Tag-Archiv | OberarztNapoli

Es ist Freitag – und die Oberärzte fliegen ganz schön tief…

In OP-Saal 5 herrscht Totenstille. Nicht so in meinem Schädel-Inneren:

“Ach du heilige Scheisse – was, wenn er sich jetzt das Genick gebrochen hat?”  und “Was, wenn er reanimiert werden muss?” und “Ach du heilige Schei…” - Nee, so weit waren wir ja schon.

Vorsichtig stelle ich mich auf die Zehenspitzen und luge über den Frauenberg auf dem OP-Tisch vor mir hinüber zur anderen Seite, wo gerade eben noch mein wild gewordener Mini-Oberarzt auf seinem OP-Leiterchen herumgehampelt *KLICK* ist, bevor er sich vor lauter Wüterei von ebenselben hinab in die Tiefe gestürzt hat.

“Dr. Napoli?” rufe ich schwach nach drüben. Und zur Anästhesie gewandt, die ebenfalls die Luft hinter ihrem grünen Tuch anzuhalten scheint:

“Kann vielleicht mal jemand schauen, wie es ihm geht?”

“Alles Roger!” ruft Luigi, italienischer Assistenzarzt für fortgeschrittene Aufschneiderei durch die spaltbreit geöffnete OP-Tür zum Nachbarraum “Er lebt. Hat die Augen auf. Der wird gleich wieder!” Sprichts und verschwindet – so schnell er gekommen ist – im eigenen Lager, bevor infernalisches Gelächter von dort nach hier dringt.

“Armer Napoli – das ist eindeutig nicht sein Tag heute…”

“Francesco?!” ruft jetzt auch Ottilie und beugt sich besorgt über ihr steriles Instrumententischchen “geht das? Hast Du dir etwas getan? Soll ich einen Unfallchirurgen rufen oder so?”

Statt einer Antwort folgt lediglich lang gezogenes Stöhnen, und 30 Sekunden später steht ein kleiner Mann mit schwer angeschlagenem Stolz und einer mittelprächtigen Platzwunde am Hinterkopf, aus der es leise blutet, auf seiner Leiter in OP-Saal 5, Gynäkologie.

Ich (mitfühlend): “Wird es gehen, Oberarzt? Sollen wir mal einen Chirurgen wegen der Wunde rufen?”

Nachdrückliches, stummes Kopfschütteln

Darling (besorgt): “Das blutet aber ordentlich – vielleich mal kurz steril abtupfen?”

*schüttel*

Ottilie (hilfsbereit): “Pflaster drauf?”

*doppelschüttel*

Edda (zaghaft von der nördlichen Seite des Tuches herüber): “Chefarzt anrufen?”

Napoli (gepresst): “ES!GEHT!MIR!GUT! – Verress-Nadel!” Und rammt mit todesverachtender Miene die Nadel in den Unterbauch der großen Frau – durch die Nabelfalte in die Tiefe. Et voila! Zumindest dieses vermaledeite Ding scheint heute zu machen, wie der kleine Oberarzt es sich vorgestellt hat.

Napoli (kurz angebunden): “Zeh-Oh-Zwei anschließen! Aufdrehen! Mehr! Fertig. Verres-Nadel zurück! Troikar…” Und mit sicherem Griff stösst er das scharfe, speerartige Instrument durch das zuvor geschnitte Loch in der Bauchdecke unserer Patientin. Dann zieht er mit energischem Ruck den Führungsspiess zurück, wodurch die Schiene für die Kamera freigegeben wird, lässt sich – immer noch absolut unbeteiligt aus dem Kopf blutend – die endoskopische Kamera reichen, führt sie routiniert in den dafür vorgesehenen Eingang, öffnet die Klappe, schiebt weiter uuuuuund – erstarrt beim Blick auf den Monitor vor unserer Nase:

Ottilie (trocken): “Verdammte Kacke das!” während Darling nur ehrfürchtig “FreakyFriday” murmelt…

Das Bild auf dem Fernseher zeigt nämlich mitnichten die Bauchhöhle unserer Frau, wo in einem Meer glänzender Darmschlingen warm und geborgen eine kleine, vorwitzige Zyste aufs geborgen werden wartet, nein, wir befinden uns gerade life und in Farbe in dem wahrscheinlich schönsten, saubersten, rosa-sten Stück Dünndarm, den ein OP-Team je am FreakyFriday gesehen hat…

Ganz ernsthaft jetzt, unter uns und euch: DAS!PASSIERT! Ächt jetzt und ohne Flachs – die Darmverletzung zählt zu den häufigsten Komplikationen schnöder Bauchspiegelungen überhaupt! Und kann vom PJ-ler (okay – der darf die auch nicht wirklich machen) bis hin zum altgedienten, hochdekorierten Chefarzt jedem passieren. Und eigentlich ist es auch kein großes Drama – ein Troikar in der Aorta (große Bauchschlagader) macht dem Operateur deutlich mehr Kopfschmerzen *huust* – aber Napoli liegt ja quasi schon am Boden. Also: LAG am Boden und tut es immer noch, oder so. Und Kopfweh gab es umsonst obendrauf.

Fast tut er mir ein bisschen leid, wie er da jämmerlich auf das Stück Darm-Innenlebens starrt, als könne gleich ein Schild mit der Aufschrift “Versteckte Kamera” aus der rosa Schleimhaut-Wand geschossen kommen.

Kommt abba nicht.

“Der Internist wäre bestimmt froh, wenn er mal so ein schönes Bild aus dem Dünndarm bekäme!” meint Edda aufmunternd und streckt ihren behandschuhten, rechten Daumen hinter dem Tuch in die Höhe.

Napoli ist kein wirklich humoristischer Mensch. Und diesen kleinen Aufmunterungsversuch hätte er normalerweise gnadenlos vom (OP-)Tisch gefegt. Doch unser leitender Mann am Laparoskop ist getroffen. Angeschossen und verletzt. Physisch und psychisch. Und so schüttelt er nur stumm den Kopf, betrachtet sein Werk erneut und noch einmal, ganz genau und ausführlich, bevor er mit einem tiefen Seufzer erst Kamera, dann Führungshülse aus dem kleinen Loch im Nabel der Patientin zieht und mit tonloser Stimme nach dem Skalpell verlangt.

Fünf schweigsamen Minuten braucht es, Frau Müller-Husemanns Bauch vorschriftsmässig zu eröffnen, fünf weitere Minuten, das Loch in ihrem Darm ausfindig zu machen, welches nach fünf weiteren Minuten versorgt, vernäht und vorsichtig zu seinen Darmschlingen-Freunden zurückverfrachtet ist. Anschließend entfernt Napoli – souverän aber seltsam schweigend – die gut fünf Zentimeter große, unauffällig ausschauende Eierstockszyste der Patientin und hat nach nicht einmal zwanzig zusätzlichen Minuten den Bauch sauber verschlossen, vernäht und verpflastert, bevor er sich – grusslos und leicht schwankenden Schrittes, aus OP-Saal 5, Gynäkologie enfernt hat.

“Und jetzt?” flüstert Darling ängstlich, als wir Frau M-H gemeinschaftlich aus ihrer OP-Verpackung geschält und unsere Überkittel und Handschuhe im dafür vorgesehenen Mülleimer versenkt haben.

“Was jetzt?” flüstere ich zurück und schaue ratlos.

“Warum flüstert ihr?” fragt Edda leise und hält der Patientin vorsorglich noch ein wenig Sauerstoff vor die Nase.

“WAS IST DENN JETZT LOS?” trötet Ottilie unbeeindruckt und schaut uns eine nach der anderen streng an. “Seid ihr etwa auch alle von der Leiter gefallen? Los – raus hier! Gleich kommt das Putzteam, und in Fünfzehn Minuten geht es weiter! Auf: Essen fassen, Kaffee trinken, wieder kommen!”

Und scheucht uns mit ausgreifenden Armbewegungen vor sich her, wie die Entenmutter ihre Küken.

“Aber – vielleicht sollten wir den Rest lieber auf ein andermal verlegen…?!” ruft Darling verzweifelt über die Schulter in den OP-Saal hinein, während sie folgsam hinter Igor zur Tür hinaus trottet.

“Quatsch!” ruft Ottilie energisch “Es hat sich jetzt aus-ge-freaky-fridayed! Aber sowas von!”

Na – wenn DIE mal wüsste….

———————–to be continued—————————

“If it walks like a duck, quacks like a duck, looks like a duck,…

…it must be a duck!”

Heisst: Wenn es läuft wie eine Ende, quakt wie eine Ente, aussieht wie eine Ente – dann wird es wohl auch eine Ente sein!

Und dieser Freitag sah nicht nur aus, wie FreakyFriday *KLICK*, er fühlte sich auch definitiv danach an. Das wusste ich jetzt. Obwohl ich bis vor ca. 35 Minuten noch keinen Schimmer hatte, dass es solche Dinge wie “seltsame Freitage” überhaupt gibt.

Nachdem nun alle Lachtränen getrocknet sind und wir uns alle wieder schön unter Kontrolle haben, lässt uns OP-Schwester Darling endlich – wenn auch nur wiederwillig – wissen, was denn eigentlich passiert ist:

“Der Chef hängt auf dem Klo fest, weil der Schlüssel von innen abgebrochen ist. Jetzt suchen sie einen Neuen – also Schlüssel, nicht Chef! Und bis es soweit ist, übernimmt Napoli den OP-Plan”

Was ganz schön traurig ist. Denn der kleine, italienische Oberarzt ist Freitagsmorgens kein rechter Ausbund an Fröhlichkeit und Ruhe. Okay – auch sonst nicht. Aber Freitags am allerwenigsten. Ganz schlimm! Und doppelt schlimm, wenn man sich eigentlich auf entspanntes Operieren mit dem allzeit hochentspannten Chefarzt gefreut hatte. Aber da isser nun schon: Francesco Napoli, leidtenderOberarzt der Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe…

“Es ist unglaublich!” brüllt er, kaum, dass er den Saal betreten hat “Soll ich mich vierteilen? Eh? Wer macht jetzt meine Ambulanz? Und das Paper für den Kongress nächsten Monat? Eh? Was ist das hier überhaupt und WO ist mein Tritt?”

“…tritt in den Allerwertesten wäre jetzt wirklich angebracht!” denke ich innerlich seufzend und sehe Edda aus den Augenwinkeln wild mit den Augäpfeln rollen.

“Guten Morgen, Francesco! Ich geb dir gleich höchstpersönlich einen Tritt, wenn deine Laune nicht UMGEHEND besser wird!”

Hurray – ich hatte Oberschwester Ottilie völlig vergessen, die einzige Frau weit und breit, welche unseren kleinen, hypertrophen Italiener im Griff hat. Okay, vielleicht noch ausser Rosaria, Napolis wunderschöner, ewig froh gelaunter Ehefrau…

“Darling- besorg deinem Oberarzt die Stufe, damit er auch sieht, wo er hin operiert. Und jetzt machen wir alle mal ein bisschen pronto, sonst stehen wir nämlich nächsten Freitag auch noch hier – hopphopp!”

Keine dreissig Sekunden später steht Napoli dann tatsächlich, steril verpackt, am Tisch und blitzt mich über die schlafende Patientin hinweg böse an: “Was soll das? Warum grinsen sie?”

Weil ich von dir Zwerg nur die Nasenspitze sehe….?

Ich (mühsam das Lachen verkneifend): “Öhm – ich musste gerade an etwas lustiges denken… ” *HüstelRöchel*

Es ist aber auch zu komisch – Francesco Napoli misst nun einmal von der Sohle bis zum Scheitel keinen Millimeter mehr als 1,66 m. Der Operationstisch ist ungefähr einen Meter zwanzig hoch, die Frau darauf nochmal um die Vierzig Zentimeter (ja – zierlich ist anders) – heisst: Wenn der Oberarzt hier tatsächlich operativ tätig werden möchte, braucht er in jedem Fall einen Tritt. Also: Hocker. Oder eine Leiter, aber das sage ich nicht laut, sonst wird das hier mein letzter Freitag überhaupt, freaky hin oder her…

Napoli (mit einer Stimme im Bereich flüssigen Stickstoffes): “Wenn wir zwei uns nicht gleich auf Augenhöhe befinden, wird nicht nur ihnen ganz schnell das Lachen vergehen…!”

Au weia – jetzt ist er nicht mehr sauer, jetzt wird er gleich tollwütig…

Ottilie (brüllend): ” HERRGOTT NOCHMAL – DARLING??? Hast du dich verlaufen oder was?”

Darling – irgendwo in den Untiefen des Operationstraktes, auf der Suche nach einer geeigneten Erhöhung für den Mini-Oberarzt: “Ich hab keine Ahnung, wo der blöde Tritt hin ist! Ich kann ihn nicht finden!”

Auf Napolis Stirn bilden sich jetzt kleine Schweisströpfchen und ich ziehe vorsichtshalber den Kopf so weit zurück, dass er komplett aus meinem Sichtfeld verschwindet – hinter der großen Frau auf dem Tisch vor mir fühle ich mich einigermassen geschützt, denn ein explodierender Napoli ist gefährlicher als ein Flammenwerfer in einer Fabrik für Feuerwerkskörper.

“Das ist alles, was ich gefunden habe” stöhnt Darling, von links in den OP kommend, und schleppt eine dreistufige Trittleiter vor sich her, wie Hausfrauen sie zum Gardine aufhängen gerne benutzen.

Ich spüre, wie mir die Hitze in den Kopf steigt und auch Igor zieht vorsorglich sein Picknickdecken-Taschentuch aus der Hosentasche.

“Herr, bitte – wenn er sich DA jetzt drauf stellt, dann sterbe ich…”

Ottilies Augen blitzen über dem grünen Mundschutz, als sie dabei zusieht, wie Napoli mit Zornesfalte über der Nase die Leiter betritt – eine Stufe, noch eine, Bein über den Achsenpunkt und…

“Sehr, sehr schön sieht das aus, lieber Francesco – SO hast du doch mal einen wirklich umfassenden Ausblick auf das OP-Feld und alles…!” und der Hohn tropft bei diesen Worten aus jeder Pore der kleinen, alten OP-Schwester.

Napoli kocht. Seine Hände zittern sachte vor Wut und ich trau mich nicht wirklich, ihm ins Gesicht zu schauen, aus Angst, mich vollends zu vergessen und lachend im OP-Feld zusammenzubrechen. Von der anästhesistischen Seite, nördlich des grünen OP-Tuches, hört man nur angestrengtes Ein- und Ausatmen und ich sehe Edda und Igor vor meinem geistigen Auge, wie sie in höchster Konzentration das Lachen wegzuatmen versuchen, welche kurz vor Ausbruch steht.

“Skalpell! Verress-Nadel! Halten! Kompresse!”

Immer noch höchst aggressiv bellt Napoli seine Anweisungen in den Saal. Nebenan, bei den Chirurgen, wird gerade die Musik gewechselt – offenbar ist deren erste Operation vorschriftsmässig beendet und während die Anästhesie die aktuelle Patientin aus der Narkose hohlt und Richtung Aufwachraum bringt, strecken die Aufschneider neugierig den Kopf durch die Verbindungstür.

“Moin, Freunde!” Luigi streckt sein freundlich grinsendes Gesicht unter grüner OP-Haube durch die Tür, und ich frage mich zum wiederholten Mal, warum UNSER Italiener so ein Dauermiesepeter ist, und die Chirugen den Sunnyboy des Stiefels abbekommen haben. Dann:

“Whow – Napoli! Wollten sie auch mal schauen, wie die Welt aussieht, wenn man größer als einsvierzig ist…?” Sprichts und zieht seinen Kopf unter großem Jubel zurück in den Nachbar-OP, bevor das Unheil seinen Lauf nimmt:

In einer Flut italienischer Schimpfwörter, die wie die Niagarafälle aus ihm herausstürzen, tobt der in seiner Ehre schwer verletzte Oberarzt auf dem wackeligen Leiterchen herum, dass ich ernsthaft befürchte, er könne sich gleich in die Tiefe und damit in den sicheren Tod stürzen. Von nebenan ertönt schadenfrohes Gelächter und auch hinter der Grenze zum Reich der Betäuber weinen Edda und Igor gemeinschafltich dicke Lachtränen in graukariertes Taschentuch.

Ich hingegen stehe – die Kamera in der Linken, Troikar in der Rechten, höchst konzentriert auf meiner Seite der Barriere und zähle von Zweimillionen rückwärts, während ich bete, dass das unbändige Gelächter, welches sich gerade in den Tiefen meiner Därme zu formieren scheint, unten bleiben möge.

“DOKTOR CHAOS!”

Ich *grmpflschllfpf*: “Ja – Oberarzt?”

“Ich WARNE sie – wenn sie jetzt auch gleich lachen…!”

Seine Stimme ist jetzt nur noch diabolisches Flüstern und ich könnte schwören, dass kleine Hörnchen unter seiner OP-Haube gewachsen sind….

Ich (piepsend): “nein…. auf keinem fall….”

Ottilie (unschuldig): “Und, Francesco – wie IST es denn jetzt da oben? Hast du die Alpen schon sehen können…!”

Napolis wildes Geschreie höre ich nur noch gedämpft, während das Lachen sich in unbändigem Glucksen und Gröhlen aus mir heraus katapultiert, mich gar so sehr schüttelt, dass ich mich mit beiden Händen an meiner Patientin festhalten muss. Und als ihn sein Gehüpfe und Gehampele dann urplötzlich von der Leiter haut, laufen mir die Lachtränen bereits unter dem Mundschutz hinweg in den Ausschnitt meines dunkelgrünen OP-Hemdes…

———————————–To be continued———————————–

It´s SHOWTIME!!!

Nachdem ich mich vorschrifts- und OP-mässig angekleidet und meine Siebensachen im Spind verstaut habe, schleiche ich – misstrauisch nach rechts und links schauend – hinter OP-Schwester Darling her in Richtung gynäkologischer OP-Saal. Misstrauisch wegen des FreakyFriday *KLICK*, von dem ich gerade eben erst erfahren habe, und der mir aktuell mehr Respekt einflösst, als ich zugeben will.

Doch erst ist einmal alles wie immer – die Patientin wird auf ihrer Liege herein gefahren und freundlich begrüsst, der Name auf ihrem Plastik-Armband mit dem Namen der Patienten-Akte verglichen. Anschließend die Diagnose in der Patienten-Akte mit der Diagnose auf dem OP-Programm gegengecheckt. Es folgt: Auftritt Anästhesie-Edda, Vollnarkose für die Frau und Auftritt Chef.

SO sollte es jedenfalls sein…

“Josephine? Wo ist er?”

Frau Müller-Husemann, Patientin Nummer Eins mit großer Zyste am Eierstock, träumt bereits den Schlaf der Gerechten, ist verkabelt, gelagert, katheterisiert und gewaschen – somit eigentlich bereit für den ersten Eingriff des Tages, doch: es fehlt der Chef!”

“Josephine!” Ungeduldig trommelt Ottilie mit der steril behandschuhten Rechten auf ihren sauber gedeckten Instrumententisch ein “Josephiiiene – der Chef fehlt!”

“Und ich hab mich schon gewundert, warum mir keiner die Kamera hält” murmel ich böse vor mich hin – mal ehrlich: was kann ICH dafür? Der Chef hat einen OP-Plan. Und kann ihn lesen. Und wenn da steht: 8 Uhr, OP 5, dann IST ER da. Immer. Also – immer ausser heute…

“Was soll ich denn bitteschön machen?” Anklagend strecke ich meine ebenfalls steril verpackten Hände in die Luft und wedel ein bisschen darin herum. “Wenn vielleicht der Springer so nett wäre…?!”

Klären wir doch erst einmal den medizinischen Fachjargon: In einem OP gibt es gemeinhin den Anästhesisten. Gasmann, Sandmann, whatever. Der macht – wie es der Name schon nahe legt – Anästhesie. Narkose. Schlaf. Dem Gasmann beigestellt ist in der Regel eine anästhesistische Fachkraft, die beim anästhesieren und intubieren assistiert, ausserdem die Zeitung holt, das Brötchen schmiert, Kaffee umrührt. Nee, Spass.

Das Anästhesisten-Team knippst dem Patienten vor jeder OP temporär das Licht aus, sieht dann zu, dass dies unterwegs (= für die Dauer des Eingriffes) so bleibt, und macht eben jenes Licht nach Beendigung der Operation wieder an. So Gott und der Operateur es zulassen… *ggg*

Dann gibt es das OP-Pflegepersonal, bestehend aus einer (steril gewaschenen) Instrumenten-Pflegefachkraft und einem (unsterilen) Springer. Die Instrumenten-Tante (Respektive: -Onkel. Ich bleibe der Einfachheit halber mal bei der gynäkologischen Variante) hat ein bis viele (sterile) Tische, auf denen die jeweiligen Instrumente liegen, die für die gerade durchgeführt Operation gebraucht werden. Sie ist dafür zuständig, dass der Operateur genau das bekommt, was er gerade braucht. Oder will. Oder glaubt zu brauchen! Letzteres kann dann auch gerne mal in längere Diskussionen ausarten, dazu jedoch später sicher mehr.

Der Springer seinerseits sorgt für Nachschub am Tisch, stellt ausserdem das Licht ein, wechselt die CDs, sagt den Leuten im Nachbar-OP, dass sie leiser (oder lauter) singen/streiten/lachen/fluchen sollen, klärt wichtige Fragen, wie z.B. die Wettervorhersage fürs Wochenende (gerne kooperativ mit der Anästhesie, die fast immer ein iPhone oder iPad dabei hat) und lässt bei längeren Eingriffen das Mittagessen beiseite stellen.

Springer des heutigen Tages ist – *Tataaaaa* – Schwester Darling, die nun mit vergrämtem Blick des Chefs Nummer ins OP-Telefon hämmert und dabei fortlaufend “Ich sag´s ja – Freaky Friday!” murmelt. Dann

“Chef? CHEF? OP Fünf, Darling… – WAS? NEIN! Ich habe nicht sie gemeint! Darling! OP-Schwester Dar…? BITTE? Ja. JA! Daria! Is´ gut. Kein Problem…” Die Gesichtsfarbe der Schwester wechselt gerade in rasender Geschwindigkeit alle Rottöne der Farbskala durch, während der Rest des Saales gemeinschaftlich Schnappatmung zelebriert.

“Wie lange? Wie lange? WO?!?! Okay – ja, ist gut, ich gebe es weiter…!”

Kaum hat sie aufgelegt, herrscht schallendes Gelächter im Saal

“Muaahahaha – Kindchen, du hättest dein Gesicht sehen sollen!!!”

Ottilie ist gerade dabei, über ihrem sterilen Tisch zusammen zu brechen, während auch ich mich nur schwer auf den Beinen halten kann. “Darling” zum Chef-Gynäkologen zu sagen ist aber auch wirklich grossartig.

“Ihr seid soooo dooof!”

Darlings Gesicht glüht wie ein Hochofen – fast meint man, seichten Rauch aus den Öhrchen aufsteigen zu sehen.

Auch Anästhesie-Edda wiehert lustig amüsiert, während sich OP-Pfleger Igor mit einem Taschentuch, groß wie eine Picknickdecke, die Lachtränen aus dem Gesicht wischt.

“Pfffft” macht das beleidigte Schwesterchen “dafür kommt jetzt Napoli. Der Chef steckt auf dem Klo fest!”

“WAAAAAS?!”

Für einen kurzen Moment herrscht Stille in OP-Saal Fünf, dann bricht das totale Chaos los.

“Auf_der_Toilette?!” grunzt Igor, während er sich japsend am Laparoskopie-Turm abstütztwährend. Die Lachtränen schiessen ihm nur so aus den Augen und Edda muss sich gar setzten vor Lachen.
Im Nachbarsaal werden die neugierigen Rufe lauter – die dort operierenden Chirurgen möchten – samt Anästhesie- und Pflege-Team – ganz dringend wissen, was bei uns los ist und verlangen Aufklärung.

“Darling – ich glaube, ich werde gerade Fan von deinem verrückten Freitag…!”

Doch da war es noch lange nicht aller Tage Abend…

———————————to be continued——————————-

Circus HalliGalli…

“Mom? Mom! MOM!?”

“Hmmmmmm…..?”

Schlaftrunken öffne ich mein rechtes Auge und erblicke mein völlig derangiertes Spiegelbild in den Augen meines drittgeborenen Kindes.

“Mom!” wiederholt es erfreut und lässt seine Zähne vor meiner Nasenspitze blitzen. “Was tust du?”

“Rückenschwimmen” murmel ich ungnädig und schließe das Auge wieder. Viel zu hell, viel zu müde.

“MOM!”

Kind drei männlich ist nicht das, was man allgemeinhin als “geduldig” bezeichnet. Ich öffne also mein Auge erneut, wohl wissend, das Junior erst dann das Feld räumen und mich in Frieden weiter schlafen lassen würde, wenn er befriedigende Antwort auf das aktuelle Verlangen bekommen hätte.

“Was.Ist?”

“Warum schläfst du?”

Juniors Gesicht befindet sich immer noch nur Millimeter von meinem entfernt, was mich ein wenig irritiert.

“Sohn – sei doch so nett und gib mir wenigstens so viel Platz, dass ich mein zweites Auge auch noch auf bekomme.

Ich bekomme den Platz. Wenn auch widerwillig, denn Kind Nummer 3 ist ein Kontakttierchen. Je näher, je besser. Muss in seinem früheren Leben ein Känguru gewesen sein.

“Warum schläfst du?”

“Weil ich müde bin?” Gibt es noch andere Alternativen? Ich überlege, aber mir fällt nicht wirklich eine ein.

“Warum bist du müde? Es ist Viertel nach Zwei?”

Der Nachwuchs ist ein recht hartnäckiges Känguru, soviel ist mal klar.

“Weil ich vielleicht Dienst hatte? Und nicht wirklich zum Schlafen gekommen bin?”

“Ah. Okay…!” Immerhin – verständnisvoll ist er ja, der Kleine. Streichelt mir jetzt mitfühlend über den Arm, während er angstrengt durch mich hindurch stiert. Da kommt noch was – ich merk das schon…

“Aber – warum hast du denn nicht im Dienst geschlafen?”

Verdammt gute Frage. Die Antwort: Man hat mich schlicht nicht schlafen lassen…

Sonntag, 8:00 AM

Knackige Übergabe im Kreißsaalstützpunkt. Das Bambi, diensthabende Ärztin des Vortages, hat tiefe, dunkle Ringe unter den Augen – zwei schwangere Aufnahmen mitten in der Nacht, dreimal Ambulanz (Harnwegsinfekt, Harnwegsinfekt und Frau mit Langeweile auf der Suche nach Zerstreuung) dazwischen, eine Geburt und kein bisschen Schlaf – die kleine Assistenzärztin ist augenscheinlich mit den Nerven am Ende. Im Orbit kreissen derweil insgesamt noch 5 weitere Schwangere – it´s Showtime!

8:15 AM

Visite mit Schwester Elvira, die schlecht gelaunt und mit mürrischem Blick hinter mir her von Zimmer zu Zimmer trottet. 25 Patientinnen warten hier auf Trost und Ansprache, Verbandswechsel und Drainagen-Entfernung. Witwe Bolte aus Zimmer 0815 diskutiert 10 Minuten lang ausführlich ihr gesamtes Verdauungssystem sowie jeden einzelnen Stuhlgang der letzten drei Wochen mit mir, während Chantalle-Schakkeline Jung aus dem Nachbarraum über Schwindel und Unwohlsein klagt.

“Schwindel und Unwohlsein BEVOR oder NACHDEM sie heute morgen geraucht haben?”

Die kleine Frau errötet hold bis unter die Haarwurzeln – hatte mich gar nicht gesehen, als ich vorhin an ihr vorbei zur Arbeit lief. Ich sie schon – gemütlich rauchend und kein bisschen leidend. Unverblümt teile ich dem Chantalle mit, dass ich sie heute, an Tag 5 nach absolut unauffälliger Bauchspiegelung nach Hause zu schicken gedächte, und nein, krank schreiben ist nur bis zum kommenden Tag möglich und keinesfalls bis August 2013, hörmma, JETZT ABBA!

Chantalle-Schakkeline versucht es noch mit der Tränendrüsen-Nummer, da sind wir auch schon weiter gezogen. Leben ist kein Ponyschlecken, soviel ist mal klar.

9:00 AM

Pünktlich zum Ende der Visiten-Nummer rappelt das Diensttelefon und ruft zur Geburt – im meerblauen Kreißsaal Nummer I liegt Frau Müller-Lüdenscheidt in der himmelblauen Gebärbadewanne und stöhnt laut und anhaltend vor sich hin, während O-Helga, die Oberhebamme, beruhigend auf sie einredet.

“Schön. Ja. Weiter. So ist es gut. So. Ja. JA. JAAAA!”

Geburtshelfer sind so verschieden wie Sommerblumen auf einer Bergwiese. Es gibt die

- Cheerleader – “Yeah! Baby – Yeah. Super-Schön Machst-Du-Das – YeahYeahYeah!” *PomPomsSchwing* ,

- die Mutterflüsterer – “Du, das ist gaaaanz schön, was du da machst, Sonja-Beate. Das fühlt sich so ganz und gar richtig an und kraftvoll und stark, ich fühl das ganz arg deutlich. Und wenn du jetzt magst, Sonja-Beate, dann atme doch mal ganz arg doll zu Marvin-Tscheremeier hin, du, ja?”. Es gibt

- die Schreier – “Ja. Jaaa. Jaaaaaaa. JAAAAAA. JAAAAAAAAAAAAAAAAA!!!!! und dann auch noch

- die leisen Menschen – “Schön. Ja. Kleiner Schubs noch. ……. Prima. Ist da.”.

Ich persönlich bin eine gute fifty-fifty-Mischung aus Cheerleader und Schreier

“Ja! JA! SUPER! Das ist TOLL! Sie machen das GROSSARTIG! Ich sehe Haare! Schwarze, blonde, rote, gelockte, keine Haare! Es kommt! Es ist fast da! JA! Oh mein Gott! JA! HURRAAAA. ES KOMMT. ES KOOOHOOOOMT. ES.KOOOOMT. JEEEEHEEETZT!!! *räusper* – was soll ich machen – ich kann nicht anders :)

O-Helga hingegen ist das genaue Gegenteil von mir. Kann mit drei Worten ein Kind rausreden, auf das ich zuvor zwei Stunden lang eingebrüllt habe. Okay – kann man irgendwie verstehen. In jedem Fall ist ein Doppeleinsatz von mir und der alten Oberhebamme extrem unterhaltsam.

Ich: “Super! SUPER! Das machen sie SUPER!”

O-Helga *streng*: “Josephine – Klappe!”

Ich *kleinlaut*: “Mönsch, O-Helga! Bisschen anfeuern?”

Unerbittlich schüttelt die kleine Hebamme den graubehaarten Kopf und so klappe ich meinen Mund wie geheißen zu. Dann kommt die nächste Wehe, Frau Müller-Lüdenscheidt presst…

O-Helga *ruhig*: “Jaaa…….!”

Ich *hibbel*: “Hmpffffff….”

Und dann ist es da! Rausgeploppt. Unkompliziert. Und schwimmt verträumt in der Wanne umher. Während O-Helga es mit fachmännischem Griff einfängt und der erschöpften Mutter an die nasse Brust drückt, verabschiede ich mich zügig in Richtung Ambulanz, wo um…

9:15 AM

…15 Patientinnen sitzen. Fünfzehn. In Worten: FÜNFZEHN!!! Sind die alle bescheuert, oder was?

Ich *schockiert*: “(Schwester)Notfall – sind die alle bescheuert?”

Notfall schlürft ungerührt an ihrem Kaffee, während sie mir mit links einen Stapel Akten entgegenhält “Mehr oder weniger” brummt sie schlecht gelaunt und schiebt mich ins nächstgelegene Untersuchungszimmer, zu einer Blutung in der Frühschwangerschaft.

Dann zu Schmerzen in der Frühschwangerschaft, einem Scheidenpilz, einem Harnwegsinfekt, Schmerzen im Unterbauch ohne Schwangerschaft, Pille danach, Angst vor Krebs, einem verlorenen Tampon, einer akuten Kinderlosigkeit, einem (negativen) Schwangerschaftstest, noch einem Harnwegsinfekt, einer stationären Aufnahme bei großer Eierstockszyste, einer Frau mit Magenschmerzen (Note to self: Internisten umbringen wegen gemeiner Patientenannahmeverweigerung) und einer Spätschwangeren mit fraglicher Wehentätigkeit. Um

1:00 PM

sitze ich gerade mit Luigi und Anästhesist Sandmann beim Mittagessen, als das Handy bimmelt und “schlechtes CTG” vermeldet – 33jährige Erstgebärende, laaaaaaanger kindlicher Herztonabfall ohne Erholung. Ich heisse Hebamme Ludmilla den Notfallknopf betätigen und hetze zum Kreißsaal, Luigi und den Sandmann einvernehmlich im Schlepptau.

Im Kreißsaal angekommen ist bereits alles vorbereitet: Ludmilla und O-Helga haben die Frau schon im Not-OP auf den Tisch gepackt, sodass Sandmann direkt seine Anästhesie vorbereiten kann, während Luigi und ich uns in die sterilen Handschuhe schmeissen.

“Luigi, Junge – ich bin froh, dass du da bist!” flüster ich noch, bevor der Anästhesist mit erhobenem Daumen das OK zum Schnitt gibt. Alleine notsectionieren ist immer doof, und da der Oberarzt von ausserhalb kommt, ist die Nummer bei seinem Auftritt meist gelaufen. So auch heute – routiniert assistiert der kleine Chirurg meine Sectio und in nicht einmal einer Minute haben wir einen kleinen, mässig schluffigen Jungen aus der warmen Körperhöhle seiner Mutter gepuhlt. Als Oberarzt Napoli mit rotem Gesicht und schwer atmend schließlich doch noch im Kreißsaal aufschlägt, sind der Aufschneider-Kollege und ich bereits am Zunähen, während der Kinderarzt Entwarnung von der Babyfront erteilt.

2:00 PM

Auf Station steppt der Bär. Und Frau Wuschig. Die siebenundneunzigjährige, demente aber unglaublich mobile Brustkrebspatientin hat sich unerlaubt vom Acker gemacht und besucht die Nachbarinnen der Nebenzimmer, während Schwester Clementine verzweifelt versucht, sie ins eigene Zimmerchen zurück zu bugsieren, was Frau Wuschig wiederum nur mit erneutem Fluchtversuch quittiert. Frau Kaiser-Beulenstein, Zustand nach Ausschabung vor zwei Tagen möchte wissen, ob sie nicht vielleicht noch die Blase gehoben bekommen könnte (Jetzt. Heute. Hier – wenn sie denn schon mal da sei…?!), während Frau Haubentaucher, 45 Jahre, Privatpatientin, nach dem Chefarzt der Inneren Medizin verlangt, um sich mit ihm ausführlich über ihr seit mehreren Jahren bestehendes Sodbrennen auseinander setzen zu können.

Ich hänge drei Blutkonserven an, verteile Medikamente, Verbände, Portnadeln und Viggos, ich unterschreibe gefühlt 1000 Laborzettel, Röntgen- und sonstige Befunde, schreibe Konsilanforderungen und Apothekenlisten, drei Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen, ein Attest, fünf Briefe und einen OP-Bericht.

Ich sehe noch fünf Schwangere in der Ambulanz, nehme zwei davon auf. Beide entbinde ich im weiteren Verlauf des Tages. Ich mache ein Konsil für den Kollegen Luigi (eine Hand wäscht schließlich die Andere), zwei für den Internisten (der im Gegenzug Frau Haubentaucher besucht und sich geschlagene 40 Minuten lang die unglaubliche Geschichte ihres Sodbrennens anhört. Ohne weitere Konsequenz, versteht sich!). Ich esse drei Stück Streuselkuchen, ein Snickers, trinke eine Vanillemilch und einen Liter Kaffee. Bereue nach wie vor, Nichtraucher zu sein, sonst könnte ich immer mal wieder für zwei Minuten zum Quatschen auf den Personal-Raucher-Balkon flüchten, und falle um…

11:00 PM

…totmüde ins Dienstbett. Komplett mit Kittel, Telefon, Kugelschreiber und anderem Schnick-Schnack. Um…

11:20 PM

…eiere ich völlig benebelt zu einer weiteren Geburt nach Kreißsaal II, fliederfarben, nähe eine Dreiviertelstunde lang an dem riesen Riss herum, den das 4600 g-Baby seiner Mutter verpasst hat, gehe dann, ohne über Los zu gehen oder nur annähernd 400 Euro zu ziehen Richtung Ambulanz, wo weitere 7 Patientinnen freundlich lächelnd und mit mehr oder minder ausgeprägten Beschwerden auf mich warten. Die da wären:

- Brennen in der Scheide.

- Herpes in der Scheide.

- Spermien in der Scheide. Verzeihung: Pille danach!

- Bauchschmerzen. Überall. Eigentlich Ganzkörperschmerzen. Aber besonders Bauchschmerzen.

- Brennen beim Wasser lassen.

- Frühschwanger. FrühESTschwanger. Erster Tag oder so. Im Ultraschall noch nichts zu sehen. Stationäre Aufnahme zur weiteren Überwachung abgelehnt. ICH hab es abgelehnt!

- Rechtsseitiger Unterbauchschmerz mit dringendem Verdacht auf Eileiterschwangerschaft. Eileiterschwangerschaft im Ultraschall bestätigt. Oberarzt Napoli angerufen und mitgeteilt, dass wir operieren müssen. Stat! Mörder-Anschiss von Oberarzt eingefangen, der “mitten in der Nacht! Wissen Sie, wie spät es ist? MITTEN IN DER NACHT! Da hab ich einfach KEINE LUST ZUM OPERIEREN!” hat, aber nichts desto Trotz natürlich doch kommen muss und das auch tut.

Eine Stunde lang mit einem nölenden, maulenden, motzenden Mini-Italo-Oberarzt am Tisch gestanden und zugesehen, wie meine Lieblings-OP-Schwester Goldi genervt Augen rollt, als wären sie Roulette-Scheiben. Um…

3:00 AM

…erneuter Schlafversuch, welcher von Hebamme Gloria-Victoria mit einer neuerlichen Geburt zunichte gemacht wird. Nach 2 Stunden vergeblichen Entbindungsversuches ist klar: Dieses Kind kommt da nur per Kaiserschnitt raus.

Also erneut Oberarzt Napoli angerufen, der mich extra über Handy zurück ruft, um während seiner Fahrt vom Napolitanischen Zuhause in den Kreißsaal-OP weiter herumbrüllen zu können “Mitten in der Nacht! Hallo??? MITTEN IN DER NACHT…!” Ihr wisst schon.

Am OP-Tisch jetzt OP-Oberschwester Ottilie, dienstälteste Schwester überhaupt, die nach 3 Minuten genug von Napolis Gemaule hat und das auch genau so weiter gibt: “Francesco? Halt jetzt VERDAMMT NOCH MAL die Klappe – das ist ja nicht zum aushalten mit dir!”

YEEEEES – gib es ihm! Ottie vor!!!

Napoli holt noch einmal tief Luft, errötet sichtbar unter seiner OP-Haube – und schweigt. Gegen Schwester Ottilie ist selbst er machtlos – diese Frau hat locker 30 Jahre Berufserfahrung Vorsprung, kannte den cholerischen Italiener noch zu Zeiten, als er medizinisch ein völlig unbeschriebenes Blatt und nicht immer die hellste Kerze auf dem Kuchen der Gynäkologie war. Napoli weiss das. Und Ottie weiss, das er weiss, das sie weiss. Und so beenden wir in himmlischer Stille und seltener Eintracht diese Entbindung. Um…

7:30 AM

…übergebe ich Chefarzt Böhnlein und den müde dreinschauenden Kollegen meinen Dienst und mache mich erschlagen und matt vom Acker, mümmel Zuhause noch ein Brötchen und zwei Tassen Kaffee in mich hinein, wasche ein bisschen Wäsche, kaufe schnell frisches Brot und bring noch schnell den Hund vor die Tür, bevor ich um …

11:30 AM

…völlig erschlagen auf meiner Couch lande.

Der Rest – siehe oben – ist Geschichte… :)

LAD im GAZ

Ich (flüsternd): “Was hat sie denn?”

Neugierig blinzel ich durch die handbreit geöffnete Tür ins Untersuchungszimmer Nummer IV, wo eine weisshaarige Dame mit entzückenden Engelslöckchen auf meiner Untersuchungsliege ruht, einen zierlichen Gehstock mit perlmuttfarbenem Griff akurat auf den geschlossenen Beinen liegend.

Schwester Notfall (ebenfalls flüsternd): “Harninkontinenz!”

Ich (irritiert): “Wie jetzt? Seit heute???”

Notfall (trocken): “Ganz sicher nicht…!”

Ich: “Einweisung oder Überweisung?”

Notfall (schnaubt verächtlich): “ÜBERweisung!”

Ich: “Seniorenheim oder Zuhause lebend?”

“Na – dreimal darfst du raten…!” – spricht´s und verschwindet im Nirwana der Notfallambulanz, auf der immerwährenden Suche nach einem lecker Tässchen Kaffee.

Ich seufze ein bisschen – schliesslich ist es 21.30 Uhr an einem Mittwoch-Abend, und ich habe eigentlich ein nettes kleines Rendevouz mit meinem Dienstbett. Korrigiere: Hatte ein Rendevouz, just bis zu dem Moment, als Frau Wolke in meiner Ambulanz aufgeschlagen ist – eine LAD im GAZ, tutti-kompletti mit Köfferchen und Plüschhausschuhen. Und da liegt sie nun und wartet auf mich.

LAD in GAZ – für all diejenigen unter uns, die tatsächlich noch nie im Leben Mr. Shem’s “House Of God” gelesen haben – bezeichnet eine Liebe Alte Dame im Guten AllgemeinZustand.

Und genau das ist Frau Wolke auf alle Fälle. Lieb, alt und hervorragend in Schuss. Und egal, was auch immer ihr Problem sein mag, ich bin mir ganz sicher, dass es locker bis morgen hätte warten können – mindestens…!

Ich seufze noch einmal – nur ganz wenig – dann klopfe ich vorsichtig an, um die reizende Person nicht etwa zu erschrecken, trete an die Liege heran und stelle mich vor:
“Hallo Frau Wolke – mein Name ist Chaos und ich bin die diensthabende Ärztin – wie kann ich Ihnen denn helfen?!”

Mit einem Ruck hebt Frau Wolke Ihren Kopf und blinzelt mich durch ihre kleine, runde Goldrandbrille kurzsichtig an. Wie ein aus dem Nest gefallenes Vogeljunges schaut sie aus, mit ihren feinen, weissen Flaumhaaren und dem runzeligen Hals über gestärktem Rüschenkragen. Die Hand, die sie mir entgegenhält, ist weich wie Babyhaut und duftet zart nach Ringelblumensalbe.

“Frau Dokter” ruft sie mit zittrigem Stimmchen “das ist aber schön, dass sie Zeit für mich gefunden haben!”

Ihre Löckchen wackeln im Takt zum Schütteln meiner Hand und die wasserblauen Äuglein blitzen freundlich hinter blanken Brillengläsern. Oh Mann – ich liebe LAD in GAZ. Ganz vernarrt bin ich in die Mädelz.

“Aber klar doch, Frau Wolke! Ehrensache! Was haben sie denn für Beschwerden?!”

“Ach, Frau Dokter – ich bin ja nun nicht mehr die Jüngste, nicht wahr? Der Rücken macht mir wohl zu schaffen und die Beine möchten auch nicht mehr so – aber ich will mich ja garnicht beklagen…!”

Dabei strahlt sie, dass die Augen nur so blitzen. Und ein Hauch Rot legt sich auf ihre runzeligen Bäckchen. Butterweich sind die bestimmt! Und ganz zart – Bääbiehaut eben!

Komm in die Pötte, Josephine denk ich mir der Tag wird auch nicht jünger…!

“Frau Wolke – was haben sie denn für ein gynäkologisches Problem?”

“Ich…ja – ähm, also…”

Das Wangenrot wird jetzt eine Spur intensiver und es ist ganz offensichtlich, dass dieses Thema der alten Dame doch ein wenig unangenehm ist. Also werfe ich einen Blick auf den gelben Überweisungszettel, den Notfall mir hilfreich auf den Schreibtisch platziert hat

Stressharninkontinenz steht da. Und Erbitten Therapieempfehlung!

Ich schnaufe ein bisschen – vor Wut, ist klar – was Frau Wolke dazu veranlasst, mich verschreckt von unten anzuschauen. Beruhigend tätschel ich ihr die pfirsichtweiche Ringelblumensalbenhand, während ich intensiv darüber nachdenke, ein Stück Tischkante aus dem Schreibtisch vor mir zu beissen. Dann greif ich alle verfügbaren Unterlagen meiner kleinen LAD und verlasse mit einer gemurmelten Entschuldigung fluchtartig Untersuchungszimmer IV.

Notfall hockt derweil mit einem dampfenden Pott Kaffee in der Ambulanzküche und schneidet ein Salamibrot in mundgerechte Quadrate.

“Die haben doch einen Vollschuss!” wettere ich böse und schliesse geräuschvoll die Tür hinter mir!

“Ja!” brummt Notfall und schneidet stupide weiter Salamibrotquadrate.

Ich laufe aufgeregt ein bisschen hin und her – ein zugegebenermassen recht sinnloses Unterfangen in einer Küche von der Grösse eines DinA4-Blattes, aber ich bilde mir ein, es beruhigt.

“Totaler Vollpfosten-Verein! Schicken eine 90jährige mitten in der Nacht vorbei, weil sie inkontinent ist! UNMÖGLICH ist das! Sag – ist das nicht UNMÖGLICH!”

Notfall nickt mir beruhigend zu, während ihr Brot sich unermüdlich in unzählige kleine Quadrate verwandelt.

“Das Inkontinenz-Problem hat sie doch schon seit JAHEN! Warum muss man das JETZT ambulant vorstellen! MITTEN IN DER NACHT? HM? WARUM???”

“Josephine – ich habe nicht die geringste Ahnung! Warum fragst du nicht einfach dort nach, wo sie her kommt?”

Wie vom Donner gerührt bleibe ich stehen. Das ist die Idee! Ich schicke Frau Wolke einfach wieder nach Hause! In ihr gemütliches Bett im Seniorenheim. Zu Ringelblumensalbe und Spitzendeckchen!

“Notfall – du bist genial!” Vor Begeisterung hüpfe ich jetzt ein bisschen auf der Stelle, während ich zeitgleich die Nummer des Seniorenheims vom mitgelieferten Medikamentenzettel weg direktemente ins Diensthandy klöppel.

Die Ambulanzschwester schneidet derweil Banane in einen Becher voll Quark.

“Seniorenresidenz Seeblick – Schwester Berta am Apparat?!”

“Das Krankenhaus am Rande der Stadt – Josephine Chaos hier! Schwester Berta – ich würde ihnen gerne Frau Wolke zurück schicken!”

Statt einer Antwort zieht Schwester Berta am anderen Ende der Leitung erstmal hörbar Luft durch die Nase – Begeisterung klingt definitiv anders…

“Aber wir haben ihnen die Patientin doch gerade erst geschickt – die kann doch noch gar nicht fertig sein?!”

Der Tonfall der Schwester macht auf Anhieb eines klar – das hier wird kein einfacher Sieg. Diese Frau ist eine Wand – wer erstmal raus ist, aus dem trauten Seeblick, der kommt da so schnell nicht wieder rein…

Aber so schnell lass ich mich nicht ins Bockshorn jagen:

“Hömma, Schwester Berta – die Frau Wolke ist mitnichten ein Notfall. Die kann man schön mal an einem beliebigen Wochentag in der Sprechstunde von Oberarzt Dr. Napoli vorstellen und dann…”

“Dieser Oberarzt Napoli kann sie sich doch auch gut gleich anschauen, wenn sie denn schon mal da ist! O_DER?”

Berta wird jetzt schnippig. Und ich werde gleich schnappatmig. Den will ich sehen, der OA Napoli mitten in der Nacht dazu bringen will, sich eine nicht-notfällige Patientin anzuschauen. Das jüngste Gericht wäre dagegen ein Spaziergang durch Disneyland…

“Liebe Schwester Berta…”

“Ich bin weder lieb noch ihre Schwester…”

Okay, Eins zu Null für den Drachen am Telefon…

“Sehr geehrte Frau Altenfachpflegerin, Frau Wolke hat ja noch nicht einmal eine Einweisung dabei! Und einen Notfall kann ich auch nicht erkennen! Es gibt überhaupt aber auch gar keinen Grund, die alte Dame hier zu behalten!”

Während ich mich redlich mühe, sachlich zu bleiben und nicht gleich vor Wut ins Telefongerät zu beissen, giesst Notfall Orangensaft in eine zierliche Tasse mit blauen Blümchen und schüttelt leise vor sich hin brummend den Kopf.

“Können sie nicht einfach irgendwas mit der Frau anstellen? Wenn sie denn schonmal DA IST?”

Aber klar doch – wir könnten eine Runde “Mensch-Ärger-Dich-Nicht” mit ihr spielen… *Kopf->Tischkante*

Ich schnaufe jetzt wie ein asthmakrankes Walross. Ruhig, Josephine! Immer schön tief ein- und ausatmen…

Gerade will ich zum erneuten Gegenschlag ausholen, als Notfall mir mit geschicktem Griff das Telefon aus der Hand nimmt und sich ans Ohr hält. Dann…

“Berta? Notfall hier! Frau Wolke ist jetzt quasi auf dem Heimweg – schüttel schonmal die Decken auf! Wie? Ja. Gern geschehen!”

Dann stopft sie mir das Gerät, das jetzt nur noch ergeben vor sich hin tutet, mit einem aufmunternden Klaps zurück in meine Kitteltasche.

“Berta und ich waren Nachbarskinder. Die hat damals schon immer dicke Arme gemacht. Aber wehe, es gab eine Keilerei – war dann nur noch so gross mit Hut.”

Dreht sich um und stapelt zufrieden mit sich und der Welt alles Essen auf ein Tablett. Dann verlässt sie die Küche zügigen Schrittes, während ich nur noch verdattert hinterdrein schauen kann.

“Wo willst du denn hin?” rufe ich ihr kläglich nach.

“Na – Frau Wolke etwas zum Abendessen bringen. Vollpfosten-Berta hatte nämlich noch nicht einmal Zeit, dem alten Mädchen die guten Zähne einzupacken!”

Und weg ist sie. Schwester Notfall! Wenn ich die mal nicht hätte..!

Chaos gegen Notfall: Und nun, das Ende naht…!

Gott im Himmel – ist das hier eigentlich die Muppet-Show?

Ich: “Juliane – die Frau ist gynäkologisch einwandfrei. Gecheckt, geschallt und für gut befunden. Nimm sie auf, lass sie gehen, turf sie weiter – ich hab zu tun!”

Und noch bevor weitere Einwürfe von der wahrscheinlich nervigsten internistischen Assistenzärztin südöstlich des Äquators kommen können, habe ich auch schon – RUMMS - aufgelegt. Ällebätsch – ich kann mich schließlich nicht um alles kümmern!

Romeo: “UUND – was isch jetzt?”

Ich: “Tja, Romeo – was soll sein? Ihr seid schwanger, DAS ist!”

Julia (jämmerlich): “Aber das geht doch gar nicht!”

Ich: “Offensichtlich geht das sehr gut! Wann war denn die letzte Periode?”

Klein Julia blickt bedröppelt zu ihrem Romeo hinüber, der wiederum stirnrunzelnd mit den Schultern zuckt. Na, das ist ja ganz super. Ungeplante Frühschwangerschaft ohne richtigen Termin ist das Sahnehäubchen auf einer jeden Freitag-Abend-Ambulanz-Untersuchung.

Ich (wenig hoffnungsfroh): “Und – hattet ihr die übrigen Male denn wenigstens verhüteten Geschlechtsverkehr?”

Romeo: “Ver-WATT?”

Nee, is´ klar – zu kompliziert, Josephine…

Ich: “Habt ihr beim Poppen Kondome benutzt. Diaphragma? Die Pille vielleicht…?!”

Verächtlich winkt Romeo ab und schnaubt dabei wie ein Walross auf Landgang “Pfffft – Kondome isch nur für Waschlappen, gell!”

Zu schade, dass meine Krankenkasse mir das Beissen in Tischkanten unlängst untersagt hat – das wäre jetzt mal wieder ein wirklich geeigneter Anlass dafür gewesen!

Ich: “Okay – dann machen ich mal einen Ultraschall und wir schauen, ob es schon etwas zu sehen gibt, okay?”

Klein-Julia greint jetzt ein bisschen, während Romeo offensichtlich angestrengt überlegt, welches Verhalten in der aktuellen Situation wohl das vermeintlich coolste sein könnte. Als ich das schnupfende Julchen aufmunternd auf den gynäkologischen Stuhl komplimentiert habe, entscheidet sich mein postpubertärer Jungvater spontan für ungeordneten Angriff: “Weischt du, Doc – das müssen wir nicht behalten. Das isch noch so früh, da kannscht du uns doch ebent die Pille geben und gudd isch!”

*SehrTiefSeufz*

Ich:Weischt du, Romeo. SO einfach ist es dann doch nicht. Aber jetzt schauen wir erst mal!”

Romeo kratzt sich irritiert den Schritt. Das jemand so gar nicht auf sein Genöhle eingeht, scheint ihn leidlich aus dem Konzept zu bringen.

Kaum habe ich den Vaginalschall vorschriftsmässig positioniert, blinkt es auf dem Bildschirm auch schon in großen, grellfarbenen Lettern:

!!!!!!!!SCHWANGER!!!!!!!

Nee, natürlich macht es das nicht. Aber diese Schwangerschaft ist schon derart weit fortgeschritten, dass es ein Blinder mit dem Krückstock sieht. Ein Romeo auch.

“Da bewegt sich watt!” Mit hängendem Unterkiefer glotzt Mr. Überzwerg geschockt auf den strampelnden Embryo. Bei Julia hingegen hat irgendjemand die Schleusen geöffnet.

“Daaaaas….heul…..will…..schluchz….ich…..heul….nicht….!”

Romeo tätschelt abwesend ihren Ellenbogen, ohne jedoch den Blick vom Monitor reissen zu können: “Datt isch SO abgefahren…” haucht er ehrfurchtsvoll. Julia greint derweil eine Oktave höher “DAAAAS WILL ICH NICHT!!!!!…..” *JammerRotzHeul*

Das Klingeln des Diensttelefons fügt sich melodisch ins Gesamtgetöse ein – ein Blick aufs Display macht klar – schlimmer geht immer…

Ich (gewollt heiter): “Das Chaos am Apparat!”

“WAS SOLL DAS?!”

Ich: “Ich bin nicht sicher, was sie meinen, Dr. Napoli?!”

Napoli: “Herold hat mich angerufen. MITTEN IN DER NACHT!”

Dr. Hildegard Herold, auch genannt die Wilde Hilde, ist O-WEs oberärztlicher Hintergrund und – gleich nach ihrer Assistenzärztin – die größte Nervensäge vor dem Herrn. Warum zum Teufel darf die denn heute Abend auch mitspielen?

Napoli (zeternd und wütend): “Sie sagt, SIE verweigern die Aufnahme einer gynäkologischen Patientin!” Die Stimme des kleinen Italieners beginnt schon wieder, sich zu überschlagen, was generell kein gutes Zeichen ist…

Ich: “Aber die Patientin…”

Romeo (euphorisch auf den Ultraschall-Bildschirm tatschend): “Isch das ein Junge? Sach mal, Doc – das ISCH doch ein Junge, gell? Doc? GELL?”

Das Handy mit dem sich überschlagenden Oberarzt unterm Kinn und den Vaginalschall mit Rechts IN Klein-Julia klemmend versuche ich gleichzeitig mit der linken Hand den überschwenglich Jungvater vom Monitor weg zu bekommen.

Ksssch – Romeo” zische ich böse “das ist KEIN Touchscreen, hörst du?! LASS DAS!”

Napoli (auf dem drei gestrichenen C johlend): “Ich soll WAS? Das verbitte ich mir, das SIE sich MIR verbitten!!”

Ich: “MICH!”

Romeo: “Was?”

Ich: “NICHT DU!”

Julia: *HEUL*

Napoli: *BRÜLL*

ICH KANN SO NICHT ARBEITEN!!! Aber wen interessiert das schon….?!