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Advent, Advent, die Hütte brennt…

“Josephine?”

*whisper* “Waaaas?”

“Josephine!”

*sehrleisewhisper* “Waas iss…?!”

“JOSEPHINE!”

“Herrgott noch eins, OsoleMia, ich bin NICHT DA! Siehst Du das denn nicht?”

Ich ziehe eine weinerlich Schnute und raffe den grünen OP-Mantel enger um meine Schultern.

“Ich sehe dich in der Gebärwanne hocken. Körperlich durchaus anwesend, aber ich muss zugeben, dass ich mir über deinen geistigen Zustand gerade nicht wirklich im klaren bin!” doziert die kleine, graulockige Hebamme böse. Ihre Fussspitze klopft ungeduldig auf den gefliesten Badezimmerboden.

“Ich bin müde!” jammere ich wehleidig “Und ausgelaugt. Und überarbeitet. Und…”

“Papperlapapp!” entschlossen greift Soli jetzt nach der Duschbrause und hält sie mir drohend, mit der Wasserspritzenseite, entgegen, als wolle sie sie mir gleich über den brummenden Schädel ziehen “Jammern war gestern, heute ist Dienst. Raus aus der Wanne!”

“Das ist nicht wahr! Gestern war AUCH schon Dienst. Und Samstag vor drei Tagen. Donnerstag. Letzten Montag!…”

Wütend zähle ich die Tage des Grauens herunter, während ich missmutig aus der Wanne klettere. Doch da ist die kleine Italienerin auch schon geschäftig davon gewuselt, hinaus, in die unendlichen Weiten des nächtlichen Kreißsaales, zu wehenden Müttern und leise tuckernden Herztonüberwachungsmaschinen. Ich seufze tief. Ein und aus.

“Josephiiiiiine!” höre ich sie von Ferne rufen.

“Ich komm ja schon!” murmel ich böse. Dann schlurfe ich lustlos zu Tür hinaus.

Du weisst, dass Du dringend mal wieder Urlaub vom Arzt-Job brauchst…

10. …wenn Du mehr persönlichen Kram in Deinem Dienstzimmer deponiert hast, als Zuhause im Wohnzimmer!

9. …wenn die Nachtschwester dich zu Schichtbeginn mit einem freundlichen “Wie war dein Tag, Liebling?” begrüsst.

8. …wenn die Küchenhilfe genau weiss, was du am liebsten isst und wie du deinen Kaffee trinkst.

7. …wenn du deine Gäste mit den Worten: “Hallo – was haben sie denn für Beschwerden?” begrüsst.

6. …wenn du nachts im Pyjama in den Kreissaal und tagsüber im OP-Kittel in den Supermarkt gehst.

5. …wenn du zwar genau sagen kannst, wie man am schnellst von Station 8B über das Labor, die Röntgenabteilung und an der Cafeteria vorbei nach internistisch 3F kommt, Zuhause aber schon seit Wochen die Waschküche nicht mehr gefunden hast.

4. …wenn du versuchst, die Apgar-Werte deiner halbwüchsigen Kinder zu bestimmen

3. …wenn du der schwangeren Nachbarin im Garten nebenan dringend ein CTG anlegen möchtest.

2. …wenn du deinen Mann nur noch mit “Guten Tag, Chef” begrüsst.

Und ganz sicher weisst du, dass du dringend mal wieder Urlaub vom Arzt-Job brauchst, wenn…

1. …du am Wochenende, pünktlich um 9 Uhr, zur Visite in den Zimmern deiner Kinder aufschlägst!

Hypnose-Kröte! Oder: Das “Who is who” chirurgischer Operationssäle…

So – nachdem jetzt von mehreren Seiten Bedenken bezüglich des Urheberrechts kamen, habe ich diese wunderbaren Text – der, wie ich gerne erneut und ausdrücklich wiederholen NICHT von mir, sondern dem Kollegen Hypnose-Kröte stammt, dessen Blog leider nicht mehr existent ist – wieder heraus genommen. *EwigerSchachtelsatzOff*

Hypnosekröte – komm wieder! Ich glaube, Du bist super :)

Schuld waren immer die Mormonen…

Frau Blümig, 156 cm klein, 145 kg schwer, Typ II Diabetes, Bluthochdruck mit vaginaler Blutung, obwohl sie schon vor einigen Jahren sicher in den Wechseljahren angekommen war. Deswegen jetzt in Chefarzt Böhnleins Privatambulanz gelandet.

Frau Blümig: “Wissensie, Härr Schäffarzt, habe ich immär so Hitze und Wallung und dann kommt das Blut immär wiedär, wissensie, Härr Schäffarzt?”

Chefarzt Böhnlein (freundlich): “Das hängt alles auch ein bisschen mit ihrem Gewicht zusammen – sie müssten dann mal ganz dringend einige Kilo abnehmen, damit das alles wieder einigermassen in die Reihe kommt!”

Frau Blümig (treuherzig): “Abär wissensie, Härr Schäffarzt – Tochtär sagt: ist nicht Gewicht, was machen mir die Probläme – das sind einfach nur die Mormonen…!”

Na, dann ist ja alles klar… :)

Gerücht oder Wahrheit

In den Antworten auf mein letztes Blogpost wurde mir mal wieder klar, dass es noch viele ungeklärte Dinge zwischen medizinisch tätigen Menschen und Schwangeren samt deren Umkreis gibt. UNGLAUBLICH viele Dinge! Hier der Versuch, ein wenig Licht in diese unendliche Diskussion zu bringen… :)

Gerücht: Frauen werden gezwungen, während der Geburt auf dem Rücken liegend zu entbinden!

Wahrheit: Die meisten Frauen landen früher oder später freiwillig auf dem Rücken! Und zwar völlig ohne Zwang durch Hebamme oder Geburtshelfer(in). Wenn ich für jedes Wort, dass ich gegeben habe, um eine Schwangere zum Entbinden in den Vierfüssler zu bekommen, oder auf den Hocker, oder wherever – einen Euro bekommen hätte, ehrlich, ich bräuchte nie wieder arbeiten gehen!

Gerücht: Alle Frauen bekommen aus lauter Bosheit/ Langeweile/ dümmlicher Bürokratie Blut abgenommen und Braunülen gelegt!

Wahrheit: Über das Blut kann man eventuell streiten, solange die Frauen tatsächlich eine komplett unkomplizierte Schwangerschaft hinter sich haben. Manchmal ist es jedoch gar nicht schlecht, auch bei solchen Frauen ein Vergleichslabor zu haben. Zum Beispiel bei vorzeitigem Blasensprung, um rechtzeitig eine aufsteigende Infektion abzuschätzen. Oder weil der Anästhesist zum Legen der PDA gerne noch mal auf die Gerinnung geschaut hätte. Was die Braunüle angeht – ja, die meisten Frauen brauchen sie nicht. Aber wer schon einmal bei einer Frau im akuten (Blutungs)schock, oder kurz vor Notsectio versucht hat, schnell-schnell eine Viggo (= venöser Zugang) zu legen, oder wer weiss, wie lange es dauern kann, dieses vermaledeite Ding drin zu haben, wenn sich die kindlichen Herztöne gerade im Sinkflug befinden und man leider keine Bolus-Wehenhemmung spritzen kann, der ist auch bei diesem Thema eher unumgänglich…

Gerücht: Alle Frauen können ohne PDA entbinden!

Wahrheit: Stimmt! Oder besser gesagt: alle Frauen könnten ohne PDA entbinden. Haben unsere Vorfahrinnen immerhin tausende von Jahren hindurch getan. Die Wahrheit ist: es gibt immer noch mehr als genug Schwangere, die partout NICHT ohne PDA entbinden WOLLEN! Die schon nach dem Anästhesisten brüllen, bevor sie überhaupt den Kreißsaal erreicht haben. Die weder in die Badewanne noch laufen noch hocken noch sonst etwas wollen – NUR Schmerzstillung. Denen kannst Du die Geschichte vom Pferd erzählen, oder dich auf den Kopf stellen und mit den Ohren wackeln – völlig egal! Die sind absolut unzugänglich für jedwede Zuwendung.

Gerücht: “Im Krankenhaus kann AUCH viel schief gehen!” (Bezug nehmend auf Hausgeburt vs. Krankenhausgeburt)

Wahrheit: Bei Geburten schlechthin kann IMMER etwas schief gehen. Es gibt keinerlei Garantie auf komplikationsloses Entbinden, egal, wie schön die Schwangerschaft davor war, wie groß oder klein das Kind, wie oft Mama schon geboren hat und wann und wie. Geburt ist wie spazieren gehen auf der Autobahn (DANKE für diesen Vergleich :)), aber wer im Krankenhaus entbindet, spaziert im von der Polizei abgesicherten Bereich. Selbstverständlich kann auch da jederzeit ein verrückter Raser oder ein schlafender Brummifahrer in einen hineinkrachen, aber die Wahrscheinlichkeit, dass es gut geht, liegt einfach deutlich höher!

WENN bei einer Geburt im Krankenhaus etwas schief geht, dann ist es meist menschliches Versagen – weil keiner gemerkt hat, wie schlecht es dem Kind geht. Weil zulange zugewartet wurde. Gefahrensituation nicht erkannt, etc. pp.

Wenn bei einer Hausgeburt etwas schief läuft, dann ist es oft Schicksal: Vorzeitige Lösung, Nachblutung, Kind passt nicht, Nabelschnurvorfälle – so etwas eben. Dinge, die für die hohe Säuglingssterblichkeit der vergangenen Jahrtausende verantwortlich waren. Ich habe schon etliche Geburten miterlebt, wo das Kind tatsächlich nur deshalb wohlbehalten zur Welt kam, weil man eben die Möglichkeit hatte, binnen Minuten einen Kaiserschnitt durchzuführen. Weil der Nabelschnurknoten sich zugezogen hatte. Oder der Mutterkuchen vorzeitig gelöst war. Oder die Nabelschnur vorgefallen. Undenkbar, wenn man in solch einer Situation erst mit der Frau in den Rettungswagen müsste, dann ins Krankenhaus, dann in den OP, dann Anästhesie….

Ich bin kein Gegner der Hausgeburt – wer es möchte, darf es gerne tun. Aber man muss sich einfach darüber im klaren sein, das ein größeres Restrisiko für Komplikationen besteht, als bei einer Krankenhausgeburt. Klar – wenn es gut geht, sind alle froh, aber wehe, es passiert etwas…

Gerücht: Ärzte machen gerne Kaiserschnitte.

Wahrheit: Jein. Ärzte operieren vielleicht gerne – aber mal ernsthaft: eine Sectio ist nach dem gefühlt zwanzigsten Mal nicht mehr so richtig spannend. Also – vom operativen Anspruch her. Okay – Anfänger finden das noch super, aber die finden es auch super, einen Eiterpickel so richtig mit örtlicher Betäubung und scharfen Löffel aus dem Hintern zu prockeln. Da wird alles, was nicht bei drei aus dem Haus ist, operiert. DIE dürfen aber noch garnicht alleine entscheiden, ob sectioniert werden soll und wenn ja, ob SIE auch operieren dürfen. Fakt ist: etliche Frauen kommen und WOLLEN eine Sectio. Wegen des schönen Geburtsdatums (6.6., 7.7., 8.8., usw), der Wetterlage, des Gatten Urlaub, des Sternzeichens, oder auch simpel weil “kein Bock mehr!”.

“Und wenn SIE das nicht machen, dann gehen wir eben ins Krankenhaus ans andere Ende der Stadt!” – Jawoll, ist recht! Sieht leider nicht jeder Chef so, denn…

Gerücht: …Sectiones bringen mehr Geld als Spontangeburten

Wahrheit: Stimmt! Aber wenn überhaupt, hat nur der Chef etwas von dieser Regelung. Und heutzutage eigentlich auch nicht mehr wirklich, denn die OPs werden über das Haus abgerechnet und beeinflussen das Chefgehalt nur in Bezug auf den Privatpatientenstatus. ICH zumindest habe noch nie einen Gehaltsscheck erhalten, auf dem “Zweitausend Euro Extra-Zahlung wegen zahlreich durchgeführter Kaiserschnitte” gestanden hätte…

Gerücht: Gynäkologen sind schnell mit der Sectio bei der Hand, wenn es was schwieriger wird.

Wahrheit: Das Showbiz ist ein gefährliches Pflaster. Und es gibt Situationen, in denen nicht klar ist, wie die ganze Nummer ausgeht. Beispiel: Kleine Frau, bisschen muckelig, erstes Kind, 4000 g geschätzt. Geburtswege eng. Jetzt ist nach langem hin und her der Muttermund vollständig, aber das Köpfchen noch SAUWEIT hoch. Dafür wird das CTG gerade seltsam, die PDA lässt nach und Frau schreit nach Entbindung. Was jetzt? Ziehen oder schneiden? Die Frau will spontan, allerdings JETZT und SCHNELL und am besten auch noch ganz schön schmerzfrei. Aber was, wenn die Glocke abreisst? Die Schulter stecken bleibt? Wenn das Köpfchen gar nicht tiefer kommt? Oder tiefer kommt, und man DOCH sectionieren muss? Wer schonmal ein Köpfchen von Beckenboden zurück auf Sectio-Höhe geschoben hat, der weiss, wie unangenehm das ist. Vor allem für das Kind…

Und wenn man dann doch von unten probiert und es geht schief und dem Kind passiert etwas? DANN wird geklagt. Weil man doch der Arzt ist. Und es besser hätte wissen müssen. Und die Frau unter Geburt sowieso völlig entscheidungsunfähig ist. SUPER ist das – und im Zweifel steht man mit einem Bein IMMER im Knast…

Gerücht: Einmal komplikationslos geboren – IMMER komplikationslos geboren!

Wahrheit: Ähm ja – einmal auf der Autobahn spazieren gegangen und beim zweiten Mal trotzdem überfahren worden…

Gerücht: Je mehr Kinder eine Frau geboren hat, desto unkomplizierter wird alles

Wahrheit: Leider nicht. Das Risiko einer steckenbleibenden Schulter oder schlimmen Nachblutung steigt tatsächlich mit der Anzahl der vorausgegangenen Geburten.

Gerücht: Es gibt keine geplanten Kaiserschnitte an Wochenenden und Feiertagen, außerdem auf gar keinen Fall nach 16 Uhr, weil Ärzte faule Arbeitsverweigerer sind.

Wahrheit: Jein! Es gibt diese geplanten Sectiones tatsächlich nicht innerhalb o.g. Zeiten. Was aber nichts mit ärztlicher Verweigerung zu tun hat (schließlich sectionieren wir ja auch ungeplant an Sonn- und Feiertagen) sondern damit, dass außerhalb der regulären OP-Zeiten eben nur die Notbesetzung da ist. Und zwar nicht nur bei uns, sondern auch im OP und bei der Anästhesie. Und die alle haben hin und wieder tatsächlich auch anderes zu tun – wie Unfallopfer operieren. Oder gestürzte Rentner. Platzende Blinddärme, Darmverschlüsse, Knochenbrüche. Ja, es gibt auch ein Leben ausserhalb des Kreißsaals!

Gerücht: Das Geburstpersonal in jeder beliebigen (deutschen) Klinik ist schlussendlich nur darauf aus, es den Schwangeren so unangenehm wie möglich zu machen! Hinterrücks überfallen wir die wehrlosen Frauen mit Nadeln und Zugängen, werfen sie aufs nächste Kreißsbett, wo sie in Rückenlage gefesselt und ans CTG gekettet werden. Nach spätestens zwei Stunden erfolgt die Überführung in den OP, wo schnellstmöglich ein Kaiserschnitt durchgeführt wird. IMMER in Vollnarkose. Anschließend hauen wir unsere durch diese heimtückische Aktion unfair erworbenen Millionen in der Kneipe gegenüber auf den Kopf.

Wahrheit: Okay – ihr habt uns durchschaut… ;)

OH_MEIN_GOTT! Oder: man lernt doch niemals aus…

…frau auch nicht!

Gestern bin ich über DIESEN LINK *KLICK* gestolpert: ACHTUNG!!! Hier werden Bilder einer Wassergeburt gezeigt. Nicht, dass jemand jetzt versehentlich auf meiner Homepage gelandet ist und vielleicht kein Wasser sehen kann oder so… ;)

Aber zurück zum Link und oben genannter Seite – ich gebe zu, ich war ein bisschen baff. Und habe beim anschauen der Bilder gemerkt, wie sich mir in wohligem Grusel die Nackenhaare stellen. Nicht, weil ich das Gesehene nicht gut finde – DAS weiss ich noch gar nicht genau, wie ich es finde. Nein – weil ich mir vorstelle, wie es ist, bei solch einer Zwillings-Beckenendlagen-Geburt der verantwortliche Arzt zu sein. Verzeihung: Zwillings-Beckenendlagen-HAUSgeburt! Also zwei Babys, beide falsch herum, mit dem Po zuerst, und in der heimischen Badewanne.

OKAY – ich HABE es mir überlegt. Ich hätte Angst. Was sage ich da – Panik hätte ich! Panik in Großbuchstaben. Denn mir würden permanent Horrorfilme vor meinem inneren Auge herunterlaufen – Kopf von Baby 1 bleibt stecken. Kopf von Baby 2 bleibt stecken. Babys verhaken sich ineinander und keines wird geboren. Frau blutet. Nicht nur ein bisschen – Frau blutet viel. Uaaaaaaaah…. *InPanikWegrenn*

Versteht mich nicht falsch – ich finde es TOLL, die Bilder und wie sanft und schön alles aussieht. Und die gute Frau sitzt da ja jetzt auch nicht allein herum – eine Hebamme war dabei, eine Hebammen-Assistentin, eine Hebammenschülerin, eine Doula UND ein Arzt. In der Badewanne dann noch der Mann und hinter der Linse der Fotograf.

Aber wenn ich jetzt NOCH mal drüber nachdenke… *UAAAAAAAAH* – ich renn dann lieber. Solche Sachen sind nichts für konservativ erzogene, deutsche Gynäkologen-Schisshasen. Die meisten Chefs bekommen hierzulande ja schon Schnappatmung bei ganz normalen Einlings-Beckenendlagen-Entbindungen IM Krankenhaus. Aber zwei! daheim! in der Badewanne!!!…

Whatever. Was ich Euch damit sagen wollte?

Mein Name ist Josephine und ICH bin ein Schisshase :)

P.S.: Die Familie ist übrigens extra von Florida nach North Carolina gezogen, um diese Geburt so durchziehen zu können. Hat man auch selten, dass eine Schwangere so 1000% weiss, was sie will…!

Friede und Schwachsinn…

Ein beliebtes Instrument medizinischer Fachabteilungen ist das “Konsil”. Wikipedia sagt dazu, ein Konsil sei “die patientenbezogene Beratung von Ärzten (…) durch einen entsprechenden Facharzt.

Auf gut deutsch: Ich habe da eine Patientin auf der Gyn liegen, mit – sagen wir mal – FUSSPILZ. Jetzt fühle ich mich nicht in der Lage zu sagen, ob Frau Hammerzeh tatsächlich Fusspilz hat, oder doch eher diabetische Füsse. Oder Nagelpilz. Oder ganz was anderes (leckeres…).

Also schreibe ich auf einen (extra dafür vorgesehenen) Konsil-Zettel, um welche Frau es sich handelt, was ich meine an der Patientin diagnostiziert zu haben, dass ich mir aber nicht sicher bin, ob meine Diagnose stimmt, und der dermatologische Kollege sich die ganze Nummer doch bitte mal selbst anschauen soll. Der kommt dann auch irgendwann zwischen jetzt gleich und drei Tage nach Entlassung der Frau mit seiner Notfall-Ration Kortison… – Verzeihung: Pilzsalbe vorbei, und schreibt auf denselben Zettel, ob ich Recht hatte, oder nicht. Und wie man weiter therapieren soll.

DAS ist eine konsiliarische Vorstellung. Und die kann man für jede nur denkbare medizinische Fachrichtung durchführen. Wobei z.B. rechtsmedizinische Konsiliare nur sehr selten gefordert werden, aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.

Die Großmeister der konsiliarischen Anforderungen sind in fast allen Kliniken dieser Welt die Psychiater. Das mag zwei Gründe haben: psychiatrische Patienten sollen, bzw. wollen gerne beschäftigt sein. Und zwischen Morgengespräch, Mittagssitzkreis und Abend-Ergo ist eben immer noch genug Leerlauf, den es zu überbrücken gilt. Der zweite Grund – und das behaupten jetzt nur böse Zungen, ich würde mich nie soweit aus dem Fenster lehen wollen *hust*: Die Kollegen der Psychiatrie haben in den Jahren ihrer therapeutischen Tätigkeit – nun, sagen wir es einmal so: die Grundsätze klinischer Medizin ein wenig aus den Augen verloren. Anamnese erheben (klinische Anamnese, wohlgemerkt! Nicht die Frage nach dem aktuellen Gemütszustand oder so etwas), körperliche Untersuchung – die Basics eben.

Und so treibt das konsiliarische Wesen in diesen Abteilungen schonmal seeeeeehr seltsame Blüten. Wie jener Schein, der kürzlich im Konsilfach unserer Abteilung lag:

Konsilanforderung für Frau Jungblut, 33 Jahre alt, psychiatrisch stationär wegen akuten Schubes ihrer bekannten Depression

Patientin nimmt seit drei Jahren regelmässig die Pille ein. Blutung damit regelmässig alle 28 Tage. Keine Schmerzen, Pille wird gut vertragen.  Zur Zeit kein Kinderwunsch. Letzte gynäkologische Untersuchung vor 3 Monaten beim Frauenarzt: alles in Ordnung. Erbitten gynäkologisches Konsil!

Ich (am Telefon): “Hallo? Kollegin Bleuler? Ich habe gerade den Konsilschein für Frau Jungblut gefunden…!”

Bleuler (offensichtlich hoch erfreut, mich zu hören): “Ja. JA! Frau Jungblut. Depressive Patientin. Schön! Wann kann sie denn kommen?”

Ich (bemüht freundlich): “Warum soll die Frau denn überhaupt kommen? Sie schreiben doch: Keine Beschwerden, keine Schmerzen – letzte Untersuchung beim Frauenarzt vor 3 Monaten okay?”

Bleuler (liebenswürdig): “Nun – ich habe ihr gesagt, dass das gar nicht sein kann, dass man als Frau in ihrem Alter MIT Pille völlig beschwerdefrei ist. Und nachdem wir da ausführlich drüber gesprochen haben fiel ihr ein, dass sie vor Jahren immer so Bauchschmerzen hatte, wenn sie ihre Tage bekam. Vielleicht können Sie mal nachschauen, ob alles in Ordnung ist!”

Kopf -> Tischkante!!!