Tag-Archiv | Entbindung

Circus HalliGalli…

“Mom? Mom! MOM!?”

“Hmmmmmm…..?”

Schlaftrunken öffne ich mein rechtes Auge und erblicke mein völlig derangiertes Spiegelbild in den Augen meines drittgeborenen Kindes.

“Mom!” wiederholt es erfreut und lässt seine Zähne vor meiner Nasenspitze blitzen. “Was tust du?”

“Rückenschwimmen” murmel ich ungnädig und schließe das Auge wieder. Viel zu hell, viel zu müde.

“MOM!”

Kind drei männlich ist nicht das, was man allgemeinhin als “geduldig” bezeichnet. Ich öffne also mein Auge erneut, wohl wissend, das Junior erst dann das Feld räumen und mich in Frieden weiter schlafen lassen würde, wenn er befriedigende Antwort auf das aktuelle Verlangen bekommen hätte.

“Was.Ist?”

“Warum schläfst du?”

Juniors Gesicht befindet sich immer noch nur Millimeter von meinem entfernt, was mich ein wenig irritiert.

“Sohn – sei doch so nett und gib mir wenigstens so viel Platz, dass ich mein zweites Auge auch noch auf bekomme.

Ich bekomme den Platz. Wenn auch widerwillig, denn Kind Nummer 3 ist ein Kontakttierchen. Je näher, je besser. Muss in seinem früheren Leben ein Känguru gewesen sein.

“Warum schläfst du?”

“Weil ich müde bin?” Gibt es noch andere Alternativen? Ich überlege, aber mir fällt nicht wirklich eine ein.

“Warum bist du müde? Es ist Viertel nach Zwei?”

Der Nachwuchs ist ein recht hartnäckiges Känguru, soviel ist mal klar.

“Weil ich vielleicht Dienst hatte? Und nicht wirklich zum Schlafen gekommen bin?”

“Ah. Okay…!” Immerhin – verständnisvoll ist er ja, der Kleine. Streichelt mir jetzt mitfühlend über den Arm, während er angstrengt durch mich hindurch stiert. Da kommt noch was – ich merk das schon…

“Aber – warum hast du denn nicht im Dienst geschlafen?”

Verdammt gute Frage. Die Antwort: Man hat mich schlicht nicht schlafen lassen…

Sonntag, 8:00 AM

Knackige Übergabe im Kreißsaalstützpunkt. Das Bambi, diensthabende Ärztin des Vortages, hat tiefe, dunkle Ringe unter den Augen – zwei schwangere Aufnahmen mitten in der Nacht, dreimal Ambulanz (Harnwegsinfekt, Harnwegsinfekt und Frau mit Langeweile auf der Suche nach Zerstreuung) dazwischen, eine Geburt und kein bisschen Schlaf – die kleine Assistenzärztin ist augenscheinlich mit den Nerven am Ende. Im Orbit kreissen derweil insgesamt noch 5 weitere Schwangere – it´s Showtime!

8:15 AM

Visite mit Schwester Elvira, die schlecht gelaunt und mit mürrischem Blick hinter mir her von Zimmer zu Zimmer trottet. 25 Patientinnen warten hier auf Trost und Ansprache, Verbandswechsel und Drainagen-Entfernung. Witwe Bolte aus Zimmer 0815 diskutiert 10 Minuten lang ausführlich ihr gesamtes Verdauungssystem sowie jeden einzelnen Stuhlgang der letzten drei Wochen mit mir, während Chantalle-Schakkeline Jung aus dem Nachbarraum über Schwindel und Unwohlsein klagt.

“Schwindel und Unwohlsein BEVOR oder NACHDEM sie heute morgen geraucht haben?”

Die kleine Frau errötet hold bis unter die Haarwurzeln – hatte mich gar nicht gesehen, als ich vorhin an ihr vorbei zur Arbeit lief. Ich sie schon – gemütlich rauchend und kein bisschen leidend. Unverblümt teile ich dem Chantalle mit, dass ich sie heute, an Tag 5 nach absolut unauffälliger Bauchspiegelung nach Hause zu schicken gedächte, und nein, krank schreiben ist nur bis zum kommenden Tag möglich und keinesfalls bis August 2013, hörmma, JETZT ABBA!

Chantalle-Schakkeline versucht es noch mit der Tränendrüsen-Nummer, da sind wir auch schon weiter gezogen. Leben ist kein Ponyschlecken, soviel ist mal klar.

9:00 AM

Pünktlich zum Ende der Visiten-Nummer rappelt das Diensttelefon und ruft zur Geburt – im meerblauen Kreißsaal Nummer I liegt Frau Müller-Lüdenscheidt in der himmelblauen Gebärbadewanne und stöhnt laut und anhaltend vor sich hin, während O-Helga, die Oberhebamme, beruhigend auf sie einredet.

“Schön. Ja. Weiter. So ist es gut. So. Ja. JA. JAAAA!”

Geburtshelfer sind so verschieden wie Sommerblumen auf einer Bergwiese. Es gibt die

- Cheerleader – “Yeah! Baby – Yeah. Super-Schön Machst-Du-Das – YeahYeahYeah!” *PomPomsSchwing* ,

- die Mutterflüsterer – “Du, das ist gaaaanz schön, was du da machst, Sonja-Beate. Das fühlt sich so ganz und gar richtig an und kraftvoll und stark, ich fühl das ganz arg deutlich. Und wenn du jetzt magst, Sonja-Beate, dann atme doch mal ganz arg doll zu Marvin-Tscheremeier hin, du, ja?”. Es gibt

- die Schreier – “Ja. Jaaa. Jaaaaaaa. JAAAAAA. JAAAAAAAAAAAAAAAAA!!!!! und dann auch noch

- die leisen Menschen – “Schön. Ja. Kleiner Schubs noch. ……. Prima. Ist da.”.

Ich persönlich bin eine gute fifty-fifty-Mischung aus Cheerleader und Schreier

“Ja! JA! SUPER! Das ist TOLL! Sie machen das GROSSARTIG! Ich sehe Haare! Schwarze, blonde, rote, gelockte, keine Haare! Es kommt! Es ist fast da! JA! Oh mein Gott! JA! HURRAAAA. ES KOMMT. ES KOOOHOOOOMT. ES.KOOOOMT. JEEEEHEEETZT!!! *räusper* – was soll ich machen – ich kann nicht anders :)

O-Helga hingegen ist das genaue Gegenteil von mir. Kann mit drei Worten ein Kind rausreden, auf das ich zuvor zwei Stunden lang eingebrüllt habe. Okay – kann man irgendwie verstehen. In jedem Fall ist ein Doppeleinsatz von mir und der alten Oberhebamme extrem unterhaltsam.

Ich: “Super! SUPER! Das machen sie SUPER!”

O-Helga *streng*: “Josephine – Klappe!”

Ich *kleinlaut*: “Mönsch, O-Helga! Bisschen anfeuern?”

Unerbittlich schüttelt die kleine Hebamme den graubehaarten Kopf und so klappe ich meinen Mund wie geheißen zu. Dann kommt die nächste Wehe, Frau Müller-Lüdenscheidt presst…

O-Helga *ruhig*: “Jaaa…….!”

Ich *hibbel*: “Hmpffffff….”

Und dann ist es da! Rausgeploppt. Unkompliziert. Und schwimmt verträumt in der Wanne umher. Während O-Helga es mit fachmännischem Griff einfängt und der erschöpften Mutter an die nasse Brust drückt, verabschiede ich mich zügig in Richtung Ambulanz, wo um…

9:15 AM

…15 Patientinnen sitzen. Fünfzehn. In Worten: FÜNFZEHN!!! Sind die alle bescheuert, oder was?

Ich *schockiert*: “(Schwester)Notfall – sind die alle bescheuert?”

Notfall schlürft ungerührt an ihrem Kaffee, während sie mir mit links einen Stapel Akten entgegenhält “Mehr oder weniger” brummt sie schlecht gelaunt und schiebt mich ins nächstgelegene Untersuchungszimmer, zu einer Blutung in der Frühschwangerschaft.

Dann zu Schmerzen in der Frühschwangerschaft, einem Scheidenpilz, einem Harnwegsinfekt, Schmerzen im Unterbauch ohne Schwangerschaft, Pille danach, Angst vor Krebs, einem verlorenen Tampon, einer akuten Kinderlosigkeit, einem (negativen) Schwangerschaftstest, noch einem Harnwegsinfekt, einer stationären Aufnahme bei großer Eierstockszyste, einer Frau mit Magenschmerzen (Note to self: Internisten umbringen wegen gemeiner Patientenannahmeverweigerung) und einer Spätschwangeren mit fraglicher Wehentätigkeit. Um

1:00 PM

sitze ich gerade mit Luigi und Anästhesist Sandmann beim Mittagessen, als das Handy bimmelt und “schlechtes CTG” vermeldet – 33jährige Erstgebärende, laaaaaaanger kindlicher Herztonabfall ohne Erholung. Ich heisse Hebamme Ludmilla den Notfallknopf betätigen und hetze zum Kreißsaal, Luigi und den Sandmann einvernehmlich im Schlepptau.

Im Kreißsaal angekommen ist bereits alles vorbereitet: Ludmilla und O-Helga haben die Frau schon im Not-OP auf den Tisch gepackt, sodass Sandmann direkt seine Anästhesie vorbereiten kann, während Luigi und ich uns in die sterilen Handschuhe schmeissen.

“Luigi, Junge – ich bin froh, dass du da bist!” flüster ich noch, bevor der Anästhesist mit erhobenem Daumen das OK zum Schnitt gibt. Alleine notsectionieren ist immer doof, und da der Oberarzt von ausserhalb kommt, ist die Nummer bei seinem Auftritt meist gelaufen. So auch heute – routiniert assistiert der kleine Chirurg meine Sectio und in nicht einmal einer Minute haben wir einen kleinen, mässig schluffigen Jungen aus der warmen Körperhöhle seiner Mutter gepuhlt. Als Oberarzt Napoli mit rotem Gesicht und schwer atmend schließlich doch noch im Kreißsaal aufschlägt, sind der Aufschneider-Kollege und ich bereits am Zunähen, während der Kinderarzt Entwarnung von der Babyfront erteilt.

2:00 PM

Auf Station steppt der Bär. Und Frau Wuschig. Die siebenundneunzigjährige, demente aber unglaublich mobile Brustkrebspatientin hat sich unerlaubt vom Acker gemacht und besucht die Nachbarinnen der Nebenzimmer, während Schwester Clementine verzweifelt versucht, sie ins eigene Zimmerchen zurück zu bugsieren, was Frau Wuschig wiederum nur mit erneutem Fluchtversuch quittiert. Frau Kaiser-Beulenstein, Zustand nach Ausschabung vor zwei Tagen möchte wissen, ob sie nicht vielleicht noch die Blase gehoben bekommen könnte (Jetzt. Heute. Hier – wenn sie denn schon mal da sei…?!), während Frau Haubentaucher, 45 Jahre, Privatpatientin, nach dem Chefarzt der Inneren Medizin verlangt, um sich mit ihm ausführlich über ihr seit mehreren Jahren bestehendes Sodbrennen auseinander setzen zu können.

Ich hänge drei Blutkonserven an, verteile Medikamente, Verbände, Portnadeln und Viggos, ich unterschreibe gefühlt 1000 Laborzettel, Röntgen- und sonstige Befunde, schreibe Konsilanforderungen und Apothekenlisten, drei Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen, ein Attest, fünf Briefe und einen OP-Bericht.

Ich sehe noch fünf Schwangere in der Ambulanz, nehme zwei davon auf. Beide entbinde ich im weiteren Verlauf des Tages. Ich mache ein Konsil für den Kollegen Luigi (eine Hand wäscht schließlich die Andere), zwei für den Internisten (der im Gegenzug Frau Haubentaucher besucht und sich geschlagene 40 Minuten lang die unglaubliche Geschichte ihres Sodbrennens anhört. Ohne weitere Konsequenz, versteht sich!). Ich esse drei Stück Streuselkuchen, ein Snickers, trinke eine Vanillemilch und einen Liter Kaffee. Bereue nach wie vor, Nichtraucher zu sein, sonst könnte ich immer mal wieder für zwei Minuten zum Quatschen auf den Personal-Raucher-Balkon flüchten, und falle um…

11:00 PM

…totmüde ins Dienstbett. Komplett mit Kittel, Telefon, Kugelschreiber und anderem Schnick-Schnack. Um…

11:20 PM

…eiere ich völlig benebelt zu einer weiteren Geburt nach Kreißsaal II, fliederfarben, nähe eine Dreiviertelstunde lang an dem riesen Riss herum, den das 4600 g-Baby seiner Mutter verpasst hat, gehe dann, ohne über Los zu gehen oder nur annähernd 400 Euro zu ziehen Richtung Ambulanz, wo weitere 7 Patientinnen freundlich lächelnd und mit mehr oder minder ausgeprägten Beschwerden auf mich warten. Die da wären:

- Brennen in der Scheide.

- Herpes in der Scheide.

- Spermien in der Scheide. Verzeihung: Pille danach!

- Bauchschmerzen. Überall. Eigentlich Ganzkörperschmerzen. Aber besonders Bauchschmerzen.

- Brennen beim Wasser lassen.

- Frühschwanger. FrühESTschwanger. Erster Tag oder so. Im Ultraschall noch nichts zu sehen. Stationäre Aufnahme zur weiteren Überwachung abgelehnt. ICH hab es abgelehnt!

- Rechtsseitiger Unterbauchschmerz mit dringendem Verdacht auf Eileiterschwangerschaft. Eileiterschwangerschaft im Ultraschall bestätigt. Oberarzt Napoli angerufen und mitgeteilt, dass wir operieren müssen. Stat! Mörder-Anschiss von Oberarzt eingefangen, der “mitten in der Nacht! Wissen Sie, wie spät es ist? MITTEN IN DER NACHT! Da hab ich einfach KEINE LUST ZUM OPERIEREN!” hat, aber nichts desto Trotz natürlich doch kommen muss und das auch tut.

Eine Stunde lang mit einem nölenden, maulenden, motzenden Mini-Italo-Oberarzt am Tisch gestanden und zugesehen, wie meine Lieblings-OP-Schwester Goldi genervt Augen rollt, als wären sie Roulette-Scheiben. Um…

3:00 AM

…erneuter Schlafversuch, welcher von Hebamme Gloria-Victoria mit einer neuerlichen Geburt zunichte gemacht wird. Nach 2 Stunden vergeblichen Entbindungsversuches ist klar: Dieses Kind kommt da nur per Kaiserschnitt raus.

Also erneut Oberarzt Napoli angerufen, der mich extra über Handy zurück ruft, um während seiner Fahrt vom Napolitanischen Zuhause in den Kreißsaal-OP weiter herumbrüllen zu können “Mitten in der Nacht! Hallo??? MITTEN IN DER NACHT…!” Ihr wisst schon.

Am OP-Tisch jetzt OP-Oberschwester Ottilie, dienstälteste Schwester überhaupt, die nach 3 Minuten genug von Napolis Gemaule hat und das auch genau so weiter gibt: “Francesco? Halt jetzt VERDAMMT NOCH MAL die Klappe – das ist ja nicht zum aushalten mit dir!”

YEEEEES – gib es ihm! Ottie vor!!!

Napoli holt noch einmal tief Luft, errötet sichtbar unter seiner OP-Haube – und schweigt. Gegen Schwester Ottilie ist selbst er machtlos – diese Frau hat locker 30 Jahre Berufserfahrung Vorsprung, kannte den cholerischen Italiener noch zu Zeiten, als er medizinisch ein völlig unbeschriebenes Blatt und nicht immer die hellste Kerze auf dem Kuchen der Gynäkologie war. Napoli weiss das. Und Ottie weiss, das er weiss, das sie weiss. Und so beenden wir in himmlischer Stille und seltener Eintracht diese Entbindung. Um…

7:30 AM

…übergebe ich Chefarzt Böhnlein und den müde dreinschauenden Kollegen meinen Dienst und mache mich erschlagen und matt vom Acker, mümmel Zuhause noch ein Brötchen und zwei Tassen Kaffee in mich hinein, wasche ein bisschen Wäsche, kaufe schnell frisches Brot und bring noch schnell den Hund vor die Tür, bevor ich um …

11:30 AM

…völlig erschlagen auf meiner Couch lande.

Der Rest – siehe oben – ist Geschichte… :)

Lassen sich mich Arzt – ich bin durch…!

“Ich warte im übrigen immer noch auf meine Malucci-liebt-Gloria-Exklusiv-Geschichte – nur, damit du bescheid weisst!”

Gelangweilt lümmel ich auf der Kreißsaal-Aquariums-Couch herum, stilecht im Chirurgenpyjama und allem drum-und-dran, während ich Gloria-Victoria dabei beobachte, wie sich sich gepflegt an ihrem Latte Macchiato  verschluckt.

“Sach ma – SPINNST DU, Josephine? Schau mal wie ich jetzt aussehe!?”

Fluchend wischt sich meine Lieblingshebamme den Kaffeeschaum vom Leibchen, während zartes Rot sich auf den sommersprossigen Bäckchen breit macht.

“Und was kann ICH dafür, dass du deinen Kaffee nur mit Sabberlatz trinken kannst, hm? Hey – HEY! LASS DAS!”

Noch während ich hinter der Couch Schutz vor Glorias Gummibärenbombardement suche, geht mein Handy los. Auf dem Display: Das Bambi!”

Ich: “Bambi? Was gibt´s?”

Bambi *whisper*: “(unverständliches Zeug)”

Ich: “Liebelein – sprich lauter!”

Bambi *WhispertUnwesendlichLauter*: “*******”

Ich: “BAMBI! SPRICH_LAUTER!”

Gloria (leidlich genervt): “Sie ist im Vierer-Kreißsaal. Vorzeitiger Blasensprung, Wehentätigkeit. Nur, falls es irgendjemanden interessiert!” Sprichts und schmeisst eine weitere Handvoll Gummigedöns nach mir.

Ich: “Okay! Bleib wo du bist – ich komme!” Und leg auf. Dann, an die Hebamme gewandt: “Sag – was ist da drin los?”

Gloria zuckt ratlos die Schultern: “Ich hab keine Ahnung – ist FrauVonSinnens Patientin. Mehrgebärende. Sind schon ein paar Stunden zu Gange.”

Ich rappel mich also hinter der Couch hervor und stiefel nach Kreißsaal IV (lindgrün). Kaum die Tür herein, bin ich auch schon mittendrin im Geschehen.

“ICH_BIN_ARZT!”

Verblüfft schüttel ich die Hand des Mannes, der sich aus dem Nichts heraus vor mir aufgebaut hat. Ein großer Kerl, Mitte Vierzig vielleicht, gepflegt und adrett gekleidet, mit Goldrandbrille und Charlie-Sheen-Frisur. Für letztere hat er hoffentlich seinen Friseur verklagt – geht gar nicht. Aber das ist gerade ein anderes Problem…

“Ich bin Arzt!” wiederholt er jetzt erneut, während er ausdauernd meine Hand schüttelt. Ich bin verwirrt – was WILL der bloss von mir?

“Das trifft sich gut,” antworte ich vage “ich bin nämlich auch Ärztin, wissen sie!”

Beruhigend lächel ich ihn an, was ihn nur veranlasst, stärker zu schütteln. Ich habe jetzt echte Sorge, er könnte mir den Arm auskugeln.

“Herr….- Kollege? Vielleicht könnten sie mich loslassen, dann sag ich ihrer Frau auch mal guten Tag?”

“Oh – ja…äh, sicher! Natürlich!” Folgsam lässt er die Hand endlich los und tritt einen Schritt beiseite. Dann beugt er sich noch einmal zu mir herüber und flüstert eindringlich “Ich.Bin.Arzt!”

Nee, is´ klar. JETZT hab ich es kapiert. Arzt! Super!

Der Kerl ist durch. Jetzt schon. Alter Schwede – das kann noch lustig werden. Gottlob macht Frau Arzt einen ganz zauberhaft normalen Eindruck. Laut schnaufend und prustend hängt sie gerade in das von der Decke baumelnde Tuch gekrallt, während der Wehenschreiber beeindruckende Berge aufs durchlaufende Papier krakelt.

Ich schaue mich suchend um – und da, in der hintersten Ecke des weitläufigen Raumes, zwischen Kreißbett und Badewanne versteckt, winkt Bambi verschüchtert zu mir herüber. Ich sage “Hallo” zu Frau Arzt, die mir zwischen zwei Wehen freundlich zunickt und gehe dann zu meiner Baby-Kollegin hinüber.

“Bambi? Was ist los? Wo ist Frau Von Sinnen? Und warum sprichst du nicht ins Telefon, wenn du schon anrufst?”

In Bambis großen Rehaugen herrscht Hochwasser und die Unterlippe zittert verdächtig. Das Rehlein ist offensichtlich am Ende mit den Nerven.

“Es…ist….weil…also, wegen…der Mann…Arzt…ich weiss nicht….!”

Unverständliches Zeug. Mein Gesicht ist ein einziges Fragezeichen, so viel ist mal klar!

“Bambi – grammatikalisch korrekte Sätze. Ich versteh gerade nur Hauptbahnhof!”

Die kleine Frau holt tief Luft und schluckt trocken. Ein Tränchen verlässt das linke Auge und rollt malerisch die Backe entlang bevor es auf Bambis Kinderdekollete klatscht. Frau Arzt schraubt sich gerade die Tonleiter entlang zum zweigestrichenen ‘C’ hinauf, während nun auch des Gatten Mantra von der Tür zunehmend lauter herüber schallt: “Ich bin Arzt! Wissen sie! ARZT! Ich bin AAAAHAAARZT”

“Whow – ich wette, der hat ein prätraumatisches Belastungssyndrom. Was ist der Kerl bloss? Dermatologe?”

Bambi schüttelt in atemberaubender Frequenz den Kopf. Wenn ich ehrlich bin, sieht sie gerade nicht weniger traumatisiert aus…

“Er ist…” flüstert sie kaum hörbar “RECHTSMEDIZINER….!”

……………????……………….

Das Fragezeichen auf meiner Stirn wird sekündlich größer. Wo ist denn die Pointe bei der ganzen Nummer? Versteh nur ich das nicht?

Das Bambi kollabiert jetzt gleich. Oder schaut es nur so grün aus, weil die Farbe der Wand sich im weiss der Gesichtsfarbe spiegelt? Herrjeh – egal! Ich nehm die Kleine bei den Schultern und schüttel ein bisschen:

“DU. BIST. AUCH. ARZT! Comprende? Verstanden? Alles klar?”

In dem Moment zupft mich jemand am Kittel

“Vielleicht kann mal jemand meiner Frau helfen?”

Unbemerkt im Treiben und Geschrei hat sich der Kollege von hinten angeschlichen und hängt mir nun ein wenig verstört am Kittelsaum, während seine Frau frenetisch brüllend von der Decke hängt. Also – irgendwie…

“Wo ist eigentlich Frau Von Sinnen?” suchend blicke ich mich nach der Hebamme um, die aber leider nirgendwo zu sehen ist.

“Kaffee holen” flüstert Bambi mir ins Ohr “Ich sollte so lange aufpassen. Aber er ist doch Aaaaarzt….!”

Ein zweites Tränchen kullert über die Backe. Ist aber gerade sowas von egal, denn jetzt steht Frau Arzt auch noch neben mir, packt mich am Arm und sagt – jedes einzelne Wort betonend: “ICH MUSS PRESSEN!”

Supi! Pressen muss sie. Nun denn!

“Bambi – geh Von Sinnen holen! STAT!”

Und zu meiner Patientin gewandt: “Sitzen? Stehen? Liegen?”

“STEEEEEEEEHEEEEEEEEEN!!!!!!” brüllt sie – und schmeisst sich zurück ans Seil, dass ich befürchte, sie könnte den Karabiner aus der Decke reissen.

Diese Frau ist der OberKracher! Ächt jetzt! Wie ein Sumoringer vor dem entscheidenden Angriff hängt sie in ihr Tuch geklammert, während sie presst, als gäbe es kein Morgen mehr. Ich liege auf den Knien vor ihr und sehe den dunklen Schopf deutlich tiefer treten, tiefer, TIIIIIEEEEEFER….

“Wo ist die VERDAMMTE Hebamme???” – denk ich mir und kann mich gerade noch auf den Rücken vor die Frau schmeissen, als mir auch schon mit einem satten Platscher Baby-Arzt auf den Bauch klatscht. DAS nennt man dann wohl Sturzgeburt….

Frau Von Sinnen erscheint – herrlich nach Kaffee duftend – just in dem Moment, als Kollege Arzt die Gesichtsfarbe von dunkelrot nach weiss nach aschgrau wechselt und gepflegt vom Höckerchen fällt, auf das ich ihn kurz zuvor plaziert hatte, um der Frau ein wenig Halt beim Pressen zu geben…

Die Kopfwunde hat ihm Nancy The Fancy anschließend mit süffisantem Grinsen souverän vernäht, während Frau Arzt glücklich ihr FÜNFTES Baby abgenabelt, gewaschen und angezogen hat, um es anschließend – zusammen mit  ihrem lädierten Mann, ins Auto zu packen und nach Hause zu fahren.

Bambi hat sich immer noch nicht von ihrem “Ich-muss-eine-Kollegen-Gattin-entbinden”-Trauma erholt und muss frühzeitig nach Hause geschickt werden.

Und ich – ich muss dann nochmal genau nachfragen, WIE das jetzt ist – mit meiner Lieblingshebamme und dem kleinen Italiener… :)

Geburtshilfe mal RICHTIG eklisch… :)

Gestern abend nach dem Reiten – wir stehen so um unsere Pferde herum, putzen Hufe, striegeln, verteilen Leckerli und Möhrchen, reden über dies und das (typische “Frauenthemen” – Familie, Schwangerschaft, Kinder…) – sagt meine Freundin: “Du, Josephine, erzähl doch nochmal von der eklischen Geburt!!! Du weißt schon – die richtig ecklische…!!!

Mei, lang, lang ist´s her – ich war noch ein ganz kleines Licht, ach was – ein Glühwürmchen im gynäkologischen Geschäft, hatte gerade mal eine handvoll Entbindungen hinter mir, als ich zur Geburt einer Mitt-Dreißigerin gerufen wurde. Die ökologisch abbaubare Drittgebärende (gewandet in adrettes, schlammfarbenes Jutesäckchen, das Achselhaar luftig auf bis auf die Hüfte fallend und mit einem solchen Wust an klopapierrestehaltigem- und was-da-auch-immer-sonst-noch-drin-war-Schamhaar, daß ich Sorge hatte, wir würden das kindliche Köpfchen gar nicht rechtzeitig kommen sehen) lag rittlings und schwer schnaufend auf dem Kreißbett!

Die Gute verbreitete obendrein den däftigen Geruch nach Schweiß, Urin und …*zensiert*…, schien obendrein weder im Besitz einer Dusche noch sonstigem Wasserzugangs zu sein oder hatte diesen zumindest seit Beginn der Schwangerschaft nicht mehr benutzt. Sehr lecker!

Meine zuständige Hebamme war eine kleine, ewig mies gelaunte Brunette, nennen wir sie “die Zicke”, die das Arbeiten nicht wirklich erfunden hatte, aber keineswegs müde wurde, den frisch gebackenen Kreißsaal-Assistenten das Leben so schwer wie irgend möglich zu machen. Großartige Kombination – hätt ich doch nur etwas anständiges gelernt…

Aber es sollte noch besser kommen: Die Patientin (nenne wir sie “Frau Legger”) hatte bis zur vollständigen Muttermundseröffnung statthaft auf eine PDA verzichtet, kurz vor dem finalen Pressen jedoch akut umentschieden, und brüllte nun in den höchsten Tönen vehement nach Schmerzlinderung. Somit war suffizientes Pressen erstmal nicht mehr möglich, die Ausdünstung an ohnehin wenig wohl riechenden Körperdüften hingegen steigerte sich minütlich ins schier unermessliche.

Die Zicke und ich gaben unser Bestes – wir feuerten an, schrien, jubelten über jeden neu gewonnen Zentimeter des bereits in den Untiefen des Schamhaar-Djungels sichtbaren, kindlichen Haarschopfes – bis sich ein völlig neuer Ton ins allgemeine Chaos mischte: panisches Entsetzen! Und diese Lautäußerung kam zweifelsfrei – von der Hebamme an meiner Seite!!! Die Zicke war abrupt vom Kreißbett aufgeschossen und stand nun, kreidebleich im Gesicht und mit großen Schweißperlen auf der Stirn, in der hintersten Zimmerecke.

Ich (barsch): “Zicke – bist du irre??? Komm sofort wieder her, daß Kind kommt!!!”

Zicke (stammelnd und stotternd mit dem Finger auf die Frau zeigend): “Dddddaaaaaa – dadadaaaaaaa….!”””

Geht es vielleicht auch ein bisschen präziser??? Ich mein – klar ist die Frau kein Leckerbissen, und riechen tut sie auch – aber das wissen wir doch nicht erst seit gerade eben… *schnauf*. Trotzdem folge ich brav der Richtung ihres Fingers, welcher meinen Blick genau auf die Stelle unterhalb des nun schon deutlich klaffenden Scheidenein- (in dem Fall eher -aus)gangs bannt. Und ich denke erst noch “klar geht da Stuhlgang ab – ist ja wohl nicht dein erstes Mal!!!”

Dann denke ich: “Der sieht aber komisch aus???… So weiße Stippchen….?!?!”

Dritter Gedanke: “Da bewegt sich etwas…!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!”

Noch während die Hebamme, jetzt grün im Gesicht und mit vor den Mund gepresster Hand, im Schweinsgalopp den Kreißsaal verläßt dämmert es auch MEINEM Großhirn: WÜRMER!!! Die Gute hat WÜRMER im Stuhl….

BÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄH!!!!!!!!!!!!!

Ich hasse Würmer! Ich hasse alles, was klein, glibbrig und ohne Füße ist, alles, was im entferntesten an Maden oder Kellerasseln oder sonstiges Getier der Dunkelheit erinnert – und ich hasse es vor allem dann, wenn ich nicht einfach fluchtartig den Tatort verlassen kann, sondern gezwungen bin, eine Etage höher ein Kind zur Welt zu bringen.

Und wie es das Schicksal so will hat Frau Ferkel – selbst völlig überrascht vom plötzlichen Verschwinden der Hebamme – das Schreien ein- und im Gegenzug das Pressen wieder an-gestellt, und so flutscht mir keine zwei Minuten später eine großes, dickes Kind genau in die Arme.

Und erst, als dieses abgenabelt und warm eingewickelt an der schwitzigen, leicht ranzig riechenden Brust der Mutter liegt, kommt Vlata, die sibirische Hebamme seelenruhig zur Tür hereinspaziert, übernimmt souverän Mutter, Kind und Gewürm und entläßt mich mitsamt meines kurz vor Mageneingang stehenden Frühstücks in die Freiheit.

Die Zicke war mir gegenüber  im übrigen fortan die Kompatibilität in persona – dafür, das ich sie nie beim Chef verpfiffen habe….! Eine Hand wäscht eben die Andere… *ggg*

Nachtrag 23.40 Uhr: Der Osterhase hat uns auch etwas gebracht…

…vier wunderschöne, knuffelige kleine OsterKinder!!!

Frau Ei macht um 19.15 Uhr den Anfang – völlig unspektakulär und mit hervorragend sitzender PDA bringt sie ein sehr kleines, sehr zartes Mädchen zur Welt – bisschen Damm genäht, alles gut.

Kaum habe ich die Wunde versorgt und das Kind angeschaut, kommt Soli (mittlerweile wieder deutlich besser gelaunt – Essen ist ohne sie gelaufen – Leben ist kein Ponyschlecken!) mit Frau Cross im Schlepptau in den Kreißsaal getingelt – Wehentätigkeit am Termin, 2. Kind, säääääääääääääääääääähr groß geschätzt – 7cm Muttermund. Super – läuft ja wie am Schnürchen hier.

Und auch Frau Heier-Weiermann – Privatpatientin der Oberärztin, ihr erinnert euch – hat knapp 5 Minuten nach “uns” ihr kleines Osterei fertig gebrütet! Frau von Sinnen macht sich nach zwei Stunden Überwachungsaufenthalt um 21.30 Uhr glücklich und beseelt vom Acker – nur um keine 10 Minuten später erneut im inneren Orbit aufzuschlagen!

Ich: Frau Von Sinnen – du machst mir Angst! Was WILLST du hier?

FvS (schaut betröppelt und winkt ab): “Drittgebärende mit Wehentätigkeit, Zustand nach zweimal Spontanentbindung – ich WUSSTE, daß die mir irgendwann um die Ohren fliegt!”

Tut sie dann nicht wirklich - um die Ohren fliegen - denn nachdem Frau Heier-Weiermann (s.o.!) um 22.11 Uhr ihrem “Riesenbaby” (4200 g) ebenfalls völlig easy-peasy und Damm intakt den Sonntagskind-Status inklusive hohem Feiertagstatus verpaßt hat, bekommt das gegnerische Duo OÄ Dr.O – FrauVonSinnen das Ausgleichskind in der spielerisch 23sten Minute.

Somit steht es jetzt 2:2 unentschieden, mit leichtem Vorteil für Dr.Josephine – OsoleMia: einmal Dammriss I. Grades sowie Damm intakt gegen zweimal geschnitten – Yeah, klatsch ein, Baby!!!

Jetzt haben wir 23.53 Uhr – mein Dienst neigt sich hoffentlich seinem Ende entgegen *DreimalAufHolzKlopf* und ich bin durch zwei wirklich schön anzusehende, unkomplizierte Geburten sowie Vier glückliche Neu-Familien ausgesöhnt mit diesem DienstTag!

Danke, lieber Osterhase :)

VollMon(d)Tag…

7.30 Uhr, ich komme schlecht geschlafen und genauso schlecht gelaunt zum Dienst – im Übergabezimmer absolutes Chaos:

Nachdem wir einige Tage lang ein absolutes Baby-Tief hatten, scheint sich die Situation mittlerweile deutlich entspannt zu haben – zumindest, was die rückgängigen Geburtenzahlen angeht: Gleich drei Frauen befinden sich derzeit unter Geburt!

Frau S., 40-jährige erstgebärende Lehrerin (!!!) am Termin mit regelmäßiger Wehentätigkeit ohne Blasensprung in Kreißsaal 1 mit Hebamme GS (=Goldstück), dann

Frau M., 22-jährig Frau mit Wehentätigkeit am Termin, ebenfalls erstes Kind, im Kreißsaal 2 bei meiner Lieblingshebamme *HUST* Von Sinnen und – aller guten Dinge sind drei -

Frau K., 29 Jahre, auch hier erste Schwangerschaft, erste Geburt, mit Wehen seit dem vergangenen Abend und Blasensprung gegen 5 Uhr morgens, grünes Fruchtwasser, kein Geburtsfortschritt. Hebamme: OsoleMia :)

Unsere personelle Decke an diesem Montagmorgen ist so dünn, daß es mich friert – Schnegge im dienstfrei,Wilma im Urlaub, die Kleine mit OÄ Dr. O im OP, Malucci im Krankenschein,  - bleiben ich, Chef, Klitschko und die Studentin für den Rest. Ich krempel die Ärmel hoch und gehe systematisch die Kreißsäle ab, stelle mich vor, checke Geburtsbögen und Mutterpässe, untersuche Cervixlänge und Höhenstand des Kopfes – und frag mich zum wiederholten Male, WARUM Kinder immer nur gleichzeitig kommen, und dann auch nie schön unkompliziert, sondern nur auf die irre Art..

Frau S. in der 1 ist momentan die unauffälligste von allen Frauen – ihre Wehen lassen sich noch gut veratmen, und sie weist mich auch mehrfach darauf hin, daß sie nicht vor 11 Uhr entbinden könne, da ihr Mann Pilot einer nicht kleinen Fluggesellschaft sei und erst gegen 8.30 Uhr in XY lande. Da sie ihn aber unbedingt bei der Geburt des ersten gemeinsamen Kindes dabei haben wolle, sei sie gewillt, notfalls auch solange zurück zu halten, bis er da sei. Nee, is´ klar, mach ma, Mädchen…

Bei Frau M. in der 2 wird es schon schwieriger. Der Muttermund ist mittlerweile bei 5 cm angekommen, Köpfchen kommt tiefer, aber die Herztöne sind immer mal wieder nicht so richtig schön. Gedanklich positioniere ich Frau M. an erster Stelle meiner internen Prioritätenliste und gehe fix weiter zu Frau K. in 3. Diese Schwangere ist eine ausgesprochen hübsche Person, außerdem suuuuuper nett, sehr bemüht niemandem auf die Nerven zu fallen oder irgendjemanden zu stören, und ihr Mann, ein kleiner, blonder Knabe, der mit seiner Nickelbrille aussieht wie “Pfeiffer mit drei “f”, gibt das männliche Pendant dazu. Bisschen problematisch: beide sind ungefähr gleich brutal ängstlich!!!

Herr K.s Gesicht hat laut Solis Auskunft schon seit etlichen Stunden die Farbe einer reifen Wassermelone (die Farbe der SCHALE wohlgemerkt…!!!), und seiner Partnerin steht die absolute Panik ins Gesicht geschrieben. Dabei sind wir noch nicht mal im entferntesten beim wirklich kniffligen Teil der Entbindung angekommen….! Ich erkläre beiden, daß ich nochmal gerne untersuchen würde, um dann zu entscheiden, wie wir weiter verfahren wollten. Das Ergebnis zeigt einen gleichbleibenden Befund seit mittlerweile 2 Stunden: Muttermund 5-6 cm, Köpfchen weit über Beckeneingang, kein Eintreten unter Wehentätigkeit. Das CTG ist zwar ganz schön, aber mit jeder Wehe kommt mir ein Schwall grünes Fruchtwassers entgegen – nur eine Frage der Zeit, bis die Frau explodiert.

Da die Wehen eigentlich sehr suffizient und regelmäßig sind, macht es auch wenig Sinn, einen Tropf anzuhängen, um NOCH mehr Druck zu erzeugen – da würde uns nur irgendwann das CTG aussteigen…. Somit ist die Entscheidung zur Sectio gefallen – und ich habe das Gefühl, daß Frau K. nicht wirklich unglücklich mit dieser Entscheidung ist. Ihr Mann hingegen wechselt gerade die Gesichtsfarbe Richtung Iglo-Rahmspinat…

Somit wird Frau K. also zur Sectio vorbereitet, während ich im zweier Kreißsaal noch fix eine MBU (=Mikroblutuntersuchung. Entnahme eines Blutstropfens vom kindlichen Kopf zur Bestimmung der Sauerstoffsättigung) durchführe – Ergebnis: pH 7,38, also alles im grünen Bereich, wir können los.

Ich will gerade Richtung OP verschwinden, als Goldstück aufgeregt japsend hinter mir her gerannt kommt – Frau S., die Lehrerin hätte jetzt stärkere Wehentätigkeit und möchte bitte SOFORT sectioniert werden….!

Also auf dem Absatz kehrt und zurück in Kreißsaal 1, wo sich die Schwangere gerade laut stöhnend über einer Wehe krümmt, während sie dem Häs-schen (unserer kleinen Famula) mit solcher Kraft die Hand quetscht, daß ich Angst habe, wir müssen die Kleine postpartal den Handchirugen vorstellen…

Ich: “Frau S., sie wollten mich sprechen?”

Sie: “$%%$§*?%&!!§ß?” (=sie will eine Sectio STAT und der Rest ist zensiert!!!)

Ich: “Wir rufen den Anästhesisten, damit er die PDA nochmal hoch spritzt, und sobald wir den Kaiserschnitt der anderen Patientin beendet haben, sind sie dran!”

Sie: “&%$$?ß?§§§5%&$$§” (=sie geht nicht wirklich konform mit meinem Vorschlag)

Ich verabschiede mich schleunigst und werfe noch einen bedauernden Blick auf mein Goldstück und datt Häs-schen, die ich leider mit der wild tobenden Frau alleine lassen muß.

Kaum hab ich den OP betreten und mich eingewaschen, als Herr L., die OP-Oberschwester auf mich zugerannt kommt und mir ein barsches “Not-Sectio in Saal 3!” entgegenbrüllt – was ist geschehen? Frau M. (wir erinnern uns – die Patientin in der 2) hat gerade eine Mega-Badewanne hingelegt. Das heißt: die Herztöne des Kindes haben sich von normalen 110-150 Schlägen pro Minute auf gerade mal noch 60 Spm verlangsamt und auch nach Gabe von wehenhemmenden Medikamenten nicht mehr wirklich erholt.

JETZT heißt es rennen, denn offiziell hat man von dem Moment an, in dem die Not-Sectio ausgerufen wird, 10 Minuten Zeit, bis das Kind geboren sein sollte. Realistisch sind in der Regel 20 Minuten, aber heute morgen klappt alles wirklich wie am Schnürchen, und keine drei Minuten später steh ich mit Chef am Tisch und setze das Skalpell an. Die Patientin ist nicht wirklich zierlich gebaut, aber zum Glück ist es ihre erste Entbindung, so können wir (Grüße an Misgav-Ladach, den “sanften” Kaiserschnitt) flott stumpf bis auf den Uterus präparieren. 1 1/2 Minuten nach Schnitt hab ich einen erstaunlich fitten Knaben aus dem Uterus der Frau gefischt – als Ursache der abfallenden Herztöne zeigt sich dann auch ein echter Nabelschnurknoten! Whow – DAS kann mal so richtig in die Hose gehen… *schluck*

Nach weiteren 20 Minuten ist die Frau vernäht, verpflastert und zum Aufwachen in den Kreißsaal verbracht, ich will gerade meine OP diktieren, als Goldstück mich auf dem Handy anbimmelt – ich soll schnell kommen, ihre Schwangere sei jetzt nicht mehr Frau S. sondern Frau von Sinnen…

Ich hör sie schon im Eingangsbereich des OPs schreien, dabei ist der Kreißsaal nochmal durch zwei Türen von diesem Bereich getrennt. Und kaum habe ich meinen Kopf zur Tür herein gestreckt, fliegt auch schon eine graue Papp-Nierenschale Frisbee-gleich und nur wenige Zentimeter an meinem Kopf vorbei gegen die Wand. Goldstück und datt Häs-schen stehen fassungslos starrend zu Füßen der tobenden Furie, die dem tasmanischen Teufel aus “Bugs Bunny” ähnlich auf ihrem Kreißbett herumwütet.

Sie wolle JETZT sofort einen Kaiserschnitt, und es sei ihr VÖLLIG egal, wer oder was sonst noch alles im OP sei, und ihr Mann hätte UNGLAUBLICH viel Einfluss und kenne GANZ VIELE berühmte Menschen und sie würde uns AUGENBLICKLICH alle verklagen und es würde uns GANZ FURCHTBAR leid tun und außerdem wolle sie DIREKTAMENTE einen Krankenwagen in eine andere Klinik denn hier würde sie AUF GAR KEINEM FALL weiterhin entbinden wollen!!!!!!!

Ich bin sprachlos! Wir fassen zusammen: die Frau hat ein CTG wie aus dem Lehrbuch, der Muttermund war vor einer halben Stunde bei 8 cm, die PDA ist vor 10 Minuten aufgespritzt worden, es gibt überhaupt keinen GRUND, jetzt eilig einen Kaiserschnitt zu machen – und sie tobt hier wie der wilde Willie auf dem Bett herum….?! Ich versuche lautstark, mir Gehör zu verschaffen, was nur zur Folge hat, daß sie mich anbrüllt, ich solle gefälligst die Klappe halten, ich sei ja sowieso total unfähig und ob ich überhaupt Medizin studiert hätte…?! Äh – ja!

Frau K. wartet im OP auf ihren Kaiserschnitt und ich trete fix den Rückzug an – soll sich doch der Chef mit seiner privaten Lehrerin herum schlagen – wofür ist man schließlich privat versichert?

Die nächste Sectio geht nicht ganz so flott, aber genauso komplikationslos über die Bühne. Nach angemessener Zeit hole ich einen kleinen, weiblichen Sternengucker auf die Welt – kein Wunder, das das 3,8kg-Kind seinen Weg nicht durchs Becken seiner zierlichen Mutter gefunden hat! Highlight dieser OP war aber eindeutig HERR K! Nachdem seine Gesichtsfarbe nun chamäleongleich den Farbton der OP-Wand (=weiß) angenommen hatte, liefen die Wetten schon präoperativ auf Hochtouren, ob und wenn ja wie lange es dauern würde, bis er kollabiert. Der Anästhesist kennt seine Schäfchen in der Regel am besten und gewann mit 2 geschätzten Minuten souverän vor der Instrumentenschwester (5 Minuten) und mir (gar nicht kollabieren).

Gegen 10.30 Uhr verlasse ich den OP Richtung Kreißsaal und bin schwer erstaunt, gar kein Gebrüll mehr zu hören…?! Tatsächlich: Frau S. hat all ihre Wut und ihren hormoninduzierten Wahnsinn zusammen genommen, und mit nicht einmal zwei Presswehen ihr 2800g Kind von Beckeneingang auf Beckenausgang durchgepresst. Damm intakt – Mutter und Kind wohlauf.

Als ich kurz darauf vorsichtig meinen Kopf durch die Kreißsaaltür stecke (wer weiß, womit sie als nächstes wirft?!) liegt da eine völlig andere Person: strahlend nimmt sich mich in den Arm, drückt mich dann reanimationspflichtig eine halbe Stunde lang laut schluchzend an sich, um mir danach in nicht enden wollendem Sermon dafür zu danken, daß ich sie zur spontanen Entbindung geführt hätte… (hab ich?????). Außerdem entschuldigt sich sich reumütig für Nierenschale und Schimpforgie, während dat Häs-schen immer noch schwer traumatisiert mit erschrockenem Karnickelblick in der Kreißsaalecke steht, und “Geburtshilfe” gerade gedanklich von ihrer Berufswunschliste streicht…

Schlafentzug macht glücklich…

…so einfach wie richtig bringt Annette in ihrem jüngsten Blogeintrag auf den Punkt, was mir heute morgen durch den Kopf ging. Von vorne:

Die DD (= DauerDienst)-Woche neigt sich ihrem Ende entgegen, es ist Sonntagabend, und in meinem 3qm-Übergangsdienstzimmer steht die Luft. Aber nicht nur das – es STINKT auch noch zum Himmel – irgendeine reizende Mischung aus Urinal und Biotonne – traumhaft!

Also pack ich mein *achtungwerbung* iPhone und ziehe auf die Kreißsaalterrassee um, ein kleines, geschütztes Plätzchen Freiheit inmitten grüner Bäume und zirpender Grillen. Und während ich dort Solitaire spielend Frischluft inhaliere, füllt sich der Kreißsaal nach und nach mit jeder Menge Schwangerer. Soli, zum Beispiel, hat eine Drittgebärende im Schlepptau, 4 Wochen vor Termin, die schon den dritten Sonntag in Folge eingelaufen ist, um sich ein bisschen über ihre Wehwehchen hier und Wasser-in-den-Füßen da zu beklagen, ein Briefchen Buscopan einzuheimsen und nach 30 Minuten CTG wieder von dannen zu ziehen. Bis zum nächsten Sonntag dann.

Die Kleine zeigt einer privaten Spätgebärenden den Kreißsaal, während U. (das Hasi – weil sie soooooo lieb ist…*ggg*) ihrer 40sten Woche gerade erklärt, das der Blutdruck jetzt in Ordnung ist und wir nicht sofort und auf der Stelle einleiten müssen. Ich fühl mich gemütlich, Kreißsaal bei Nacht ist ja sowieso meins, und je voller, desto besser. Nichts desto trotz winke ich freundlich aber nicht unglücklich allen zum Abschied hinterher – entbinden muß ich jetzt nicht wirklich, das Bett ruft, ich hör es ganz deutlich. Und außerdem ist es wichtig, die Nacht gut herum zu bekommen, besser gesagt in der Früh noch vor der Übergabe zu verschwinden, denn mein kleines Kind fährt morgen um genau 7.45 Uhr ins Schullandheim und ich habe hoch und heilig versprochen, mich hier rechtzeitig zum Winken loszueisen, koste es, was es wolle.

Als der Kreißsaal schließlich wieder vollkommen geleert und stille in der Abendhitze liegt, verlasse ich mein gemütliches Terrassenplätzchen und mach mich auf den Weg ins Bett – es ist 00.34 und ich bin frohen Mutes, die Nacht ohne Zwischenfälle herum zu bekommen. Doch: weit gefehlt…

3.43 – Frau von Sinnen auf meinem Nachtwecker – sie hätte um 1 Uhr eine Schwangere mit Blasensprung eingesammelt, diese wehe jetzt fleißig vor sich hin, Muttermund 6 cm, ob denn PDA recht wäre. HALLO? Und wenn ich nein sage, gibt es dann keine PDA? Den lieben langen Tag macht jede Hebamme, was sie will, aber Nachts um halb vier wollen sie plötzlich den Arzt sprechen? Ich glaub ich spinn… – *räusper* “Klar, nur zu, keine falsche Zurückhaltung!” – Ich bin wach! Und rechne nach: wenn Frau E. (die Schwangere) jetzt bei 6 cm ist, und der Muttermund sich laut Lehrbuch 1-2 cm pro Stunde öffnet, dann kommt das Kind just dann, wenn ich taschentuchschwenkender Weise mein Kind verabschieden soll. Jetzt bin ich richtig wach! Denn Kind klein (wir erinnern uns – die Bauchweh-Primadonna) nimmt es mit solchen Dingen sehr genau, und wenn Mama nicht im Verabschiedungskomitee ist, dann bekommt sie das die nächsten 40 Jahre auf jedes Butterbrot geschmiert. JETZT schwitz ich auch noch! D.h. ich schwitze NOCH MEHR als ohnehin schon…

4 Uhr – der Schlaf ist stärker als mein schlechtes Gewissen, ich bin dann mal weg…

5.15 Uhr – Frau von Sinnen trällert ein fröhliches “Sie können jetzt zur Geburt kommen!” in den Hörer und ich stolpere im Halbschlaf zur Tür, schmeiß den Kittel über, entschließe mich dann doch, auch noch Hose und Schuhe anzuziehen und verlassen den Dienstbrüter. Im Kreißsaal schauen gerade die ersten Sonnenstrahlen durchs Fenster, Frau E. liegt schnaufend und wimmernd in Position, während sich Frau von Sinnen – selten gut gelaunt – in Schlachtrufen und Anfeuerungschorälen versucht: “Ja, super, weiter so, ganz toll, prima! Ja! Ja! Das ist es! DAS ist es!!! Noch einmal! Meeeeeeeeeeeeehr!!!!” – Wahnsinn! Nach 2 Minuten bin ich tatsächlich hellwach gebrüllt, und nach einer weiteren Preßwehe ploppt das Köpfchen auch schon blitzeblau über den Damm – die Nabelschnur dreimal feste um den Hals gewickelt.

Nach nicht mal 45 Minuten ist der DR I versorgt, die kleine Familie liegt glücklich grinsend im Überwachungszimmer, versorgt mit “Mein erster Fußabdruck” und “Mein erstes Foto” *gnaaa*  und ich schaff es sogar, noch zwei Briefe zu schreiben, die Geburt einzugeben, mein Dienstbett frisch zu beziehen und mich in die Mama-Verabschiedungsklamotten zu schmeißen, bevor um 7.15 Uhr Dr. Omeprazol, die Oberärztin aufläuft und mich gnädig ins Frei entläßt.

So, und hier kommt er jetzt, der Aufhänger der Geschichte: Ich hab mich immer gewundert, woher die Post-Dienst-Endorphine kommen. Es gibt nichts schöneres, als nach durchgestandener Nachtschicht die Klinik zu verlassen. Alle Menschen, die einem entgegen kommen, gehen ZUR Arbeit, nur ICH darf nach Hause. Oder shoppen (gern genommen nach jedem Dienst), oder reiten, oder – Kind verabschieden! Und das alles ohne schlechtes Gewissen, denn schließlich hat man ja schon gearbeitet, und nicht nur die läppischen 8 Stunden (is´ ja langweilig…), nein 24 h! Dreimal so viel! Das komplette Paket!!! Das kann nicht jeder… *ggg*

Und in der Tat – es ist der Schlafentzug, der glücklich macht. Dieses aufgeräumte “Ich-hab-gerade-die-ganze-Welt-gerettet”-Gefühl. Das ist super. Dafür lohnen sich Dienste. Und solche, die mit einer Geburt und winken am Bus enden, allemal. Und danach gibt es Kaffee, und dann geh ich reiten, und vielleicht noch ein, zwei Stündchen aufs Ohr legen…

Ist das Leben nicht schön!?! Doch, ist es!

Per aspera ad astra…

…durch das Dunkel an die Eier-stöcke. Oder so ähnlich.

Alter Falter bin ICH_FERTIG!!! Der Grund ist 1,83 m groß, 125 kg schwer und  hätte meine höchstpersönliche Vag-HE werden können. Betonung: Hätte können! War aber nicht. Denn das das Dunkel war nicht nur finster sondern – für ein Mädchen dieses Ausmaßes – auch noch verdammt tief drin, will sagen: Beckenboden aus Stahlbeton! Da hat sich genau gar nichts gerührt… Und so hat meine (schwer nervös lehrende) Oberärztin nach 10 Minuten meinen Tribünenplatz eingenommen, und geschlagene 2 Stunden lang einen 500 g-Uterus ausgebaut. Und – als wäre nicht schon alles schlimm genug – hab ich meine Sectio auch noch an Schnegge abgeben “müssen” (mir war ja die HE versprochen) – sprich: außer zwei für die nächsten Tage völlig wertlosen (weil zu nichts zu gebrauchenden) Oberarmen hab ich auch noch 2 OPs minus gemacht. Setzen, sechs, Josephine – das wäre ihr Preis gewesen!

Und wärend ich zwei Stunden lang damit beschäftigt war, mich von oben bis unten klatschnass zu schwitzen (Klima kaputt, Kitteltemperatur geschätzte 130 °C) und meine Rotatorenmanschette auf dem letzten Loch pfiff, hatte ich ausreichend Muse,  über den limitierenden Faktor im Showbiz nachzudenken: ich bin zu alt für den Schei**!!!

Ächt jetzt: ich gehe mehrmals die Woche reiten, ich hab einen Hometrainer, der (ewiger Dank an den Menschen, der Emergency Room auf DVD gebannt hat) gern und häufig frequentiert wird, einen Hund, der mehrmals am Tag und somit ständig pro Woche nach Auslauf verlangt, ich bin Ex-Leistungssportlerin und mein Kreuz ist auch heute noch deutlich breiter als das der “Germanys-Next-Top-Model”-Front, aber nach 2 Stunden Haken halten in anatomisch eigentlich nicht  nachvollziehbarer Stellung denk ich gerne mal ans Abtreten. Im eigentlichen UND übertragenen Sinn!

Und dann frag ich mich zum wiederholten Male, warum es ausgerechnet die Gyn hatte sein müssen (nach einer stinknormalen HSK-Abrasio müsste der durchschnittliche Internist erst mal für 4 Wochen in Reha… *renn*) und nicht die gemütliche Pathologie oder der beschauliche Job des Radiologen – SO schwer kann kein Röntgenbild sein…!!!

Klar, ich könnte jetzt zügig Oberärztin werden (fehlt mir nur noch die Kleinigkeit von einem Jahr Facharztweiterbildung und -prüfung), aber dann muß man schließlich seinen Assistenten irgendwann Haken halten und das dauert NOCH länger…

Und das die Praxis nicht mein Ding ist, hab ich in den vergangenen Jahren schon zur genüge feststellen dürfen. Außerdem schwingen die LWS-Bandscheiben nach 45 Spiegeleinstellungen (pro Tag) zur Abstrichentnahme auch schonmal gerne die weiße Flagge. Vom Langeweilefaktor will ich gar nicht erst anfangen… *ggg*

Und dann wird es abend, die Kollegen ziehen gen Heimat, die Schar der Schwestern dezimiert sich in rasendem Tempo von 100 auf wenige, und die Patientenzimmer leeren sich. Im Kreißsaal herrscht Ruhe und nur das “TocTocToc” des CTGs tuckert friedlich aus Saal 1. Hier gehen eine junge Hebamme (neu im Haus) und Frau I. (22 Jahre, erstes Kind) hochkonzentriert und bei leiser Musik den immer gleichen Weg der spontanen Entbindung: Anfangs sind die Frauen alle noch ganz normal: jede so, wie sie eben immer ist. Die eine gesprächig, die andere lustig, die dritte eine bisschen wortkarg. .. Noch können sie reden und herumlaufen, den Blick nach außen gerichtet, manchmal schwer atmend, aber immer definitiv in dieser Welt. Irgendwann dann, wenn der Druck größer und die Schmerzen heftiger werden, wenn das Köpfchen sich millimeterweise weit sakral ins kleine Becken schiebt, dann auf einmal, von jetzt auf gleich, wechselt die Stimmung wie das Wetter im Sommer: das Reden verstummt, der Blick wandert nach Innen und plötzlich meint man, eine völlig andere Frau vor sich zu haben. Viele Männer erschreckt diese Wandlung, für Hebamme und Arzt ist dies das Zeichen, das es jetzt ernst wird. Hop oder Top, es geht ans gebären!

K., die Kleine (Hebamme) ruft mich, als der Wechsel schon vollzogen ist: Frau I. liegt wimmernd und mit wirrem Haar fragezeichenmäßig gebogen auf dem großen, runden Kreisbett – wie ein Schiffbrüchiger in seiner Rettungsinsel – während die Kleine beruhigend auf sie einredet. Es ist unsere erste, gemeinsame Geburt, denn die Kleine ist erst kürzlich zu unserem alteingesessenen Hebammenteam gestoßen, und ich bin schon schwer gespannt darauf, wie es werden wird. In der nächsten Wehe schwillt das Wimmern der kleinen, zarten Frau zum frustrierten Stöhnen an, während sich ein dunkel beflaumter Hinterkopf behäbig durch den Scheidenausgang ans Licht schiebt. Der Damm ist hoch, ausgewalzt und beginnt sich gerade weißlich zu färben – JETZT könnte man schneiden, muss man aber nicht. Ich schau zur Kleinen rüber, sie schaut zurück, schüttelt den Kopf und greift zum guten, alten Stadelmann-Dammöl.

In unserem Haus wird gerne mal eingegriffen. Will sagen: es wird gerne bei den Wehen nachgeholfen, gerne kristellert, gerne gezogen (sei es nun mit Zange oder Glocke) und bei manchen Hebammen wird auch gerne geschnitten. Ich bin großer Anhänger der “wir-lassen-Hebamme-und-Kind-mal-machen-solange-das-Kind-nicht-gestresst-ist”-Methode, denn zum einen hat die Hebamme ihren Job ja auch gelernt, zum anderen bringt forciertes Eingreifen meist gar nichts – außer gestressten, “sauren” Kindern und traumatisierten Müttern. Und siehe an – die Kleine ist zwar jung und noch ein bisschen unerfahren, aber sie weiß, was sie will – und sie will NICHT schneiden, sondern läßt das Köpfchen langsam tiefer treten und in der Wehenpause –  gut gehalten - im Scheidenausgang stehen, sodaß das Dammgewebe ausreichend Zeit hat, sich an die immensen Zugkräfte zu gewöhnen. So geleitet bekommen wir um 20.48 Uhr ein fittes, ungequältes Kind und für die Mutter bleibt lediglich: ein kleiner Scheidenriss! Ziemlich gutes Ergebnis für unsere zierliche Erstgebärende, die da immerhin ein stattliches 4kg-Bröckchen gepresst hat…!

Ja, und als ich dann so zufrieden und ausgeglichen über meinen Geburtspapieren hänge, da fällt es mir just wieder ein – warum es ausgerechnet die Gyn hat sein müssen: Weil ich es immer noch und immer wieder großartig und aufregend finde, mitzuerleben, wie so ein kleines Ding geboren wird. Weil es immer gleich und doch jedesmal ganz anders ist. Weil der Adrenalinspiegel auch heute  noch kurzfristig die Obergrenze sprengt, wenn das Köpfchen über den Damm ploppt und man weiß, jetzt ist es gleich geschafft – oder die Katastrophe am Himmel…!

Und genau deshalb werde ich wohl auch die nächsten Jahr noch tagsüber meine Rotatorenmanschetten ruinieren – um abends im dämmrigen Kreißsaal zuzuschauen, wie eine Hebamme und eine Schwangere gemeinsam ihren Weg gehen…

Allein, allein…

komisch – liegt es am Montag? Am DienstTag? 7.30 Uhr, Dienstbesprechung, heftiges Déjà vue: Der diensthabende Kollege geht – und außer mir bleibt nur noch die griechische Gastärztin nebst Studentin. Allein, allein…! Okay, es hätte trotzdem noch alles irgendwie gut werden können, denn die Kollegin spricht zwar quasi kein deutsch, ist aber trotzdem unglaublich bemüht, unglaublich fleißig, und nimmt mir unglaublich viel lästigen Kleinkram ab, der mich sonst den halben Tag kosten würde. Und auch unsere Studentin ist sowohl clever als auch topfit, schiebt ihre Butterflies todesmutig in jede noch so armselig aussehende Vene und schreibt viel schönere Anamnesebögen als ich. Aber da für 10 Uhr eine große Bauch-OP anberaumt ist, kann ich mir die kollegial wohlgemeinte Hilfe quasi abschminken – denn wenn alles gut läuft, sind die beiden dann für ungefähr 4 1/2 Stunden mit Chef im OP verschwunden. ICH WILL AUCH OPERIEREN!!!

Doch nein – das Schicksal hat anderes mit mir vor:  Stichwort A wie Ambulanz – alle niedergelassenen Kollegen scheinen heute im Urlaub zu sein, dafür stapeln sich die Mädels jetzt in UNSEREM Wartezimmer. Im Kreißsaal schlagen sich vier Hebammen um 3 CTG-Geräte, sodaß ich mich mitsamt meinen 32 -tausend zu schreibenden Briefen auf Station verziehe, wo mich jedoch die erstbeste  Schwester DIREKT aus dem Diktat-Verkehr in den Stationsalltag zerrt: Eine ambulante OP, die sich gerade klammheimlich in eine nagelneue stationäre Aufnahme verwandelt hat. Also aufnehmen, anordnen, weiter im Text – ich komme gerade mal bis zum Diktiergerät, als das Telefon (gehasstes Diensthandy) meckernd den Kreißsaal ankündigt. Als ich eben jenen betrete, steckt der kleine Kindskopf bereits friedlich im Umland, eine weitere Wehe befördert ihn unsacht weiter und hinaus in die Welt, Damm intakt, Eltern glücklich – ich bin dann mal weg…

“Auf dem Weg zur Station - Teil Zwei” wird jäh unterbrochen durch den Anruf meiner Lieblingsoberärztin, die mich ohne weitere Höflichkeitsfloskeln in die Ambulanz zurück beordert – ich mache somit auf halbem Weg kehrt und wackel zurück in den ersten Stock. Der Anlaß ist kein schöner – Drittgebärende, 28. SSW mit IUFT (im Mutterleib verstorbenes Kind). Och jööööh… 8 Jahre in dem Job und es gibt immer noch Momente, da treibt es mir das Wasser in die Augen.  Anfangs  wirkt die Frau noch sehr distanziert, so, als hätte sie mit all dem nicht wirklich etwas zu tun. “Nicht-wahrhaben-wollen” – war sie das nicht, die erste Phase der Trauer? Ich spreche sie vorsichtig auf das “danach” an – das sie Zeit haben würde, sich von ihrem Kind zu Verabschieden, daß es sogar ausgesprochen wichtig sei, das Baby auch mal zu halten – in den Arm zu nehmen - um all das Unglaublich doch zu be”greifen”. Das wir Fotos machen würden und Fußabdrücke, als Erinnerung, für gleich oder vielleicht später. Denn egal wie die Geschichte zu Ende geht - dieses Kind ist Teil einer Familie, gelebt oder nicht, und erfahrungsgemäß verlangt gesunde Trauer ein stückweit nach Abschied.

Zuerst gibt sie sich noch ganz verschlossen, die junge Osteuropäerin, wortkarg, fast ablehnend. Dann, als ich sie nach dem Namen ihres kleinen Jungen frage, bricht der erste Damm und die Tränen beginnen zu fließen. Und jetzt erst ist sie auch bereit, ihren Mann in das nun folgende mit einzubeziehen. Kurz darauf sitzt er mit im Zimmer, still und zurückhaltend wie seine Frau, aber jetzt sind sie immerhin zu zweit, und ich beginne mit der Einleitung, die für diese Beiden ganz sicher kein schönes Ende bereithalten wird…

Unterdessen ist wie im Flug der Tag vergangen, 16.30 Uhr – und ausgepowert und müde kehrt meine Studentin von ihrem ersten OP-Marathon zurück. Als kleines Schmankerl kurz vorm Feierabend (und weil sie SCHON_WIEDER die Geburt verpaßt hat) laß ich sie eine Schwangere im letzten Trimenon schallen – und siehe da, ich habe ein Naturtalent gefunden: binnen kürzester Zeit hat sie alle zur Gewichtsberechnung nötigen Parameter gefunden und vermessen und liegt mit ihrem Schätzgewicht nur Bruchteile neben meinem Nach-Schall. Hut ab, meine ersten Gehversuche in Schwangerschaftssonographie haben STUNDEN gedauert und ich war oft meilenweit von jedweder Perzentilenkurve entfernt. Somit geht an diesem Tag zumindest EINE Frau glücklich nach Hause – ich dagegen habe immer noch geschätzte 14 h Dienst vor mir…

Und die Tür zum Kreißsaal steht nicht still – Viertgebärende am Termin mit fraglichem Geburtsbestreben. Schlafen? Wer will im Dienst schon schlafen…?! Mittlerweile zeigt die Uhr 20.41 an, meine Einleitung weht leider noch nicht mal ein klitzekleines bißchen an, und ich fürchte, das wird eine längere – eine viiiiiiiieeeel längere Geschichte werden. Dabei würd ich es ihr gerne ein wenig abkürzen…

Meine “richtige” Entbindung bekommt gerade eine KPDA verpaßt – die Erfahrung zeigt, daß die Wehen damit erstmal deutlich rückläufig zeichnen, um dann zwischen zwei assistenzärztlichen Tiefschlafphasen zum Geburtsfinale zu blasen. Halali – ich geh mal Cola kaufen…

Ihr da alle draußen, die ihr heute Nacht schlafen könnt – ich bin NEIDISCH!!! In diesem Sinne – Schlaflos im Kreißsaal, eure Josephine

HEUTE Nacht im Kreißsaal…

Den kompletten (Dienst-)Tag bin ich – gemeinsam mit der diensthabenden Hebamme – um eine Schwangere herum geschlichen, die im Zustand völliger EntscheidungsUNfähigkeit am Tag 14 über Termin vor der qualvollen Frage: “Sectio oder Einleitung” zu kapitulieren drohte. Frau X. (hoch differenziert, fortgeschrittenen Alters) hatte bereits in den Tagen zuvor mehrmals sämtliche Alternativen erwogen, überdacht und verworfen, war nun, kurz vor “es wird jetzt wirklich ernst” nervlich völlig am Ende und bereit, jeden mit in ihr persönliches, psychologisches Tief zu ziehen, der nicht bei drei auf dem Baum saß.

Bereits am morgen hatte ich, gemeinsam mit A., der Hebamme, eine geschlagene Stunde lang die Vorzüge der oralen Einleitung mittels Medikament XY (Off-Label-Use) gegen die sonstigen Alternativen erörtert und beleuchtet. Auch die zeitnahe Verabreichung einer KPDA, sowie die zügige Entbindung via Sectio beim Versagen aller anderen Möglichkeiten waren in Aussicht gestellt und detailliert erklärt worden. Frau X. erbat sich Bedenkzeit. Gegen 11 Uhr dann setzte sie endlich ihren Karl-Friedricht unter die XY-Aufklärung und wir verabreichten die erste Gabe der Nummer oral. Laßt die Spiele beginnen…

Der Tag schleppte sich zäh von Gabe zu Gabe, vierstündig eine halbe Tablette, bitteschön, brav schlucken. Wunderschöne Kontroll-CTGs waren die Folge – herrliche Wehenhügel auf grün-karierter Dauerblattlandschaft – von denen Frau X. nur leider keine einzige verspürte, der Muttermund weiterhin bombenfest, weit sakral und gerade mal mäusefaustdurchgängig. Das kann ja eine verdammt lange Nacht werden… Um 20 Uhr dann Anruf der Hebamme, Frau X. würde gerne über das weitere Prozedere in Kenntnis gesetzt werden – is´ nich´ wahr – leidet meine Akademikerin unter einem Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom? Ich hatte den weiteren Ablauf der Einleitung, sowie alle Alternativen, Alternativen der Alternative UND Ausweichoptionen so oft an diesem Montag erläutert, daß meine Studentin, die allen Gesprächen beigewohnt hatte, jetzt ihre Doktorarbeit über “Die übertragene Schwangerschaft – Einleitung mittels XY versus herkömmliches Procedere versus Entbindung mittels Sectio caesarea – ein Überblick”  schreiben kann…

Also stehe ich wieder im Wehenzimmer, vor mir die (nicht wirklich unsympathische – aber völlig entscheidungsbefreite) Patientin, die sich mit großen Kuhaugen erneut hingebungsvoll meinen widerwillig fließenden Monolog anhört. Das Schema sieht vor, die Einleitung alle 4 Stunden mit einer 1/2 Tablette bis zum Ablauf von 24 h weiter zu führen, dann – bei weiterhin unreifem Geburtsbefund – entweder 24 h Pause einzulegen, um der Frau ein wenig Verschnaufpause zu gönnen, oder die Geburt anderweitig zu beenden.

Nein, NOCHMAL 24 h kann sie auf gar keinem Fall warten, sie möchte dann doch bitte – danke morgen entbinden, zur Not auch mittels Kaiserschnitt. Okay, ich – größter Anhänger des klassischen Spontanpartus vor dem Herrn – bin jetzt in der Tat weich gekocht und durchaus gewillt, Frau X. stante pede auf den OP-Plan des morgigen Tages zu schreiben. Ich gebe an, noch kurz Rücksprache mit der Oberärztin halten zu wollen – die ist heute meine Hintergrund und möchte immer gerne auf dem Laufenden gehalten werden – und verschwinde zum Telefon. Die Oberärztin (große Anhängerin des ungestörten Nachtschlafes – macht sie mir doch deutlich sympathisch) rät, von der letzten (nächtlichen) Gabe Wehenmittel abzusehen, wenn denn nun schon alle Weichen auf “Sectio” stünden. Okay, seh ich ein. Find ich gut. Zurück zu Frau X., verkünden der frohen Botschaft: JETZT schlafen, MORGEN Baby.

In froher Erwartung einer zufriedenen Patientin trifft mich der geschockte Blick eben jener doppelt heftig – NEIN, DAS finde sie jetzt auch nicht gut! – WIE JETZT???? Nein, jetzt, wo sie sich doch all den Streß mit der Einleiterei gehabt habe, und doch immerhin schon einige Wehenhügel auf dem laaaangen CTG-Streifen zu finden seien, JETZT wolle sie das Ding dann doch mal durchziehen. So. Ätschibätsch. Und ob sie eine Sectio wolle, wüßte sie jetzt grad auch nicht mehr. Nee – is´ klar. Während die Hebamme neben mir heimlich in die Tischkante des CTG-Wägelchens beißt, beschließe ich, daß ich der irregeleiteten, hormonell indizierten Fehlfunktion von Frau X.s Entscheidungsfindung nichts mehr entgegen zu setzen habe und verlasse das Theater an dieser Stelle. In der Hoffnung, wenigstens noch ein paar Stündchen Schlaf zu bekommen, wandere ich gen Dienstzimmer – und laufe direkt in die nächste Hebamme (FrauVonSinnen)  samt laut schnaufender, offensichtlich hochschwangerer Patientin. Okay, dann eben nur ein bißchen dösen und fernsehen. Man kann nicht immer schlafen…

Gegen 22 Uhr klingelt das Telefon – FvS informiert mich in gewohnt lässiger Art, daß ihre Patientin ein wenig Probleme mit dem Blutdruck hätte und das CTG hin und wieder Dip 1 (aber alle mit guten Zusatzkriterien!!! Nee, is´ klar) bieten würde. Wenn VonSinnen lässig klingt, bekomm ich Kopfschmerzen. Sie ist ein wahres Wunder an Multifunktionalität, kann – mit einer Hand den Damm haltend, gleichzeitig der Frau den Sauerstoff reichend, parallel die Zange auspackend  - bei dir anrufen und fröhlich-lässig ins Telefon singen, das “CTG wäre ein wenig unschön”, ob man nicht mal einen Blick drauf werfen könnte…?!  Spätestens in diesem Moment beginnt mein Adrenalin im Schwall einzuschießen – und ich lege regelmäßig weltrekordverdächtige Kreißsaal-Sprints hin…

Ich verlasse also mein kuscheliges Dienstbett und die Vibrator-Mikrowelle, hetze mit flauem Gefühl im Magen in den Kreißsaal, wo das CTG gerade TIIIIIIIIIIIIIIIIIIEEEEEEEEFE Dezelerationen malt, während der Blutdruck der werdenden Mutter zwischen 180/100 und knapp 200/120 pendelt. Nachdem ich vorsichtshalber Beißkeil und Valium in Griffweite gelegt habe, telefoniere ich SCHON wieder mit der Oberärztin. Die ist von meiner dringenden Bitte, SOFORT ihr Bett gegen den Platz an meiner Seite zu tauschen nur wenig begeistert, verspricht aber trotzdem recht glaubwürdig, sich auf den Weg zu machen. Das CTG malt immer noch eine negative Spitze neben die andere, das Lehrbuch schreibt in diesen Fällen die MBU vor – ich schreite zur Tat. Der kindliche pH ist erschreckend gut, und mein Puls verläßt zur Abwechslung mal wieder den dreistelligen Bereich. Die Oberärztin trifft pünktlich zur Entbindung mit den Worten “was wollen sie denn – ist doch alles prima” ein, um gleich wieder zu verschwinden, und während ich fluchend die Epi versorge, frage ich mich wiederholt, ob ich nicht endlich zu alt für diesen Zirkus bin.

Meine eingeleitete Patientin ist dann heute doch noch sectioniert worden – nachdem sie sich noch gefühlte 2000 mal hin- und herentschieden hatte… ICH bin heute morgen erst mal ein paar Runden reiten gegangen – entspannt tierisch. Im wahrsten Sinne des Wortes… :)