Und meine Seele spannte weit ihre Flügel aus…

15.45 – Ein niedergelassener Allgemeinmediziner ruft mich an – 85jährige Patientin, Ovarial-Ca im Endstadium, die Niere stellt ihre Arbeit gerade ein, eine Magensonde mußte gelegt werden, die Angehörigen fühlen sich überfordert und bitten um stationäre Aufnahme der Mutter. Ich ordere ein Einzelzimmer.

17.05 – Frau Ende ist eingetroffen, ich komme zum Blut abnehmen und Braunüle legen. Wir unterhalten uns ein bisschen und ich bin schwer erstaunt, wie klar meine „präfinale“ Patientin noch ist…?! Auf die Frage nach Schmerzen oder sonstigen Beschwerden erhalte ich ein lächelndes Kopfschütteln als Antwort – und atme erleichtert auf. Das läuft nicht immer so schön, wenn Leute zum Sterben aufgenommen werden…

17.30 – Der Laborzettel kommt zurück und gleicht dem Sternenhimmel über der Karibik – Markierungen an jedem verdammten Parameter, allein die Gamma-GT (Leberwert) bewegt sich deutlich im 4-stelligen Bereich (Normwert bis 45…). Das Labor ruft dreimal an um sich zu vergewissern, daß ich das Ding tatsächlich gelesen UND verstanden habe. Hab ich – was soll ich tun, retten werden wir sie in diesem Leben nicht mehr…

22.00 – Die Schwester ruft an – ob sie die Angehörigen informieren soll, die Patientin hätte bereits Atemaussetzer? Wie jetzt? Wir haben vorhin doch noch über Fußball gequatscht?!

22.05 – im Zimmer ist es dunkel bis auf einen letzten Silberstreif am Horizont. Mein Blick bleibt im warmen Blaugrau der Sommernacht hängen, während ich ihr entschlossen gegen das Ende ankämpfende Herz unter meinen Fingerspitzen galoppieren spüre. Die Atemaussetzer dauern nun schon mehrere Sekunden, aber dieser autarke Muskel in ihrer Brust ist wild entschlossen, alles zu geben, anzuhämmern gegen eine funktionslose Leber und den Müll, den das Blut in ihren alten Gefäßen Runde um Runde weiter schiebt, 85 Jahre lang immer dieselbe Kontraktion, immer derselbe Weg. Es muß schwer sein, nach so langer Zeit einfach mit schlagen aufzuhören…

22.35 – Es ist eine seltsame, nicht zu beschreibende Stimmung wenn ein Mensch stirbt – in den letzten Sekunden, bevor es endgültig vorbei ist, scheint es mir, als läge ein besonderer Friede über dem Raum. Unter meinen Fingerspitzen ist es still geworden. Ich öffne das Fenster und verlasse leise den Raum…

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43 Kommentare zu “Und meine Seele spannte weit ihre Flügel aus…

  1. danke. genauso fühlte es sich an, als ich noch als „normaler“ Pfleger im Krankenhaus arbeitete.
    Jetzt als Psychiatriepfleger, der eher mit Suiziden zu tun hat, eine irgendwie (klingt komisch) schöne Erinnerung.
    Friedlich sterben und nicht dieser Kampf auf Leben und Tod.

  2. Danke Josephine. Deshalb komme ich so gern her. Hier gibt’s wirklich ALLE Emotionen um die Ohren.

    Und auch danke im Namen der alten Dame, die jemanden wie Dich bei sich haben konnte.

    Ich starte mit einem Riesen-Seufzer in die neue Woche.

  3. Danke. Ich habe das auch schon ähnlich erlebt; du hast es wunderbar beschrieben.
    In einer solchen Situation wünschte sich eine alte, heitere Dame von mir noch eins: Ein Gläschen KALTE Milch.
    Der Geschmack machte sie glücklich – und so schlief sie ein.

  4. danke Josephine (alles Andere haben meine Vor-Kommentatoren ja schon geschrieben)
    .. und jetzt muss ich mich wieder mit so etwas prophanem wie Technik herumschlagen – fällt mir etwas schwer :-(
    Liebe Grüße
    Hajo

  5. hmmmm, immerhin warst du bei ihr in den letzten minuten in denen ihr herz aus sturheit weitermachte um sie dann endlich gehen zu lassen….

    ich war bei meiner mutter leider 15 minuten zu spät im krankenhaus….. ohne es zu wissen als ich auf die station kam

  6. Schade nur, dass die Angehörigen sie noch ins Krankenhaus „abschieben“ mussten, aber gut, dass die Patientin dann bei dir gelandet war.

    Du bist beim Schreiben sonst eher „laut“ und dynamisch, aber die leisen, zurückhaltenden Töne gelingen dir auch ganz gut.

  7. Danke, dass Sie „nichts“ getan haben. Ich wünsche mir mehr Ärzte mit dieser Kraft. Leider bekommen junge Mediziner heute oft nicht mehr beigebracht, dass das Leben von Anfang an „endlich“ geplant ist…

    So wie oben beschrieben sollte es laufen, irgendwann muss man gehen dürfen.

    • nein – so sollte es nicht laufen!

      die Frau wäre sicher gern zu Hause gestorben (ist das nicht der Wunsch von fast allen Menschen?!)
      – aber das Hauptproblem in unserer Gesellschaft ist, dass kaum mehr einer mit dem Tod umgehen kann und die Angehörigen aus Angst ihre Lieben ins Krankenhaus zum Sterben abschieben
      – und sich dann aufregen, wenn sie sie dahinvegetierend auf der Intensivstation wiederfinden – das haben sie so nicht gewollt… sie sollten doch ganz in Ruhe einschlafen…

      ja, verdammt – lasst sie zu Hause sterben, ganz in Ruhe im Kreise von lieben Menschen – man kann nichts falsch machen, man sollte einfach nur da sein und seinen Gefühlen trauen!

    • ich bin so eine „junge Medizinerin“. Auch wir finden, dass man Menschen sterben lassen können muss. So ist das Leben eines jeden Menschen angelegt. Irgendwann ist es vorüber. Und das ist völlig natürlich!
      Oft ist es aber nicht so einfach.
      Wenn ein Mensch sterben wird / soll / kann /… dann sollte er das auch können. Aber dann finde ich es von den Angehörigen auch richtig ihm das zu Hause zu ermöglichen. Ich finde es nicht richtig diese Menschen in ein Krankenhaus „abzuschieben“. Deshalb stehen Ärzte oft im Zwiespalt – was tun? Wenn der Patient noch ins Krankenhaus kommt, sollte ihm geholfen werden (häufig schon aus rechtlichen Gründen). Oft ist es dann schwierig einfach „nichts“ zu tun und ihn sterben lassen. Das sollte bitte nicht vergessen werden.
      Ich schließe mich an: lasst die Menschen zu Hause, im Kreise ihrer Lieben sterben. Das ist das Beste was ihr ihnen noch geben könnt!

      • Da sprecht Ihr aber etwas so einfach aus, das überhaupt nicht so banal ist: für einen Nicht-Mediziner (aber sicherlich auch für einen Teil der Mediziner) ist es eben nicht so einfach, den Grad zwischen Hoffnung auf Heilung oder zumindest Linderung und dem Akzeptieren des nahenden Endes zu überwinden.
        Nicht falsch verstehen: auch ich wünsche es jedem, daß er/sie zu Hause im Kreise der Lieben ein sicherlich bewegtes Leben beendet, aber darf man es sich als Laie, gleichgültig was einem der Bauch oder das Herz sagt, so einfach machen?
        Versteht Ihr, ich bin Ingenieur und wenn in meinem Bereich etwas „nicht stimmt“, dann ist es meist relativ einfach, eine Lösung zu finden (außerdem ist es meist nur ein lebloses Teil, das man auch noch ersetzen kann), nur ist ein Mensch eben keine technische Sache und genau das Erkennen und Analysieren der Fakten und das Bewusstsein, daß die „Lösung“ endgültig ist, läßt viele davor zurückschrecken.
        Es ist nicht immer nur Bequemlichkeit!
        Die (examinierte) Schwester, die meine Mutter bis zu ihrem Tod zu Hause mit gepflegt hatte, meinte, ein Indiz auf den nahen Tod zu erkennen: eine Faltenbildung in den Mundwinkeln. Ich würde mich jedoch nicht trauen, daraufhin eine Maßnahme zu ergreifen.
        Vielleicht sind wir aber auch zu sehr „verbildet“, will meinen: durch unsere Aufklärung haben wir es möglicherweise verlernt, andere, natürliche Anzeichen zu erkennen, aber das Rad drehen wir nicht mehr so schnell wieder herum.

      • ich möchte nichts bagatellisieren. gar nichts!
        Ich habe Stellung zu Gabi K.s Ausspruch „Leider bekommen junge Mediziner heute oft nicht mehr beigebracht, dass das Leben von Anfang an „endlich“ geplant ist…“ genommen.
        Ich weiß, dass es nicht einfach für Angehörige ist „den Grad zwischen Hoffnung auf Heilung oder zumindest Linderung und dem Akzeptieren des nahenden Endes zu überwinden“.
        Aber wenn jemand damit anfängt >>Ärzte, lasst sie doch sterben!<< dann sollen diese Menschen nicht zum Sterben ins Krankenhaus gebracht werden. Wenn sie sterben sollen, dann sollen sie das im Kreis ihrer Lieben dürfen.
        Das ist wie folgendes fiktives Beispiel: ein Mensch bekommt einen Schlaganfall. Notarzt + Team wird gerufen – sie tun alles dafür das Leben dieses Menschen zu retten. Er liegt im Krankenhaus, über Wochen. Zunächst noch im Koma, beatmet, später wird er wacher, die Schäden der Minderversorgung des Gehirns werden deutlicher: der Mensch kann nicht mehr sprechen, nicht mehr laufen. Ist ein voller Pflegefall. Und obendrein hat er noch einen Tumor. Wenn dann die Frage aufkommt: Warum habt ihr ihn nicht sterben lassen? – Dann bekomme ich zu viel. Warum um Himmels Willen habt ihr einen Notarzt gerufen??? Dieser Arzt ist dazu da Leben zu retten.
        So meine Meinung.

      • Earny, meinst Du das im Ernst? Wenn jemand einen Schlaganfall erleidet, sollte man ihn nicht ärztlich versorgen (er ist ja evtl. selber Schuld!), sondern sterben lassen?
        „Warum um Himmels Willen habt ihr einen Notarzt gerufen??? Dieser Arzt ist dazu da Leben zu retten.“
        Was für Leben denn sonst? Wer will das festlegen?
        Sorry, aber da geht mir der Kragenknopf auf!
        .. und das ist meine Einstellung!

      • da hast du mich vollkommen missverstanden.
        Es geht gerade um das Thema „Menschen sterben lassen“.
        Natürlich bin ich vollkommen der Meinung, dass man Menschenleben retten muss. Das gilt auch wenn jemand einen Schlaganfall erleidet! Natürlich!
        Es ginge in meiner Aussage darum, dass es immer wieder Menschen gibt (so auch hier unter den Kommentatoren), die vor sich hin plappern „ihr Ärzte müsst auch Menschen sterben lassen“ – ohne zu wissen was sie da alles angreifen. Nämlich auch sich selbst. Denn wenn ein Patient einmal im Krankenhaus ist werden alle Hebel in Bewegung gesetzt um dessen Leben zu retten.
        Mein Beispiel mit dem Schlaganfall sollte dies verdeutlich. Wenn einmal der Notarzt alamiert wurde, kann man hinterher nicht damit anfang „Das Leben ist doch jetzt nicht mehr lebenswert. Warum lasst ihr Menschen nicht auch mal sterben, ihr Ärzte? Das sit doch der natürliche Weg.“ – Ja, der ist es. Aber wenn mal ein Arzt alamiert wurde, kann er ja nicht nichts tun!
        Verstehst du jetzt was ich meinte?

      • Wer befindet darüber, ob für einen anderen das Leben lebenswert ist? Nein, ich sags anders: wer hat das Recht, darüber zu befinden?

        Ich hatte zwei Omas, die eine hab ich hier erwähnt. Die andere hatte einen Herzstillstand, ist wiederbelebt worden, hat ein halbes Jahr KH und dann noch drei Jahre Pflegeheim erlebt. Sie hat’s genossen, obwohl sie nicht mehr laufen konnte – aber: „Jetzt muß ich nicht mehr tun, was ich nicht tun will.“
        Ihre Schwägerin, meine Großtante, hat sich drüber ausgelassen, warum man die Frau nicht hätte sterben lassen, das wär doch kein Leben, und in den Tönen. DIE ist dann noch vor der Oma krepiert, wirklich elendiglich krepiert an einem generalisierten Darmkrebs. Die hat so gelitten, daß sie quasi um den Fangschuß gebettelt hat. Aber sie war bis fast zuletzt zuhause, weil im KH ja eh keiner mehr helfen konnte…

  8. Danke für diesen einfühlsamen Text.
    Ich kann nur hoffen, dass meine Mutter damals, in ihren letzten Stunden, auch so eine gute Seele neben sich hatte.

  9. Oh, daß ich das gerade jetzt lese, wo gestern „endlich“ die Mutter meiner lieben Arbeitskollegin sterben durfte….Ein sehr langer Weg liegt auch hinter ihr und auch ihr Herz hat eigentlich länger durchgehalten, als wir es uns gewünscht hätten.
    Es war fast so, als würde ihre Seele schon lange wie ein kleiner bunter Ballon an einem Faden über ihr schweben und wartete nur darauf endlich losfliegen zu können.

    Danke für dieses Post

  10. Jeder Mensch sollte die Möglichkeit bekommen, so friedlich und begleitet gehen zu können.
    Ich habe nach 3 ITS-Aufenthalten das Gefühl, dass nicht jeder Arzt so loslassen kann.
    Da gehört eine Menge Menschlichkeit und Mut zur Entscheidung dazu.
    Danke für diesen Beitrag.

  11. Ich freu mich, dass Sie sich die Zeit genommen haben, der alten Dame beizustehen, dass ist wohl nicht in jedem Klinikum machbar.
    Als meine Mutter diesen Planeten verließ, musste ich mit ansehen, wie Sterbende ohne Angehörige wegen Bettenmangels zum Sterben auf den Flur gerollt wurden. Ich war damals zu verzweifelt, um mich darum auch noch zu kümmern. Heute würde ich sicherlich ein ernstes Wort mit den Verantwortlichen sprechen.
    Ich habe ihren Tod ähnlich erlebt wie Sie, liebe Heldin im Chaos. Auch das Herz, dass einfach weiter gegen alles angeschlagen hat. Meine Mutter wollte jedoch nicht gehen, solange ich da war. Sie konnte erst loslassen, als mein Vater die Bettwache übernahm.
    Es war geplant, sie nach Haus zu holen. Ein spezielles Bett und eine Pflegekraft waren schon organisiert. Als sie das erfuhr, schlief sie friedlich (so weit wir das beurteilen können) ein.
    Wir sollten die Menschen im Sterbeprozess nicht allein lassen, auch wenn es uns ängstigt.

  12. Meine Oma hatte zum Glück auch einen verständnisvollen Arzt in ihren letzten Tagen.

    Sieben Jahre später war er dabei, als mein Sohn geboren wurde.

  13. Hallo, schön hast Du diesen Heimgang beschrieben. Erinnert mich an den Tod meiner Oma, den ich ähnlich erlebt habe. Seitdem ist mir die Angst vor dem Tod genommen. Und schön für die Patienten, dass sie Dich bei sich hatte.

    Wenn Du erlaubst, möchte ich Dich bei mir verlinken, weil mir Dein Blog so gefällt.

    herzlichen Gruss
    Weserkrabbe

  14. Jetzt hab ich dicke Tränen in den Augen. Meine Oma ist vor vier Wochen ähnlich friedlich gegangen, mit 101 Jahren an Altersschwäche und auch sie war nicht alleine.

    Man kann wirklich dankbar sein, wenn man das Leben so abschließen kann. Die alte Dame hatte keine Schmerzen, war allein und es klingt so, als hätte sie ihren Frieden gemacht.

  15. Dann macht man also wirklich im Kh das Fenster auf, um die Seele entweichen zu lassen. Schön.

    Meine Oma hat kurz vor ihrem Tod , die schon längst verstorbene Mutter und ihren Bruder gesehen.

    Die kamen wohl um sie abzuholen.Hast Du so etwas auch schon bei Patienten erlebt ?

    Gruß
    Christine

    • Ich habe es damals in der Ausbildung (in einem katholischen KH) sogar so gelernt. Und es gehört mittlerweile einfach so dazu. Es hat irgendwie etwas von einem Ritual.

  16. Das liest sich irgendwie schön und erschreckend zugleich. Schön, weil es so friedlich wirkt, erschrecked, weil das so schnell ging! Andererseits ist auch das beiahe wieder schön, denn wer will sich schon ewig quälen? Und wieder andererseits muss sie sich doch vorher genug gequält haben.

    Meinst du, sie hatte tatsächlich keine Schmerzen vorher? Wenn doch die Werte alle so schlecht und alles schon im Endstadium war?

  17. @Antje: Nicht jedem Menschen ist die Kraft gegeben, zu pflegen und auch das Sterben zu ertragen. Ja ist es ideal, wenn jemand daheim sterben kann, aber man sollte niemanden verurteilen, der das nicht schafft. Was wissen wir schon von den Umständen daheim?

    • die Umstände zu Hause spielen immer eine Rolle – mancher Sterbende will auch ins Krankenhaus, um seine Angehörigen zu entlasten – das geht völlig in Ordnung

      Was ich meinte (siehe auch Diskussion oben), dass die Menschen erstmal im Krankenhaus angekommen – „zwangsversorgt“ werden (Blutabnahme, Infusion, …) und wenn einem die Anghörigen dann noch Vorwürfe deswegen machen, das ist gemein!
      Und man kann im Krankenhaus auch nicht davon ausgehen, dass immer jemand da ist, um einen Menschen in den Tod zu begleiten… (wenn das Diensthandy dreimal bimmelt…)

      PS: Warum geht eigentlich immer jeder davon aus, dass Pflegekräfte und Ärzte (+ @wolfram – Geistliche) den Tod besser ertragen können, als Otto Normalbürger?! Nur weil es häufiger vorkommt???

      • ja, sie werden versorgt. Wenn es gut geht, mit Schmerzmitteln und etwas Flüssigkeit.
        Wenn es nicht so gut geht, mit Intensivmedizin.
        Versorgen und versorgen kann beides sein.
        Kann man auch nicht pauschal beantworten, immer nur von Fall zu Fall. Jedes mal aufs Neue…

        Bitte nicht falsch verstehen, bei einem akuten Schlaganfall würde ich auch den Notarzt rufen. Denn da weiß man je einfach nicht, wie es ausgeht. Geht ja oft genug gut aus.

        Und es stimmt schon, es ist auch im Krankenhaus nicht immer med. Personal mit Zeit da. Bei uns ist es so, dass eine Ordensschwester „nur“ für Sterbebegleitung da ist, sie kann immer angesprochen werden.

        Den Tod besser ertragen… hm… ich weiß nicht, ob das die richtige Formulierung ist. Vielleicht haben wir nur erfahren / gelernt, dass er zum Leben dazugehört? Und einfach gelernt, Unausweichliches zu akzeptieren und die Kraft, statt gegen ihn zu kämpfen wo es nicht mehr geht, da einzusetzen, wo es noch wichtig ist?

        @Earny, ja, eine gute Grundlage für einige Gedanken…

      • mir gehen da gerade ganz viele Gedanken durch den Kopf, kann ich gar nicht alles aufschreiben…

        – Schlaganfall und akuter Herzinfarkt sind immer ein Grund, den Notarzt zu rufen (wie es ausgeht, kann keiner wissen – dann sollten auch keine gegenseitigen Vorwürfe kommen)
        – Krebs in Endstadium ist was völlig anderes und bei guter Schmerzeinstellung gibt es kaum einen sinnvollen Grund für eine Krankenhauseinweisung / -abschiebung (im Beispiel von Josephine: eine versagende Niere ist ein Zeichen für das nahende Ende und bei dem Grundleiden ist da nichts mehr zu retten – was also hat den Allgemeinmediziner/ die Angehörigen zu einer Einweisung bewogen – Angst?!, nicht schuld sein wollen am Tod?!)
        –> @ hajo: auch Laien haben ein Bauchgefühl – drauf hören und sich selbst vertrauen, nicht von anderen verrückt machen lassen

        @gabi k: wir hatten auch eine solche Ordensschwester, nur war die immer dann nicht da, wenn sie gebraucht wurde (nachts, Wochenende)… :-(

        eigene Erfahrung: meist sind es nicht die jungen Ärzte, sondern die „alten“, die Patienten nicht gehen lassen können…

  18. Mein Vater starb auf der Intensivstation nachdem man die Beatmungsmaschine abgestellt hatte. Er hatte die Krebsart Multiples Myelom und hatte bei der Transplantation der eigenen Stammzellen einen Virus auf der Lunge aufgelesen. Der Tod kam ziemlich schnell ca. 15 Minuten nach dem Abstellen. Er hatte kurz vorher nochmals die Augen aufgerissen was uns doch sehr irritiert hatte… Ich weiss bis heute nicht warum das so war. Danach haben sie auch die Fenster geöffnet obwohl auf der Intensivstation und mehreren Patienten im Zimmer… Fand ich sehr schön.

  19. Ein wirklich schöner Beitrag. Sehr traurig, aber aus dem Alltag ohne zu viel Schnörkel und Überteibung. Schön, dass du einen daran teilhaben läßt.

  20. Ich hätte mir gewünscht, wir hätten bei der stillen Entbindung meiner Nicht, eine solch einfühlsame Ärztin an unserer Seite gehabt.
    Danke für deine warmen Worte…

    Steph

  21. Puh, da komm ich hier so neu in deinen Blog gestolpert und da bringst du mich auch gleich zum Heulen. Super.
    Klasse Stil :) Ich komm wieder!

  22. ich komme auch wieder… und du schreibst mit einer würde über das sterben bzw. über die frau, dass ich eine kloß im hals habe!

  23. Ruhe und Frieden kann man nicht nur einem Sterbenden bringen, sondern er auch einem selber. Ich habe dies auch im Pflegeheim erlebt. Menschen, die ihr Leben wirklich gelebt haben, können besser los lassen. Leider ist das Sterben und der Tod oft so tabuisiert, dass es nur noch wenige Menschen gibt, die dem Betroffenen Nähe geben können.

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