Frau Blümel-Wonnes Kreissbett ist noch nicht wieder frisch bezogen, als das Unwetter auch schon über mich hereinbricht, wie Hurricane Kathrina dereinst über Louisiana:
RING
Chef: “Dr. Josephine – in mein Büro, bitte!”
Immerhin sagt er noch ‘bitte’! denk ich mir und bin noch nicht ganz die Kreissaal-Tür hinaus, als..
…RING…
Das Display verkündet unheilvoll Verwaltungs-Chef Dr. Michael “Pe-Punkt” Müllermann. “Pe-Punkt” ist Müllermanns Klinik-Spitzname, da der hypertrophe Manager bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit auf sein zweites Initial hinzuweisen pflegt. Das sei eben damn american bekommt der jeweilige Gegenüber ungefragt mitgeteilt und Müllermann findet alles, was auch nur andeutungsweise “damn american” ist, “damn good”!
Weswegen er seine nie enden wollenden Monologe auch stets mit einer gehörigen Prise amerikanischer Redewendungen würzt. Ha-Ha! Denn Pe-Punkt spricht aufgrund eines einjährigen Amerikaaufenthaltes, den er als pickliger Oberstufenschüler in einem Nest Irgendwo in Iowa zugebracht hat, fließend englisch. Das dieser Auslandsaufenthalt eben nur ein High-School-Jahr in der Provinz und keinesfalls ein Hochschulstudium in Boston gewesen ist, wie Müllermann ursprünglich gerne Glauben machen wollte, hatte Oberschwester Ottilie beinahe den Kopf gekostet. Aber nur beinahe, denn wo sie Recht hat, hat sie Recht und man kann jemanden schlecht für die Verbreitung der Wahrheit feuern, selbst dann nicht, wenn man Müllermann heisst und der Chef im Laden ist.
Doch das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.
Zurück zu Müllermann, der, mit Verlaub, ein Mega-Eierloch ist! Und dieses Eierloch faselte jetzt in bemerkenswerter Geschwindigkeit Endlossätze in mein Telefon.
“Dr. Josephine! Bla-Blubber, Laber-Sülz, ewig so weiter…!”
Mir ist schon klar, was der Verwaltungschef von mir will: meinen Kopf auf einem Spieß geröstet zum Lunch. Oder Dinner, whatever. Genervt stecke ich Handy samt Müllermensch in meine Kitteltasche und trotte zum Cheffott. Ha-Ha, super Wortspiel! Was für ein Tag….
“Josephine – irgendetwas in deiner Brusttasche spricht?!” Fasziniert starrt der Kollege Luigi auf meine linke Brust, während der Aufzug mich rasch meinem Ende entgegen fährt.
“Mensch, Luigi – wenn du mir schon auf die Möpse glotzen musst, dann mach das doch einfach und versuch nicht noch krampfhaft, Konversation zu betreiben! Ich bin heute nicht in Stimmung für deine Späße – ächt jetzt!”
Dieser kleine Italiener gräbt aber auch wirklich alles an, was nicht bei Drei von der Strasse ist…!
“Josephine – ohne Scheiß! Ich glaub, dein Handy redet! Mit amerikanischem Akzent…?!”
VERDAMMT! Müllermann!
“Hallo?!” …den hatte ich doch ernsthaft vergessen…“…Dr. Müllermann?”
Doch Pe-Punkt scheint meine Abwesenheit gar nicht bemerkt zu haben, monologisiert noch ganz kurz weiter und meint dann abschließend:
“Got it? In zehn Minuten in meinem Büro! Over!”
Doppelhinrichtung! Das ist ja ganz großes Tennis…!
“Ärger? Komm doch nachher mit zum Essen, eh? Gibt italienische Pizza. Ich lad dich ein!”
Gutmütig zwinkert der kleine, dicke Chirurg mir zu. Ist doch eigentlich ein ganz netter Kerl – für ‘nen Aufschneider und so…
“Okay! Falls ich später noch lebe, melde ich mich bei dir!”
Die Türen des Aufzuges haben sich gerade hinter mir geschlossen, als…
RING!
“Sekretariat des Klinikdirektors, Frau Specht am Apparat. Dr. Josephine, Professor Dr. Dr. Zeuss möchte sie umgehend in seinem Büro sehen!”
And now, Josephine, your end is near…