Tage zum In-Die-Tonne-Kloppen…

Es gibt solche und solche Tage. Heute war solch einer.

Alles ist eigentlich schei**e – und dann willst du zur Morgen-Übergabe, und unmittelbar nach Öffnen der Kreißsaaltür brüllt es dir in solcher Eindringlichkeit entgegen, daß noch nicht einmal Zeit zum Umziehen bleibt. Die Frau auf der Seite liegend, der dunkle Schopf bereits deutlich auf Scheidenausgang. Und Adrenalin – in rauhen Mengen. Schlechte Laune? Weg – weg – weg!!! Atmen, pressen, ein erster Blick auf´s CTG (UUUaaaaaaah…………..) und schon ist das Köpfchen da. Der kleine Schmollmund versucht ein erstes, zartes Schmatzen und dreht KEIN noch so kleines Stück. Blick zur Hebamme, gemeinschaftliches Nicken, Schwangere auf den Rücken geworfen – es sieht immer SO UNECHT AUS, das (noch) ungeborene Köpfchen aus dem Scheidenausgang ragend – und McRoberts die erste: Beine gestreckt, Beine gebeugt – NICHTS! McRoberts die zweite: NICHTS! Und zum dritten: JETZT der erlösende Satz der Hebamme „Okay – dreht sich!!!!“

Keine zwei Sekunden später flutscht der kleine Körper heraus, beide Hände wie zum Trotz vor der Brust verschränkt: KIND!!! WIE soll DAS denn auch gehen???? *seufz*

Mir geht´s ein bisschen besser – auf Geburten ist eben verlass! Leider fehlen noch zwei bis drei weitere (Geburten), um den Tag endgültig zu retten – aber gut, House-Of-God-like geht es auch mit einer großen Nadel in einem alten Körper: sage und schreibe drei Mädels laufen an diesem Tag mit prall gefüllten Tumorbäuchen auf meiner Station auf, und es macht mir fast ein wenig schlechtes Gewissen, als ich – beinah euphorisch – dreimal schaschlikspießdicke, 10 cm lange Nadeln peilrecht in drei Bauchdecken versenke und dem Bernstein-gelb bis brackwassertrübem Aszites beim Ablaufen zusehe.

Und dann noch eine Magensonde. UND ein ZVK!!! (hab ich seit ner halben Ewigkeit nicht mehr gelegt – geht aber immer noch….). Endorphine bringen gute Laune zurück – dies und nichts anderes ist der Grund dafür, daß überhaupt irgendjemand freiwillig operativ tätig sein will. Denn egal ob Skalpell, Nadel oder Was-Auch-Immer – solange man irgendetwas irgendwo  hineinbohren kann, werden genug Gute-Laune-Hormone frei gesetzt, welche auch der miesesten Stimmung trotzen. Hurray! Morgen mehr…

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6 Kommentare zu “Tage zum In-Die-Tonne-Kloppen…

  1. Wow! Gynäkologen die selber ZVKs legen… Respekt, das hab‘ ich ehrlich noch nie gesehen. Hier sowieso nicht, weil hier haben wir die Hoheit über alles was invasiver als eine Braunüle ist (was ziemlich nervt). Aber auch „damals“ in .de gabs das eher selten, dass sowas ohne Konsilschein abgelaufen ist. Find ich gut!

    • DANKE :)
      ich hab ein absolut GROSSARTIGES innere-pj-tertial durchlaufen. die jungs dort haben mir alles beigebracht – von a wie „arterie“ bis z wie „zvk“ :)
      erinner ich bei gelegenheit mal dran, daß ich die geschichte meines allerersten zvk´s erzähl – wäre fast meine letzte geschichte geworden… *ggg*

  2. ich liebe deine berichte immer wieder :-) und deine geschichte, wie du zu deinem beruf gefunden hast, ermuntert mich oft, meine vorhergehenden ausbildungen nicht als den definitiven abschluß zu sehen, wenn mich resignation übermannt, wenn ich mir nicht sicher bin, was ich beruflich noch mit mir anfangen soll … :-)

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