Sonnenschein und vag HE…. :)

Erwähnte ich es schon – ich MAG meinen Chef. Wirklich. Sehr gerne. Auch wenn er seine Ärzte nicht unter Kontrolle hat *hust* – operieren mit ihm ist immer ausgesprochen unterhaltsam und außerdem auch sehr lehrreich. Denn er hat das, was einen guten Chef ausmacht: Geduld und Ausdauer. Von vorne:

Vier von fünf Wochentagen sind lange OP-Tage, und da ich momentan quasi die einzig verfügbare erste Assistenz bin (U. ist krank, Malucci im Dienstfrei, Blondie hat Urlaub, Tzatziki spricht zu wenig deutsch für manche Dinge und Herr Multisozialversagen hat gekündigt) komme ich in regelmäßigen Abständen in den Genuß, des Cheffes erste Assistenz zu sein. So wie heute! Der Tag beginnt lässig zum warm laufen: laparoskopische Ovarial-PE mit Schnellschnitt. Während der Schnittpause kommen wir in den großartigen Genus scheidender Studenten: der Aufenthaltsraum des OPs sieht aus wie die örtliche Bäckerei – Kuchen und Teilchen so weit das Auge blickt. Das fängt ja gut an *ggg*

Die Glücksträhne hält an – der Pathologe meldet sich zwischen zwei Teilchen und einem Kaffee kurz zurück: alles i.O., das Ei ist gesund. Während die Patientin ausgeleitet wird erscheint der nächste Famulant mit einem Korb belegter Brötchen in der Tür – wir schlagen zu, bevor die verfressenen Chirurgen von der Mahlzeit Wind bekommen – und treten kurze Zeit später wohl genährt und bestens gelaunt die Rückkehr in Saal 5 an.

Die Stimmung bitzelt ein bißchen – die nächste Frau soll nämlich mittels LaVH (laparoskopisch assistierter vagialer Hysterektomie) ihres Uterus beraubt werden – und was aus den letzten Eingriffen dieser Art geworden ist, läßt sich wunderbar in meinen alten Blogeinträgen nachlesen: eine abdominelle HE nach der anderen. Aber heute scheint es das Chakra gut mit uns zu meinen – der laparoskopische Teil geht wunderbar von der Hand, und nachdem Chef die linke Seite abgesetzt hat, darf ich mich an der rechten versuchen – schließlich haben wir durch die eingesparte post-Schnellschnitt-OP massenhaft Boden gut gemacht! Das Ovar zeigt sich ausgesprochen kooperativ und läßt sich ohne großes Rumgezicke vom Uterus trennen. Hurra, operieren ist großartig :)

Doch das Spiel ist noch längst nicht zu Ende – nachdem die Trokare gezogen und die Beine angewinkelt sind, das Vaginal-Sieb in Stellung gebracht und alles nochmal hübsch desinfiziert ist, – tritt der Meister lässig einen Schritt beseite, verbeugt sich höflich und meint mit einladendem Augenzwinkern: „Na – wollen sie?!……“ Hallo??? Und ob ich will! Also bauen wir in gemütlicher Atmosphäre („und bitte chillige Musik auflegen…!!!“ – ja, Chef, alles was sie wollen) Schritt für Schritt den Uterus der guten Frau endgültig aus. Meine zweite vaginale HE und es ist immer noch großartig! Und wie schön, wenn einem beim operieren nicht die Angst im Nacken sitzt, sondern Motivation oberstes Gebot ist. So trägt er mich ganz locker und easy durch obere und untere Fjorde, vorbei an der Blase, dem Darm und diversesten Blutgefäßen und schafft es immer noch, gräßlich falsch und unsäglich laut jedes zweite Lied mitzusingen. Ich mag den Kerl – hab ich es schon erwähnt??

Der Rest des Tages verläuft ruhig und besinnlich – bisschen Ambulanz, bisschen Station – und am Schluß darf unsere Studentin noch eine schwangere Internistin schallen. Eine geschlagene Stunde lang haben wir Spaß auf der Suche nach Femuren und dem richtigen Biparietal-Durchmesser, „verknipsen“ eine halbe Rolle Ultraschallpapier, bevor ich gegen 17 Uhr die Klinik in Richtung Sonnenschein verlasse… :)

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4 Kommentare zu “Sonnenschein und vag HE…. :)

  1. Klingt gut, so ein Tag.

    Kleiner Hinweis: „Babuschka“ heißt Oma. Sollte die russische Kollegin nicht schon sehr alt sein, wäre ein anderer Name vielleicht angebrachter. Natascha, Irina, Tatjana, Mascha…

    • Babuschka ist im Januar 60 geworden – und ich bin mir sicher, sie verzeiht mir diesen Kosenamen :) Aber danke für die richtige Schreibweise…!

  2. Hey, das hast du dir echt verdient nach all der harten Zeit… :)
    Vielleicht kennen sich unsere Chefs? Meiner singt auch gerne und falsch mit… oder es ist eine Art geheimes Zeichen von Macht. Wie bei Löwen, wenn sie brüllen…

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