Datt Häs-schen…!!!

Wir haben seit dieser Woche eine neue Studentin. Datt Häs-schen! Häs-schen ist maximal 12 Jahre alt, hat ihr wirklich wunderschönes, dunkelbraunes Haar immer brav zu einem Pferdeschwanz nach hinten gebunden, und ihr niedliches Kindergesicht besteht eigentlich nur aus zwei UNGLAUBLICH großen, blauen Babyaugen und einem Mund, der permanent vor Erstaunen (oder Verzückung) offen steht. Sie ist durch und durch ein liebreizender Anblick, aber manchmal kribbelt es mich in den Fingern, sie nach Ausweis oder Führerschein zu fragen, ich bin nämlich der festen Überzeugung, die Kleine ist ein gefakter Medizinstudent und besucht im wirklichen Leben die Parallelklasse meiner grundschulpflichtigen Tochter.

Waren WIR damals (6. Semester) eigentlich auch so verdammt jung??? Ach so, nee, ich natürlich nicht – aber IHR, die ihr regulär mit Abschluß der allgemeinen Hochschulreife ins Studium eingetreten seid – WART IHR auch so jung? Oder seid es gar noch? Unfassbar… :-0

Aber es kommt noch viel besser: Häs-schen sieht nicht nur jung aus, sie ist auch ähnlich begeisterungsfähig wie eine 5jährige bei Hamley´s (= größtes Spielzeuggeschäft Londons) und hat einen unglaublichen Unterhaltungswert. Gestern zum Beispiel durfte sie als zweite Assistenz bei meiner abdominalen HE partizipieren, und da wir ein Haus sind, welches auch tatsächlich Wert auf LEHRE (und nicht nur aufs Haken halten) legt, hatte sie einen Logenplatz direkt an meiner grünen Seite (ich dagegen hab meinen ersten HE-Situs erst zu Gesicht bekommen, als ich schon Assistenzärztin war – vorher war ich immer für Stunden zwischen den Beinen der jeweiligen Patientin geparkt, mit fünf Haken in der linken und dem Blasen-Larry in der rechten Hand….). Meine Oberärztin hat sich dann auch wirklich alle Mühe gegeben, Häs-schen einen umfassenden Einblick in die Wunder der gynäkologischen Chirurgie zu vermitteln, und die Kleine durfte den Urachus anschauen („WHOOOOOW“ *GroßeAugen* „Das ist ja SO TOLL!!!“ *MitDenHändenFuchtel*), die Skelettierte Cervix anfassen („Oh weh…“ *ErschrockenGroßeAugen* „…mach ich da auch nichts kaputt???“ *BlassWerd*) und Fäden abschneiden.

D.h. – prinzipiell hätte sie Fäden abschneiden dürfen. Kurz bevor es jedoch so weit kam, fing sie plötzlich mit wilden Verrenkungen an – linkes Bein hochheb, rechtes Bein hochheb, nach vorne beug, nach hinten dehn…?!

Herr H., die OP-Oberschwester und Instrumentenpfleger schaut ein wenig sparsam drein und fragt Häs-schen, ob ihr schlecht sei?

Häs-schen schüttelt abwesend den Kopf: „Nein, ich muß mir nur mal die Füße vertreten…!“ tritt dann ungefragt vom Tisch ab und beginnt, schlafwandlerisch-ungezielt durch Saal 5 zu kreisen. Herr H. starrt ihr fassungslos hinterher – so etwas ist ihm auch schon lange nicht mehr unter gekommen….?! Und während ich nun meinen Bauch alleine zu mache, zieht Häs-schen weiterhin Kreise um den Tisch, nimmt dann abschließend mit einem tiefen Seufzer auf dem Anästhesisten-Stühlchen Platz und meint mit weit aufgerissenen Baby-Blau-Augen: „DAS war wirklich eine SEHR LANGE Operation…!!!!“

Der Betäuber fällt vor unterdrücktem Lachen fast hintenüber, und ich habe deutlich Mühe, meiner Empörung nicht laut Luft zu machen (schließlich betrug die Schnitt-Naht-Zeit gerade mal 1 1/2 Stunden! Menno….!). Aber im zweiten Satz schiebt sie ein ansteckend euphorisches „…aber SO GROSSARTIG!!! Und wie toll du das gemacht hast – so etwas könnte ich ja auf gar keinem Fall!!!“ hinterher – und augenblicklich bin ich wieder ausgesöhnt mit unserem Baby. Die Kleine hätte eigentlich Motivationstrainer werden sollen – DAS hat sie wirklich RICHTIG drauf…!!!!

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10 Kommentare zu “Datt Häs-schen…!!!

  1. Werde auch NIEMALS verstehen, wie man mit 27( !!!) schon promoviert und Fachärztin sein kann (dieser Kasus existiert in meinem Bekanntenkreis).
    In dem Alter hat meine Wenigkeit (ebenfalls „Spätzünder“) noch vom Medizinstudium geträumt…

    …und alle haben dann gesagt: „Dass Du in deeeeem ALTER noch lernen kannst! -Ich könnte das nicht mehr!“ (*schluck*)

    Zum Glück sah ich damals um einiges (um nicht zu sagen, um etliches) jünger aus als ich tatsächlich war, so dass ich im Schwarm der Erst- und Folgesemester nicht auffiel!!!!!!!!!!!!!!!!

  2. …hab nochmal nachgerechnet…*hüstel*

    Mit 27 promoviert, stimmte. Fachärztin aber leider ERST mit 29!

  3. Nochmal ich…

    OP war mir immer etwas suspekt. Für „Frischlinge“ scheinen da nur zwei Dinge zu gelten:
    1. Egal wo man steht -man steht immer falsch.
    2. Egal was man macht -man macht es nie richtig.

    Ich musste mal im PJ mal bei den Gyn’s assistieren (wurde von den Allgemeinchirurgen ausgeborgt, weil Gyn’s Personalnotstand hatten). Da gab es eine vordere + hintere Scheidenplastik oder so. Keine Ahnung. Ich weiß nur noch, dass das für mich weder bequem noch interessant war. Bequem -ok, aber wenigstens interessant sollte es sein!! Nur Fäden und Haken und so und was die da überhaupt machten, entzog sich vollends meiner Kenntnis. In einen Bauch kann man wenigstens noch von oben schön reingucken…

    PS: Darf man im OP eigentlich mit Händen rumfuchteln? Auch wenn man datt Häs-schen ist????????

  4. Obwohl ich etwas langsamer studiert hab ;-)
    sieht man mir mein Alter nicht an und meint immer ich sei ja so jung….

    tztz,
    geschadet hat mir das nicht, etwas später fertig zu sein, denn wir ham schließlich auch noch einiges an Lebenserfahrung was wir für uns verbuchen können!!!eben….

    gibt ja meist Gründe, warum der Weg nicht ganz so gradlinig war….

    diese Häschen kenn ich auch, aber wenn ich so überleg, wir hatten wirklich die unterschiedlichsten Granaten dabei….das is vielleicht auch der Grund, warum wir nur selten zum Arzt gehen *g*

    schöne Woche noch

  5. ich hab gerade schallend gelacht…. Wie cool ist datt Häschen denn! Bei uns hätte sie von Schwester U. wahrscheinlich tierisch einen auf den Deckel bekommen.

  6. Hihi, ich bin auch im Famula-Alter und finde es köstlich!
    (werde aber erst mit 25 Dr.med.; hier wo ich studiere gehört die Doktorarbeit zum Curriculum; ohne die darf kein Examen gemacht werden!)
    Zwar kann ich auch 8-h-OP’s wunderbar aushalten, zumal wenn ich hakenhaltend zwischen den Patientenbeinen stehe, aber ich bin sicher, josephine, dass du mit jeder Famulantin deinen Spaß hättest.
    Mit mir sicherlich auch ;-)

  7. Ja, ich bin auch im sechsten Semester und ohne Schminke und Brille sehe ich aus wie fünfzehn. Das ist kein Scherz. Wenn das oben genannte dann trage, ist es auch möglich mich für achtzehn zu halten. Und ja, ich bin schon zweiundzwanzig.

  8. Habe „Datt Häs-schen“ schon zum x-ten Mal durchgelesen, immer wieder mal, nur so aus Spaß. Sehr schön geschrieben.

  9. Pingback: Kennt ihr das Haus, das Wahnsinnige macht? « Zwergenalarm's Blog

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