Tag-Archiv | KinderDoc

Babyrotz und Elternschiss!

Liebe Leser,

es IST soweit! Nach Frau Freitag, Frl. Krise, meiner Wenigkeit und noch etlichen anderen Blogkollegen, die ich namentlich gerade nicht alle auf die Reihe bekomme, hat nun auch unser aller Leib- und KINDERDOC (sorry, Kollege, aber bei mir wirst Du nun mal bis in alle Ewigkeit mit “C” geschrieben) sein höchst-eigenes Buch geschrieben. HURRAY!

Zu erwerben ist dieses wunderbare Werk (und nichts weniger als das wird es sein – davon gehe ich aus!) seit gestern bei den Buchhändlern Eurer Wahl. Und sobald ich einen freien Tag habe, werde ich es mir ganz sicher zu Gemüte führen!

Lieber Kinderdoc – Ich froi mich! Ganz ächt jetzt!

Deine Josephine

Das “Dankeschön” wird abgeschafft…

Wir hatten das Thema kürzlich schon beim Kinderdoc: Höflichkeitsfloskeln ja oder nein?

Ich persönlich bin von Haus aus so erzogen, dass gegrüsst wird. Jeder. Jederzeit. Bitte/Danke sowieso.

Und so sage ich auch heute noch “Guten Morgen”, gleich zu Beginn des Tages. Dem Kerl nämlich. Dann dem Hund, dem Kinde, der Nachbarin, dem Pferd, der Bäckersfrau.

Ich sage “Danke”, für´s gekochte Frühstücksei, die Butterdose, die Postzustellung (so ausserhalb eines Streikes befindlich und zeitgerecht zugestellt) und das Entleeren der Mülltonne.

Ihr habt verstanden, was ich sagen will? Ich BIN ein netter Mensch! Korrigiere – war ein netter Mensch. Bis vor ungefähr genau mehreren Jahre, als ich feststellte, dass man sich in Deutschland auf verdammt einsamen Posten befindet mit so viel einfältiger Freundlichkeit.

Zum Beispiel Tag Eins in meinem (damals) nagelneuen Leben als Assistenzärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe an einem mittelgroßen Krankenhaus irgendwo am Rande des Nirgendwo:
“Guten Morgen” dem Pförtner, der mich nur müde hinter seiner BILD-Zeitung heraus anstiert und seinen Blick dann umgehend wieder der vollbusigen Schönheit auf Seite 4 widmet (Hat dieses Blatt überhaupt eine Seite 4…?).

“Guten Morgen” zur Hebamme, die mich anschaut, als hätte ich zwei Köpfe, darin aber nur ein Auge und wäre auch sonst zu nichts zu gebrauchen, anschließend “Schon wieder so ´ne Neue!” brummt und grusslos von dannen zieht.

“Danke” zu OP-Schwester Sue-Ellen für den dargebotenen Tupfer, die mich nur verächtlich aus eisblauen Augen anblitzt, bevor sie ein einziges Wort erwiedert: “UNSTERIL”! Heisst: Raus aus meinem OP, du Nichts, Staub unter meinen Schuhen! Geh dich waschen, fünf Minuten lang und wenn du dich dann traust, komm zurück, aber sprich mich NIE.WIEDER.AN!

Doch ich bin erst einmal hartnäckig: Grüße brav weiter, sage bitte und danke, gern geschehen und schönen Tag auch noch. Zu Dr. Überzwerg zum Beispiel, dem hypertrophen Chirurgen und Oberarzt Napoli, seinem ewig mies gelaunten, gynäkologischen Pendant. Antwort gibt es hier keine – vom Zwang, auf alltägliches Geplänkel untergebener Fussabstreifer antworten zu müssen, entbindet einen die Ernennung zum Oberarzt mit Versand des ersten, aufgestockten Gehaltszettels. Oder die Mitgliedschaft in einer Ärztekammer eurer Wahl:

Ich (froh gelaunt): “Josephine Chaos hier – guten Morgen!”

Ärztekammer-Frau am anderen Ende der Leitung: “….”

Ich (nur noch mittelprächtig drauf): “Ich hätte eine Frage zu meiner Facharztweiterbildung…?”

Ä-Frau (übelstgelaunt): “Können sie im Internet nachlesen!”

Ich (bisschen angefressen): “Da hab ich es aber nicht…”

Ä-Frau (unwirsch dazwischen fahrend): “Dann suchen sie eben weiter – ich kann mich nicht UM ALLES kümmern!”

*LegtAuf*

Zurück bleibe ich mit dem tutenden Hörer in der Hand und der Frage, was genau gerade schief gelaufen ist.

Gern genommen ist auch immer die erste Vorstellung bei den Schwestern einer neuen Station – als Antwort auf “Guten Morgen – ich bin die Neue!” erhält man hier gerne mal

- “Herzlich willkommen – bringen sie bloss keinen um!”

- “Einstand feiern und keinen Kuchen mitbringen? Das geht ja gut los.”

- “Räumen SIE gefälligst ihren Krempel selbst weg” und

- “Ist mir doch egal!” zu hören…

Die Antwort auf viele, teils quälende, an die jeweiligen Schwestern gestellte Fragen ist auch immer mal wieder “Das ist aber nicht unsere Aufgabe!”

Bitte, danke – gern geschehen! Und wenn ich mir die Antworten auf eingangs gestellte Frage – ebenfalls beim Kollegen Kinderdoc nachzulesen – so betrachte, so wird bald klar, wo des Pudels Kern begraben liegt: Das deutsche Erziehungskonzept legt offensichtlich keinerlei Wert mehr auf die schönen Floskeln des täglichen Umgangs.

“Mein Kind soll selbst entscheiden, wann es bitte und danke sagen möchte!”

“Immer dieses sinnentleerte Herumgephrase – das ist doch alles nur Show!”

“Was hab ich denn davon?”

“Keiner kann mich zwingen!”

“Will ich nicht – brauch ich nicht – ist unnötig!”

Bla-Laber-Grütz.

Wer irgendwann einmal in irgendeinem englischsprachigen Land unterwegs war, und nach Wochen voll aufgehaltener Türen, Herzlicher “Hallos” und sonniger “Dankeschöns” zurück ins Land der Miesepeter und Obermuffel gekommen ist, der wird es vielleicht verstehen. Das es eben DOCH einen Unterschied macht.

Und lasst es oberflächlich sein, gespielt, gekünstelt oder was auch immer: MIR persönlich ist ein oberflächliches “Hallo, guten Morgen, wie geht es dir? Gut? Toll! Bitteschön-Auf Wiedersehen!” tatsächlich TAUSENDMAL lieber, als eine ernst gemeinte Unhöflichkeit. So ist das nämlich!

Und somit hier an dieser Stelle: DANKE für Ihre Aufmerksamkeit… :)

Auch mal Dienst-Potpurri…

Irgendwie ist es immer dasselbe mit den Feiertagen und den Notdiensten – alles, was nicht bei drei auf´m Tannenbaum sitzt und trotz essens im Studentakt noch halbwegs krabbeln kann, findet sich irgendwann zwischen dem 24.12., 21.40 Uhr und den frühen Morgenstunden des zweiten Weihnachtsfeiertages in den Kliniken dieser Welt ein. Weltweit, ich schwöre!

“Es zieht! Da unten…” (wages Kreisen über Bauch und Brustkorb) “…und brennt beim Wasser lassen. Und dann hab ich hier noch so einen Pickel…” (pfriemelt sich dort herum, wo man normalerweise nur in den gekachelten Nebenräumen pfriemelt) “…und das mit der Pille müssen sie mir auch mal genau erklären, dass hab ich nicht verstanden!” – Nee, ist klar!

“Der Husten ist jetzt schlimmer geworden. Und der Schnupfen auch! Zum Hausarzt? Nee, der macht mich zur Minna, wenn ich wegen sowas am Feiertag vorbei komme. Und weil ich doch schwanger bin dacht ich…”

“Wir brauchen die Pille danach. Wann wir Sex hatten? Noch gar nicht. Aber für den Fall DAS und wir DANN die Pille vergessen ist es doch super, wenn wir sie schon haben. Dann müssen wir nicht NOCHMAL vorbei kommen!”

“Ich habe Wehen!” – “Okay – und warum haben sie den Rettungswagen gerufen?” – “Ich fand es gemütlicher, liegend her zu kommen…!”

“Ich hab so komisches Stechen!” – “Seit wann?” – “November!” – “Eher Anfang oder Ende November?” “November 2011″

“Mein Kind hat sich nicht mehr bewegt.” – “Und seit wann genau?” – “Das war gestern Mittag” – “Jetzt turnt es aber wie der wilde Wutz da drin herum” – “Ja, schon den ganzen Tag heute” – “Ähm – und warum sind sie jetzt genau hier?” – “Vielleicht können sie mal schauen, was es wird. Bei meiner Frauenärztin sieht man NIE etwas!”

“Ich habe einen Blasenentzündung!” – “Haben sie das öfter?” – “Ja – mindestens einmal im Monat. Dann nehme ich ein Antibiotikum und bekomme einen Scheidenpilz. Dann nehme ich Scheidenpilztabletten und bekomme Ausschlag. Dann nehme ich Creme gegen Ausschlag und alles geht weg. DANN bekomme ich wieder Blasenentzündung.” – “Und in welchem Stadium befinden sie sich gerade?” – “Zwischen Pilz und Ausschlag!” – “Sie wollen Creme?” – “Nein – die Pille danach!” – DA hätte ich aber auch selbst drauf kommen können…

“Ich möchte einen Kaiserschnitt!” – “Okay – es ist 23.32 Uhr, WIE genau kommen sie da jetzt drauf?” – “Ich habe über die Geburt nachgedacht und Angst bekommen. Deshalb möchte ich einen Kaiserschnitt!” – “Okay, dann kommen sie doch 4 Wochen vor dem errechneten Geburtstermin noch einmal vorbei, dann besprechen wir alles in Ruhe!” – “Aber das sind ja noch DREI Monate bis dahin…?!” *Kopf->;Tischkante*

Lieber Kinderdoc – vielleicht ist es ja ein Trost: DU BIST NICHT ALLEIN!

Frohe Zwischen-Jahres-Tage Euch allen,

Eure

Josephine

Nachtrag und Dienst und ein persönliches Wort an den KINDERDOC!!!!

Kleiner Nachtrag zu gestern: Vielen Dank an alle Kommentatoren, und nein, ich bin konstruktiver Kritik keinesfalls abgeneigt, schließlich seid ihr ja das beste Stimmungsbarometer, das Frau sich leisten kann. Und – sind wir doch mal ganz ehrlich – man hat ja doch einen Hang zum Exibitionismus, wenn man der blogschreibenden Gilde angehört, da sollte  man schonmal damit rechnen, das nicht jedem gefällt, was unter dem geöffneten Mantel zum Vorschein kommt… *ggg*

Elisabeths Einwand mit der Zigarette fand ich z.B. überraschend nachvollziehbar – werde es aber dennoch nicht ändern, da ich als ehemalige Ex-Raucherin noch heute in absoluten Stress-Situationen unglaubliche Gier nach einer Kippe bekomme. Und wenn schon ICH nicht darf, dann doch wenigstens meine Lieblingsprotagonistin :)

Und auf Adjektive steh ich einfach von Haus aus. Eine Freundin hat mal gesagt “Du bist Wort-Malerin – aber nicht die puristische Variante”. Recht hat sie – bei mir wird geklotzt und nicht gekleckert!

Heute nun wollte ich euch ein bisschen bespaßen, und – nach 10 Tagen Urlaub frisch zurück im Dienst – einige nette Anekdötchen zum Besten geben – aber was ist??? TOTE HOSE!!! Außer drei Frühschwangeren mit Übelkeit und Erbrechen bzw. profanem Scheidenpilz ist genau gar nichts los hier. Also gibt es keine zu schüttelnden Patienten und auch mein Schädel bleibt wohl für heute von einem direkten Tischkantenkontakt verschont!

Kurz vor Schluß noch ein persönliches Wort in eigener Sache an den Kinderdoc: lieber Kollege, da du mich ja hier in meinem Blog völlig freiwillig und ungezwungen angesprochen (=kommentiert) hast, gehe ich davon aus, das es NICHT in deiner Absicht liegt, das keiner meiner Kommentare in deinem Blog erscheint? Mag mich vielleicht dein Spam-Filter nicht? Gästebucheintrag funzt auch nicht… :(

Okay – demnächst bestimmt mehr – die Woche fängt gerade erst an, der nächste Dienst kommt (Dienstag) ganz sicher…!!!