“If it walks like a duck, quacks like a duck, looks like a duck,…

…it must be a duck!”

Heisst: Wenn es läuft wie eine Ende, quakt wie eine Ente, aussieht wie eine Ente – dann wird es wohl auch eine Ente sein!

Und dieser Freitag sah nicht nur aus, wie FreakyFriday *KLICK*, er fühlte sich auch definitiv danach an. Das wusste ich jetzt. Obwohl ich bis vor ca. 35 Minuten noch keinen Schimmer hatte, dass es solche Dinge wie “seltsame Freitage” überhaupt gibt.

Nachdem nun alle Lachtränen getrocknet sind und wir uns alle wieder schön unter Kontrolle haben, lässt uns OP-Schwester Darling endlich – wenn auch nur wiederwillig – wissen, was denn eigentlich passiert ist:

“Der Chef hängt auf dem Klo fest, weil der Schlüssel von innen abgebrochen ist. Jetzt suchen sie einen Neuen – also Schlüssel, nicht Chef! Und bis es soweit ist, übernimmt Napoli den OP-Plan”

Was ganz schön traurig ist. Denn der kleine, italienische Oberarzt ist Freitagsmorgens kein rechter Ausbund an Fröhlichkeit und Ruhe. Okay – auch sonst nicht. Aber Freitags am allerwenigsten. Ganz schlimm! Und doppelt schlimm, wenn man sich eigentlich auf entspanntes Operieren mit dem allzeit hochentspannten Chefarzt gefreut hatte. Aber da isser nun schon: Francesco Napoli, leidtenderOberarzt der Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe…

“Es ist unglaublich!” brüllt er, kaum, dass er den Saal betreten hat “Soll ich mich vierteilen? Eh? Wer macht jetzt meine Ambulanz? Und das Paper für den Kongress nächsten Monat? Eh? Was ist das hier überhaupt und WO ist mein Tritt?”

“…tritt in den Allerwertesten wäre jetzt wirklich angebracht!” denke ich innerlich seufzend und sehe Edda aus den Augenwinkeln wild mit den Augäpfeln rollen.

“Guten Morgen, Francesco! Ich geb dir gleich höchstpersönlich einen Tritt, wenn deine Laune nicht UMGEHEND besser wird!”

Hurray – ich hatte Oberschwester Ottilie völlig vergessen, die einzige Frau weit und breit, welche unseren kleinen, hypertrophen Italiener im Griff hat. Okay, vielleicht noch ausser Rosaria, Napolis wunderschöner, ewig froh gelaunter Ehefrau…

“Darling- besorg deinem Oberarzt die Stufe, damit er auch sieht, wo er hin operiert. Und jetzt machen wir alle mal ein bisschen pronto, sonst stehen wir nämlich nächsten Freitag auch noch hier – hopphopp!”

Keine dreissig Sekunden später steht Napoli dann tatsächlich, steril verpackt, am Tisch und blitzt mich über die schlafende Patientin hinweg böse an: “Was soll das? Warum grinsen sie?”

Weil ich von dir Zwerg nur die Nasenspitze sehe….?

Ich (mühsam das Lachen verkneifend): “Öhm – ich musste gerade an etwas lustiges denken… ” *HüstelRöchel*

Es ist aber auch zu komisch – Francesco Napoli misst nun einmal von der Sohle bis zum Scheitel keinen Millimeter mehr als 1,66 m. Der Operationstisch ist ungefähr einen Meter zwanzig hoch, die Frau darauf nochmal um die Vierzig Zentimeter (ja – zierlich ist anders) – heisst: Wenn der Oberarzt hier tatsächlich operativ tätig werden möchte, braucht er in jedem Fall einen Tritt. Also: Hocker. Oder eine Leiter, aber das sage ich nicht laut, sonst wird das hier mein letzter Freitag überhaupt, freaky hin oder her…

Napoli (mit einer Stimme im Bereich flüssigen Stickstoffes): “Wenn wir zwei uns nicht gleich auf Augenhöhe befinden, wird nicht nur ihnen ganz schnell das Lachen vergehen…!”

Au weia – jetzt ist er nicht mehr sauer, jetzt wird er gleich tollwütig…

Ottilie (brüllend): ” HERRGOTT NOCHMAL – DARLING??? Hast du dich verlaufen oder was?”

Darling – irgendwo in den Untiefen des Operationstraktes, auf der Suche nach einer geeigneten Erhöhung für den Mini-Oberarzt: “Ich hab keine Ahnung, wo der blöde Tritt hin ist! Ich kann ihn nicht finden!”

Auf Napolis Stirn bilden sich jetzt kleine Schweisströpfchen und ich ziehe vorsichtshalber den Kopf so weit zurück, dass er komplett aus meinem Sichtfeld verschwindet – hinter der großen Frau auf dem Tisch vor mir fühle ich mich einigermassen geschützt, denn ein explodierender Napoli ist gefährlicher als ein Flammenwerfer in einer Fabrik für Feuerwerkskörper.

“Das ist alles, was ich gefunden habe” stöhnt Darling, von links in den OP kommend, und schleppt eine dreistufige Trittleiter vor sich her, wie Hausfrauen sie zum Gardine aufhängen gerne benutzen.

Ich spüre, wie mir die Hitze in den Kopf steigt und auch Igor zieht vorsorglich sein Picknickdecken-Taschentuch aus der Hosentasche.

“Herr, bitte – wenn er sich DA jetzt drauf stellt, dann sterbe ich…”

Ottilies Augen blitzen über dem grünen Mundschutz, als sie dabei zusieht, wie Napoli mit Zornesfalte über der Nase die Leiter betritt – eine Stufe, noch eine, Bein über den Achsenpunkt und…

“Sehr, sehr schön sieht das aus, lieber Francesco – SO hast du doch mal einen wirklich umfassenden Ausblick auf das OP-Feld und alles…!” und der Hohn tropft bei diesen Worten aus jeder Pore der kleinen, alten OP-Schwester.

Napoli kocht. Seine Hände zittern sachte vor Wut und ich trau mich nicht wirklich, ihm ins Gesicht zu schauen, aus Angst, mich vollends zu vergessen und lachend im OP-Feld zusammenzubrechen. Von der anästhesistischen Seite, nördlich des grünen OP-Tuches, hört man nur angestrengtes Ein- und Ausatmen und ich sehe Edda und Igor vor meinem geistigen Auge, wie sie in höchster Konzentration das Lachen wegzuatmen versuchen, welche kurz vor Ausbruch steht.

“Skalpell! Verress-Nadel! Halten! Kompresse!”

Immer noch höchst aggressiv bellt Napoli seine Anweisungen in den Saal. Nebenan, bei den Chirurgen, wird gerade die Musik gewechselt – offenbar ist deren erste Operation vorschriftsmässig beendet und während die Anästhesie die aktuelle Patientin aus der Narkose hohlt und Richtung Aufwachraum bringt, strecken die Aufschneider neugierig den Kopf durch die Verbindungstür.

“Moin, Freunde!” Luigi streckt sein freundlich grinsendes Gesicht unter grüner OP-Haube durch die Tür, und ich frage mich zum wiederholten Mal, warum UNSER Italiener so ein Dauermiesepeter ist, und die Chirugen den Sunnyboy des Stiefels abbekommen haben. Dann:

“Whow – Napoli! Wollten sie auch mal schauen, wie die Welt aussieht, wenn man größer als einsvierzig ist…?” Sprichts und zieht seinen Kopf unter großem Jubel zurück in den Nachbar-OP, bevor das Unheil seinen Lauf nimmt:

In einer Flut italienischer Schimpfwörter, die wie die Niagarafälle aus ihm herausstürzen, tobt der in seiner Ehre schwer verletzte Oberarzt auf dem wackeligen Leiterchen herum, dass ich ernsthaft befürchte, er könne sich gleich in die Tiefe und damit in den sicheren Tod stürzen. Von nebenan ertönt schadenfrohes Gelächter und auch hinter der Grenze zum Reich der Betäuber weinen Edda und Igor gemeinschafltich dicke Lachtränen in graukariertes Taschentuch.

Ich hingegen stehe – die Kamera in der Linken, Troikar in der Rechten, höchst konzentriert auf meiner Seite der Barriere und zähle von Zweimillionen rückwärts, während ich bete, dass das unbändige Gelächter, welches sich gerade in den Tiefen meiner Därme zu formieren scheint, unten bleiben möge.

“DOKTOR CHAOS!”

Ich *grmpflschllfpf*: “Ja – Oberarzt?”

“Ich WARNE sie – wenn sie jetzt auch gleich lachen…!”

Seine Stimme ist jetzt nur noch diabolisches Flüstern und ich könnte schwören, dass kleine Hörnchen unter seiner OP-Haube gewachsen sind….

Ich (piepsend): “nein…. auf keinem fall….”

Ottilie (unschuldig): “Und, Francesco – wie IST es denn jetzt da oben? Hast du die Alpen schon sehen können…!”

Napolis wildes Geschreie höre ich nur noch gedämpft, während das Lachen sich in unbändigem Glucksen und Gröhlen aus mir heraus katapultiert, mich gar so sehr schüttelt, dass ich mich mit beiden Händen an meiner Patientin festhalten muss. Und als ihn sein Gehüpfe und Gehampele dann urplötzlich von der Leiter haut, laufen mir die Lachtränen bereits unter dem Mundschutz hinweg in den Ausschnitt meines dunkelgrünen OP-Hemdes…

———————————–To be continued———————————–

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28 Gedanken zu ““If it walks like a duck, quacks like a duck, looks like a duck,…

  1. *brüllschreitobendvorlachen*
    Oh mann… Kopfkino!! *stöhn und Luft hol* Bittttttte weiter schreiben, bittebittebitte!!! Mein Mann hat mich jetzt grad völlig entsetzt gefragt, ob es mir gut geht vor lauter Schnapp-Lachatmung *gg* Als Antwort hab ich nur den Link zu deinem Blog geschickt..
    LG Elawen

  2. Herrlich, mir tropfen dicke Lachtränen ebebsoo innen Ausschnitt, phantastisch geschrieben!
    Solche Augenblicke im echten Leben = unbezahlbar! Krieg mich in solchen Situationen (man darf/sollte nicht lachen) auch nur schwer unter Kontrolle :-D

    Sei lieb gegrüsst!

  3. Na, bei dem Spektakel hätte ich mich auch nicht halten können. Wenn ich schon beim Lesen einen Lachkrampf kriege, möchte ich nicht wissen, wie das in real wäre :D

  4. Ich sag nur: Giftzwerge… ;-)
    (Gaaaanz übler Cliffhanger, möcht ich nur anmerken. Geht gar nich. Schon gar nicht am 1. Mai. Aber so was von gar nicht. – An wen darf ich die Rechnung für den zerkratzten Schreibtisch schicken?)

  5. Liebes Chaos, jetzt weiß ich, warum du Cliffhanger einbaust… damit ich zwischendrin mal wieder zum atmen komme und mein Mann mich nicht notfallmässig in die Psychiatrie einweisen lassen muss… Gnihihi… zu schön.
    BTW- sind dir irgendwie die Artikel durcheinander gekommen?

    LG Rabiata

  6. Hallo Josephine,

    ganz großes Kino, aber irgendwie scheint die Reihenfolge bei der Story durcheinander geraten zu sein.
    1. Friday, Freaky Friday
    2. If it walks like a duck, quacks like a duck, looks like a duck,…
    3. It’s showtime

    Sollte nicht 3 zwischen 1 und 2 kommen?

    glg Berti

    PS: Krieg ich das Passwort für die gesperrten Teile?

  7. Ich liebe deine Geschichten :-):-):-)
    Und ich fühle mich stark an Jetzt-bloß-nicht-lachen-Momente meines Lebens erinnert. Uuuh, sowas kann ich gar nicht gut ;-)

    Ich dibbere auf die Fortsetzung :-)

  8. Super meine Frau guckt Traumhochzeit, der Sektschalenturm kippt um und die männliche Hälfte liegt lachend am Boden. Das Gesicht, dass meine Frau gemacht hat, half nun nicht wirklich ich zu beruhigen

  9. Und keiner hat Mitleid mit dem armen kleinen Männäcken Mann. Ihr seit alle sooooo gemein zu ihm. Schenk ihm doch wenigstens 10mg Diazepam i.v. nach abgeschlossenem OP-Geschehen. So lieb müsst ihr ihn doch wenigstens haben…

  10. Ich glaubs kaum, da hab ich mal drei Nächte lang Dienst und schon ist hier die tollste Story entstanden.
    Nachdem ich meine Lachtränen getrocknet habe und wieder halbwegs normal atmen kann erkläre ich jetzt mal schnell meinen Kindern, daß sie sich keine Sorgen machen müssen, da ich lache und nicht weine.
    Vielen Dank für diese wunderbare Aufheiterung (hoffentlich geht es schnell weiter)

  11. Ohwei, die anderen hier mit mir im S-Bahn-Wagen fragen sich grade, was mit mir los sein könnte, weil ich versuche, mich nicht auf den Boden zu werfen vor Lachen, häääärlich!

  12. Ich stelle mir gerade vor, die Patientin wäre zwar schmerzfrei narkotisiert, aber bei vollem Bewusstsein gewesen – die könnte nach der OP einen Bestseller schreiben, der auf der Spiegel-online-Liste den Platz 10 auf Platz 11 verdrängen würde – wenn sie schnell schreibt.

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