Tag-Archiv | Diensthandy

Neulich am Telefon

OP-Handy: “Hallo??”

Ich: “Hallo, Josephine – Gyn. Wir müssen eine eilige Laparoskopie machen. Wie sieht es denn bei Euch aus?”

OP: “Ich weiß nicht – ruf mal die Anästhesie an!”

Aufleg-Anruf

Anästhesie-Handy: “Hallo??”

Ich: “Josephine – Gyn. Hi! Wir müssen eine eilige Laparoskopie machen. Wann habt ihr Zeit?

Anästhesie: “UUuuuuh – ganz schlecht! Die Chirurgen haben eine Galle in der Schleuse und die Knochenbrecher hüten einen Oberschenkelhals. Ruf die erstmal an!”

Aufleg-Anruf

Dienst-Chirurg: “HÄÄÄÄÄ?!”

Ich *wenigschnaufend*:” Jospehine hier! Wie lange braucht ihr den OP – wir haben einen akuten Bauch?!”

Chirurg: “Wir haben eine Galle!”

eins-zwei-drei-zähl…

Ich: “Ich WEISS, ich will ja auch wissen, wann ihr fertig seid…?!”

Chirurg: “Weissichnich – ruf den OP an!” Legt auf.

*Kopf ->Tischkante*

Fred vom Jupiter

Wie versprochen – die (erste von unzähligen noch folgenden) Geschichte(n) von Fred, dem neuen Kerl in unserem Team:

Fred ist Anfang Dezember zu uns gestoßen und relativ zackig war klar – Fred ist ein Kollegenschwein. Vorweg – er ist wunderlich. Freundlich ausgedrückt. Nennt man das Kind tapfer beim Namen, ist er tatsächlich ein mittelprächtiger Vollpfosten. Ächt jetzt!

Fred spricht wenig bis gar nicht. Und tut er es doch, fühlt man sich wie beim Stummfilm, denn man sieht wohl Lippenbewegungen – aber hören tut man gar nichts. Null. Niente! Lustige Geschichte aus Woche eins mit Fred? Mein Handy klingelt, auf dem Display Jupiters Namenskürzel, ich geh ran und: NICHTS! Ein wenig Rauschen auf dem linken Ohr und fertig. Ich schüttle das Handy ein bisschen hin und her, klopf es sachte aufs Patientenbett – und lausche vorsichtshalber nochmal mit dem rechten Ohr. Auch nix! Also aufgelegt. 2 Minuten später selbes Spiel – Fred klingelt an, ich geh dran – und höre GAR NICHTS!

Verflixt – die olle Gurke hat den Geist aufgegeben. Genervt renne ich also drei Stockwerke tiefer in die Technikabteilung, wo ich empört neues Kommunikationsgerät verlange. Der Techniker will aber nichts rausrücken, ohne sich vorher selbst von dem Schaden überzeugt zu haben. Also Pforte angerufen – und siehe da: GEHT! Laut und deutlich hört man Frau Pforte am anderen Ende der Leitung ihr Sprüchlein aufsagen.

Ich (hilfsbereit): “Wackelkontakt vielleicht?”

Der Technikmeister zuckt die Schultern: “Weissnich. Vielleicht. Dann musste wieder kommen. Jetzt geht das!”

Just in diesem Moment klingelt Freund Fred wieder durch und siehe da: “Siehste – GEHT NICHT!!!” *triumphier*

Herr Technik hält sich den Hörer selbst ans Ohr – Ungläubiger! - “Hallo?!?!”

Ich: “Uuuuuuund?”

Er *gerunzeltestirn*: “Es rauscht…?!”

Ich: “SAG_ICH_DOCH!!!” menno…

Er (laut): “HALLOOOOO???”….lauscht….”Sie müssen LAUTER reden!!!” ….lauscht wieder….”NOCH lauter!!!”

………..?!……………

Er (hält mir das Handy hin): “Für Sie – ein Herr Jupiter?!”

Ich: “Fred???”

Fred *nuschel*: “Ich weiß ja nicht, wer für mich zuständig ist. Aber ich muß jetzt essen gehen. Kannst du mal Visite fertig machen?” *nuschelende*

legt auf!

DAS ist Fred. Und DAS ist nur der Anfang.

To be continued…

Neulich Dienstnacht…

3.15 Uhr – Handy bimmelt!!! Dr. Josephine, völlig verstrahlt und weit entfernt von jeglichem Heldentum:

“Hmmmmmmmmmmm?!….”

Schwester Pestilenzia, weltgrößte Notaufnahme-Nervensäge zwitschert mir ein eklig falsches “Guten Mooohooorgen” in den Hörer, und während ich noch mit dem Drang kämpfe, das Telefon aus dem weit geöffneten Fenster zu werfen, säuselt es auch schon ungebremst weiter: “Dr. Josephine, ich hab hier eine Pille danach….?!”

“WAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAS?!?!?!” Wie von der Tarantel gestochen schieß ich aus dem Bett hoch und bin – Schei** Temperament – HELLWACH!!!

Es gibt Dinge im Leben, die sind nicht notwendig, nicht erträglich passabel, völlig sinnbefreit und durch nichts auf der Welt logisch zu erklären – wie z.B. Mumps, Hundekacke am Absatz, ein leeres Nutella-Glas – und PILLEN DANACH nachts um halb vier. Ich mein HALLO???? Es ist Schlafenszeit! Schon lange! Und das hier ist eine NOTAUFNAHME und nicht Praxis Dr. Frank – der Arzt, dem die poppenden Frauen vertrauen.

Ich spiele kurz mit dem Gedanken, mich einfach nochmal gemütlich ins Bett zu packen und die postkoitale Kontrazeption ein bis zwei Stündchen warten zu lassen – wenn ich “unter Geburt” wäre, müßte sie sich auch gedulden. Aber JETZT bin ich sowas von wach, und wenn ich noch zwei Stunden warte, kann ich mir die Nacht auch gleich abschminken…! Ich schäl mich also aus dem Bett und taper los Richtung Ambulanz, wo Schwester Pestilenzia mich süffisant grinsend mit “Oh – haben sie geschlafen???!” begrüßt. Nee, Schätzken, ich bin hellwach, um kurz vor halb vier ist die Hoch-Zeit meines Tages, da lauf ich erst richtig zu TopForm auf!!!!….” *MalSchnellInDieNächsteTischkanteBeiss*

Ich: “…..!?!?!??!!….” (= No Coffee – No Talk!)

Im Untersuchungszimmer sitzt bereits das Corpus Delicti in Form zweier durchaus erwachsen wirkender Menschen, die sich bei meinem Eintritt nur mit Mühe aus einer innigen Knutsch-Orgie lösen können. Sie – augenscheinlich Anfang Dreißig, in Wahrheit wahrscheinlich noch keine Mitte Zwanzig, mit grellem Make Up und in Jeans gezwängt, die so eng sind, daß ich mir nicht vorstellen kann, das sie die jemals wieder ohne operative Hilfe aus bekommt – kichert albern und zieht einen grell-lila Lippenstift aus der Handtasche, während Er – Typ Leder-Jacke-Gold-Kettchen-Ey-Alter-Was-Liegt-An – erst mal große Töne spucken muß:

“Ey, Doktor, ey kann isch bei die Untersuchung auch dabei sein?!” *GoldzahnBleck*

Ich: “…….!!!!………..” (= No Coffee – STILL No Talk)

Das Malkästchen hat bereits brav Urin abgegeben, und so werkel ich erstmal muffig und schlecht gelaunt mit meinem Schwangerschaftstest herum, bis eine gewisse Grundkonversation leider absolut nicht mehr zu umgehen ist:

Ich: “Also – sie wissen schon, daß sie hier in (m)einer Notaufnahme sitzen, dies aber mitnichten ein Notfall ist?!”

Sie: “Ähhhh – neeeeeee?!?!”

Ich: “Wann genau hatten sie denn Geschlechtsverkehr?”

Er (mit stolz geschwellter Brust): “Schon den ganzen Abend!!!”….

UAAAAAAAAH – wer genau wollte das denn so detailliert wissen????

Ich: “Und womit haben sie verhütet?!”

Sie: “Na – gar nicht! Deshalb sind wir doch hier?!….”

Ich überlege, ob ich lieber MEINEN oder doch eher IHREN Kopf gerne ein bisschen auf die Tischkante hauen möchte. Das Prinzesschen blickt mich sinnbefreit strahlend an, während Playboy wohlgefällig mit der Zunge schnalzt und seinem Bunny gönnerhaft den Arm tätschelt.

Ich: “Diese Pille muß spätestens 72 h nach Geschlechtsverkehr eingenommen werden – die Zeitspanne ist so groß, daß es völlig ausreichend wäre, sie später bei ihrem Gynäkologen rezeptieren zu lassen. Das hier ist KEIN Notfall und nächstes Mal werden sie auch mitten in der Nacht kein Rezept mehr bekommen!”

Er (meine gerade getätigte Ansage völlig ignorierend): “Sach mal, Doktor – wie ISS das eigentlisch mit die Eisprung – datt hab isch nämlisch noch nie kapiert…?!”

Ich schließe kurz die Augen und zähle still bis 10 – dann drück ich Bunny ihr Rezept in die Hand und verlasse grußlos den Ort des Geschehens. Wenn ich mich jetzt schnell ins Bett lege, hat das alles vielleicht gar nie statt gefunden…

Neulich am Diensthandy, Teil II…

*HandyKlingelt*

Ich: “Dr. Josephine am Apparat – hier werden sie geholfen!”

Sie: “Kreuzschmerzen!!! Ich hab immer noch KREUZSCHMERZEN!!!” *brüll*

Ich: “???????????????????????”

Sie: “Und dabei nehm ich die schon seit zwei Wochen nicht mehr!!!” *schnauz*

Ich (noch ein bisschen freundlich): “Okay – ich bin die diensthabende Ärztin der Klinik “AllesWirdGut”, Wer sind Sie und Was nehmen sie schon seit zwei Wochen nicht mehr?!”

Sie: “Und die Frauenärztin hat gesagt, daß käme nur von der grantigen Zyste!!!”

Ich: “?????????????????????????????????????????????????????????????????”

Sie: “Und die andere Frau im Krankenhaus hat das auch gesagt, aber wenn ich das doch nicht mehr nehme – wo kommen dann die Schmerzen her????! *rumpamp*

Ich (völlig desorientiert): “Okay, ganz langsam – sie heißen???…”

Sie: “Na – Frau XY!!!!” *schrei*

Ich (es dämmert): “Sehr schön – weiter im Text – sie sind Brustkrebspatientin, haben gerade Chemotherapie und seit zwei Wochen Kreuzschmerzen – richtig?”

Sie:§”$=”§($(%$(§%”!”§)§)%UUE(W)$%U()()” *schimpf*

Ich (streng): “Frau XY – ich kann jetzt grad auch nix dafür, aber ich versuche ernsthaft ihnen zu helfen, also reißen sie sich mal ein bisschen zusammen, und hören auf, mich wüst zu beschimpfen, das kann ich nämlich auf den Tod nicht ausstehen! Was zum Teufel hat es mit dieser grantigen Zyste auf sich – ist die für ihre schlechte Laune zuständig, oder war das vorher schon so?!…

Sie (bisschen ruhiger): “NEIN – das Medikament heißt so: Grantige Zyste!”

Ich (unsicher…): “Sicher…?!”

Sie (im Brustton der Überzeugung) “1000 Prozent sicher!!!”

Ich (blättere stirnrunzelnd die Rote Liste durch): “Granu Fink – nee. Granisetron – auch nicht! DAAAAAAAAAAAA!!!” *JubelFreuHüpf* “Frau XY – sie bekommen Granocyte!” (Medikament bei chemotherapie bedingtem Abfall der weißen Blutkörperchen)

Sie (grummelt): “Ja – sach ich doch – grantige Zyste! Und die macht mir Kreuzschmerzen!”

Jepp, ist richtig. Aber Gott sei dank hat der liebe Gott ja zeitgleich das IbuProfen erfunden. Und nächste Woche machen wir noch ein schönes, kleines Röntgenbild, damit Frau XY bald wieder gut schlafen und auch weiterhin schlecht gelaunt auf meinem Diensthandy anrufen kann. Gut, daß wir mal drüber geredet haben…!