Heidnisches Feiern zu kirchlichen Festtagen…

Zwischen Entbindung Nummer 2 und 3, außerdem inmitten meines wirklich lecker und mit viel Liebe vom Ehemann eingedosten (Abend)Essens möchte ich kurz ein paar Zeilen zu Benedictas Kommentar auf meinen letzten Eintrag loswerden:

Die genaue Fragestellung war, warum ein Atheist (und lustig – ich BIN gar keiner) unbedingt kirchliche Hochfeste begehen muß – noch dazu Zuhause, Ostereier suchend mit Mann und Kindern, während gläubige Katholiken ggf. verdonnert wären, Dienst zu leisten.

Mal abgesehen davon, daß mitnichten nur die Katholiken dem Brauch des Osterfestes folgen hab ich mir die Sache mal ganz in Ruhe für mich überlegt (und zwar zwischen zwei wirklich schönen OsterSonntagSchnapszahlTagGeburten *ggg*) und bin zu folgendem Ergebnis gekommen:

Ich bin gläubig im Sinne von „ich glaube an eine höhere Macht“, welche mitnichten irgendeiner kirchlichen Organisation untergeordnet ist, sondern quasi losgelöst ihr Eigenleben führt – und damit komme ich hervorragend klar. Ich sah mich weder genötigt, in einem Traum aus Rüschen und weißer Seide vor den Trau-Altar zu treten, noch zwinge ich meinen Kindern irgendeine (religiöse) Weltanschauung auf. Hätte ich das dringende Verlangen gehabt, als weißer Sahnebaisser zu heiraten, hätte ich das garantiert auch ohne Kirche drumherum geschafft – und wenn meine Kinder morgen zum Buddhismus übertreten wollen, oder Hinduismus, oder Papst werden – nun denn: dann sollen sie mal ;)

ABER: ich behalte mir durchaus vor, ihnen eine Kindheit zu bereiten, die von Festen und Bräuchen geprägt ist – Ereignisse, auf die man sich freuen kann, in denen die Familie zusammen kommt und gemeinsam einen besonderen Anlass begeht. Ich behalte mir vor, ihrer Kindheit einen Hauch Zauber mitzugeben – und baue dies in der Tat auf die bereits vorhandenen, übers Jahr verteilten Festlichkeiten auf.

Hat die Kirche einen Rechtsanspruch auf die alleinige Vermarktung z.B. des Weihnachts- oder Osterfestes? Mache ich mich strafbar, wenn ich statt des „heiligen Nikolauses“ einen Milka-Schoko-Weihnachtsmann in die sauber geputzten und erwartungsfroh vor dem Kamin aufgestellten Schuhe packe? Ist es egoistisch, wenn ich mich auch im Jahr 16 meines ältesten Kindes noch diebisch über die Freude freue, die sich in seinem Gesicht breit macht, wenn er eines der vielen von uns versteckten Ostereier im Blumentopf findet? Ist es das??? Vielleicht – aber damit kann ich leben, denn es gibt manchmal so wenig zu lachen auf dieser Welt, daß es ganz sicher legitim ist, ein klein wenig heile Kinderwelt zu bewahren, solange es eben möglich ist.

Und nein – dazu brauche ich weder Kirche noch Gottesdienste, ich könnte mir auch meine eigenen Feste ausdenken und dazu passende Symbole herstellen – aber wozu??? Meiner höheren Macht ist es völlig schnurz, was ich mit den diversen (kirchlichen) Feiertagen so anfange – solange jeder etwas davon hat. Und meine Kinder haben etwas davon: VorFreude, Spaß am überrascht werden und selbst überraschen, Zusammensein genießen. Zusammengehörigkeit! Ist es nicht das, was solche HochTage ausmacht? Gemeinschaft? Meine Gemeinschaft sitzt Zuhause und wäre froh, ich wäre da! Denn auch ohne Kirche ist dies ein besonderer Tag für uns alle – gerade WENN man auch außerhalb der regulären Dienstzeiten arbeitet.

Wir werden auch weiterhin besondere Anlässe auf unsere Art und Weise begehen – in der Hoffnung, unseren Kindern eine Kindheit zu ermöglichen, von der sie auch dann zehren können, wenn das Leben mal keine bunten Eier und Schokoweihnachtsmänner parat hat. Auf das die Magie fort besteht…

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11 Kommentare zu “Heidnisches Feiern zu kirchlichen Festtagen…

  1. Meine Tirade war mitnichten auf dich bezogen (daher auch der Nachsatz, was mich zu diesen Überlegungen veranlasst hatte). Da es anscheinend trotzdem so ankam: entschuldige bitte.

    Ich kenne einfach zuviele Menschen (in meinem persönlichen Umfeld) auf die genau das zutrifft: die einerseits mich für meinen Glauben bei jeder sich bietenden Gelegenheit abwatschen, und sich aber andererseits die Rosinen aus dem Kuchen klauben *ohne zu wissen, was sie da eigentlich tun*.

    Das letzte ist das, was mich eigentlich irritiert – und was ich, ein Stück weit, sogar bedenklich finde: man folgt irgendwelchen Traditionen, einfach „weil man es schon immer so getan hat“ und hinterfragt sie nicht.
    Du als Medizinerin dürftest wissen, wie gefährlich das sein kann – wenn z.B. jemand „aus alter Überlieferung“ Verbrennungen mit Mehl bestreut, Zecken mit Kleber betupft und dergleichen „Volksweisheiten“ mehr.

    Brauchtum an sich ist da natürlich weniger gefährlich als medizinisches Halbwissen. Meine Erfahrung ist aber, dass Menschen die in einem Bereich unkritisch sind im anderen auch nicht mehr nachdenken.

    • Hallo Benedicta,

      zu den Rosinen fällt mir die Frage ein, die eine Mutter mal in einem anderen Forum stellte und die mich im Grund auch heute noch fassungslos macht: ob denn jemand einen schönen Taufspruch wisse – aber bitte ohne Gott und Jesus, lieber mit Engeln oder so… Öhm, ja.

      Ob der Erinnerung mal wieder kopfschüttelnd grüßt
      Margit

  2. Jede Gesellschaft hat ja ihre Traditionen,und sie sind wichtig,auch wenn wir oft nicht mehr wissen,was sie bedeuten-wenn es nach mir ginge,ich persönlich könnte auch drauf verzichten,aber den Kindern will ich es nicht vorenthalten-also gibt es Tannenbaum,bunte Eier usw., und ich versuche ihnen immer auch zu erklären,was es bedeutet-der Lärm an Silvester vertreibt „die bösen Geister“ des alten Jahres, Nikolaus erinnert an jemanden,der geteilt hat,Jesus wurde geboren usw.
    Liebe Grüße!

  3. Man sollte seinen Kindern erklären, warum Christen das Osterfest feiern.
    Ostereier verstecken/ suchen hat jedenfalls nichts damit zu tun…
    Aber man kann es ja trotzdem machen…das mit den Ostereiern…ich habe es auch getan…
    Und ich glaube an Jesus.

    • Nö, sollte (im sinne von „muss“) man nicht unbedingt… Ich selbst als „von Atheisten erzogenes Atheistenkind“ hab erst sehr spät erfahren, dass Christen AUCH einen besonderen Sinn in Ostern sehen. Für mich war und ist es eher ein Fest, dass den Frühling und das wieder erwachende Leben der Natur feiert. Plus das ganze herrliche „Gemeinsam zusammen feiern und Spaß haben“-Gedöns, das Josephin erwähnt hat. So habe ich es kennengelernt, und so vermittle ich es auch meinen Kindern.

  4. Mir bedeuten diese Feste auch nicht wirklich etwas. Für mich sind sie schön, weil ich mit meiner Familie zusammen komme. Auch glaube ich, dass es irgendwo da „oben“ jemanden gibt, aber wie Josephine hat das nichts mit Kirchen zu tun.

    Ich ziehe den Hut vor dir, den mittlerweile gibt es viele Eltern, denen ihre Kinder einfach mal schnurz egal sind. Werte sind was sehr wichtiges im Leben eines Kindes.

  5. @cassa
    Das christliche Osterfest den Kindern zu erklären, hat auch etwas mit Allgemeinbildung zu tun. Man muss ja nicht daran glauben, aber man sollte zumindestens davon gehört haben. Ostern ist eben auch noch was anderes als Halligalli und Gedöns.
    Ich finde es einfach peinlich, wenn (gern im Fernsehen vorgeführt) auf der Straße Leute interviewt werden („Warum feiern wir Weihnachten, Ostern etc?“) und die dann schulterzuckend antworten „keine Ahnung“.

  6. @docangle
    also, was die Befragungen junger Leute in TV und RF (hier im Hässlichen Rundfunk läuft auch so was), so bin ich mittlerweile zu der Meinung gekommen, dass diese gefaket sind. Meine Erfahrungen mit jungen Leuten (durch 3 Söhne in entsprechendem Alter – und nicht alle mit Abitur [nur la so nebenbei]) sind komplett Andere.

    Aber zu Josephine. „In meinem Staat kann jeder nach seiner Facon selig werden.“ hat schon der Alte Fritz gesagt.
    Es ist alles richtig, woran Kinder Freude (ich schreibe absichtlich nicht „Spass“, weil dieses Wort reichlich missbraucht wird) haben und auch ich finde es gut, Kinder mit anderen Bräuchen bekannt zu machen. Dann können sie ihren Weg finden, den Weg, hinter dem sie dann auch stehen (müssen!).

    Ich bin kein Fan von Festen (aber auch kein Trauerkloss), ich schenke und feiere gern spontan, aber „wat den En sin Uhl ist dem Annern sin Nachtigall“.

    Und schiesslich: lebt nicht ganze Industrien von den Festen? Arbeitsplätze = Einkommen, ist das so verwerflich?
    Nein – ich sehe schon Einige Zeder und Mordio schrei(b)en – sein Einkommen mit der Herstellung von Waffen zu verdienen, ist nicht das, was ich als erstrebenswert befinde, aber soll ich deshalb wirklich „einen Stein werfen“? Ich hoffe, dass sich meine Arroganz noch nicht so weit entwickelt hat.

  7. Bei den größten Festen im Jahr ist für mich der wichtigste Aspekt, dass sich die Familie Zeit füreinander nimmt (der engste und auch der weitere Kreis), liebgewonnene Rituale pflegt und mal wieder zu dem kommt, was wirklich wichtig ist. Für Eltern ist das auch eine wichtige Gelegenheit, den Kindern ein Stück heile Welt zu schenken.
    Als buddhistische Atheistin erkläre ich unseren Kindern die christlichen Hintergründe von Weihnachten und Ostern. Das gehört für mich auch zur Allgemeinbildung. Sie wachsen ja in einer christlich geprägten Kultur auf, und ich befürworte viele christliche Werte.
    Genauso wichtig finde ich, dass unsere Kinder auch die Feste anderer Kulturen kennenlernen. In Hongkong waren das zum Beispiel Mondfest, Frühlingsfest, Fest der hungrigen Geister, … Mit ein bisschen Abstand erkennt man, dass all diesen Festen viel gemeinsam ist, was weder rein christlich, heidnisch, buddhistisch oder was auch immer ist: Jede Kultur, die ich kenne, hat ein Hauptfest, zu dem sich die erweiterte Familie zusammenfindet. Zum Frühlingsfest ist z. B. halb China unterwegs.
    Gemeinsame Muster dieser Feste sind: Man nimmt sich Zeit füreinander, achtet auf Harmonie, tut sich und den anderen etwas Gutes (und übertreibt es dabei manchmal vor lauter Eifer), hilft sich durch eine schwierige Jahreszeit (oder freut sich, dass die endlich vorbei ist). Das ist für mich etwas zutiefst Menschliches. Es ist wesentlich älter als die heute bestehenden Religionen. Es verbindet – und macht es vielleicht weniger wichtig, wer wie und warum welches Fest feiert.

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