OsterSonntag(sDienst)….

Es ist Ostern und im Kreißsaal sitzt OsoleMia bei fast gleich geartet schlechter Laune mit einem vorzeitigen Blasensprung am Termin fest, während Zuhause ihre Familie um den nicht fertig bekommenen Braten hockt – das Leid der Hebamme kann ich da nur sagen. Sag ich aber nur euch – Soli würde mich heute für solche Sprüche auf altitalienische Weise mit Beton an den Füßen in der nächstbesten Pfütze ertränken. Frau Ei bekommt das erste Kind und weht sich stetig aber zeitintensiv durch ihre Eröffnungsperiode – dies jedoch wenigstens bei vorzeigbarem CTG!

Auf Station dümpelt eine vorzeitige Wehentätigkeit, eine Vielgebärende mit Hypertonus und ein fraglich beginnendes HELLP im Wochenbett vor sich hin. Letzteres leider derart sinnbefreit, daß es mich nun schon geschlagene zwei Stunden beschäftigt – kein Ende absehbar! Frau Brot ist ungelogen so hell wie ein Kilo Dunkelbrot und möchte partout nicht verstehen, daß ich ihren 180 zu 115- Blutdruck nicht so richtig lustig finde. Das sie obendrein nur ihre eigenen Nepresol-Tabletten nehmen mag (und kein Schwein weiß, ob sie die auch tatsächlich nimmt) ist nochmal eine andere Wurst – aber nein, lustig ist das kein Stück!!!

Frau Brot möchte von mir wissen, wo denn das Problem überhaupt sei?! Ich erkläre ihr, daß die größtmögliche Komplikation bei solch einer Konstellation ein akuter Krampf-Anfall sein könnte.

*FragenderBlick*

Sie: „Äh – Krampfanfall? Wo? In der Wade?????…….

*Kopf -> Tischkante*

Okay, ich erkläre also weitschweifig, welche Sorte Kramfanfall ich gemeint habe – und werde unwirsch mittig in der schönsten Ausführung unterbrochen:

„Nee, nee, das kann so nicht sein! Meine Omma hat auch schon immer Blutdruck, abba die hat noch niiiiiiiiiiiiiiiieeeeeee ´n Krampf inner Wade gehabt!!!“

Is´ nicht wahr….

Nach einem weiteren Exkurs in die PhysioPathologie des schwangerschaftsassoziierten Hypertonus klärt mich Frau Brot ihrerseits über das Brot-sche Bluthochdruck-Management auf: KNOBLAUCH!!!!

Ich: „BITTÄÄÄÄÄ?????“

Sie: „Knoblauch hilft gegen Blutdruck – aber ich hab schon 8 Zehen gegessen – hat NIX geholfen…!!!“

*HUST*

*AtemschutzAuspack*

Das erklärt jetzt immerhin die enorm schlechte Luft im Patientenzimmer…

Nachdem ich Frau Brot mit ihrem Gestank allein und in Richtung o.g. Dienstzimmer verlassen habe, dort dann gerade dabei bin, genüßlich in mein korallenrotes Osterei-chen zu beißen, bimmelt wie auf Stichtwort das olle Diensthandy:

Ich (kauend und Eigelb prustend ins Telefon nuschelnd): „Josephine – beim Essen! Wer stört????!“

FvS: „ICH!!!!“

Ich (erstaunt auf die Uhr blickend): „FrauVonSinnen – hast du jetzt wirklich den Verstand verloren – es ist TAG!!! Was willst du schon hier????“

FrauVonSinnen, Lieblings*hust*hebamme, entbindet in der Regel nie vor 2.30 Uhr morgens und läutet dann aber gerne mal kurz vorher durch, um den diensthabenden Arzt mit einem abgedrehten, weil hochpathologischen CTG aus dem Bett zu jagen…!

 Ich versuche mich vergeblich zu erinnern, ob und wenn ja wann ich Frau von Sinnen jemals bei Tageslicht zu Gesicht bekommen habe…?! – Wie schon gesagt: vergeblich!!!

FvS ist nun also mit einer privaten Erstgebärenden am Termin in „meinem“ Kreißsaal aufgeschlagen, was ich absolut unhöflich finde – „Privat“ ist nämlich gleichbedeutend mit „der Hintergrund kommt“ und das wäre am heutigen SuperSonntag meine Lieblings*hust*Oberärztin. Womit hab ich DAS verdient????

OÄ Dr. O HASST es, an Sonn- und Feiertagen in der Klinik aufschlagen zu müssen. Außerdem nachts und nach (offiziellem) Dienst-Ende. Das es anderen Menschen ähnlich geht und diese DENNOCH ohne viele Worte ihrer Pflicht nachkommen ist hier mal nebensächlich – für Dr. O gibt es nur einen Nabel der Welt, und das ist sie selbst, des weiteren passieren alle Ungerechtigkeiten auch immer nur dem ärmsten Schäfchen vor dem Herrn: IHR SELBST!

Bedeutet für mich: ich darf mir nachher beim Eingeben der Geburt stundenlange, vor Selbstmitleid triefende  Monologe über das Seelenheil meiner Oberärztin anhören – vielleicht sollte ich doch die „OsoleMia-mit-Beton-an-den-Füßen-Nummer“ nochmal aufgreifen…?!

——————————————————-Cut——————————————————–

To be continued….

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15 Kommentare zu “OsterSonntag(sDienst)….

  1. Bin zufällig über die Tag Suche hier reingeschneit und habe diesen Blogpost mit Wonne gelesen. Super geschrieben.
    Wie nett, dass Sie den Dienst für „die Kleine“ übernommen haben, vielleicht wird sie ja irgendwann in einem ähnlich gelagerten Fall ebenso handeln und damit die gute Tat fortsetzen.
    Frohe Ostern unbekannterweise
    Andrea

  2. Klar, arbeiten an Feiertagen ist blöd, und ebenso klar, Eltern sollten bei den Kindern sein dürfen, ABER:
    es gibt tatsächlich noch 1-2 gläubige Katholiken da draußen… und für die ist das heute das höchste religiöse Fest des Jahres. Und zwar nicht wegen der Eier. Und zumindest ich feiere das auch ohne (eigene) Familie… (wobei ich, als nebenamtliche Kirchenmusikerin, an eben diesen Feiertagen REGELMÄSSIG Dienst geschoben habe. Ab dem 6. Gottesdienst innerhalb von 3 Tagen wird das dann schon auch anstrengend…)

    Davon mal abgesehen frag ich mich sowieso, wieso ein Atheist (und das behaupten heute die meisten Menschen von sich) so dringend christliche Hochfeste begehen muss… irgendwie ist das für mich inkonsequent. Den Kuchen essen und behalten – also kein kirchliches Ehesakrament, aber bitte-danke die Zuckergusshochzeit in weiß vor dem malerischen Kirchen-„Background“, keine Osternacht (natürlich auch keine Fastenzeit), aber bitte-danke Schokoladeneier kaufen… (und noch ein Gyn-Bild extra für dich: Eltern eines knuddeliges Babys sein wollen, aber bitte-danke ohne den Stress von Schwangerschaft und Geburt, und auf die Pubertät verzichten wir dann auch noch gleich.)
    Das kommt mir irgendwie so vor, als würde ich nach Mekka pilgern, nur weil „das Erlebnis der Reise so toll ist“…

    (Die Tirade brodelt schon ne Weile in mir… weil unser Lokalblättchen die Tage nämlich einen rührseeligen Artikel gebracht hat, wie sich die muslimische Türkin (!) die Schokoladeneier für die Kinder vom Hartz IV abzwacken muss… WTF? Ich mach doch auch keine Geschenke zum Zuckerfest…)

    • meine gläubig-katholischen kolleginnen befinden sich im ägypten-urlaub. ob es da katholische festgottesdienste hat – ich wage es zu bezweifeln…
      und ICH persönlich habe mitnichten als weißes sahnebaisser geheiratet, behalte mir aber durchaus vor, meine drei lieblingskindern jahrjährlich der (auch in „hohem“ alter sehr geliebten) ostereier-malerei-und-anschließenden -suche zuzuführen. gerne schreib ich persönlich „heidnisch“ auf jedes ei und jeden hasen. es geht MIR um den spaß an der freude – und ja, ich kann die türkin verstehen. und ich würde auch geschenke zum zuckerfest machen – herrjeh, warum auch nicht???

      • Naja, nicht nur Ostern… Weihnachten wurde auch über´s Julfest/Wintersonnenwendefest gestülpt…
        Warum also darf ich dann als Atheist keine Feste feiern, die rein zufällig mit den kirchlichen Feiertagen übereinstimmen? Wie das (Feiertags)Kind heißt, ist doch letztlich egal. Und wenn da wer zur Prozession, zum Gottesdienst etc. pp. möchte, dann doch bitte gerne; ich werde die Festtage des Frühlings-Eier-Osterfestes so begehen, wie ich es für richtig befinde.
        Und wie soll o.a. Türkin ihrem Kind erklären, dass es keine Schokoeier haben „darf“, weil sie kein Osterfest feiern; aber die anderen Kinder im Umfeld (Kiga, Schule usw.) schon? Einerseits sollen sie sich bitteschön integrieren, aber unsere Bräuche dann doch nicht übernehmen? Da stimmt doch was nicht…
        Schönen Ostermontag noch!

        LG Elawen

        PS: @Heldin-im-Chaos: Ich wünsche mir noch viel mehr solche Kollegen wie Dich, die auch mal an andere denken und Rücksicht nehmen.

      • Naja – ich finde ja „Einheit in Verschiedenheit“ eh viel schöner als die ewige Gleichmacherei, die sich hinter dem Unions-Unwort „Integration“ versteckt ;)

      • Klar kannst du. Aber du bist dann ja nicht an den christlichen Oster-Termin gebunden…
        Vielleicht gehst du statt dessen zurück zum heidnischen Frühlingsfest? Das hättest du dann allerdings schon verpasst, das war nämlich (meines Wissens) immer zur Frühjahrs-Tagundnachtgleiche…

        Russisch-Orthodoxe Christen haben übrigens auch das Problem mit den festgeklopften Feiertagsterminen – der julianische Kalender hinkt dem gregorianischen nämlich 15 Tage hinterher, so dass die oft einen anderen Ostertermin haben (gerade dann, wenn Ostern früh liegt). Dazu kommt, dass in der russisch-orthodoxen Kirche Ostern nicht mit dem jüdischen Passah zusammen gefeiert werden soll – falls das also auf denselben Termin fällt (wie es z.B. in diesem Jahr war – christliches Ostern und jüdisches Passah am selben Wochenende) würde das russisch-orthodoxe Osterfest eine Woche verschoben.

        Wenn man bedenkt, dass unser Grundgesetz explizit Religionsfreiheit gewährt, dann ist diese Festlegung auf christliche Feiertage doch irgendwie seltsam. Vielleicht sollte man statt dessen einfach konfessionsabhängige Feiertage einführen – Christen kriegen Ostern + Pfingsten + Weihnachten, Katholiken Fronleichnam und Dreikönig, Protestanten den Buss- und Bettag, Juden Yom Kippur und Purim, Muslime Zuckerfest und Ramadan…
        Atheisten… tja, die haben Pech gehabt ;) aber der Fairness halber könnte man denen ja ein paar zusätzliche Urlaubstage erlauben.

      • Über Weihnachten als „geklautes“ Fest, das die Sonnenwende überdecken soll, kann man ja diskutieren. (Johannis dann aber auch…) Aber Ostern ist ein genuin christliches Fest, bestenfalls „abgeguckt“ von Mama Judentum.

  3. Also ich finde das allerehrenwert, dass Du der ‚Kleinen‘ den Osterdienst abgenommen hast!

    Hut ab!

    Weiterhin fröhliches „Osterhasen“ entbinden…
    :-) Und natürlich eine ruhige Nacht! (*frommer Wunsch, ich weiß*)

  4. Oh je, mein aufrichiges Mitgefühl….. Und echt klasse, dass Sie ihre Kollegin vertreten, damit sie mit Ihrem Kleinen feiern kann. Ist leider wie man sieht nicht selbstverständlich. Dabei nehme ich als Junggeselle ohne „Anhang“ eigentlich sogar gerne den Kollegen mit Familie die Feiertagsschichten ab. Schließlich freue ich mich später mit Familie auch, wenn die jungen Kollegen dann für mich Dienst schieben. Davon abgesehen kommt man wenigstens raus, und hockt nicht den ganzen Tag alleine in der Bude ;)

    Alla hopp, in Geiste und Praxis mitfühlend schaffe ich auch mal weiter, werde wohl heute neben Tag, noch ne Nachschicht hinlegen, da mich gestern eine „bezahlte“ Hilfskraft zum dritten Mal ohne jede Meldung versetzt hat, ich Mi umziehe, und nun um Tage im Rückstand bin *grmpf*

  5. Ich fühle mich erinnert an den Krankenpfleger in Straßburg, der regelmäßig alle Sonntags- und Feiertagsdienste hatte, dafür aber nie am Samstag – und nicht an Yom Kippour. Er war seinen Kollegen richtig dankbar dafür, aber die ihm möglicherweise auch…

    • Siehst du, diese Lösung finde ich klasse.
      Bei meinem Arbeitgeber müssen die muslimischen Kollegen über Weihnachten Urlaub nehmen – weil da der ganze Laden stillsteht (Uni…).
      Auf der anderen Seite kann ich aber z.B. nicht zur Fronleichnamsprozession, weil die üblicherweise mitten im Semester liegt, in meinem Bundesland kein Feiertag ist und der Vorlesungsbetrieb also normal weiterläuft.
      Beides ist irgendwie doof.

  6. Pingback: Heidnisches Feiern zu kirchlichen Festtagen… « Heldin im Chaos

  7. Kirche hin, Kirche her. Hat man Kinder, dann wollen die schon gerne mit Mama und Papa Eier suchen gehen, basteln und was auch immer. Und ja, ich verstehe, dass es ganz blöd ist, wenn man an solchen Tagen nicht bei den Kindern sein kann, bzw. sie schnell abfertigen muß. Ich kenne das und ich hatte keine so nette Kollegin, die mir dann die Dienste abgenommen hat. Es hat schlicht und einfach keinen interessiert!

    Und wegen der Hartz 4 empfangenden Türkin und den Eiern: Auf der einen Seite wird ständig von „Anpassung“ geredet und auf der anderen Seite „darf“ sie ihren Kindern keine Schokoeier kaufen?! Da frage ich mich schon manchmal was eigentlich wichtiger ist im Leben, auf irgendwelchen Prozessionen rumzulaufen und/oder in die Kirche zu gehen, oder sich um seine Kinder zu kümmern….

    • Siehe oben – das Geschrei nach „Anpassung“ kommt sicher nicht von mir.
      Ich finde einfach, man sollte Bräuche hinterfragen, und sie nicht einfach mal so irgendwie nachmachen…

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