Subspezies Jung-Eltern!

Junge Eltern sind ein Phänomen. Überall auf der Welt erfinden sie tagtäglich das Rad neu: Nur SIE haben jemals alles richtig durchdacht, nur bei IHNEN schläft das Kind durch oder nicht oder schreit oder schreit nicht, nur SIE ALLEIN wissen wie man alles richtig macht – und werden auch nicht müde, dies der (selbstredend völlig unwissenden) Welt tagtäglich mitzuteilen! Noch viel lustiger sind diese Paare in der Phase des Eltern-Werdens, also während der 9 langen Monaten vor Entbindung. Hier werden die tollsten Pläne geschmiedet, darüber, wie es sein wird, wenn der Nachwuchs da ist, wie man ihn zum schlafen bringt, zu erziehen gedenkt, was die lieben Verwandten dürfen oder nicht – alles, alles, alles malt man sich hübsch und adrett aus – um dann früher oder später brutal von der Realität überfahren zu werden. Ist so – ich schwöre. Ich nehm mich dabei auch wahrhaftig nicht aus – auch mein Mann und ich hatten wohl nicht ansatzweise eine Vorstellung davon WIE das Leben mit Kind(ern) sich gestalten würde – und das, obwohl wir doch schon jede Menge Erfahrung mit kleinen Geschwistern, Babysitter- und AuPair-Jobs vorzuweisen hatten.

Ein gutes Beispiel dafür, wie es gehen kann, ist eine Freundin und ehemalige Arbeitskollegin – nennen wir sie „Tamara“. Tamara ist hochintelligent, fleißig und zuverlässig bis auf den Punkt. Eine Kollegin wie die Welt mehr davon bräuchte! Nie wäre sie auf die Idee gekommen, die Klinik zu verlassen ohne vorher alle Arbeit erledigt und am besten noch für den nächsten Tag vorgearbeitet zu haben. Niemals ließ sie irgendetwas für den diensthabenden Kollegen liegen, nicht einmal so doofes Zeug wie Blutkonserven anhängen oder Verbandswechsel (was – Hand aufs Herz – wirklich JEDER von uns schonmal heimlich an den nachfolgenden abgedrückt hat…!). Tamaras Leben war von jeher kategorisch durchgeplant: Abitur mit Bestnote, Studium in Mindestlaufzeit, hervorragendes Examen, Facharztausbildung wie aus dem Bilderbuch… – selbstverständlich würde auch eine Schwangerschaft sich an die hochgesteckten Vorgaben halten und hochglanzpoliert wie frisch aus dem ELTERN-Heft durchgezogen werden.

Tamara hatte sich das ganze wie folgt vorgestellt: Bis mindestens zur 20. SSW würde sie selbtredend weiterhin ihrer Job- und Dienstpflicht nachkommen – frau war ja lediglich schwanger und keineswegs krank – erst dann sollte der Arbeitgeben informiert werden. Weiterhin wollte sie bis quasi direkt an den Geburtstermin heran voll berufstätig bleiben, nebenbei das Kinderzimmer fertig renovieren, den Garten neu anlegen, adäquates Babyzubehör besorgen und VIEL SPORT treiben! Die Geburt war als Spontanpartus mit ökologisch abbaubarer Hebamme geplant – alles würde ganz wunderbar werden…!!!

Okay – wie lief es wirklich? Tamara war leider ab Woche 5 der Schwangerschaft permanent am ko**en, konnte deshalb auch ab Woche 6 keinen einzigen Dienst mehr leisten, wurde in Woche 12 wegen aller möglichen anderen fiesen Geschichten bis zum Kaiserschnitt in SSW 36 krank geschrieben – und hat bis heute nicht verstanden, WAS da eigentlich alles schief gelaufen war….

*HUST*

Die Antwortet lautet: Schwangerschaft und Planbarkeit schließt sich von vorne herein einfach aus. Punkt um!

Worüber ich auch schon oft nachgedacht habe – ein Buch zu schreiben. Titel: „1000 Dinge die sie als frischgebackene Eltern auf GAR KEINEN FALL brauchen werden!!“

Ganz oben auf dieser imaginären Liste Dinge wie

– „Flügelhemdchen für Neugeborene“ (wozu hat der liebe Gott den Baby-Body erfunden???)

– Flaschen-Sterilisator (all meine armen Kinder mußten ohne dieses Teil auskommen…) oder gar

– Plastik-Baby-Badewanne (am Anfang passen sie alle ins Waschbecken, später paßt keins mehr in die Baby-Badewanne…)!

Nee, keine Sorge – ich klugschei**e nur hier so frei von der Leber weg herum. Im wahren Leben weiß ich sehr wohl, daß es für frisch gewordene Eltern nichts schlimmeres gibt, als „alte“ Eltern, die meinen einem zu jeder Kleinigkeit ungefragt ihre Ratschläge um die Ohren hauen zu müssen. Da kann ich mich dann doch zurück halten.

So wie vorhin zum Beispiel: da telefoniere ich mit meinem Schwager – er und meine Schwester sind vor drei Monaten Eltern eines ganz entzückenden kleinen Knaben geworden – und frag beiläufig, wie´s so geht?! Erwidert der stolze Vater  sparsam, es wär grad „a weng“ schwierig mit dem „Kloanen“. Er würde beim Trinken an der Brust immer Weinen, beim Flasche geben dagegen nie….?! Ich hab mitfühlend genickt, mir eins gegrinst, und späterhin unkommentiert aufgelegt.

Mein Mann – in seinem tiefsten inneren beste Mutter unter der Sonne – meinte nach meinem Bericht nur lapidar: „Soll er doch ein kleineres Loch in den Sauger machen – dann heult er bei der Flasche auch…!!!“

Dafür liebe ich diesen Kerl. Bringt es mit einem Satz auf des Pudels Kern: klar brüllt das Kind an der Brust, geht es doch beim Flasche trinken so viel schneller und vor allem ohne großartige Anstrengung. Das haben die Gören schneller raus, als man meinen sollte.

Aber DAS werden die Eltern garantiert auch noch von selbst heraus finden. Wenn nicht jetzt, dann vielleicht beim nächsten Kind. Oder beim übernächsten… :)))

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19 Kommentare zu “Subspezies Jung-Eltern!

  1. „ökologisch abbaubare Hebamme“ *gröööhl* :D

    Das mit der Planbarkeit kann ich zu 1000% so bestätigen. Funktioniert. Nicht.

    Das mit der Flasche auch, weswegen ich gar nicht erst gedenke die Flasche anzubieten, was das Kind nicht kennt, kann es auch nicht wollen *g*

  2. Ich würde gerne schon mal eins deiner Bücher vorbestellen. Ich hoffe, es ist bereits erschienen, wenn wir uns dann mal zu Kindern durchringen können ;-)

  3. Ach ja, sieh es uns nach. Auch ich hatte eine Geburt im Einklang mit dem Mond, mit Walgesängen und natürlich ohne Drogen geplant. Natürlich kam es anders, aber auch gut. Mit PDA auf einem normalen Kreissbett in Rückenlage (übrigens mit PDA bis zum Schluss u. ohne Probleme).
    Und was haben wir ein Theater mit dem Sohn gemacht …und wäre da nicht „aus Versehen“ nach nur 17 Monaten noch seine Schwester gekommen, würde er zweifelsohne heute ganztägig eine Krone auf dem Haupte tragen. Gott sei Dank kommt man mit dem 2. Kind spätestens zur Räson :-)
    Und ja, Ratschläge annehmen war ganz schlecht. Dafür verteile ich heute gern ungefragt welche, die dann wiederum an den Jungeltern abprallen.

  4. Zitat: Soll er doch ein kleineres Loch in den Sauger machen – dann heult er bei der Flasche auch…!!!”<–wie geil ist das denn! *g*

    "klar brüllt das Kind an der Brust, geht es doch beim Flasche trinken so viel schneller und vor allem ohne großartige Anstrengung. Das haben die Gören schneller raus, als man meinen sollte."

    Ich als alte Langzeitstillerin hätte da meine Klappe nicht halten können. *g*

    Und ja, spätestens beim 2. LERNT man es wirklich!

    Toller Beitrag wieder mal.

  5. Zu den 1000 Dingen gehört unbedingt noch eine Babywaage!

    Ich wurde dauernd von meiner Mutter und meiner Schwiegermutter gefragt, was denn der Junge jetzt wiegen würde. Beantworten konnte ich die Frage nur, wenn ich gerade bei einer U-Untersucheung war.

    Uns hat man ja allen Ernstes vor und nach jeder Mahlzeit gewogen, um zu schauen, was wir zunehmen!

    Ähm… Wenn mein Kind getrunken hat und fröhlich aussah, war mir das, gelinde gesagt, sch&%$egal, wie viel es wiegt! Bei vollgestillten Kindern ist das ja nicht wirklich das Problem…

    Aber das in die Köpfe zu bekommen!

    • UNTERSCHREIB!!!!

      Meine Eltern waren völlig entsetzt, als ich sagte, ich habe keine Babywaage! Meine Mutter wollte gleich eine kaufen gehen…
      Als ich fragte, wozu? gab´s einen Riesenaufstand…:)
      jaja, Tochterkind hat mit Beginn der Schwangerschaft sämtliche Gehirnzellen abgegeben und ist nicht imstande, ohne gut(gemeinte) Ratschläge das Leben mit Mann und Baby zu schaffen. O_O
      (Ich oute mich als Jung-Mama, jawoll… Aber Ratschläge, die ich für richtig und gut befinde, nehme ich gerne an. Und ich bin alt genug, Fragen zu stellen, wenn ich welche habe. Dass ich nicht immer meine Eltern frage, sondern dass es durchaus auch Arzt/Hebamme/Freundin treffen kann, wollen sie aber auch nicht so recht einsehen…Aber die Welt hat sich in den vergangenen 30 Jahren diesbezüglich schon ein bisschen geändert ;) )

      Viele liebe Grüße
      Elawen

      PS: Ich finde diesen Blog echt klasse, gerne immer weiter so!

  6. Ratschläge sind eben auch Schläge. Sie ohne Widerstandsgefühle in ein Hirn zu implantieren ist eine wahre Kunst.
    Oder anders gesagt: jemanden auf einen bestimmten Weg bringen, ohne ihn zu bevormunden.. subtil sein, aber genau…
    Beruflich gesehen: Stetiges Dazulernen. Manchmal gelingt es, manchmal gehts schief und noch manchmaler muss ich einfach loslassen ;-)
    frohe Ostern

  7. oh Mann, wenn ich das alles lese, bin ich froh jetzt doch noch nicht in diue Verlegenheit zu kommen, mich für ein Kind zu entscheiden.Es wäre jetzt keine Katastrophe, aber es kann auch noch ein bißchen warten… vielleicht ist man dann älter und auch etwas entspannter ;)

  8. Ich finde ja,ab Kind 3 fängt es an Spaß zu machen-die meisten Standard-Probleme hat man ja überlebt und wird recht gelassen. Und mal ehrlich,wäre ich ein Kerl,hätte ich sicher noch 2-7 Kinder mehr!
    Dein Blog ist übrigens super. Habe mal einen ganzen Vormittag hier verbracht und,Mann,hatte ich ein Glück! mit meinen 3 spontanen…selbstredend bin ich natürlich (bei 1 und 3,2 flutschte) gestorben!
    Frohe Ostern!
    Ela

  9. Ich fand unsere (geliehene) Babybadewanne wahnsinnig praktisch. Und den Flaschen-Sterilisator haben wir immer noch in Gebrauch. Für mich sind das zwei Dinge, auf die ich auf gar keinen Fall verzichten hätte wollen.

    Naja, ich glaube nicht, dass ich zu dieser von Dir beschriebenen Spezies Jung-Eltern gehöre. Ich plane NICHTS, GAR NICHTS. Denn das hat mir mein bisheriges Leben gelehrt, dass es oft anders kommt als geplant. Und mit Kindern gleich 10 mal anders.

    LG
    Barbara

  10. Ok, das mit dem Waschbecken merke ich mir, da wäre ich nie drauf gekommen.
    Ansonsten soll auch ein in die Wanne gestellter Wäschekorb ganz toll sein. ;-)

    Oh, und wo krieg ich den ökologisch abbaubare Hebammen her? *rofl*

  11. Regel Nr. 1 für werdende Eltern:
    Kündigt SOFORT das Eltern-Abo!
    Ich weiss nicht, wie die das machen, aber
    in dieser Zeitschrift steht wirklich REIN GAR NICHTS, was im Entferntesten mit der
    MamaPapaKind-Realität zu tun hat.

  12. Super geschrieben! Ich Mutter von 2 Kindern weiss wovon da gesprochen wird. Und das mit dem Loch im Sauger…kenn ich nur zu gut! ;-) Babywanne: Nun ja benutz ich jetzt im Garten um zu plantschen und muss ja nicht die teuerste sein IKEA reicht da völlig! Flaschen Sterilisator: Hatte ich auch nie und meine leben auch noch…
    Eltern wachsen mit den Kindern und das ist gut so!

  13. Sehr treffend geschrieben! Vieles ist so unerträglich wahr … ;-) Was in aller Welt ist denn ein “Flügelhemdchen für Neugeborene”? Noch nie gehört …

  14. Och, mach doch nicht die schönen Flügelhemdchen madig *g* Ich find die klasse… Ärmchen rein, Kind um 90 Grad auf die Seite drehen, Resthemd unter dem Rücken feststecken, Kind um 180 grad zur anderen Seite drehen, zweites Ärmchen rein, Kind um 90 Grad zurück in die Rückenlage drehen. Fertig ist das Grillhähnchen! ;o)

    Ich persönlich finde ja an Platz 1 der unnützesten Dinge steht das Kinderbett mitsammt Kinderzimmer… standen bei mir im ersten Jahr komplett leer…

    Und: Weiter, weiter, mehr Beiträge, ich liebe sie!

  15. So als werdende Jungmama hätte ich nur ZU gerne dieses Buch…
    Damit ich mit nicht immer von anderen werdenden Jungmamas (oder auch meiner eigenen Mutter) anhören muss, dass ich doch jetzt ÜBERHAUPT KEINE Zeit mehr habe, noch irgendwas zu regeln und zu kaufen – so 8 Wochen vor Termin. Wenn ich höre, dass andere Frauen schon die Kliniktasche gepackt haben… Gott, was bin ich dann froh, dass ich anders bin.
    *seufz*
    Nein, ist gelogen. Bei mir bezieht sich das nur auf andere Bereiche :(

  16. Entspann dich!
    Jetzt ist die beste Zeit, um noch Sachen zu erledigen und zu shoppen. Mit dem dicken Bauch kommst du überall besser durch als mit Kinderwagen. Außerdem brüllt dein Kind jetzt noch nicht in den unmöglichsten Situationen.

    Kliniktasche habe ich gepackt, als ich Wehen hatte. Und mal ganz ehrlich: Wenn man irgendwas nicht dabei hat, dann kann einem das ja auch einer bringen, oder? Falls man nicht ohnehin ambulant entbindet. Es sei denn, du wohnst drei Tagereisen vom nächsten Krankenhaus weg…

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