Paralleluniversum….

Es ist ja einige Male schon durchgeklungen – ich bin Mutter mehrerer Kinder, und somit nur „Hobby-Gynäkologin“ – Teilzeitbeschäftigung ist allgemeinsozial nur wenig anerkannt, denn imerhin arbeite ich ja so, „wie andere Leute Urlaub machen“ (Zitat OP-Leitung). Nee, is´ klar. Fakt ist, ich hab meine Schwangerschaften alle brav ins Studium verlegt, immer in den Semesterferien entbunden, hab den ganzen Zirkus trotzdem irgendwie in Regelstudienzeit durchgezogen, muß dank guter familiärer Unterstützung (und robuster Gesundheit meines Nachwuchses) nie wegen kranker Kinder Zuhause bleiben, und bin dank hervorragender Konstitution auch selbst so gut wie nie krank – VORBILDLICH – oder????

Außerdem bekomme ich nur das Dreiviertel Geld für ganze Arbeit, aber darüber reg ich mich ja schon lange nicht mehr auf.

Über Umwege nun zurück zum Thema – gestern nun war so ein Tag, an dem ich gerne meinen Ex-Oberarzt und die OP-Leitung eingeladen hätte, die andere Hälfte meiner täglichen Beschäftigung mit mir zu teilen – nur für 5 lächerliche Stunden, um zu schauen, ob die Machosprüche sich so nicht doch noch revidieren lassen: Wir hatten KINDERGEBURTSTAG!!!

Ich bin seit 17 Jahren geburtstagserprobt, hab Aufgrund jüngerer Geschwister schon sehr früh ganze Heerscharen fremder und bekannter Kinder durch Topfschlagen und Schokoladenwettessen geführt. Ich kann Harry Potter freihändig auf gußüberzogene Schokotorten malen, das sogar meine 4jährige weiß, was das sein soll. Ich kann Kinderolympiaden und mehrstündige Schnitzeljagden aus dem Ärmel schütteln (inklusive selbstangefertigter Medaillien und Schätze…) – aber JETZT werde ich wohl alt, denn:  ich hätte gestern sehr gerne eine 6-Stunden-Wertheim-Meigs gegen 12 testosterongesteuerte Überzwerge getauscht!!

Im Grunde waren es sogar nur 2 Kerle, die schlußendlich den kompletten Laden auseinander genommen haben:

Während wir die obligatorische Kaffeetafel noch halbwegs gesittet über die Bühne bekamen, drohte der Rest des 5stündigen Geburtstagsmarathons stellenweise ins absolute Chaos abzugleiten. Da es in Zeiten von ADS (mit und ohne „H“), Erziehungsflucht und sonstiger Katastrophen bei miesem Wetter geradezu unmöglich ist, mehr als drei Kinder langfristig unter Kontrolle zu halten, hatten wir uns für den Besuch eines „Mitmach-und-Erlebnis“-Museums entschieden, welches mühelos in der Lage schien, Horden von Kindern über Tage hinweg zu beschäftigen. Doch es drohte schon am Eintritt zu scheitern, als AK-1 (=anstrengendes Kind-1) zur Flucht ansetzte: Einmal umgedreht, und schon war der Knilch verschwunden – bis ich ihn wieder eingesammelt hatte, war bereits das halbe Museum durchquert, und ich ziemlich außer Puste. Daraufhin gab es eine kurze Ansage an die versammelte Manschaft, das jedes erneute unerlaubte Entfernen von der Truppe damit enden würde, daß ich den jeweiligen Übeltäter AN DER HAND durch die weitere Ausstellung zu führen gedächte. Die Gesichter der Jungs sprachen Bände, und somit war zumindest dieses Thema vom Tisch.

Die nächste Stunde verlief ungleich entspannter, die Kinder vergnügten sich mit Experimenten und Spielen jeder Art, und wir Erwachsenen machten eine Kaffeepause. Nach kurzer Zeit taucht AK-2 auf (1,68 groß, geschätzte 80 kg…) und ich frage, ob er auch etwas trinken möchte?

Antwort: „Ja – rote Bratwurst!“

„?!?!?!?!“

Hatte ich undeutlich gesprochen? War rote Bratwurst vielleicht der neudeutsche Ausdruck für „Sehr gerne, bitte eine Apfelschorle?“ Vielleicht hatte ich mich ja auch einfach nur verhört, also neuer Versuch:

„Möchtes du etwas TRINKEN???“

Antwort: „Ja – rote Bratwurst!“.

Okay, das wäre also geklärt! „AK-2, du hattest vorhin 4 Belegte und 6 Stück Kuchen, in eineinhalb Stunden gibt es Pizza, bis dahin wirst du es aushalten. Also möchtest du jetzt etwas TRINKEN???“

Antwort: „Ja – dann ein Eis!“ *headshot*

Wir kaufen AK-2 eine Fanta und widmen uns weiterhin der Kleinkindbetreuung sowie dem Kaffee, als ich  aus den Augenwinkeln heraus sehe, wie AK-2 sich ungelogen ZWEI DONOUGHTS hintereinander weg in die Backen stopft, um dann hamstermäßig aufgeblasen die Flucht zu ergreifen. Eins zu Null für den kleinen Dickmops…

Gegen 17.30 sammeln wir die Kinderlein alle wieder ein, verstauen sie in den mitgebrachten Autos und fahren nach Hause. Da meine Schwägerin sich verweigerte, AK-1 und -2 auch wieder nach Hause zu fahren, übernahm ich dieses Mal den Job – und schon nach kurzer Zeit war klar, warum die ruhige, gutmütige Frau meines Bruders sich so vehement gesträubt hatte, die beiden Nervensägen ein zweites Mal zu transportieren: Es war die HÖLLE!!! 25 km lang war ich damit beschäftigt, die beiden Knaben davon abzuhalten

– das Fenster mitten auf der Autobahn bis zum Anschlag zu öffnen

– den vorne sitzenden Jungen mit Gegenständen zu bewerfen oder alternativ an den Haaren zu ziehen

– sich gegenseitig Schimpfwörter an den Kopf zu werfen, bei denen selbst mir die Schamesröte ins Gesicht stieg bzw.

– sich gegenseitig so vors Schienbein zu treten, daß es krachte.

Nach gefühlten 1500 km drohte ich damit, auf der Stelle die nächste Raststätte anzufahren, ein Taxi zu bestellen und die beiden Banausen damit zu ihren Erzeugern bringen zu lassen – auf Kosten derselben, versteht sich. Das entschärfte die Situation zumindest so lange, bis wir Zuhause angekommen waren und die Pizza aufgetischt hatten…

Ich beendete den Geburtstag an der Stelle, als AK-2 versuchte, AK-1 sein fünftes Stück Pizza quer über den Tisch und die Köpfe der anderen 10 Gäste hinweg an die Rübe zu schmeißen…

Um 22 Uhr lagen mein Mann und ich völlig geschafft mit alkoholischen Getränken auf der Couch und dachten mit Schrecken daran, daß der nächste Kindergeburtstag nur wenige Wochen entfernt ist….

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Ein Kommentar zu “Paralleluniversum….

  1. Huhu =0), es liest sich wirklich wieder mal sehr witzig. Aber, ganz ehrlich, ich wäre nicht gerne dabei gewesen. Mein Tipp für nächstes Jahr: Alle treffen sich vor dem Kino. Nur die Kinder gehen ins Kino auf Eigenverantwortung und danach werden alle wieder von ihren Eltern dort abgeholt. =0) So habe ich es bei meiner damals 15 Jahre alt gewordenen Tochter zumindest gemacht.
    Gruß Kirsten

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