Tag-Archiv | Blondie

Wie basteln wir uns einen Dienstplan?

Wer noch nie an einer medizinischen Dienstplanung teilgenommen hat, weiß nicht, wie gut das Leben es eigentlich mit ihm meint. Denn das ist tatsächlich eines der wenigen Dinge, die ich an meinem Job abgrundtief hasse.

Es beginnt damit, das der Dienstplan-Assi an einem beliebigen Morgen zwischen dem 1. und 31. des jeweiligen Monats mit dem völlig jungfräulichen Plan des Folgemonats in der Frühbesprechung aufschlägt, woraufhin erst einmal allgemeines, hektisches Suchen nach dem Kalender los geht. Wann hatte nochmal Tante Erna Geburtstag? Findet der Elternabend für Kind klein am 3. oder 4. Mittwoch statt? Und wann ist der Mann auf Geschäftsreise?

Mittlerweile gibt es ja gottlob das iPhone, welches den aktuellen Kalender bis einschließlich 2087, alle Schul- und Gattenkorrespondenzen sowie die jeweiligen Feiertage bereit hält.

Feiertage kennen ist nämlich essentiell wichtig, denn hastu-nicht-gesehen schiebst du zu Christi-Himmelfahrt Dienst, obwohl du doch eigentlich mit diesem Donnerstag-Dienst ein langes Wochenende kaufen wolltest. Und alle grillen ohne dich! Dumm gelaufen!

Aber zurück auf Anfang – Wilma, die Frau mit dem Dienstplan – kommt also wild mit dem leeren Papier wedelnd herein geschneit und Hektik bricht aus, bis die Übergabe vorüber und der Chef verschwunden ist. Anschließend wird oben beschriebene Erst-Hektik augenblicklich durch Chaos abgelöst, den jeder Assi versucht lautstark mitzuteilen, an welchen Tagen er auf gar keinen Fall Dienst zu  machen gedenkt. .

Blondie hat mal wieder ihre Kunstgriffel generalüberholen lassen und da diese keinerlei Kontakt mit Sterilium vertragen, sind die ersten drei Wochen des kommenden Monats völlig Dienst-Indiskutabel. Sagt sie und schlägt unschuldig ihre 15mm-Kunst-Wimpern nieder.

“Vergiss es, Blondie!” raunze ich genervt “Der Monat hat 31 Tage, du zwei gesunde Hände und wenn du mit denen keine Dienste machen willst, musst du Harz IV beantragen, sorry!”

Ich bin es nämlich ein ganz klein wenig leid, mir dieses ewige “Ich kann hier aber nicht – ich will da gerne nicht – und überhaupt in keinem Fall mehr als einen Dienst” anzuhören. Früher gab es solche Mätzchen nicht, da hat der Dienst-Assi die Tage mit dem Würfel vergeben und alles was übrig war, durfte er selbst machen. SO war das, als Medizin noch Ehrenvoll war. Jawoll!

Also quälen wir uns erst einmal durch die 5 Wochenenden, die der kommende Monat zu bieten hat. Und das ist wirklich harte Arbeit. Ein, zwei, drei Frei- und Sonntage gehen gerade so weg. Blondie nimmt den erstbesten Samstag, in der Hoffnung, zwei Dienste weniger als Bonus zu kassieren. Pah, kannste vergessen, Tussi!

Bambi schaut immer wieder betrübt von ihrem Blümchen-Kalender auf den noch leeren Plan und murmelt wirres Zeug. “Zumba” und “Yoga” höre ich sie sagen. Aber immerhin sind nach drei verdrückten Tränchen und zwei Dutzend Stoßseufzern schon mal 6 Dienste weniger zu besetzen.

Wilma ist ein kleines Miststück – man kann es leider nicht anders sagen – und versucht immer noch, sich nebenbei alle Donnerstage unter den Nagel zu reißen.

“Oh – ich kann diesen Mittwoch nehmen! Und diesen Freitag. Den Freitag auch!” Sagt sie – und trägt statt der besagten Tage dreimal Donnerstag ein. Schwupp-di-wupp, keiner hat´s gemerkt. Denn Donnerstage bedeuten lange Wochenenden. Freitag frei – alles prima.

Aber Wilma hat die Rechnung ohne Blondie gemacht, die zwar faul, dafür aber ähnlich bösartig veranlagt ist. Somit bekommt Wilma auf ihre drei langen Wochenenden noch einen Sonntag und zwei Freitage. Ällebätsch, verarschen ist hier nicht.

Oleg, mein schüchterner, polnischer Kollege übernimmt weitere 7 Dienste, ich habe mich – Teilzeit sei dank – an 4 Tagen eingeschrieben – bleibt Rest 3.

Hm – irgendetwas stimmt hier nicht, denke ich, während ich den Kollegen dabei zuschaue, wie sie versuchen, sich unsichtbar zu machen. Wieso sind das diesen Monat so elend viele Dienste – wo wir doch gar nicht so übel besetzt sind?!

“HAAAAAH!!!!” Ein lauter Schrei durchdringt die Stille – und verdattert schauen wir Wilma hinterher, die wie von der Tarantel gestochen durch den Übergaberaum flitzt und dann in der hintersten Ecke stehen bleibt – den Dienstplanbleistift anklagend in die Dunkelheit gestreckt. “Komm raus da! Du hast noch keinen einzigen Dienst im nächsten Monat!”

Und aus der Ecke gekrochen kommt – Fred Vom Jupiter! Und sieht kein bisschen schuldbewusst aus. Höchstens ziemlich enttäuscht.

“Aber ich weiss doch gar nicht, ob ich schon für Dienste zuständig bin!” mault er. Und muss dann tatenlos mit ansehen, wie insgesamt 7 ungeliebte Dienste auf ihn verteilt werden. Denn immerhin das ist so, wie es schon immer war – wer versucht sich zu drücken, bekommt das, was vom (Dienst)Tage übrig bleibt…

Internistische “Leichen im Keller”…

Okay, auch wenn ich mir sicher bin, daß das jetzt für Unmut bei dem ein oder anderen internistisch orientierten Leser geben wird  – am Montag war ich echt sprachlos ob eines stattgehabten Patientenswitchs Innere -> Gynäkologie. Vorweg, die Frau, um die es sich handelt, ist 73 Jahre alt und wurde wegen ich-hab-keine-Ahnung-warum (es gab bei Übernahme der Frau weder eine mündliche, geschweige denn schriftliche Übergabe…) stationär auf der Inneren aufgenommen. Das war vor gut 2 1/2 Wochen. An Tag X (keine Ahnung, wann genau – Grund siehe vorhergehender Satz) wurde bei Frau T. eine fragliche Peritonealkarzinose und reichlich Aszites festgestellt. Soweit, so gut. Nun ist Aszites ja recht häufig mit Ovarial-Ca´s vergesellschaftet, also hat man – nicht unclever – ein CT sowie ein gynäkologisches Konsil gefahren, was zwar das Ovarial-Ca nicht bestätigt, aber auch nicht wirklich ausgeschlossen hat. Der spezifische Tumormarker war mäßig erhöht, aber auch das kann ja bekanntlich alles und nichts bedeutend. Jedenfalls einigte man sich schlußendlich darauf, die Frau zu übernehmen und zu operieren.

Am vergangenen Samstag (warum eigentlich SAMSTAG???) fand nun also gegen 10 Uhr morgens der Umzug auf unsere Station statt, um 10.15 Uhr wurde die diensthabende Kollegin erstmals von der Schwester angerufen – Frau T.s Blutzuckerspiegel läge bei 35, die Frau sei deutlich eingeschränkt, klage über Übelkeit und Brechreiz – was zu tun sei? Schnegge verordnete Glucose 10% und ließ nachfragen, wie denn das letzte Labor ausgesehen hätte? Nun – die letzten Blutwerte seien eine Woche alt…?! Schnegge schüttelte ungläubig ihr blondes Haar, kam dann brav auf Station geeiert und nahm Frau T. Blut ab – nachdem sie ihr erfolgreich einen neuen Zugang gelegt hatte. Wobei – was heißt neu, Frau T. HATTE noch gar keinen Zugang…

Keine halbe Stunde später erneutes Telefongebimmel – die Schwester ließ entsetzt nachfragen, ob Blondie schon einen Blick auf die Laborergebnisse geworfen hätte? Hatte sie nicht, tat sie jedoch gleich, und bekam Augen groß wie Untertassen:

Kreatinin 4,4 mg/dl (Normwert: 0,5 – 1,1 mg/dl)

Kalium 8 mmol/l (Normwert 3,5 – 5,0 mmol/l)

CRP und Leukos seeeeeeehr hoch (keine Antibiose, nix…) und auch die

Gerinnung war völlig out of order

Schnegge war – verständlicherweise – GEREIZT. WAS  genau hatten die Freunde zweieinhalb Wochen lang mit dieser Frau getrieben? Und warum zum Geier wurde sie in quasi nicht-operationsfähigen Zustand auf die Operative verlegt? Fragen über Fragen, die ihr der diensthabende Internist auch nicht wirklich beantworten konnte. Sein einziger Kommentar zu diesem Thema: “SO können sie die Frau aber NICHT operieren!!” – Ach neee – sag bloß…?! *indietischkantebeiss*

Schlußendlich haben wir sie dann Dienstag DOCH operiert (nachdem der Oberarzt der Monster-Visiten-Zunft zerknirscht zurückgerudert ist  und die Frau halbwegs OP-fähig gemacht hat) – und da wurde die Geschichte dann richtig traurig: Beim Öffnen des Peritoneums kam uns schon ein ganzer Schwall übel riechender, grünlich-brauner Aszites entgegen, nachdem wir das meiste weggesaugt hatten, wurde der Blick frei auf eine 5cm dicke, verbackene, steinharte Tumorplatte, die sich aus den Überresten von Netz, Dünndarm, Sigma und Ovarien zusammensetzte. Der ganze Bauchraum voll mit Metastasen – Bauchwand, Zwerchfell, Leber, Blase, alles…

Nachdem wir verschiedene Proben genommen hatten, haben wir schweren Herzens wieder zugemacht. Aber egal, wie man es dreht und wendet – da war nichts zu machen. Selbst mit heroischen Absichten wären wir nie und nimmer auf Tumorrest unter 1cm gekommen, hätten dafür jede Menge Darm und einen Großteil der Blase entfernen müssen – was in keinerlei Verhältnis zum Ergebnis gestanden hätte (kein Benefit für den Patienten…). Jetzt gilt es Daumen drücken, daß zumindest die Chemo anschlägt… :(

Doppelschicht!!!

Okay, DAS ist mir in 4 Jahren Assi-Dasein auch noch nicht untergekommen – ich schiebe Dienstag-Mittwoch-Donnerstag eine Doppelschicht. Grund: Chronische Langeweile und absolute Unterforderung mit Kind(ern), Haus, Hund, Katze und Pferd!

Nee, Spaß gemacht  – es ist (wer hätte das gedacht?! *Ironieon*) der deutschlandweite Ärztemangel, der mir vier Dienste in 6 Tagen beschert! Das Problem (bis zum umfallen in diversen Vor-Einträgen durchlamentiert): wir sind schlicht und ergreifend zu wenig Kollegen.Den Dienstplan hat Dr. Klitschko noch schnell zusammengezimmert, bevor er sich klammheimlich ins Frei verabschiedet hat, ohne Rücksicht auf ein mögliches Leben außerhalb der Klinik (für die Kollegin und mich) und ohne auch nur mal kurz Rücksprache mit uns gehalten zu haben. Jetzt hat Schnegge Samstag, Montag, Freitag, Samstag, Sonntag, und ich eben Sonntag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag. Ich kann gar nicht so viel essen, wie ich gerne brechen möchte.

Der Chef ist stinkesauer, weil sein Altassi ihn mit “Jaja, Chef, das klappt alles ganz wunderbar!” in das dünne Mäntelchen der Sicherheit geschlagen und dann gnadenlos im Regen geparkt hat. Aber egal wie wir es drehen und wenden – es gibt für diese Woche keine andere Lösung. Und den Rest des Monats haben wir jetzt mal alle hübsch ordentlich verdrängt, denn wenn wir anfangen, darüber auch noch nachzudenken, müssen wir Omeprazol-Pharmaceutics aufkaufen, um der Magengeschwüren auch nur annähernd Herr zu werden…

So, also hatte ich gestern schonmal Sonntag-Dienst, welcher ganz okay war – bisschen Ambulanz, bisschen Station, garkein Kreißsaal – und einmal den Aufschneidern ausgeholfen. Bei dem Patient handelt es sich um einen grenzdebilden (sorry, ist aber so) Anfangs-Fünfzigers mit fraglich akutem Schub seiner bekannten Wirbelsäuleerkrankung. Ich klopfe also ein bisschen auf der Wirbelsäule herum “AUA!!!”, versichere mich obendrein, daß die Beschwerden an Intensität und in Qualität so sind, wie bei vorhergehenden Schüben auch, schließe Symptome eines Bandscheibenproblems aus und schicke den Knaben nach einlaufen lassen eines netten kleinen Schmerzcocktails mit Verhaltensanweisungen und der Vorgabe, sich Montag beim behandelnden Kollegen einzufinden, nach Hause.

Um 22.30 sprech ich noch mit einem unglaublich netten kleinen Türken über die Myomentfernung seiner geschätzt fünfzehnjährigen Frau, die kein Wort deutsch versteht, aber am Montag für eine Lap-Myomenukleation auf dem Plan steht, und bin völlig fasziniert von der Tatsache, daß die Patientin tatsächlich 20 Jahre älter ist, als von mir geschätzt…

Nach diversen Kleinigkeiten hier und da liege ich um 0.30 Uhr seelig und müde in meiner Dienstkoje und schicke eine inbrünstige Bitte nach ruhiger Nacht gen Himmel, als ich auch schon eingeschlafen bin. Bis…………. – um 1.45 Uhr meine Lieblings-Frau-Von-Sinnen telefonisch den knappen Nachtschlaf beendet, und mir faktisch zwei Schwangere aufs Auge drückt:

Frau L., 4. Kind, Zustand nach Kaiserschnitt beim letzten Mal, geplant für Re-Sectio am kommenden Dienstag mit beginnendem Geburtsbestreben UND

Frau H., 1. Kind, auch Geburtsbestreben und kein schönes CTG.

Na Super!!! Ich informiere die übliche Nachtschicht-Kaskade: Anästhesie, OP-Personal, Hintergrund, und schlurfe Richtung zweiten Saal. Wie es der Zufall will, ist die Frau auch noch privat, d.h. ich frier mir quasi nur fürs assistieren den Hintern ab. Einziger Lichtblick: der Chef hat Hintergrund, d.h. ich muß keine stundenlange Überzeugungsarbeit leisten (die OÄ will nachts schon gerne mal ausdiskutieren, WARUM sie jetzt eigentlich kommen soll…. *schnauf*) und gut gelaunt ist er obendrein. Also schaukeln wir mit ein bisschen netter Musik und in Gesellschaft zweier Lieblings-OP-Schwestern das eilige Sonntagskind ans Licht der OP-Lampe, und ich bin schon fast selbst gut gelaunt, als das Diensthandy unser trautes Beisammensein prompt beendet:

Die Ambulanz läßt wissen, daß sie einen dringenden Fall für mich hätten, ob ich schnell mal kommen könnte – das heißt, noch nicht mal Bauch zunähen ist heute für mich drin, die gute Laune schwindet so schnell, wie sie gekommen ist. Ich trete ab, und melde mich umgehend bei der diensthabenden Internistin. Was ich jetzt zu hören bekomme, läßt mich schlagartig wach (und RICHTIG sauer) werden:

Dr. Darm berichtet, sie hätte gerade eine Patientin mit linksseitigen Unterbauchschmerzen im Status Epileptikus herein bekommen, ob ich mir die wohl mal anschauen könnte?!”

Ich (verwirrt): “Woher wissen sie denn, daß die Frau Bauchschmerzen hat, wenn sie am Krampfen ist?!”

Sie: “Das hat der Mann mir berichtet. Und Halsschmerzen hat sie außerdem!!!”

Ich (sparsam): “Da kann ich jetzt aber garnix für…?!” – Ob ich mir die Frau denn mal anschauen könnte??

Ich: “Wo liegt die Gute und wie geht es ihr gerade und habt ihr da, wo ihr seid, ein Ultraschallgerät mit Vaginal-Sonde???”

Sie: “Wir haben sie jetzt mal auf Intensiv gebracht (kein ganz schlechter Gedanke…), sie ist halt ein bisschen agitiert und hat Diazepam bekommen (im Hintergrund höre ich es schwer röcheln) und – nee, Sono haben wir nicht..!”

Ich (gaaaaaaaaaaaanz ruhig)” Und wie soll ich die Frau denn dann untersuchen???

Sie:”Na, sie können doch den Bauch abtasten und mir dann eine gynäkologische Ursache ausschließen…!?”

Nee, is´ klar – leg doch der Frau einfach das TELEFON auf den Bauch, dann mach ich es gleich!!!!!    Kopf -> Tischkante

Erst der Chef persönlich kann die eifrige, kleine Internistin dann überzeugen, daß die Krampfpatientin derzeit wohl ganz andere Sorgen hat, als eine gynäkologische Grunduntersuchung mittels Hand auflegen und Kaffeesatz lesen.

Zurück im Kreißsaal hat Frau-von-Sinnen meine Erstgebärende wieder ans CTG gebastelt und das grützegrüne Kariert-Papier zaubert augenblicklich eine Dezeleration nach der anderen auf den sich windenden Streifen. Uhrenvergleich: Es ist 3.30 Uhr! Der Chef macht vor seinem Abtritt einen kurzen Schlenker über den Kreißsaal, verzieht beim Anblick der Herztonkurve das Gesicht und verschwindet mit einem leicht gedrückten “wenn was ist – sie wissen ja, wo ich bin!!!” Richtung Heimat und Bett.

Heimat würde ich auch gerne, aber immerhin zwei kurze Stündchen Matratzenhorchdienst sollten doch noch drin sein, also schleich ich zurück in mein mittlerweile (klar) ausgekühltes Dienstbett, und hab noch kaum den Kopf aufs Kissen gebettet, als Frau von Sinnen schon wieder in meiner Leitung steckt: Das CTG wird nicht wirklich schöner, ob ich mal schauen könnte…  – Jepp, kann ich, aber ob das was an der Tatsache ändert…?! Das CTG ist naaaajaaaaaaaaaaaaaaa…. lauter frühe Dezelerationen mit guten Zusatzkriterien. Aber glücklich macht es mich nicht. Die PDA der Patientin sitzt gut (klar – immer wieder selbes Spiel: frühe PDA, schön fett hoch gespritzt, rückläufige Wehentätigkeit, und dann haben wir den Salat… *grummel*) und wir beschließen, ein bisschen Druck zu machen – also Tropf dran und schauen, was passiert. Es passiert – was ich befürchtet habe, daß CTG wird schlechter. Also MBU – schauen, ob das Kindelein noch Reserven hat und um wenigstens einigermaßen zu wissen, WO wir stehen. Das Prozedere ist ein Kraftakt in zwei Teilen – der kindliche Kopf noch Jott-Wee-Dee, sodaß ich mit meinem Siffon-Spekulum kaum ran komm, immer wieder schiebt sich Muttermundslippe vor das schwer routierende Köpfchen, und das Astrup-Röhrchen verweigert wie immer die Blutaufnahme. Irgendwann ist es dann doch geschafft, pH 7,31, BE -1 – damit können wir ein bisschen leben. Die Wehen kommen und gehen jetzt ist rascher Folge, also treten wir erst mal vorsichtig auf die Bremse (Basist-Tokolyse – also Wehenhemmung in ganz kleiner Dosierung) und gleichzeitig aufs Gas (Oxythocin- macht schöne Wehen)! Hört sich kontraproduktiv an, hilft aber ganz oft, die Wehentätigkeit ein bisschen einzuspielen.

Für kurze Zeit sieht auch alles ganz gut aus, die kindliche Herzfrequenz erholt sich erfreulich, Frau von Sinnen und ich atmen tief durch.

3/4 Stunde später – selbes Spiel von vorne. Herztöne nicht mehr schön – also nochmal MBU. Die verratzt jetzt aber die Hebamme, weil sie irgendeine komische Taste am Astrup-Gerät gedrückt hat. Es kommt ein Wert heraus, der vorne und hinten gar nicht stimmen kann – pH 7,26, BE -12, pCO2 68 – beginnende metabolische Azidose. Nicht gut. Eine neuerliche Messung ergibt dann pH 7,24, BE und pCO2 hat sie dieses Mal vorsorglich GAR NICHT mitgemacht – ich würde sie gern eine Runde durchschütteln. Lustigerweise erholt sich das CTG jetzt aber wieder so deutlich, daß wir beschließen HOP oder TOP: Oxy auf und ab dafür!

Und – was soll ich sagen? Keine halbe Stunde später entbindet Frau H. ein wunderschönes, kleines Mädchen über intaktem Damm, Apgar 9-10-10, pH 7,26, Base Excess -2!!!

Die machen mich manchmal ächt fertich, die Knirpse!!! Es ist 6.30 Uhr, schnell einen Kaffee, bisschen Visite, Übergabe um 9 – und dann nix wie ab nach Hause. Der nächste Dienst kommt ganz bestimmt….!!!

Long time no see…

…ihr Lieben,

ich bin noch da!!! Hurra! Aber irgendwie kam ich die ganze Zeit nicht wirklich zum schreiben. Der Gründe hat es viele, doch bevor ich anfange, euch zu langweilen, steig ich mittig ins Geschehen ein: mit dem heutigen Dienst. Willkommen im Arbeitswochenende!!!

Dieses fing schon insofern traumhaft *hust* an, da Dr. Malucci heute mein Hintergrund ist. Wie konnte das passieren, fragt ihr euch? Ja, ich mich auch…! Der Chef weilt auf Fortbildung an einem fernen Ort, meine Oberärztin fröhnt irgendeinem Familienfeste, Oberarzt zwei hat gerade ausnahmebedingt Urlaub, und so blieb in unserem kleinen Hause nur noch der letzte Mann mit anerkanntem Facharzt übrig: Malucci, die faule Socke.

Als ich das Haus um 12 Uhr betrete, fällt mir Schnegge – vor Dankbarkeit über mein Erscheinen fast weinend – in die Arme, drückt mir einen riesigen Aktenstapel und eine nicht minder große ToDo-Liste in die Hand, um sich dann mit erleichterndem Aufseufzen vom Acker zu machen. Es sei ihr gegönnt, schließlich war sie den morgen über mit Dr. Ich-kann-alles-und-mach-gar-nix allein auf weiter Flur, was bedeutet, das sie die komplette Visite UND die Ambulanz UND die Chemos gänzlichst im Alleingag gemacht hat – während Malucci sich in aller Seelenruhe bis Viertel vor Drei die **** geschaukelt hat, um sich dann geruhsam aus dem Staub zu machen. Auch schön.

Ich hab dann erstmal 4 Patientinnen entlassen und die passenden Briefe diktiert, im Anschluß aus einer “Verdacht-auf-Blasensprung”- eine “Vorzeitiger-Blasensprung”-Schwangere gezaubert, selbige einkassiert und aufgenommen, bevor ich eine dreiviertel Stunde damit zubrachte, einer völlig unterbelichteten Erstgebärenden den Sinn der täglichen CTG-Kontrolle bei Übertragung näher zu bringen. Nachdem sie mich die ganze Zeit über völlig sinnbefreit angestarrt hatte, meinte sie zum Abschluß meines Monologes lediglich: “Abba i moag heit fei scho noch in dr Sonnen liegen!!!”… *arrrghl*

Die nächste Schwangere ist 17, kommt diese Woche zum fünften Mal (!!!) mit fraglich vorzeitigem Blasensprung (28. SSW….) in unsere Ambulanz und will auch heute nicht verstehen, daß wir das Kind nur aufgrund eines nicht bestätigten Verdachtes (Amnicheck negativ) keinesfalls jetzt schon auf die Welt holen können – auch wenn sie dreimal keine Lust mehr auf Schwanger und dicken Bauch hat. Maulend zieht sie von dannen, und ich bin mir sicher, der nächste Besuch wird nicht lange auf sich warten lassen…

Im Kreißsaal geht es derweil munter weiter:

- ein unglaublich sympathisches Pärchen, sie Erstgebärende über Termin mit riiiiiiiiiiiieeeesigem Bauch (aber auch riiiiiiieeeeesige Frau und nicht minder riiiiiieeeesiger Mann) mit tatsächlichem Fruchtwasserabgang am Morgen aber ohne Wehentätigkeit, und

- nicht minder sympathisches, aber deutlich weniger massiv gebautes Duo, kein Blasensprung, dafür aber mit Wehentätigkeit – beide Schwangeren befundmäßig weit entfernt von Gut und Böse (geschweige denn Entbindung)… – and last but not least

- türkisches Ehepaar mit Blasensprung und Wehentätigkeit, Muttermund bis auf Saum vollständig, Köpfchen tief auf Beckeneingang.

Gegen 17 Uhr haben OsoleMia und ich eine wunderschönes, dunkelhaariges Baby über intakten Damm geboren und zum Dank vom Papa des Kindes umgehend eine Mega-Großfamilien-Bestellung Mac Dreck erhalten, welches wir schwesterlich mit Obelix (weitere Lieblingshebamme) teilen, während wir ausführlich alle möglichen Lästerthemen durchhecheln. SO kann Dienst immer sein – die milde Abendsonne fällt hübsch gülden durch die halb geschlossenen Jalousien des Kreißsaalbesprechungsraumes, während wir genüßlich Burger und Pommes in uns hinein mümmeln und mit reichlich C.ola hinunter spülen. Erst gegen 19 Uhr bimmelt das Diensthandy erneut und wir lösen die Runde schweren Herzens auf.

Jetzt ist es 19.35 Uhr, ich werde mich ein wenig vor die Kiste werfen, in der Hoffnung, noch ein wenig Entspannung vor der freitäglichen Abend-Notfall-Runde zu bekommen. Und ein bisschen Daumen drücken – für zwei schöne Entbindungen und eine ruhige Nacht. Sonntag dann mehr!

Same shit – different day….

Donnerstag. Vollmond. Alles irre…

Der Tag beginnt mit einem laut weinenden Kind männlich (MEINEM laut weinenden Kind männlich), der mich kurzfristig darüber nachdenken läßt, ihn mit in die Klinik zu schleifen um ihn dort dem chirurgischen Chefarzt vorzustellen. Grund: der Kerl  hat Bauchweh, linksseitig, punktuell, und Übelkeit, “daaaaaaaa” *wildüberdenhalswedel* und blass ist er auch. So. Mein Problem: bei meinen Notfallpatientinnen dauert es mittlerweile geschätze 30 Sekunden, bis ich einigermaßen zuverlässig beurteilen kann, ob sie ein akutes Abdomen, eine Magen-Darm-Grippe, Mittelschmerz oder einfach nicht mehr alle Latten am Zaun haben. Mein Mittelkind ist aber erstens männlich (wie war das nochmal bei denen so unterhalb der Gürtellinie?!…), zweitens auch jetzt schon ein echter Kerl (Stichwort: gemeingefährlicher Männerschnupfen… !) und drittens mein Kind, will sagen – auch nach einer halben Stunde Untersuchung, drücken hier und palpieren da, hab ich nicht die leiseste Ahnung, was Sache ist. Und das, obwohl ich HIER die komplette Anamnese schon intus habe. Es könnte alles so einfach sein…

Und wie immer, wenn es sich um ein pädiatrisches Konsil für meinen Nachwuchs handelt, frage ich den einzigen Menschen, dessen Urteil ich ungesehen und uneingeschränkt vertraue: MEINEN MANN. Den IT-MANAGER…*hust*!!! Mädels, ich sag euch, wenn ihr Mutter seid könnt ihr euer medizinisches Wissen jeden Tag getrost in der Klinik lassen, packt es hübsch zu euren Kitteln und Fachbüchern, ihr werdet es Zuhause nicht brauchen, denn ihr könnt es an eurer eigenen Brut ja sowieso nicht anwenden!!! Ätschibätsch! Und wenn es ganz dumm läuft, auch nicht an euren Männern, Geschwistern, besten Freunden, Eltern, Großeltern. Ist so. Plöde Geschichte.

Aber zurück zum Thema: nachdem der Vater das Kind als nicht lebensgefährlich erkrankt eingestuft und  mich sanft aber energisch vor die eigene Haustür gesetzt hat, setz ich mich tapfer ins Auto und fahre zur Arbeit. Hätt ich nicht machen sollen. Ist nicht gut für die Nerven…

Es beginnt mit unserem Dienstzimmer, welches schon seit Wochen renoviert werden soll, zu diesem Zweck schon vergangene Woche von uns leer geräumt wurde, und seitdem in trostlosem Stillstand vor sich hin dämmert. Der Chef will neues Mobiliar für uns, wir wollen neue Farbe an den Wänden, aber beides ist noch nicht genehmigt. Da aber die Genehmigung erst eingeholt werden konnte, nachdem das Zimmer leer geräumt war, sitzen wir jetzt wie die Nonnen im Kloster mit Bett, Stuhl und Tisch auf kargen 15 qm Abstellraum. Und weil das so gehörig auf die Stimmung schlägt, trägt jeder klammheimlich sein Lieblingsstück zurück ins Zimmerchen, mit dem Ergebnis, das es hier jetzt aussieht, wie auf der Baustelle: Mikrowelle, Fernseher, und Computer geben sich ein Stelldichein mit Kaffeemaschine, zwei paar Schuhen (getragen), einem Spekulum (UNBENUTZT) und einem angebissenen Stück Kuchen (unbekannter Herkunft). Und das alles auf zwei Quadratmetern Schreibtisch. Das Bett steht quer in der Zimmermitte, HINTER dem Schreibtisch, sodaß man Nachts schon arg aufpassen muß, im Tran nicht gegen das Tischchaos oder alternativ: den Schrank zu rennen.

Und weil es ja sowieso so übel aussieht, hält es auch keiner mehr für nötig, seinen Kram noch irgendwo hin  zu räumen – und lädt weiter fleißig alles auf dem sich biegenden Schreibtisch ab. Somit hängt mein Arm gerade in Schnegges Krümelteller, während ich mit der Maus Kreise um Mallucis Bananenschale ziehe. Eklisch…

Aber das war erst der Anfang – auf der Entbindungsstation hat meine *achtungironie* Lieblingsschwester Clementine Dienst – 63 Jahre geballtes Kinderkrankenschwesterwissen, und immer noch von Tuten und Blasen keine Ahnung! Clementinen eine Lieblingsbeschäftigung ist Essen, die Zweite: Telefonieren. Und so bringt sie einen jeden diensthabenden Arzt mit zweiminütigen, unverständlichen (weil mit vollem Mund vorgebrachten) Lapidaranrufen zur Strecke. SO zum Beispiel:

“Frau Doktor, Patientin XY kommt jetzt bald in den OP – geben sie ihr den Aufklärungsbogen, oder ich????”

“Frau Doktor, Patientin AB soll nach dem Frühstück in die Ambulanz kommen – sie hat jetzt gefrühstückt – soll sie jetzt kommen????”

auch gerne genommen – Nachts um halb drei:

“Frau Doktor, Frau CD kann nicht schlafen, kann ich ihr eine halbe Schlaftablette geben?” – “Clementine, das steht doch schon in der Kurve, daß sie die haben darf!!!” – “Nee, da steht, sie darf eine GANZE haben, sie will aber nur eine halbe….?!” *indietischkantebeiss*

Echt wahr – die Frau macht mich fertig. Klassisch ergänzt wird sie heute von Frau Planlos, einer sehr netten, aber leider völlig kopflos arbeitenden Ambulanzschwester, die vor allem Angst hat, was medizinisch ist: Spritzen, Blutentnahmen, Wundspülungen, Verbandswechseln. Und so greift sie jederzeit sofort zum Telefon, wenn eine drohende Konfrontation mit einem der o.g. Dinge am Horizont erscheint. Mit dem Ergebnis, das wir Ärzte zum Stationsalltag auch noch die Ambulanzroutine übernehmen dürfen. Ich möchte bitte-danke ein bisschen weinen.

Nach einem halben Tag proppevoller Ambulanz, 6 stationären Aufnahmen, einer Entbindung, einem gynäkologischen Konsil um 18.15 (Blutung aus der Scheide bei Frau ohne Gebärmutter – und die Internisten haben sich ernsthaft gewundert, daß es eben KEINE Blutung aus der Scheide war… *seufz*) sitz ich nun hier in meiner kleinen, trostlosen Ramschkammer, muß noch mindestens 20 Bürokratiebögen (von Hand!!!!!) ausfüllen, zwei OP-Berichte und 5 Entlassungen diktieren, hab immer noch nichts gegessen – und bin EXTREM SCHLECHT GELAUNT!!! Und was passiert? Das Telefon klingelt! Und nein, es sind weder Frau Planlos noch Schwester Clementine, es ist der Nicht-Medizinergatte, das Kind hätte jetzt, nach einem Tag voller Zwieback, Tee und Harry-Potter-Hörbuch, wieder vermehrt Bauchweh, er gibt es jetzt auf, und bringt die Primadonna vorbei.

Darf ich bitte, bitte einen neuen Tag haben????….

Nachtrag 20.30: der Gatte und Kind Männlich sind wieder wohl behalten Zuhause – mein Lieblingschirurg hat zweimal den Bauch abgetastet, mir einen wissenden “Mütter-ich-versteh-schon-Blick” zugeworfen, und meine Männer mit Schmerzmitteln sowie Anweisung für Bananenzwieback und Wärmflasche nach Hause geschickt. Hatte Dr. IT heute morgen auch schon so ähnlich ordiniert… – naja, Hauptsache alles gut… *ggg*

Nachtrag Freitag, 2.35 morgens: Das Telefon klingelt und reißt mich unsanft aus meinem Nachtschlaf: Clementines “kleine Schwester” (will heißen: selber Typ aber 20 Jahre jünger), heute im Nachtdienst, gibt mir weiter, “Frau H., die Frau mit Kaiserschnitt von vor-vorgestern hat gaaaaaaanz schlimme Schmerzen an der Naht” – ob ich mal dringend schauen kommen könnte?!… Also schäl ich mich aus meinem warmen Bettchen und trabe los zur Entbindungsstation, wo in Zimmer 4, munter und gesprächig, eine junge Frau das komplette Bett ausfüllt, mich freundlich begrüßt, und mir ihren (immer noch) riesigen Bauch schonmal ausgepackt hat. Ich begutachte die Narbe – und die sieht gut aus! Ich taste –  und es tastet sich gut.  Ich frage die Frau, wo genau sie Schmerzen habe – und was bekomme ich zu hören?! – Schmerzen seien es eigentlich keine, es sei nur UNANGENEHM beim Aufstehen…

Mit der strikten Anweisung, heute Nacht NICHT MEHR aufzustehen, verlasse ich Frau H.s Zimmer und begebe mich ohne Umwege zurück in mein Dienstzimmer. Denn wenn ich jetzt Klein-Clementine über den Weg laufe, dann kann ich wirklich für nichts mehr garantieren….

ISCH KOMM NISCH MEHR HINTERHER…

Okay, aufgepaßt  – akutes, absolut medizinfremdes Herumgejammere (wer diesen Teil gerne überspringen möchte, steige ein paar Absätze weiter unten wieder ein… :)): ich komm gerade zu gar nichts mehr! Ernsthaft!

Die Kinder hatten zwei Wochen Ferien, und ich eine davon mit ihnen. Will heißen: wir tauschen die Schulzeitfahrerei (Klavier, Karate, Ballett, Schwimmen, Tennis, Reiten…) gegen die Freizeitfahrerei (Freunde besuchen, Schwimmbad, Reithof, immer noch Tennis) sowie diverseste andere “Kleinigkeiten” (Fenster putzen, Garten sommerfein machen, Terrasse schrubben, Gartenmöbel schrubben, Liste-beliebig-erweiterbar) und ein bißchen Freizeitstress. Die gesamte letzte Woche ging eigentlich für Zeit am und ums Pferd herum drauf (was ja super ist, weil ich es gerne mache und gerne dort bin) – aber es zwackt halt empfindlich viel zusätzliche Zeit meiner sonst schon so kostbaren 15 Stunden Tagesablauf ab. Und das nervt.

Chef meinte am Montag: “Sie sehen irgendwie erholt aber gehetzt aus…?!” Und so fühl ich mich gerade auch. Gehetzt. Verfolgt. Pistole auf der Brust.

Sommer ist toll, es gibt nichts schöneres, als nach Monaten tristem Einheitsgrau das Leben plötzlich aus jedem Strauch explodieren zu sehen, wenn der Kaffee plötzlich wieder am allerbesten in der Morgensonne schmeckt und das Bier in der lauen Abendluft. Aber wer bitteschön erledigt all den zeitraubenden, ungeliebten aber absolut notwendigen Mist drumherum? Wer mäht mein Gras, jätet mein Unkraut, räumt Winterklamotten aus und Sommerklamotten in die Schränke? Wer besorgt Rasendünger und Rasennachsaat und düngt und sät mir dann auch? Und warum muß so ein Frühjahrseinbruch eigentlich so brutal TEUER sein? Nehmen wir die Kinder: ich war letzte Woche Kinderschuhe kaufen – 6 Paar Sommerschlappen für läppische (haltet euch fest): 300 Öcken. Und das war mitnichten weder Gucci noch Chanel, noch nicht mal Naturino (für die Eltern unter den Mitlesern ;)) – aber die Brut wächst stetig weiter, und zwar in rasender Geschwindigkeit, was bei den Jungs jeweils eine, beim Mädel sogar zwei Nummern pro Fuß ausmacht :-0. Da kannste die Schuhe vom Vorjahr komplett in die Tonne kloppen. So. Und von kurzen Hosen, Shirts und haste-nicht-gesehen will ich erst gar nicht anfangen – da ist leider auch schon wieder alles viel zu klein…

Und damit nun die Überleitung zum eigentlichen Blogthema: MEDIZIN!!! (hier kann nun gerne jeder einsteigen, der mit Haus, Hof und Nachfahren nicht allzuviel am Hut hat… ):

Um den familiären Wahnsinn zumindest in Ansätzen mitzufinanzieren, geh ich ja nun nebenbei noch arbeiten (mein ehemaliger Oberarzt hat mich immer “Hobby-Gynäkologin” genannt – auch sehr charmant… *grmpf*). Und da Dienste ja bekanntermaßen das Budget zumindest ein bißchen anheben, verbringe ich diese Woche quasi komplett in der Klinik: den ersten Dienst hab ich bereits hinter mir, zwei weitere folgen Freitag und Sonntag (erwähnte ich es bereits – ich HASSE Wochenenddienste…). Und gestern morgen haben wir es doch tatsächlich fertig gebracht, LANGE, LANGE  vor dem nächsten Ersten des Monats den Dienstplan auf die Beine zu stellen (also – zumindest für unsere Verhältnisse lange – normalerweise zimmern wir das Teil am morgen vorher notdürftig zusammen, um es dann bis zur Monatsmitte noch drölfzig Mal willenlos zu revidieren). Und es war gestern SO einfach, daß es schon fast unheimlich war: Ruck-Zuck hatten wir die 30 Tage unter Dach und Fach, und das, obwohl sich die zweite neue Kollegin irgendwie alle Wochenenden und Feiertage unter den Nagel gerissen hat…

Nächstes Stichwort: neue Kollegin. Nach Dr. Multisozialversagens Weggang (ich berichtete mehrfach *ggg*) hat Cheffe in wahrhaftiger Rekordzeit einen neuen Mann und eine Frau eingestellt – beide mit längerer bis langjähriger Berufserfahrung, beide somit schon was älter *hust* und mit Kindern mittleren Alters wahrscheinlich auch außerhalb der Fortpflanzungsphase. So weit, so gut. Kollege eins ist fleißig, seeeeeehr gesprächig, ein wenig sehr von sich überzeugt, aber erträglich. Und macht Dienste.

Die Kollegin – heimlich “Schnegge” getauft – hat bereits nach einer Woche gezeigt, wo ihre ganz große Stärke liegt: im Arbeit-aus-dem-Weg gehen. Sieht aus wie folgt: 4-6 Dienste pro Monat (mehr geht nicht, wegen der (15 und 17 jährigen) Kinder), keine Feiertagsarbeit (Ostern – jaja, die Kinder halt, Christi Himmelfahrt wegen ihres Mannes, weil der ja schließlich Vater ist, Pfingsten sowieso nicht, da ist das Wetter immer so toll) – und überhaupt hat sie für Juli/August drei Wochen Urlaub eingetragen, ungeachtet der Tatsache, daß dort bereits drei (von sieben) Kollegen im Urlaub sind. Wir hatten uns vor Schnegges Eintritt ein wenig gewundert, warum sie in 2 Jahren insgesamt 6 Mal das Haus gewechselt hat – jetzt wundern wir uns nicht mehr.

Nun denn – diesen Monat hat sie noch Schonfrist, ab dem nächsten Dienstplan wird dann aber zurück geschossen :)

Ich genieße jetzt noch ein wenig das schöne Wetter – bevor morgen wieder die Kaltfront zuschlägt. Freitag dann mehr – aus dem hoffentlich ruhigen Dienst…!