgesetzt werden. Aber ich habe auch das Gefühl, daß die Einstellung, mir wollen alle böses, dann zu sehr den Blickwinkel bestimmt.

    Auch da muß man die Balance für sich finden.

    Aber eine nette Ablehnung eines Hilfsangebots muß dann auch das Ende des Bedrängens sein. Was die Dame sich da geleistet hat, finde ich auch bevormundend.

    Liebe Grüße

  4. In der 5. klasse war eine Blinde in der Parallelklasse, die konnte (fast) alles machen. Was sie nicht selber konnte, hat sie von sich aus gefragt.
    Jetzt im Betrieb ist ein Blinder, der einen Hund immer dabei hat. Er weiß wie was geht, helfen tun wir meist nur indirekt, dass wir eben „Guten Morgen“ „mahlzeit“ etc sagen, wenn man einfach so neben ihm auftaucht mag er es nicht. Ansonsten wird maximal der Hund gesuch, wenn er (der Hund)mal wieder unterwegs durch die Bürogänge ist (ohne Herrchen, meist auf Futtersuche..).
    Ich persönlich frage auf der Straße nur Leute ob ich helfen kann, wenn sie offensichtlich ein Problem haben z.B. Straßenkarte den Weg such, Mütter mit Kinderwagen in den Zug einsteigen bzw Treppen hoch/runter, usw. und ein „nein“ heißt bei mir auch nein, dann geh ich weiter und lass die leute in ruhe.

  5. Boah, danke für diese Einstellung!
    Ich bin auch mal eine ähnliche Diskussion geraten und bin fast verzweilfelt!!!
    Erstmal heißt das für mich „Darf ich helfen?“ oder „Kommste klar?“ je nach Person und wenn ich dann ein „Nein“ bzw. „Ja“ bekomme, dann is auch gut!!!
    Sich dann darüber aufzuregen, daß dieser doch offensichtlich „hilflose“ Mensch sich weigert Hilfe anzunehmen, oder besser noch: Zu verschämt ist, um Hilfe anzunehmen – deshalb darf man ihn dann auch nervtötend alle paar Minuten nochmal anquatschen – ist sooooo aufdringlich und selbstherrlich.
    Die sind nicht blöd, sie haben ein Handicap, mit denen sie meistens besser zurechtkommen, als mancher, der penetrant seine Hilfeleistung anbiedert.

    LG

  6. Es ist wirklich verdammt schwer ein „Nein“ zu akzeptieren…
    Aber oft sind wir uns im Umgang mit behinderten Menschen unsicher: Darf ich den süßen Kerl da vor mir im Rollstuhl angucken? Darf ich ihm sogar in die Augen gucken? Oder muss ich die Augen abwenden und versuchen verzweifelt dran vorbei zu gucken?
    Irgendwie fehlt uns meistens noch ein selbstbewusster Umgang mit dem Thema, man versucht sich ganz klein zu machen und nicht drüber nachzudenken.

    Am schönsten war einer der ersten Kommentare: „Der Mann ist blind, nicht behindert!“
    Ok – was ist deine Version von „behindert“??

  7. Völlig egal um welches Thema es geht… wenn jemand NEIN sagt.. dann ist davon auszugehen, dass er es auch so meint. Alles andere ist eine Art der Vergewaltigung.. um es mal ganz böse zu sagen…

    Ich zeige eine Grenze, die hat keiner zu übertreten. Punkt.

  8. Auch wenn es abgedroschen klingt, aber Menschen mit Behinderung sind auch nur Menschen, sie wollen auch nur ein normales Leben führen. Jeder sollte das respektieren, man will ja selbst auch selbständig leben.

    Das schlimmste was einem Menschen passieren kann ist das er die Kontrolle über sein Leben verliert, das fängt beispielsweise bei Arztbesuchen oder Krankenhausaufenthalten an. Man weiß nicht mehr was genau auf einen zukommt und wann, das verunsichert.

    Ich möchte so nicht dauerhaft leben und behandle auch so keinen anderen. Weder privat noch in der Notfallrettung wo ich arbeite. Hilfangebote sind in ordnung solange man die Hilfe nicht erzwingt.

    Gruß Thorin

  9. Ich frag erstens immer „DARF ich helfen?“ und zweitens brülle ich nicht so rum, weil das nämlich kein Showact ist und ich von meiner Umwelt Applaus für eine selbstverständliche Sache brauche.

    Genauso leise kommt dann meistens die Antwort und man ist sich nicht so auf die Pelle gerückt. No hard feelings, weißte Bescheid.

    Als auf die Pelle rücken bezeichne ich übrigens auch das Ausfragen von Schwangeren, womöglich noch das Betasten des Bauches. Ungefragt versteht sich. Und auf der Straße. Nicht bei Josefine in der Klinik, die darf das :-)

  10. Danke, Du sprichst mir aus der Seele. Es gibt so viele Leute, die ungefragt Dinge tun – das bereits zitierte ungefragte Anfassen des Babybauches bis hin zum in den KiWa fassen und Baby streicheln etc. Da werden Barrieren überschritten.

    Und NEIN heißt nein. Punkt. Basta.

    Aber es soll ja Schwiegermütter geben, die dieses Wort auch nicht in ihrem Wortschatz haben: Ich hab noch Käse da. Willst Du welchen? – Nein danke. – Magst Du keinen Käse? – Doch, aber nicht jetzt. – Probier den doch mal, der schmeckt gut! – Nein danke, ich will jetzt nicht. – Ich hab mir solche Mühe gegeben und jetzt will keiner den Käse essen. – to be continued
    *gggggggggggrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrr*

    Grenzen der anderen Menschen einfach akzeptieren, Behinderung hin oder her – ich denke, jeder ist stolz auf das, was er selber schaffen kann.

  11. KLar, es ist immer mühselig zu spekulieren und sicherlich hat man ein „nein“ zu akzeptieren, wenn es geäussert wird.
    Dennoch kommen solche Situationen meistens mit älteren Menschen vor.
    Allerdsings denke ich darf man hinterher darüber nachdenken warum etwas gekommen ist wie es kam.
    Gerade die älteren Menschen haben zu Zeiten gelebt in denen es Kriege gab.
    Wie oft haben solche Menschen wohl gesagt sie brauchen keine Hilfe, obwohl sie diese vielleicht doch gerne gehabt hätten, weil sie wussten, die anderen haben es genauso schwer?
    Das soll nicht rechtfertigen, dass dieses „nein“ nicht beachtet wurde, aber es soll zeigen, dass da vielleicht ein Grund ist warum diese alte Dame so gehandelt hat.
    Zudem fällt es fast jedem der nicht viel Kontakt zu Menschen mit Behinderung hat schwer scih wirklich in solche Menschen reinzuversestzen, da geht man eben erstmal von sich aus und dann s.o.

    Mir sind auch scon meschen begenet, wie diese alte Dame, seit ich mir sage, dass Sie es gut meinen und nur Gesellschaft suchen, komme ich besser damnit klar und kann mir auch mal die Zeit für einen Plausch nehmen. Früher war ich von solchen Menschen meistens genervt. Wenn sie dann nach 2-3 MInuten lächelnd und froh um den Plausch wieder gehen bzw. ich dann gehe, finde ich es gar nicht mehr schlimm.
    Es kommt aber auch auf meine Stimmung an.

  12. Da war mal dieser körperlich Behinderte, der mit seinem abgestützten Rad zur Sparkasse kam, neben der ich an der Bushaltestelle stand. Er fummelte eine halbe Ewigkeit an seinem Fahrradschloss herum, all seine Bewegungen und damit auch die Abläufe wirkten sehr umständlich und mühselig für ihn. Ich habe ihn beobachtet, sicherlich gute fünf Minuten lang. Ich habe derweil überlegt, ob ich Hilfe anbieten darf. Ich hätte so gerne, weil ihm das vielleicht so viel Kraftanstrengung erspart hätte. Letztlich hab ich es aber gelassen. Ich habe mich nicht getraut. Ich hatte Angst, dass er sich von mir herabgewürdigt fühlen könnte.

  13. Leider sehe ich heutzutage das Problem in unserer Gesellschaft, dass mittlerweile oftmals das nötige Fingerspitzengefühl fehlt. Einfach mal versuchen, sich in andere Menschen hinein zu versetzen, ist heutzutage leider ein Ausnahmefall. Egoismus herrrscht nun mal vor und wenn ich jemandem helfen möchte, dann nur deswegen, weil ICH das so will und mich anschließend gut fühle. Das sogenannte Pfadfindersyndrom: jeden Tag eine gute Tat und ich bin ein guter Mensch.
    Ich hoffe für mich, dass ich das nötige Gespür für derartige Situationen weitestgehend habe und bewahren werde.

  14. @stormwitch
    Ich habe die Beiträge bislang nur überflogen und weiß nicht, ob es so oder so ähnlich bereits gesagt wurde. Aus meiner Sicht (bin Rollstuhlfahrer) hätten Sie getrost fragen können, ob der Mann Hilfe benötigt um dann gemäß der Antwort zu handeln (oder eben nicht zu handeln). Fragen kann niemals schaden, selbst wenn Sie in Einzelfällen mal eine patzige Antwort bekommen. Es gibt eben auch bei Menschen mit Handycap solche und solche. Immer wenn ich gefragt werde, ob ich Hilfe brauche, antworte ich je nachdem, ob ich Hilfe brauche oder nicht (meistens nicht). Im gleichen Atemzug bedanke ich mich für die Nachfrage, wenn ich keine hilfe brauche.

    @Heldinimchaos
    Ich finde Ihr Blog erstklassig, bleibe immer mal wieder hängen.

  15. Arrg! Sowas kann ich ja gar nicht leiden. Ich kann gut verstehen, dass du dich darüber aufgeregt hast. Einem Rollifahrer einfach mal die Tür im Kaufhaus aufhalten, das mach ich noch ungefragt. Das mache ich aber auch für jemanden mit einem Kinderwagen oder einfach den nächsten Menschen der hinter mit kommt. Warum kann man Menschen, die anders sind nicht so behandeln wie andere auch. Ein Blinder ist blind. Er ist nicht blöd. Er kann für sich selber entscheiden. Genauso wie ein Rollifahrer, eine Schwangere, eine alte Dame, die lieber in der Bahn stehen will usw. Dieses Aufdringliche nervt mich ja im Alltag schon, wenn jemand, wie hier schon angesprochen, nicht einsehen will, dass ich keinen Nachschlag/kein Stück Kuchen/keinen Kaffee/kein Wasweißich haben möchte. Wenn Leute ein „Ich bin satt. SATT!!“ Nicht verstehen.

    Behinderten zu helfen oder nicht zu helfen ist schwer. Es gibt viele, die wissen, was sie wollen und können. Wenn sie etwas nicht allein schaffen, bitten sie um Hilfe. Es gibt aber auch genügend, die sich scheuen, um Hilfe zu bitten. Zuzugeben, dass sie etwas nicht können. Gehörlose z.B. sagen oft nicht, dass sie einen Brief nicht verstanden haben, weil sie sich schämen, oder weil sie einfach daran gewöhnt sind, Informationen an sich vorbei rauschen zu lassen. Ich finde es schwierig zu entscheiden, ob ich Hilfe anbieten soll, oder nicht. Aber letztendlich ist der Behinderte für sich selbst verantwortlich. Es kann nicht die Aufgabe seiner Umwelt sein, seine Wünsche zu erraten. Von daher überlege ich mir schon genau, ob ich Hilfe anbiete. Und wenn ich ein nein zurück bekomme, ist für mich sowieso klar, was ich mache.

  16. Diese Diskussion hat mich auch nicht losgelassen.
    Es ist selbstverständlich ein Unding, ein klares „Nein“ zu übergehen. Trotzdem kann ich die daraus entstandene Diskussion nach wie vor nicht nachvollziehen. Menschen sollten einander wie Menschen behandeln und nicht nach behindert oder nicht behindert…

  17. „Geärgert hat mich die Auffassung der „Die nette alte Dame wollte doch nur helfen“-Fraktion, Ursprung dieser aufgedrängten Unterstützung sei eine massive Verunsicherung im Umgang mit, bzw. eigene Angst vor Behinderung.“

    Ich weiß, ich mache mich jetzt vermutlich unbeliebt, aber mir ist es auch schon mehrfach so ergangen, dass behinderte Menschen ein Problem sofort auf ihre Behinderung bezogen haben.

    Zur Erklärung: meine beste Freundin ist von Beruf Heilerziehungspflegerin, ich besuche sie oft auf der Arbeit. Dadurch habe ich einen normalen und selbstverständlichen Umgang mit diesen Menschen erlernt. Es ist für mich nichts „besonderes“ oder „schreckliches“ oder sonst irgendwas.

    Ich hatte also vor ein paar Jahren folgendes Problem: eine Kollegin, die im Rollstuhl saß, die ich nicht leiden konnte. Sie war einfach unsympathisch. Ich habe sie so behandelt wie jeden anderen Menschen auch, den ich nicht leiden kann. Ich habe sie gemieden und nur das nötigste mit ihr besprochen, wenn es die Arbeit verlangt hat.
    Eines Tages sprach sie mich darauf an. Sie fragte nicht, warum ich sie meide, sie fragte nicht, WAS ich für ein Problem mit ihr hätte. Sie fragte tatsächlich warum ich ein Problem damit hätte, dass sie behindert ist.
    Ich sagte ihr die Wahrheit, nämlich dass es mir egal ist ob sie im Rollstuhl sitzt oder nicht, dass ich sie einfach unsympathisch finde, auf ihren Charakter bezogen.
    Sie glaubte mir nicht und von nun an war ich die „Behindertenhasserin“.

    Was ich sagen will: wenn also behinderte Menschen verlangen, dass man sie so behandelt wie alle anderen, dann müssen sie auch mit den Konsequenzen leben. Es kann nicht sein, dass man dann sofort der Diskriminierung bezichtigt wird.

    Und selbstverständlich möchte ich das jetzt nicht verallgemeinern. Jeder Mensch ist anders. Ich möchte nur darauf hinweisen, dass es für uns Menschen ohne Behinderung auch nicht immer so einfach ist, denn egal was man tut, irgendwie kann es einem dann immer als Diskriminierung, Ablehnung, Herabwürdigung etc. ausgelegt werden!

    • ich seh das genau wie du, simone, meine sympathien oder antipathien richten sich in der regel ausschließlich nach dem mensch an sich und nicht nach krankheiten, körperlichen oder seelischen beeinträchtigungen. und ja, auch ich hab mir hier schon die ein oder andere blutige nase geholt, aber so ist das leben eben: KEIN PONYSCHLECKEN ;)
      allerdings denke ich sehr wohl, daß es einen unterschied in o.g. diskussion gibt, denn die alte dame hätte den autor ja gar nicht erst belatschert, wenn er NICHT blind wäre. so einfach ist der unterschied. verstehst du? als mensch ohne handicap muß ich mich solchen diskussionen erst gar nicht aussetzen. oder es ist mir bisher einfach erspart geblieben…. *ggg*

      • „allerdings denke ich sehr wohl, daß es einen unterschied in o.g. diskussion gibt, denn die alte dame hätte den autor ja gar nicht erst belatschert, wenn er NICHT blind wäre. so einfach ist der unterschied. verstehst du? als mensch ohne handicap muß ich mich solchen diskussionen erst gar nicht aussetzen. oder es ist mir bisher einfach erspart geblieben…. *ggg*“

        Ich glaube eher, du hattest bisher Glück und dir sind solche Situationen bisher tatsächlich einfach erspart geblieben. Tatsächlich reicht es schon, als Frau mit Kinderwagen unterwegs zu sein, um sich plötzlich mitten in einer derartigen Situation zu finden. Mir ist es mehrmals passiert, dass irgendein Gutmensch meinte, mein „Nein danke“ ignorieren zu müssen oder sogar einfach ohne fragen meinte, den Wagen anpacken zu müssen. Was für mich gewöhnlich bedeutete, dass die ganze Prozedur des Wagen Hoch- und Runtertragens wesentlich umständlicher und langsamer ablief als wenn ich es allein gemacht hätte. Und nicht selten war anschließend mein bis dato friedlich schlafendes Kind wach und quakig. Und dann soll ich mich auch noch dafür bedanken, dass mir unerwünschte Hilfe aufgedrängt wurde?!? Wie ich diese Leute gehasst habe!
        Mein Mann, der wesentlich ungeschickter mit dem Wagen ist, hätte hingegen gerne Hilfe bekommen – wurde aber nie gefragt…

        Was vermutlich heißt, dass man nicht unbedingt behindert sein muss, um mit ungewollter Hilfe bedrängt zu werden. Es reicht, von den anderen als Hilfsbedürftig und „schwach“ eingestuft zu werden. Beliebt auch bei Müttern, die ihren Kindern jede Chance auf Eigenständigkeit verwehren, indem sie ihnen ein „Komm, ich helf dir mal“ um die Ohren hauen. Und den Kindern natürlich nicht helfen, sondern ihnen alles abnehmen. Genau so ein Typ Mensch scheint besagte alte Dame gewesen zu sein. Bäh. Fürchterlich.

    • Seh ich genauso wie Simone. Ob ein Mensch behindert ist oder nicht, sagt nichts ueber den Charakter aus. Man kann trotzdem ein Arschloch sein. Da gilt das Gleiche wie fuer die vermeintlich „Normalen“ auch.

      Wenn im Haus ein aelterer Mensch einsteigt, man den eigenen Platz anbietet und dann „nein, danke“ zu hoeren bekommt, wird das auch akzeptiert. Warum also nicht bei Blinden, Rollstuhlfahrern und anderen?

      Und nicht zu vergessen: Jeder Mensch hat das Recht auch mal ungehalten, forsch und genervt zu sein, auch wenn das auf die Mitmenschen nicht immer besonders gut wirkt. Davon geht die Welt aber nicht unter, das muss man aushalten. Vor allem wenn man selber nervt, auch wenn es gut gemeint ist.

      Um mal am Rande: In der aktuellen Jungle World ist ein interessanter Artikel zu Behinderten in Filmen: http://jungle-world.com/artikel/2010/34/41609.html

  18. Hmm auf der einen Seite hast du Recht. Viele sind sofort verunsichert und wissen nicht wie sie reagieren sollen. In mancher Hinsicht denke ich mir sind wir jedoch noch zu intollerant. Ich arbeite neben meinem Studium in einer Tankstelle und da habe ich schon einige unverschämte Anmerkungen gegenüber alten und (teil-)behinderten Menschen erlebt. Ist es nicht manchmal besser in manchen Situtationen etwas zu überreagieren anstatt das man sich nachher anhören muss, dass man nicht reagiert hat? Natürlich Fragen wie : “ Wie kommst du nur damit zurecht?“ oder „Du bist stark, du schaffst das“ sind meist nur leeres BlaBla und dienen nur dem eigenen Seelenfrieden. Das Mittelmaß zu finden – das gelingt meist durch Beobachtung und natürlich mit der Auseinandersetzung…

  19. Der Grad zwischen Hilfe anbieten und Hilfe aufdrängen kann schwierig sein, besonders wenn man sich selbst unwohl in der Situation fühlt und nicht so recht weiß, was jetzt eigentlich das richtige Verhalten ist.

    Ich bin in einen integrativen Kindergarten gegangen, in dem gesunde, körperlich und geistig behinderte Kinder zu gleichen Teilen waren. Der Umgang zwischen allen war normal -Kinder sehen die „Unterschiede“ nicht so, wie es Erwachsene tun, sie nehmen den Menschen einfach, wie er ist und urteilen darüber, ob er symathisch ist und nicht, ob er „anders“ ist als als sie selbst. Mein bester Kindergartenfreund war ein blinder Junge und es war normal, in manchen Beziehungen Rücksicht auf ihn nehmen zu müssen. Einen Jungen im Rollstuhl hingegen konnte ich gar nicht leiden. Nicht, weil er im Rollstuhl gesessen hat, sondern weil er immer gemein war und Leute anspuckte.

    Heute wünsche ich mir diese Unbefangenheit, mit der ich als Kind allem begegnete, zurück.
    Vieles könnte einfacher sein, wenn sich auch Erwachsene so begegnen würden.

  20. Schwieriges Thema… Natürlich sollte man hilfsbereit sein, aber auch ein ‚Nein‘ akzeptieren können. Was aber dieses ‚Nein‘ angeht – der Ton macht die Musik.
    Direkt vor meinem Raum an der Uni ist eine Behindertentoilette, wo wir in der Regel unsere Kaffeetassen an den Waschbecken im Vorraum ausspülen. Kürzlich kam ich direkt aus dem Raum heraus, als eine Rollstuhlfahrerin (die allgemein für ihre unsympathische Art bekannt ist) dazu kam. Natürlich, und das hätte ich auch für Menschen ohne Rollstuhl getan, habe ich die Tür aufgehalten, quasi ein Hand-in-Hand geben.
    Welch ein Fehler! Die Dame rastete komplett aus, nur weil sie im Rollstuhl sitze wäre sie nicht zu blöd eine Tür zu öffnen etc pp.
    Was soll man davon halten? Alles sofort von sich aus auf die eigene Behinderung schieben und allen ’nur netten‘ Menschen Entmündigung unterstellen? Klar, das Gegenteil von gut ist gut gemeint, aber in manchen Fällen sollten sich diese Art von Menschen mit handicap mal überlegen, ob sie nicht diejenigen sind, die in solchen Reaktionen sich falsch verhalten und überreagieren.
    Die Gefahr, die bei solchen Überreaktionen entsteht, ist nämlich, dass sich Menschen in Zukunft hüten könnten einen behinderten Menschen zu helfen, selbst wenn es vielleicht angebracht/ benötigt wäre.
    Wenn Hilfsbereitschaft nicht mit einem höflichen ‚Nein, danke, klappt schon‘ sondern mit mehr oder minder subtiler Unterstellung (“nur weil ich im Rollstuhl sitze denkst du dass…“) abgelehnt wird, darf man sich nicht wundern wenn am Ende niemand mehr Hilfsbereitschaft zeigt.

    • Anne,
      Ich glaube, man kann sich als jemand, der körperlich nicht beeinträchtigt ist, überhaupt nicht vorstellen, wie das so ist. Es gelingt wohl wenigen, ihr „Sein“ mit einer körperlichen (oder sonstwelchen) Einschränkung so 100%ig zu akzeptieren, dass man den ganzen Tag strahlend und freundlich verbringt und sich durch nichts an diese Einschränkung erinnern lässt. Ich glaube, dass jede Nettigkeit, jede Hässlichkeit und jedes zu neutrale Verhalten – besonders von nicht vertrauten Personen – zumindest unbewusst hinterfragt wird, ob es nicht aufgrund der Einschränkung geschieht.
      Zudem gibt es Erkrankungen, die mit einer Persönlichkeitsveränderung einhergehen.
      Man kann nur versuchen, Verständnis aufzubringen. Dumm anschnauzen lassen würde ich mich allerdings auch nicht, is klar :-)

      Josephine, das mit dem „Ponyschlecken“ habe ich direkt in meinen aktiven Wortschatz übernommen!

  21. Sehe ich auch so. Ich biete Hilfe an wenn ich denke, jemand könnte sie gebrauchen. Hilfe biete ich aber nicht nur gehandicappten an sondern allen Leuten die mir einen hilflosen Eindruck machen.

    Ich akzeptiere ein Nein und trolle mich meines Weges. :)

    Allerdings kann ich die Situation mit der alten Dame sehr gut nachvollziehen denn es gibt eine Gruppe Menschen, die kapieren es einfach nicht.
    Da kann man noch so oft „nein danke“ sagen, die bieten immer wieder an. Wie die Omas mit dem Kuchen.
    Oder mein Schwiegervater wenn er seine Enkelin knuddeln will, die aber Nein sagt. Ein Nein aus dem Munde eines Kleinkindes akzeptiert er eh nicht und selbst ich muss erst laut werden (mehrfach auch noch, mindestens im 2 Minutentakt, sonst hat er es schon wieder verdrängt) bis er sie in Ruhe lässt.

    Meine Erfahrung ist, dass die alten Leute es nicht böse meinen aber die sind einfach völlig merkbefreit.
    Die sehen nur „ich würde es so wollen an seiner Stelle, also hat er es gefälligst zu wollen“

  22. Ich habe es bei uns schon des öffteren beobachtet dass gerade unsere älteren mit menschen unbedingt helfen wollen und am besten dann wenn es körperlich garnicht für sie möglich währe
    einen älteren herren der mir mit meinem geschwisterwagen in den Buss helfen wollte hab ich gefragt wieso wollen sie sich das denn antuhen er meinte nur so binn ich wenigstens noch zu etwas nüze und die jungen leute fragen ja nichtmal darf ich ihnen helfen
    natürlich habe ich ihn einerseits verstanden nur andererseits denke ich mir auch die jenigen die doch wissen dass sie nicht helfen können weil sich die kraft nichtmehr dazu haben sollten lieber andere ansprechen und sagen fragen sie doch mal ob sie helfen dürfen das sieht so schwer aus

    da wo ich wohnen giebt es sehr fiele menschen mit handicap hauptsächlich blinde aber auch menschen mit anderen behinderungen wenn ich aleine im buss fahre oder beim einkaufen binn und ich sehe jemanden der eventuell hilfe gebrauchen könnte dann frage ich höflich kann ich ihnen helfen wenn ein nein danke geht schon kommt sag ich meist nur ok falls doch was sein sollte einfach schreien dadurch kahmen auch schon fiele schöne öange und lustige gespräche zusande

  23. Dieses Hilfe aufzwingen (ein klares Nein nicht akzeptieren) – ist eine Grenzüberschreitung.

    So wie jeder nicht gehandicapte dies nicht über sich ergehen lassen muss – nur weil es ja „gut gemeint“ ist – muss es auch niemand mit Handicap.

    Grenzüberschreitungen sind nicht in Ordnung – und die bewusst zu machen (bei einem klaren Nein) – da ist auch der Deckmantel des „gut gemeint“ für mich nicht mehr gegeben.

    Da übernimmt ein Fremder für jemand die Verantwortung, weil dieser demjenigen nicht zutraut selbst zu wissen was er braucht/will.

    Würde jeder ohne Behinderung auch nicht hinnehmen – aber weil ja jemand ein Problem hat ist er sowieso nicht ernst zu nehmen.

    Und weil das Beispiel mit dem Kinderwagen da war: welche Mutter würde zulassen, dass da jemand hinpackt, wenn sie das nicht will, weil sie das alleine schafft? Und vielleicht noch das Kind dann zudeckt, weil es ist ja so kalt und offensichtlich hat die Mutter das nicht gesehen oder sonst was?

    Es ist kein Thema dass Hilfe angeboten wird – das glaub ich stört aber auch nur wenige Menschen mit Behinderungen – solange dann die Antwort auch akzeptiert und vor allem respektiert wird.

    Und für die, die sich da aufregen, wenn man direkter wird: ohne die Direktheit ist es ja offensichtlich nicht angekommen, sonst wäre sie ja nicht nötig gewesen.

    Gut gemeint bedeutet respektvollen Umgang mit meinem Gegenüber (egal ob jung oder alt, gesund oder krank, behindert oder nicht), ein ernst nehmen und die Verantwortung da lassen wo sie hingehört (bei einem Kind oder geistig behinderten liegt die durchaus auch mal bei den Eltern/Betreuern). Sobald es ein „überstülpen“ wird – ist es nicht mehr gut gemeint – sondern ein entwerten.

  24. Dass man sich in Situationen wie diese schwer stört, vorallem wenn sie regelmässig auftreten, kann ich gut verstehen. Allerdings gilt auch hier, dass man Hanlon’s Razor einsetzen sollte: Viele Menschen sind nicht allzu helle oder gut informiert. Darüber hinaus, gibt es die Möglichkeit, dass sie andere Erfahrungen gemacht haben, etwa durch Bekanntschaften mit Behinderten, die tatsächlich sehr auf Hilfe bestanden haben—oder auch, dass sie Menschen (nicht notwendigerweise Behinderte) gekannt haben, die benötigte Hilfe erst nach wiederholten Angeboten angenommen haben, vielleicht als eine Höflichkeitssache. (Ein Verhalten, dass ich bei vielen Gelegenheiten zwischen meiner Mutter und Oma, in beiden Richtungen, observiert habe.)

    Bei älteren Menschen muss man auch im Gedächtnis haben, dass sie in einer Zeit augewachsen sind, wo eine Behinderung meist erheblich größere Einschränkungen mit sich brachte als heute.

  25. Mir ist das mal andersrum passiert. Ich war auf dem Weg zur U-Bahn als ich auf der anderen Straßenseite einen Rollstuhlfahrer sah, der umgekippt war. Autos und Radfahrer fuhren vorbei und niemand half, also hab ich auf grün gewartet, die Straßenseite gewechselt, den guten Mann gefragt ob ich helfen kann. Dann hab ich mich ein wenig ungeschickt angestellt beim Wiederaufrichten und dem Einsammeln seiner verstreuten Siebensachen, woraufhin mich der Typ dermaßen rüde angeblafft hat dass ich ihn am liebsten wieder umgekippt hätte.

    Ähnliches übrigens mit einer alten Frau, der ich in Gedanken an der U-Bahnhaltestelle den letzten freien Sitzplatz weggenommen hatte. Hatte sie überholt, aber irgendwie nicht wahrgenommen. Ne Minute später merke ich, dass die da steht, stehe auf und biete ihr den Platz an mit dem Nachsatz „Ich hatte Sie zunächst nicht bemerkt“, worauf sie recht pampig antwortete „Das will ich aber auch hoffen.“ Auch da hab ich mir kurz überlegt ob ich mich einfach wieder hinsetzen soll.

    Vielleicht hätte ich das einfach machen sollen. In beiden Fällen.

    OK, das war jetzt etwas off-topic, aber manche Leute können Hilfe auch einfach nicht angemessen annehmen. Im vorliegenden Fall gebe ich dem OP allerdings recht: die Dame war übergriffig, unverschämt und überheblich.

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