Auch mal Dienst-Potpurri…

Irgendwie ist es immer dasselbe mit den Feiertagen und den Notdiensten – alles, was nicht bei drei auf´m Tannenbaum sitzt und trotz essens im Studentakt noch halbwegs krabbeln kann, findet sich irgendwann zwischen dem 24.12., 21.40 Uhr und den frühen Morgenstunden des zweiten Weihnachtsfeiertages in den Kliniken dieser Welt ein. Weltweit, ich schwöre!

“Es zieht! Da unten…” (wages Kreisen über Bauch und Brustkorb) “…und brennt beim Wasser lassen. Und dann hab ich hier noch so einen Pickel…” (pfriemelt sich dort herum, wo man normalerweise nur in den gekachelten Nebenräumen pfriemelt) “…und das mit der Pille müssen sie mir auch mal genau erklären, dass hab ich nicht verstanden!” – Nee, ist klar!

“Der Husten ist jetzt schlimmer geworden. Und der Schnupfen auch! Zum Hausarzt? Nee, der macht mich zur Minna, wenn ich wegen sowas am Feiertag vorbei komme. Und weil ich doch schwanger bin dacht ich…”

“Wir brauchen die Pille danach. Wann wir Sex hatten? Noch gar nicht. Aber für den Fall DAS und wir DANN die Pille vergessen ist es doch super, wenn wir sie schon haben. Dann müssen wir nicht NOCHMAL vorbei kommen!”

“Ich habe Wehen!” – “Okay – und warum haben sie den Rettungswagen gerufen?” – “Ich fand es gemütlicher, liegend her zu kommen…!”

“Ich hab so komisches Stechen!” – “Seit wann?” – “November!” – “Eher Anfang oder Ende November?” “November 2011″

“Mein Kind hat sich nicht mehr bewegt.” – “Und seit wann genau?” – “Das war gestern Mittag” – “Jetzt turnt es aber wie der wilde Wutz da drin herum” – “Ja, schon den ganzen Tag heute” – “Ähm – und warum sind sie jetzt genau hier?” – “Vielleicht können sie mal schauen, was es wird. Bei meiner Frauenärztin sieht man NIE etwas!”

“Ich habe einen Blasenentzündung!” – “Haben sie das öfter?” – “Ja – mindestens einmal im Monat. Dann nehme ich ein Antibiotikum und bekomme einen Scheidenpilz. Dann nehme ich Scheidenpilztabletten und bekomme Ausschlag. Dann nehme ich Creme gegen Ausschlag und alles geht weg. DANN bekomme ich wieder Blasenentzündung.” – “Und in welchem Stadium befinden sie sich gerade?” – “Zwischen Pilz und Ausschlag!” – “Sie wollen Creme?” – “Nein – die Pille danach!” – DA hätte ich aber auch selbst drauf kommen können…

“Ich möchte einen Kaiserschnitt!” – “Okay – es ist 23.32 Uhr, WIE genau kommen sie da jetzt drauf?” – “Ich habe über die Geburt nachgedacht und Angst bekommen. Deshalb möchte ich einen Kaiserschnitt!” – “Okay, dann kommen sie doch 4 Wochen vor dem errechneten Geburtstermin noch einmal vorbei, dann besprechen wir alles in Ruhe!” – “Aber das sind ja noch DREI Monate bis dahin…?!” *Kopf->;Tischkante*

Lieber Kinderdoc – vielleicht ist es ja ein Trost: DU BIST NICHT ALLEIN!

Frohe Zwischen-Jahres-Tage Euch allen,

Eure

Josephine

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23 Gedanken zu “Auch mal Dienst-Potpurri…

  1. jau, mitten aus dem Leben von med. Personal. Wir wußten auch, dass sich die Leute heute die Klinke in die Hand geben würden, weil alle urol. Kollegen draussen einfach zugemacht haben. Echt, einfach so, alle zusammen!
    Da kamen heute auch etliche “Schmerzen seit …. (hier beliebigen Zeitraum, aber immer länger als 3 Tage einsetzen)” und mehrere “können SIe mal nach dem Verband schauen, der juckt” und “Fieber mit 37,6°” an. Und “Termine noch vor dem Jahreswechsel, das muss doch möglich sein!”
    *seufz*, auch dieser Tag ging vorüber….

  2. Wenn ich nicht selbst gearbeitet hätte … DAS wäre doch mal eine nette Alternative gewesen … ich hätte mir nur für euch auch ein paar spannende Symptome ausgedacht ;)

  3. Ich hab schon beim kinderdoc den Kopf geschüttelt – warum zur Hölle fährt man zum Notdienst mit eigentlich nichts? Notdienst mit Kleinkind, wenn das (hohe!) Fieber (über 39,5) – okay! Nicht auszuhaltende Schmerzen, gleich welcher Art – auch okay! Aber sonst?! Nein danke! Halte durch! ;)

  4. Wenn ich das so lese, wird mir schlecht… Und vor allem hab ich dann immer Menschen vor Augen, die- um niemandem zur Last zu fallen- lieber zuhause still leiden, anstatt mit ernsthaften Erkrankungen medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Es scheinen meist “die Falschen” quasi-notfallmäßig in Krankenhäusern aufzulaufen.

    Wünsche euch auch zwischen den Jahren eine große Portion Geduld und trotz allem eine gute Zeit.

    Conny

  5. Danke an genau solche Menschen wie dich, die an Feiertagen Dienst schieben, damit geholfen werden kann wenn es WIRKLICH mal von Nöten ist!!!
    Wenn ich das oben so lese frage ich mich allerdings ob einige Menschen an den Feiertagen nichts besseres zu tun haben als sich in den Notaufnahmen dieser Welt den Arsch platt zu sitzen und dem arbeitenden Teil der Bevölkerung noch zusätzlich auf den Sack zu gehen!?!
    HimmelAr*** und Zwirn ich mag meine Familie ja auch alle versammelt nur so gefühlte 3 Sekunden leiden. Aber solche Maßnahmen brauche ich dann doch nicht um dem zu entfliehen. ;)
    Halt durch und bitte bitte weiterhin die kleinen Einblicke in den ganz normalen Wahnsinn!
    Guten Rutsch

  6. Wie toll! Ich hab Dich endlich wiedergefunden *hüpf* *freu*

    Schön war bei mir auch Dienstag Nacht um 4 Uhr nach drei Geburten,15 Stunden Dauerrennerei und gerade eingeschlafen : Ich schlaftrunken gerade aus dem Koma erwacht: Ja?
    Mann – Ich wollte nur mal schauen, ob man bei Ihnen auch jederzeit jemand erreichen kann –
    Ja, können Sie und wie kann ich Ihnen helfen?
    Mann- Schon gut, das wars schon. Meine Frau ist schwanger und falls mal was ist, muß man doch wissen, wo man jemanden erreichen kann.

    AHHHHHHHHHH !!!!

  7. Pingback: Auch Apotheken haben Notdienst « Pharmama's Blog – zu lesen einmal täglich

  8. Liebe Josephine, diese Geschichten ereigneten sich doch sicherlich im Zeitraum von Beginn Deiner Berufspraxis bis heute, oder?
    Liebe Grüße und einen geruhsamen Jahreswechsel
    Hajo

  9. Was ich ja immer nicht versteh – wieso um alles in der Welt geht man freiwillig in die Notaufnahme? Meine Erfahrung beschränkt sich auf einen Besuch, als ich meine Mutter dort abliefern durfte. NACHDEM wir erstmal in der Bereitschaftspraxis waren und überwiesen wurde. Weils was Ernsteres war. Der “Spaß” hat mich – bis die Gute in einem Bett auf Station war – 5 Stunden meines Lebens gekostet (Nämlich von 19 Uhr bis Mitternacht). Und dabei war es in der Klinik noch kein besonders trubeliger Tag – eher “ruhig”. Was treibt die Leute ohne zwingende Not dahin? Ist bei denen daheim nicht geheizt oder was? Ich kann mir etwa drölfzillionen Dinge vorstellen, die ich lieber mache!

    • Eben. Bei meinem letzten Besuch wurde mir eine Gehörgangsentzündung angehangen. Zum Glück war die HNO-Ärztin am nächsten Tag kompetenter. Freiwillig in die Bereitschaftspraxis? Muss ich nicht haben.

  10. Mein Highlight:
    “Was kann ich für Sie tun?”
    “Da läuft was raus!”
    “Aha, ok… dann würde ich sie jetzt untersuchen und testen ob das Fruchtwasser ist!”
    “Nein, das ist kein Fruchtwasser… (total überzeugt) Es ist Badewasser!”
    “Hmmhh… wann haben sie denn gebadet?”
    “Vor 3 Tagen!”
    LOL

    • Wäääh!!! Wie fies ist das denn?! Uah, da schüttelts mich. Auch wenn ich bezweifel, dass so lange Wasser dort verbleiben kann, ohne rauszulaufen- allein die Vorstellung ist gruselig.

      Der Neugier halber: wars Fruchtwasser oder doch was anderes?

      Grüße,
      Conny

  11. Liebe Josephine, musste mal wieder vorbeischauen bei dir: Wie schön, immer spaßig hier, sehr schön :-)

    Würde mich freuen, wenn du auch auf mein neues blog verlinken würdest: http://katerwolf2.wordpress.com/ Wie immer dreht es sich bei mir um das Abenteuer Alltagswahnsinn und Reisen. Schau doch mal vorbei, würde mich freuen.

    Frau Katerwolf, alias Linker Mops (der Gott-sei-Dank keine große Rolle mehr im Alltagswahnsinn spielt) :-)

  12. Und dann aber auch immer diese Menschen die erst (bevorzugt unmenschlich tief in der Nacht) den RTW rufen, alle Welt verrückt machen und dann völlig verdutzt bis verärgert sind wenn sie wirklich irgendwas haben und man sie doch tatsächlich aufnehmen möchte… “Wieee?? Also neeeeieeen, zuhause kann ich mich doch auch ins Bett legen..”! ARGH!

  13. Puuuh, in die Notaufnahme kriegt man mich nur, wenns gar nicht anders geht. Zum Beispiel wenn ich nicht mehr auf meinen Fuß stehen kann. So wie diesen Sommer. Fuß übertreten, hingefallen. Fuß nicht mehr belastbar. Nach versuchter Eigenbehandlung mit Arnikasalbe und Stützverband und gutem Zureden vom Ehemann doch zur Notaufnahme.Ewig gewartet. Von sehr unfreundlichem Arzt geröngt worden. (Soll aber dafür bekannt sein) Wieder warten. In Zimmer gerufen. Warten. Sehr nette Ärztin diagnostiziert heftig überdehnte Außenbänder. Wieder warten. Von ganz nettem jungen Mann Schiene angelegt bekommen und Krücken bekommen. (Die Blessuren von Sturz hab ich lieber gar nicht erwähnt)
    Bitte, wer tut sich sowas freiwillig an? Diese ewige Warterei meine ich.

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