Neulich auf dem Spielplatz…

…eine kleine, dralle Mittzwanzigerin, aufgerüscht wie zum Besuch der nächsten Disco-Tour (mit Blinke-Blitze-Fingernägeln, Doppelschicht Make-Up, Marke „Extra-Grell“, das frisch blondierte Haar schnieke zur beinahe Assi-Palme gezwirbelt und in so enge Röhren gequetscht, daß ich allein vom Hinsehen akute Luftnot bekomme) brüllt quer über Schaukel und Rutsche hinweg:

„Schaddäääää!?!? Schaddäääää!?!?!….

SCHADDÄÄÄÄÄÄÄÄÄ!?!?!?!?!?!“

Ich wunder mich ein bisschen – der Himmel ist dick Wolken verhangen, und selbst wenn dem nicht so wäre, böte der Park mit seinen großen, alten Bäumen wahrlich ausreichend Schatten…?!

„Schaaaadddäääääääää!?!?!?!“

Erst als ein kleines, dünnes Kind mit ECHTER Assipalme und rotzverschmiertem Gesicht quer über den Platz gewetzt kommt, und die Freundin neben mir ob des erwachenden Verstehens in meinem Gesicht fast hinten über fällt vor Lachen, hab auch ich es endlich kapiert:

Die Frau verlangt mitnichten nach SCHATTEN, sondern ruft nach ihrem Kind – Sade (wie die Sängerin – gesprochen: Schadee)!

*zusammenbrech*

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73 Kommentare zu “Neulich auf dem Spielplatz…

  1. Wenn man als Mutter Jaquelina-Cheyenne-Chantal heißt, muss das Kind doch einen adäquaten Namen tragen ;-)
    Papa Kevin ist bestimmt begeistert :-D

  2. Ich tummel mich seit 6 Jahren auf Spielplätzen herum, habe auch des öfteren nicht schlecht gestaunt.
    Wenn man es sonst zu nix bringt weiter im Leben, dann soll das Kind wenigstens nen Namen haben welcher zum staunen versetzt *g*

  3. Und eines wunderschönen Tages nannte eine Mutter ihr Kind auf Station doch:

    Cementa

    Richtig, ihr könnt jetzt raten welcher Name dahinter steckt.

    • jau, die Frau kam aus Sizilien und dachte dabei an die dort üblicherweise verwendete formschöne Fußbekleidung :-)
      ich werf‘ mich auf :-D

    • Üffes, ich glaub ich fall in Ohnmacht! *rofl*

      Bei uns auf dem Spielplatz gehts noch recht langweilig zu. Es spielen nur ein paar Dschäisn, Schastins und Salomes (man spreche es pfälzisch aus).

      • Pälzisch?

        Dann ist das aber auch de „Tschassdinn“ ;)

        Grüße aus dem östlichsten Dorf der Pfalz von der Mama einer stinknormalen Lilly ^^

  4. Bei uns gab´s auch mal einen Mories… bis man die Eltern im Säuglingszimmer vorsichtig darüber aufklärte, dass die ursprüngliche Schreibweise doch eine andere sei.

  5. Das Kind heißt aber bestimmt „Sade“, das spricht sich nämlich „Schadee“, also [ʃɑːˈdeɪ].

    Eigentlich eigentlich ein schöner Name – da, wo er hinpasst!

  6. Mein Liebling seit geraumer Zeit:
    das nun ca. 2 1/2 jährige Töchterlein heißt Malve (der Name an sich ist schon furchtbar, aber noch schlimmer ist, wie ihn die Mutter ausspricht. So ganz langgezogen mit seeeeeeehr weichem v und einem e, das schon ins ö tendiert. Das Brüderchen kam vor ein paar Monaten auf die Welt und heißt … Malte. Wie kann man nur? *HändeüberdemKopfzusammenschlag*

  7. Aber auch deutsche Namen können in manchen Regionen eine dauerhafte
    Körperverletzung darstellen, so wie bei dem Mädel,deren Mutter immer quer über den Hof rief: Aschtritt, esse kumme!

  8. erinnert mich an die Begegnung im Kreissaal mit

    „Wie soll das Kind denn heißen?“
    „Jan Pirre“
    „??? Können Sie das mal aufschreiben, den Namen kenn ich nicht“

    Vater schreibt „Jean Pierre“ ;-)

  9. Das bedeutet, wenn man mal so richtig lachen will, muss man dringend auf einen Spielplatz…scheint auch ohne Kinder interessant zu sein ;-)

  10. naja… in der mongolei gibt es wohl die tradition, kinder so zu benennen, das böse geister (=krankheit und tod) nicht auf die idee kommen, dass das kleine süße kinder sind. die namen lauten etwa „ungeliebt“, „namenlos“ etc.
    vielleicht ist das ja hier der wirkliche grund für die vielen schakira-schantals und gisbert-noels;o)

    • jepp – ich hatte mal eine, die hat sie noch im kreißsaal probiert – noch warm quasi… *bäääääääh*

      • na Mahlzeit! Ich hab mir den von Juliane eingestellten Link reingezogen und festgestellt, dass die Rezepte einen erheblichen Fehler haben: Es ist entschieden zu wenig Knoblauch angegeben :-(

  11. „Als Kevinismus (auch: Chantalismus) bezeichnet man die krankhafte Unfähigkeit, menschlichem Nachwuchs menschliche Namen zu geben. Kevinismus führt bei den Erkrankten und vor allem bei deren Nachwuchs zur sozialen Isolation. Die Betroffenen entwickeln eine Psychose gegen gesunde Menschen und verkehren nur mit Personen, die ebenfalls an Kevinismus leiden.“

    http://de.uncyclopedia.org/wiki/Kevinismus

  12. Ich kenne schwäbische Eltern, die Ihre Tochter nach einer ägyptischen Pharaonin genannt haben. Wer jetzt an „Cleopatra“ denkt, liegt falsch. Das arme Mädchen heißt (schwäbisch ausgesprochen) „Nofrätätä Häberle“.
    Ein anderer armer Junge heißt „Jammes“, nach Jammes Bond.

  13. Ich habe wieder mal herzhaft gelacht. Danke!

    Aber am allerschlimmsten finde ich „Ann-Katrin“ und „Torben“. Sorry, aber die gehen für mich gaaaar nicht! Da ist „Sade“ (natürlich richtig ausgesprochen, doch eine echte Wohltat fürs Gehör. :o)

  14. ***pruuuust*** mein sohn und ich haben die ersten 5 seiner lebensjahre in berlin wedding verbracht. der spielplatz dort ist ein boot-camp. ich kenne alle schadäääs, und kevins dieser welt. ich will sie nieee mehr wiedersehen :razz:

    bringt mich auf eine idee für meinen nächsten blog-beitrag ;-)

    liebe grüße, katerwolf

  15. Ich lese diesen Blog immer wieder mit begeisterung, manchmal mit mitleid, ekel aber sehr häufig mit einem Schmunzeln.

    Hat mal einer der Leser versucht in der Eifel seinem Kind einen Französischen Namen (passend zum Familiennamen) zu geben?
    Ich habe es, als die potenzielle Urgroßmutter den Namen aussprach hörte es sich an wie „Pat-dries“ (muss ich erwähnen dass im Eifelerplatt „dries“ eine Sache ist, die man auf einer Toilette macht).
    Ich hab es dem Kind, dann einen Namen gegeben den man unmöglich
    a) verniedlichen kann (find ich noch viel schlimmer als falsch aussprechen)
    b) den man unmöglich falsch aussprechen kann (zumindest nicht in Deutschland)
    c) der kurz ist damit man ihn auch beim quer über den Spielplatz brüllen super versteht.

    Liebe Grüße
    eine Blog-Fan :)

  16. Pingback: Eine Begegnung der dritten Art « Blogolade

  17. Bei dem ganzen Geläster, habe ich aber doch eine Frage:
    Was ist denn nun ein „ordentlicher“ Vorname ?
    Die langweilige Laura oder den allgegenwärtigen Niklas find ich persönlich auch eher mau…

    • Oh doch! Lieber die hundertste Laura als den einzigartigen Orlando-Legolas! Das Kind wird es einem danken, wenn es seinen Namen nicht ununterbrochen buchstabieren muss. Es gibt aber auch noch was zwischen Max und Scheremy.

    • ich glaube, es geht gar nicht um „ordentlich“ oder „unordentlich“ sondern darum, was sowohl aus dem einen als auch dem anderen gemacht werden kann. und das die namen, aus denen das meiste herauszuholen ist, auch leider immer von einer sehr ähnlichen spezies mensch bedient werden. ich sage nur Scharlene (KEIN WITZ). Sorry – aber DAS fällt bei mir leider unter absolut inakzeptabel

  18. also Josefine, ich befürchte, ich kann das noch toppen. Uns ist am späteren Samstag Morgen doch glatt das Brötchen im Hals stecken geblieben, nachdem wir diese Anzeige in unserer Zeitung entdeckt haben:
    Die bezaubernde KHYELLE DELAINE hat das Licht der Welt erblickt. sie hat auch schon „Bodygards“, nämlich Kevin Danny, Kenneth Dean, Korbin David und Kennan Devon. Aber das ist noch nicht alles: Schwestern hat sie auch: Kara Darlyn, Kerryn Debbie, Kayelean Darice und Kellsaey Danica. Was haben sich die Eltern Thomas und Sabine H. dabei bloß gedacht?

    • ich hab mir erlaubt, den nachnamen zu entfernen – denn auch wenn die beiden in der zeitung anounciert haben, ist es vielleicht nicht ganz in ihrem sinn, das auch im www zu lesen ;)
      und was der kinder siebenköpfger schar anbetrifft – ich könnt mir die namen gar nicht alle MERKEN!!!… :-0

      • das ist ein alter gag von otto „der kinder siebenköpfger schar“!!!… :)

      • Naja wenn alle Kindernamen mit K anfangen sollen, muss man schon Fantasie haben, sonst wird Karin, Kerstin, Konrad, Klaus usw., auch nicht viel besser. :) Allersdings haette ich bei der Kinderschar auch Probleme die mir alle richtig zu merken.

      • Was Vornamen mit gleichen Buchstaben angeht, da schwöre ich immer noch auf die Duggars (www.duggarfamily.com): Joshua, Jana & John-David (Zwillinge, Jill, Jessa, Jinger, Joseph, Josiah, Joy-Anna, Jedidiah & Jeremiah (Zwillinge), Jason, James, Justin, Jackson, Johannah, Jennifer, Jordyn-Grace und Josie Brooklyn…

  19. Manche Namen sind schon eine Strafe.
    SCHADE eigentlich – für die Kinder.
    Gibt Studien darüber, dass wir und auch Lehrer wirklich von den Namen der Kinder beeinflusst werden in ihrem Denken und Urteilen über die Brut. Also, obacht, welche Namen ihr Eurem Nachwuchs verpasst, sie müssen damit immerhin erfolgreich durchs Leben kommen….

  20. Grundguetiger! Schadae war schon heftig, aber die K-D-Kinderschar toppt alles, was ich bis jetzt gelesen habe!

    Ich kann nur beisteuern: Sean-Steffen, Jeremy-Roy und seine Schwester Chantal- Shelley und die thueringische Entstellung des eigentlich schoenen Namens Sophie in „Soffffiiie!!“ :roll:

    • Sophie wird im Hessischen genauso verhunzt! Furchtbar!

      Toll ist auch, wenn man Roger genauso ausspricht, wie man ihn schreibt. Erinnert mich immer irgendwie an Fischeier…

  21. Und dann war da noch, zu Zeiten als der Iran noch Persien hieß, und die dortige First Lady Soraya, eine Barackensiedlung im Ruhrpott, wo sich mittags das Fenster zu öffnen pflegte und der Ruf ertönte:
    „Soraaaaaayaaaaa, komm‘ aus die Gosse, du Sau!“

    Und Klein-Soraya hüpfte munter vom Aschenkübel, wischte sich den Rotz mit dem Ärmel aus dem Gesicht und ging heim zu Mutti, Mittag essen.

    • Bestimmt ist sie in einem der drei Monate entstanden, die Eltern waren sich nur nicht mehr ganz sicher, in welchem!

  22. Ich find Schaddäääää und Üffes natürlich auch lustig. Aber was kann an Malte und Torben falsch sein? Ich bin froh um jeden, der einheimische Namen vor’m Aussterben bewahrt!

  23. Tja, man sieht… Kindernamen zu vergeben ist nicht wirklich einfach! Üffes ist auch nach wie vor mein Lieblingsname der Spielplatz-Brüllnamen, ganz dicht gefolgt von Mazzl (Marcel).

    Mein ältester Sohn hatte damals im Kindergarten eine kleine Freundin, die ursprünglich aus dem schwäbischen kam und bei ihren Eltern nur Arschtritt hieß. Auch der Spitznamen der Kleinen (Assi) machte das ganze irgendwie nicht besser. Mein Sohn hatte das natürlich schnell übernommen und es dauerte eine ganze Weile, bis ich raus fand, daß mein Sohn da keine neuen Schimpfwörter gelernt hatte, sondern daß das arme Kind eigentlich „Astrid“ hieß… :-)

  24. Was ich auch immer nicht verstehe: Als Eltern gibt man seinem Kind ja in der Regel den Namen, den man als den schönsten und passendsten von den vielen Millionen Namen erachtet, oder? Ich finde es immer wieder erstaunlich, was manche Menschen für den schönsten Namen halten.

  25. Naja, villeicht meinte sie ja:

    Schade, dass/aber
    +) es heute nicht schön ist,
    +) ich leider blond bin
    +) mich verirrt habe
    +) aber ich wollte eigentlich wo anders hin
    etc

    ja, da kann einem schon viel einfallen!

  26. Das mit den Namen ist so eine Sache: Meine Mutter hat mich oft Hubsi gerufen. Ist auch nicht das gelbe vom Ei. Ich habs auch überlebt und rufe oder spreche meine Kinder NUR nach dem vollen Namen, ohne Abkürzung an.

  27. Grade gelesen:
    Kevin ist kein Name, sondern eine Diagnose.

    Quelle: Chill mal, Frau Freitag. Aber ich glaube sie hat es auch nur zitiert.

    (Hab in das Buch nur an manchen Stellen vorsichtig reingelinst. Will es nämlich verschenken und muss dann warten bis meine Tochter es ausgeles hat, bevor ich es mir ausleihen kann :-) )

  28. Toll auch Luna-Leilana L. -> Eltern können brutal sein.
    Empfehle hierzu auch die alten Mitschnitte von Günter Grünwald im BR, wenn er die Geburtsanzeigen vorliest…

  29. Den Vogel schiesst für mich immer noch Gaius Julius Caesar ab, das waren die Vornamen des kleinen Jungen, der auf der Frühgeborenenstation neben meinem Sohn im Zimmer lag. Ich habe das Namensschild zuerst für einen Scherz gehalten. Leider nein, das Standesamt hat ihn durchgewunken.

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