Ausflug in die Pädiatrie und bestes Buch ever: HOUSE OF GOD!!!

Gestern las ich bei KinderDoc DIESEN Artikel über den besorgten Vater eines fiebernden Kindes, und mußte schmunzelnderweise an ein Ereignis im letzten Jahr zurückdenken, das gut zum Thema „besorgte Eltern“ passt.

Mein Mann und ich sind sehr gut mit einem benachbarten Ehepaar befreundet, deren Söhne 1 und 3 Jahre alt sind. Das jüngere der Kinder war nun also in irgendeinem Herbst erkältungstechnisch angeschlagen (typisch erster Kindergartenwinter eben), und fieberte schon seit Tagen mal mehr mal weniger hoch durch die Gegend. Donnerstagabend klingelt dann mein Telefon, Freundin dran – ob ich denn mal geschwind rüber kommen könnte, der kleine Jan-Hugo-Alexander hätte fürchterlich hohes Fieber, sie wisse nicht, was sie machen solle…?! Dazu sei gesagt, daß I., die Freundin, zwar unglaublich lieb, außerdem hoch gebildet und vollumfänglich kompatibel, aber leider (im Bezug auf ihre Kinder) nicht die Nervenstärkste ist. Typ überbesorgte Panik-Mutter.

Ich also ins Nachbarhaus gepilgert, wo mich ein hochrot-backiges, sonst aber durchaus quietschfideles Kind empfängt, die das Thermometer sorgenvoll schwenkende Mutter im Schlepptau. Temperatur: 39,5°C. Ich empfehle lauwarme Waschungen in der Badewanne nebst Paracetamol rectal, und rate sonst zu Abwarten und Tee trinken. „Ob man denn nicht doch lieber den Notdienst verständigen solle…?“ Ein weiterer Blick auf den munter im halbhohen Wasser planschenden Jungen läßt mich kopfschüttelnd verneinen. „Das wird schon wieder!!!! Ich schwöre…!!!“ –  vergebe noch ein paar freundliche, aufmunternde Worte und gehe heim ins Bett, zufrieden, geholfen zu haben.

Tags drauf – ich sitze um 6.10 Uhr komatös vor meiner ersten Tasse Kaffee, fragt der Mann: „Was heute Nacht wohl bei I. & N. los war?“

Ich: „….“ (=Erst Kaffee – dann reden!)

Er: „Da stand gegen halb Vier in der Früh der Krankenwagen vor der Tür…?!“

Ich *PRUUUUUUUUUUUUUUST*

Mir wird heiß und kalt gleichzeitig und in meinem Kopf fährt das Gedankenkarussell langsam in die erste Runde: „Hast du etwas übersehen? Vergessen? Hat das Kindele gar gefieberkrampft? War es eine Laryngitis? Meningitis? Andere -itis? Hätte man den Kinderarzt rufen oder Mutter und Kind mit knapp 40 Fieber in die Klinik schicken sollen???“

Ich versuche, I. auf dem Handy zu erreichen – ohne Erfolg. Danach N.s Nummer: die Mailbox geht ran. Waaaaaaah – auf Kinderintensiv sind Handys ja verboten. Mir ist schlecht…

Auf dem Weg zur Arbeit komme ich am Haus der Nachbarn vorbei, das in gespenstiger Stille einsam da liegt… – die Tatsache, daß kein Licht brennt konnte nur bedeuten, daß N. (der Vater des Kindes) EBENFALLS mit in die Klinik gefahren war. Und das kleine Kind hatten sie dann mitten in der Nacht AUCH NOCH mitgenommen – großer Gott, dann mußte ja wirklich etwas ganz furchtbares passiert sein…?! Mein schlechtes Gewissen macht mich völlig fertig und ich schwöre innerlich, NIE WIEDER den Aushilfspädiater für irgendwen zu geben. In der Klinik dann die Anweisung an meine Lieblingsambulanzschwester im 5-Minuten-Takt auf besagte Handynummer anzurufen. Gegen 11 Uhr endlich der erlösende Rückruf auf dem Diensthandy: „I. ist in der Leitung – ich verbinde!“

WAS WAR GESCHEHEN?!?!

Kurzfassung:

I. – auch nach meinem Verlassen des Hauses nicht gänzlichst beruhigte Gluckenmutter – hat dem armen (irgendwann tief und fest schlafenden) Kind im Stundenrythmus das Fieberthermometer sonstwohin gehalten, und von Stunde zu Stunde ging dessen Körpertemperatur immer weiter RUNTER…!!! Um drei Uhr dann 35,8°C (wohl gemerkt: mitten im Winter, mitten in der Nacht und außerdem mittig im REM-losen Tiefschlaf angekommen) hielt sie es nicht mehr aus und verständigte den Rettungsdienst (-> Sie dachte ernsthaft, daß Kind käme jetzt – Paracetamol-kühle-Waschungen bedingt – in die krankhafte Untertemperatur….!!!! )Die Sanitäter-Jungs rückten kurze Zeit später auch brav an, und nachdem sie sich am Kopf kratzend davon überzeugt hatten, daß es sich bei diesem Notruf keineswegs um einen Dumme-Jungen-Streich sondern vielmehr um eine hochbesorgte Jungmutter handelte, packten sie Mutter und Kind in den Wagen und verfrachteten beide in die nahe gelegene Kinderklinik – sollten die sich dort doch mit ausschweifenden Erklärungen herum schlagen.

Und N., Vater des Bengels? Der war weder mit in die Klinik gefahren, noch hatte er es für nötig gehalten, sich sorgengeplagt den Rest der Nacht schlaflos um die Ohren zu schlagen, sondern war – die Gunst der Stunde nutzend – mit seinem kleinen Kind zurück ins Nest gefallen, und hatte dort friedlich bis zum kommenden Morgen gepennt.

Ehrlich – wenn I. nicht so ein herzensguter Kerl wäre, und ich sie nicht so sagenhaft gut leiden könnte – an diesem morgen hätt ich sie gerne ein klitzekleines bisschen durchgeschüttelt! Zu ihrer Ehrrettung sei jedoch abschließend gesagt, daß sie (bei Tageslicht gesehen) die Sinnlosigkeit dieser nächtlichen Aktion durchaus selbständig eingesehen, deshalb ihr putzmunteres, nun völlig fieberfreies Kind eingepackt und wieder nach Hause verfrachtet hatte. Dies jetzt aber nur gegen Unterschrift und ausdrücklich ärztlichen Rat, denn der (ca. 12-jährige, frisch von der Uni kommende) Stationsarzt hatte nach reiflicher Überlegung und Durchsicht aller vorhandenen Parameter auf einer Ganzkörper-Untersuchung nebst Röntgen-Thorax-Aufnahme UND Schlaf-EEG bestanden….

Zurück in die Gegenwart:

Es ist Diens(t)Tag, und ich hab einen wirklich wunderschönen, hoch befriedigenden Tag hinter mir: Ich durfte nämlich OPERIEREN!!! Eine abdominale Hysterektomie ohne Adnexen! Traumhaft!!!  Und zum wiederholten Mal ist mir aufgegangen, daß ich wohl definitiv zu den Spätgeborenen gehöre: laparoskopieren mag ja super schonend, fortschrittlich und was-noch-alles sein, aber so ein ordentlich aufgeschnittener Bauch, in dem man nach Herzenslust absetzen, schneiden, koagulieren und nähen kann – DA macht Chirurgie doch erst richtig Spaß!!! Bin ich eben altmodisch!… ;)

Zum House of God erzähl ich euch morgen was – heute bin ich einfach zu müd dafür…!

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7 Kommentare zu “Ausflug in die Pädiatrie und bestes Buch ever: HOUSE OF GOD!!!

  1. Hallo,
    bin gerade fasziniert in deinem blog hängen geblieben und wollte meine Begeisterung mitteilen –
    von dem witzigen, menschlich nahem Erzählstil und meine Verbundenheit als
    Mutter ebenfalls von 3 kids und als Kollegin …
    und Bewunderung für das Durchhaltevermögen bei den Diensten, ich könnte es nicht.

  2. Ich bitte um Verzeihung, aber wie doof ist das denn?

    Oh weh, was wird passieren, wenn die Kleinen mit 16, 17 oder so sich abnabeln (wollen) von zu Hause? So wie jedes (normale) Kind…

  3. @Mimimi
    Das ist Alltag in der Pädiatrie! Du glaubst nicht, aus welchen Gründen sonst noch der Krankenwagen gerufen wird (1 x erbrochen z.B., oder Auto in der Werkstatt)…

  4. So lange Ärzte dafür noch Transportscheine ausstellen, wird sich das auch kaum ändern. Die Selbstzahlung eines nächtlichen Einsatzes des Rettungsdienstes, gerne auch mit Notarzt, kann allerdings durchaus heilende Wirkung entfalten und zukünftig die Bloackde knapper Ressourcen für tatsächliche Notfälle verhindern …

  5. Ja nun, die Frau hat sich sich sicher noch nie mit der Basaltemperatur auseinandergesetzt oder gar bei sich selbst im gesunden Zustand Temperatur gemessen. Gerade im Winter komme ich selten über 36 Grad wenn ich gesund bin. Keine Ahnung wie das nachts wäre.

  6. Das ist doch noch gar nichts gegen diese ganzen Kita-Erzieherinnen, die einen wegen absolut JEDEM Furz, der verquer sitzt, von der Arbeit wegholen und einen zum Arzt schicken. Was unser Kinderarzt schon den Kopf geschüttelt hat.

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