Gutmenschen

Im Netz hab ich mal einen Satz gelesen, der mich so nachhaltig beeindruckt hat, daß ich ihn mir direkt merken konnte. Ohne Aufschreiben müssen! Nur weiß ich leider nicht mehr, WER ihn WO und WANN geschrieben hat. Deshalb ohne Quellenangaben:

Unglaublich, wieviele Menschen ohne Sünde, dafür aber mit großem Steinvorrat sind!

Darauf gekommen bin ich durch DIESEN Blogeintrag beim Kollegen Medizynikus, und die Frage „Wie menschlich dürfen Ärzte sein…?!“

Nun – die Frage ist doch wohl eher – „Wie menschlich SIND Ärzte?!“ Und – SIND wir überhaupt Menschen? Die Meinungen differieren hier so enorm wie in keinem anderen Berufsstand, und nirgendwo wird die Frage nach „artgerechtem Verhalten“ in solch regelmäßigen Abständen auf den Tisch gebracht, wie im Mediziner-Alltag. In der Tat – ich VERSTEHE das Dilemma ja:

Angenommen, ich bin krank. Oder mein Kind ist krank. Mein Mann, Geliebter, die Tante der Couisine dritten Grades – egal! Eine hat Schnupfen, die Zweite Diabetes und Letztere gar Krebs. Und von jetzt auf gleich bin ich nicht mehr autark, sondern muß das Schicksal – MEIN Schicksal – in die Hände einer wildfremden Person geben. Gruselig die Vorstellung, daß dieser Kerl im weißen Kittel, oder das junge Ding im blauen OP-Zweiteiler, das nur wenig älter ausschaut, als die 12jährige Tochter der Nachbarin, plötzlich wesentlich am Ausgang meines weiteren Lebens beteiligt sein soll. Und Selbstverständlich hilft es eindeutig weiter, wenn man sich glauben macht, daß Ärzte im Studium – neben profanen Dingen wie Physiologie, Anatomie und Biochemie – solch wunderbare Kurse wie „Wunderheilung Teil 1 bis 3“, „Souveränität für Anfänger und Fortgeschrittene“ oder „Fehlerlos durch jede OP“ belegt haben, obendrein noch „Vorurteilsfrei durch jeden Fall“ und „Der perfekte Mensch – gottgleich in zwei Semestern“!

Ich versteh das, denn ich will auch gerne glauben, daß ausschließlich grundgute Leute den Pfad des Medizinstudiums einschlagen, das es ihnen immer nur um den hippokratischen Eid geht und keinesfalls um Ruhm, Ehre und schnöden Mammon…!

By the way – oben genannten Eid des Hippokrates, der so oft und gerne von allen möglichen Leuten zitiert wird, schwört schon seit Ewigkeiten kein Mediziner mehr. Besser ist das auch, verbietet er doch zum einen chirurgisches (Be)Handeln, des weiteren verschiedene gynäkologische Eingriffe (wie zum Beispiel Schwangerschaftsabbrüche jedweder Art und gleich aus welchem Grund), und verpflichtet den Eid-Leistenden seine Professoren sowie deren Kinder und Kindeskinder wie eigen Fleisch und Blut durchzufüttern und auszubilden. Herzlichen Dank auch – bei der Anzahl MEINER Lehrenden würd ich da bis zum Sankt Nimmerleinstag blechen können…!!!

Zurück zum Thema: Fakt ist jedoch, das JEDER Hinz und Kunz zum Studium zugelassen wird, wenn er nur

a. ein ausreichend gutes Abitur vorzuweisen oder

b. genügend Ideen hat, wie er sich über die Wartezeit bringt, die es braucht, um automatisch zum Studium zugelassen zu werden!

Und jeder, der irgendwann mal eine schulische Einrichtung besucht hat, wird wissen, daß die Klassenstreber nicht immer automatisch die sympathischsten Leute sind, bzw. auch der Oberlooser (drei Fünfer in 4 Hauptfächern) menschlich ein toller Kerl sein kann. Oder umgekehrt!!! Ich hab Kommilitonen im Studium kennen gelernt, die hatten so wenig Gefühl für Menschen und soziales Verhalten wie die Ampel an der Ecke – aber volle Punktzahl in jeder Klausur, und heute sind die Chefarzt! Es gab Kiffer und Saufbolde, Kaschper und Lederjackenträger, Schicki-Micki-Mäuse mit täglich perfekt manikürten Fingernägeln, die auf den ersten Anblick aussahen, als könnten sie nicht bis drei Zählen – und heute haben sie alle gutgehende (dermatologische… *HUST*) Privatpraxen…. *ggg*

Ich kenne Ärzte, die nicht operieren können und dennoch 10 Stunden pro Tag am Tisch stehen – und begnadete Diagnostiker, die schon während des PJs mehr wußten, als ihr Professor je wissen wird.

Fakt ist einfach: Ärzte sind NICHT IMMER NETT!!! Und sie wissen nicht alles. Und sie können nicht alles.

Ich meine – nehmen wir mal einen schnellen Vergleich zu einer weiteren, permanent (ungewollt) glorifizierten Menschengruppe: MÜTTER!!! Die meisten Mütter haben ein Kind. Prinzipiell geht man immer davon aus, daß Menschen, die Kinder mögen nicht komplett Banane sein können. Heißt im Umkehrschluß: Alle Mütter sind gute Menschen *HUUUUUST*

Nee, is´ klar…!!!

Zurück zu oben genanntem Zitat: All ihr, die euch über menschliches Verhalten aufregt – seid ihr tatsächlich selbst so frei von Fehl und Tadel? Habt ihr noch nie beim Anblick eines Menschen gedacht: „Boah, ist der groß/klein/dick/dünn/schön/hässlich/arrogant/dämlich/whatever…!!!“ Und mal ernsthaft – selbst wenn ich das denke, ist es doch immer noch meine Sache! Die Gedanken sind bekanntlich frei (zum Glück – wer weiß wie lange noch… ;)) – und schließlich bin ich ja nicht zu Patient XY hingelaufen und hab gesagt: „Watt siehste Schei**e aus heute!!!“

Es ist in meinen Augen einfach kleinlich und garantiert oft auch weit von der Wahrheit entfernt, sich über solch menschliches Verhalten zu echauffieren, schließlich bedeutete dies im Umkehrschluß, das ihr (wer auch immer „ihr“ jetzt sein mögt ;)) frei von allen üblen Gedankengängen seit. Und DAS, mit Verlaub, kann ich einfach nicht glauben. Die Psychologie zeigt sogar ganz im Gegenteil, daß einem gerade JENES Verhalten anderer Menschen gehäuft übel auffällt, welches wir bei UNS SELBST am wenigsten leiden können. Wir projezieren unsere Fehler auf den Gegenüber, und kritisieren sie statt bei uns selbst einfach an ihm. Dann tun die Steine auch nicht so weh… ;)

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28 Kommentare zu “Gutmenschen

  1. … aber wenigstens an diesen Teil des Hippokratischen Eides dürfen sich die Fach-/Ober-/Chef- und sonstigen Ärzte halten:
    „… sie diese Kunst lehren, wenn sie sie zu lernen verlangen…“

    LEHRT uns doch endlich ordentlich!!

  2. Bin mal gespannt wie lange es dauert bis die Bundesärztekammer sich in Dein Blog gehackt hat um diesen Beitrag zu löschen… ;-)

    Natürlich sind alle, ALLE Ärzte frei von Fehl und Tadel, immer freundlich und natürlich biologisch abbaubar… all das selbstverständlich auch nachts um drei, wie kann man nur daran zweifeln… tststs…

  3. Was ich an dieser Diskussion (hier und im zitierten Blog) interessant finde ist folgender Aspekt: Es wird wieder und wieder betont, dass Ärzte Menschen sind.

    Äh… ja. Und?

    Warum muss das denn so ausdauernd betont werden?

    Anscheinend besteht bei dieser Berufsgruppe ein besonders großer Bedarf, das Mensch-Sein an sich (mit allen Vor- und Nachteilen) zu betonen.

    Heißt ja im Umkehrschluss, dass an dieser Tatsache in der Bevölkerung Zweifel bestehen. Niemand käme auf die Idee die Menschlichkeit (und damit letztlich die Fehlbarkeit) von Lehrern und Fußballtrainern zu betonen. Übrigens zwei Berufe, die so ziemlich JEDER auf der Straße glaubt besser machen zu können als die dafür Ausgebildeten.

    Aber der Herr Doktor / die Frau Doktor, das ist schon wer. Auch heute noch. Selbst wenn die betreffende Person keinen Titel hat, die Patienten (und nicht nur die ältere Generation) verleiht diesen selbstverständlich.
    Das Ansehen / der Status des Arztes ist nun mal enorm hoch und sicher auch ein (bewußtes oder unbewußtes) Kriterium für die Studienwahl. Und der „Preis“ für dieses Ansehen, die hohen Erwartungen besteht eben unter anderem darin, dass die Patienten vom Arzt häufig eine gewisse Unfehlbarkeit erwarten.

    Eine Erwartung, die niemand erfüllen kann und muss, selbst Ärzte nicht.

    Wobei man sich in dieser Berufsgruppe natürlich schon besonders viel Unfehlbarkeit wünschen würde, so als Patient auf dem OP-Tisch zum Beispiel.

    • schade, ich dachte, ich hätte es einigermaßen verständlich erklärt…
      man muß es betonen, weil es so IST!!! und egal wieviele menschen sich wünschen/denken/glauben machen wollen, dem sei nicht so, es BLEIBT dabei: der arzt an sich ist nicht unfehlbar (und möchte es auch nicht sein). und ja, wenn ich mich frage, ob mein arzt sich tatsächlich auch gedanken a la „mann ist die dick mann“ oder „boah – tolle brüste“ macht, dann bezweifel ich in diesem moment daran. denn jeder anderen berufsgruppe steht man solche gefühle doch auch zu. und was die fußballtrainer und lehrer anbetrifft, die haben mein vollstes mitgefühl dafür, daß tatsächlich jeder zweite denkt, er könne besser unterrichten/trainieren/kinder handeln, und zwar ohne trainerschein und staatsexamen. aber lehrern (z.b.) steht man sogar zu, daß sie bestimmte kinder nicht mögen oder lieber mögen – dem arzt an sich wird diese möglichkeit von vorne herein „verboten“.

    • Von Ärzten wird implizit erwartet, Übermenschen zu sein. Natürlich hofft man zutiefst, daß der Arzt keine Fehler macht, denn davon hängt möglicherweise unser Leben ab, vielleicht auch „nur“ dauerhaft unsere Lebensqualität…
      In einer Zeit, wo wir gegen alles abgesichert sein wollen und uns immer mehr einsperren, will man natürlich auch beim Arzt absolute Sicherheit…

      Auch in meinem Beruf läuft man übrigens Gefahr, für einen Übermenschen gehalten zu werden. Der „Kunstfehler“ liegt meist darin, nicht allpräsent zu sein, nicht alle Dummheiten mit einem Lächeln anzuhören, vor allem aber: dem Klagenden etwas vorgehalten zu haben, während man ja bei so vielen anderen so viel Langmut und Geduld besitze.
      Ach ja, und natürlich darf man keine Witze unterhalb der Kuttenkordel machen, am besten überhaupt nicht wissen, daß der Mensch, der einem gegenübersitzt, ein geschlechtliches Wesen ist – selbst dann nicht, wenn die Beweise quasi schon auf dem Tisch liegen (die Décolletés sind deutlich tiefer geworden in den letzten 20 Jahren, und manche Konfirmandinnen gewähren Einblicke, die zu meiner Konfirmandenzeit nicht mal von Bordsteinschwalben gewährt wurden, bevor sie nicht die Tür zugemacht und das Geld eingesackt hatten…).

      Tja, was solls. Ich hab das Glück, daß mir kein Kunstfehlerprozeß angehängt werden kann, und wenn zu viele Leute in der Gemeinde mich unsympathisch finden, geh ich halt woandershin.
      Die Finger bei mir zu behalten, ist eh für mich eine Selbstverständlichkeit.

    • Zitatauszug von Blüte: (Was ich an dieser Diskussion (hier und im zitierten Blog) interessant finde ist folgender Aspekt: Es wird wieder und wieder betont, dass Ärzte Menschen sind.

      Äh… ja. Und?

      Warum muss das denn so ausdauernd betont werden? )))

      Dies muss es in der Tat, denn noch immer gilt gemeinhin das Symbol des „Halbgottes in Weiß“ in den Augen der breiten Masse. Manche Ärzte halten sich ebenfalls dafür, wobei Eitelkeit ja auch wieder menschlich ist. Fehler können sich Ärzte relativ wenig erlauben, denn immerhin liegt es in ihren Händen, wichtige Entscheidungen zwecks Behandlung der einen oder anderen lebensbedrohlichen Verletzung oder Krankheit. Ein einziger Fehlgriff, und der ganze Berufsstand wird diskreditiert.

      Unmenschlich ist hingegen unsere Gesundheitsreform, die unsere Gesellschaft in Zwei – Klassen – Patienten aufgliedert und die Arztpraxen und Notaufnahmen von Krankenhäusern dazu zwingen, erst einmal nach der Versicherungskarte zu fragen, selbst wenn sie denn einen Patienten mit dem Kopf unter dem Arm vor sich haben würden.

      Herzliche Grüße

      DominoDancer

  4. *unterschreib Eintrag vollständig*
    Es wäre ja noch schöner, wenn Ärzte, Krankenschwestern, Arzthelferinnen etc. ihre Menschlichkeit an der Praxis- bzw. Krankenhaustür abgeben müssen… Und da seien solche Gedanken (siehe Link zum anderen Blog) durchaus gestattet. Ist ja nur menschlich… und was ich für mich in Anspruch nehme, muss ich auch anderen zugestehen. Punkt.
    LG Elawen (die sich schon auf die weiteren Kommentare freut…)

  5. Liebe Josephine,

    ich hab dich schon verstanden, mein Gedanke war ein anderer.

    Dass Ärzte Menschen sind, mit allen Vor- und Nachteilen, ist mir schon klar. (Dass ich mir aufgrund einer bevorstehenden OP gerade einen unfehlbaren Operateur wünsche, ist dann eher ein Zeichen MEINER menschlichen Schwäche ;-)).

    Ich war eher auf der Suche nach Antworten darauf, WARUM diese offensichtliche Tatsache so betont werden muss.
    Woran liegt es denn, dass den Ärzten gerne Unfehlbarkeit angedichtet wird? Woran liegt es, dass Patienten schockiert sind, wenn Ärzte durchblicken lassen, dass sie auch über ihre Patienten lästern oder sie attraktiv finden? WARUM sind diese und andere Eigenschaften bei Ärzten besonders zu betonen? Oder anders: Warum geht nicht jeder selbstverständlich davon aus, dass sich dies bei Ärzten wie bei allen Berufsgruppen und Menschen im Allgemeinen verhält?

    Als Soziologin finde ich nicht so sehr die Tatsache interessant, dass Ärzte Menschen sind, sondern vielmehr den Umstand, dass man meint, an diese Tatsache erinnern zu müssen.

    Und je länger ich darüber nachdenke, desto interessanter finde ich diese Frage. Ärzte sind so gar nicht mein Thema im Beruf, aber gibt es eigentlich umfassende Studien zum Selbstbild und Fremdbild von Ärzten? Und was macht die berufliche Sozialisation mit diesem Selbstbild?

    Ich glaub, ich mach mich mal auf die Suche…

    Und noch mal was zu den Lehrern. Auch wenn jeder weiß, dass es Lehrer gibt, die einzelne Schüler nicht mögen, ZUGESTEHEN tun den Lehrern das die wenigsten, übrigens zu recht. Denn professionelles Handeln darf in keinem Beruf von solchen Gefühlen beeinträchtigt werden. Da unterscheiden sich die Berufsgruppen dann eigentlich nicht mehr.

    • okay – jetzt hab ICH es verstanden… :)
      ich glaube, daß liegt daran, daß um medizinische heilberufe jahrtausende lang massiv bohei gemacht wurde, die ausbildung selbst nur sehr vermögenden und/oder gebildeten menschen vorbehalten und deshalb dem „normalen fußvolk“ nicht wirklich zugänglich war. allein die verwendung von latein und griechisch hat die kluft zwischen heilenden und zu heilenden beträchtlich verbreitert. und solche klüfte bleiben eben oftmals NOCH länger bestehen, als der zustand an sich.
      einen anderen, wichtigen punkt hast du ja selbst nochmal angesprochen: ICH als patient möchte selbstverständlich gerne glauben, daß mein arzt mehr ist, als der „sepp von nebenan“ – zumal, wenn ich ihm laib und leben anvertraue…

  6. Das Problem ist doch auch (glaub ich wenigstens), dass Patienten BEIDES wollen: einen gottgleichen Arzt, der mit den Fingern schnippt und *schwupps* ist die Krankheit weg – und GLEICHZEITIG einen einfühlenden Mitmenschen, der am besten die eigenen Gedanken lesen kann und sich dagegen kein bisschen abgrenzt.

    Aus diesen doch etwas widersprüchlichen Ansprüchen (ganz weit weg und doch ganz nah dran) ergibt sich für die Ärzte eine fiese Gratwanderung… dazu kommt dann noch, dass sich nur sehr wenige Menschen wirklich empathisch auf andere einlassen können ohne dabei selbst kaputt zu gehen (ich z.B. kann es nicht – ich bin entweder zu distanziert oder zu involviert, das rechte Maß suche ich noch. Und bei mir gehts „nur“ um Studenten, die sind längst nicht so emotional anstrengend wie Kranke – denk ich mir.)

    „Es ist in meinen Augen einfach kleinlich und garantiert oft auch weit von der Wahrheit entfernt, sich über solch menschliches Verhalten zu echauffieren, schließlich bedeutete dies im Umkehrschluss, das ihr (wer auch immer “ihr” jetzt sein mögt ;)) frei von allen üblen Gedankengängen seid.“
    Zumindest bei mir wäre dieses Argument ein Trugschluss. Ich stelle grundsätzlich ALLES infrage – auch mich selbst (diesen Teil kriegt man nur in meinen Blog-Kommentaren nicht unbedingt mit). Dabei geht es mir gar nicht um Schuldzuweisungen oder Steine werfen, sondern schlicht um Diskussion – WARUM ist das so, ist es ÜBERHAUPT so, kann man das nicht vielleicht doch irgendwie ändern (es steckt wohl doch ein kleiner Ingenieur irgendwo in mir drin…).
    Ich sehe einfach nicht ein, alles einfach so hinzunehmen. Ich reiße meine Klappe auf – und so manchen hab ich schon zum denken gebracht. Im Gegenzug haben aber auch schon viele Leute MICH zum Denken gebracht – nämlich dann, wenn sie auf meine Einlassungen mal nicht beleidigt reagiert haben, sondern sich tatsächlich auf eine inhaltliche Diskussion eingelassen haben. Aus solchen Streitgesprächen gehen dann oft beide Seiten bereichert raus.

    Anders formuliert: ich kann jede Meinung akzeptieren, wenn derjenige sie begründen kann. Was ich NICHT akzeptiere, ist wenn jemand seine eigene Haltung nicht reflektieren mag – das ist schlichtweg denkfaul.

  7. Btw (nachdem ich eben beim Medizynicus die letzten Kommentare nachgelesen habe): klar, Friede :)
    (und nein, ich gehöre nicht zur „anderen Seite“ – ich bin schlicht und einfach manchmal streitlustig.)

    Ich weiß ja eigentlich, dass die extrem direkte Art, die unter Nerds so üblich ist, nicht bei allen gut ankommt… mal sehen, ob ich da was tun kann.

  8. Ich verstehe den Beitrag, glaube ich, richtig und finde ihn prima. Vielleicht gestehen Patienten den Ärzt/innen das „normale“ Mensch sein deshalb nicht gerne zu, weil ich vor einem“normalen“ Menschen nicht gut zugeben kann, dass mich „unten rum“ was juckt? oder er/sie mal nachkucken könnte, was aus meinem Hals da gerade so komisch riecht? Also, vielleicht wollen viele Leute Ärzte aus dem „normalen“ Mensch-sein ausschließen, weil man sich sonst nicht trauen würde, sich ihnen anzuvertrauen? Die Mehrheit der Menschen funktioniert vielleicht so…ohne darüber nachzudenken. Wenn man Ärzt/innen auf einen Sockel stellt, sind sie sicher-weil unfehlbar und sicher, weil nicht wertend?(angeblich) Vielleicht machen einige Ärzte es auch genau aus diesem Grund, dass sie sich auf einen Sockel stellen, um sich von der „normalen“ Menschheit ab zu heben und nicht bewertet werden zu können, da sie „über“ der Bewertung stehen. Klar ist das ein Trugschluss, aber das sind andere Schutzmechanismen auch. Ich finde es gut, wenn Ärzte authentisch und menschlich sind und wenn sie mich anpampen, pampe ich zurück!Und wenn ich sie klasse finde, sage ich es auch!
    Die andere Frage, dass nämlich nicht jeder Mensch für den Beruf geschaffen ist, den er sich wegen „guter Führung“ in der Schule aussuchen kann, finde ich ebenfalls sehr auf den Punkt gebracht. Und mir fällt das auch sehr in allen Berufen, die hohe soziale Kompetenz erfordern auf, dass ganz viele Leute da gar nichts zu suchen haben, weil sie dort auch gar nicht finden, was sie suchen!
    Finde auch viele Eltern gaaanz, gaaanz schrecklich…und finde die Erklärung eines besten Freundes sehr treffend auf die Frage, warum Frauen Kinder bekommen- weil sie`s können!
    Finde es mal wieder einen sehr gelungenen Beitrag
    freundlichen Gruß – ein hoch auf`s Mensch sein

  9. Ich muss gerade dran denken wie ich meinen Hausarzt (über 50 und verheiratet) bei meinem ersten Besuch („isch hab Rücken“) fragte, ob ich mein Shirt wieder anziehen darf.
    Antwort: „wenns sein muss“ mit einem fetten Augenzwinkern ;)

    Ich hab kein Problem damit, mich vor Ärzten auszuziehen. Die haben sicher schon schlimmeres gesehen als mich und bei mir ist alles angewachsen, da kann man nix weggucken :)

    Was ich nicht mag: Schuhe ausziehen. Sieht nicht eklig aus aber Käsefüße finde ich peinlich.

  10. Mein Neuro begrüßte mich vor 10 Jahren bei meinem Besuch bei ihm (taube Hände) mit „sie sind zu dick!“. Ich liebe ihn immer noch (und wo er recht hatte, hatte er recht) und vertrau ihm total, was meine MS betrifft ;)

  11. Ein wirklich guter Artikel, danke! Natürlich stellt sich die Frage, ob Ärzte darunter leiden, dass die ganze Welt davon ausgeht, dass sie gute (oder: bessere) Menschen sind als der Durchschnitt (was auch immer der Durchschnitt sein mag). Das kann ja bei anderen Berufsgattungen auch ein Problem sein. Darf zum Beispiel ein Pfarrer etwas böses über eines seiner Schäfchen denken?

    • aus erster Hand:
      Er darf – aber er tut gut dran, sich dreimal zu überlegen, wem er diese Gedanken offenbart. Und „offenbaren“ ist ziemlich weitläufig gedacht: man sollte es nicht mal an der Nasenspitze sehen!
      Die Vertrauensperson ist denn auch meist ein Kollege…

  12. Ich glaube ich verstehe hier gar nichts.

    Es ging doch ursprünglich um sexuelle Anziehung und ob ein Arzt so etwas DENKEN darf.
    Nun schwappt es über in REAKTIONEN eines Arztes und das ist für mich zumindest genau die Trennlinie.
    Gedanken sind das eine und – wie bereits erwähnt frei. Aussagen, Blicke etc., das sind Handlungen, und die sollen bitte neutral sein.
    Wenigstens bemüht neutral. Und ja, das verlange ich von (m)einem Arzt!
    Und ja, es gibt Berufe, die mehr Ethik und Verantwortung verlangen als andere. Natürlich sind wir alle Menschen aber manche haben eben mehr Verantwortung, meine Güte. Deswegen haben sie ihren Beruf auch gewählt! Weil die Konsequenzen ihrer Handlungen tolles vermögen oder fatal sein können. Ganz sicher sind das Ärzte, Pflegepersonal, Rechtsanwälte, Richter…laberlaber…..Bundestagspräsident :-)

    Manchmal denke ich die Krux an den akademischen Berufen liegt auch ganz arg in der anonymisierten Auswahl. Ums deutlich zu machen: berwerbe ich mich heute mit Abitur oder mittlerer Reife um einen Ausbildungsplatz werde ich zur persönlichen Vorstellung gebeten, sofern die Bewerbung vielversprechend ist. Danach erst wird entschieden, ob „man“ als geeignet befunden wird. (was sicher eine eigene Diskussion wert ist) und die Ausbildung machen darf. (Ich persönlich erinnere mich an 1000 Bewerber auf 25 Plätze in der Logopädiausbildung..)
    Im akademischen Bereich entscheiden nur die Zahlen: Abi gut genug oder nicht. XY kann studieren oder nicht. Oder später. Die Masse kann. Fraglich sind nur die Beweggründe der angestrebten Ausbildung und nur weil Sozi-Geschichte LK toll war macht das bei weitem noch keinen guten Pädagogen.
    Und um halbwegs zum Thema Medizin zurück zu kehren: ein Arztpapa oder ein 1,2 Abi reichen einfach nicht. Was bitte ist es, was einen Medzin studieren lässt?
    Doch, ich wünsche mir mehr Altruismus da!

    Den Aufschrei aus Deinem Post hier kann ich nicht nachvollziehen – und das ist kein Steinwurf ;-)

  13. Zitat: „Wir projezieren unsere Fehler auf den Gegenüber, und kritisieren sie statt bei uns selbst einfach an ihm. “

    Das hast Du sehr schön gesagt. Und das ist menschlich.

    Ansonsten bin ich generell der Meinung, dass sich Ärzte ihren Allerwertesten auch nur mit Papier abwischen! Und ich denke Du siehst das ganz genauso.

    Ich selber habe mich noch nie von einem Arzt unhöflich behandelt gefühlt. Das gilt zB. auch für Polizisten. :o) Es kommt eben immer darauf an mit wieviel „Geist“ man den Menschen generell gegenüber tritt.

  14. So, jetzt habe ich den eigentlichen Beitrag von Medizynicus gelesen. Der, um den es ja eigentlich ging. Und ich muß sagen, er berührt mich tief! Diese Zeilen enthalten doch so viel Wärme und Menschlichkeit. Daher kann ich mich auch nicht daran stören. Was mich nur wundert: Wieso liege ich splitternackt im OP wenn ich nur nen gebrochenen Fuß habe!!!!???? :o)

  15. Ja, die lieben Ärzte. Bekannte von mir sind mit Leidenschaft Ärzte. Und sind auch noch notarzttechnisch viel eingeteilt. Die haben am Rande mal erwähnt: „Also, bei ein paar Kollegen möchte selbst ich nicht einmal des Nächtens behandelt werden müssen…“. Das lasse ich einmal jetzt so stehen und lass es auf euch wirken…

  16. Tja die Götter in Weiss sind auch nur Menschen. Das muss man einfach hinnehmen. Die Leute auf der Bohrinsel im Golf von Mexiko sind die flops der Woche des Monats und was weiss ich nicht wie lange. Die haben echt Schwierigkeiten!

  17. Deshalb sehe ich mir gerne die Ärzte im Fernsehen an. Die machen regelmäßig Fehler und da ist es auch nicht immer schlimm. Dann stirbt eine, weil sie vergessen haben bei dem Brand den Hals anzusehen…..Kunstfehler….

  18. Ich bin ja die letzte, die der heilenden und manchmal recht unheiligen Zunft unterstellen würde, sie seien Aliens oder was auch immer.
    Wenn man allerdings schon so lange wie ich in schöner Regelmäßigkeit mit einem bestimmten Typus Facharzt konfrontiert ist (seit meiner Geburt wegen kaputter Hüften) und in diesem Bereich immer wieder auf Leute trifft, die a) mich als Patienten behandeln als wäre ich dumm und unmündig und würde mich nicht schon seit immer mit diesem Problem herumschlagen und b) sich selbst als die Krone der Schöpfung oder zumindest der ärztlichen Ausbildung betrachte… dann kann man schon auf komische Ideen kommen.

    Ich lasse diese Möchtergerngötter ja gerne mal gegen meine interne WEand laufen und wenn das nicht hilft, gehe ich halt nicht mehr hin, sondern zu einem normalen Kollegen :)

    Außerdem befällt selbige Ausfallerscheinung auch gerne Uni-Dozenten ganz unabhängig vom Fach ;)

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