Die Qual der Wahl…

Im Gegensatz zu früher (also gaaaaaaaanz früher, so Anno 1850) gibt es in der Medizin ja mittlerweile dutzende, ach was, hunderte verschiedener Fachrichtungen. Somit kann jeder Spleen ausgelebt, alle Interessen, Neigungen und Wünsche adäquat bedient werden!

Für die „höheren Töchter“, welche keine Lust auf zahlreiche (kraftraubende) Dienste haben, obendrein vielleicht nicht wirklich die Klassenbesten oder sonstwie nur zufällig im medizinischen Studium gelandet sind, hat der liebe Gott die

Dermatologie (= Lehre von der Haut) geschaffen. Dermatologen machen den lieben langen Tag nichts anderes, als Cortison zu verteilen – und dabei ist es völlig wurscht in welcher Aggregatform, ob als Salbe, Tablette, Infusion oder Zäpfchen, Hauptsache drauf und rein, es wird dann schon irgendwie helfen! Dienste gibt es eigentlich keine – wie sollte auch ein akuter dermatologischer Notfall aussehen? Ausschlag bei Kindern macht der KinderDoc, erwachsene Männer werden erstmal zum Internisten geschickt, die Frauen wahlweise ebenso oder über den Gynäkologen zwischen geparkt. Die allergischen Geschichten bekommen ebenfalls die Internisten (arme Schweine – hätten auch besser mal was anständiges gelernt) und alles andere hat Zeit bis zum nächsten Morgen oder Wahlweise dem kommenden Arbeitstag. Wer also beim Anblick eines Ganzkörperausschlags nicht ebenfalls akuten Juckreiz bekommt und obendrein ohne mit der Wimper zu zucken 1000e Salbenverbände pro Tag zaubern kann, der ist hier genau richtig aufgehoben! Ein weiterer, nicht zu unterschätzender Vorteil: erst einmal niedergelassen kann man sich hervorragend auf Anti-Aging spezialisieren, einen ZweitKühlschrank (neben dem CortisonTresor) für Botox anschaffen und mit dem Wegspritzen fortgeschrittener Mimik Millionen scheffeln. Gar kein ganz dummer Lebensplan, wenn man mal genauer drüber nachdenkt! Und tot arbeiten muß man sich auch nicht…

Ebenfalls gern genommene Nebenfächer mit geringem Dienstaufwand und hoher PraxisRentabilität sind z.B. die

Augenheilkunde (wertvolle Praxisanlage! Früher oder später brauchen wir – Alterssichtigkeit sei dank – alle eine Brille!) und ganz toll

Radiologie!!! Dies ist die Paradedisziplin für alle ambitionierten Mediziner, welche von Natur aus mit zwei linken Händen und/oder einem wenig empathischen Wesen gesegnet sind, desweiteren Einzelgänger, Einsidler und lichtscheues Volk – hier könnt ihr so sein wie ihr wirklich seit! Der Patientenkontakt ist minimalst, keiner muß operieren, Braunülen und Zugänge jedweder Art übernimmt die gut geschulte MTRA, und wann immer ein kritischer Patient die geheiligten Hallen betritt ist vorab dafür Sorge getragen worden, daß er einen „richtigen“ Arzt im Schlepptau hat – welcher dann solche Kleinigkeiten wie Intubation, Reanimation und andere -ationen regeln kann. Dienste werden im Zuge des High-Tech-Zeitalters über den heimischen Computer bedient – die Röntgenassistentin schmeißt vor Ort die Gerätschaft an und bugsiert den Patienten vorschriftsmäßig durch CT, MRT und Röntgenstrahlen, schickt das fertige Bildchen hübsch verpixelt durchs WWW, und der Radiologe am anderen Ende der Leitung sagt, was er zu sagen hat. Danach geht´s schnurstracks zurück ins Bettchen – mei, schöne neue Welt!!!

Eines meiner ewiges Lieblingsthemen: Immer und immer wieder die Freudianer:

Psychiater nicken stets freundlich die Macken ihrer Patienten ab, verschreiben einen hübschen Haufen Pillen mit so klangvollen Namen wie Non Selective Monoamino Reuptake Inhibitors oder Monoaminooxidase Hemmer, und schreiben für jedes andere, noch so kleine medizinische Problem ein Konsil beim entsprechenden Fachkollegen. Wirklich cool – eigentlich hätten sie sich 2/3 des Studiums auch direkt sparen können… (Boah, ich werd irgendwann noch sowas von auf die Fre**e kriegen für meine große Klappe, ich weiß es… ;)). Lustig, daß sie mit dem richtigen Ansatz (große, schöne PrivatPraxis in gehobener Lage – Hollywood for Example) auch ähnlich viel Geld scheffeln können, wie die Geld-verwöhnten Dermatologen. Ich gestehe, ein Teil meiner offensichtlichen Bosheit ist neidbedingt… *ggg*

Lustig sind auch Fachgebiete wie Arbeitsmedizin (ich hab bis heute nicht wirklich verstanden, wozu DIESE Richtung überhaupt gut sein soll….) oder Sozialmedizin (siehe Klammer zu Arbeitsmedizin!) – offensichtlich verdient man auch damit sein Geld, nur wie genau müßt ihr dann mal bei Wikipedia nachlesen!

Kommen wir nun zu den „großen, anerkannten“ Fachgebieten! Über

Chirurgie und Innere muß ich wohl nicht mehr allzuviel schreiben – das kann sich auch jeder medizinische Laie einigermaßen herleiten: die Chirurgen sind die fingerfertigen Porschefahrer, die schon als Kind wenig kommunikativ waren (und lieber gleich mal ordentlich hin gelangt haben), in den Ferien auf der Skipiste von Kitzbühl oder am Pool von Miami zu finden sind und selten in Gruppen kleiner 15 Mann auftauchen. Patientengespräche werden ausschließlich in der Muttersprache aller Mediziner (Latein) und nur über den Kopf des Patienten hinweg geführt, und zur Erlangung der Facharztqualifikation muß auch der Rest Kollegialität und Mitgefühl beim amtierenden Chefarzt abgegeben werden. Chirurgen sind im übrigen bis zum heutigen Tag ein patriarchisch geführter Zweig – die paar Frauen, die es in leitende Positionen geschafft haben, kann man an einer Hand abzählen!

Die Internisten sind eigentlich haargenau wie die Chirurgen – nur, daß sie nicht operieren können. Nicht operieren wollen lautet die Antwort, wenn man den betroffenen Kollegen selbst fragt – nee, ist klar, die Trauben da oben sind aber auch zu sauer… *ggg*. Internisten sind außerdem Quasselstrippen. Wer schonmal versucht war, einer 5-Stunden-Kurvenvisite über eine 30-Betten-Station zu folgen, der weiß, wovon ich rede! Da lobe ich mir wiederum die Aufschneider – die würden selbst die komplette Charité (3.500 Betten…!!!) binnen 20 Minuten durchvisitiert haben!

Weiter zu den beiden IntimMedizinischen Zweigen: Gynäkologie und Urologie – beide Fachrichtungen stellen in aller Regel ein ganz nettes Kollegium (wobei ich die Urologen in der Tat noch einen Tacken cooler finde…) – die Gynäkolgen werden ja von je her von den „wahren“ *SehrHust* Aufschneidern immer hämisch belächelt, da das OP-Gebiet an sich ein – in der Tat – recht beschränktes ist. AAAAAAAAAAaaaaaber – wir können was anderes cooles: ENTBINDEN!!! Und das kann ohne Probleme auch gegen transplantierte Lebern und ausgedehnte Herz-OPs anstinken – sogar gestandene Notärzte bekommen rezidivierend weiche Knie und verlangen nach ihrer Mama, wenn sie sich allein einer pressenden Schwangeren gegenüber sehen! Nachteil – männliche Gynäkologen werden auch gerne mal als „Weicheier“ oder „MöchtegernChirurgen“ tituliert, die es nicht bis in die Oberliga der schneidenden Gilde geschafft haben – den meisten Frauen spricht man ja die Fähigkeit ordentlich operieren zu können sowieso weitestgehend ab. Vielleicht ist ersteres auch mit ein Grund dafür, daß der Anteil männlicher Gynäkologen in den vergangenen Jahren rapide gesunken ist…?! Der gemeine Urologe ist ähnlich gepolt wie das frauenbehandelte Fach, mit dem nicht zu vernachlässigenden Vorteil beide Geschlechter als Patientengut zu vereinen. Wer mal länger als eine Woche ausschließlich mit Frauen zu tun hatte, WEISS, wovon ich rede…

Die Nächsten im Bunde wären die Versorger der oberen Homo-Sapiens-Region: Neurologen und Neurochirurgen. Auch hier wieder die Ähnlichkeit zu den großen Disziplinen Chirurgie & Innere: Der Neurologe ist cleverer Bewegungslegastheniker, der Neurochirurg kann besser werkeln als denken. Echt, ist wahr – ich hab mal ein paar Monate in der Neurochirurgie gearbeitet – unglaubliches Volk (klar – wenn man in Bereichen herumschnippelt, die andere Menschen dazu nutzen, so phantastisches Zeug wie die Mona Lisa, „Krieg & Frieden“ oder das Empire State Building zu erschaffen…), dann kann man schon mal die coole S** raushängen lassen. Machen die Meisten dann auch…! Mir ewig in Erinnerung geblieben ist ein Professor, der während diversester Gehirn-OP solange verbal auf seine Assistentin eingedroschen hat, bis diese das Weinen anfing, um sie dann mit dem Satz „Gehen sie – sie heulen in mein OP-Feld“ aus dem Saal zu werfen. Hatte sie sich beruhigt und kam wieder, ging das Spiel von vorne los.

Nun zu einer meiner absoluten Lieblingsdisziplinen: Pädiatrie! Lustigerweise auch hier immer noch absolute Männderdomäne, obwohl sich die Frauen verschärft auf dem Vormarsch befinden. Über dieses Gebiet ist in der Tat nicht(s) (viel) schlechtes zu sagen – selten hab ich so viele wirklich NETTE Leute auf einem Haufen getroffen. Das könnte daran liegen, daß auf dem Weg zum Facharzt Pädiatrie durchaus hilfreich ist, Kind zu mögen, und Menschen die Kinder mögen sind in aller Regel nicht komplett daneben. Die paar, die es doch sind, werden dann ganz fix schon von unter Dreijährigen identifiziert und in den Wahnsinn getrieben. Das nennt sich dann natürliche Selektion…

Okay, hier bin ich, alles klar, Herr Hell-Im-Hals – ist halt schon spät am Abend: Anästhesie!!!!! Der Anästhesist ist in der Regel tiefenentspannt. Böse Zungen sagen faul und unfunktional, wobei zumindest zweiteres NICHT stimmt, denn wer schonmal versucht hat, einen Tubus in einen Mensch mit dickem Hals und keinen Nacken zu frickeln, der weiß, das die Jungs und Mädels motorisch nicht gerade Voll-Nullen sein dürfen. Auch hat bis jetzt noch jede anästhesistisch angeforderte Viggo ihren Weg in IRGENDEINE gottverdammte Vene gefunden *niederknie*. Dennoch werden die Betäuber den Witz mit den Flecken auf dem Kittel nicht los – welche Farbe haben die Flecken auf den OP-Kitteln der Chirurgen? Rot (= Blut)! Und die der Urologen? Gelb (= Urin)! Und die der Anästhesisten? Braun (= Kaffee….)! *Duck* Und wenn ich sehe, wie meine Anästhesistin entspannt in ihrem Harry-Potter blättert, während ich schwitzend schon die zweite Stunde in Folge in wildester Verrenkung Vaginale-Hysterektomie-Haken halte, dann bin ich manchmal schon ein ganz kleines bisschen neidisch….! Ach ja – und einmal mit Blaulicht und TatütTata über rote Ampeln fahren – DAS muß ich unbedingt noch auf meiner Bucket-List nachtragen *gggg* Aber sonst – nee, ich mag euch! Ehrlich :)

Ganz zum Schluß zur, laut House Of God, Königsdisziplin im Medizinerland: Pathologie und Gerichtsmedizin! Nicht zu unterschätzender Vorteil: kein direkter Patientenkontakt (also – Patienten hat es schon, aber die treiben einen in der Regel nicht mehr in den Wahnsinn…), keine Dienst, kleinstmögliche Versagensgefahr (zumindest in der Rechtsmedizin sind die Leute halt einfach schon tot – in der Pathologie ist es in Teilbereichen schon ein wenig anders gelagert…), annehmbares Gehalt. Nachteil: Niedriges Ansehen bei Kollegen und/oder Mitmenschen, kein direkter Patientenkontakt, hohe Depressionsgefahr (wer will schon tagtäglich vor Augen haben, wieviel Millionen unterschiedliche Möglichkeiten des Ablebens es gibt…?!).

So – dies war nun ein grober Überblick der Differenzierungsmöglichkeiten, welche uns Ärzten heutzutage gegeben sind. Und da sind die ganzen Subspezies (wie z.B. der Facharzt für Endokrinologie, Gastroenterologie, Pathoradiologie und was-weiß-ich-noch-alles) gar nicht mit drin!

Wie gut hatten es doch unsere Vor-Väter und -Mütter Anno 1850, als es nur eine einzige Fachrichtung gab: Halbgott in Weiß!!! :)

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39 Kommentare zu “Die Qual der Wahl…

    • AAaaaaaaaaaaaah *VorDieStirnKlatsch*

      isch dacht noch die janze zeit, josephine, dacht isch – du hast da watt verjessen….

      *renn*

      *salutier*

      melde gehorsamst – anästhesist in post aufgenommen!!!

  1. Kann man auch 7 Jahre nach einem Krankenhausaufenthalt noch posttraumatische Stresssyndrom-Momente kriegen? Habe ich mal schnell weggeschoben und das Schmunzeln überwiegt nun. Einen Teil der aufgelisteten Berufsbilder durfte ich damals kennen lernen und Du beschreibst meine Eindrücke haargenau. Scary… Anästhesisten habe ich in guter Erinnerung, die reden so nett auf einen ein wenn man schon auf dem Tisch liegt …
    Damals habe ich geschworen, nie mehr ins Krankenhaus zu gehen, es sei denn zu einer weiteren Entbindung. Ich befürchte, diese Quelle ist versiegt (Jg. 1962 )

    Habe mir eben ein gebrauchtes „House of God“ bei Amazon „mit 1 Click“ gekauft, das tut immer gar nicht weh. Freue mich drauf!

    Schönes Wochenende!

  2. You saved my day!
    *Tränen aus den Augen wisch vor Lachen*
    Ich fühle mich mal mit der „Königsdisziplin“ halbwegs angesprochen und werde nicht wie Mister Hell-im-Hals rumweinen ;-) (Patrick, auf dein Fachgebiet würde ich nie freiwillig verzichten wollen *bow*)

  3. *lach* Liebe Josephine, Du hast eine andere wunderbare Disziplin vergessen: die Kinder- und Jugendpsychiatrie! Wir duerfen bestenfalls den ganzen Tag mit den Kiddies spielen und basteln, muessen allerdings auch ein Gutteil aus dem Spektrum der Paediatrie draufhaben (wir schicken eigentlich nur dann zum KA, wenn die somatische Diagnose schon steht, wir aber die erforderliche medizinische Leistung nicht abrechnen duerfen), neuropaediatrisch firm sein und sind haeufig nebenher noch sozialarbeiterisch taetig (meine Freunde vom Jugendamt…). Aber die Arbeit mit den kiddies entschaedigt ungemein fuer das Gefuehl, doch ab und an gegen Windmuehlen zu kaempfen… Und noch einen Vorteil hat das Ganze: ich darf quasi ganz hochoffiziell Bravo lesen, SuperRTL gucken und am Computer und an Konsolen Ballerspiele spielen – schließlich muss ich ja wissen, wovon die Kinderkes sprechen!
    Ich wuensch Dir ein schoenes WE

  4. Oh, ich hoffe doch sehr, dass es noch eine Fortsetzung gibt! Ich habe mich beim Lesen wirklich sehr amüsiert und da es in unserer Familie u.a. einen Zahnarzt und einen Sportmediziner gibt, würde mich natürlich sehr interessieren, was es zu dieser Spezies zu sagen gibt… *ggg*

    LG

    Mama Mia

  5. Bitte auch die lieben Allgemeinmediziner nicht vergessen, die von ALLEM eine Ahnung haben…, manchmal nur eine Ahnung, aber wenigstens davon gehört haben sie schon!!
    Frage mal einen Dermatologen, was eine Beckenosteotomie nach TÖNNIS ist. Der Allgemeinmediziner weiß zumindest schon mal, in welchem Bereich da operiert wird (*fg*).
    Habe eine dermatologische Freundin. Wenn die in der UNIKLINIK Dienste schob und irgendwas war mit einem stationären Patienten, dann hat sie immer ALS ERSTES SOFORT den Internisten angepiept…

  6. …und dann wären da natürlich die ORTHOPÄDEN, schneidend aber bescheiden, schliesslich begreift man sich selbst ja nicht unbedingt als Arzt.
    Eher als dem Fleischlichen verhafteten Tischler. Zugewiesen (an alle löbl. anderen Abteilungen) wird alles, was sich nicht auf eine ambitionierte Infiltration bessert, und wo beim besten Willen nix zu operieren ist.
    Wir lachen viel, sind dem gemeinen Nachtdienst abhold, und geben nicht vor was anderes zu sein als Menschenmechaniker. (Motto: only steel can heal!)
    Lg aus Wien, Max

    • cool – würd ich ungesehen genau so übernehmen… :)
      aber sag mal – ihr müßt KEINE dienste machen???? is´ nich´ wahr….?!

      • Bei uns – kleines Haus! – macht der Assi im 1. Jahr so ca. 1 chirurgischen Dienst pro Monat, damit ist der äußeren Form (sprich: Ausbildungsordnung) Genüge getan, und an einem WE pro Monat geht man gemütlich Visite, schmeißt die Gesundeten raus und nimmt Sonntags die „Frischen“ für Montag auf. Datt war’s. No sweatin‘!
        Danke noch für die allzeit gute Unterhaltung!

      • whow – ich depp hätt mal ortho machen sollen… *vordiestirnklatsch*

        gern geschehen! :)

    • Kann es sein, das wir sich kennen tun, Max?
      :)
      Gruss, Sunny
      (die grad orthopädisch auf der Unfallchirurgie fremd geht … und dort alles Infiltriert, was die Unfaller nicht operieren können ;) )

  7. Was habt ihr denn gegen Pathologen?
    Unser Pathoprof ist der einzige vor dem ich immer noch niederknien kann – er weiß einfach alles! Wenn er anfängt zu erklären fühlt man sich immer ganz klein mit Hut…

    Zu den Fachrichtungen hab ich auch noch was beizutragen – allerdings die tierärztliche Seite:

    Innere Medizin der Pferde: Hier bist du richtig, wenn du eine richtig gute Berufshaftplicht hast, mit deinem Anwalt verheiratet bist und gerne mit Pferden spazieren gehst. Deine Hauptaufgabenprobleme sind Lungenprobleme, mit denen darfst du tagsüber spazieren gehen um zu hören, wie sie unter Belastung röcheln und Koliker, mit denen darfst du nachts spazieren gehen in der Hoffnung, dass die Bauchweh von selbst wieder weggehen. Wichtigstes Arbeitsgerät sind 10l-Kanister NaCl und Buscopan…

    Chirurgie der Pferde: Hier musst du nicht mehr laufen! Denn entweder können deine Patienten nicht mehr laufen und kommen deshalb (Lahmheitsdiagnostik ist was schöööönes) oder die Internisten sind mit ihnen schon spazieren gegangen, die Bauchweh sind immer noch da und deshalb landen sie jetzt bei dir. Deine wichtigsten Arbeitsgeräte: Kran und scharfe Messer. Allerdings solltest du Bodybuilder sein: es erfordert ganz schön Kraft, sich durch einen Pferdebauch zu wühlen! Anwalt und Berufshaftplicht sollten hier noch besser sein…

    Innere Medizin der Kleintiere: Wenn du eigentlich Diplomat werden wolltest und nur aus Versehen Tiermedizin studiert hast, bist du hier richtig! Wenn du es schaffst, Omi zu erklären, dass ihre Taschenratte nicht so viel wiegen sollte, wie ein ausgewachsener Schäferhund und dass Schokopralinen bei diabetischen Hunden aus vielen Gründen nicht das richtige Futter sind, bist du hier richtig! Ach ja, nicht vergessen: es ist normal dass Oma erst Samstag gegen 23 Uhr merkt, dass ihr Hundi seit 5 Tagen platt auf der Seite liegt und nichts mehr frisst…

    Chirurgie der Kleintiere: Du bist der Held der Tiermedizin! Denn du hast so lustige Spielzeuge wie CT oder MRT unter deiner Gewalt. Und wenn du damit gerade mal nicht beschäftigt bist, darfst du deine Messer wetzen und unter den staunenden Blicken von mind. 2 Assistenten und 5 Studenten das Tier vor dir retten. Wenn deine gottgleichen Fähigkeiten dazu nicht reichen sollten: es gibt ja mind. 2 Assistenten und 5 Studenten, die das ner schniefenden 6-jährigen draußen erklären können.

    Innere Medizin & Chirurgie des Rindes: Keine sozialen Fähigkeiten? Bei der Verteilung der Feinmotorik nicht „hier“ geschrien? Hier bist du richtig! Bauern wollen gar nicht wissen, wie gut du dich um ihre Kuh kümmerst. Die sind froh, wenn sie sie vom Hänger haben. Und Kühe kann man praktisch gar nicht umbringen. Zumindest nicht versehentlich, da muss man sich ganz schön Mühe geben.
    Dein einziges Problem: Der Ponyhofbesitzer, dessen Ziege krank geworden ist. Aber irgendwo im Haus wirds ja noch nen Kollegen geben, der weiß, was er tut.

    Innere Medizin der Schweine: Vergiss deinen Kittel, deine hübschen Stiefel, dein Stethoskop und so tolle Sachen wie Perkussionshammer oder Stableuchte. Das einzige was du brauchst: ein Fieberthermometer und was zu schreiben…
    Der Bauer stattet dich mit einem modisch erstklassigen Kombi und tollen Gummistiefeln aus, bevor er dich in seinen Stall lässt. Du guckst dich in Ruhe um, nimmst 2 Tiere für die Patho mit und bringst nachdem du den Keim isoliert und nen Resistenztest gemacht hast, 5kg-Säcke des richtigen Antibiotikums vorbei. Dein großer Vorteil: du hast Nachts Ruhe! Versprochen!

      • Nicht du…
        Aber warum haben die ein geringeres Ansehen als andere Mediziner? Ohne einen fähigen Pathologen im Hintergrund können viele einpacken, oder?

  8. Hehe, dafür schieben wir Augenschamanen sehr wohl Dienste, um die kleineren nächtlichen Befindlichkeitsstörungen unserer Mitmenschen (in der Regel seit mindestens zwei Wochen bestehend und gegen 22 Uhr am Wochenende sich zunehmend verschlimmernd) zu kurieren. Ganz weit vorne dabei: Die gemeine Todessicca – jeder an ihr Erkrankte wird irgendwann im Verlauf seines Lebens GANZ BESTIMMT sterben!

    Feixende Grüße
    Funkel

  9. @Funkel:
    Todessicca… (*kreisch*)

    Ich wollt mal noch folgenden allseits bekannten Spruch los werden. Vielleicht ist ja doch jemand dabei, der ihn noch nicht kennt:
    Der Chirurg kann alles und weiß nichts, der Internist weiß alles und kann nichts, der Pathologe weiß alles und kann alles -aber leider zu spät!!!

  10. Na Hallo,

    das hast Du alles sehr gut beobachtet und auch sehr treffend beschrieben. Ich musste beim lesen ständig grinsen und zustimmend nicken…Auf ITS lernt man diese Arttypen alle kennen-und Leute, die sind wirklich so…;-)

  11. Hallo,

    sehr witzig ! Aber mal im Ernst:was denkt sich der junge,männliche Student wenn er Gynäkologe werden will ? Denkt der wirklich an das Wunder des Lebens ? Oder denkt der an was ganz anderes ?

    Und warum wird man Proktologe ? Warum will man den ganzen Tag in Popo´s gucken ?????

    Fragen, die die Welt bewegen ;o)))

    Gruß
    Christine

  12. Gaaanz ährlisch?????????? Jung, männlich, Gyn- Anwärter…ich weiß nicht…
    In meinem Jahrgang war jedenfalls keiner unter den Jung’s, der Gyn gemacht hat.

    Was sagst du denn dazu, Josephine??

    • ich hab keinen blassen schimmer, warum die jungs das machen… – ich hatte schon aussichten auf frauen(körperteile), da ist MIR die lust auf mädels komplett vergangen, und ich bin eigentlich bekennend hetero… ;) wegen der geburten machen es die wenigsten – kerle, die freiwillig in den kreißsaal gehen, sind sogar unter „ihresgleichen“ verpönt (warmduscher). wahrscheinlich ist es wirklich die sehr hohe differenzierungsmöglichkeit – ich kann in der klinik bleiben, mich selbständig machen, schallen, operieren. das bieten viele andere fachrichtungen nicht (mehr).
      allerdings werden die kerle tatsächlich immer weniger – ich saß vor einigen monaten mit 130 anderen frauen und ZWEI männern auf einer drei-tage-fortbildung…

  13. Gyn erscheint mir als Halb-Laie wirklich anspruchsvoll und vielseitig. Man operiert, man schallt, man hat kranke und gesunde Menschen, bisschen Neugeborene, Onkologie,Endokrinologie, bisschen Gene, Pränataldiagnostik… und dann dieser Geburten-Adrenalinrausch!
    Wer Gyn aus den Gründen die ihr jetzt vermutet nimmt, steht schön blöd da. Zum Gyn geht Frau ja (abgesehen von der Vorsorge) entweder wenn sie schwanger ist, ODER aber wenn sie ein Problem hat. Pilzinfektionen, Karzinome, dieses komische Atheromdingens…naja gut, gibt ja für alles ein Fetisch, ist aber doch unwahrscheinlich, dass das auf den Großteil aller männlichen Gyns zutrifft.

  14. nach aussagen eines mir sehr nahe stehenden zahnmediziners fällt auch kieferorthopädie in diesen bereich ;-)
    so ne art „höhere-töchter-dingsbums“

    liebe grüße, katerwolf

  15. Mein Vater meinte immer: Wenn du die richtig ekligen Sachen sehen willst werd Gyn oder Dermatologe.

    Als Landtierarzt hat er vermutlich alles schon gesehen inkl. Bauern, der seine Frau mit Wehen nicht ins Krankenhaus fährt, solange die Kuh im stall nicht gekalbt hat :X

  16. Wow, ein herrlicher Artikel! Ich glaub, ich hab grad so laut gelacht, dass einer meiner Mitbewohner wachgeworden ist… *g*

    Bitte schreib doch noch ne Fortsetzung :D

  17. Ohne die lustigen Jungs aus der Rechtsmedizin (die übrigens behaupten, dass mitnichten nur Tote ihren Alltag gestalten) wäre mein Jura-Studium ganz schön langweilig gewesen. Freitags nachmittags immer nett zum Gruseln rüber zu denen… oder wahlweise zum Lachen, denn autoerotische Unfälle mit Todesfolge sind nun mal wie gemacht dafür :o)
    Und Witze über andere Fachbereiche haben die auch immer ganz prima drauf. NIE vergesse ich den Hausarzt, der dem Toten mit den 27 Stichverletzungen im Rücken einen natürlichen Tod bescheinigte – eiskalt mit den Worten: „Na, Sie sehen doch: 27 Messerstiche. Da ist es doch ganz natürlich, dass er daran gestorben ist!“ *vordieStirnschlag*

  18. Pingback: Dermatologische Notfälle!!!… « Heldin im Chaos

  19. Sehr schöne und treffende (imho) Beschreibung der Fachbereiche.
    Nur der Hengst auf der Motorhaube bei den Chirurgen wird langsam aber sicher doch zum Stier (Seat).
    Zumindest bei den nidergelassenen Kollegen/innen.

    Greets, Björn

  20. Ich arbeite als ITler im betriebsärztlichen Dienst von ThyssenKrupp. Arbeitsmediziner haben hier grob gesagt folgende Aufgaben: EKG bewerten, Sehtest bewerten, Laborbefunde bewerten, Hörteste bewerten und anhand all dieser Werte festlegen, ob Mitarbeiter XYZ denn auf einen Kran steigen darf, mit hoher Hitze arbeiten darf, im Lärmbereich arbeiten darf. Ab und zu mal einen Arbeitsunfall ansehen und versorgen, impfen, Problemen der Mitarbeiter am Arbeitsplatz lauschen und so weiter. Ein Luxus-Arzt-Job von Mo-Fr 07:30 bis 16:00 (sagen unsere Ärzte selbst so!)

  21. Hej,
    bin grad am Blogstöbern- ist zwar schon alt, aber mir fallen da auch noch ein bis zwei Spezialitäten ein:
    Facharzt für leicht erkennbare Krankheiten: Allgemeinmediziner
    Doppelblindstudie: zwei Chirurgen vor nem EKG
    ;-)

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