Das Experiment – Vaginale Hysterektomie im Selbstversuch!!!

Guten Abend!

Es war ein schöner Tag. Korrektur: Es hätte ein schöner Tag werden können. Wenn der Herrgott nicht die Fuck Vag-HE (= Entfernung der Gebärmutter durch die Scheide) erfunden hätte. Und die LaVH – das ist vag HE für Leute, die gerne mehrere OP-Siebe geöffnet sehen wollen und eine Vorliebe für Patienten-Umlagerung haben.

Das Problem der vaginalen Hysterektomien liegt einzig und allein beim Erst- und Zweit-Assistenten. Warum? Okay – praktisches Beispiel gefällig?! Hmm – mal sehen – ihr kennt doch diese amerikanischen Doppeltür-Kühlschränke? Rechts ist der eigentliche Kühlschrank, ungefähr 60 cm breit, links die Kühltruhe mit ca. 40 cm Breite. Alles klar! Jetzt nehmt ihr den größten Menschen, den ihr auf die Schnelle finden könnt (das ist euer „Operateur“), ÖFFNET beide Türen, bis sie im 90° Winkel zur Ausgangsposition stehen und SETZT euren Operateur AUF einen kleinen Drehhocker ZWISCHEN die geöffneten Türen. Fragen soweit? Nicht? Gut! Ach ja – verderbliche Ware solltet ihr für die Dauer des WieFühltSichEineVagHeAn-Experimentes beim Nachbarn unterbringen – der Kühlschrank wird für eine GANZE Weile out of order bleiben…!

Jetzt sucht ihr euch noch einen irren Nachbarn, ruft Schwiegermuttern oder die beste Freundin an, denn zu einer Vaginalen HE braucht es immer DREI Leute. Da ihr ja per se Heimrecht habt, dürft ihr erste Assistenz spielen, und auf der RECHTEN Seite des Operateurs Platz nehmen. Stehend natürlich!!! NICHT sitzend!!! Der zweite Assistent belegt nun die andere Operateurseite. Und wichtig ist, das die Türen weiterhin im 90°-Winkel geöffnet bleiben – ihr habt also nur die 100 cm gesamte Kühlschrankbreite zur Verfügung. Und nein – es wird nicht geschummelt!!!

Okay, weitere Zutat – besorgt euch im Supermarkt vorab eine Gans. Diese positioniert ihr im Kühlschrank im ersten Regal oberhalb des Gemüsefaches (also ungefähr auf Bauchnabelhöhe eures „Operateurs“), klebt sie anständig mit Paketband fest oder verkeilt sie mit Büchern unterm nächsten Regalboden. Das Teil muß wirklich bombenfest sitzen, sonst rutscht sie euch die ganze Zeit im Kühlschrank rum, und so kann man schließlich nicht arbeiten! Das Federvieh habt ihr zuvor noch mit einer Packung Tiefkühlmais bestückt (Familienpackung!!! – immer schön rein in den Allerwertesten) und anschließend eine Dose passierte Tomaten dazu gegeben. Den Gockel einmal kräftig durchschütteln und dabei hinten feste zuhalten, sonst sieht eure Küche VORHER schon aus, wie unser OP immer HINTERHER…!!! So weit alles klar? Okay, dann das Schmankerl zum Schluß: Klaut eurem Mann/Sohn/Vater/Whoever ein paar weiße Tennissocken, packt sie schön fest zur Kugel zusammen und STOPFT sie dem Viehch zusätzlich zum Tomaten-Mais-Gemisch ebenfalls in den Hintern. Fertig ist euer Pseudo-Scheiden-Eingang samt Gebärmutter- und Blut-/Innereien-Dummie!

Jetzt braucht ihr nur noch ein bis zwei Pinzetten verschiedener Längen für euren Operateur, Nadel, Faden und eine Stirntaschenlampe – oder alternativ muß sich Omma mit der Taschenlampe hinter den Aufschneider stellen und rezidivierend IRGENDWOHIN leuchten, dann kommt auch – spätestens wenn eure Chefarzt-Attrappe entnervt nach Licht an der richtigen Stelle brüllt – echtes OP-Feeling auf!

So, zur Hauptsache – du und dein Zweit-Assi! Ihr bekommt jetzt jeder ein Messer in jede Hande gedrückt (also ZWEI Messer pro Assistent!) – es geht aber auch mit Schraubenziehern, Rohrzangen, Kochlöffeln oder ähnlichem Gerät. Eure immens wichtige Aufgabe ist es nun, das Mini-Ar**loch der armen Wutz – Verzeihung: Gans – mit den euch zur Verfügung stehenden „Instrumenten“ so weit offen zu halten, daß der Operateur das Sockenknäuel in all der Mais-Saußen-Pampe identifizieren und hübsch säuberlich drei große und drei kleine Knöpfe sowie einen kompletten Reißverschluß einnähnen kann. Selbstverständlich OHNE die Socken vorher der Gans zu entnehmen!

Wichtig ist auch, das die vermeindliche Vagina keinesfalls und unter gar keinen Umständen auf rückenschonende Höhe angehoben werden darf – das Arbeiten in gebückter, zur Seite gedrehter Haltung entspricht zu 100% der im OP permanent eingenommenen Stellung bei vaginaler Assistenten-Folter! Und nicht vergessen: Die Türen dürfen keinen Millimeter weiter als 100 cm voneinander entfernt sein – simulieren sie doch die gespreitzten Beine der in „Steinschnittlage“ befindichen Patientin – und da sind 100 cm echt Luxus, das sag ich euch…!!!

Für masochistisch veranlagte Menschen kann dieser Selbstversuch noch bis an den Rande der Beinahe-Realität gebracht werden, wenn man oben angegebene Versuchsreihe in Skibekleidung (Thermo-Hose PLUS Jacke PLUS Mütze und MIT Mundschutz) bei voll aufgedrehter Küchenheizung und mit mindestens 6 h Zeitabstand zur letzten Mahlzeit durchführt. Erschreckend echt wird es, wenn ihr noch einen Nachbarn organisiert, der alle 10 Minuten mit wildem Blick durchs Bild stampft und „Wir sind im Zeitverzug – der ProLift muß abgesetzt werden!“ bzw. „Wie- IMMER NOCH NICHT FERTIG?!?!“ muffelt – die OP-Oberschwester, wer sonst….?!

So, liebe Freunde der Medizin, ich hoffe ihr habt euch nach 4,5 Stunden schweißtreibender, menschenverachtender Knochenarbeit nicht gegenseitig zerfleischt, könnt zumindest mit zittriger Hand noch ein paar Tropfen Wasser zum Munde führen und schaltet auch morgen wieder ein, wenn ihr Doktor Jo sagen hören wollt: „Was auch immer passiert – BLOSS NICHT DEN NIPPEL VERLIEREN!!!!“

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41 Kommentare zu “Das Experiment – Vaginale Hysterektomie im Selbstversuch!!!

  1. Bei aller Liebe für technischen Spielkram, warum macht man das dann? Weil es geht? Weil die Wundheilung wirklich soviel besser ist? Weil eine ca. 3 cm Narbe unter der Bikinilinie die Frau für immer verschandelt?
    Weil der Kram allen Beteiligten soviel Spaß macht? Hört sich ja irgendwie nicht danach an…

    ;)

    Vielen Dank!

    • isch hab keine ahnung!!!!!!!!!! wenns nach mir ginge, würd ich es lieber gestern als heute abschaffen, ich schwöre!!!!
      nee, stimmt nicht, ich weiß es doch: die wundheilung und rekonvaleszens ist in der tat besser – gerade bei frauen MIT schlechten heilungsvoraussetzungen (alt, diabetes, vor-ops, etc.)
      aber spaß hat daran wenn überhaupt dann nur der operateur… – und das auch nicht immer!

  2. Ohweia! Ich dachte immer, als Patient hätte man’s schwer ;-). Nein, ich werde dieses Experiment nicht durchführen. Irre Nachbarn hab‘ ich zwar, aber ich bin feinmotorisch nicht geschickt genug :mrgreen:.

    Ich les‘ deine Blogeinträge sehr gern. Sie nehmen mir zwar immer ein Stückchen meiner Unschuld, aber ein wenig Realitätsbewusstsein in Bezug auf den Medizineralltag kann ja nicht schaden!

    Liebe Grüße
    Bylle

  3. Haha, das alles wird meine nächste Fam in der Gyn noch heiterer gestalten ^^

    Wobei ich mir schon manchmal überlege ob ich meinen zukünftigen Arbeitsbereich vllt noch mal überdenken sollte :)

    Liebe Grüße und herzlichen Dank für diesen tollen Blog!
    Darki

  4. Ich shcließe mich Bylle an, ich werd’s auch nciht durchführen, allerdings scheitert’s mir am nicht vorhandenen großen Kühlschrank ;-) Aber ich hab allein bei der Vorstellung shcon herzlich gelacht :-D

  5. Es gibt nichts schöneres als derjenige zu sein, der in gemütlicher Haltung im Kühlschrank sitzt und sich das Trauerspiel da draussen ansieht…

  6. hallo ui wie cool wenn ich mich nicht vor rohem Fleisch besonders in Form von ganzen Vögel ekeln würde, würde ich das ganze glatt als Partyspiel auf meinem 31 Geburtsag veanstalten. Wie Schokoladen essen.Bei wem die Tür weiter aufgeht als 100cm der muss aufhören und darf erst wieder dran wenn er dreimal ne sechs gewürfelt hat.
    sehr lustig danke dafür mir ging es heute nicht so gut aber jetzt hab ich das erstemal gelacht.
    Danke.
    Ich lese hier immer fleissig und mein Freundeskreis musste sich schon so manche Geschichte anhören.

    Auch haben schon einige Wörter von dir einzug in meinen Wortschatz gehalten, anstellen von Öko-Tante*sorry sorry ja ich weiss alles total gesund* wird derlei jetzt mit biologisch abbaubare Drittgebärende bezeichnet.
    Ich weiss auch nicht nett, ich schäm mich ja auch.
    Dafür bin ich die Quotentunten.

    lg Pascal

    • schäm dich nicht – das ist alles noch absolut sozial kompatibel :)
      und herzlich willkommen in meinem blog – ich hab ein herz für quotentunten… :)

  7. Hach herrlich. Ich stell mir das gerade bildlich mit meinen Nachbarn vor.
    You have made my day wie man so schön sagt!
    Dieser Beitrag hat mich auch endlich mal dazu gebracht zu kommentieren. ;-)

    • okay – ich denk schonmal drüber nach, was wohl als laparoskop-dummi herhalten könnte und womit ich das CO2 ins Federvieh bekomme… *ggg*

  8. Operieren kann richtig Spaß machen, vor allem, wenn man mit den richtigen Leuten am OP- Tisch steht.
    Aber dieses eine Mal, als ich an die Gynäkophagen ausgeborgt wurde…und ich STUNDENLANG…ACH WAS, TAAAGE!!!…zwischen den Kühlschranktüren stand…nee! Weiß gar nicht mehr, war ich danach aus dem OP gekrochen?!?

  9. meine küche sieht jetzt aus wie sau, meine nachbarn reden nicht mehr mit mir, der mann verlässt mich, weil er angst vor mit hat … aber ich hatte spass ;o)

  10. die Kühlschrank-Story hört sich so echt an, dass dieser (sauber verdrängt gewesene) Teil der Gyn-Famulatur wieder ans trübe Tageslicht geholt wurde ….. *aaaaahhhh*
    Genial ge-/beschrieben!

  11. Mein Respekt!
    Das mit dem 6h-Abstand zu den Mahlzeiten stell ich mir immer am schlimmsten vor.
    Wie kann man stundenlang operieren, ohne irgendwas zu essen? Da wird man doch zittrig und so ganz ohne ist so ne OP ja nun auch nicht.

    Aber sehr anschaulich beschrieben. So was wurde bei meiner Schwiegermutter in spe auch gemacht.

    • das zauberwort heißt: stützstrümpfe und nie ohne ein erwachsener-holzfäller-frühstück aus dem haus gehen!!!

  12. Ich hab genau so einen Kühlschrank. Und darin liegt ein Brathuhn und wartet auf seine Zubereitung.

    Ich glaube, es wird da noch länger liegen, ich kann es vor lauter Lachkrämpfen nicht entnehmen…

    • LOL
      ich kann MEINEN kühlschrank nicht mehr öffnen, weil da ja der herr hell-im-hals drin sitzt… *ggg*

  13. .. und wenn dann die Sauerei in der Küche beseitigt ist, erhält der „Operateur“ die Lizenz für die Realität :-)

    ausserdem @mia: das Huhn aber nach Josephines Vorgaben präparieren!

  14. die verschärfte Version der vag. HE: die Beine der Patientin liegen auf den Schultern der Assistenten – besonders toll bei „gut gebautem Volk“ :-)
    (selbst noch mitgemacht vor 7 Jahren!!!)

    ABER auch vag. HE ganz entspannt:
    Beine der Patient hängen in Schlaufen schön weit oben, Operateur ist 1,90 groß und operiert in Augenhöhe mit Biclamp (Gebärmutter wird praktisch „rausgeschweißt“ ohne Gefummel mit Klemmen und Fäden) – zum Schluss eine Naht zum Verschluss von Peritoneum und Scheide. Die ganze OP ist in 30 min fertig. So macht es wirklich Spaß und die OP-Schwester nervt nicht mehr :-)

      • kannst Du jeden Tag haben – da wäre noch eine Gyn-Stelle frei … Ostsachsen… ist doch praktisch bei Dir um die Ecke, oder? :-)))

  15. ich wusste, warum ich zu meinem Operateur gesagt habe: Gebärmutterhals mit Muttermund bleiben DRIN!!! Konnte mir keiner durch die Kühlschranktür…
    ach, aber ich ahnte es, dass ihr da eure Späße treibt…
    man fühlt sich seeehr merkwürdig nach so einer OP – wahrscheinlich das Unterbewusstsein, das alles mitbekommt…
    und das Hammer-Narkosemittel, mit dem man 5 Stunden weggeballert ist und hinterher nur am k*zen ist…

  16. Hiermit verleihe ich Dir den goldenen Pokal für den besten OP-Do-it-your-self-Beitrag des Jahres.
    Vermutlich wird er bald zur Pflichtlektüre für alle angehenden Gynies, aufgenommen in alle gängigen Lehrbücher und bei der Facharztprüfung abgefragt.

  17. Danke für die tollen Geschichten! Beim Lesen der Überschrift hab ich erst geglaubt, da hat sich jemand selbst operiert……. Irgendwie bin ich doch jetzt ganz froh, dass meine HE abdominal stattfinden musste!

  18. Ich finds ne echt gute Idee zu üben und meine Familie weiß dann auch mal, was ich so mache:-)

    Ne Freundin von mir hat sogar noch ein Spekulum und arbeitet zufälligerweise im OP:-)))

    Vielleicht mach ich doch Gyn..und bring mir das operieren einfach selber bei:-D

    THX für viel Gegrinse in der blöden Examenslernerei.

    • weil mir nichts anderes einfiel, was die räumliche begrenzung durch die beine der patientin anschaulicher rüber bringt :)

  19. Damit sich auch der Herr „hell im Hals“ wohlfühlt? *lautlach* Jaja, ein Operatöör hats schwöör ;-)

  20. Pingback: Vier Tage « (M)Ein Leben im Chaos

  21. Seit gestern erst erkenne ich die unendliche Wahrheit dieses Beitrages…

    Danke noch mal dafür!

    Ich habe mir erlaubt in in meinem Blog zu verlinken :) wenn das nicht okay sein sollte, bescheid geben, dann nehm ich ihn wieder raus…

    • gerne doch, freu mich immer verlinkt zu werden. und ja – fuck vag HE ist übles tagesgeschäft…
      weiterhin viel spaß beim famulieren!

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