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Angelina Jolie lässt sich vorsorglich die Brustdrüsen entfernen…

“Angelina Jolie lässt sich aus Angst vor Krebs beide Brüste amputieren!”

Dieser Satz geistert aktuell durch die weltweite Presse und viele werden – das Bild dieser sagenhaft schönen Frau vor dem geistigen Auge – erst einmal reflektorisch die Luft anhalten. Wie jetzt – Angelina Jolie OHNE BRÜSTE?

Nein! Denn was die Presse erst im Kleingedruckten preisgibt: Mrs. Pitt wird mitnichten brustlos durchs weitere Leben schreiten. Und da ich davon ausgehe, dass ein nicht geringer Anteil des Brangelina-Vermögens in eben jene Operationen eingeflossen ist, wird wahrscheinlich weder Laie noch Fachmann auf Anhieb erkennen, das die neuen Brüste nicht mehr die alten sind.

Und hier liegt jetzt nämlich auch der Fehler zumindest der deutschen Presse-Leute: Amputiert heisst in der Regel: Abgeschnitten, weggeworfen. Tutti-kompletti – und hinterher fehlt da eben etwas. Bei einer “beidseitigen, subkutanen Mastektomie”, also Entfernung des Brustdrüsengewebes OHNE die darüberliegende Haut sieht man aber hinterher nur unwesentlich mehr (bzw. weniger), als nach einer normalen Brustvergrösserung: Im Bereich der unteren Brustfalte, der Achsel oder der Brustwarze (je nachdem, wer den Eingriff durchgeführt hat!) wird ein Einschnitt gemacht, durch den man das komplette Brustdrüsengewebe entfernt. Anschließend wird (oft mit Hilfe eines zusätzlichen Muskels, der zumeist aus dem Rückenbereich mobilisiert und nach vorne gebracht wird) das nun fehlende Volumen aufgefüllt. Zusätzlich kann noch ein Implantat eingesetzt werden, welches den Aufbau vervollständigt.

Ordentliche Wundheilung und einen guten Operateur vorausgesetzt (und ich bin mir sicher, dass Angelina einen der Besten hatte) wird man zumindest im bekleideten Zustand quasi nichts mehr von dieser Amputation sehen.

Was die Massen in den nächsten Wochen jedoch nicht davon abhalten wird, mal genau hinzuschauen – arme Angelina…

Weshalb nun dieser Artikel? Nun, weil mir folgendes doch ein wenig sauer aufstösst: Mrs. Jolie hat sich für diesen Schritt entschieden, da ihre Mutter nach zehnjährigem Kampf im Alter von 56 Jahren an einem Mamma-Ca verstorben ist. So steht es im Interview geschrieben. Woraufhin die Tochter sich auf eine bekannte, Brust- und Eierstockskrebs hervorrufende Genmutation (BRCA1 und -2) untersuchen liess, welche tatsächlich positiv ausfiel.

Wieviele Frauen werden sich jetzt brustlos durch die nächsten Jahrzehnte wandern sehen, weil auch sie eine nahe Verwandte an den Brustkrebs verloren haben? UN_GLAUB_LICH viele! Dabei macht diese Genmutation gerade mal 8,5 – 10 Prozent an der Gesamtbrustkrebsrate aus. D.h. nicht jeder Fall von Brustkrebs in der Familie ist automatisch genetisch bedingt.

Dennoch bin ich sicher, das unfassbar viele Frauen in den nächsten Monaten aufgelöst bei ihren Gynäkologen verstellig werden, mit der Frage nach Testung auf o.g. Gendefekt. Der nicht gerade günstig zu bekommen ist, wenn man eben NICHT zu besagtem Risikokollektiv gehört. Und auch nicht immer wirklich sinnvoll…

Und gerade deshalb fände ich persönlich es besser, mit einem solchen, sehr öffentlichen Fall vorsichtiger umzugehen. Den Frauen zu sagen, das EINE Frau über 31 Jahren im engeren Verwandtenkreis (Mutter, Großmütter, Geschwister, Tanten. Nicht Cousine fünften Grades oder die Schwägerin der Nachbarin) noch lange kein Anzeichen für ein erhöhtes Risiko darstellt. Und das Amputation nicht gleich Amputation heisst.

Aber dann wäre die Schlagzeile ja nur halb so tragisch und keiner wollte sie mehr lesen…