Tag-Archiv | Mamma-Ca

Mein Herz schlägt weiter für den Mann im rosa Tutu… :)

Es gibt Menschen, die denken diese Fotos seien gefaked (und NEIN, Gedankenknick, Du bist nicht gemeint… ;))…

Ich finde Bob und seine Fotos so Klasse, dass es mir ein zweites Posting zu diesem Thema Wert war.

Enjoy! :)

(Und auf gar keinem Fall die beiden Videos ganz unten vergessen…!)

All Images © Bob Carey – http://www.thetutuproject.com

Angelina Jolie lässt sich vorsorglich die Brustdrüsen entfernen…

“Angelina Jolie lässt sich aus Angst vor Krebs beide Brüste amputieren!”

Dieser Satz geistert aktuell durch die weltweite Presse und viele werden – das Bild dieser sagenhaft schönen Frau vor dem geistigen Auge – erst einmal reflektorisch die Luft anhalten. Wie jetzt – Angelina Jolie OHNE BRÜSTE?

Nein! Denn was die Presse erst im Kleingedruckten preisgibt: Mrs. Pitt wird mitnichten brustlos durchs weitere Leben schreiten. Und da ich davon ausgehe, dass ein nicht geringer Anteil des Brangelina-Vermögens in eben jene Operationen eingeflossen ist, wird wahrscheinlich weder Laie noch Fachmann auf Anhieb erkennen, das die neuen Brüste nicht mehr die alten sind.

Und hier liegt jetzt nämlich auch der Fehler zumindest der deutschen Presse-Leute: Amputiert heisst in der Regel: Abgeschnitten, weggeworfen. Tutti-kompletti – und hinterher fehlt da eben etwas. Bei einer “beidseitigen, subkutanen Mastektomie”, also Entfernung des Brustdrüsengewebes OHNE die darüberliegende Haut sieht man aber hinterher nur unwesentlich mehr (bzw. weniger), als nach einer normalen Brustvergrösserung: Im Bereich der unteren Brustfalte, der Achsel oder der Brustwarze (je nachdem, wer den Eingriff durchgeführt hat!) wird ein Einschnitt gemacht, durch den man das komplette Brustdrüsengewebe entfernt. Anschließend wird (oft mit Hilfe eines zusätzlichen Muskels, der zumeist aus dem Rückenbereich mobilisiert und nach vorne gebracht wird) das nun fehlende Volumen aufgefüllt. Zusätzlich kann noch ein Implantat eingesetzt werden, welches den Aufbau vervollständigt.

Ordentliche Wundheilung und einen guten Operateur vorausgesetzt (und ich bin mir sicher, dass Angelina einen der Besten hatte) wird man zumindest im bekleideten Zustand quasi nichts mehr von dieser Amputation sehen.

Was die Massen in den nächsten Wochen jedoch nicht davon abhalten wird, mal genau hinzuschauen – arme Angelina…

Weshalb nun dieser Artikel? Nun, weil mir folgendes doch ein wenig sauer aufstösst: Mrs. Jolie hat sich für diesen Schritt entschieden, da ihre Mutter nach zehnjährigem Kampf im Alter von 56 Jahren an einem Mamma-Ca verstorben ist. So steht es im Interview geschrieben. Woraufhin die Tochter sich auf eine bekannte, Brust- und Eierstockskrebs hervorrufende Genmutation (BRCA1 und -2) untersuchen liess, welche tatsächlich positiv ausfiel.

Wieviele Frauen werden sich jetzt brustlos durch die nächsten Jahrzehnte wandern sehen, weil auch sie eine nahe Verwandte an den Brustkrebs verloren haben? UN_GLAUB_LICH viele! Dabei macht diese Genmutation gerade mal 8,5 – 10 Prozent an der Gesamtbrustkrebsrate aus. D.h. nicht jeder Fall von Brustkrebs in der Familie ist automatisch genetisch bedingt.

Dennoch bin ich sicher, das unfassbar viele Frauen in den nächsten Monaten aufgelöst bei ihren Gynäkologen verstellig werden, mit der Frage nach Testung auf o.g. Gendefekt. Der nicht gerade günstig zu bekommen ist, wenn man eben NICHT zu besagtem Risikokollektiv gehört. Und auch nicht immer wirklich sinnvoll…

Und gerade deshalb fände ich persönlich es besser, mit einem solchen, sehr öffentlichen Fall vorsichtiger umzugehen. Den Frauen zu sagen, das EINE Frau über 31 Jahren im engeren Verwandtenkreis (Mutter, Großmütter, Geschwister, Tanten. Nicht Cousine fünften Grades oder die Schwägerin der Nachbarin) noch lange kein Anzeichen für ein erhöhtes Risiko darstellt. Und das Amputation nicht gleich Amputation heisst.

Aber dann wäre die Schlagzeile ja nur halb so tragisch und keiner wollte sie mehr lesen…

Ein schöner Tag… *sing*

Donnerstag – Klasse Tag!

mag ich ja per se sehr gerne – denn das heißt in den allermeisten Fällen: OP mit meinem Lieblingschef! Und heute obendrein mit lauter netten Schweinereien -nur für mich!!! :))

Zuerst eine laparoskopische Unterbindung – okay, Pille-Palle mag der versierte Aufschneider sagen, so ein bisschen Ei-chen ankogeln, daß kann doch jeder. Aber bitte – danke, ICH finde LSK immer noch sehr aufregend, denn mit so einem Mords-Trokar blind in unbekanntes Gebiet zu bohren, in der Hoffnung, die Aortenbifurkation möge kilometerweit entfernt liegen (und bleiben) – das macht misch immer noch ganz wuschig. Ich SEH halt lieber, wo ich rein popel!

Doch wenn man erst mal drin ist, dann ist es wirklich großartig! Auch wenn man dem Chef permanent den Overhold-Greifer in den Magen rammt, während selbiger verzweifelt versucht, mir einigermaßen gute Bilder zu präsentieren. Aber Chefarzt B. bringt nix aus der Ruhe! Gar nichts. Gräßlich falsch vor sich hin pfeifend schafft er es immer noch, das OP-Gebiet fotografisch optimal auszuleuchten, mich wenig invasiv einzuweisen und gleichzeitig den Fußschalter für die Koagulierschere zu bedienen, an welche ich von meinem Höckerchen aus leider nicht ran komme. Multitasking, der Mann, das muß man ihm lassen. Nach 20 Minuten bin ich zum ersten Mal an diesem Morgen stolz nass geschwitzt und die Patientin hoffentlich bis an ihr Fruchtbarkeitsende stocksteril.

Die nächste Dame auf dem OP-Tisch ist meine Lieblingspatientin der Woche – 80 Jahre alt, Mamma-Ca, außerdem klein, zart, multimorbide – und bis zur Halskrause voll Angst, bei dem Eingriff zu versterben. Erst als ich ihr im Einleitungsraum die Hand halte, darf der Betäuber seine Narkose beginnen, und auch nur nach mehrmaligem Versprechen, daß ich auch ganz bestimmt im Saal bleibe und “ein Auge auf sie” haben werde.

Nun – mehr als das, ich darf den Eingriff sogar durchführen! Meine erste Ablatio mammae – okay, nicht ganz, das “Schnittmuster” malt Chef selbst mit viel Liebe um den gut Golfball großen Tastbefund herum, aber dann – kommt mein großer Auftritt: Erst ein bisschen zaghaft, dann, als es nicht wirklich schrecklich blutet schon zügiger, bahne ich mir meinen Weg durch das bisschen Großmütterchen-Fett, bis hinunter auf die Faszie des Musculus pectoralis, welche ebenfalls weichen muß.

Nachdem ich gut 10 Miunten lang schwitzend schnippel, schneide, koaguliere und weiter säbel, ist der Tumor samt Sicherheitsabstand und wenig ältlichem Drüsenkörper vom Rest der kleinen Frau getrennt, und ich bringe Stolz meine erste Faden-Markierung am Präparat an. Dann noch Blutstillung, zunähen, fertig. Der Chef schaut zufrieden, wobei ich mir nicht ganz sicher bin, ob dies allein in meinem operativen Talent oder vielmehr dem Kuchen begründet liegt, welchen ich für diese Ersttat zu backen verdonnert bin… *ggg* – es sei ihm gegönnt…

Den nächste Eingriff macht der Boss dann wieder persönlich – und echt jetzt, ich bin nicht neidisch: eine Anfang 50jährige, deren linkes Brustimplantat nach 10 Jahren Verweildauer skurill verformt einer massiven Kapselfibrose zum Opfer gefallen ist und nun dringend entfernt werden sollen. Ganz ehrlich – wer auch immer nur im entferntesten an die Vergrößerung seiner Brüste gedacht hat – beim Anblick DIESES Eingriffes wär auch dem letzten fanatischen Anhänger plastischer Schönheitschirurgie der Spaß am Implantat vergangen. Ich schwöre!

Der Rest des völlig atrophen Musculus pectoralis klebt wie fest zementiert an der Silikoneinlage und läßt sich nur millimeterchenweise mühsam abpräparieren. Dazu blutet die ganze Sache wie S** – und sieht nach Beendigung des Massakers auch nicht wirklich besser aus als vorher. Jetzt bekommt der Busen erstmal eine Erholungspause von mehreren Wochen, um dann herauszufinden, wie man den kläglichen Rest nochmal ein wenig schönschneiden kann…

Punkt 4 auf unserer heutigen OP-Liste: eine vag. HE! Hurra! Meine kleine Famula bekommt am Telefon schon Tränen in die Augen (sie hat den 2-Stunden-Marathon von gestern noch nicht wirklich verdaut) und schleicht 10 Minuten später unwillig und wenig begeistert in den Waschraum. Auch mein hochheiliges Versprechen, mit dem Boss noch nie länger als maximal eine Stunde an einer vag-HE gestanden zu haben, hebt die Stimmung nicht wirklich. Doch dann – er kommt, sieht – und gibt mal richtig Gas! Okay, wir sind mittlerweile auch ein gut eingespieltes Team: ich weiß in der Regel, WAS er will (und er will eigentlich nicht viel), und was ich nicht wissen kann, bekomme ich gesagt. Und so schaffen wir es in sagenhaften 35 Minuten, wild Seitenblätter, Wertheim-Klemmen und Scheren jonglierend, einen 400g schweren Riesen-Uterus fachmännisch auszubauen, einzudosen und den Rest des Schützenfestes sauber zurück zu lassen. Die Famula weint schon wieder – diesmal vor Freude, und mein OP-Tag hat einen wuderbar runden Abschluß erhalten!

In der Ambulanz dann noch ein bisschen Schwangere gedopplert (ich hab zweimal auf Anhieb die Aorta im richtigen Winkel eingestellt bekommen – Yeah, muß ´ne Serie sein… ;)), und jetzt hoffe ich auf einen ruhigen Abend mit der letzten Staffel Emergency Room auf meinem iPhone. Lang leben die Wunder moderner Technik! Und Samstag bin ich wieder da. Denn: heute ist nicht alle Tage – ich komm wieder, KEINE FRAGE!!!