Ich bin nicht “die Intellektuellen”…

“Warum bin ich eigentlich nicht “die Intellektuellen”?

“Bittäää?” Irritiert blickt Herr Chaos mich über die Frühstückszeitung hinweg an, als hätte ich gefragt, ob er gerne nackt durch den Garten laufen würde.

“IN_TEL_LEK_TU_ELL! Binnich nicht. Aber warum? Ich habe schließlich Abitur, einen ordentlichen Hochschulabschluss, bin promoviert – da sollte man doch meinen, dass ich auch ein kleines bisschen intellektuell sein könnte!”

Der Mann grunzt. Kein Wunder, 9 Uhr morgens und zwischen Kaffee und Wirtschaftsteil der Zeitung hängend ist die denkbar schlechteste Uhrzeit, Herrn Chaos Fragen zu Intellekt oder sagen wir: Weltfrieden zu stellen.

“Alles klar, Josephine? Vielleicht solltest du noch ein Nutella-Brötchen nehmen?”

“Pfft – du willst ja nur, dass ich vor lauter Schokocreme die Klappe halte. Was ist jetzt mit meinem Intellekt?”

“Herrjeh, Jo, mit deinem Intellekt ist alles völlig in Ordnung! Du hast studiert, promoviert, approbiert – was WILLST du eigentlich?”

Ja – was will ich eigentlich? “Die Intellektuellen” sind Menschen, die Kafka nicht nur lesen, weil der Lehrer im LK Deutsch 2 sie dazu zwingt, sondern weil sie schon immer mal in die Tiefe kafkaesken Schaffens abtauchen wollten. Die samstagabends nicht in die Kneipe um die Ecke gehen, sondern zum Tee trinken ins Literaturcafe. Und zu Studienzeiten stets mit Mohairschälchen (Männer) umher gelaufen sind, bzw. Socken strickend (Frauen) in Vorlesungen zum “Seinsbegriff des späten Schellings” sassen. Als Intellektueller liest du das Feuilleton der FAZ und nicht den “Sprockhöfeler Tagesboten”, die ersten 10 Programme des Fernsehers sind mit Sendern wie “ARTE”, “ZDF Kultur” und dem “Ersten” belegt und in ihren Bücherregalen (groß wie die New York Public Library) steht kein einziger Autor, der nicht mindestens den Nobelpreis gewonnen hat.

Versteht mich nicht falsch – das ist TOLL! ICH wäre auch gerne intellektuell – aber ich SCHAFFE es einfach nicht! Mein Lieblingsprogramm ist der Sender, auf dem in wunderbarer Regelmässigkeit “How I Met Your Mother” und “The Big Bang Theory” läuft, ich liebe Krimis von literarisch nicht wirklich erwähnenswerten Menschen und billige Klatschzeitschriften (die ich aber ausschließlich auf dem stillen Örtchen lese…).

Ich gehe lieber auf ein tolles Konzert als in die Oper und äusserst ungern ins Theater. Und wenn ich wissen will, was Kafka mir mit “Das Urteil” sagen wollte, muss ich es bei Wikipedia nachlesen. Müsste ich, was ich nicht will, da ich Kafka nicht wirklich leiden kann – frühkindliches LK-Deutsch-2-Trauma wahrscheinlich.

Kurz und gut – ich bin ein examinierter, promovierter, approbierter Kulturbanause, quasi der Prolet unter den Akademikern.

“Ich bin NICHT die Intellektuellen!” rufe ich dem Gatten meine Erkenntnis entgegen und spucke dabei enthusiastisch Nutella-Brötchen-Stücke über den Tisch.

Dieser schaut lediglich mit hochgezogener Augenbraue dem Flugbrot hinterher, dann mich an und meint trocken “Wen schert´s – ich lieb dich trotzdem” – bevor er wieder hinter dem Wirtschaftsteil der FAZ verschwindet…

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69 thoughts on “Ich bin nicht “die Intellektuellen”…

      • Ich hab auch Geisteswissenschaften studiert, liebe Kafka, philosophische Diskurse, aber auch Trash-TV und solches Zeug. Und nun? ;)

  1. ich finde es sehr angenehm, dass auch ein examinierter, promovierter & approbierter “mensch wie du” sich lieber mit den lebenden beschäftigt, als bücher von künstlern zu lesen, die ihre werke sogar selbst lieber verbrannt sehen wollten! ;-)

    sonst hätten wir hier vermutlich auch nicht so viel zu lachen! =)

  2. dann gehörten mein bester freund und ich zu der anderen sorte. ich kann aber insindermäßig berichten, dass auch die leute mit mehr metern bücherregal als wandfälche in ihrer kleinen bude zwischendrin mal in der kneipe sitzen. auch die schreibenden, philosophie lesenden und verstehenden menschen auf dem klo kacken und gern nutella essen – dabei auch nicht besonders ansehlich sind. leute ohne TV, die die einischlägigen philosophen im regal haben und auch freudig lesen -weils schön ist, weils spaß macht, weils die seele trifft und man sich verstanden fühlt. mehr ist es gar nicht! man will verstanden sein. und genau die, die es zur großen show machen, weils ja so schick ist, die sich als belesen, gebildet und ach wie fein und anders zu GEBEN, die sind es nicht. denn auch die erkennt man, wenn man ganz gelassen, “brigitte” lesend beim frisör sitzt, sokrates verstanden hat, hesses demian auch gänzlich ohne sekundärliteratur auf den punkt verstanden hat und es nicht ständig und überall für jeden sichtbar raushängen lassen muss WIE ach so intellektuell man ist! mein credo war immer: sein hängt nicht vom schein ab. wer ist, muss nicht aussehen als ob. es ist wie mit dem “tragetücherselbstgenäht-und-käse-noch-handgemacht” müttern, die wie die zeugen jehovas stumm und anklagend vor dir stehen und dich wissen lassen, dass du mit kinderwagen und nicht-stricken-nähen-selber-machen sowieso zu den kommerziellen gehörst, die nur terrorkinder erziehen, während sie allein und mit der ganzen wahrheit über das leben ausgestattet die einzig waren art mutter zu sein leben. DIE versauen den ruf für alle netten, normalen, freundlichen, tolaranten öko-mütter :) analog also die belesen-fraktion, die sich gar nicht darstellen will und das einfach so macht, weil es ihner natur entspricht. die brauchen keinen schal und müssen auch nicht immer nur tee trinken – und – müssen nicht immer plakativ mit pessoa, nietzsche, fromm oder kafka rumlaufen.

  3. Trifft auch ziemlich genau auf mich zu: Abi, studiert, promoviert (summa cum laude sogar), ABER: Feuilleton der FAZ =Bäh! (Immerhin mag ich (manchmal) ins Theater gehen und gucke gerne Dokus (z.B. “Da wird mir übel”) und Naturfilme (bin Biologin).)
    Du bist also nicht allein.

  4. Ohja, noch eine intill… intell… kluge Frau, die nicht so auf angeblich intellektuell hochwertige Literatur steht. Halleluja – ich dachte schon ich bin die einzige Banausin, die sich von der Omi vorhalten lassen muss, dass man mal wieder nicht bei der neusten Kunstausstellung war. Danke, Josephine. Du gibst Menschen wie uns den Mut auch einmal so etwas zuzugeben! ;)

  5. Ach, die meisten Klischees stimmen doch eh nicht! Man kann doch auch als Professor für Physik noch nie Kafka gelesen und/oder gemocht haben. Das macht einen doch nicht zum ungebildeten Deppen.
    Die meisten Leute passen nicht in solche Schubladen wie “die Intellektuellen”. Oder von mir aus “alle Ärzte”. Sag mal einem Chirurgen, er sei das gleiche wie ein Dermatologe. ;-)
    Ich denke, die meisten Menschen leben doch einfach ihr Leben mit ihren eigenen Vorlieben. Ich zum Beispiel besitze auch garantiert mehr Bücher als der Durchschnittsbürger. Der Blick der Mitarbeiter des Umzugsunternehmens bei unserem letzten Umzug war vielsagend… . Und ja, ich oute mich, ich lese manchmal den Feuilleton der FAZ. Freiwillig. Und auch noch gerne. Was mich in keiner Form davon abhält stundenlang “How I met your mother” und “The Big Bang Theory” zu sehen. Gerne auch mal in Joggingklamotten (äh, nicht weil ich etwa jemals jogge, sondern weil ich im 8. Monat bin und echt nix mehr passt…. der riesigste Bauch aller Zeiten) mit Ben&Jerry’s auf der Couch. Allerdings löse ich manchmal auch dabei Sudokus. Also, wenn das Eis alle ist und der Beste Ehemann von allen mit Nachschub organisieren beschäftigt ist. Und ich gehe gerne ins Theater. Aber über Philosophiebüchern schlafe ich ein, Kafka kann ich nichts abgewinnen und Physik ist völlig unverständlich für mich. Und moderne Kunst…nunja, ich glaube, die lebt ganz gut ohne mich oder wenn nicht, ich zumindest ziemlich gut ohne sie.
    Wichtig ist doch nicht, die Erwartungen anderer zu erfüllen, sondern im Rahmen der eigenen Möglichkeiten das Beste für sich selbst aus dem eigenen Leben zu machen.
    Uihhh, das war jetzt aber mal ein verfrühtes Wort zum Sonntag! ;-)

  6. hach Frau DR Chaos, ick find dir so toll und kann mir dein geshreibsel immer so schön bildlich vorstellen :D

    mehr mehr …ich will mehr

    und was ist noch mal genau das intell…ähm intelle ..ähm ja. schönes Wochenende? ;)

    lg angi

  7. Ach Josephine, bist Du kompliziert!
    Da lobe ich mir doch die Einstellung von “uns Männern”: pragmatisch bis zum Abwinken ..
    #wink!!!#
    Aber mal im Ernst: was bedeuten Begriffe wie “Intellektuelle/r”? ist doch eh alles relativ. Oder meinst Du ernsthaft, “die” ziehen die Hose nicht als Erstes über die Beine?
    Ein bekennender Kulturbanause :-D
    Grüße
    Hajo

  8. Tja, ich gehöre zu den Intelektuellen. Und ja, Universitätsabschluss, egal ob mit Promotion oder ohne, bedeutet eben nicht gleich intelektuell. Soll es doch auch gar nicht!!! Das heißt doch nicht, dass das eines mehr wert wäre als das andere. Die Fächer sind doch so unterschiedlich, da kann und soll es diesen Anspruch doch gar nicht geben. Bei dem einen verdient man am Ende vielleicht mehr, beim nächsten geht es eher ums “kuturelle Kapital” (das ist jetzt für die Intelektuellen, Bourdieu lässt grüßen), aber ich bin immer sehr genervt vom gegenseitigen Stänkern und den Vorurteilen unter Akademikern.

    • sorry Christiane, aber Du forderst den “kleine-braune-Früchte-Ausscheider” in mir heraus: es muss heißen “im Liegen”.
      aber Orthographie gehört vielleicht nicht zum “Berufsbild Intellektuelle/r” :-D

  9. Gut, dass Du nicht in dem Sinne “intellektuell” bist. Dann würde ich Deine Texte wohl nicht – mit “Erkenntnisgewinn” und Spaß – lesen. DANKE! Und steh weiter Deine Frau, im Privaten wie im Dienst!!! Alles Gute! Almut Rosebrock

  10. Ach, man kann nicht immer nur ernste Bücher lesen. Einer der als schwierig und inhaltlich bei Prüfung fordernd bekannten Profs an meiner Uni hatte eine Leidenschaft für Comics. Er hat sogar mal vor uns Studenten einen Vortrag über dieses zweite Lieblingsthema seines Lebens gehalten.

    Moderne Kunst? Ich hätte auf der Documenta im letzten Jahr stundenlang Videos anschauen können, wenn die Zeit nicht so knapp gewesen wäre. Übrigens wurden dort auch “vertikale Gärten” gezeigt.

    Neulich saß neben mir im Zug eine unscheinbare Frau, fast in meinem Alter, am Laptop aufgezeichnete Krimiserien schauend. Als die Fahrkartenkontrolle kam, bekam ich zwangsläufig ihre Bahncard zu sehen – Frau Dr. Soundso. Vielleicht ist es gut, dass solche “Ausweise” nicht die Studienrichtung verraten.

  11. …. Und wenn ich (theoretisch) neben Kindern/Mann/Arbeit/Wahnsinn Zeit hätte, ins Kino zu gehen, würde ich mir KEINEN ausländischen Film mit Untertitel sondern einen verd****en Hollywood-mainstream-Blockbuster angucken! So! :-)

  12. Hier, mein Mann und ich auch :-)
    “…frühkindliches LK-Deutsch-2-Trauma.” In welchem Alter hast du Abitur gemacht? Bei mir war da schon grad die Pubertät rum ;-)

  13. Wenns dich trösten tut, ich hab so ca. 3500 Bücher gelesen, aber weil das ungefähr die Stephen-King-Gesamtausgabe (+ die in Leder gebundene Sammlung Lustiges Taschenbuch) ist, bin ich auch nicht die Intelektudingsda. Mach Dir nix draus, die geistig armen soll ja angeblich selig sein. ;)

  14. Ich bin auch nicht Die.
    Ich lese zwar sehr viel, aber eher Dinge die nicht zur Weltliteratur gehören. Auch wenn daran eher die Weltliteratur schuld ist, ich finde JEDER sollte die StarWars-Thrawn-Trilogie gelesen haben, aber ich werd ja nicht gefragt.

  15. Ach was, einfach nicht so viele Gedanken um so Kleinkram machen.
    Warum soll man nicht z.B. ein bisschen von allem mitnehmen? Hauptsache, es gefällt.

    Ich etwa kann mich genauso in tiefer, schwerer Lektüre verlieren wie in seichter Unterhaltung, mag Philosophietalkrunden genauso wie HIMYM oder Braking Bad und Co, lese mal Zeit, mal den Schund über Stars und Sternchen und fühle mich in klassischer Musik genauso wohl wie auf gröhlenden Metal-Konzerten.

    Hm, vielleicht bin ich aber auch einfach zwei…

  16. Und du bist nicht allein.
    Ich schließe gerade meinen Dr. phil. ab – und lese Saphirblau, während im DVD Spieler die siebte Staffel Grey’s Anatomy läuft. Mein Bücherregal ist voller Fantasy, SciFi, historischen Romanen, Krimis, Thrillern (mit möglichst viel Blut) und anderem Schund. Letztes Wochenende habe ich die ganze erste Staffel Walking Dead geschaut, die steht im Regal übrigens neben Dexter, Harry Potter und Star Trek. Meine beste Freundin? Dr. rer. nat. mit magna plus und einem Jahresgehalt das gruselig nah an einer Grenze ist, die ich mit meinem Dr. phil. nie erreichen werde (und du mit deinem Dr. med. vermutlich auch nicht) rollt sich bei Festivals im Schlamm. Meine andere Freundin mit fertigem Dr. phil. liest Bücher von (nicht-glitzernden) Vampiren und schaut in ihrer Freizeit am liebsten komischen englischen Sport. Ich glaube nicht, dass eine von uns jemals freiwillig “Literatur” in die Hand genommen hat. Oder irgendwas “Intellektuelles” getan hat (außer im Urlaub wg. Pflichtbewusstsein ins Museum zu gehen). Das ist der Unterschied zwischen Akademiker-Nerd und Intellektuellen-Freak ;)

  17. Hi hi, ich erkenne mich wieder.
    Bin auch studiert, promoviert und approbiert und schäme mich immer ein bisschen, zuzugeben, noch NIE in einer Oper gewesen zu sein, zuletzt ALS KIND im Theater gewesen zu sein (Weihnachtsmärchen), lieber BILD und GALA zu lesen als FAZ (einmal zu einer Weiterbildungsveranstaltung doch ertappt worden, wie ich im Frühstücksraum des Hotels heimlich in einer Ecke die BILD las -“Was? SIIIEE lesen BILD…?!?), nie Schopenhauer/ Kaffka/ Kant gelesen zu haben, liebend gerne ins Popcorn- Kino zu gehen…

  18. Pingback: Ich bin nicht “die Intellektuellen”… | Deenah

  19. Ich bin im Professorenhaushalt groß geworden und kann nur sagen: Sei froh, dass Du nicht die Intellektuellen bist. Die können über nichts mehr lachen, stehen überall nur noch drüber statt mittendrin. Witze werden da bestenfalls noch kulturspezifisch katalogisiert. Und diese Besserwisserei! Da fragt man mit 4 Jahren, warum die Blätter grün sind und kriegt zur Antwort: “Das ist die Photosynthese!” Ach so, ist klar, Papa, vielen Dank! Das hat doch schon Methode! Pah! Abgeguckt habe ich mir nur die Begeisterung für die Oper: 1. Akt: Liebe, 2. Akt: Verrat und Verzicht, 3. Akt: Tod. Im Grunde ist das etwas für einfache Gemüter wie mich :-) LG Casta

    • “Da fragt man mit 4 Jahren, warum die Blätter grün sind und kriegt zur Antwort: “Das ist die Photosynthese!” Ach so, ist klar, Papa, vielen Dank!”

      Noch ein Literaturtipp. Richard Feynman beschreibt in “Sie belieben wohl zu scherzen, Mr. Feynman” (oder war’s http://en.wikipedia.org/wiki/What_Do_You_Care_What_Other_People_Think%3F ? Egal. Beide gut. Bitte beide lesen.) ein ähnliches Phänomen, allerdings noch schlimmer, da in Schulbüchern. Dort wird alles mit “Energie” erklärt, was natürlich gar nix erklärt, weil es nur ein Wort als Erklärung setzt.

      Es ist ein Problem, dass geistige Tiefflieger sich erfolgreich als intellektuell ausgeben. Es bringt die Intellektuellen per se in Verruf und macht sie als “Spinner” angreifbar. Einer komplexen Argumentation zu folgen, kann leider mühsam sein, das macht die Behauptung, man könne sich das sparen, weil es sowieso nur Blödsinn sei, attraktiv. Vgl. solche Meisterwerke wie “Ich bin kein Intellektueller. Ein heiteres Buch.” von Herrn Ferdinand Weisheitinger, der sich mit einem Lied dazu auch bei den Nazis einschleimte.

      Wer einen vergleichsweise sanften Einstieg sucht, findet ihn bei http://de.wikipedia.org/wiki/Philosophie_des_Abendlandes Danach kann man dann Carnap lesen. Das ist Arbeit. Aber auch Spaß. Kurz: wie es sein sollte.

      Disclosre: s. andernorts

  20. “Als Intellektueller wird ein Mensch bezeichnet, der wissenschaftlich, künstlerisch, religiös, literarisch oder journalistisch tätig ist, dort ausgewiesene Kompetenzen erworben hat, und in öffentlichen Auseinandersetzungen kritisch oder affirmativ Position bezieht. Dabei ist er nicht notwendig an einen bestimmten politischen, ideologischen oder moralischen Standort gebunden.”
    Nach der Wikipediadefinition sind Sie eine Intelektuelle, da hilft nix
    Auch kein Kaffka.

  21. Ich kann mich doch nicht für alles interessieren ;-)

    Und übrigens kenne ich jemanden, der sich selbst für einen intellektuellen Mensch hält und dann nicht mal weiß, was das Wort “stigmatisieren” bedeutet. Da helfen auch keine 100 Opern im Jahr und keine 1.000 besichtigte Kirchen, Museen, ins Hirn gepresste Daten von Vorvorgestern usw. im Urlaub, wenn man die einfachsten Begriffe der Umgangssprache nicht kennt, um bei den Gesprächen der kulturbanausenden Proleten mitsenfen zu können.

  22. Als Buchhändlerin bin ich leider auch mit “intellektuellen” Kolleginnen geschlagen, die auf mich herabsehen, weil ich nicht die FAZ lese, Goethe, Schiller und Kafka furchtbar finde (das erwähnte frühklindliche Deutsch-LK-Trauma), Schopenhauer, Hegel und Kant nur dem Namen nach kenne und eher die horrenden Dinge (“Nein, was für ein Schund!!!”) verschlinge. Dafür sind diese Damen dann zu vergeistigt einen PC einzuschalten oder ein automatisches Datum in Word einzufügen. (“Ich bin Buchhändlerin geworden, weil ich NICHT mit PCs arbeiten wollte! *schnaub*) ;)

    • “Als Buchhändlerin …”

      sollte man aber wissen, wie man damit kreativ umgeht, genauso wie das Sonntagsschulkind die interessanten Stellen in der Bibel kennt. Aber sowas wird natürlich in der offiziellen Ausbildung immer unterschlagen. s.u.

      “weil ich nicht die FAZ lese”

      Das erspart einem aber vieles im Leben. Man muss dann einfach nur mehr nachschlagen, was Schirrmacher schreibt. Warum sollen auch nur die Zeugen Jehovas ihren Wachturm haben?

      “Goethe”

      Faust ist zum zitieren da, falleri und fallera.

      “Schiller”

      Das soll er aber auch sein. Vgl. “Gang zum Eisenhammer”. Für eine bessere Parodie auf die frömmelnde Literatur muss man lange suchen.

      “Schopenhauer,”

      Niemand mit Verstand hält den für einen akzeptablen Philosophen. Woraus NB folgt: Nietzsche ist auch ein Arsch. (Die zurückhaltende Wortwahl orientiert sich an der Sprache der kritisierten Herrschaften.)

      “Hegel”

      Die drei schrecklichen H: Hegel, Husserl, Heidegger.

      “Kant”

      Überholt. http://de.wikipedia.org/wiki/John_Leslie_Mackie (Warnung: seinseits leicht überholt, aber immer noch die beste Darlegung, dass Kant überholt ist). Es geht voran! http://www.youtube.com/watch?v=4JztCkQ4ubQ

      “die horrenden Dinge”

      Die Schnittmenge zwischen Literatur und gut ist angenehmerweise nicht leer. Oscar Wilde, Importance of Being Earnest; Oskar Maria Graf, Das Bayrische Decamerone; http://de.wikipedia.org/wiki/Briefe_in_die_chinesische_Vergangenheit http://de.wikipedia.org/wiki/Candide_oder_der_Optimismus

      Und wie schon angedeutet: Aus Webcomics kann man heutzutage mehr Philosophie lernen, als durch ein Studium an so mancher deutschen Universität. Yo! Tis is da reel deep shit!

      Disclosure of conflict of interest: Schreiber gibt Schuld dafür, dass er von Hartz IV lebt statt von Dozentengehalt dem Zustand dieser famosen “Wissenschaft”.

  23. Ich BIN intellektuell. Nach deiner Definition. Wow! Ich habe jetzt ein wohliges Bauchgefühl und schwebe den Rest des Abends einen Meter über dem Boden. Warum hat mir das keiner früher gesagt? Warum fällt das im Alltag nicht so auf? Warum, verdammte Kacke nochmal, bringt mir Kafka nichts im echten Leben? Warum muss ich banale Dinge wie z.B. “wie krieg ich den schimmel aus der waschmaschine” oder auch “was ist das für ein krumpeliges stück gemüse in meiner ach-so-intellektuellen biokiste” immer googeln?! WIESO WEIß ICH NICHT ALLES?

  24. Schöner Artikel! Aber nix neues, liebe Josephine. Oder hast du die Geisteswissenschaftler an der Uni vergessen, die über die doofen, weil fachidiotisch und nicht universell gebildeten Medizinern gelästert haben? Denen hast du doch damals schon ins Gesicht gelacht-oder?

  25. Sehr viel Wahres dran. Trotz Uni sind weit nicht so viele Menschen im “Echten Leben” intellektuell geworden, wie man meinen sollte. Aber vielleicht ist intellektuell sein ja auch so etwas wie Festival-Besucher sein? Ich hole mal ein bissl aus:

    Auf jedem Musik-Festival sieht man sie, die Mittdreißiger. Gestern noch im schicken Business-Hemd mit feiner dunkler Jeans, heute im Batik-Look. Das orange-gelb-grüne T-Shirt spannt schon etwas am Bauch, die Bandana soll das schüttere Haar kaschieren, betont es aber eher, und die ausgewaschene Jeans wird sonst eigentlich zum akribischen Heckenstutzen getragen.

    Worum es geht? Um die Pose. Und hey, die Pose, die haben wir an der Uni immerhin gelernt: Um intellektuell rüberzukommen, zitiert man ein wenig Griechenphilosophen, blättert in der Faz oder Zeit und ergänzt das Ganze um eine internationale Note: “in Sri Lanka haben die solche Probleme ja schon seit 1950″. Jupp, können wir. Also gut, konnten wir pünktlich zu den Uni-Prüfungen. Aber im Prinzip würde es noch gehen.

  26. :-D
    Großartig! Ich bin also nicht der einzige Prolet unter den Akademikern!
    Das tut gut. Wenn ich irgendwo ins Patientenzimmer kam war es sowieso immer so, dass der Münsterländer Hochadel oder die bavarische Schickeria mir den nicht vorhandenen Trainingsanzug unterm Kittel ansahen. Also habe ich mir eine Profession gesucht, wo man keinen Kittel mehr braucht.
    Im Unterhemd auf dem Fenstersims liegend und fröhlich winkend,

    der Narkosearzt

    PS: Habe meiner Frau Dein Buch geschenkt > verschlungen sie hat es. Danke!

  27. Ich krieg – völlig (un)intellektuell – Entzugserscheinungen nach deinen tollen, lustigen Blog-Einträgen ;-)

    Liebe Grüße,
    Conny

  28. Josephine, sag mal “Piep”!
    Dein Buch, so toll es ist, ist einfach kein Ersatz für deinen Blog. Vor allem weil ichs inzwischen fast auswendig kann vom vielen Wiederlesen. :)

  29. Hey Josephine,
    wooooo biiiiist du?!
    Ich hoffe jetzt liest du nicht doch noch, im Theater sitzend, die ganze Weltliteratur hintereinander weg!?

    Liebe Grüße
    Steffi

  30. Ich liebe diesen Post! Ich lese ihn immer wieder und verfacebooke ihn immer wieder. Ich würde gerne Nietzsche verstehen – ABER … ich tue es nicht. Wie so manch anderen Philosophen und ich lese schon nicht die Orginaltexte sondern die Hausfraueninterpretationen die Weltbild & Co so produzieren :)
    Dankeschön für diesen pointiert und wunderbar geschriebenen Beitrag.

  31. ich hab nach 2 diplomstudien und doppelmag auch feststellen müssen, dass das mit mir und dieser form der intellektualität nix wird. macht aber nix. es gibt auch sonst genug zu tun mit der wenigen freien zeit :)

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