Ausflug in die Veterinärmedizin…

Mittwochmittag, 14 Uhr, Sonnenschein und Osterurlaub – was genau möchte Frau da am allerliebsten machen? RICHTIG! Blutegel anhängen.

äh – HÄÄÄÄÄH….?!?!?!

Okay, der geneigte Leser mag sich fragen, ob Frau tatsächlich noch alle Latten am Zaun hat – hat sie nicht. Dafür aber eine kleines Kind mit den größten, treuesten Augen der Welt, und ein Pflegepferd, dessen Guckerchen denen des Kindes in nichts nachstehen. Und eben jenes Pferd hat Hufgelenksentzündung (das ist quasi das Sprunggelenk der Vierbeiner…) – und weil eben jenes Kind (und Muttern auch…) auf eben jenem Pferd erst dann wieder reiten kann, wenn die Entzündung behandelt und geheilt ist, mußte ich gestern veterinärmedizinisch tätig werden. Im doppelten Sinn quasi: das Tier kriegt Tierchen angesetzt.

Nachdem wir (= Besitzerin und ich) uns ausführlich im Netz über die alternativen Zusatztherapien der fiesen Gelenksentzündung kundig gemacht haben, sind wir mehrfach auf optimistisch stimmende Berichte übers Blutegeln gestoßen. Und da meine Lieblingsfreundin, Hebamme von Beruf (macht nichts – ich mag sie trotzdem… *ggg*) die Egel gerne mal zur Haemorrhoidal-Therapie nutzt, hab ich mir kurzerhand eine Einführung geben lassen, und das ganze für nicht allzuschwierig durchführbar erachtet.

Nachdem D. (= Besitzerin) nun eben jene Egel (in der Apotheke erhältlich – man sollte sich allerdings nicht wundern, wenn man bei der Erstbestellung ein wenig dämlich angeschaut wird) besorgt hatte, schritten wir – mehr oder weniger begeistert –  zur Tat. Bewaffnet mit den Egeln im Glas, zwei extralangen anatomischen Pinzetten, einem Schnapsglas, einem einmal-Rasierer und jeder Menge warmen Wasser (die Viechter sind wie ich – die schaffen nur, wenn sie schön warm geduscht haben…) verzogen wir uns samt Pferd an eine ruhige, sonnige Ecke des Hofes, und legten los: Zuvor ausgesuchte Stelle vorsichtig kahl rasieren, Glas öffnen – und sich einen von drei am Deckel hängenden Egeln mit der Pinzette schnappen. Ziehen. Egel wird laaaaaaaaaaaaang und läääääääääänger. Fester ziehen. Zwei von drei am Deckel hängenden Egel lassen urplötzlich ebenselbigen los, und fallen auf mein Hosenbein. Egel Nummer drei denkt gar nicht daran, Deckel loszulassen und ploppt in Nanosekunden auf Anfangsgröße zurück, während ich – Schreikrampf unterdrückend – die Egelfreunde von Anna, der Anhänglichen von meinem Hosenbein picke. Während ich die Kumpels zurück ins Glas stopfe, hat Anna den Kampf aufgegeben, und läßt sich bereitwillig zum Huf tragen.

Kaum an rasierter Stelle angekommen, holt Anna einmal tief Luft – und dockt am Pferd an. Wie schön! Zwei Millisekunden später stellt das Pferd fest, daß es Blutegel nicht leiden kann, und reißt den Huf hoch, um das lästige Tier abzuschütteln. Schade nur, daß mein Kopf sich genau innerhalb der Flugbahn befand – ich arbeite mit Brummschädel weiter, nachdem ich Anna von der gegenüberliegenden Stallwand gekratzt hab. Doch Anna-Egel hat jetzt keinen Bock mehr auf Flugstunden, und muß nach mehrfach erfolglosen Andockversuchen zurück ins Glas – Eddy-Egel ist der nächste Kandidat, und sollte eigentlich leichtes Spiel haben, wo es jetzt ja schon ein bißchen blutet, und er nur noch reinhauen muß… – müßte, will aber nicht. Nach minutenlangem ausprobieren (mit einer Pinzette, mit zweien, mit Handschuh…) funzt dann der Schnapsglastrick: Eddy rein, Glas auf Huf, Eddy beißt.

Da D. wohlweislich den anderen Vorderhuf hoch hält, um das Pferd am erneuten Austreten zu hindern, kann Egel-Eddy ungestört seiner Mahlzeit nachgehen – bis Island (das Pferd) so unruhig wird, daß D. den Huf loslassen muß – und mit einem beherzten Sprung in die Stallgasse entgehe ich knapp einem Zusammenstoß mit Eddy dem E(a)gel, der verstört dreinschauend in seinem Glasflugkörper an mir vorbei schießt.

Wir verbringen insgesamt noch eine halbe Stunde mit mehr oder weniger kläglichen Egel-Andock-Versuchen, bevor wir die weitere Therapie auf das kommende Wochenende verschieben. Eddy, Anna und Freunde sind nach diversesten Flugstunden auch nicht mehr wirklich fit und freuen sich garantiert auf ein paar Tage gemütliches Abhängen im Gurkenglas…

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3 Kommentare zu “Ausflug in die Veterinärmedizin…

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