Tag-Archiv | Kinder

Du weisst, dass Du dringend mal wieder Urlaub vom Arzt-Job brauchst…

10. …wenn Du mehr persönlichen Kram in Deinem Dienstzimmer deponiert hast, als Zuhause im Wohnzimmer!

9. …wenn die Nachtschwester dich zu Schichtbeginn mit einem freundlichen “Wie war dein Tag, Liebling?” begrüsst.

8. …wenn die Küchenhilfe genau weiss, was du am liebsten isst und wie du deinen Kaffee trinkst.

7. …wenn du deine Gäste mit den Worten: “Hallo – was haben sie denn für Beschwerden?” begrüsst.

6. …wenn du nachts im Pyjama in den Kreissaal und tagsüber im OP-Kittel in den Supermarkt gehst.

5. …wenn du zwar genau sagen kannst, wie man am schnellst von Station 8B über das Labor, die Röntgenabteilung und an der Cafeteria vorbei nach internistisch 3F kommt, Zuhause aber schon seit Wochen die Waschküche nicht mehr gefunden hast.

4. …wenn du versuchst, die Apgar-Werte deiner halbwüchsigen Kinder zu bestimmen

3. …wenn du der schwangeren Nachbarin im Garten nebenan dringend ein CTG anlegen möchtest.

2. …wenn du deinen Mann nur noch mit “Guten Tag, Chef” begrüsst.

Und ganz sicher weisst du, dass du dringend mal wieder Urlaub vom Arzt-Job brauchst, wenn…

1. …du am Wochenende, pünktlich um 9 Uhr, zur Visite in den Zimmern deiner Kinder aufschlägst!

Heldin in Zeitnot…!

13 Tage, 5 Dienste, 25 Kinder später und gefühlte 20 Jahre gealtert kann ich nur sagen: Ich bin noch da!!!  Und hätte 1000 Geschichten zur erzählen – schlicht an der Zeit fehlt es gerade. Melde mich ASAP zurück!

Herzliche Grüsse aus dem Chaos

Josephine

Ausflug in die Pädiatrie und bestes Buch ever: HOUSE OF GOD!!!

Gestern las ich bei KinderDoc DIESEN Artikel über den besorgten Vater eines fiebernden Kindes, und mußte schmunzelnderweise an ein Ereignis im letzten Jahr zurückdenken, das gut zum Thema “besorgte Eltern” passt.

Mein Mann und ich sind sehr gut mit einem benachbarten Ehepaar befreundet, deren Söhne 1 und 3 Jahre alt sind. Das jüngere der Kinder war nun also in irgendeinem Herbst erkältungstechnisch angeschlagen (typisch erster Kindergartenwinter eben), und fieberte schon seit Tagen mal mehr mal weniger hoch durch die Gegend. Donnerstagabend klingelt dann mein Telefon, Freundin dran – ob ich denn mal geschwind rüber kommen könnte, der kleine Jan-Hugo-Alexander hätte fürchterlich hohes Fieber, sie wisse nicht, was sie machen solle…?! Dazu sei gesagt, daß I., die Freundin, zwar unglaublich lieb, außerdem hoch gebildet und vollumfänglich kompatibel, aber leider (im Bezug auf ihre Kinder) nicht die Nervenstärkste ist. Typ überbesorgte Panik-Mutter.

Ich also ins Nachbarhaus gepilgert, wo mich ein hochrot-backiges, sonst aber durchaus quietschfideles Kind empfängt, die das Thermometer sorgenvoll schwenkende Mutter im Schlepptau. Temperatur: 39,5°C. Ich empfehle lauwarme Waschungen in der Badewanne nebst Paracetamol rectal, und rate sonst zu Abwarten und Tee trinken. “Ob man denn nicht doch lieber den Notdienst verständigen solle…?” Ein weiterer Blick auf den munter im halbhohen Wasser planschenden Jungen läßt mich kopfschüttelnd verneinen. “Das wird schon wieder!!!! Ich schwöre…!!!” –  vergebe noch ein paar freundliche, aufmunternde Worte und gehe heim ins Bett, zufrieden, geholfen zu haben.

Tags drauf – ich sitze um 6.10 Uhr komatös vor meiner ersten Tasse Kaffee, fragt der Mann: “Was heute Nacht wohl bei I. & N. los war?”

Ich: “….” (=Erst Kaffee – dann reden!)

Er: “Da stand gegen halb Vier in der Früh der Krankenwagen vor der Tür…?!”

Ich *PRUUUUUUUUUUUUUUST*

Mir wird heiß und kalt gleichzeitig und in meinem Kopf fährt das Gedankenkarussell langsam in die erste Runde: “Hast du etwas übersehen? Vergessen? Hat das Kindele gar gefieberkrampft? War es eine Laryngitis? Meningitis? Andere -itis? Hätte man den Kinderarzt rufen oder Mutter und Kind mit knapp 40 Fieber in die Klinik schicken sollen???”

Ich versuche, I. auf dem Handy zu erreichen – ohne Erfolg. Danach N.s Nummer: die Mailbox geht ran. Waaaaaaah – auf Kinderintensiv sind Handys ja verboten. Mir ist schlecht…

Auf dem Weg zur Arbeit komme ich am Haus der Nachbarn vorbei, das in gespenstiger Stille einsam da liegt… – die Tatsache, daß kein Licht brennt konnte nur bedeuten, daß N. (der Vater des Kindes) EBENFALLS mit in die Klinik gefahren war. Und das kleine Kind hatten sie dann mitten in der Nacht AUCH NOCH mitgenommen – großer Gott, dann mußte ja wirklich etwas ganz furchtbares passiert sein…?! Mein schlechtes Gewissen macht mich völlig fertig und ich schwöre innerlich, NIE WIEDER den Aushilfspädiater für irgendwen zu geben. In der Klinik dann die Anweisung an meine Lieblingsambulanzschwester im 5-Minuten-Takt auf besagte Handynummer anzurufen. Gegen 11 Uhr endlich der erlösende Rückruf auf dem Diensthandy: “I. ist in der Leitung – ich verbinde!”

WAS WAR GESCHEHEN?!?!

Kurzfassung:

I. – auch nach meinem Verlassen des Hauses nicht gänzlichst beruhigte Gluckenmutter – hat dem armen (irgendwann tief und fest schlafenden) Kind im Stundenrythmus das Fieberthermometer sonstwohin gehalten, und von Stunde zu Stunde ging dessen Körpertemperatur immer weiter RUNTER…!!! Um drei Uhr dann 35,8°C (wohl gemerkt: mitten im Winter, mitten in der Nacht und außerdem mittig im REM-losen Tiefschlaf angekommen) hielt sie es nicht mehr aus und verständigte den Rettungsdienst (-> Sie dachte ernsthaft, daß Kind käme jetzt – Paracetamol-kühle-Waschungen bedingt – in die krankhafte Untertemperatur….!!!! )Die Sanitäter-Jungs rückten kurze Zeit später auch brav an, und nachdem sie sich am Kopf kratzend davon überzeugt hatten, daß es sich bei diesem Notruf keineswegs um einen Dumme-Jungen-Streich sondern vielmehr um eine hochbesorgte Jungmutter handelte, packten sie Mutter und Kind in den Wagen und verfrachteten beide in die nahe gelegene Kinderklinik – sollten die sich dort doch mit ausschweifenden Erklärungen herum schlagen.

Und N., Vater des Bengels? Der war weder mit in die Klinik gefahren, noch hatte er es für nötig gehalten, sich sorgengeplagt den Rest der Nacht schlaflos um die Ohren zu schlagen, sondern war – die Gunst der Stunde nutzend – mit seinem kleinen Kind zurück ins Nest gefallen, und hatte dort friedlich bis zum kommenden Morgen gepennt.

Ehrlich – wenn I. nicht so ein herzensguter Kerl wäre, und ich sie nicht so sagenhaft gut leiden könnte – an diesem morgen hätt ich sie gerne ein klitzekleines bisschen durchgeschüttelt! Zu ihrer Ehrrettung sei jedoch abschließend gesagt, daß sie (bei Tageslicht gesehen) die Sinnlosigkeit dieser nächtlichen Aktion durchaus selbständig eingesehen, deshalb ihr putzmunteres, nun völlig fieberfreies Kind eingepackt und wieder nach Hause verfrachtet hatte. Dies jetzt aber nur gegen Unterschrift und ausdrücklich ärztlichen Rat, denn der (ca. 12-jährige, frisch von der Uni kommende) Stationsarzt hatte nach reiflicher Überlegung und Durchsicht aller vorhandenen Parameter auf einer Ganzkörper-Untersuchung nebst Röntgen-Thorax-Aufnahme UND Schlaf-EEG bestanden….

Zurück in die Gegenwart:

Es ist Diens(t)Tag, und ich hab einen wirklich wunderschönen, hoch befriedigenden Tag hinter mir: Ich durfte nämlich OPERIEREN!!! Eine abdominale Hysterektomie ohne Adnexen! Traumhaft!!!  Und zum wiederholten Mal ist mir aufgegangen, daß ich wohl definitiv zu den Spätgeborenen gehöre: laparoskopieren mag ja super schonend, fortschrittlich und was-noch-alles sein, aber so ein ordentlich aufgeschnittener Bauch, in dem man nach Herzenslust absetzen, schneiden, koagulieren und nähen kann – DA macht Chirurgie doch erst richtig Spaß!!! Bin ich eben altmodisch!… ;)

Zum House of God erzähl ich euch morgen was – heute bin ich einfach zu müd dafür…!

Von Nikoläusen und Freizeitstress…

es ist Sonntag und ich habe Dienst. Soweit so untragisch – schließlich hat Frau von Sinnen zwei wundervolle Wochen lang Urlaub, was also soll bitteschön geschehen? Ja – was eigentlich? Alles mögliche. Angefangen damit, daß mir diverseste Frauen die Ambulanz einrennen, mit Situationen wie folgt: Junges Mädel, Anfang zwanzig, aufgehutzt und nicht ganz helle, am späten Sonntag-Vormittag, mit diesem Problem:

“I hoab mei Tag fei net b´kommen”

“Okay – könnten sie den Schwanger sein?”

“Jo – scho!”

“Gut, haben sie denn mal einen Test gemacht!?”

“Naa – wieso???” (Wo ist bitte meine portable Tischkante – by the way, sehr feine Idee das, liebe Sonja, jeder sollte jederzeit eine Tischkante dabei haben, um im Zweifel hineinbeißen zu können!) …

“Ja, WOLLEN sie denn schwanger werden?”

*entsetzterblick” “NAAAAA! Auf koanen Fall!!!”

“Haben sie denn dann irgendwie verhütet???”

“Naaaaa…..- warum?!?!” *kopf->tischkante* (wozu so eine Tischkante doch immer gut ist…)

Im Kreißsaal werkelt derweil meine absolute Ober-Lieblingshebamme (=Goldstück oder GS) mit einer Schwangeren der Frau von Sinnen herum. Goldstück ist von Sinnens offizielle Vertretung, was geradezu einer göttlichen Offenbarung gleich kommt, denn GS kann so schön entbinden, daß es einem ganz warm ums Herz wird. Und Frau T., Zweitgebärende am Termin, macht gerade alles richtig: weht richtig, eröffnet richtig, atmet richtig – und, am allerbesten: dezelleriert KEIN STÜCK! Alles könnte gut sein… – wenn nicht um 13.30 Uhr Frau R. im Kreißsaal aufgeschlagen wäre, 26jährige Erstgebärende mit Blasensprung und Wehentätigkeit, 8 Tage über Termin und eigentlich ganz nett. Was sie von vorneherein suspekt macht, ist ihr CTG: kurz zu beschreiben mit drei kleinen Wörtern: nicht wirklich schön!

Die Herztonkurve krakelt zwar vorschriftsmäßig bei 140 Schlägen pro Minute herum, aber da hört es dann auch schon direkt wieder auf, mit den guten Vorgaben: die Herztöne variieren nicht anständig, steigen niemals nicht an, und die Bandbreite macht mich auch nicht froh. Doch richtig garstig wird es erst, als sie um Schlag 14.15 Uhr ohne jegliche Vorwarnung WEG_SIND! Die Herztöne. Also – so richtig weg. Als Goldstück mich mit leicht gepresster Stimme anruft, bin ich schon am losspurten, denn das macht sie sonst nie – gepresst sprechen. GS ist IMMER gut drauf, immer locker, nie angespannt – aber WENN dann doch, ist rennen angesagt. Holland in Not! Als ich im Kreißsaal eintreffe, hat sie gerade einen Bolus Partusisten (Wehenhemmung) gespritzt, und die Herztöne klettern zögerlich von 95 über 110 auf 140 Schläge, wo sie die nächsten Minuten ,gebannt verfolgt, vor sich hin eiern. Wir schauen uns an, und runzeln die Stirn. NICHT SCHÖN! “Basistokolyse?!” schlage ich vor, und GS nickt. Seichte Wehenhemmung, um die Kontraktionen, die jetzt Schlag auf Schlag folgen, ein wenig abzubremsen und zu koordinieren. Goldstück will sich gerade zum Infusionsschrank herumdrehen, als Frau T., einen Kreißsaal weiter, laut und deutlich zu pressen anfängt. Großartiges Timing! Zum Glück ist der Hintergrund an diesem Wochenende im Haus – den lass ich jetzt mal eben schnell im Kreißsaal antreten, denn zu zweit kommen wir hier nicht wirklich weiter.

Noch während ich die Wehenhemmung vorbereite, entbindet die erste Frau wunderschön und bei intaktem Damm einen kleinen Nikolaus. Am Sonntag. Bilderbuchmäßig.

Kein bisschen bilderbuchmäßig ist dagegen immer noch das CTG von Frau R., und so fällt – just nach Vollendung von Geburt Nummero 1 – die Entscheidung zur Sectio bei Frau Nummer 2. Kurze Zeit später ist uns dann allen klar, warum dieses CTG gar nicht besser aussehen konnte: die kleine Nikoläusin hat ihre Nabelschnur zweimal feste um den Hals gewickelt, einmal um den Bauch und zum guten Abschluß noch rucksackartig über beide Schultern geschlungen. Ich komme mir vor, wie die große Hudini, als ich sie geschenkemäßig aus dem Gefäße-Wirr-Warr puhle. Aber – Mutter und Kind wohl auf! Strike!

Der Rest des Dienstes vergeht dann mit jeder Menge Klein- und Großkram: ein krampfendes Kind (chirurgisch, aber ich stand durch Zufall gerade daneben, als sie wie ein Stein mittig aufs Gesicht fiel… :(), mein inoperables Ovarial-Ca mit den katastrophalen Laborwerten und beginnender Subileus-Symptomatik, Fieber im Wochenbett und fraglich vaginale Blutung einer über 70-jährigen… – es ist 23.30 Uhr, als ich totmüde ins Bett falle und 23.45 Uhr, als mich Goldstück wieder aus selbigem heraus klingelt: Zwei (!!!!!) Schwangere mit Blasensprung… – na dann, gute Nacht!

Aber der Gott der Nachtruhe ist mir gnädig gestimmt –  erst um Punkt 6 Uhr früh weckt mich das stupide BUMM-BUMM-BUMM des gegen die Fußleisten knallenden Wischmops aus unruhigem Schlaf. Nur – ausgeschlafen ist irgendwie anders…

Auf dem Weg aus der Klinik läuft mir noch der Chef-OP-Pfleger über die Füße und grinst mir ein süffisantes “Na, dann ruhen sie sich mal schön aus” hinterher. Dieser Kerl denkt allen Ernstes, alle halbtags arbeitenden Frauen brächten die andere Hälfte der Woche damit zu, daß Geld ihrer Männer beim Dauer-Shopping auszugeben und gingen sowieso nur deshalb arbeiten, weil sie sich sonst JEDEN TAG langweilen müssten…

Nee, ist klar. Und SO langweile ICH mich heute:

Nach Chefvisite, Anordnungen und einer ambulanten Patientin verlasse ich die Klinik gegen 8.45 Uhr Richtung Stall, damit ich dort um 9.30 Uhr unser Pferd bewegen kann. Nachdem ich dieses 1 1/2 Stunden lang bearbeitet, geputzt und anschließend vorgeschriebenermaßen verpackt wieder in seinen Stall geparkt habe, verlasse ich gegen 11 Uhr den Schauplatz gen Heimat, wo ich mich in windeseile dusche und umziehe, um dann um 12.30 Uhr Kind ganz klein nebst bester Freundin von der Schule abzuholen. Von dort aus geht es schnurstracks weiter zum Gymnasium, altsprachlich, wo um 12.50 Uhr 2x Kind groß eingesammelt werden möchte. Um 13 Uhr habe ich dann die Freundin des kleinen Kindes bei sich Zuhause abgeladen und kann mich nun auf den Rückweg in unser trautes Heim begeben, wo ich die Kinder abfüttere, damit ich rechtzeitig um 14.30 Uhr mit Kind ganz klein beim Kinderarzt lande (welcher sich – selbstverständlich – am anderen Ende der Stadt befindet… *seufz*). Anschließend muß ich mich sputen, damit Kind mittel um 16 Uhr rechtzeitig zum Karatetraining kommt, und wenn ich selbiges eine Stunde später wieder dort abhole, kann ich gleichzeitig Kind groß zum Schwimmtraining fahren – welches um 17 Uhr beginnt. Dieser Nachkomme möchte dann bitte-danke um 18 Uhr wieder eingesammelt und heim gekarrt werden – wie gut, daß ich einen selbtändig arbeitenden  Mann habe, der zwischenzeitlich eingekauft und gekocht hat – sonst könnte ich mich damit auch noch lanweilen….

So viel zum Thema Freizeitstress – und schalten sie auch nächste Woche wieder ein, wenn sie Doc Josephine sagen hören wollen: “Ich bin zu alt für diesen Schei**….!!!” *seufz*

Paralleluniversum….

Es ist ja einige Male schon durchgeklungen – ich bin Mutter mehrerer Kinder, und somit nur “Hobby-Gynäkologin” – Teilzeitbeschäftigung ist allgemeinsozial nur wenig anerkannt, denn imerhin arbeite ich ja so, “wie andere Leute Urlaub machen” (Zitat OP-Leitung). Nee, is´ klar. Fakt ist, ich hab meine Schwangerschaften alle brav ins Studium verlegt, immer in den Semesterferien entbunden, hab den ganzen Zirkus trotzdem irgendwie in Regelstudienzeit durchgezogen, muß dank guter familiärer Unterstützung (und robuster Gesundheit meines Nachwuchses) nie wegen kranker Kinder Zuhause bleiben, und bin dank hervorragender Konstitution auch selbst so gut wie nie krank – VORBILDLICH – oder????

Außerdem bekomme ich nur das Dreiviertel Geld für ganze Arbeit, aber darüber reg ich mich ja schon lange nicht mehr auf.

Über Umwege nun zurück zum Thema – gestern nun war so ein Tag, an dem ich gerne meinen Ex-Oberarzt und die OP-Leitung eingeladen hätte, die andere Hälfte meiner täglichen Beschäftigung mit mir zu teilen – nur für 5 lächerliche Stunden, um zu schauen, ob die Machosprüche sich so nicht doch noch revidieren lassen: Wir hatten KINDERGEBURTSTAG!!!

Ich bin seit 17 Jahren geburtstagserprobt, hab Aufgrund jüngerer Geschwister schon sehr früh ganze Heerscharen fremder und bekannter Kinder durch Topfschlagen und Schokoladenwettessen geführt. Ich kann Harry Potter freihändig auf gußüberzogene Schokotorten malen, das sogar meine 4jährige weiß, was das sein soll. Ich kann Kinderolympiaden und mehrstündige Schnitzeljagden aus dem Ärmel schütteln (inklusive selbstangefertigter Medaillien und Schätze…) – aber JETZT werde ich wohl alt, denn:  ich hätte gestern sehr gerne eine 6-Stunden-Wertheim-Meigs gegen 12 testosterongesteuerte Überzwerge getauscht!!

Im Grunde waren es sogar nur 2 Kerle, die schlußendlich den kompletten Laden auseinander genommen haben:

Während wir die obligatorische Kaffeetafel noch halbwegs gesittet über die Bühne bekamen, drohte der Rest des 5stündigen Geburtstagsmarathons stellenweise ins absolute Chaos abzugleiten. Da es in Zeiten von ADS (mit und ohne “H”), Erziehungsflucht und sonstiger Katastrophen bei miesem Wetter geradezu unmöglich ist, mehr als drei Kinder langfristig unter Kontrolle zu halten, hatten wir uns für den Besuch eines “Mitmach-und-Erlebnis”-Museums entschieden, welches mühelos in der Lage schien, Horden von Kindern über Tage hinweg zu beschäftigen. Doch es drohte schon am Eintritt zu scheitern, als AK-1 (=anstrengendes Kind-1) zur Flucht ansetzte: Einmal umgedreht, und schon war der Knilch verschwunden – bis ich ihn wieder eingesammelt hatte, war bereits das halbe Museum durchquert, und ich ziemlich außer Puste. Daraufhin gab es eine kurze Ansage an die versammelte Manschaft, das jedes erneute unerlaubte Entfernen von der Truppe damit enden würde, daß ich den jeweiligen Übeltäter AN DER HAND durch die weitere Ausstellung zu führen gedächte. Die Gesichter der Jungs sprachen Bände, und somit war zumindest dieses Thema vom Tisch.

Die nächste Stunde verlief ungleich entspannter, die Kinder vergnügten sich mit Experimenten und Spielen jeder Art, und wir Erwachsenen machten eine Kaffeepause. Nach kurzer Zeit taucht AK-2 auf (1,68 groß, geschätzte 80 kg…) und ich frage, ob er auch etwas trinken möchte?

Antwort: “Ja – rote Bratwurst!”

“?!?!?!?!”

Hatte ich undeutlich gesprochen? War rote Bratwurst vielleicht der neudeutsche Ausdruck für “Sehr gerne, bitte eine Apfelschorle?” Vielleicht hatte ich mich ja auch einfach nur verhört, also neuer Versuch:

“Möchtes du etwas TRINKEN???”

Antwort: “Ja – rote Bratwurst!”.

Okay, das wäre also geklärt! “AK-2, du hattest vorhin 4 Belegte und 6 Stück Kuchen, in eineinhalb Stunden gibt es Pizza, bis dahin wirst du es aushalten. Also möchtest du jetzt etwas TRINKEN???”

Antwort: “Ja – dann ein Eis!” *headshot*

Wir kaufen AK-2 eine Fanta und widmen uns weiterhin der Kleinkindbetreuung sowie dem Kaffee, als ich  aus den Augenwinkeln heraus sehe, wie AK-2 sich ungelogen ZWEI DONOUGHTS hintereinander weg in die Backen stopft, um dann hamstermäßig aufgeblasen die Flucht zu ergreifen. Eins zu Null für den kleinen Dickmops…

Gegen 17.30 sammeln wir die Kinderlein alle wieder ein, verstauen sie in den mitgebrachten Autos und fahren nach Hause. Da meine Schwägerin sich verweigerte, AK-1 und -2 auch wieder nach Hause zu fahren, übernahm ich dieses Mal den Job – und schon nach kurzer Zeit war klar, warum die ruhige, gutmütige Frau meines Bruders sich so vehement gesträubt hatte, die beiden Nervensägen ein zweites Mal zu transportieren: Es war die HÖLLE!!! 25 km lang war ich damit beschäftigt, die beiden Knaben davon abzuhalten

- das Fenster mitten auf der Autobahn bis zum Anschlag zu öffnen

- den vorne sitzenden Jungen mit Gegenständen zu bewerfen oder alternativ an den Haaren zu ziehen

- sich gegenseitig Schimpfwörter an den Kopf zu werfen, bei denen selbst mir die Schamesröte ins Gesicht stieg bzw.

- sich gegenseitig so vors Schienbein zu treten, daß es krachte.

Nach gefühlten 1500 km drohte ich damit, auf der Stelle die nächste Raststätte anzufahren, ein Taxi zu bestellen und die beiden Banausen damit zu ihren Erzeugern bringen zu lassen – auf Kosten derselben, versteht sich. Das entschärfte die Situation zumindest so lange, bis wir Zuhause angekommen waren und die Pizza aufgetischt hatten…

Ich beendete den Geburtstag an der Stelle, als AK-2 versuchte, AK-1 sein fünftes Stück Pizza quer über den Tisch und die Köpfe der anderen 10 Gäste hinweg an die Rübe zu schmeißen…

Um 22 Uhr lagen mein Mann und ich völlig geschafft mit alkoholischen Getränken auf der Couch und dachten mit Schrecken daran, daß der nächste Kindergeburtstag nur wenige Wochen entfernt ist….

ISCH KOMM NISCH MEHR HINTERHER…

Okay, aufgepaßt  – akutes, absolut medizinfremdes Herumgejammere (wer diesen Teil gerne überspringen möchte, steige ein paar Absätze weiter unten wieder ein… :)): ich komm gerade zu gar nichts mehr! Ernsthaft!

Die Kinder hatten zwei Wochen Ferien, und ich eine davon mit ihnen. Will heißen: wir tauschen die Schulzeitfahrerei (Klavier, Karate, Ballett, Schwimmen, Tennis, Reiten…) gegen die Freizeitfahrerei (Freunde besuchen, Schwimmbad, Reithof, immer noch Tennis) sowie diverseste andere “Kleinigkeiten” (Fenster putzen, Garten sommerfein machen, Terrasse schrubben, Gartenmöbel schrubben, Liste-beliebig-erweiterbar) und ein bißchen Freizeitstress. Die gesamte letzte Woche ging eigentlich für Zeit am und ums Pferd herum drauf (was ja super ist, weil ich es gerne mache und gerne dort bin) – aber es zwackt halt empfindlich viel zusätzliche Zeit meiner sonst schon so kostbaren 15 Stunden Tagesablauf ab. Und das nervt.

Chef meinte am Montag: “Sie sehen irgendwie erholt aber gehetzt aus…?!” Und so fühl ich mich gerade auch. Gehetzt. Verfolgt. Pistole auf der Brust.

Sommer ist toll, es gibt nichts schöneres, als nach Monaten tristem Einheitsgrau das Leben plötzlich aus jedem Strauch explodieren zu sehen, wenn der Kaffee plötzlich wieder am allerbesten in der Morgensonne schmeckt und das Bier in der lauen Abendluft. Aber wer bitteschön erledigt all den zeitraubenden, ungeliebten aber absolut notwendigen Mist drumherum? Wer mäht mein Gras, jätet mein Unkraut, räumt Winterklamotten aus und Sommerklamotten in die Schränke? Wer besorgt Rasendünger und Rasennachsaat und düngt und sät mir dann auch? Und warum muß so ein Frühjahrseinbruch eigentlich so brutal TEUER sein? Nehmen wir die Kinder: ich war letzte Woche Kinderschuhe kaufen – 6 Paar Sommerschlappen für läppische (haltet euch fest): 300 Öcken. Und das war mitnichten weder Gucci noch Chanel, noch nicht mal Naturino (für die Eltern unter den Mitlesern ;)) – aber die Brut wächst stetig weiter, und zwar in rasender Geschwindigkeit, was bei den Jungs jeweils eine, beim Mädel sogar zwei Nummern pro Fuß ausmacht :-0. Da kannste die Schuhe vom Vorjahr komplett in die Tonne kloppen. So. Und von kurzen Hosen, Shirts und haste-nicht-gesehen will ich erst gar nicht anfangen – da ist leider auch schon wieder alles viel zu klein…

Und damit nun die Überleitung zum eigentlichen Blogthema: MEDIZIN!!! (hier kann nun gerne jeder einsteigen, der mit Haus, Hof und Nachfahren nicht allzuviel am Hut hat… ):

Um den familiären Wahnsinn zumindest in Ansätzen mitzufinanzieren, geh ich ja nun nebenbei noch arbeiten (mein ehemaliger Oberarzt hat mich immer “Hobby-Gynäkologin” genannt – auch sehr charmant… *grmpf*). Und da Dienste ja bekanntermaßen das Budget zumindest ein bißchen anheben, verbringe ich diese Woche quasi komplett in der Klinik: den ersten Dienst hab ich bereits hinter mir, zwei weitere folgen Freitag und Sonntag (erwähnte ich es bereits – ich HASSE Wochenenddienste…). Und gestern morgen haben wir es doch tatsächlich fertig gebracht, LANGE, LANGE  vor dem nächsten Ersten des Monats den Dienstplan auf die Beine zu stellen (also – zumindest für unsere Verhältnisse lange – normalerweise zimmern wir das Teil am morgen vorher notdürftig zusammen, um es dann bis zur Monatsmitte noch drölfzig Mal willenlos zu revidieren). Und es war gestern SO einfach, daß es schon fast unheimlich war: Ruck-Zuck hatten wir die 30 Tage unter Dach und Fach, und das, obwohl sich die zweite neue Kollegin irgendwie alle Wochenenden und Feiertage unter den Nagel gerissen hat…

Nächstes Stichwort: neue Kollegin. Nach Dr. Multisozialversagens Weggang (ich berichtete mehrfach *ggg*) hat Cheffe in wahrhaftiger Rekordzeit einen neuen Mann und eine Frau eingestellt – beide mit längerer bis langjähriger Berufserfahrung, beide somit schon was älter *hust* und mit Kindern mittleren Alters wahrscheinlich auch außerhalb der Fortpflanzungsphase. So weit, so gut. Kollege eins ist fleißig, seeeeeehr gesprächig, ein wenig sehr von sich überzeugt, aber erträglich. Und macht Dienste.

Die Kollegin – heimlich “Schnegge” getauft – hat bereits nach einer Woche gezeigt, wo ihre ganz große Stärke liegt: im Arbeit-aus-dem-Weg gehen. Sieht aus wie folgt: 4-6 Dienste pro Monat (mehr geht nicht, wegen der (15 und 17 jährigen) Kinder), keine Feiertagsarbeit (Ostern – jaja, die Kinder halt, Christi Himmelfahrt wegen ihres Mannes, weil der ja schließlich Vater ist, Pfingsten sowieso nicht, da ist das Wetter immer so toll) – und überhaupt hat sie für Juli/August drei Wochen Urlaub eingetragen, ungeachtet der Tatsache, daß dort bereits drei (von sieben) Kollegen im Urlaub sind. Wir hatten uns vor Schnegges Eintritt ein wenig gewundert, warum sie in 2 Jahren insgesamt 6 Mal das Haus gewechselt hat – jetzt wundern wir uns nicht mehr.

Nun denn – diesen Monat hat sie noch Schonfrist, ab dem nächsten Dienstplan wird dann aber zurück geschossen :)

Ich genieße jetzt noch ein wenig das schöne Wetter – bevor morgen wieder die Kaltfront zuschlägt. Freitag dann mehr – aus dem hoffentlich ruhigen Dienst…!