Internistische „Leichen im Keller“…

Okay, auch wenn ich mir sicher bin, daß das jetzt für Unmut bei dem ein oder anderen internistisch orientierten Leser geben wird  – am Montag war ich echt sprachlos ob eines stattgehabten Patientenswitchs Innere -> Gynäkologie. Vorweg, die Frau, um die es sich handelt, ist 73 Jahre alt und wurde wegen ich-hab-keine-Ahnung-warum (es gab bei Übernahme der Frau weder eine mündliche, geschweige denn schriftliche Übergabe…) stationär auf der Inneren aufgenommen. Das war vor gut 2 1/2 Wochen. An Tag X (keine Ahnung, wann genau – Grund siehe vorhergehender Satz) wurde bei Frau T. eine fragliche Peritonealkarzinose und reichlich Aszites festgestellt. Soweit, so gut. Nun ist Aszites ja recht häufig mit Ovarial-Ca´s vergesellschaftet, also hat man – nicht unclever – ein CT sowie ein gynäkologisches Konsil gefahren, was zwar das Ovarial-Ca nicht bestätigt, aber auch nicht wirklich ausgeschlossen hat. Der spezifische Tumormarker war mäßig erhöht, aber auch das kann ja bekanntlich alles und nichts bedeutend. Jedenfalls einigte man sich schlußendlich darauf, die Frau zu übernehmen und zu operieren.

Am vergangenen Samstag (warum eigentlich SAMSTAG???) fand nun also gegen 10 Uhr morgens der Umzug auf unsere Station statt, um 10.15 Uhr wurde die diensthabende Kollegin erstmals von der Schwester angerufen – Frau T.s Blutzuckerspiegel läge bei 35, die Frau sei deutlich eingeschränkt, klage über Übelkeit und Brechreiz – was zu tun sei? Schnegge verordnete Glucose 10% und ließ nachfragen, wie denn das letzte Labor ausgesehen hätte? Nun – die letzten Blutwerte seien eine Woche alt…?! Schnegge schüttelte ungläubig ihr blondes Haar, kam dann brav auf Station geeiert und nahm Frau T. Blut ab – nachdem sie ihr erfolgreich einen neuen Zugang gelegt hatte. Wobei – was heißt neu, Frau T. HATTE noch gar keinen Zugang…

Keine halbe Stunde später erneutes Telefongebimmel – die Schwester ließ entsetzt nachfragen, ob Blondie schon einen Blick auf die Laborergebnisse geworfen hätte? Hatte sie nicht, tat sie jedoch gleich, und bekam Augen groß wie Untertassen:

Kreatinin 4,4 mg/dl (Normwert: 0,5 – 1,1 mg/dl)

Kalium 8 mmol/l (Normwert 3,5 – 5,0 mmol/l)

CRP und Leukos seeeeeeehr hoch (keine Antibiose, nix…) und auch die

Gerinnung war völlig out of order

Schnegge war – verständlicherweise – GEREIZT. WAS  genau hatten die Freunde zweieinhalb Wochen lang mit dieser Frau getrieben? Und warum zum Geier wurde sie in quasi nicht-operationsfähigen Zustand auf die Operative verlegt? Fragen über Fragen, die ihr der diensthabende Internist auch nicht wirklich beantworten konnte. Sein einziger Kommentar zu diesem Thema: „SO können sie die Frau aber NICHT operieren!!“ – Ach neee – sag bloß…?! *indietischkantebeiss*

Schlußendlich haben wir sie dann Dienstag DOCH operiert (nachdem der Oberarzt der Monster-Visiten-Zunft zerknirscht zurückgerudert ist  und die Frau halbwegs OP-fähig gemacht hat) – und da wurde die Geschichte dann richtig traurig: Beim Öffnen des Peritoneums kam uns schon ein ganzer Schwall übel riechender, grünlich-brauner Aszites entgegen, nachdem wir das meiste weggesaugt hatten, wurde der Blick frei auf eine 5cm dicke, verbackene, steinharte Tumorplatte, die sich aus den Überresten von Netz, Dünndarm, Sigma und Ovarien zusammensetzte. Der ganze Bauchraum voll mit Metastasen – Bauchwand, Zwerchfell, Leber, Blase, alles…

Nachdem wir verschiedene Proben genommen hatten, haben wir schweren Herzens wieder zugemacht. Aber egal, wie man es dreht und wendet – da war nichts zu machen. Selbst mit heroischen Absichten wären wir nie und nimmer auf Tumorrest unter 1cm gekommen, hätten dafür jede Menge Darm und einen Großteil der Blase entfernen müssen – was in keinerlei Verhältnis zum Ergebnis gestanden hätte (kein Benefit für den Patienten…). Jetzt gilt es Daumen drücken, daß zumindest die Chemo anschlägt… :(

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3 Kommentare zu “Internistische „Leichen im Keller“…

  1. Das ist ja eine super Sache, da möchte ich auch in die Tischkante beißen, oder zumindest meinen Kopf gegen die Wand hauen…

    Arme Frau, hoffentlich wird das was. :(

    Alles Liebe!

  2. Vielleicht sollte man immer ein Stück Tischkante bei sich tragen ,damit man im geeigneten Moment reinbeißen kann…..

    Unsere Psy-Abteilung is an die Somatik angegeliedert.
    Was einem da manchmal ungejubelt wird, da schlackert man mit den Ohren.
    Vor kurzem haben die Internen einfach ne Patientin heimlich in die Psy rübergeschoben und die Tür wieder abgeschlossen-mitten in der Nacht…..mit der Ausrede, man habe den PSY-AVD nicht wecken wollen—hääääää?*kopfschüttel*
    Da frag ich mich schon, was manche Menschen in ihrem Kopf haben….

    Ich wüßte gern, ob die auch wollen täten, daß wir sie oder ihre Angehörigen inner Psy aufnehmen , selbst wenn einiges dafür spricht, daß die psychische Symptomatik organisch bedingt ist.?
    Vermutlich nicht…..

    in diesem Sinne einen schönen Tag….

    glg

    Sonja

  3. Puhhh… ist ja mal schön zu hören, dass die Internisten nicht überall die Guten sind (sondern nur bei uns alles so toll läuft ;) )
    Und wir werden bei uns in der Inneren schon langsam panisch, wenn nicht innerhalb von 2 Tagen wieder komplette Routineblutwerte vorliegen oder tatsächlich mal jemand Thorax-ungeröngt bleibt. Aber man kann es mit dem laissez-faire ja echt übertreiben. Wir schaffen es nie (!!!) Patienten in die Gyn zu verlegen. Bei uns wird dann gerne mal konsiliarisch gynäkologisch operiert…. (?)
    Aber bei der Diagnose muss man der Patientin ja schon fast von der Chemo abraten… als ob das noch etwas verbessert. Na gut- man wird nur recht neutral beraten können.
    Aber: nicht aufregen: ich glaube in allen Abteilungen gibt es schwarze (und kohlrabenschwarze) Schafe, die sich nicht sonderlich für Patienten, sondern nur für Arbeitsbeseitigung interessieren…
    Liebe Grüße-Silly

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