HOUSE OF GOD – zum dritten…

Okay, ich muß mich jetzt doch mal ausführlich zu diesem Buch äußern. Vorweg – ich bezweifel, daß irgendein Nicht-Mediziner auch nur annähernd etwas mit Samuel Shem und seinem Werk anfangen kann. Nicht, daß es zu kompliziert wäre, zu anspruchsvoll (wobei ich tatsächlich finde, daß er einen ganz ausgezeichneten Stil hat – aber das nur am Rande…) – es ist schlichtweg viel zu abgedreht, um nicht zu sagen ABSTOSSEND für all diejenigen, die aus anderen Berufssparten kommen.

Die Hauptfigur des Romans ist Roy Basch, ein junger Assistenzarzt (=Intern), der in einem fiktiven, amerikanischen Haus die Hölle seiner Facharztausbildung durchläuft. Zu Beginn der Ausbildung noch voller Ideale und Glauben an die Medizin und ihre Wunder, sowie an die die Wunder ausführenden Führungskräfte, wird den jungen Ärzten bald klar, daß es in dieser knallharten Zeit der Day-on-Day-off-Dienste nur um eines geht: das nackte Überleben! Und ganz schnell reduziert sich Engagement und Empathie auf Sarkasmus und schlußendlich beinah stoische Selbstaufgabe.

Ich habe das „House“ erstmals während meiner PJ-Zeit gelesen, und ganz ehrlich – es hat mich mehr als einmal davon abgehalten, den ganzen Krempel einfach hinzuschmeißen. Oder durchzudrehen. Denn erschreckend schnell wird dir als Jungmediziner klar, was auch Roy Basch quasi als erste Lektion lernt: Wenn es brennt, weißt du anfangs nicht wirklich, was du zuerst machen sollst: vor Angst ko**en oder dir in die Hose machen. Und egal, wieviel du weißt, und was du alles lernst und kannst – Menschen werden krank und Menschen sterben, und gerade dieses Sterben können wir wenn überhaupt nur hinausschieben – aber keinesfalls auf Dauer verhindern. Und ironischerweise sind es immer die jungen, eigentlich gesunden Menschen – Väter, Mütter, Kinder, Nachbarn, Freunde – die von heute auf morgen im Park tot umfallen oder vom Auto überfahren werden. Während andererseits am Ende ihres Lebens Angekommene gerne sterben würden, aber einfach nicht können! Trotz multibelster Erkrankungen – und eigentlich bereit, zu gehen.

Auch das du dich auf niemanden verlassen kannst, als dich selbst – und den Kerl, der neben dir im Boot sitzt. Und auf ein, zwei gute Jungs (und Mädels ;)), die es auch ohne böse Seelen und Steinherz in die oberen Etagen geschafft haben. DIE wiederum sind jedoch so rar gesät, wie Rosengärten in der Wüste…

Bis zum heutigen Tag habe ich das „House“ bestimmt ein Dutzend Mal gelesen – das Querlesen besonders beliebter Stellen nicht mitgezählt, was alle Nase lang immer noch regelmäßig vorkommt! Ein Exemplar liegt somit eine Armentfernung von meinem jetzigen Sitzplatz entfernt, ein Zweites befindet sich in meinem Klinik-Spind. Und wann immer ich einen schlimmen Tag in der Klinik habe oder hatte, schafft Sam es über kurz oder lang doch wieder, mich aus allen Löchern herauszufischen und erneut aufzustellen. Für den nächsten Tag.

Danke, Samuel!

Advertisements

8 Kommentare zu “HOUSE OF GOD – zum dritten…

  1. … es hat mich maßgeblich beeinflusst, kinderheilkunde zu machen, um den gomer aus dem weg zu gehen ;-)
    leider sind die nachfolgewerke von s.shem um längen schlechter.

    • nee – ich glaube da steht noch weniger drin, als im vorwort… – hab das post jetzt gerade nochmal durchgelesen – lies es NICHT! es ist zwar nur die richtung angedeutet, in die sich die geschichte entwickelt (ohne genau details zu nennen), aber trotzdem – ich denke, ohne vorwissen ist es spannender!

  2. Frag mich gerade, was wohl zu kompliziert, zu anspruchsvoll für Nichtmediziner sein könnte… Oder für Mediziner…

    • hab ich irgendwo „zu anspruchsvoll“ geschrieben??? ich glaube nicht! und wer hält dich davon ab, es zu lesen???

  3. Pingback: Tabe zum In-Die-Tonne-Kloppen… « Heldin im Chaos

  4. Hab es gelesen. Als Nicht-Medizinerin. Hat mich sehr beeindruckt – und in meiner Entscheidung bestärkt einen anderen Beruf zu wählen ;-)

  5. Ich liiiebe dieses Buch. Ich weiß gar nicht wie oft ich es gelesen hab. Vor dem Studium (als ich nach Appendektomie im KH lag), in der Vorklinik, in der Klinik, im ersten, zweiten…Ausbildungsjahr und immer so weiter, ich hab es sogar auszugsweise zum besseren Verstehen der Hierarchie in unserer Klinik unter meinen Kollegen verteilt.

    PS: bitte bitte lass mich das Passwort haben

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s